10 Jahre Umgebindehausstiftung

 

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10 Jahre Umgebindehausstiftung

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Stiftung Umgebindehaus 10 Jahre Stiftungsarbeit

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Schirmherr und Stiftungsgründer Inhalt Umgebindehausbörse  23 23 25 Schirmherr und Stiftungsgründer  Der Schirmherr – der Sächsische Staatsminister des Innern  Die Gründungsstifter – die Kreissparkasse Bautzen, die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien,  die Landkreise Bautzen und Görlitz  Bauteilbörse  3 3 Ein Handwerkerhaus in Weißenberg  4 Zehn Jahre Stiftungsarbeit – ein Rückblick  Förderung  Sonderkreditprogramm Umgebindehaus der Sparkassen  Kleinprojektförderung  29 29 30 35 42 8 Gemeinsame Projekte mit der Deutschen Die Stiftung Umgebindehaus als Netzwerk  Bundesstiftung Umwelt (DBU)  6 Stiftungsstruktur  Gründungsgeschichte  Vom Umgebindehausbeauftragten zum Geschäftsstellenleiter  Aufgaben und Ziele  Vorstand und Fachbeirat  Stiftungskapital  Der neue Sitz der Stiftung Umgebindehaus  9 9 11 12 13 14 15 Unterstützung durch die deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD)  Fluthilfe für Umgebindehäuser vom Ostdeutschen Sparkassenverband (OSV)  44 Sonderförderung Umgebinde- und Fachwerkhäuser des Freistaats Sachsen  46 Partner  Anhang  Literatur zum Umgebindehaus  48 50 51 Stiftungsangebote  Wissenswertes zum Umgebindehaus  Umgebindehauspreis  Tag des offenen Umgebindehauses  16 16 19 22 Struktogramm der Stiftung Umgebindehaus  50 Bauernhof in Soritz 2

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Schirmherr und Stiftungsgründer Der Schirmherr – der Sächsische Staatsminister des Innern Denkmalschutz lebt und fällt mit den Menschen, die sich dafür einsetzen. Nur mit dem Engagement der Leute vor Ort können unsere Denkmale mit Leben gefüllt werden. Genau für dieses Engagement ist Sachsen bekannt. Von unseren 103.000 Denkmalen sind mittlerweile mehr als zwei Drittel saniert. Das ist das Ergebnis langer und kontinuierlicher Arbeit. Auch die Stiftung Umgebindehaus hat sich dieser Arbeit seit nun über 10 Jahren mit großer Hingabe verschrieben. Die Mitarbeiter und Förderer der Stiftung informieren Interessierte, helfen bei Erwerb und Sanierung der Umgebindehäuser und fördern den Austausch verschiedener Akteure auf regionaler und internationaler Ebene. Denkmalpflege als Heimatpflege – hier wird darüber nicht nur geredet, hier wird das aktiv gelebt. Mit gutem Grund. Denn die Umgebindehäuser sind ein wichtiger Teil unseres kulturellen Erbes und Wahrzeichen einer ganzen Region. Sie sind einzigartige Konstruktionen der Dorfhandwerker vergangener Generationen und fügen sich durch die Verwendung typischer Rohstoffe aus der Region harmonisch in das landschaftliche Gesamtbild der Oberlausitz ein. Ich freue mich, dass die Sächsische Staatsregierung die Stiftungsarbeit in den vergangenen 10 Jahren finanziell stark unterstützen konnte. Gleich zu Beginn konnte mit 650.000 Euro Zustiftungsmitteln eine solide finanzielle Basis für eine Vielzahl von Projekten geschaffen werden. Später wurde gemeinsam mit dem Bund das Stiftungskapital auf über eine Million Euro angehoben. Diese enge finanzielle Zusammenarbeit haben wir 2013 noch weiter intensiviert. Aus unserem Sonderprogramm Denkmalpflege stellen wir nun pro Jahr 500.000 Euro für den Erhalt und die Sanierung der Umgebindehäuser bereit. Dieser Einsatz lohnt sich. Seit 2004 ist die Zahl sanierter oder teilsanierter Umgebindehäuser deutlich gestiegen. Dazu beigetragen hat auch das Engagement von Wirtschaft und Politik in den Landkreisen Bautzen und Görlitz. Die Stiftung Umgebindehaus ist hier fest verankert. Ich wünsche der Stiftung Umgebindehaus weitere erfolgreiche Jahre und bedanke mich für den Einsatz, von dem die gesamte Region profitiert. Markus Ulbig Sächsischer Staatsminister des Innern 3

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Schirmherr und Stiftungsgründer Zehn Jahre Stiftungsarbeit – ein Rückblick (Rede der Sächsischen Landeskonservatorin, Frau Prof. Dr. Rosemarie Pohlack, auf der Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung Umgebindehaus am 9. Mai 2014 in Neugersdorf) Ich begrüße Sie sehr herzlich zu unserer kleinen Festveranstaltung „Zehn Jahre Stiftung Umgebindehaus“ und ich bin sehr froh, dass wir diesen schönen Anlass heute, hier in Neugersdorf, feiern können – sogar mit Eröffnung der neuen Stiftungsräume in einem beeindruckend sanierten Umgebindehaus. Der damalige Innenminister, Herr Rasch, hatte schon 2003 die Idee zur Gründung einer Stiftung Umgebindehaus sehr gefördert und die Übernahme der Schirmherrschaft sofort zugesagt. Alles was half, die Region in ihrem Selbstverständnis zu stärken, sollte versucht werden – und zwar zuverlässig und solide, nicht als kurzfristige Projektarbeit. 350 leerstehende und meist denkmalgeschützte Umgebindehäuser waren ein alarmierendes Signal. Die Stiftungsidee sahen der ehemalige Regierungspräsident, Herr Dr. Weidelener, und die beiden Landräte, Herr Harig und Herr Vallentin, ebenso positiv. Herr Ripp war dankenswerterweise gern bereit, die kleine Stiftung erst einmal unter das Dach seiner Bürgerstiftung Dresden zu nehmen. Eine finanzielle Unterstützung war nicht in Sicht und so bemühte ich mich als Landesamt für Denkmalpflege um Fördermittel für das notwendige Startkapital von 25.000 Euro. Es war kein inhaltliches, sondern nur das Terminproblem, alle Akteure zur Stiftungsgründung schnell an einen Tisch zu bekommen. Als wir dann im Januar 2004 soweit waren, standen die für Ende 2003 in Aussicht gestellten Fördermittel für die Stiftungsgründung leider nicht mehr zur Verfügung. Dies war nun den Anwesenden zu eröffnen und es war damit zu rechnen, dass sich das Ganze somit erledigt habe. Aber – nach einem längeren Schweigen, das nach meiner Eröffnung einsetzte (gefühlte zwei Stunden) – war dies keineswegs das Ende der Stiftungsidee, sondern vielmehr ihre eigentliche Geburtsstunde. Herr Landrat Vallentin stand auf und verkündete mit Enthusiasmus: Dann müssen wir es als Landkreise selbst machen. Die Stiftung sei ja ohnehin für uns da und an den 25.000 Euro könne sie nicht scheitern, sie sei wichtig und passe sehr gut zum jungen trinationalen Umgebindelandkonvent. Er schlug vor, die beiden Kreissparkassen als Stifter ins Boot zu holen. Herr Landrat Harig war einverstanden, Herr Ripp und ich natürlich auch. Etwas Besseres als diese Verantwortungsübernahme in die Region selbst gab es nicht. Herr Landrat Harig setzte Herrn Matthes als Umgebindehausbeauftragten ein, Herr Landrat Vallentin ordnete die Stiftungsarbeit Frau Gosteli zu, in die Geschäftsstelle Umgebindeland. Es war eine unglaublich intensive Zeit – Stiftungsziele und Satzung waren zu formulieren und alle damit verbundenen Inhalte wie Name, Sitz, Rechtsform, Stiftungsaufbau mit Vorstand und Geschäftsstelle. Ein Fachbeirat war zu berufen, der erste Jahresarbeitsplan vorzubereiten und die Zusammenarbeit mit künftigen Partnern aufzubauen. Schon am 19. Mai 2004 folgte die Stiftungsgründung im Faktorenhof in Eibau. Seither gilt es, die Stiftungsziele im politischen Raum und natürlich – das ist ja das eigentliche Anliegen – in den Landkreisen öffentlich zu machen, die Denkmaleigentümer zu informieren, sie zu unterstützen, zu beraten und für die zunehmend leerstehenden Gebäude Interessenten zu finden, möglichst wieder als Heimat für junge Familien. Seit 2004 ist viel erreicht worden, es sind wirkliche Gemeinschaftserfolge: seit 2004 Arbeit des Fachbeirates und des - Stiftungsvorstandes mit Auswahl bzw. Bestätigung der Förderprojekte, Schwerpunktsetzung, Arbeitspläne für die jeweiligen Jahre, - seit 2003 fachgerechte Erfassung leerstehender Umgebindehäuser, seit 2004 Sonderkreditprogramm Umgebindehaus - der Kreissparkasse Bautzen und der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien – ein großer Erfolg, - seit 2005 Umgebindehausbörse im 4

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Internet „Liebe auf den 2. Blick“, seit 2005 Tag des offenen Umgebindehauses - jährlich im Mai (trinational), - seit 2006 Umgebindehauspreis (trinational), 2009 Gründung des Fachrings Umgebindehaus - e.V. (Qualitätssiegel für Handwerker), - sehr informative Fachpublikationen der Geschäftsstelle Umgebindeland, der Stiftung, der Hochschule Zittau/Görlitz und vom Sächsischen Verein für Volkbauweise, - Förderung und Zustiftungen durch Land und Bund, drei Förderprojekte gemeinsam mit der Deutschen - Bundesstiftung Umwelt – ein großartiger Anschub, - Förderung von Einzelvorhaben durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, - Hochwasserspende des Ostdeutschen Sparkassenverbands, Aufnahme der Stadt Ebersbach-Neugersdorf in - die Route der Deutschen Fachwerkstraße. Besonders dankbar bin ich dafür, dass die Bürgerstiftung Dresden und die Sparkassen über die gesamte Zeit hinweg für saubere Bücher gesorgt haben! Meine Damen und Herren, gestatten Sie, dass ich an dieser Stelle eines langjährigen Mitstreiters gedenke – Herrn Dr. Leunert. Es war nicht nur für mich beglückend zu erleben, wie intensiv er sich als Vorsitzender der Stiftung seine nähere Heimat durch den besonderen „Blickwinkel Umgebindehaus“ neu eröffnete, er sich buchstäblich zum Enthusiasten für diese lebens- und liebenswerte Volksbauweise entwickelte. Es ist ihm vieles zu verdanken! Herr Staatsminister Ulbig spricht heute als Schirmherr die Festrede, Herr Lehmann als Mitglied des Landtages ist hier, die Sparkassen und Stiftungen und viele, nicht nur regionale Akteure sind im Boot – und Frau Weber hat seit letztem Jahr den Stiftungsvorsitz sehr engagiert übernommen. Man kann somit sehr zuversichtlich auf das nächste Jahrzehnt der Stiftung blicken, nun sogar ausgestattet mit zwei für ihre Aufgabe brennenden Fachkollegen in eigenen Stiftungsräumen – Respekt! Ich gratuliere den beiden Landkreisen hierzu sehr herzlich, freue mich für die Region – die weitere Unterstützung durch unser Landesamt für Denkmalpflege, insbesondere durch Herrn Dr. Rosner, ist selbstverständlich. Prof. Dr. Rosemarie Polack Sächsische Landeskonservatorin Großschönau, Umgebindehaus-Ensemble an der Mandau 5

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Schirmherr und Stiftungsgründer Die Gründungsstifter die Kreissparkasse Bautzen, die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, die Landkreise Bautzen und Görlitz (Rede von Frau Elke Bauch, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Bautzen, auf der Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung Umgebindehaus am 9. Mai 2014 in Neugersdorf) Nicht nur ein, zwei oder drei Umgebindehäuser, es ist die gesamte Umgebindelandschaft, die beeindruckt. Wenn ich Sie fragen würde: Was macht Ihrer Meinung nach eigentlich ein Umgebindehaus aus? Ist es die Blockstube, das Umgebinde, das Fachwerk? Oder ist es die Einzigartigkeit, die eine überregionale Ausstrahlung begründet? Ich behaupte, das Allerwichtigste und Wertvollste ist das Leben und Wirken im Umgebindehaus. Immer wieder ist es bewundernswert, mit welchem Engagement und welcher Liebe zum Detail viele der Häuser saniert und gepflegt wurden und werden. Da steckt viel Arbeit und persönlicher Einsatz dahinter. Es ist eine Lebensaufgabe und ohne Unterstützung kaum zu bewältigen. Die Überschrift der Pressemitteilung zur Gründung der Stiftung Umgebindehaus lautete: „Stiftung Umgebindehaus – Hilfe zur Selbsthilfe“. Genau das ist eine der Hauptaufgaben der Stiftung. Wer sich solch eines besonderen Hauses annimmt, braucht Hilfe. Nur die wenigsten können von sich behaupten, dass sie Denkmalpfleger, Architekt, Statiker, Handwerker oder Finanzierer in einem sind. Vielmals hat eine Beratung der Stiftung, die Vermittlung des richtigen Ansprechpartners oder auch eine finanzielle Unterstützung als Katalysator gewirkt. Nur wenn die Stiftung auch den Einzelnen unterstützt, trägt sie langfristig dazu bei, die einzigartige Umgebindelandschaft zu erhalten. Diese Argumente der damaligen Landkreise Löbau-Zittau und Bautzen überzeugten die Sparkassen der Oberlausitz, die Stiftung mitzugründen und auf dem Weg zu begleiten. Als Patenkind unter der Schirmherrschaft des damaligen Innenministers wurde die Stiftung Umgebindehaus im Mai vor 10 Jahren im Faktorenhof Eibau geboren. Arnd Matthes, von Anfang an dabei und Sven Rüdiger, diese beiden sind das Gesicht der Stiftung. Die Geschäftsstelle ist Anlaufpunkt für alle Ratsuchenden, Koordinierungsstützpunkt und nicht selten heißt es: Ärmel hoch und selbst mit anpacken. Ein ganz herzliches Dankeschön. Mit der Bürgerstiftung Dresden - wir sind Herrn Dr. Weidelener und Herrn Ripp zu Dank verpflichtet - lernte die junge Stiftung Umgebindehaus, noch etwas wacklig auf den Beinen, die ersten Schritte zu gehen. Dass sie genau in die richtige Richtung gelaufen ist, hat die Stiftung vielen Mitstreitern zu verdanken. Gestatten Sie mir, stellvertretend drei Mitstreiter ganz persönlich zu benennen: In Gedenken an Herrn Dr. Leunert - als Vorstandsvorsitzender trieb er mit seinem unermüdlichen persönlichen Engagement die Arbeit der Stiftung immer weiter voran. Frau Prof. Dr. Pohlack wirkt mit ihrer ganz persönlichen Beharrlichkeit und Konsequenz im Vorstand mit – stets das gemeinsame Ziel vor Augen. Herr Schwarzbach, Vorsitzender des Fachbeirates, begleitete die Stiftung von Anfang an intensiv mit. Ob die Mitglieder des Fachbeirates, von deren Fachwissen die Stiftung sehr profitiert, die enge Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege - im Laufe der Zeit ist die Zahl derer, die der Stiftung beim Erwachsenwerden geholfen haben, immer größer geworden. Partner wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz waren und sind engagierte Wegbegleiter. Am Anfang selbst in unserer Region oft mit dem „Umgebindeland“ verwechselt, hat die Stiftung Umgebindehaus heute auch überregional einen Namen. Auch beim Ostdeutschen Sparkassenverband ist die Stiftung bekannt und wird unterstützt. So hat jüngst Herr Dr. Ermrich, unser Geschäftsführender Präsident, weitere Mittel für die Beseitigung von Hochwasserschäden zugesagt. Damit kann u.a. die Umsetzung des Hauses in der Ebersbacher Mühlstraße nach Neugersdorf auf das ehemalige Lautexgelände 6

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mit realisiert werden. Zu den Spendern zählen viele weitere Unternehmen und Privatpersonen. Ob Geld- oder auch Sachspenden, wir als Stiftung wissen diese Zuwendungen zu schätzen und bedanken uns recht herzlich dafür. Dieses Miteinander vieler Beteiligter half der Stiftung beim Erwachsenwerden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: eine selbstständige Stiftung mit einem Kapital, das dank eines privaten Zustifters Ende letzten Jahres die Millionenmarke geknackt hat. Ich behaupte, die Stiftung ist erwachsen und flügge geworden und bezieht folgerichtig jetzt auch die ersten eigenen vier Wände. Ideen für die nächsten Projekte gibt es genug. Bauteilbörse, Bauteilsammlung, Unterstützung des Aufbaus einer Fachbibliothek, Jugendarbeit - um nur einige zu nennen. Die Stiftung Umgebindehaus wird auch in Zukunft helfen, Ideen in greifbare Wirklichkeit umzusetzen. Allen, die die Stiftung bisher unterstützt haben, sage ich herzlichen Dank. Bleiben Sie der Stiftung Umgebindehaus auch in Zukunft verbunden. Elke Bauch Stellv. Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Bautzen Kulturschätze der Oberlausitz Die Oberlausitz steckt voller Kulturschätze. Damit meine ich nicht nur die wunderschönen Städte, die interessanten Museen oder die vielfältige Kunstlandschaft, sondern vor allem die Umgebindehäuser im Dreiländereck Deutschland – Tschechien – Polen. Diese ganz besonderen Häuser geben dem Landstrich Konturen, seinen Charakter und seinen Charme. Die Umgebindehäuser sind wahre Wunderwerke aus Holz, Lehm und Stein. Sie sind markante Tupfer alter Volkskultur und von Liebhabern wiederentdeckte Traumhäuser in einer wundervollen Umgebung. Um diese historische Volksbauweise zu erhalten und zeitgemäß zu beleben, gründeten die Landkreise Bautzen und Görlitz im Jahr 2004 die Stiftung Umgebindehaus. Seitdem hilft die Stiftung beim Erwerb, der Sicherung und Instandsetzung von Umgebindehäusern, Schrotholzhäusern und ähnlichen Bauwerken. Rund fünf Millionen Euro sind mithilfe der Stiftung seitdem in den Kauf und die Sanierung von etwa 100 Umgebindehäusern geflossen. Neben Informationsveranstaltungen und wissenschaftlichen Untersuchungen rund um das Thema Umgebindehaus wurde ein Netzwerk aufgebaut, das bis nach Tschechien und Polen reicht. 2013 erfolgte ein wichtiger Schritt. Indem die Geschäftsstelle Umgebindeland in der Stiftung Umgebindehaus aufging, konnten Aufgaben weiter gebündelt werden. So finden der Tag des offenen Umgebindehauses sowie die Vergabe des Umgebindehauspreises für vorbildlich sanierte Objekte jetzt unter der Regie der Umgebindehaus-Stiftung statt. Mit der Internetseite Umgebindehausbörse soll der Leerstand verringert werden und Umgebindehäuser neue Eigentümer finden. Auch für die Zukunft werden große Ziele angestrebt, etwa die Aufnahme des Umgebindelandes auf die Welterbeliste der UNESCO. Für die weitere Arbeit und die Herausforderungen wünsche ich der Stiftung weiterhin viel Erfolg. Bernd Lange Landrat des Landkreises Görlitz 7

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Schirmherr und Stiftungsgründer Die Stiftung Umgebindehaus als Netzwerk Auch wenn es ein mutiger Vergleich ist: Vor genau zehn Jahren wurde wie die Stiftung Umgebindehaus ein anderes Unternehmen gegründet, das fast jeder kennt. Es ist Facebook. Die Stiftung Umgebindehaus teilt mit dem Gründungsjahr von Mr. Zuckerbergs Firma noch den Netzwerkgedanken. Ist sie doch auch ein soziales Netzwerk im allerbesten Sinne. Sie vernetzt zwei Landkreise, zwei Sparkassen, eine Bürgerstiftung, eine Marketinggesellschaft, ein Landesamt, eine Akademie, eine Hochschule, jede Menge Denkmalschützer, viele Hausbesitzer und sogar einen Innenminister. So, wie der Facebook-Nutzer seine Daten preisgibt, so geben wir allen Interessenten einen Einblick in ein einmaliges Kulturerbe: die Welt des Umgebindehauses. So wie Facebook alle Menschen miteinander verbinden möchte, so möchte die Stiftung alle Umgebindehausfreunde zusammenbringen. Mehr noch: Sie möchte darüber hinaus auch Sanierungswillige beraten und unterstützen. Das sind in aller Regel die Hausbesitzer, die Geld und Zeit einsetzen, damit Kulturgut erhalten bleibt. Dieses Engagement kann man nicht oft genug würdigen. Als Anreiz gibt es das Sonderkreditprogramm zur UmgebindehausFinanzierung. Dafür stellten die Sparkasse OberlausitzNiederschlesien und die Kreissparkasse Bautzen seit 2004 insgesamt über 6 Millionen Euro zur Verfügung. Bei Facebook hat man Freunde. Bei der Stiftung auch. Dazu gehören natürlich in erster Linie die Vorstandsmitglieder und der Fachbeirat, welche der Geschäftsstelle beratend und unterstützend zur Seite stehen. Ihnen poste ich hiermit ein Dankeschön. Facebook steht für Veröffentlichung des Privaten. Die Stiftung hält mit – alljährlich zum Tag des offenen Umgebindehauses, wenn viele Umgebindehausbesitzer ihr Zuhause für jedermann präsentieren. Die beiden Netzwerke unterscheiden sich diesbezüglich nur dadurch voneinander, dass es bei uns noch nie zu Anfeindungen seitens der Datenschützer kam. Weitaus gravierender ist allerdings der Unterschied in der Finanzausstattung. Gegenüber Mr. Zuckerbergs Milliardenumsätzen nimmt sich unser von 25.000 Euro auf eine Million angewachsenes Stiftungskapital doch recht bescheiden aus. Aber wir wollen weiter wachsen und freuen uns über jede Unterstützung. Mit unserem neuen Domizil in der Stadt EbersbachNeugersdorf wollen wir uns zum allseits anerkannten Umgebindehaus-Zentrum profilieren. Der Anfang ist gemacht und wir hoffen, dass das Zentrum kontinuierlich wächst. Birgit Weber Beigeordnete des Landkreises Bautzen Vorstandsvorsitzende der Stiftung Umgebindehaus 8

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Stiftungsstruktur Gründungsgeschichte Unter dem Motto „Stiftung Umgebindehaus - Hilfe zur Selbsthilfe“ fand am 19. Mai 2004 die Gründungsfeier im Faktorenhof in Eibau/Sachsen statt. Die Schirmherrschaft der Stiftung übernahm der damalige Sächsische Staatsminister des Innern, Horst Rasch, als oberster Denkmalhüter des Freistaats. Das Gründungskapital von 25.000 Euro stellten die Kreissparkassen Bautzen und Löbau-Zittau zur Verfügung. Weitere 10.000 Euro legte der Freistaat Sachsen in den Kapitalstock. Die Stiftungsgründung wurde auf Initiative der Landeskonservatorin Prof. Dr. Rosemarie Pohlack gemeinsam mit der Bürgerstiftung Dresden sowie den Landkreisen und Kreissparkassen Bautzen und Löbau-Zittau vorbereitet. Für die in den Anfangsjahren nicht rechtsfähige Stiftung Umgebindehaus übernahm die Bürgerstiftung Dresden die Verwaltung und rechtliche Vertretung. Sie erwies sich immer als zuverlässiger Betreuer. Im Juni 2004 erfolgte schließlich die konstituierende Sitzung des Stiftungsrates der Stiftung Umgebindehaus in Zittau. Als Vorsitzender wurde der damalige Landrat des Landkreises Löbau-Zittau, Günter Vallentin, und als stellv. Vorsitzender der Erste Beigeordnete des Landkreises Bautzen, Dr. Wolfram Leunert, gewählt. Nachfolgend erkundigte sich ein Kamerateam vom MDR vor Ort über die Stiftung. Der Beitrag wurde im Sachsenspiegel und im ORB ausgestrahlt. Schließlich veröffentlichte am 23. Oktober die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einen ausführlichen Beitrag über die Stiftungsarbeit und Aktionen zur Rettung der Umgebindehäuser. Bald danach konnten die ersten zwei Objekte, das sogenannte „Armenhaus“ in Großschönau und das „Ausgedingehaus“ eines Bauernhofes in Seifhennersdorf, mit Förderverträgen bedacht werden. Im Oktober 2004 fand die erste Fachbeiratssitzung in Zittau statt. Zu den ersten Mitgliedern gehörten Matthias Schwarzbach, Prof. Dr.-Ing. Christian Schurig, Unterzeichnung der Gründungsurkunde in Eibau (v.l.n.r. Elke Bauch, Frank Hensel, Dr. Helmut Weidelener) Rudolf von Sandersleben, Verena Hergenröder, Dr. Ulrich Rosner, Karl-Eberhard Feußner, Heinz Lehmann, Prof. Dr. Holm Große und der Umgebindehausbeauftragte Arnd Matthes. Am 8. Dezember 2008 errichtete schließlich die Bürgerstiftung Dresden als bisherige Treuhänderin der Stiftung Umgebindehaus die gleichnamige Stiftung als rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts. Somit war die Selbstständigkeit besiegelt. Landesamt für Denkmalp ege Sachsen 9

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Stiftung Umgebindehaus Stammhaus der ehemaligen Firma C. G. Hoffmann in Neugersdorf. Jetzt ist u. a. das Büro der Stiftung Umgebindehaus darin eingerichtet. 10

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Vom Umgebindehausbeauftragten zum Geschäftsstellenleiter Ein Jahrzehnt „Stiftung Umgebindehaus“ ist eine kurze Zeit im Vergleich zu den Jahrhunderten, in denen Umgebindehäuser gebaut und genutzt worden sind. Von alters her waren sie als „Mehrgenerationenhaus“ konzipiert, wobei sich die ausgereiften Holzkonstruktionen als solide und langlebig erwiesen haben. Wäre dies anders, dann könnten wir nicht mit Stolz auf einen in Europa einmaligen Hausbestand von mehr als 6500 Objekten verweisen. In unserer Region ist die Umgebindebauweise für immer mehr Menschen zu einem festen Bestandteil ihrer Kultur und Identität geworden. Diese Hausbautradition als kulturelles Erbe zu bewahren, ist eine Aufgabe für Generationen. Mit Gründung der Stiftung Umgebindehaus im Jahr 2004 wurde eine Einrichtung geschaffen, diese Herausforderung besser bewältigen zu können. Das „Kerngeschäft“ übernahm Arnd Matthes als sogenannter Umgebindehausbeauftragter durch fachliche Beratung und Unterstützung von Bauherren. Das Profil der Stiftung Umgebindehaus zielgerichtet und satzungsgemäß herauszuarbeiten, war dabei in den letzten Jahren nicht immer einfach. Doch mittlerweile hat sich unsere Einrichtung zum zentralen Anlaufpunkt für alle Fragen rund um das Umgebindehaus entwickelt. Zu Beginn des Jahres 2013 wurde eine Geschäftsstelle für die Stiftung in Ebersbach-Neugersdorf eingerichtet und Arnd Matthes zu ihrem Leiter berufen. Bis Ende 2013 wuchs das Stiftungskapital auf über eine Million Euro an. Zu verdanken ist diese positive Entwicklung dem Land Sachsen, den Landkreisen Bautzen und Görlitz, den regionalen Sparkassen und zahlreichen privaten Spendern. Aber Geld gibt es in der Regel nur, wenn die Förderer sehen, dass es sich lohnt und die Arbeit Früchte trägt. Diesbezüglich sind wir auf einem guten Weg, unterstützt und beflügelt durch das große Interesse breiter Kreise am Erhalt der Oberlausitzer Umgebindehäuser. Auch Sie können dazu beitragen, die Denkmale der Holzbauweise unserer Region zu erhalten - sei es mit der Pflege oder Sanierung eines eigenen Hauses, mit einer Spende oder Zustiftung, mit neuen Ideen oder indem Sie selbst Gespräche um das Umgebindehaus anstoßen. Durch Ihr Mitwirken helfen Sie, die heimatlichen Umgebindehäuser als unersetzliches Erbe für uns und die nachfolgenden Generationen zu bewahren. Auszug aus der Satzung der Stiftung Umgebindehaus (Stand 2014): § 2 Stiftungszwecke und ihre Verwirklichung (3) Der Zweck wird verwirklicht durch die Erhaltung gefährdeter Umgebindehäuser, Schrotholzhäuser und ähnlicher Bauwerke, um ihre Weiternutzung vorzubereiten. Ziel ist die Erhaltung und zeitgemäße Belebung der Jahrhunderte alten Kulturlandschaft der Oberlausitz. (4) Die Stiftung hilft beim Erwerb, der Sicherung, Teilinstandsetzung und Sanierung der Gebäude als Voraussetzung einer zukünftigen Weiternutzung. Sie unterstützt bauwillige Eigentümer beim Wiederaufbau und Erhalt dieser Denkmale. (6) Sie kann auch Informationsveranstaltungen, wissenschaftliche Untersuchungen, Aufbau von Netzwerken und internationalem Austausch von Erfahrungen mit Tschechien und Polen durchführen, publizistisch im Zusammenhang mit dem Stiftungszweck tätig werden und Preise für beispielhafte Projekte im Sinne des Stiftungszweckes vergeben. 11

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Stiftungsstruktur Aufgaben und Ziele Die Stiftung Umgebindehaus hat es sich zur Aufgabe gemacht, Initiativen zur Bewahrung und Pflege dieses erhaltenswerten Haustyps zu fördern. Sie ist Beratungsstelle für alle Fragen rund um Umgebindeund Fachwerkhäuser. Dazu zählen die denkmalgerechte Sanierung, die Finanzierung von Bauvorhaben oder Hilfe bei der Beantragung von Fördergeldern. Teil der kostenlosen Erstberatung ist auch eine Besichtigung der Sanierungsobjekte mit Informationen zu historischen und baulichen Aspekten der Gebäude. Darüber hinaus werden durch die „Kleinprojektförderung“ Bauvorhaben mit bis zu 3.000 Euro unterstützt. Je nach Haushaltslage des Freistaats Sachsen können über die Stiftung auch Zuschüsse im Rahmen der „Sonderförderung für Umgebinde- und Fachwerkhäuser des Freistaats Sachsen“ beantragt werden. Mitte 2014 hat die Geschäftsstelle der Stiftung einen festen Standort im Stammhaus der ehemaligen Firma C. G. Hoffmann in Neugersdorf bezogen. In den Büroräumen werden vielfältige Informationen rund um das Umgebindehaus angeboten, denn besonders vor dem Erwerb einer denkmalgeschützten Immobilie sollte man umfassend vorinformiert sein. Für Auskünfte und Beratung stehen Arnd Matthes als Geschäftsstellenleiter und Sven Rüdiger als Projektmanager zur Verfügung. Langfristig soll ein „Umgebindehauszentrum“ in Neugersdorf entstehen. Mit dem Umzug der Stiftung in das sanierte Stammhaus ist bereits der erste Schritt getan. Auch die Bauteilbörse befindet sich auf dem Gelände und wird inzwischen rege genutzt. Geplant ist weiterhin die Einrichtung einer „UmgebindehausFachbibliothek“ im Stammhaus. Sie soll sämtliche Fachliteratur zum Umgebindehaus an einem Ort zusammenführen. Schwerpunkte der Stiftungsarbeit bleiben weiterhin die Fachberatung der Hauseigentümer und Bauherren sowie die finanzielle Unterstützung denkmalgerechter Bauvorhaben. Arnd Matthes und Sven Rüdiger, Geschäftsstelle Stiftung Umgebindehaus 12

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Vorstand und Fachbeirat Nach Außen wird die Stiftung vom Vorstand vertreten, dem folgende Mitglieder angehören: Birgit Weber, Beigeordnete Landkreis Bautzen (Vorstandsvorsitzende) Bernd Lange, Landrat Landkreis Görlitz (Stellv. Vorsitzender) Prof. Dr. Rosemarie Pohlack, Sächsische Landeskonservatorin Elke Bauch, stellv. Vorstandsmitglied Kreissparkasse Bautzen Frank Hensel, Vorstandsmitglied Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien Ebenso arbeiten als beratende Mitglieder Winfried Ripp von der Bürgerstiftung Dresden und Matthias Schwarzbach als Fachbeiratsvorsitzender mit. Für die Erfüllung des Stiftungszwecks werden engagierte Personen in einen Fachbeirat berufen. Sie beraten und unterstützen in fachlicher Weise den Vorstand und die Geschäftsstelle bei der Verwirklichung der Stiftungsziele und werben für ihre Realisierung in der Öffentlichkeit. Mitglieder des Fachbeirats Stiftung Umgebindehaus Dem derzeitigen Fachbeirat unter Vorsitz von Matthias Schwarzbach, IHK Dresden - Geschäftsstelle Zittau, gehören weitere Personen an: Karin Berndt, Bürgermeisterin Stadt Seifhennersdorf Michael Görke, Bürgermeister Gemeinde Kottmar Markus Kepstein, Görlitzer Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege Ina Langer, Untere Denkmalschutzbehörde Landkreis Görlitz Heinz Lehmann, Mitglied des Sächsischen Landtags Thomas Martolock, Bürgermeister Gemeinde Cunewalde Arnd Matthes, Stiftung Umgebindehaus Bernd Noack, Beigeordneter Stadt Ebersbach-Neugersdorf Gerlinde Reimann, Untere Denkmalschutzbehörde Landkreis Bautzen Dr. Ulrich Rosner, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen Sven Rüdiger, Stiftung Umgebindehaus Dr. Liane Vogel, Hochschule Zittau/Görlitz V.l.n.r.: Birgit Weber, Prof. Dr. Rosemarie Pohlack und Innenminister Markus Ulbig 13

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