Handbuch für Flüchtlingshelfer

 

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Stm. Bad-Württ.

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Willkommen! Ein Handbuch für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Baden-Württemberg Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick 1

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GruSSwort ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Baden-Württemberg“. Es will denen ein praktischer Ratgeber sein, die sich zivilgesellschaftlich oder im Ehrenamt um die Aufnahme von Flüchtlingen in Baden-Württemberg kümmern. Ohne das wunderbar große Potenzial ehrenamtlich und sozial Engagierter könnten die Kommunen, die Landkreise und die Landesregierung die gegenwärtig große Zahl von Menschen auf der Flucht kaum würdig unterbringen und betreuen. Und wir alle könnten dann weder dem Grundgesetz noch der Genfer Flüchtlingskonvention nachkommen, die das Recht auf Asyl und den Schutz vor Verfolgung zwingend vorsehen. - gen höchsten Stellenwert. Deshalb haben wir gemeinsam mit vielen ehrenamtlich Helfenden vor Ort beschlossen, einen Kompass bereitzustellen. Einen Kompass, mit dem Sie sich und die Ihnen anvertrauten Flüchtlinge durch eine zuweilen unübersichtliche Landschaft von Bundes-, Landes- und Kommunalgesetzen, Verordnungen und Zuständigkeiten lotsen können. Das Handbuch soll motivieren, sich bei der Integration von Flüchtlingen in Baden-Württemberg einzubringen. Und es soll Ihnen mit guten Beispielen und Ratschlägen zur Seite stehen. Viele engagierte Helfende aus der hauptund ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit haben intensiv daran mitgearbeitet. Nur so konnten wichtige Fragen 2 Kapitel 5 | Wohnen, Gesundheit, Mobilität Kapitel 5 | Wohnen, Gesundheit, Mobilität 3

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Dank recherchiert und mit langjährigen Erfahrungen hinterlegt werden. Ihnen allen sei dafür herzlich gedankt! Unsere Hilfsbereitschaft und unsere Kreativität sind in diesen Zeiten besonders gefordert. Weil sich die Rahmenbedingungen bei der Aufnahme, Betreuung und Integration von Flüchtlingen in Baden-Württemberg laufend ändern können, versenden wir zusätzlich monatlich einen Newsletter und ergänzen diesen durch eine Internetseite dieses Ratgebers kontinuierlich fortschreiben wird. Die humanitäre Aufnahme und die spätere Integration der Menschen, die bei uns Schutz vor Verfolgung und Krieg suchen, muss und wird gelingen. Mit Ihrer Hilfe, für die wir mit großem Respekt danken! Dieses Handbuch ist aus der Praxis für die Praxis entstanden. Wir haben viele Engagierte aus der Flüchtlingsarbeit in Baden-Württemberg nach ihren Erfahrungen und Kenntnissen gefragt und haben hilfreiche Anregungen und Hinweise All denjenigen, die zur Entstehung dieses Handbuches beigetragen haben, möchten wir ganz herzlich danken: Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Redaktionsrates, hierbei vor allem Irene Armbruster (Bürgerstiftung Stuttgart), Jürgen Blechinger (Diakonisches Werk Baden und Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe), Andreas Linder (Flüchtlingsrat Baden-Württemberg), Martin Müller (Städtetag Baden-Württemberg) und Stephan Schumacher (Sozialamt Stuttgart), ebenso Vera Borgards (Caritasverband Erzdiözese Freiburg), Prof. Dr. Frank Brettschneider (Universität Hohenheim), Daniela Dinser (Flüchtlingsbeauftragte Schwäbisch Gmünd), Dagmar Eckert (Sozialamt Stuttgart), Dr. Miriam Freudenberger (Allianz für Beteiligung), Martina Haas (Volkshochschulverband Baden-Württemberg), Gudrun Heute-Bluhm (Städtetag Baden-Württemberg), Wolfgang Klenk (Breuninger Stiftung), Dieter Lehmann (Amt für Familie und Soziales Schwäbisch Gmünd), Dagmar MikaschKöthner (vhs Stuttgart), Dr. Angelika Mölbert (DRK Baden), Ottmar Schickle (Diakonie Württemberg), Marion von Wartenberg (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg) und Eva Weiser (Liga der Gisela Erler Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung Staatsministerium Baden-Württemberg 4 Kapitel 5 | Wohnen, Gesundheit, Mobilität 5

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Dem Sozialamt der Stadt Stuttgart, insbesondere Stefan Spatz und Gerhard Bock. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Fachstellen des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg, des Ministeriums für Integration Baden-Württemberg, des Innenministeriums Baden-Württemberg und des Staatsministeriums Baden-Württemberg. Den vielen Ehrenamtlichen in ganz Baden-Württemberg, die sich in Flüchtlingsarbeitskreisen engagieren und uns konkrete Tipps aus der Praxis geben konnten, insbesondere Ingrid Bohsung (AK Asyl Weilimdorf) und Ariane MüllerRessing (AGDW e. V. und AK Flüchtlinge HeumadenSillenbuch). Den Teilnehmenden des 1. Forums Flüchtlingshilfe im März 2015 in Stuttgart, die in Arbeitsgruppen die in diesem Buch behandelten Themenfelder diskutiert und Lösungsansätze entwickelt haben. Ohne die Mitarbeit und Hilfe von Ihnen allen wäre dieses Handbuch nicht möglich gewesen. Danke! Inhalt teil I: Fragen zur arbeit von Ehrenamtlichen 1. Erste Überlegungen 2. Flüchtlingsarbeitskreise Welche Voraussetzungen brauche ich, um mich zu engagieren? Wie gründe ich einen Flüchtlingsarbeitskreis? Wie strukturiere ich die Aufgabenbereiche? Welche Behörde/Institution ist für mich zuständig? Wie sorge ich für eine kontinuierliche ehrenamtliche Arbeit? Wie bin ich während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit versichert? Wie kann ich meine Privatsphäre vom Ehrenamt abgrenzen? Gibt es Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche? Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es für Ehrenamtliche? 3. Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen Wie fördert man eine gute Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen? Für welche Leistungen ist die Kommune/der Landkreis zuständig? 13 16 17 18 20 22 23 24 26 27 28 32 34 6 Inhalt 7

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Für welche Leistungen ist das Land zuständig? Für welche Leistungen ist der Bund zuständig? Wo ist ehrenamtliche Hilfe sinnvoll? Landkreises nicht zufriedenstellend – was nun? 36 38 40 43 Was mache ich bei Anfeindungen oder Welche Möglichkeiten gibt es, wenn der Asylantrag abgelehnt wird? 6. Unterbringung Wie wohnen Flüchtlinge? Wie darf ich Zimmer in Gemeinschaftsunterkünften umgestalten? Wie gehe ich mit Sachspenden für Flüchtlinge um? Wie kann ich bei der Wohnungssuche unterstützen? 7. Gesundheit Welche Gesundheitsleistungen erhalten Flüchtlinge? Was kann ich tun, wenn ein Flüchtling traumatisiert zu sein scheint? 8. Kinder, Jugendliche und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Welche besondere Unterstützung brauchen Kinder und Jugendliche? Welche Unterstützung brauchen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge? 9. Ausbildung und Arbeit Welche sprachlichen Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es für Flüchtlinge? 74 76 Wie kann ich Spenden sammeln? Wer darf Spendenbescheinigungen ausstellen? 45 52 84 88 89 91 teil II: Fragen zur Begleitung von Flüchtlingen 5. Begleitung von Flüchtlingen im Alltag Welchen Status können Flüchtlinge haben? Wie und wo wird der Asylantrag gestellt? Was sind die ersten Schritte für Flüchtlinge nach ihrer Ankunft? Flüchtlingen zu? Wie sind Flüchtlinge versichert? Wie verständige ich mich mit Flüchtlingen? Auf welche kulturellen Besonderheiten muss ich achten? Wie können Flüchtlinge mit Familienangehörigen und Freunden Kontakt halten? Können Familienangehörige nach Deutschland nachkommen? Wer ist Ansprechpartner für die Flüchtlinge bei Problemen? 55 58 60 62 64 66 68 70 71 73 94 98 101 105 107 8 Inhalt 9

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109 gibt es für Flüchtlinge? Welche Fördermöglichkeiten gibt es für Studierende? Ab wann dürfen Flüchtlinge eine geregelte Arbeit aufnehmen? Wie kann ich bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unterstützen? Wie kann man Flüchtlinge ehrenamtlich oder geringfügig beschäftigen? 10. Mobilität Welche Fortbewegungsmöglichkeiten bieten sich an? 11. Freizeit Wie integriere ich Flüchtlinge in örtliche Vereine? Wie ermögliche ich Flüchtlingen den Besuch von Kulturveranstaltungen und Freizeitaktivitäten? Welche Feste sollte man gemeinsam feiern? 120 122 111 113 116 117 126 128 130 teil III: anhang Kontaktadressen Quellen Impressum 133 136 140 10 Inhalt Bildlegende Blindtext Kapitel 5 | Wohnen, Gesundheit, Mobilität 11

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tEIl 1: FraGEn Zur arBEIt Von EhrEnamtlIchEn 1. ErStE üBErlEGunGEn Der Bedarf an ehrenamtlichem Engagement in der Flüchtlingshilfe ist groß, erfreulicherweise ebenso die Bereitschaft der Menschen, sich zu engagieren. Die Tätigkeiten und der zeitliche Umfang können dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Wenn Sie sich engagieren möchten, sollten Sie sich vorab folgende Fragen beantworten, um die für Sie passende Was ist meine Motivation für mein Engagement? Wie viel Zeit möchte ich investieren? Wie lange möchte ich mich engagieren? Wo liegen meine Interessen und Kenntnisse? Wo liegen meine körperlichen und psychischen Grenzen? So berichten andere Ehrenamtliche von ihrem Engagement: waren Zorn und Wut über vergeudete Ressourcen: Ich habe gesehen, wie schwierig es für viele Flüchtlinge und Migranten ist, sich durch die deutsche Bürokratie zu kämpfen und ein ihren Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechendes Leben zu führen. Mir ist es außerdem wichtig, dass in dem Stadtteil, in dem ich lebe, sozialer Frieden herrscht, dafür setze ich mich ein.“ Ariane Müller-Ressing engagiert sich seit 22 Jahren für Flüchtlinge, leitet den Arbeitskreis Flüchtlinge Heumaden-Sillenbuch Bildlegende Blindtext 5 | Wohnen, Gesundheit, Mobilität 12 Kapitel Erste Überlegungen 13

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zen, die im täglichen Kontakt mit den Flüchtlingen sind. Durch zusammenzubringen, damit ein gegenseitiges Verständnis und Miteinander da ist und keine Ablehnung.“ heit. Seit 1986 lernte ich so viel über die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge kennen, ihre Religion, ihr Leben in ihren Heimatländern, was alles zerstört wurde. Viele haben sich mir anvertraut und da ich ihnen vertraute, konnte ich vielen Flüchtlingen helfen und gegen Fremdenfeindlichkeit vorgehen.“ Dorothee Golm ist Ansprechpartnerin des Netzwerks Willkommen Schramberg-Lauterbach Ingrid Bohsung betreut bereits seit 29 Jahren Flüchtlinge in Stuttgart land überdurchschnittlich gut geht und unsere Hilfe direkt und unmittelbar ankommt. Von den Menschen aus den unterschiedlichen Regionen können wir in sozialer und zwischenmenschlicher Hinsicht viel lernen. Die Arbeit bereitet mir trotz mancher Rückschläge viel Spaß.“ Ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, damit sie den Weg in diese Olaf Büscher engagiert sich ehrenamtlich für Flüchtlinge in Vaihingen an der Enz Thomas Plagemann vom Freundeskreis Flüchtlinge Plieningen-Birkach betreut eine Fahrradwerkstatt Flucht heißt. Aus meinem christlichen Glauben heraus weiß ich aber auch, dass gerade Jesus mehrfach in seinem Leben FlüchtKindheit persönlich erfahren, wie schwer es ist, sich in einer mir aber diesen Weg entscheidend erleichtert. Mit meiner Arbeit für die Flüchtlinge möchte ich dies dankend weitergeben!“ mehr im Berufsleben stehend, gerne nachkommen.“ Helmut Püschel engagiert sich ehrenamtlich Mehmet Aksoyan ist Vorstandsmitglied des Türkischen Akademiker-Vereins in Ravensburg, TAVIR im Arbeitskreis Asyl in Oberensingen 14 Erste Überlegungen 15

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2. FlüchtlInGSarBEItSkrEISE welche Voraussetzungen brauche ich, um mich zu engagieren? Die Begleitung von Flüchtlingen sollte – wie jede ehrenamtliche Tätigkeit – regelmäßig und über einen längeren Zeitraum erfolgen, sodass beide Seiten die Möglichkeit haben, sich kennenzulernen und sich aufeinander einzustellen. Auch wenn Sie nur wenig freie Zeit zur Verfügung haben, lassen sich in Absprache mit den anderen Ehrenamtlichen Hinweis: Bei manchen Flüchtlingsarbeitskreisen muss man ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, da man unter Umständen auch Minderjährige betreut. Dieses erhält man beim Rathaus oder Bürgeramt. Beantragt man das polizeiliche Führungszeugnis über einen freien Träger (zum Beispiel Caritas oder Diakonie), ist es für Ehrenamtliche gebührenfrei. wie gründe ich einen Flüchtlingsarbeitskreis? Diese Voraussetzungen sollten Sie mitbringen: Offenheit für andere Kulturen und Verhaltensweisen Verständnis für Menschen in einer Fluchtsituation, die alles verloren haben und aus ihrer Kultur herausgerissen wurden Hilfsbereitschaft Durchsetzungsvermögen und Beharrlichkeit, zum Beispiel gegenüber Behörden Organisatorische Fähigkeiten Teamgeist, da Sie in der Regel ein Team aus ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sind Viel Geduld, denn nicht alles geht sofort Flüchtlingsarbeitskreise gründen sich meist als freie Initiativen, seltener als Vereine. Durch das Vereinsrecht ist man stärker gebunden, muss bestimmte Strukturen herstellen und Formalien einhalten. Freie Initiativen geben sich ihre Struktur selbst. Gut zu wissen! Der Vorteil eines eingetragenen Vereins besteht darin, dass er Spendenbescheinigungen ausstellen darf. Freie Initiativen nehmen sich meist die örtliche Kirchengemeinde, einen freien Träger (zum Beispiel den, der die Gemeinschaftsunterkunft betreut) oder einen Verein als Partner und führen über diese bzw. diesen ein Unterkonto. Spenden dorthin sind dann steuerlich absetzbar. Oft geht der Impuls, einen Flüchtlingsarbeitskreis zu gründen, von der Kommune aus, zum Beispiel wenn eine größere Zahl an Flüchtlingen erwartet wird. Dies muss jedoch nicht so sein. Jede Person kann einen Flüchtlingsarbeitskreis ins Leben rufen. Von Vorteil ist es, wenn der Arbeitskreis möglichst breit aufgestellt ist, das heißt, wenn 16 Flüchtlingsarbeitskreise 17

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Vertreterinnen und Vertreter der Kommune, der Jugendarbeit, der freien Träger, der Kirchen, der Vereine und der So sind von Anfang an eine gute Kommunikation und eine konstruktive Zusammenarbeit gewährleistet. Weitere Informationen: Unter www.bmjv.de, zum Vereinsrecht“ herunterladen. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz erklärt dort die grundlegenden Dinge, die man bei der Gründung und beim Betrieb eines Vereins beachten muss. wie strukturiere ich die aufgabenbereiche? Die weitere Struktur entwickelt sich in der Regel entsprechend den Aufgabenbereichen. Je nach Größe des Arbeitskreises kann es vorteilhaft sein, Untergruppen zu bilden, die bestimmte Aufgaben übernehmen, zum Beispiel Deutschkurse, Hausaufgabenbetreuung, Freizeitgestaltung, Kontakt zu Sportvereinen, Begleitung zu Behörden, Wohnungssuche. Möglich sind auch direkte Patinnen und Paten für Einzelpersonen oder Familien, die sich übergreifend um verschiedene Themen kümmern. Praxistipps: 1 Führen Sie eine Liste der Ehrenamtlichen, auf der die Vorkenntnisse, Interessen sowie der Aufgabenbereich vermerkt sind. Führen Sie Willkommenshelferinnen und -helfer ein, die jeweils einen Flüchtling oder eine Familie bei seinen bzw. ihren ersten Schritten in der neuen Umgebung begleiten. Halten Sie einen Pool an Ehrenamtlichen bereit (Telefonliste), die kurzfristig einspringen können, zum Beispiel zum Übersetzen, für Fahrdienste oder beim Arztbesuch. Tragen Sie alle grundlegenden Informationen zusammen, welche die Ehrenamtlichen für ihre Arbeit brauchen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Kommune und beim Landratsamt, ob es bereits Materialien für die Flüchtlingsarbeit gibt. Es ist sinnvoll, dass der Flüchtlingsarbeitskreis eine Leitungsperson hat, bei der alle Informationen zusammenlaufen, die die Aufgaben koordiniert, neue Mitglieder einführt und die Ansprechperson für die Kommune und den Träger der Gemeinschaftsunterkunft ist. Ebenso sollte es jemanden geben, der für die Finanzen zuständig ist und die Spendenbescheinigungen ausstellt. Auch der Bereich Spenden einzuwerben. Weitere Informationen: keitsarbeit und Spenden sammeln siehe Kapitel 4. sollte abgedeckt 2 3 4 18 Flüchtlingsarbeitskreise 19

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welche Behörde/Institution ist für mich zuständig? Die Zuständigkeiten sind in jeder Kommune anders geregelt, daher müssen Sie beim Rathaus oder Bürgerbüro nachfragen, wer für den Flüchtlingsarbeitskreis die richtige Ansprechperson ist. Dies kann zum Beispiel das Sozialamt oder die Ausländerbehörde sein. In manchen Kommunen gibt es Integrations-, Flüchtlings- oder Ehrenamtsbeauftragte, welche die Aufgaben koordinieren. Eine weitere wichtige Ansprechperson ist der Betreiber der Gemeinschaftsunterkunft. Je nachdem ob es sich um kann dies das Landratsamt, die Kommune oder auch ein freier Träger (zum Beispiel Caritas, Diakonie, AWO) sein. Mit den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern der denn sie kennen den Bedarf vor Ort. Die evangelische Kirche (Diakonie) und die katholische Kirche (Caritas) sind ebenfalls Partner, an die sich Ehrenamtliche und Flüchtlinge wenden können. Die Arbeitsbereiche sind in die Regionen Baden und Württemberg aufgeteilt. Diakonie: In einigen Kommunen gibt es Flüchtlingsdiakone oder Asylpfarrämter (zum Beispiel in Stuttgart, Reutlingen). Unter www.diakonie-wuerttemberg.de, Rubrik Rat & Hilfe, Menschen mit Migrationshintergrund, Liste der Beratungsstellen für Flüchtlinge in Baden. Caritas: Unter www.dicvfreiburg.caritas.de, Rubrik Querdes Caritasverbandes für die Erzdiözese Freiburg, der für die Regionen Baden und Hohenzollern zuständig ist. Im wurden Koordinations- und Unterstützungsstellen für Ehrenamtliche in 22 Caritasverbänden eingerichtet. Weitere Informationen: Projektreferent ist Dr. Jörg Sieger, Telefon 0761/8974-135, sieger@caritas-dicv-fr.de Liste aller Caritas-Zentren der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Weitere Informationen: Leiterin des Projektes Malena Eckelmann, Telefon 0711/2633-1424, eckelmann.m@caritas-dicvrs.de Hinweis: Generell ist es möglich, dass die Kirchen den Flüchtlingsarbeitskreisen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Fragen Sie vor Ort nach! Flüchtlings- rat Baden-Württemberg e. V. Württemberg. Unter www.diakonie-baden.de, Rubrik sprechpersonen genannt, aufgeteilt nach den Regierungsbezirken Tübingen, Freiburg, Stuttgart und Karlsruhe. 20 Flüchtlingsarbeitskreise 21

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wie sorge ich für eine kontinuierliche ehrenamtliche arbeit? Empfehlenswert ist eine gute Einführung neuer ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Prima Idee! Die Leiterin des Arbeitskreises Flüchtlinge Heumaden-Sillenbuch in Stuttgart führt jeweils ein ausführliches Gespräch, in dem sie von der Arbeit mit den Flüchtlingen erzählt und die Interessierten nach ihrer Motivation, den Vorkenntnissen und Interessen fragt. Dann folgt eine Probephase, in der sowohl der betreute Flüchtling als auch sagen, wenn sie merken, dass die Zusammenarbeit nicht funktioniert oder nicht den Vorstellungen entspricht. Während der Einarbeitungszeit haben neue Mitglieder eine feste Ansprechperson aus dem Arbeitskreis, die ihnen zur Seite steht. Ebenso kann man für sie eine Mappe mit allen wichtigen Informationen zusammenstellen. Weitere Faktoren, die für eine längerfristige ehrenamtliche Arbeit wichtig sind: Gegenseitiger Austausch, indem man Dinge bespricht Begleitung der Ehrenamtlichen, indem man sie nach ihren Erlebnissen, Eindrücken und Ideen fragt, sie miteinbezieht Wertschätzung des Engagements, zum Beispiel durch positive Rückmeldungen, durch Dank und durch Zeit, die man sich füreinander nimmt Transparenz, indem die Aufgaben und Strukturen klar definiert sind Gegenseitige Offenheit und Freiheit, das heißt, man darf Probleme ansprechen und persönliche Grenzen setzen Keinen Druck ausüben, jeder darf so viel Zeit investieren, wie er möchte, allerdings sollte die Mitarbeit verlässlich und regelmäßig sein Weiterbildungsangebote nutzen, um das Engagement auf eine solide Basis zu stellen und die persönlichen Kenntnisse und Fähigkeiten auszubauen Ganz wichtig: Ehrenamt muss Freude machen! wie bin ich während meiner ehrenamtlichen tätigkeit versichert? Freiwilliger Einsatz birgt immer auch Risiken wie Unfälle und Schäden. Für Ehrenamtliche bestehen daher sogenannte Sammelverträge des Landes Baden-Württemberg. Über diese sind alle Ehrenamtlichen automatisch und kostenlos haftpflicht- und unfallversichert. Ehrenamtliche oder Gruppen müssen sich nicht beim Versicherungsunternehmen registrieren oder eine persönliche Versicherung abschließen. Hilfreich für die eigene Arbeit ist es, eine Liste zu führen mit den Kontaktdaten der Ehrenamtlichen und den übernommenen Aufgabengebieten. Beachten: Die Sammelverträge gelten nur, wenn die Tätigkeit in rechtlich unselbstständigen Strukturen Verbände selbst für den Versicherungsschutz ihrer Ehrenamtlichen sorgen müssen! 22 Flüchtlingsarbeitskreise 23

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Weitere Informationen: www.ecclesia.de, Rubrik Ehrenamt, Weitere Inforschutz für bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement“ des Landes Baden-Württemberg zum Download. - - Gerade bei der Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Betreuungspersonen ist es wichtig, dass die Kompetenzen klar geregelt sind: Die Ehrenamtlichen ergänzen und unterstützen die Arbeit der Hauptamtlichen. Gemeinsam versucht man, die Flüchtlinge durch Gespräche klären, müssen übergeordnete Stellen eingeschaltet werden. Bei Problemen zwischen Ehrenamtlichen und Flüchtlingen kann es sinnvoll sein, die hauptamtliche Betreuungsperson einzuschalten. Eventuell muss sich der Ehrenamtliche zurückziehen und die Betreuung an jemand anderen übergeben. Hinweis: Speziell für die Landeserstaufnahmeeinrichtungen (LEA) wurde beim Ministerium für Integration eine ehrenamtliche Ombudsperson berufen, die Beschwerden und Anregungen schnell und informell aufnehmen und weiterleiten soll. Die Ombudsperson wird von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den LEAs unterstützt und ist beratend tätig. Kontakt: Karl-Heinz Wolfsturm, Tel.: 0711/27944-77 karl-heinz.wolfsturm@intm.bwl.de Hinweis: Flüchtling“ berichten zwei Journalistinnen des SWR über die Landeserstaufnahmeeinrichtung Meßstetten. Zwei Jahre lang gehen sie der Frage nach, wie ein Ort mit 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern 1.000 Asylsuchende verkraftet. multimessstetten sichert im freiwilligen Engagement“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bietet unter www.bmas.de, Rubrik Service/Publikationen/Suche ebenfalls weitere Informationen. Bei der Unfallkasse Baden-Württemberg schutz im Zusammenhang mit Flüchtlingshilfe“: www.uk-bw.de, Rubrik Versicherte/Ehrenamtlich Tätige. Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen oder auch zwischen Ehrenamtlichen und Flüchtlingen lassen sich am besten heit vermeiden und lösen. Es hat sich bewährt, Probleme konkret anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu externe Person zur Moderation hinzuzuziehen, etwa die Pfarrerin oder den Pfarrer, die beziehungsweise der in der Kommune für Flüchtlingsfragen zuständig ist. 24 Flüchtlingsarbeitskreise 25

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Prima Idee! Nutzen Sie die Sozialen Medien, um hat eine Facebook-Seite ins Leben gerufen und berichtet dort regelmäßig über Neuigkeiten und Aktionen in der Landeserstaufnahmestelle. So will sie unter anderem Vorurteilen und Anfeindungen entgegenwirken. Beachten Sie jedoch: Eine Facebook-Seite müssen Sie regelmäßig betreuen. Sie müssen Fragen beantworten und eventuell Kommentare löschen, die beleidigend oder fremdenfeindlich sind. wie kann ich meine Privatsphäre vom Ehrenamt abgrenzen? Daher ist es von Vorteil, wenn der Flüchtlingsarbeitskreis über eigene Räumlichkeiten verfügt. Äußern Sie Ihre Bedürfnisse im Arbeitskreis und gegenüber den Flüchtlingen. Gibt es aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche? Die meisten Flüchtlingsarbeitskreise zahlen ihren Mitgliedern keine Aufwandsentschädigung, da es sich um eine freiwillige Tätigkeit handelt. Manche Arbeitskreise erstatten auch keine Auslagen. Wenn der Flüchtlingsarbeitskreis ein Spendenkonto besitzt und über Spendengelder verfügt oder Zuschüsse von der Kommune erhält, kann es jedoch Sinn machen, den Mitgliedern Auslagen zu ersetzen, etwa für Fahrtkosten und Material oder für Weiterbildungsveranstaltungen. Dies sollte im Arbeitskreis diskutiert, das Vorgehen beschlossen und schriftlich festgehalten werden. Ebenso sollte in diesem Fall aus dem Infomaterial des Arbeitskreises (Flyer, Internetseite) deutlich hervorgehen, dass Spendengelder sowohl für die Flüchtlinge selbst als auch für die Tätigkeit des Arbeitskreises verwendet werden. Hinweis: Erkundigen Sie sich bei Ihrer Kommune und bei den Kirchen nach Fördermöglichkeiten für Flüchtlingsarbeitskreise. In Stuttgart kann über die Träger der Unterkünfte oder die Kirchen ein Zuschuss für Freizeitaktivitäten mit Flüchtlingen beantragt werden, der von der Bürgerstiftung und einem Viele Ehrenamtliche berichten, dass sie die Schicksale der Flüchtlinge sehr beschäftigen und dass eine innerliche Abgrenzung nicht immer einfach ist. Ebenso wenden viele mehr Zeit für das Ehrenamt auf, als sie ursprünglich geplant hatten. Der Bedarf an Hilfe jeglicher Art ist groß und Flüchtlinge sind in der Regel sehr dankbar für die Unterstützung. Dies wiederum bestätigt die Ehrenamtlichen in ihrem Tun und zeigt ihnen, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird. Nicht selten werden aus Fremden Freunde, mit Vorteilen für beide Seiten. wichtig sein, klare Arbeitszeiten zu vereinbaren und sich bewusst Auszeiten zu nehmen. Auch eine räumliche Trennung von Zuhause und Arbeitsplatz kann hilfreich sein. 26 Flüchtlingsarbeitskreise 27

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Weiterbildungsmöglichkeiten für Ehrenamtliche an. Besteht der Wunsch nach einem konkreten Thema, kann dies über die Stadt organisiert werden. welche weiterbildungsmöglichkeiten gibt es für Ehrenamtliche? Fachqualifizierung für Engagierte in der FlüchtlingsDie modulare Fortbildungsreihe bietet ein fundiertes Basiswissen über das Flüchtlingsrecht und vermittelt die wichtigsten praktischen Handlungskompetenzen für die Beratung und Begleitung von Flüchtlingen. Die Fortbildungsreihe umfasst zwölf modulare Einheiten mit einer Dauer von jeweils zwei Stunden. Sie richtet sich vornehmlich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Asylarbeitskreisen und anderen Organisationen der Flüchtlingshilfe. Weitere Informationen: Rubrik Aktuelles und Rubrik Fortbildungen. Der Kreisdiakonieverband Ostalbkreis bietet in Zusammenarbeit mit weiteren Trägern in Aalen, Ellwangen und Schwälernen in der Flüchtlingsarbeit“ für Ehrenamtliche an. Dieser umfasst acht bis neun Einheiten mit einer Dauer von jeweils zweieinhalb Stunden und beinhaltet folgende Themen: Einführungsabend Rahmenbedingungen von Flüchtlingen im Ostalbkreis Soziales Netzwerk mit Fokus Flüchtlinge Rechtliche Rahmenbedingungen Interkulturelle Kompetenz Teil I und II Besuch einer Flüchtlingsunterkunft/der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge und Angebotsbörse Abschluss mit Zertifikatsüberreichung Der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg bietet auf seiner fangreiches Weiterbildungsangebot als auch Materialien Weiterhin führt der Flüchtlingsrat folgende Veranstaltungen auf Anfrage durch: Infoabend Der Infoabend richtet sich an Menschen, die sich neu in der Flüchtlingsarbeit engagieren möchten. Er bietet eine Einführung in das Flüchtlingsrecht und die praktischen Handlungsmöglichkeiten für die Beratung und Begleitung von Flüchtlingen. Tages-Fortbildung Die Veranstaltung bietet eine fundierte Einführung in das Flüchtlingsrecht und vermittelt die wichtigsten praktischen Handlungskompetenzen für die Beratung und Begleitung von Flüchtlingen. Sie richtet sich vornehmlich an Menschen, die sich freiwillig in der aufenthaltsrechtlichen Unterstützung und der sozialen Integration von Flüchtlingen engagieren. 28 Flüchtlingsarbeitskreise 29

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