Fragebogen Anhörung deutsch

 

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Flüchtlingshilfe Baden-Baden

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20 - Informationen zum Asylverfahren (Anhörung) Liebe Asylbewerberin, lieber Asylbewerber, wir sind ehrenamtliche Berater/Innen von Amnesty international. Dies ist eine unabhängige nichtstaatliche Menschenrechtsorganisation. Wir möchten versuchen, Sie bei Ihrem Asylverfahren in Deutschland zu unterstützen. Sie haben einen Asylantrag gestellt. Um in Deutschland Asyl zu erhalten, ist es sehr wichtig, gut über das Asylverfahren informiert zu sein. Im folgenden möchten wir Ihnen den Ablauf des Asylverfahrens beschreiben und einige wichtige Hinweise geben. Asyl wird gegebenenfalls politisch Verfolgten gewährt, das heißt: Menschen, deren Leben oder Freiheit aufgrund ihrer Rasse, Religion, Staatszugehörigkeit oder ihrer sozialen Gruppe bedroht ist. Jedoch gibt es in Deutschland viele Einschränkungen, die es schwer machen, Asyl zu erlangen. Nachdem Sie Ihren Asylantrag gestellt haben, werden Ihnen in einer "Anhörung" einige Fragen gestellt. Diese Anhörung ist sehr wichtig für Ihr Asylverfahren !! Der Erfolg Ihres Asylantrages hängt stark davon ab, was Sie in dieser Anhörung vorbringen. Es ist deshalb sehr wichtig, dass Sie sehr gut darauf vorbereitet sind ! H I E R I S T E I N E L I S TE V O N F R A G E N , D I E H Ä U F I G G E S T E L LT W E R D E N : 1. Was war der konkrete Anlass Ihrer Ausreise? 1.1 Welchen konkreten Grund (Verfolgungsmaßnahme) gab es für die Flucht ? 1.2 Wieviel Zeit verging zwischen den Verfolgungsmaßnahmen und der Flucht ? 2. Waren Sie politisch in lhrem Heimatland aktiv? 2.1 Waren Sie Mitglied einer Partei oder sonstigen politischen Organisation ? 2.2 Welche Ziele hatte Ihre Organisation oder Partei ? 2.3 Wie war die Partei aufgebaut, wer waren / sind deren Führer etc. ? 2.4 Welche Funktion oder Aufgabe hatten Sie innerhalb Ihrer Organisation ? 2.5 Welche konkreten Aktivitäten haben Sie durchgeführt ? (Organisation von Versammlungen, Demonstrationen, Verteilen von Flugblättern, etc.) 2.6 Welchem Ortsverband gehörten Sie an ? 2.7 Wie heißen die Funktionäre des Ortsverbandes / der Partei ? 2.8 In welcher Beziehung standen sie zu Ihnen ? 2.9 Wer kann zu diesen Fragen Auskunft geben ? (Name und Anschrift) - sind noch andere Mitglieder der Partei / Organisation in Deutschland ? 3. Sind Sie heute in Deutschland mit Bezug auf Ihr Heimatland politisch aktiv ? 3.1 In welcher Organisation ? Welche Funktion haben Sie ? 3.2 Welche konkreten Aktivitäten haben Sie für diese Organisation durchgeführt ? 3.3 Welche Ziele verfolgt diese Organisation ? 3.4 Haben Sie an Demonstrationen oder anderen Veranstaltungen gegen die Regierung Ihres Heimatlandes teilgenommen ? 3.5 Wer kann zu diesen Fragen Auskunft geben ? (Name und Anschrift) 4. Welche konkreten Verfolgungsmaßnahmen haben Sie erlitten ? 4.1 Wann, wo und unter welchen Umständen fanden diese Verfolgungsmaßnahmen statt ? 4.2 Sind Sie inhaftiert worden ? Wenn ja, wann, wo und wie lange ? 4.3 Liegt gegen Sie ein Haftbefehl vor ? 4.4 Sind Sie von einem Gericht verurteilt worden ? Anschrift / Adresse des Gerichtes ? 4.5 Sind Sie in der Haft gefoltert oder misshandelt worden ? 4.6 Konnten Sie staatliche Hilfe gegen Ihre Verfolgung in Anspruch nehmen ? 4.7 Wer kann zu diesen Fragen Auskunft geben ? (Name und Anschrift) - kennen Sie noch andere Personen, die aus gleichen Gründen diese Verfolgung erlitten haben ? 5. Leben noch Verwandte in Ihrem Heimatstaat ? 5.1 Haben diese Verwandten mit Verfolgungsmaßnahmen zu rechnen ? 5.2 Unterstützen Sie Ihre Verwandten wirtschaftlich ?

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6. Leben Verwandte oder Personen, die Sie von Ihrer Heimat her kennen, in Deutschland ? 6.1 Geben Sie bitte Ihre Namen und Adressen an. 6.2 Haben diese Verwandten oder Bekannten Asyl beantragt / erhalten ? (Bei welchem Gericht oder welcher Behörde ? 6.3 Haben die Verwandten / Bekannten ein Gerichtsverfahren für eine Asylanerkennung ? (bei welchem Gericht, welches Aktenzeichen ?) 7. Was müssen Sie befürchten, wenn Sie in Ihren Heimatstaat zurückkehren müssten ? 7.1 Was gibt Ihnen Anlass, die unter 7. beschriebenen Verfolgungsmaßnahmen zu befürchten ? 7.2 Haben Sie Briefe oder Unterlagen (z.B.: Haftbefehl, Anwaltsschreiben, Zeitungsartikel, etc.), die das belegen ? Reichen Sie bitte die Originale und Übersetzungen ein. 8. Auf welche Weise passierten Sie die Grenzkontrollen Ihres Heimatlandes ? 8.1 Wann sind Sie ausgereist ? 8.2 Wie sind Sie ausgereist - per Auto, LKW, Bahn, Flugzeug ? 8.3 Wie sahen die Beförderungsmittel aus (Farbe, Marke etc.) - wie sahen Uniformen der Flugbegleiter / die Sitze des Flugzeuges aus ? Welches essen gab es an Bord ? 8.4 Über welche Länder sind Sie nach Deutschland gereist ? 8.5 Haben Sie sich bemüht, in den durchreisten Ländern Asyl oder einen asylähnlichen Status zu erlangen ? 8.6 Wo lebten Sie die letzten drei Jahre vor der Ausreise aus Ihrem Heimatland ? 8.7 Besitzen Sie einen gültigen, ungefälschten Pass Ihres Heimatlandes ? 9. Wer hat Ihnen geraten, nach Deutschland zu fliehen ? 9.1 Haben Sie schon früher einmal in Deutschland einen Asylantrag gestellt ? 9.2. Waren Sie schon früher einmal in Deutschland ? 10. Möchten Sie weitere Angaben zu Ihren Fluchtgründen machen ? Sie sehen, dass diese Fragen sehr umfassend sind. Ihre Antworten entscheiden darüber, ob Sie in Deutschland bleiben dürfen !! Die Anhörung ist Ihre wichtigste Chance! Deshalb ist die Vorbereitung darauf sehr wichtig !! ABLAUFTECHNISCHE HINWEISE : Versuchen Sie, möglichst noch vor der Anhörung eine Beratungsstelle oder einen Rechtsanwalt aufzusuchen !! Sie müssen persönlich bei der Anhörung erscheinen und aktiv am gesamten Verfahren teilnehmen, auch wenn Sie einen Anwalt haben. Sie sollten unbedingt alle Fristen einhalten! Unwissen ist keine Entschuldigung und kann Ihnen sehr schaden! Behalten Sie alle Briefe, die Sie von offiziellen Stellen und Behörden bekommen! Am besten bereiten Sie sich schriftlich auf die Anhörung vor. Schreiben Sie einen Lebenslauf. Dieser kann dem Bundesamt vorgelegt werden. Achten Sie dabei vor allem auf die Chronologie und vermeiden Sie unbedingt Widersprüche (so z.B. bei der Angabe von Daten, Zeitangaben, Orte etc.) ! Die Glaubwürdigkeit ist wichtig ! Sie sollten beim Asylantrag und der Anhörung alle Gründe so ausführlich wie möglich schildern! Auch wenn Sie mehrmals das Gleiche gefragt werden, wiederholen Sie alles! Schildern Sie Ihre Erlebnisse auch dann, wenn Sie nicht danach gefragt werden ! Es ist wichtig, alle Einzelheiten zu schildern (Orte, Daten, beteiligte Personen - mit Namensangaben etc.). Schildern Sie möglichst viele Details, die sie kennen. Die Furcht vor politischer Verfolgung oder vor nichtstaatlicher Verfolgung muss deutlich dargelegt werden ! Der ursächliche Zusammenhang zwischen den Ereignissen und der Flucht muss vorhanden sein. Liegen mehrere Monate dazwischen, wird der Zusammenhang vom Bundesamt nicht gesehen. Diese Zwischenzeit muss dann besonders gründlich erklärt werden ! Alle Aussagen sollten, wenn möglich, durch Beweismittel belegt werden. Sie sollten erst antworten, wenn Sie sicher sind, dass Sie die Fragen richtig verstanden haben. Wenn Sie etwas nicht verstehen, fragen Sie unbedingt nach! Lassen Sie sich nicht zur Eile antreiben ! Wenn Sie Probleme mit dem Dolmetscher haben, machen Sie das deutlich. Sie haben das Recht, einen eigenen Dolmetscher oder eine andere Person Ihres Vertrauens (auch jemand von Amnesty international) mitzubringen.

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Sollten Sie während der Anhörung einen anderen Dolmetscher wünschen, muss auf Ihren Wunsch hin die Anhörung gegebenenfalls unterbrochen und ein neuer Termin festgelegt werden. Wollen Sie als Frau von einer weiblichen Person angehört bzw. gedolmetscht werden, sollten Sie dies schon vor dem Anhörungstermin dem Bundesamt mitteilen. Frauen haben nicht das einklagbare Recht auf weibliche Anhörerinnen und Dolmetscherinnen. Das Bundesamt ist aber meistens bemüht, solche Wünsche zu berücksichtigen. Ehepaare werden in der Regel zusammen angehört. Eine getrennte Anhörung ist aber manchmal ratsam und wenn Sie es wünschen - dann auch durchsetzbar. Sollten Sie in Ihrer Heimat Folter oder andere traumatischen Erlebnisse erlitten haben und können Sie diese während der Anhörung aus persönlichen Gründen nicht gleich vortragen, sollten Sie dies auf jeden Fall dem Anhörer mitteilen. Er muss dann besonders sensibel befragen. Sie sollten im Anschluss einen Arzt aufsuchen, um ggf. ein Attest über Ihr erlittenes Trauma zu erhalten. Die Kenntnis des Bundesamtes über solche Verfolgungsmaßnahmen (wie z.B. erlittene Folter) sind jedoch sehr wichtig für die Entscheidung des Bundesamts ! Sie werden zum Schluss gefragt, ob Sie noch weitere Angaben zu machen haben. Wenn Sie zu einem wichtigen Punkt nicht gefragt worden sind, sollten Sie ihn hier unbedingt ergänzen! Es ist wichtig, dass Sie alle Gründe in der Anhörung vortragen. Wenn Sie einige Gründe erst später nennen (z.B. bei einer Klage), werden sie meistens nicht mehr geglaubt. Von Ihrer Anhörung wird ein Protokoll geschrieben. Vergewissern Sie sich, dass alles richtig protokolliert wurde. Sie haben das Recht, dass Ihnen das Protokoll noch einmal in Ihre Sprache übersetzt wird. Sie dürfen alle Fehler korrigieren. Sie haben die Möglichkeit, die Unterschrift zu verweigern, wenn Ihren Korrekturwünschen nicht nachgekommen wird. Lassen Sie sich vom Protokoll eine Kopie mitgeben. Verlangen Sie von allen Unterlagen, die Sie einreichen oder abgeben müssen, eine Kopie! Zur Sicherheit sollten Sie vorher selbst solche Kopien anfertigen. Falls Sie nach der Anhörung - und vor der Entscheidung des Bundesamtes - noch Beweismittel zur Unterstützung Ihres Asylantrages erhalten, sollten Sie diese unverzüglich dem Bundesamt weitergeben! IN H ALTL IC H E H IN W EIS E : Aus Ihrem Antrag muss deutlich werden, dass Sie nach Deutschland gekommen sind, um Schutz vor politischer Verfolgung zu suchen! Vermeiden Sie Hinweise auf eine gewünschte wirtschaftliche Verbesserung! Wichtig ist Ihre persönliche Lage. Die allgemeine Situation in Ihrem Heimatland ist nicht entscheidend. Wenn Sie zu einer verfolgten Gruppe (z.B. einer ethnischen oder religiösen Minderheit) gehören, dann schildern Sie auch das Schicksal von Bekannten. Nennen Sie alle Abschiebehindernisse, also alle Gründe, warum Sie bei Ihrer Rückkehr mit Verfolgungsmaßnahmen - wie z.B. Haft, Folter, Todesstrafe etc. - rechnen müssen. Diese beiden Bereiche - individuelle Betroffenheit und Abschiebehindernisse - sind die wichtigsten Informationen. Machen Sie sich hierüber besonders intensiv Gedanken ! ENTSCHEIDUNG DES BUNDESAMTES: Wenn Sie eine negative Entscheidung vom Bundesamt bekommen, können Sie dagegen Rechtsmittel (Klage) vor Gericht einlegen. Die Fristen sind hierfür aber sehr kurz und müssen unbedingt eingehalten werden ! Sie haben nur eine oder zwei Wochen Zeit nach Zustellung des ablehnenden Bescheides ! Die Frist hängt ab von der Art der ablehnenden Entscheidung ! Suchen Sie deshalb sofort nach Ihrer Ablehnung eine Beratungsstelle und / oder einen Rechtsanwalt auf !

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