Mensch und Mund 4/2015

 

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Patienenzeitung TCM

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4. Jahrgang · Ausgabe 4/2015 Mensch & Mund Ganzheitliche ZahnMedizin für interessierte Patienten TCM: Traditionelle Chinesische Medizin in der Zahnheilkunde 1 Bildquelle: Wikipedia, Portrait des Großen Tutors Dou vom Künstler Lin Zhong, veröffentlicht 1816

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Mensch & Mund Das Schema zeigt die Beziehung der Zähne zu den Organen und listet mögliche Beschwerden auf. Traditionelle Chinesische Medizin in der Zahnheilkunde D 2 Bei „Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)“ denken hierzulande die meisten Menschen an das Stichwort „Akupunktur“. Doch TCM ist mehr als das – und kann für die zahnmedizinische Behandlung viele hilfreiche Impulse geben. ass Zähne als Teil des Körpers in Wechselwirkung mit dem gesamten Organismus stehen, ist Grundlage der ganzheitlichen Herangehensweise. Die Traditionelle Chinesische Medizin beruht auf mehr als 2.500 Jahren Erfahrung in der ganzheitlichen Beobachtung und Heilung des Menschen – Wissen, das uns heute helfen kann. Der bei uns wohl bekannteste Aspekt der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist die Akupunktur – der ganz präzise Einsatz sehr dünner Nadeln aus unterschiedlichen Metallen, die an bestimmten Punkten des Körpers eingesetzt werden, um Wirkungen zu erzielen. Diese Akupunkturpunkte liegen auf so genannten Meridianen: Energiebahnen, die den menschlichen Körper durchziehen. Die Meridiane verbinden gemäß dem Erfahrungswissen der TCM verschiedene Körperregionen und Organe miteinander. In ihnen fließt die Lebensenergie „Qi“, und sie sind einer der Wege, auf denen Wechselwirkungen innerhalb des Körpers ermöglicht, weitergeleitet und gefördert werden. · 4. Jahrgang 4/2015 Mensch und Mund ©Schema: Praxis Dr. Heiß, Kirchheim-Teck

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Mensch Mensch & & Mund Mund Der gezielte Einfluss auf einen bestimmten Meridian hätte demnach eine Wirkung auf das ihm zugeordnete Organ. Ursache und Wirkung mögen also räumlich getrennt sein, auf der übergeordneten Ebene der energetischen Ordnung im Sinne der TCM ist der Zusammenhang eindeutig. Auch die Zähne und der Mundbereich lassen sich über Meridiane ansprechen, was man sich zum Beispiel für die Schmerzlinderung während und nach der Zahnbehandlung zunutze machen kann. Darüber hinaus steht aber auch jeder Zahn selbst für einen Körperteil: Einmal mehr zeigt sich, dass Zahngesundheit und die Gesundheit des gesamten Organismus sinnvollerweise zusammen gedacht, zusammen betrachtet und zusammen behandelt gehören. Gerade bei scheinbar unerklärlichen Zahnerkrankungen, besonders anfälligen Zähnen oder hartnäckigen Beschwerden, die auf übliche Behandlungsformen nicht ansprechen, lohnt es sich, nach tiefer liegenden Ursachen zu suchen. Die Traditionelle Chinesische Medizin mit ihrem jahrtausendealten Beobachtungswissen kann hierfür wertvolle Hinweise und Anleitung geben. Wo kann Akupunktur in der Zahnheilkunde helfen? Anwendungsbereiche für Akupunktur:  Zahn- und Kieferschmerzen  Förderung der Wundheilung  Vorbeugung von Entzündungen  Bei Zähneknirschen  Nach Zahnextraktionen  Zur Linderung eines starken Würgereflexes Verbindungen der Zähne gemäß TCM Für die Zähne sind aus Sicht der TCM folgende Verbindungen wichtig:  Der Mundbereich wird vor allem durch die Magen- und DickdarmLeitbahn versorgt. Bei auffälligen Zähnen sollte man also auch Magen und Dickdarm genauer untersuchen.  Die TCM sieht die Nieren als entscheidend für die „Grundfesten“ unseres körperlichen, seelischen und geistigen Daseins, inklusive Knochen und Zähne.  Die Milz ist gewissermaßen das verkannte Organ der Schulmedizin – in der TCM gilt sie als wichtig für das Zahnfleisch und die Ernährung der Zähne.  Die Leber ist zuständig für den gleichmäßigen Fluss aller Energien im Körper, sodass es bei einer Leber-Störung leichter zu Zahnschmerzen kommen kann. Der Zahn als Wegweiser Diese Zuordnung von Zähnen zu Organen, Gelenken und anderen Körperbereichen eröffnet eine neue, nicht selten überraschende und oft viel versprechende Perspektive – und das nicht erst für die Therapie einer manifesten Erkrankung, sondern gemäß der TCM-Lehre schon im Vorfeld im Sinne der Gesunderhaltung. So kann ein erkrankter Zahn wie ein Wegweiser auf ein Problem im Körper hindeuten, dass an dieser Stelle vielleicht noch nicht als Krankheit in Erscheinung getreten ist. Den Zahn zu behandeln, ist dann die eine Sache – sinnvoll, notwendig und gut für den Patienten. Die andere: Den Blick auf das durch diesen Zahn bezeichnete Organ zu lenken, um dort bestehende Ungleichgewichte aufzudecken (Diagnose) und sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen, bevor eine Krankheit ausbricht (Prävention). Umgekehrt kann es auch sein, dass die Zahnerkrankung überhaupt erst die Folge einer Organerkrankung darstellt – dann gilt es, diese Krankheit zu behandeln (Therapie), auch damit die Zahnbehandlung langfristig erfolgreich bleibt. Das bedeutet, dass es sinnvoll ist, bei jeder komplexeren zahnmedizinischen Versorgung (z. B. bei Behandlung einer tiefen Karies, von Zahnnerven oder Infektionen im Mundraum) auch an die Mitbehandlung über den jeweiligen Meridian zu denken. Zum einen, um den gestörten oder störenden Energiefluss wieder in Einklang zu bringen, was die Heilung be- Was bedeutet das für die Zahnbehandlung? Zunächst sollte man sich einmal mehr bewusst machen, dass es fast nie allein „der Zahn“ ist, den es zu behandeln gilt; immer steht die Zahnerkrankung in einem Zusammenhang, und dieser reicht in vielen Fällen über den Mundbereich hinaus. Die ganzheitlichen Verbindungen sind vielfältig, und die Traditionelle Chinesische Medizin beleuchtet sie mit langer Erfahrung. TCM in der Zahnheilkunde Fragen Sie Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt nach den Möglichkeiten der TCM, speziell in diesen Fällen:  Zahn- und Kieferschmerzen  Förderung der Wundheilung  Vorbeugung von Entzündungen  Bei Zähneknirschen  Nach Zahnextraktionen  Zur Linderung eines starken Würgereflexes Mensch und Mund · 4. Jahrgang 4/2015 3

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Mensch & Mund günstigt. Zum anderen, um den wahren Ursachen für die Zahnerkrankung auf den Grund zu gehen, die vielleicht ganz woanders im Körper liegen. Dazu nur drei Beispiele: Bei einem hohem Kariesrisiko kommt es auf intensive Prophylaxe und gründliche Mundhygiene an, ebenso auf eine förderliche Ernährung; falls aber trotz umfassender lokaler Behandlung Probleme immer wieder auftreten, sollte man gemäß TCM den energetischen Zustand von Nieren, Magen, Dickdarm und Milz sorgsam und gründlich überprüfen und bei Bedarf harmonisieren. Parodontalerkrankungen erfordern eine zahnmedizinische Therapie mit Reinigung der Zahnfleischtaschen und Wurzeloberflächen von bakteriell belasteten Ablagerungen. Aus Sicht der TCM ist eine solche symptomatische Behandlung unter Umständen nicht ausreichend, wenn die Ursachen z. B. im Verdauungstrakt liegen. Auch hier sollte nach TCM überprüft werden, welche Organe beteiligt sind. Kiefergelenksbeschwerden sind ein Problem innerer Anspannung. Wenn nachts mit den Zähnen gepresst und geknirscht wird, kann das aus Sicht der TCM in einer Störung der Leber-Funktion begründet sein – mit schädlichen Auswirkungen auf Zähne, Muskulatur und Kiefergelenke (CMD) bis hin zu Problemen an der Halswirbelsäule oder sogar im Innenohr (Tinnitus). Erfahren Sie mehr über TCM Traditionelle Chinesische Medizin ist natürlich viel mehr als „nur“ Akupunktur, Qi und Meridiane – vieles konnten wir in diesem Artikel nur oberflächlich anreißen. Wenn Sie mehr zu diesem Thema wissen möchten, sprechen Sie mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt: Westliche Zahnheilkunde und TCM können sich in vielen Bereichen wunderbar ergänzen – zu Ihrem Nutzen als Patientin und als Patient. Ludwig Fiebig n GZM – Sicherheit durch gezielte Qualitätsorientierung Die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) fördert die Kooperation zwischen ZahnMedizin und Medizin und setzt sich stark für die Realisierung regionaler Netzwerke ein. Dazu organisiert und veranstaltet die GZM regelmäßig internationale Symposien und Kongresse. Die GZM fördert intensiv die Erforschung ergänzender Diagnose- und Therapiekonzepte und arbeitet aktiv daran mit. Qualifizierte Mitglieder der GZM haben eine umfangreiche Weiterbildung in verschiedenen Diagnose- und Therapieverfahren absolviert und sich einer Prüfung unterzogen. Eine Liste der Qualifizierten GZM-Mitglieder nach PLZ-Bereichen finden Sie im Internet unter www.gzm.org Wenn Sie 2,80 € in Briefmarken an die Geschäftsstelle schicken, erhalten Sie die Liste gerne auch per Post zugesandt. Dort sind auch weitere Broschüren zu verschiedenen Themen sowie Infopakete erhältlich. Bitte schreiben Sie an: Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin e.V. Kloppenheimer Str. 10 68239 Mannheim Tel.: +49 (0)621 48179730 Fax: +49 (0)621 473949 E-Mail: gzm@gzm.org www.gzm.org 4 Mensch und Mund · 4. Jahrgang 4/2015

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MenschBuchtipp & Mund Paul Kornfeld Legende (Erzählung) Verlag Schöffling & Co. 130 Seiten. Gebunden. ISBN: 978-3-89561-163-6 Preis: € 16,90 O b heute noch jemand so schreibt? Dazu müsste er über einen märchenhaften Wortschatz verfügen. Er müsste wissen, wann und wie er daraus schöpfen kann. Er müsste wissen, welche Wörter zueinander passen und welche nicht. Alte und neue. Auch müsste er Zeit und Lust und Mut haben, gemächlich mit ihnen umzugehen, sie liebevoll zu betrachten, sie auszutauschen oder gar wieder wegzupacken. Aber das allein würde nicht genügen. Er müsste auch eine Geschichte haben, die zu all dem passt. Die den Aufwand lohnt. Vor allem müsste er die Geduld haben, in Ruhe mit ihr an ein gutes Ende zu kommen. Ich habe ein solches Buch gefunden. Aber es ist von 1917. Paul Kornfeld hat es geschrieben. Kornfeld, 1889 in Prag geboren, ist Zeitgenosse Franz Kafkas, Egon Erwin Kischs und Johannes Urzidils. Mit ihnen und den anderen aus dem Prager Kreis sitzt er in den Kaffeehäusern, debattiert und leidet unter den Zeitläuften. Er ist, wie die meisten der Freunde, Jude. Sein erstes Buch erscheint 1916: „Die Verführung“. Im folgenden Jahr kommt die „Legende“, und erst 1932 veröffentlicht er den legendären Roman Blanche oder das Atelier im Garten. 1941 holen ihn die Nazis, deportieren ihn nach Polen, 1942 bringen sie ihn um. Mensch und Mund · Kornfelds Legende ist eine Parabel. Sie spielt in Böhmen, beginnt im Jahre 1613 und erzählt von der ewigen Auseinandersetzung zwischen Herr und Knecht, auch von Macht und Leidenschaft und von der Sinnlosigkeit des Krieges. Eigentlich ein Thema für einen gewaltigen Roman. Aber dies ist kein umfangreiches Buch, und doch ist es nicht klein. Es beschreibt keine politischen Schauplätze, keine Schlachtfelder, sondern ein Dorf und die umliegenden Ländereien. Es bleibt bei aller sich entwickelnden Dynamik auf ein übersichtliches Stück Erde beschränkt. Die alte Geschichte: Ein Herr (in diesem Fall Graf Wratislav) besitzt ertragreiche Ländereien, fleißige, wohlgesonnene, friedliche Bauern, und er hat einen ergebenen Diener, einen Menschen namens Wlatislav. Die nicht so alte Geschichte: Beide Männer sind einander herzlich zugetan und verbringen alle Zeit in unverstellter Freundschaft miteinander. Es käme keinem in den Sinn, dem anderen weh zu tun, ihm etwas vorzuschreiben, ihm etwas zu neiden. Sie erfahren das reine Glück. Und dann die unglaubliche Geschichte: Graf Wratislav möchte nicht, dass Wlatislav weiterhin sein Diener ist, und er schenkt ihm einen Teil seines Besitzes. Wlatislav indessen möchte Diener blei- ben und nicht Herr sein. Aber er muss es werden, weil Graf Wratislav es so will. Gleichzeitig möchte der nicht mehr Herr sein, sondern Diener seines Dieners. Es entsteht ein Kampf zwischen den Freunden. Ein grotesker Kampf mit den aberwitzigsten Auswüchsen. Aus beider Liebe wird Hass. Tiefer Hass. Der Besitz nimmt Schaden, die Männer verkommen, und alles um sie herum leidet. Aber eines Tag trifft sie die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann. Sie beschließen, gemeinsam das Dorf zu verlassen. Den Bauern und dem Gesinde werden die Reste von Haus und Hof übergeben; künftig sollen dort Kranke und Kinder gepflegt werden. Als alles geregelt ist, wandern Beide (wieder frohgemut) in die Welt hinaus. Sie durchmessen zusammen viele Länder, zehn Jahre, 15 Jahre, 20 Jahre dauert ihr Weg. Eines Tages jedoch gehen sie zurück in ihre Heimat, und sie finden sich in einer Welt voller Harmonie, voller Sanftmut, voller freundlicher, argloser Menschen. Und sie altern nicht. Niemand dort altert oder stirbt. Sind sie nach ihrer lange Reise im Paradies angekommen? W. Kolkhorst 4. Jahrgang 4/2015 5

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Mensch & Mund Vitamin-D-Supplementierung verstärken Ältere Frauen sollten im Winterhalbjahr mehr Vitamin D einnehmen als bislang empfohlen. Osteoporose ist eine der Hauptursachen dafür, dass bei älteren Menschen Knochen oft schon bei geringer Zusatzbelastung brechen. G erade bei Frauen nach den Wechseljahren nimmt die Knochenmasse vergleichsweise rasch ab, da in der Menopause die Östrogenkonzentration abnimmt, welche in jungen Jahren für starke Knochen sorgt. Um die Knochenmasse zu erhalten, ist aber auch körperliche Aktivität und Vitamin D, das grösstenteils mithilfe von UVBStrahlung in der Haut produziert wird, nötig. So erhalten viele ältere Frauen gerade in der Winterzeit vom Arzt eine Vitamin-D-Ergänzung verschrieben, damit die Knochenmasse erhalten werden kann. Doch wie hoch die Dosierung dieser Supplementierung sein soll, darüber debattieren Fachleute so intensiv wie bei keinem anderen Vitalstoff. Das eine Lager ist der Ansicht, dass Sonnenlicht ausreicht, um die Vitamin-D-Versorgung zu sichern, sodass nur geringe Zusatzmengen nötig sind. Andere wiederum halten hohe Dosen von zusätzlichem Vitamin D für wichtig, um den Knochenabbau bei älteren Frauen zu verhindern respektive zu verlangsamen. Optimalem Wert auf der Spur Eine Gruppe von Forschenden der ETH Zürich sowie der Universitäten Zürich und Bern ging deshalb dieser Frage auf den Grund. Ihre Antwort ist nun überraschend deutlich zugunsten einer höheren Supplementierung ausgefallen: Um die Knochengesundheit zu erhalten, sind gerade in der Winterzeit viel höhere Vitamin-D-Dosen nötig als bisher angenommen. In der Studie kommen die Forschenden zum Schluss, dass eine im Blut zirkulierende Vitamin-D-Konzentration von 40 Mikrogramm pro Liter Serum optimal ist, um bei Frauen nach den Wechseljahren den Knochenabbau zu bremsen oder zu stoppen. Im Prinzip bildet der Körper Vitamin D in Form von Cholecalciferol in der Haut selbst. Dazu braucht er jedoch ausreichend Sonnenlicht. Im Winterhalbjahr steht die Sonne jenseits des 40. Breitengrades jedoch zu tief, sodass die körpereigene Produktion zu niedrig ist. Nur sehr wenige Lebensmittel wie Lebertran oder Salzwasserfische enthalten grössere Mengen an natürlichem Vitamin D. Kleinere Mengen kommen in Eiern, Fleisch, Milch und Butter vor. Gemüse, Nüsse oder Früchte enthalten nur sehr wenig bis kein Vitamin D. Dieser Vitalstoff ist nicht nur für die optimale Aufnahme von Kalzium in die Knochen zuständig, sondern er steuert unzählige wichtige Zell- und Immunvorgänge. Eine schwere Mangelerscheinung ist beispielsweise die Rachitis, bei der sich das Skelett verformt. Quelle: idw Bildquelle: wikipedia, Sardina pilchardus, aus: Les poissons, von Gervais und Boulart 6 Mensch und Mund · 4. Jahrgang 4/2015

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Mensch Mensch & & Mund Mund Antibiotika verantwortungsvoll einsetzen Die Hälfte aller Europäer geht davon aus, dass Antibiotika gegen Erkältungen und Grippe helfen. Tatsächlich wirken diese Medikamente aber nur bei bakteriellen Infektionen, zum Beispiel Lungenentzündungen, infektiösen Durchfällen oder Tuberkulose. Grafik: Biber Studio D ie vielfach unsachgemäße Verschreibung und Einnahme von Antibiotika führt dazu, dass die Bakterien Resistenzen entwickeln. Schritte zur Eindämmung dieses Problems sind dringend erforderlich. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI) aufmerksam. Die Ausbreitung von Krankheitserregern, die gegen Antibiotika resistent sind, gehört mittlerweile zu den größten medizinischen Herausforderungen. In vielen Ländern Europas hat sich die Anzahl resistenter Bakterien in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. „Antibiotika werden bei niedergelassenen Ärzten, aber auch in Kliniken, noch immer zu häufig verschrieben“, so Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln. „Wir müssen diese eigentlich hochwirksamen und in vielen Fällen lebensrettenden Medikamente mit Bedacht einsetzen und die Patienten über ihr Wirkungsspektrum und die richtige Einnahme besser aufklären“, so der Vorsitzende der DGI. Notwendig sei neben der Entwicklung neuer Antiinfektiva die sparsame Verwendung von Antibiotika, damit Patienten mit lebensbedrohlichen Infektionen auch in Zukunft wirksam behandelt werden können. Quelle: DGI Mensch und Mund · 4. Jahrgang 4/2015 7

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Mensch & Mund Kakao verbessert die Gefäßfunktion Studien zeigen, dass Flavanole aus Kakaobohnen helfen können, die kardiovaskuläre Gesundheit während des Alterungsprozesses zu erhalten. Bildquelle: wikipedia, Kakaobohnen in einer frisch aufgeschnittenen Kakao-Schote M it zunehmendem Alter werden unsere Blutgefäße weniger flexibel und dehnungsfähig, das Risiko für Bluthochdruck steigt. Die Steifigkeit der Arterien und die schlechtere Gefäßfunktion sind eng verknüpft mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der weltweit häufigsten Todesursache. Es ist daher wichtig, die Schlüsselrolle von Ernährung und ihren Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko zu verstehen. In Studien wird untersucht, welchen Einfluss Flavanole enthaltende Lebensmittel auf den möglichst langen Erhalt der kardiovaskulären Gesundheit haben. Flavanole sind in vielen alltäglichen Le- bensmitteln vorhanden, z.B. Äpfeln, Trauben, Teeblättern und Kakaobohnen. In den herkömmlichen Produktionsprozessen, wie bei der Herstellung von Schokolade, werden die wertvollen Wirkstoffe allerdings meistens zerstört. Die aktuell publizierten Studien haben die unterschiedlichen Effekte der Flavanole auf Blutgefäße gesunder Probanden und Menschen mit geringem Risiko bzw. ohne Hinweise auf eine kardiovaskuläre Erkrankung untersucht. Die Wisssenschaftler konnten feststellen, dass die Einnahme von Flavanolen wichtige Parameter der kardiovaskulären Gesundheit auch bei Gesunden signifikant verbessert. Besonders deutlich fiel die Verbesserung der Vasodilatation, der Erweiterungsfähigkeit der Blutgefäße, aus. Sie zeigt die gute Funktion der Gefäßwand und ist verknüpft mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Weiterhin sank bei den untersuchten Studienteilnehmern der Blutdruck und die Cholesterinwerte verbesserten sich. Die Ergebnisse der beiden Studien zeigen, dass Flavanole die altersbedingten Veränderungen der Blutgefäße effektiv abmildern können und damit die Gesundheit des Herzens und der Gefäße auch bei gesunden und jungen Menschen schützen könnten. Quelle: idw 8 Mensch und Mund · 4. Jahrgang 4/2015

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