Unsere Wärme Ausgabe 3/2015

 

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Unsere Wärme Ausgabe 3/2015

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Das österreichische Magazin für energieeffizientes Heizen mit Öl. ÖL-MYTHEN Von wegen teuer: Heizöl bringt’s! ÖL-MÜHLEN Das Grüne Gold des Kürbiskerns HEIZEN MIT ÖL Bequem, sauber und effizient 3·2015 Österreichische Post AG, Firmenzeitung 12Z039355 F Retouren an Postfach 555, 1008 Wien www.heizenmitoel.at

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H E I Z EN M IT ÖL „Ihr Heizöllieferant kann all­ fällige Fragen zu Lagerung und Bevor­ ratung beantworten. Sollten Reparatur oder Reinigung erfor­ derlich sein, empfiehlt er Ihnen gerne qualifizierte Fachbetriebe.“ Wenn das Heizöl kommt Heizöl ist ein bewährter Energieträger, der netzunabhängig für Wärme im Wohnraum sorgt. Der Aufwand für den Nutzer ist äußerst gering – gerade dann, wenn bei der Heizöl-Anlieferung einige Punkte beachtet werden. W Heizöl-Vorteile ›› Energielieferant, Liefermenge und -termin können selbst bestimmt werden. ›› Es fallen nur Kosten an, wenn tatsächlich Energie verbraucht wird (keine Grundgebühr) – daher optimal bei gut gedämmten Gebäuden und in der Verbindung mit der Nutzung von Sonnenenergie. ›› Heizöl hat einen sehr hohen Energiegehalt. Zum Vergleich: In einem 1.000-Liter-Tank mit Heizöl stecken 10.680 Kilowattstunden Energie – in einem 1.000-Liter-Warmwasserspeicher nur 90 kWh, in einer Batterie mit dem gleichen Volumen 400 kWh. er mit Öl heizt, hat weniger Sorgen: Sind die Tanks erst mal voll, kann man sich behaglich in den eigenen vier Wänden zurücklehnen und die Wärme genießen, die während der Heizperiode verlässlich zur Verfügung gestellt wird. Wer sich von der guten Arbeit des Lieferanten selbst überzeugen will, begleitet ihn bei seiner Arbeit. So lässt sich diese erleichtern, offene Fragen können zudem bei dieser Gelegenheit gestellt werden. Sollte es die Zeit nicht zulassen: Ihr Heizölhändler ist gerne auch telefonisch erreichbar. Sollte eine Reparatur oder eine der seltenen Tankreinigungen erforderlich sein, kann er Ihnen qualifizierte Fachbetriebe empfehlen. Die Verantwortung dafür, den Heizöltank in Ordnung zu halten, liegt nämlich in erster Linie beim Hauseigentümer sowie gegebenenfalls beim Mieter. Folgende Checkliste stellt sicher, dass bei der Heizöl-Anlieferung alles reibungslos funktioniert: ››  Ihr Heizöllieferant hat ungehinderten Zugang zur Tankanlage. Gegebenenfalls zeigen Sie ihm die Leitungsverläufe, den Anschluss der Füllleitung zu den Tanks, den Anschluss des Grenzwertgebers (der sich meist nahe dem Füllstutzen befindet) und das Ende der Lüftungsleitung. Heizöl hat jede Menge Energie und fasst bei gleichem Volumen das Vielfache einer Batterie oder eines Warmwasserspeichers. ››  Stellen Sie sicher, dass Ihr Lieferant vor der Befüllung den Füllstand im Tank feststellen kann, damit auch wirklich ausreichend Platz für die bestellte Heizölmenge vorhanden ist. ››  Stellen Sie bei Batterietanks fest, ob in jedem der Behälter die gleiche Restmenge an Heizöl vorhanden, der Flüssigkeitspegel also jeweils gleich hoch ist. ››  Gibt es ein elektronisches Leckanzeige-Gerät, dann muss dieses in Betrieb sein (meist an der grünen Betriebsleuchte erkennbar), und es darf keinen Alarm ausgelöst haben. ››  Stellen Sie vor der Tankbefüllung Ihre Heizung aus und schalten Sie diese erst zwei Stunden danach wieder ein.  (Checkliste nach: UNITI und IWO D) 2   unsere wärme 3·15 Foto + Grafik: IWO D

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I NHALT · I M P R E S S UM Fotos: OMV AG, Gery Wolf, elektrabregenz 06 Liebe Leserinnen und Leser, Manche waren in der Vergangenheit der Meinung, der Ölpreis werde in Zukunft so hoch ansteigen, dass sich viele Konsumenten eine Öl­ heizung nicht mehr leisten können. Die aktuelle Entwicklung zeigt genau das Gegenteil: Heizöl ist so günstig wie schon lange nicht mehr, und das dürfte wohl auch für einige Zeit so bleiben. Eine gute Nachricht angesichts der beginnenden Heizsaison. Der Herbst bietet aber auch noch viele Möglichkeiten, die Natur zu ­ genießen. Wenn Sie gerne wandern ­ gehen, haben wir diesmal den passenden ­ Gewinn für Sie ausgewählt. Nutzen Sie Ihre Chance! Viel Spaß und gute Unterhaltung wünscht Ihnen 18 16 Kurz gemeldet: Energiespartipps für den Herbst ���������������������� OMV-Raffinerie: „Wie beim Schnaps“��������������������������������������� Automobil-Geschichte: Resi, i hol di mit’n Porsche ab �������������� Heizen mit Öl: Die Öl-Mythen (Teil 1) �������������������������������������� Daten & Fakten: Öl im Tank, Geld im Börsel ���������������������������� Wandern: „Das Irland der Alpen“ ��������������������������������������������� Markt: „Öl bleibt auch weiterhin billig“ ������������������������������������ Ölmühlen: Das Grüne Gold der Steiermark . . . . . . . . . . . . . . . . Reportage: Wir kochen mit Oliver �������������������������������������������� Gewinnspiel: Siegertypen ���������������������������������������������������������� Kolumne: Elektroautos als Fehlentwicklung? ���������������������������� Verlosung: 100 Gesäuse-Wanderkarten mit Foto-Panoramen  Rätselspaß: Sudoku, Denksport & Bildrätsel ����������������������������  unsere wärme 3·15 04 06 09 10 12 13 14 16 18 20 21 22 23 IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber: Heizen mit Öl GmbH, 1020 Wien, Untere Donaustr. 13– 15/3. OG, Tel.: 01/890 90 36, Fax: 01/890 90 36-50 Geschäftsführer: Mag. Martin Reichard Unternehmensgegenstand: Förderung des Austausches von Ölheizungsanlagen durch Anreizbildung für den umwelt- und klimafreundlichen Ersatz von alten Heizungs­ anlagen durch moderne, sparsame und effiziente Ölheizungsanlagen. Verleger: Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH, Grünbergstraße 15, 1120 Wien, Tel.: (01) 546 64-0, E-Mail: office@wirtschaftsverlag.at Geschäftsführung: Thomas Zembacher Für den Inhalt verantwortlich: Mag. Martin Reichard (HMÖ) Koordination: Elisabeth-Klara Betes-Kummer Redaktion: Mag. Reinhard Ebner Titelbild: Steiermark Tourismus/Harry Schiffer Druck: LEYKAM Let’s Print, Bickfordstraße 21, 7201 Neudörfl Auflage: 92.473 Stück Mag. Martin Reichard Geschäftsführer der Heizen mit Öl GmbH 3

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K UR Z M ELDUNGEN Die alten Mesopotamier destillierten Erdöl und setzten Bitumen als Baumaterial ein. Wussten Sie schon? Die Destillation war im Ursprung kein Verfahren zur Herstellung von Hochprozentigem, sondern von Baumaterial aus Erdöl. Schon vor rund 3.000 Jahren erzeugten die Mesopotamier mithilfe der Destillation Bitumen aus Erdöl. Sie verwendeten diesen anstelle von Lehmmörtel als Bindemittel beim Bau von Mauern. Auch Straßen wurden mit Ziegeln gebaut, die mit Bitumen gefestigt wurden. Und die Hängenden Gärten von Babylon, immerhin eines der sieben Weltwunder der Antike, wurden mit dem destillierten Erdöl abgedichtet. Bis heute gehört Destillation zu den Verfahren, die bei der Raffinerierung von Erdöl angewandt werden (mehr dazu in unserer OMV-Reportage auf den Seiten 6 bis 8).  -19,3% Um diesen Prozentsatz ging der Preis von Heizöl im Juli zurück – verglichen mit dem Vorjahresmonat. Heizöl macht damit unter anderem den gestiegenen Kaffeepreis wett (Näheres auf Seite 11). Sunnybag entwirft Taschen mit integrierten Solarpaneelen. Ölanteil am ­Energiemix sinkt Bis 2035 geht der Anteil von Erdöl am gesamten Energiemix auf rund 28 Prozent zurück, so das Ergebnis des aktuellen „BP Energy Outlook“. Sinken wird auch der Kohle-Anteil, und zwar auf 26 Prozent, während jener von Gas auf ebenfalls 26 Prozent steigt. Wasserkraft und Nuklearenergie bleiben der BP-Analyse zufolge stabil bei sieben bzw. fünf Prozent. Größter Energie-Exporteur der Welt (und Nr. 3 unter den Ölproduzenten) bleibt Russland, wogegen Europa auch 2035 der größte Importeur von Energie sein wird. Insgesamt soll der weltweite Energiebedarf um 37 Prozent anwachsen – vor allem wegen des zu erwartenden Mehrbedarfs in Indien und China. Mit der Kraft der Sonne Das Grazer Start-up Sunnybag hat sich auf Umhängetaschen und Rucksäcke mit Solarpaneelen spezialisiert. Für die Entwicklung des Solarladegeräts „Power­ tab“ holte man sich nun Geld von der Crowd. Wobei das Ziel von 10.000 Euro, die über die SchwarmFinanzierungsplattform Kickstarter gesammelt werden sollten, bereits am ersten Tag übertroffen wurde. Der Powertab wird mit einem AkkuPack ausgestattet und lädt mobile Geräte mit erneuerbarer Energie auf. Über den USB-Ausgang liefert das Ladegerät bis zu 2,4 Ampere Ausgangsstrom; ein voller Akku reicht so für drei Smartphones. Hilfsorganisationen zeigen Interesse am Gerät: Für die Bevölkerung in Westafrika etwa, die oft über keine Stromversorgung verfügt oder auf „unsaubere Energiequellen“ angewiesen ist, wäre Sonnenstrom eine echte Alterna­tive.  4   unsere wärme 3·15

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KU RZ M E LDU N G E N Fotos: Thinkstock, Future-Services, Sunnybag, IWO Österreich Energiespartipps für den Herbst Die Tage werden kürzer und dunkler. Das elektrische Licht wird daher häufiger eingeschaltet, an kalten Tagen wird auch bereits die Heizung gebraucht. Heizkörper eingestellt werden: zum Beispiel auf 20 Grad im Wohnzimmer und 18 Grad in Schlafzimmer und Küche. Allerdings sollte man Räume niemals komplett auskühlen lassen. Newsticker Martin Reichard ist Vize-Präsident von Eurofuel: Der Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Öltechnik und Heraus­ geber von „Unsere Wärme“ übernimmt eine zentrale Rolle in der europäischen HeizölOrganisation. • 1. Heizung prüfen lassen Lassen Sie die Heizung von einem Fachmann warten und reinigen. Dabei sollte auch die Heizungsanlage so eingestellt werden, dass alle Räume gleichmäßig erwärmt werden können (= hydrau­ lischer Abgleich). Mit jedem Grad, um das man die Heizung nach unten regulieren kann, bleibt deutlich mehr im Geldbörsel. 3. Leuchtmittel auswechseln Hat tatsächlich noch jemand Glüh- oder Halogen-Glühlampen in den Fassungen? Dann raus damit! Mit Energiesparlampen, also Kompaktleuchtstoff- oder LED-Lampen, lassen sich etliche Kilowattstunden an Strom im Jahr sparen.  • Run aufs Heizöl: Der Spritverbrauch blieb stabil im ersten Halbjahr 2015. Ein deutliches Plus von 8,7 Prozent – trotz eines milden Winters – gab’s beim Absatz von Heizöl Extra Leicht. Der Grund: das anhaltende Preistief. • 2. Heizkörper einstellen Nach dem hydraulischen Abgleich sollten die Temperaturen der einzelnen Der Diesel-Boom geht weiter: Der Verbrauch von Benzin sank zuletzt stärker als jener von Diesel – ­ dadurch steigt der Diesel-Anteil. „Unsere Wärme“-Musterhaus: Familie Reichl (Salzburg) „Die Zeit des teuren Öls scheint vorbei zu sein – schon allein deshalb, weil die Ölproduktion dank effizienterer Technologien auch bei fallenden Preisen rentabel bleibt.“ Futures-Services-Chef Oliver Johne (auf Seite 14) Beheizte Nutzfläche vor der Sanierung: 260 m Beheizte Nutzfläche nach der Sanierung: 130 m2 Anzahl der Bewohner: 2 Kessel-Nennleistung Altanlage: 24 kW Kessel-Nennleistung Neuanlage: 18 kW Heizölverbrauch vor Sanierung: 3.000 l Heizölverbrauch nach Sanierung: 1.200 l Einsparung: 1.800 l Sonstiges: solare Warmwasserbereitung Investitionskosten: 145 Euro pro Maßnahmen: Öl-Brennwertkessel ­Prozent Einsparung Investition: 8.700 Euro 2 60 % Einsparung:  unsere wärme 3·15 5

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Ö L R AF F INIERUNG – REPORTAGE Waren mit „Unserer Wärme“ unterwegs durch die Schwechater Raffinerie: die OMV-Mitarbeiter Dr. Ventsislav Mishev, DI  Alexander Braun und Valentin Bauer. „Wie beim Schnaps“ Wussten Sie, dass Rohöl destilliert wird, um Benzin, Diesel oder Heizöl vonein­ ander zu trennen? „Das funktioniert ganz ähnlich wie beim Schnapsbrennen“, erklärt OMVTechniker Alexander Braun beim Lokalaugenschein in der Raffinerie S ­ chwechat. er Besuch in der OMV-Raffinerie Schwechat beginnt mit einer Filmvorführung. Nein, kein Unternehmensfilm mit Umsatzzahlen, Geschäftsmodellen und jeder Menge Selbstbeweihräucherung. Gezeigt wird ein nüchternes Video, das über Gefahrenquellen und richtiges Verhalten am Werksgelände informiert. Danach ist ein Multiple-ChoiceTest über das soeben Gesehene und Gehörte zu bestehen. Die „OMV-Matura“, wie das intern genannt wird. Mehr als 700 „Einpendler“ auf anderthalb Quadratkilometern Grundfläche – das Areal der OMV-Raffinerie Schwechat ähnelt einem Dorf. Einem Dorf freilich, in dem alles auf einen einzigen Zweck ausgerichtet ist: auf die Raffinierung von Rohöl. Unser „Fremdenführer“ Alexander Braun ist studierter Techniker und als solcher für die Katalysatoren am D „Durch Erhitzen setzen sich die ­Bestand­teile des Rohöls in verschiedenen Höhen ab – oben die Gase, unten die Rück­ ­ stände, dazwischen Benzin, Kerosin und Diesel.“ Standort zuständig. Darüber hinaus übernimmt er fallweise die Schichtleitung. Mit einem Pkw chauffiert er durch die Raffinerie und erläutert die Funktionsweise der einzelnen Anlagen. Sicherheit ist zentral Fast im Schritttempo steuert Braun das Auto durch Straßen, die mit Nummern oder Buchstaben des Alphabets bezeichnet sind. Neben uns, hinter uns, über uns – auf allen Seiten erstrecken sich kilometerlange Rohre. Übrigens, was ist der Unterschied zwischen einem herkömmlichen Rohr und einer Pipeline? „In Pipelines fährt ein sogenannter Molch mit. Das ist ein Verschluss, der das Innere zugleich reinigt. Pipelines haben daher relativ weite Kurvenradien und keine Knicks, sonst würde der Molch steckenbleiben.“ 6   unsere wärme 3·15 Fotos: Reinhard Ebner, OMV Aktiengesellschaft

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Ö LRAF F I N I E RU N G – RE P O R TAG E Die riesigen Tanks für Rohöl sowie Zwischen- und Endprodukte der Raffination und Veredelung prägen das Bild. Insbesondere nachts bietet die Raffinerie einen beeindruckenden Anblick. Vor allen Anlagen hängen gelbe Tafeln mit Piktogrammen. Sie informieren über Gefahrenpotenziale und erteilen entsprechende Verhaltensmaßregeln. „Sicherheit ist ein ganz zentrales Thema bei uns“, sagt Braun. Wir sind ausgestiegen. Schutzkleidung und Arbeitsschuhe trugen wir bereits im Fahrzeug. Nun müssen auch noch Helm, Schutzbrille und – bei Arbeiten – Handschuhe angelegt werden. In einer Raffinerie kann man sich Aus- und Unfälle nicht leisten. Die Auflagen sind hoch, und sie werden peinlich genau eingehalten. Die Raffinerie 1936 errichtete die NOVA Öl- und Brennstoffgesellschaft in Schwechat eine Anlage für die Verarbeitung von Kunstöl. Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile der Anlage zerstört, der Rest wurde danach der Sowjetischen Mineralölverwaltung (SMV) eingegliedert. 1956 wurde die Raffinerie Basis der neu gegründeten Österreichischen Mineralölverwaltung (ÖMV). Die Raffinerie Schwechat, zu der auch das Tanklager Lobau gehört, hat eine Jahreskapazität von knapp zehn Millionen Tonnen Rohöl. via Pipeline von OMV-eigenen Fördergebieten im Weinviertel. Der Rest wird zugekauft und über die Adria-Wien-Pipeline von Triest hierher transportiert. Von Bitumen bis Heizöl In Schwechat wird das Rohöl übernommen und zu Zwischen- oder Endprodukten veredelt. „Raffination“ ist das Wort dafür. Treffender findet Braun den Ausdruck der „Fraktionierung“, also der Trennung in die Bestandteile. Konkret wird das Rohöl zunächst mit Abwärme aus den Anlagen vorgewärmt, um sodann im Entsalzer gereinigt zu werden. Nach einem weiteren Aufheizen in den Einsatz­ öfen kommt es zu einer thermischen Trennung in der Destillationskolonne – wie bei der Destillation von Schnaps. „Die Bestandteile des Rohöls setzen sich in verschiedenen Höhen ab – oben die Gase, unten die Rückstände, dazwischen Benzin, Kerosin, Diesel und so weiter“, erklärt der Techniker. Natürlich sind das erst Zwischenprodukte, die noch nicht für die Verwendung im Auto oder in der Heizung geeignet sind. >> Vom Rohöltank bis zum Autotank Wir stehen zwischen riesigen Rohöltanks. Flugreisenden dürften diese vertraut sein. Man fährt direkt daran vorbei, wenn man auf der Autobahn A4 von Wien aus zum Flughafen unterwegs ist. Die Raffinerie beherbergt unter anderem drei Tanks mit 80.000 sowie zwei mit 100.000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Noch größer dimensioniert sind einige in Wien-Lobau: Dort stehen drei Tanks mit 130.000 Kubikmetern. Zehn Prozent des Rohöls, das in Schwechat verarbeitet wird, kommt  unsere wärme 3·15 7

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Ö L R AF F INIERUNG – REPORTAGE Das Gelände umfasst knapp anderthalb Quadratkilometer und beherbergt Raffinerie-Anlagen, Kraftwerke sowie Übergabestationen für Fernwärme. Fast alles wird genutzt: Der Bitumen, der aus Rückständen gewonnen wird, kommt im Straßenbau zum Einsatz. Der Schwefel wird verflüssigt, in Tanks gefüllt und in der chemischen Industrie oder zur Düngemittelerzeugung weiterverarbeitet. Ein weiteres Nebenprodukt, Butadien, dient der Herstellung von Gummi, wie es etwa in Autoreifen verwendet wird. In einer weiteren Anlage wird ein Teil des Benzins erhitzt und anschließend abgeschreckt (Braun spricht von einem „thermischen Crack-Prozess“, auch „Quenching“ genannt). Dadurch zerfallen die langen Molekülketten, das Ergebnis nach weiteren Verfahrensschritten: Ethylen und Propylen. Vom direkten Nachbarn der Raffinerie, dem BorealisKonzern, wird aus diesen Grundstoffen Kunststoff hergestellt. Was im Fall von Benzin nach weiteren Zwischenschritten noch fehlt, ist die Schaffung der notwendigen Klopffestigkeit (Oktanzahl). Dies wird in eigenen Anlagen mithilfe von Info Die wichtigsten ­Produkte Normalbenzin, Super, Super 100, Diesel, Spezial-Winterdiesel, Heizöl Extra Leicht schwefelfrei, Heizöl Leicht, Heizöl Schwer, FlugturbinenTreibstoff, Wasserstoff, Ethylen, Propylen, Butadien, Propan, Butan, Bitumen, Schwefel, Schwefelsäure, Fernwärme, elektrischer Strom Edelmetall-Katalysatoren erreicht. Die unterschiedlichen Anbieter fügen anschließend noch ihre eigenen Zusatzstoffe (Additive) hinzu, die die Eigenschaften verbessern sollen. Heizöl Extra Leicht (HEL), jenes Produkt, das in häuslichen Ölheizungen zum Einsatz kommt, wird erst am Standort Lobau zusammengemixt („Blending“), und zwar aus Zwischenprodukten der Schwechater Raffinerie: entschwefeltes Kerosin und Gasöl sowie entparaffiniertes Gasöl. Es ist einer der wenigen Augenblicke, bei dem man Hilfe „von außen“ bekommt (wobei der Standort Lobau de facto zur Raffinerie gehört). Ansonsten ist Schwechat im Wesentlichen Selbstversorger. Sogar die benötigte Energie wird in zwei Dampfkraftwerken am Gelände erzeugt. Die Abgase aus Kraftwerken und Anlagen werden gereinigt, die Rückstände aus dem Produktionsprozess zur Energiegewinnung verfeuert. So werden Wien, die Gemeinde Mannswörth und der Flughafen Schwechat mit Fernwärme versorgt.  8   unsere wärme 3·15

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M O BI LI TÄT – GE S C H I C H T E Resi, i hol di mit’n Porsche ab Nanu, Traktoren von Porsche? Tatsächlich entwickelte Auto-Konstrukteur Ferdinand Porsche Zugmaschinen für die Landwirtschaft. Nur einer der vielen inte­ ressanten Aspekte, die in der Salzburger Porsche-Erlebniswelt zu entdecken sind. K raftprotz“ und „Volksschlepper“ – so hießen zwei der landwirtschaftlichen Maschinen, die von Porsche entwickelt wurden. Wobei der Daimler-Kraftprotz ursprünglich zum Ziehen von Geschützen vorgesehen war, erst später wurde die Verwendbarkeit in der Landwirtschaft überprüft. Ferdinand Porsche war damals Technischer Direktor der Österreichischen Daimler Motoren AG. Auch der Volksschlepper, von dem 1938 die ersten Prototypen gebaut wurden, war seine Entwicklung. Die Porsche-Erlebniswelt fahrTraum in Mattsee stellt diese und viele weitere landwirtschaftliche Maschinen in einem eigenen „Traktor-Stadl“ aus. So etwa den ersten Dieselschlepper der Firma Allgaier nach dem „System Porsche“, der mit Luftkühlung, Leichtbauweise und ölhydraulischer Kupplung überzeugte. Aber nicht nur den langsamsten, auch den schnellsten Fahrzeugen aus der Porsche-Werkstatt widmet die Ausstellung einen Schwerpunkt, entstanden doch unter Porsches Leitung die ersten Sportwagen überhaupt. Bis 1922 gewannen Porsche-Rennautos 51 von insgesamt 52 Rennen. Von Elektro- und Rennautos Nach einigen Zwischenstopps, unter anderem bei Daimler-Benz und Steyr, gründete Ferdi- nand Porsche seine eigene Entwicklungsfirma in Stuttgart. Der Rest der Erfolgsstory ist bekannt: Mit seinem Team entwarf er den legendären Auto-Union-Grand-Prix und schließlich den Volkswagen. Der 1938 konstruierte KDF-Wagen schrieb als „VW Käfer“ Automobilgeschichte. Damit hatte der 1875 im böhmischen Maffersdorf geborene Porsche einen weiten Weg zurückgelegt: Der Junge, der dem Wunsch seines Vaters gemäß Installateur werden sollte, machte eine Elektrikerlehre in Wien. Es wäre nicht Porsche, wenn nicht auch daraus etwas Bahnbrechendes entstanden wäre: Um seinen Plan umzusetzen, einen Elektrowagen zu bauen, wechselte er zur Jahrhundertwende zu den Lohner-Werke – wo er mit dem Lohner-Porsche das erste Hybridund Allradfahrzeug der Welt baute.  Oben: Porsche ist auch für Landwirte ein standesgemäßer Fahruntersatz. Bild unten: Der LohnerPorsche – das erste Hybridfahrzeug der Welt. Fotos: fahrTraum  unsere wärme 3·15 9

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H E I Z EN M IT ÖL – VORTEI L E U ND VORU RT E I LE Die Bevölkerung sitzt zum Teil „Ölmythen“ auf, wenn es um das Thema Heizen mit Öl geht. Die Öl-Mythen (1. Teil) Eine vom IMAS-Institut durchgeführte Umfrage zeigte jüngst: Viele Österreicher sitzen Vorurteilen auf, wenn es um Heizen mit Öl geht – oft gerade jene, die keine Ölheizung besitzen. Eine neue Artikelserie von „Unsere Wärme“ entlarvt Ölmythen – sachlich, mit Fakten belegt und frei von Polemik. ­ Ölmythos 1: Heizen mit Öl ist teuer in der Errichtung. In einer repräsentativen Befragung erhob das Meinungsforschungsinstitut IMAS das Bild, das die Österreicher vom Heizen mit Öl haben. Ein Ergebnis: Niedrige Anschaffungskosten werden dieser Energieform eher nicht zugeschrieben. Jenen 27 Prozent, die befanden, Heizen mit Öl sei preiswert in der Errichtung, standen 46 Prozent gegenüber, die (eher) nicht dieser Meinung waren. Ölheizungsbesitzer wissen da schon eher, was sie an der von ihnen gewählten Heizform haben. Die „niedrigen Anschaffungskosten“ sind laut einer aktuellen Umfrage des HMÖ der drittwichtigste Grund, sich für eine Ölheizung zu entscheiden. Davor rangieren nur der Aspekt der „Bequemlichkeit“ und die Tatsache, dass man auf die vorhandene Heizform zurückgreifen konnte. Ganze 73 Prozent unter den mehr als 1.000 befragten Ölheizungsbesitzern stimmten der Aussage zu, Heizen mit Öl sei „preiswert in der Errichtung“. Ein klares Votum! Heizen mit Öl ist ungeschlagen Fakt ist: Gerade bei den kapitalgebundenen Kosten, umgerechnet auf eine angenommene Nutzungszeit von 15 Jahren, ist Heizöl ungeschlagen. Das zeigt ein nach ÖNORMStandards vorgenommener Vollkosten­ vergleich, der von der Modernisierung einer Heizungsanlage in einem Einfamilienhaus ausgeht (siehe die Grafik auf Seite 13). Rech- 10   unsere wärme 3·15 Grafiken: IWO

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HE I Z E N M I T Ö L – VO RT E I LE U N D VO RUR T E I L E Ölheizungsbesitzer wissen, was sie haben: Eine überwältigende Mehrheit befindet diese Heizform für preiswert in Betrieb und Errichtung. net man verbrauchs- und betriebsgebundene Kosten hinzu, bleibt das Ranking: Im Wettlauf mit Erdgas, Pellets, Brennholz, Flüssiggas sowie Fern- und Erdwärme geht Heizöl als klare Nummer eins hervor. Ölheizungen weisen eine hohe Lebensdauer auf und funktionieren meist mehr als 30 Jahre einwandfrei. „Oft wird bei Heizungssanierungen nicht an die Installation, Instandhaltung, Wartung und Reinigung der Anlagen gedacht. Doch diese Kostenpunkte sind für eine seriöse Gesamtbetrachtung genauso wichtig wie die reinen Aufwendungen für den Brennstoff“, erläutert HMÖ-Chef Martin Reichard. günstige Alternative ist. 64 Prozent stimmten der Aussage zu, Heizen mit Öl sei „preiswert im Betrieb“. Lediglich fünf Prozent waren überhaupt nicht dieser Meinung. „Im Wettlauf mit Erdgas, Pellets, Brennholz, Flüssig­ gas sowie Fern- und Erdwärme geht Heizöl als klare Nummer 1 hervor.“ Teurer Kaffee, billiges Heizöl Ein Blick auf den heimischen Verbraucherpreisindex im Juli bestätigt dies: Gegenüber dem Vorjahresmonat wurde Heizöl gleich um 19,3 Prozent billiger. Aufgrund der geringeren Besteuerung (im Vergleich zu Benzin und Diesel) schlagen hier die historisch niedrigen Rohölpreise besonders durch. Zum Vergleich: Diesel wurde im selben Zeitraum um 11,7, Superbenzin um 6,9 Prozent günstiger. Billiger geben’s auch die Wahl- und Zahnärzte mit minus 7,8 Prozent. Heizöl, Diesel und Benzin machen somit die Teuerungen in anderen Bereichen wett. Beispiele gefällig? Der Preis für Kaffee stieg im Schnitt um neun Prozent, Flugtickets legten um 8,5 Prozent, Wohnungsmieten um 4,8 Prozent zu. Während also der Verbraucherpreisindex beständig steigt, sind die Preise für die Rohölsorte Brent wie auch für Heizöl Extra Leicht im freien Fall (siehe auch dazu die Grafik auf Seite 13). Dass der Rohölpreis nun wieder deutlich in die Höhe schnellt, ist kein realistisches Szenario. Eher sogar ist das Gegenteil zu erwarten, wie Marktexperte Oliver Johne auf Seite 14 darlegt.  Förderug Für den Austausch gibt’s Bares Die Förderung beim Austausch eines alten Ölkessels gegen ein modernes Öl-Brennwertgerät wurde auch 2015 verlängert: 2.500 Euro können für den Austausch im Einoder Zweifamilienhaus, 3.000 Euro für Mehrfamilienhäuser mit drei bis neun Wohneinheiten kassiert werden. Wer von der Ökostrompauschale befreit ist, erhält bei Vorlage des Bescheids zusätzlich 500 Euro. Weiters gefördert werden Warmwasserspeicher (200 Euro) und hocheffiziente Heizungsumwälzpumpe (70 Euro). Ölmythos 2: Heizen mit Öl ist teuer im Betrieb. Ähnlich dem Meinungsbild zu den Anschaffungskosten fiel in der IMAS-Befragung auch jenes zu den Betriebskosten einer Ölheizung aus. 26 Prozent befanden Heizen mit Öl als „preiswert im Betrieb“. Dem standen 50 Prozent gegenüber, die eher nicht oder überhaupt nicht dieser Meinung waren. Wie bei der Frage nach den Betriebskosten zeigte sich aber auch hier: Ölheizungsbesitzer schätzen die Kostensituation ganz anders ein als die Gesamtbevölkerung: Sie wissen mehrheitlich, dass Heizen mit Öl eine besonders  unsere wärme 3·15 11

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DAT EN & FAK TEN – VO LLKO S TENVERGLE I C H / S E P T E M BE R 2 0 1 5 . Öl im Tank, Geld im Börsel Wer mit Öl heizt, steigt billiger aus: Das zeigt ganz klar ein Vollkostenvergleich der gängigen Heizformen. Besonders günstig ist und bleibt auch die Befüllung des Öltanks, der Preistrend bei Heizöl Extra Leicht geht seit geraumer Zeit nach unten. Der Vollkostenvergleich gemäß ÖNORM basiert auf der beispielhaften Berechnung einer Modernisierung der Heizungsanlage in einem Einfamilienhaushalt. Dabei wird von einem Betrachtungszeitraum von 15 Jahren ausgegangen. Heizöl EL Erdgas Pellets Brennholz Flüssiggas Fernwärme Erdwärme Die aktuelle Entwicklung zeigt: Heizöl Extra Leicht (HEL) entwickelt sich gegenläufig zum Verbraucherpreisindex (VPI) und wird damit zur Teuerungsbremse in Österreich. 12   unsere wärme 3·15 Grafiken: IWO, Abbildung: Thinkstock

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WAN D E R N Das „Irland der Alpen“ Die Zeit der Landvermesser ist vorüber. Kartografen sind heute Schreibtischtäter. Bis auf Nik Hafner: Der Oberösterreicher erwandert sich Gebirgszüge und Routen, bevor er eine seiner Wander-, Rad- und Skitouren-Karten herausgibt. N Fotos: Nik Hafner ik Hafner ist ein Kartograf, wie man ihn kein zweites Mal auf der österreichischen Landkarte findet. Einer nämlich, der sein Handwerk mit vollem Körpereinsatz angeht. „Für meine Wander-, Rad- und Skitouren-Karten des Gesäuses habe ich den Gebirgszug einen ganzen Sommer lang abschnittsweise erwandert“, schildert der Geschäftsführer von Carto.at. Nicht das erste Mal: Auf die gleiche Art und Weise konzipierte er seine Kartenwerke des Nationalparks Kalkalpen, des Toten Gebirges sowie der Schladminger Tauern. Der Kartograf als Bergfex Das Gesäuse mit seinen im Sommer sattgrünen Grasmatten hat es ihm besonders angetan. Es sei fast so etwas wie „das Irland der österreichischen Alpen“, scherzt er. Allerdings darf man den Gebirgszug, der an seinem höchsten Punkt, dem Hochtor, bis auf 2.369 Meter ansteigt, nicht unterschätzen. Für ungeübte Wanderer sind die höchsten Gipfel nicht geeignet. Auch Hafner testet bei seinen Kartenprojekten immer wieder die eigenen Grenzen aus. Auf der Rückseite der Karten nämlich finden sich 360°-PanoramaFotos, die von beliebten Aussichtspunkten aus aufgenommen wurden. Und dafür muss er stets die besten Licht- und Sichtverhältnisse erhaschen. „Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, erklärt Fürs optimale er. „Auch wenn das heißt, dass du Fotopanorama 14 Stunden am Stück unterwegs scheut Nik Hafner bist oder dreimal hintereinander selbst vor exponierten Aussichtspunkten auf den gleichen Gipfel steigst.“ nicht zurück. Der Vorteil für Wanderer: Mithilfe der beschrifteten Panoramen kann das unter Wanderern beliebte Gipfelraten („Und welcher Berg ist das dort hinten?“) einfach beantwortet werden.  Auf Seite 22 verlost „Unsere Wärme“ 100 Exemplare der Wander-, Rad- und Skitourenkarte „Nationalpark Gesäuse“ (Gesäuseberge, Haller Mauern, Eisenerzer Alpen West). Wandertipp Zu den weniger anspruchsvollen Touren im Nationalpark Gesäuse zählt der Johnsbacher Sonnseitenweg. Gestartet wird beim Gasthaus Kölblwirt. Ab dem Gasthof Donner führt die Straße entlang taleinwärts. Nach einigen Kehren geht der markierte Sonnseitenweg in Richtung Berg. Im Kaltenbachgraben, wo die Forststraße endet, wird über den bewaldeten Bergrücken abgestiegen. Über Wiesen geht es zurück zum Kölblwirt. Der höchste Punkt, der bei dieser Wanderung erreicht wird, liegt auf knapp über 1.000 Metern. Es empfiehlt sich, bei der Gelegenheit den historischen Bergsteigerfriedhof in Johnsbach zu besuchen.  unsere wärme 3·15 13

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M A RK T „Öl bleibt auch weiterhin billig“ „Teures Öl ist auf absehbare Zeit Geschichte“, meint Oliver Johne in seiner ­ Analyse. Als Geschäftsführer des Mineral­ öldienstes Futures-Services ­ beobachtet er Markt- und Preis­ entwicklungen. D ie US-amerikanische Schieferöl-Produktion ist und bleibt ein entscheidendes Thema für die Mineralöl-Branche. Neue Fördertechnologien und hohe Preisniveaus nach dem Crash 2008/09 ermöglichten in den vergangenen Jahren einen Boom in diesem Sektor: Die steigende Ölproduktion der USA wurde von allen Marktteilnehmern unterschätzt und gilt als eine der Hauptursachen für den Preiseinbruch von etwa 60 Prozent der US-Rohöl-Sorte WTI im vergangenen Winter. Mittlerweile haben die Förderunternehmen die Anzahl der aktiven Ölbohranlagen reduziert, die Fördermengen haben dennoch weiter zugenommen. Der Grund dafür: Es werden in erster Linie alte und technologisch überholte Anlagen stillgelegt, deren Quellen kaum mehr Öl liefern. Im Gegenzug werden zwar in der Anzahl weniger, dafür aber hocheffiziente Anlagen in Betrieb genommen. Die Fördermenge ist dadurch heuer im ersten Halbjahr auf den höchsten Stand seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen gestiegen. USA, Russland und Iran mischen mit Durch neue Technologien sind die Produktionskosten bei Schieferöl im Vergleich zum Vorjahr um 15 bis 30 Prozent gesunken, der Anteil des förderbaren Öls hat um rund ein Drittel zugenommen. Neben den USA fördert auch Russland mit etwa 10,6 Millionen Barrel am Tag auf einem Allzeithoch. Die OPEC hat mit der wachsenden Konkurrenz im November 2014 ihre Strategie gewechselt: Statt die Preise weiter im Bereich der 100-Dollar-Marke zu halten, liegt der Fo- Oliver Johne, Futures-Services 14   unsere wärme 3·15 Fotos und Grafiken: Futures-Services GmbH, Thinkstock „Beim letzten Strategie­treffen der OPEC wurden Produktionsquoten faktisch abgeschafft. Nun steht es j ­edem Mitgliedsland frei, so viel Rohöl zu fördern, wie es will. ­ Die Devise: Fördern wir das Öl nicht selbst, macht es ­jemand anders.“ kus auf der Maximierung der Marktanteile. Beim letzten Strategietreffen des Kartells am 5. Juni in Wien wurden Produktionsquoten faktisch abgeschafft. Nun steht es jedem Mitgliedsland frei, so viel Rohöl zu fördern, wie es will. Die Devise: „Fördern wir das Öl nicht selbst, macht es jemand anders.“ In den letzten vier Jahren nahm die weltweite Rohölnachfrage in der zweiten Jahreshälfte stets zu (im Schnitt um 1,75 Millionen Barrel am Tag). In diesem Jahr dürfte der Zuwachs jedoch geringer ausfallen: Mit China schwächelt jene Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren einen Großteil zum Nachfragewachstum beigetragen hat. Auch haben die Konsumenten einen Teil der Nachfrage in die erste Jahreshälfte vorgezogen, als sich die Preise auf einem Langzeittief befanden. Trotz der saisonalen Nachfrage rechnet man beim US-Energieministerium daher mit einer andauernden Überversorgung. Noch nicht einmal berücksichtigt bei diesen Szenarien ist das Potenzial des Iran, der nach dem Fall der Sanktionen wieder sein Potenzial ausschöpfen und so jedes Planspiel einer sinkenden Überversorgung zunichte machen kann.

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MARK T Die Förderanlagen in den USA werden zwar weniger, aber sie werden auch effizienter – wodurch die Fördermengen steigen. ­ Für die Zukunft ist weiter mit einem globalen Überangebot an Rohöl zu rechnen. Auch so werden die globalen Lagerbestände kontinuierlich steigen – unabhängig davon, wie schnell der Iran seine stillgelegten Anlagen reaktiviert und die riesigen Rohölvorräte an den Markt bringt. Zumindest wenn es zu keinen unerwarteten Ausfällen in der Produktion kommt. Die Zeit des teuren Öls scheint vorbei zu sein, schon alleine deshalb, weil die Ölproduktion dank effizienterer Technologien auch bei fallenden Preisen rentabel bleibt. Und weil die OPEC auf eine gezielte Überversorgung der Märkte setzt. Das Kartell, das traditionell eigentlich für hohe Preisniveaus argumentiert, hat in einem langfristigen Strategiepapier Anfang Mai selbst zwei extreme Szenarien für die Zukunft aufgezeigt. Zum Autor Oliver Johne hat an der Universität Bayreuth Volkswirtschaft studiert und war an der Deutschen Börse im Business Development tätig. Seit 2010 ist er Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter der Futures-Services GmbH, die den Mineralölhandel seit 30 Jahren in der Optimierung seines Einkaufs unterstützt. Demnach rechnet man bei einer für die OPEC günstigen Preisentwicklung bis zum Jahr 2025 maximal mit einem Preis von 75 Dollar pro Barrel. Die Niveaus bei einer für die OPEC ungünstigen Entwicklung liegen sogar unter 40 Dollar. Im mittelfristigen Ausblick bis 2016 könnten Exporte des Iran und die Überversorgung einen erneuten starken Preisrutsch, ähnlich wie im letzten Winter, verursachen. Bleiben umfangreiche Produktionsunterbrechungen durch Kriege oder eine künstliche Einschränkung des Ölangebots aus, scheinen die Chancen für eine Abwärtskorrektur ungleich höher als ein Szenario mit deutlich steigenden Preisen.   unsere wärme 3·15 15

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