201512_Octave_Phono_EQ2_HiFi_Stars

 

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Testbericht

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HIFI-STARS Technik – Musik – Lebensart Ausgabe 29  Dezember 2015 – Februar 2016 50029 Deutschland € 11 | Österreich € 12,30 | Luxemburg € 13,00 | Schweiz sfr 15,50 4 197947 011001 OCTAVE V80SE | BLANK & JONES | FUJI X-T10 ISSN 1867-5166 Ausgabe 29 Dezember 2015 Februar 2016

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Technik Octave Audio Phonovorverstärker EQ.2 Blitzstart Daß Octave Audio ganz hervorragende Phonoverstärker baut, ist ja nun hinlänglich bekannt. Die internen Phono-Platinenlösungen der Octave-Voll- wie Vorverstärker sind bereits Klassiker und die außergewöhnlich flexible, vielseitig anpaßbare Modulbauweise des separaten „Phono-Module“ stellt ohnehin ein Alleinstellungsmerkmal dar. Bisher fehlte in der Modellpalette des badischen Herstellers allerdings ein „kleiner“ externer Phonoverstärker. Jetzt ist er da und wurde mit „EQ.2“ eher be- scheiden-unauffällig benannt. Doch nun kommt’s: Im Gegensatz zu den bisher bekannten Phonosektionen des Hauses ist er nämlich kein röhrenbasierter Phonoverstärker, sondern ein reiner Halbleiter-Phono-Pre! Halbleitertechnik vom Röhrenspezialisten Wenn ein Hersteller wie Octave Audio seit dreißig Jahren erfolgreich als Hersteller von Röhrenverstärkern H ifi - S tars 15

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Technik unterwegs ist, muß man über die präferierte Verstärkungsmethode nicht mehr referieren, muß keine weiteren „Eulen nach Athen“ tragen. Dabei ist Andreas Hofmann, das Mastermind der Firma, durchaus auch ein Anhänger bester Halbleiterschaltungen. Gleich vorweg sei gesagt: m.E. hat er dieses Faible im neuen EQ.2 perfekt umgesetzt. Beim Auspacken zeigt sich ein – für Octave Audio typisch – blitzsauber verarbeitetes Gerät, welches bereits äußerlich für Sympathie beim Betrachter sorgt. Eine ordentliche Erdungsklemme auf der Rückseite bestätigt den positiven Eindruck ebenfalls. Die Anschlußbuchsen sind ebenso selbsterklärend wie die Einstellungsmöglichkeiten auf der Unterseite des Gerätes. Entgegen meiner Gewohnheit, zunächst mal nicht in die Betriebsanleitung zu sehen, beginne ich diesmal sofort mit konzentriertem Suchen nach den Einstellungsmodalitäten. Bei den kleinen, zarten Phonosignalen ist Lässigkeit bei der Einstellung wirklich fehl am Platze. Ich bin erstaunt über das für meine „lauten“ Tonabnehmer von Clearaudio recht schnell gefundene Setup. Ich wähle (wissend um die Potenz meines Clearaudio„Stradivari“-MC-Systems) die geringstmögliche Verstärkung bei 58 dB (alternativ wären da noch 62, 68 und 72 dB auswählbar) und entscheide mich für die bestens passende Eingangsimpedanz von 500 Ohm. Beides geschieht unkompliziert mit einem kleinen Schraubendreher über die professionellen Sound-Wizard-Module (SWM) vom Typ Z-16, die von dem deutschen Ingenieur Horst Langer erfunden wurden und als Wippschalter ausgeführt sind, wodurch sie einen besseren Kontaktschluß gewährleisten als die bekannten Schiebeschalter (Mäuseklavier). Da ist sie wieder – diese unbedingte Lust an Qualität bei Andreas Hofmann, denn diese SWMWippschalter werden ursächlich bei Gitarrenverstärkern verwendet – und die Dauerhaltbarkeit ist hier ein wesentlicher Faktor. Einstellbar sind folgende Werte: 62, 66, 75, 97, 100, 125, 146, 170, 200, 250, 340, 500 und 1000 Ohm. Besonders die feinen Unterschiede in den Werten ermöglichen die penibelste Abstimmung auf jedweden MC-Tonabnehmer. Bei MM-Kandidaten stehen die typischen 47 kOhm, hier mit einer Kapazität von 220 pF, zur Verfügung. Im Inneren des EQ.2 befindet sich zudem ein hochwertiger Subsonic-Filter, der die Tieftonmembran vor unerwünschten, tiefstfrequenten Signalanteilen effektiv schützt. Der EQ.2 besitzt ein Steckernetzteil, welches erst am Gerät angeschlossen werden sollte, nachfolgend an der Netzleiste. Würde dies umgekehrt geschehen, könnten Kontaktströme möglicherweise für Ärger sorgen, also deshalb wie immer: erst alles am Gerät erledigen und dann erst ins/ans Netz gehen. Das Steckernetzteil ist streufeldarm, womit unerwünschte 50 HzNetzschwingungen wirkungsvoll unterdrückt werden. Die Leistungsaufnahme wird mit unter zwei Watt angegeben, womit der EQ.2 ohne weiteres permanent am Netz bleiben darf. Diesen Betriebszustand zeigt er mit seiner blauen LED auf der Frontseite seines ausschließlich in gebürstetem schwarzem Aluminium erhältlichen Gehäuses an - selbiges ist mit seinen Maßen von 10 x 5,5 x 16,7 cm (B x H x T) leicht in jede Stereoanlage zu integrieren. 16 H ifi - S tars

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Technik Blitzschnell Typischerweise erwartet der geneigte High-Ender von einem neuen HiFi-Gerät die übliche Einspielzeit... Nicht so in diesem Fall. Der Octave Audio EQ.2 spielt vom ersten Ton an derart souverän los, daß ich im ersten Moment echt baff bin. Derartiges Klangvermögen kenne ich von professionellen Geräten, wie z.B. denen aus dem Hause Nagra oder EMT – aber von einem HiFiGerät? Respekt, dann kann es ja gleich losgehen mit der Hörsession. Diese startet mit einer Doppel-LP von Dynaudio – Kissed By A Song – und zeigt mit 45 R.P.M. jede Menge singende Frauenstimmen. Eine audiophile Pressung, die bei In-Akustik im Katalog steht. Gleich der erste Track auf Seite A ist ein Klassiker: „Baker Street“, von Ulita Knaus bestens vorgetragen. Der die Sängerin umgebende Raum wird wunderbar glaubhaft dargestellt. Jen Chapin (Nr. 6) ist besonders eindrucksvoll, da ihre Stimme mit einem knorrigem Kontrabaß begleitet und mit dem einsetzenden Saxophon quasi völlig frei in den Raum gestellt wird. Big Band-Begleitung findet sich bei der Nr. 9 – Julienne Taylor und spätestens bei Track 10 „Yesterday“ von Kasia Lins ist die Emotion Gast im Hörraum. Jazzklänge kommen diesmal zuerst von Manu Katché – Live in Concert (Paris im Juni 2014). Diese ACT-Einspielung steht für einen grandiosen Schlagzeuger, der auf dieser Live-Aufnahme einen Querschnitt seines Könnes bestens darbietet. Herrlich experimentell ist hier die Hammond-Orgel, während die Saxophoneinlagen nicht minder begeisternd sind. Das Solo des Schlagzeugers wird in einer geardezu atemberaubender Geschwindigkeit präsentiert – Klasse, hier stimmt alles in der Wiedergabekette, in der der smarte Phonoverstärker EQ.2 sich hörbar wohlfühlt, in die er sich geradezu wie selbstverständlich einfügt. Keith Jarrett und Charlie Haden mit „Last Dance“ haben im März 2007 bei ECMRecords ein sagenhaftes Doppel-Album eingespielt. Das Duo mit Klavier und Baß, beeindruckend reduziert in der Instrumentierung, aber mit einer Spiellaune verbunden, die schlicht mitreißend ist. H ifi - S tars 17

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Technik Es folgt „Kind Of Blue“ in der richtigen Release-Aufnahme von 2010. Alle anderen Aufnahmen besitzen auf der zweiten Spur ein zu langsames Masterband, diese Doppel-LP wurde nach Entdeckung der Sicherungskopie im Jahre 2010 neu gepreßt und wird meinerseits gralsgehütet, vor dem Abspielen zuerst gewaschen – was für ein Klangfest...! Gitarista in Reinkultur: Al Di Meola, John McLaughlin und Paco De Lucia in der wohl berühmtesten Liveeinspielung, die Analogfreunde kennen: „Friday Night in San Francisco“. Eine Besonderheit gibt es auch bei dieser Produktion, die drei Gitaristen saßen nämlich auf der Bühne sehr weit auseinander, was sich in der tonalen Wiedergabe wiederfinden muß – und genau dies passiert. Es zeigt sich mir ein in der Tat ungewöhnlich breites Aufnahmeszenario in der musikalischen Wiedergabe. Quasi einem Türöffner gleich, zeigt der mitspielende Octave Audio EQ.2 selbst die allerfeinsten Unterschiede in den Aufnahmequalitäten verschiedener LPs in der Hörsession auf. Letztere endet abschließend klassisch mit Sviatoslav Richter und dem Londoner Symphony Orchestra mit den Klavierkonzerten No.1 und 2 von Franz Liszt. Der bestechend gute Klang dieser Aufnahme (PHS 900-000) in der Walthamstow Assembly Hall (London) im Juli 1961 ist dem Mercury-Aufnahme-Team zu verdanken. Ein Pianist, der sich an das große Klavierwerk von Franz Liszt heranwagt, muß über herausragende Fähigkeiten verfügen, um dem Meister gerecht werden zu können. Zwingende Voraussetzung ist eine souveräne Persönlichkeit, die einerseits für das Umsetzen der schwierigen Partitur und andererseits die notwendige physischen Energie mitbringt, um gegen das heftig anstürmende Orchester aufbegehren zu können. Zudem ist eine ausgeprägte Sensorik für ungewöhnliche Formkonzepte notwendig, aber nicht minder auch eine sanfte Energie und unendliche Leidenschaft für das Spiel auf den Klaviertasten. Und genau hier ist die Verbindung, denn mit der schonungslosen Wiedergabe dieser Aufnahme hat der Octave-Audio-Halbleiter-Phonovorverstärker EQ.2 bei mir sein Meisterstück abgeliefert. 18 H ifi - S tars Auf den Punkt gebracht Der EQ.2 ist vom Start weg einer der besten Phonoverstärker, die ich kenne. Die aufgerufenen 1.500 Euro machen ihn aufgrund seiner Leistungsklasse geradezu zu einem „Schnäppchen“, bei dem ein suchender Analogfan bedenkenlos zugreifen kann, ja, beinahe schon muß. Information Octave-Halbleiter-Phonoverstärker EQ.2 1.500,- Euro Hersteller und Information Octave Audio Industriestraße 13 D-76307 Karlsbad Tel. +49 (0) 72 48 / 32 78 Fax +49 (0) 72 48 / 32 79 hofmann@octave.de www.octave.de Alexander Aschenbrunner

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