Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten Ausgabe 04/2015

 

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Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten Ausgabe 04/2015

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Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten August 2015 Schockraumsimulation HOTT®: High Fidelity ­Simulationstraining Interpersonal Compe­ tence: Pilotphase für neues Kursformat 20 Jahre Hüftultra­ schall-Screening in Deutschland

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Editorial Konvent der Universitätsprofessoren für Orthopädie und Unfallchirurgie andererseits nach außen mit einer Stimme sprechen zu können. Das deutsche Krankenhauswesen befindet sich seit Einführung der DRGs in einem anhaltenden Umbruch. Die Universitätskliniken fühlen sich davon besonders betroffen und fürchten um ihre Leistungsfähigkeit. Nach ihrem gesetzlichen Auftrag und nach ihrem Selbstverständnis verbindet die deutsche Universitätsmedizin verschiedene Alleinstellungsmerkmale. Zu nennen sind u. a. ■■ (fast) die gesamte studentische Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses mit Vorhaltung des ganzen Fächerkanons ■■ überdurchschnittliche Leistungen in der Weiterbildung und Fortbildung ■■ Grundlagenforschung, translationale und klinische Forschung im internationalen Wettbewerb ■■ Translation von Innovationen in die Patientenversorgung ■■ Patientenbehandlung in der Regelund Maximalstufe (für die Lehre) sowie in der Supramaximalversorgung für besonders schwere und seltene Erkrankungen mit erforderlicher hoher Interdisziplinarität und spezieller Infrastruktur ■■ Vorhaltung von speziellen Ambulanzen (Hochschulambulanzen) und Notfallambulanzen. Das Charakteristikum ist dabei die enge Verknüpfung von Krankenversorgung, Forschung und Lehre. Eine, wie es der wissenschaftliche Beirat der BÄK nennt (Dtsch ÄB 2013), fragile Balance, in der die Untrennbarkeit, Unverzichtbarkeit und Gleichberechtigung der drei Felder ständig gegeneinander abgewogen und miteinander in Bezug zu setzen sind. Diese fragile Balance ist aus verschiedenen Gründen ins Wanken geraten: An erster Stelle sind die Unterfinanzierung im investiven Bereich durch die Abschaffung des Hochschulbauförderungsgesetzes (HBFG) und im konsumptiven Bereich als Folge der kontinuierlichen Absenkung der Länderbeiträge für Forschung und Lehre, die unzureichende Prof. Dr. Wolf Mutschler Prof. Dr. Volker Ewerbeck Ein Editorial zur universitären Orthopädie und Unfallchirurgie zu verfassen – über diese Aufforderung der Schriftleitung haben wir uns sehr gefreut. Erhalten wir damit die Möglichkeit, als Sprecher des „Konvents der Universitätsprofessoren für Orthopädie und Unfallchirurgie“ den Mitgliedern der wissenschaftlichen Fachgesellschaften und des Berufsverbandes die Arbeit dieses Gremiums vorzustellen und die spezifischen Gegebenheiten von O & U in der Deutschen Hochschulmedizin zu skizzieren. Der Konvent in der jetzigen Form besteht erst seit April dieses Jahres. In den zurückliegenden Jahrzehnten wurden die universitären Belange von jeweils eigenständig agierenden Konventen der Lehrstuhlinhaber für O bzw. U vertreten. Mit der Einführung des gemeinsamen Facharztes und der stufenweisen Zusammenführung der wissenschaftlichen Fachgesellschaften kam Bewegung in die Strukturen. 2012 wurde eine gemeinsame Konferenz der Lehrstuhlinhaber gegründet, die separaten Konferenzen für O & U bleiben allerdings parallel dazu bestehen. Bald schon zeigte sich aber, dass mit dieser Konstellation (1 + 1 = 3) weder ein fruchtbarer Dialog zwischen den Lehrstuhlinhabern, noch eine Identifikation gemeinsamer Interessen, geschweige denn deren Vertretung zustande kam. Dominierend blieben allein sich rasch vollziehende örtliche Entwicklungen an den universitären Standorten mit teilweise massiven Nachteilen für O oder U oder beide. Nach Verabschiedung eines Konsenspapiers zu „Aufgaben, Inhalten und Strukturen der universitären Orthopädie und Unfallchirurgie“ (OUMN 4/2014) waren die Lehrstuhlinhaber daher bereit, ihre Konvente im Laufe des Jahres 2014 aufzulösen und im Interesse der „Einheit in der Vielfalt“ einen einzigen, gemeinsamen Konvent zu bilden (1 + 1 = 1). Ihm gehören alle berufenen Universitätsprofessoren für Orthopädie / Unfallchirurgie oder deren Teilgebiete unter Einschluss der eigenständigen Forschungsprofessuren an. Jeder universitäre Standort entsendet Delegierte in die Konferenzen des Konvents, der von einem Sprecher und zwei Stellvertretern geleitet wird. Damit ist es jetzt auch auf universitärer Ebene möglich, einerseits O  &  U in allen Facetten zu vertreten und Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015 297

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Editorial Abbildung von Extremkostenfällen im DRG-System und die unzureichende Vergütung der Hochschul-, Spezial- und Notfallambulanzen zu nennen. Zweitens haben auch die Universitätskliniken Probleme in der Nachwuchsgewinnung und der Nachwuchsförderung. Sie sind die Institutionen, in denen in der Aus- und Weiterbildung die Weichen gestellt werden, um motivierte und qualifizierte Ärzte zu generieren. Dafür wurde in den letzten Jahren viel unternommen, indem z.  B. Hochschullehrer sich besser qualifizieren müssen und die Lehre praxisnäher und alltagstauglicher gestaltet wurde. Die daraus resultierende größere Lehrbelastung wird allerdings weder personell noch ideell aufgefangen: Weder kam es zu einer Stellenmehrung noch werden Lehrleistungen in der akademischen Karriere bisher ausreichend gewürdigt. Auch die Forschung tut sich vor allem in den operativen Fächern schwer. Um national  /  international etwa in der Drittmitteleinwerbung konkurrieren zu können, bedarf es einer stabilen Forschungsinfrastruktur mit VollzeitForschern, die sich nicht von Jahresvertrag zu Jahresvertrag hangeln müssen, die adäquat, nämlich analog den klinisch tätigen Ärzten bezahlt werden und die Aussicht auf eine angemessene akademische Lebensstellung haben. Das Problem der angemessenen Lebensstellung finden wir auch beim akademischen Mittelbau, der hochspezialisierte Medizin und klinische Forschung verbinden soll und will. Wer sich den Mühen einer langjährigen Qualifikation zum Facharzt und zu diversen Zusatzweiterbildungen mit gleichzeitiger Forschungs- und Lehrtätigkeit stellt, darf erwarten, dass ein solcher Berufsweg in der Parallelität möglich ist und anerkannt wird. Der „Physician Scientist / Clinical Scientist“ ist ein guter Ansatz dafür, meistenorts jedoch noch Fiktion. Tatsächlich müssen wir in aller Regel auf die intrinsische Motivation unserer Mitarbeiter für diesen akademischen Dreikampf hoffen. Und wie soll sie aufrechterhalten werden, wenn langfristige attraktive Arbeits-Lebens- und finanzielle Bedingungen eher außerhalb der (Universitäts)Klinika zu finden sind? Hier teilen wir die Sorgen des VLOU für den nicht universitären stationären Bereich (ZfOU 2015, S. 153): Die in diesem Artikel vorgestellten drei Hauptsorgen von Chefärzten – hoher wirtschaftlicher Druck, Probleme bei der Nachwuchsgewinnung und gefährdete Weiterbildung – kulminieren an den Universitätskliniken. Drittens reagieren die Universitätsklinken auf die Unterfinanzierung wie alle anderen auch: Durch Ökonomisierung, Sparzwang und Querfinanzierung. Wie könnten sie auch anders. Trotz aller publizierten Alarmsignale zum finanziellen Defizit wurde ein Sonderweg der Universitätsklinika, gefördert über einen Systemzuschlag für die Hochschulmedizin, politisch eindeutig abgelehnt. Eine tragfähige und rasche Lösung ist derzeit nicht erkennbar. In diesem Szenario muss sich die universitäre Orthopädie und Unfallchirurgie zurechtfinden, behaupten und entwickeln. Je nach lokaler Situation werden im Zusammenwirken (oder im gegeneinander Agieren) zwischen Land, Universität, Universitätsklinikum und Fakultät ganz unterschiedliche Lösungen gefunden: Lehrstühle werden umgewidmet, zusammengelegt, verkleinert, aufgelöst, aber auch richtungsweisende Departments und Zentren gebildet und neue Forschungsprofessuren und Forschungsinstitute errichtet. Mal werden wir dabei strukturiert, mal können wir strukturieren. Am ehesten dann, wenn sich die Vertreter von O  &  U vor Ort darin einig sind, die gemeinsame Verantwortung für den Bereich muskuloskelettale Erkrankungen und Verletzungen im weitesten Sinne in Lehre, Forschung und Krankenversorgung auch gemeinsam zu übernehmen und zu leben. Hierbei versteht sich der Konvent als nationales Gremium, das analysiert, Interessenskonflikte benennt, diskutiert, berät und konsentierte Inhalte nach innen und außen vertritt. Solche Inhalte sind z. B.: ■■ in der Lehre: ■■ abgestimmte Curricula in Vorklinik und Klinik für O + U an allen Standorten anhand des nationalen Lernzielkataloges, Verzahnung des PJ, Unterstützung des jungen Forums bei der Nachwuchsarbeit vor Ort ■■ in der Forschung: ■■ Bekenntnis zur Exzellenz, muskuloskelettale Forschungsschwerpunkte an möglichst vielen Fakultäten nach dem Vorbild bereits etablierter Einrichtungen, leistungsstarke lokale Einheiten durch gemeinsame Nutzung vorhandener Ressourcen, strukturierte Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses ■■ in der Krankenversorgung: ■■ Unterstützung der Forderungen nach besserer Finanzierung der Vorhalteleistungen im Bereich der Notfallversorgung, der Hochschulambulanzen, der Hochkostenfälle und der Aus- und Weiterbildung. Für O & U-Entwicklung von Strukturen, die das Fach weniger in „2 Säulen“ als eher in einem „Block O & U“ mit adäquaten Professuren repräsentieren und dem akademischen Mittelbau Entfaltungsperspektiven eröffnen. Das deutliche Mehr an Wettbewerb um Geld und Einfluss im gesamten Gesundheitssystem, zwischen den Universitätskliniken und innerhalb der Universitätskliniken ist unverkennbar. O  &  U sind strategisch dabei nicht im Vorteil, weil die Einführung des gemeinsamen Facharztes einen zusätzlichen Strukturwandel bedingt und mancherlei Unwägbarkeiten in diesem Prozess negativ ausgenutzt werden können. Gut 16 Prozent der direkten und ca. 40 Prozent der indirekten Krankheitskosten in der BRD entfallen auf O  &  U, mit steigender Tendenz. Das müsste Gewicht in Lehre, Forschung und Krankenversorgung bedeuten – wenn wir denn klug, kraftvoll und einig agieren. Im Konvent haben sich Einsicht und Wille dazu in den letzten zwei Jahren entwickelt. So sind wir zuversichtlich, im Schulterschluss mit unseren wissenschaftlichen Fachgesellschaften für O & U universitär den unserem gemeinsamen Fach gebührenden Platz zu behaupten und zu erweitern. Prof. Dr. Wolf Mutschler Prof. Dr. Volker Ewerbeck Sprecher des Konvents 298 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015

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Editorial Konvent der Universitätsprofessoren für O & U 297 D KO U I N T E R N AT I O N A L OTA-Day und ORS-Lectures mit US-amerikanischen Experten B E R AT U N G 314 Impressum Nachrichten Schockraumsimulation HOTT®: High Fidelity Simulationstraining. Nach dem Start der Schockraumsimulation HOTT® im Jahr 2013 haben mehrere BG Unfallkliniken regelmäßig HOTT-Trainings durchgeführt. 304 Role making – Role taking: Führungsteams in chirurgischen Abteilungen 2 0 . R H E U M A -S Y M P O S I U M BAD FÜSSING 316 331  Notfallversorgung muss optimiert werden Rund 1.900 Behandlungsfehler Schädel-Hirn-Verletzungen Gründungsversammlung ANOA e. V. Krankenhausreform Arthroskopische Eingriffe am Knie Warnung vor Fitness-Apps 100.000 Operationen in EPRD Fusion der BG-Kliniken Neuer Masterstudiengang Versorgungsforschung Gutachterkommission für Arzthaftpflichtfragen Der erste Implantatausweis Dem Alter gelassen entgegen sehen: Regelmäßige Bewegung 318 306 306 306 INTERPER SONAL COMPE TENCE Pilotphase für neues Kursformat ­gestartet ICUC® APP 322 306 306 Ein neuer Weg zum Erlernen und Analysieren von Chirurgischen Eingriffen 323 E N D O P R O T H E T I K - KO N G R E S S 307 307 308 308 Qualitäts- und Sicherheits­ initiative – Endoprothetik 2015 D I E O R T H O PÄ D I N N E N E . V. 326 Sie haben es wieder getan HISTORIE DER MEDIZIN 328 Ein „vergessener“ Pionier der Knochenchirurgie: Prof. Dr. Hans Brun (1874 – 1946) KO M M E N TA R 329 Interpersonal Competence: Pilotphase für neues Kursformat gestartet. Die DGOU hat gemeinsam mit Lufthansa Flight Training ein neues Kursformat entwickelt. Der erste von zwei Pilotkursen hat bereits außerordentlich erfolgreich stattgefunden. 318  308 Ist Hans Brun wirklich vergessen? 333 309 309 Qualität und Sicherheit S C H O C K R A U M S I M U L AT I O N H O T T ® Aus unserem Fach Vorgaben für europäisches ­Weiter­bildungscurriculum verabschiedet 16. EUL AR ANNUAL EUROPE AN C O N G R E S S O F R H E U M AT O L O G Y U E M S -S I T Z U N G I Z M I R High Fidelity Simulationstraining für mehr Sicherheit im Schockraum 336 310 Recht und Wirtschaft MEDIZINISCH-WISSENSCHAF TLICHE FA C H G E S E L L S C H A F T E N Bestätigung der bisherigen Therapien 20 Jahre HüftultraschallScreening in Deutschland: Ein Segen für die Säuglinge: Nach 20 Jahren Hüftultraschall-Screening kann über eine grandiose Erfolgsstory berichtet werden. 312 367  Zum Umgang mit der Gemein­ ­nützig­keit medizinischer Fachgesellschaften 339 E F O S T : P R ÄV E N T I O N I M B R E I T E N UND SPITZENSPORT Europäischer Erfahrungsschatz „Sportprävention“ 313 300 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015

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BVOU Facharztvorbereitungs-Refresher kurs der Akademie Deutscher Orthopäden Änderungen der Mandatsträger in den BVOU-Bezirken Neue Mitglieder Aktion Orthofit „Zeigt her Eure Füße“ Jahreshauptversammlung 2015 in Schleswig-Holstein Sonderkonditionen zur Anschluss-RechtsschutzVersicherung 349 DGOU Einladung zur Mitgliederversammlung Bericht aus der DMGP, Sektion Paraplegie/DGOU AGA-KONGRESS vom 17.–19.9.2015 in Dresden Sozialmedizin & Begutachtungsfragen: Neue Fakten zur MdE Die Sektion Knochen- und Weichteilinfektionen der DGOU GOTS-Jubiläumskongress in der Schweiz 354 356 DGU Einladung zur Mitgliederversammlung Neue Mitglieder Die DGU trauert um ihre verstorbenen Mitglieder TraumaRegister DGU® Sektion Kindertraumatologie 2015 Bundesweite P. A. R. T. Y. Aktionswoche 378 380 351 351 359 361 380 381 352 362 383 353 363 384 364 VLOU Umfrage: Die Situation des deutschen Chefarztes in O und U Änderung der MedizinprodukteBetreiberverordnung 386 Sektion Rehabilitation – Physikalische Therapie – der DGOU 2014 / 2015 366 Nachruf: Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Mollenhauer Neue Mitglieder Unterwegs DEUTSCH-POLNISCHER FREUNDESKREIS 368 368 388 20 Jahre Deutsch-Polnischer Freundeskreis für Orthopädie und Traumatologie e. V. DGOOC 343 Einladung zur Mitgliederversammlung 2015 der DGOOC DGOOC-Studentenstipendium 2015 ist vergeben 346 347 369 Namen Personalia Wir gratulieren … 371 20 Jahre Hüftultraschall-Screening in Deutschland 374 Die Nationale Kohorte – Informationen zum aktuellen Stand 376 Für Sie gelesen Für unsere Mitglieder Service / Preise Kursangebote Service / Kleinanzeigen OU Medizin und Markt 390 Herzlichen Glückwunsch zum 90.! Prof. Norbert Gschwend 377 Neue Mitglieder 377 392 394 403 404 F O L G E N S I E U N S A U F FA C E B O O K : www.facebook.de/dgou.ev 302 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015

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Impressum Herausgeber Für den Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Präsident Dr. med. Johannes Flechtenmacher Für die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Bernd Kladny Für die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann Schriftleitung DGOOC Prof. Dr. med. Bernd Kladny (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle DGOOC Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: bernd.kladny@fachklinikherzogenaurach,de Schriftleitung BVOU Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle BVOU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 30 02 40 92 12 Fax: (0 30) 30 02 40 92 19 E-Mail: dreinhoefer@bvou.net Schriftleitung DGU Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann Joachim Arndt Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de Schriftleitung VLOU Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller Geschäftsstelle VLOU Straße des 17. Juni 106-108 10623 Berlin Tel.: (030) 340 60 36 60 Fax: (030) 340 60 36 61 E-Mail: info@vlou.de Redaktion Ines Landschek Tel.: (0 30) 340 60 36 00 E-Mail: ines.landschek@snafu.de Verlag Georg Thieme Verlag KG Dr. Grit Vollmer Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 630 Fax: (07 11) 89 31 408 E-Mail: grit.vollmer@thieme.de www.thieme.de/oumn www.thieme-connect.de/products/oumn Verantwortlich für den Anzeigenteil Christine Volpp, Thieme Media, Pharmedia Anzeigen- und Verlagsservice GmbH Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 603 Fax: (07 11) 89 31 470 E-Mail: christine.volpp@thieme.de Erscheinungsweise 6 x jährlich: Februar/April/Juni/August/ Oktober/Dezember Zur Zeit gültiger Anzeigentarif Nr. 19 vom 1. Oktober 2014 ISSN 2193-5254 Satz und Layout L42 Media Solutions, Berlin Druck Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG Gewerbering West 27 39240 Calbe Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Vorstand Präsident Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Karlsruhe Vizepräsident Dipl.Med. Frank-Ullrich Schulz, Brandenburg Vizepräsident Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer, Berlin Vizepräsident Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Schatzmeister Dr. med. Helmut Weinhart, Starnberg Vorstandsmitglied PD Dr.med. habil. Axel Sckell, Greifswald Vorstandsmitglied Dr. med. Andreas Gassen, Düsseldorf Vorstandsmitglied Prof. Dr. med. Alexander Beck, Würzburg Generalsekretär der DGOU Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Herzogenaurach Geschäftsstelle des BVOU Straße des 17. Juni 106 –108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 79 74 44 44 Fax: (0 30) 79 74 44 45 E-Mail: bvou@bvou.net www.bvou.net Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Michael Nerlich, Regensburg Erster Vizepräsident Prof. Dr. med. Bertil Bouillon, Köln Zweiter Vizepräsident Prof. Dr. med. Florian Gebhard, Ulm Dritter Vizepräsident Prof. Dr. med. Ingo Marzi, Frankfurt/Main Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/ Main Schatzmeister Prof. Dr. med. Joachim Windolf, Düsseldorf Schriftführer Prof. Dr. med. Andreas Seekamp, Kiel Geschäftsführer der AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH Prof. Dr. Johannes Sturm, München/Münster Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106 –108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de www.dgu-online.de Mitglieder der oben genannten Verbänden und Gesellschaften erhalten die ­ Zeitschrift im Rahmen der Mitgliedschaft. JHSUIW)DFKDU]W6WXGLH Mitglied der Arbeitsgemeinschaft LA-MED Kom­munikationsforschung im Gesundheitswesen e. V. Mitglied der Informationsgesellschaft zur Fest­ stellung der Verbreitung von ­Werbeträgern e.  V. Bezugspreise 2015* Persönliches Abonnement Abo Versandkosten Inland Europa Weltweit 36,80 44,90 36,80 44,90 Gesamtkosten Inland 266,60 452,60 Europa 368,80 454,80 Weltweit 276,90 462,90 232,00 34,60 Institutionelles Abonnement 418,00** 34,60 * Jährliche Bezugspreise in € (D); unverbindlich empfohlene Preise. Preisänderungen vorbehalten. Preis für ein Einzelheft 9,50 € zzgl. Versandkosten ab Verlagsort. Das Abonnement wird zum Jahreswechsel im voraus berechnet und zur Zahlung fällig. Die Bezugsdauer verlängert sich jeweils um ein Jahr, wenn nicht eine Abbestellung zum 30. September vorliegt. **der institutionelle Jahresbezugspreis inkludiert Online-Zugriff für 1 Standort 304 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015

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Impressum Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident (und Präsident der DGU) Prof. Dr. med. Michael Nerlich, Regensburg Stellv. Präsident (und Präsident der DGOOC) Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf 2. Vizepräsidenten von DGU und DGOOC Prof. Dr. med. Florian Gebhard, Ulm Prof. Dr. med. Heiko Reichel, Ulm Generalsekretär (und Generalsekretär der DGOOC) Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Herzogenaurach Stellv. Generalsekretär (und Generalsekretär der DGU) Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/Main Schatzmeister (und Schatzmeister der DGU) Prof. Dr. med. Joachim Windolf, Düsseldorf Vertreter der nichtselbständigen Ärzte aus dem nichtständigen Beirat Dr. med. Richard Stange, Münster Leiter des Ausschusses Versorgung, Qualität und Sicherheit Dr. med. Daniel Frank, Düsseldorf Leiterin des Ausschusses Bildung und Nachwuchs Prof. h.c. Dr. Almut Tempka, Berlin Leiter des Ausschusses Wissenschaft und Forschung Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka, Bad Abbach Vertreter des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Karlsruhe Vertreter des Berufsverbandes Deutscher Chirurgen (BDC) Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg, Bremen Vertreter des Jungen Forums der DGOU Dr. med. Matthias Münzberg, Ludwigshafen DGOU-Geschäftsstelle Geschäftsführer Ulrich Biermann Straße des 17. Juni 106 –108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 00 Fax: (0 30) 340 60 36 01 office@dgou.de www.dgou.de Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf 1. Vizepräsident Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Hannover 2. Vizepräsident Prof. Dr. med. Heiko Reichel, Ulm Generalsekretär Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Herzogenaurach Schatzmeister Prof. Dr. med. Werner E. Siebert, Kassel Präsident des Berufsverbandes BVOU Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Karlsruhe Orthopädischer Vertreter des „Konvent der Universitätsprofessoren für Orthopädie und Unfallchirurgie“ (ehemals gKLOU) Prof. Dr. med. Volker Ewerbeck Vorsitzender VLOU Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Geschäftsstelle der DGOOC Straße des 17. Juni 106 –108 (Eingang Bachstraße) 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: info@dgooc.de www.dgooc.de Österreichische Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Vorstand Präsident Prim. Dr. Peter Zenz, Wien/Österreich 1. Vizepräsident Univ. Prof. Dr. Stefan Nehrer, Krems/Österreich 2. Vizepräsident Prim. Univ. Prof. Dr. Mag. Bernd Stöckl, Österreich Generalsekretär Univ. Prof. Dr. Alexander Giurea, Wien/Österreich Kassierer Prim. Univ. Prof. Dr. Martin Dominkus, Österreich Schriftführer Univ. Prof. Dr. Catharina Chiari, Wien/Österreich Fachgruppenobermann Dr. Rudolf Sigmund, Oberwart/Österreich Sekretariat der ÖGO c/o Medizinische Akademie Alserstraße 4 A-1090 Wien Kontakt: Dagmar Serfezi Tel.: +43-1 - 405 13 83 21 Fax: +43-1 - 407 13 82 74 E-Mail:ds@medacad.org Verband leitender Orthopäden und Unfallchirurgen Deutschland e.V. Geschäftsführender Vorstand 1. Vorsitzender Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig 2. Vorsitzender Prof. Dr. med. Dietmar Pennig, Köln Schatzmeister Dr. med. Wilhelm Baur, Schwarzenbruck Schriftführer Dr. med. Walter Schäfer, Gummersbach Geschäftsstelle des VLOU Straße des 17. Juni 106 -108 (Eingang Bachstraße) 10623 Berlin Tel.: (030) 340 60 36 60 Fax: (030) 340 60 36 61 E-Mail: info@vlou.de www.vlou.de Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015 305

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Kurz und bündig Notfallversorgung muss optimiert werden Mehr als 20 Millionen Menschen kommen in Deutschland jedes Jahr in die Notaufnahmen und Notfallambulanzen deutscher Krankenhäuser. Die Kosten für die Behandlung werden den Krankenhäusern nur teilweise vergütet wegen des DRG-Abrechnungssystems. Notfallpatienten erfordern hohe Vorhaltekosten. Deshalb ging es auf der diesjährigen Klausurtagung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) am 19. Juni in Hannover um das Thema „Perspektiven und Visionen der Notfallmedizin“. „Eine optimale Patientenversorgung erfordert die fachärztliche Kompetenz aus den Fächern Anästhesie, Innere Medizin, Chirurgie, Neuromedizin und Kinderheilkunde mit spezieller notfallmedizinischer Schulung, wie sie bereits jetzt durch das DIVI-Curriculum Notfallmedizin erfolgt und perspektivisch mit einer Zusatzweiterbildung Notfallmedizin durch die Bundesärztekammer geplant ist“, erklärte Prof. Andreas Seekamp, Sprecher der DIVI-Sektion „Interdisziplinäre Notaufnahme“. „Deshalb wäre es überaus sinnvoll, wenn Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen bereits während ihrer Weiterbildung verpflichtend eine angemessene Zeit in einer zentralen Notaufnahme arbeiten würden. Hinzu kommen infrastrukturelle Notwendigkeiten, wie die Beseitigung baulicher Defizite und auch eine bessere Kommunikation aller Beteiligten. Auch Algorithmen und Checklisten wie in der Luftfahrt könnten eine große Hilfe sein. Surgical Tribune Gründungsversammlung ANOA e. V. 20 orthopädisch-unfallchirurgische Fachkliniken haben sich bundesweit zusammengeschlossen und aus der bereits bestehenden „Arbeitsgemeinschaft der nicht operativen orthopädischen manualmedizinischen Akutkrankenhäuser“ (ANOA) eine neue medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft gegründet. Ein primäres Ziel der ANOA e. V. ist die Weiterentwicklung von Konzepten zur Behandlung akuter und chronischer komplexer Erkrankungen des Bewegungssystems im Rahmen des OPS 8-977. Ärzte und Psychologen der ANOA-Gruppe entwickeln spezielle klinische Behandlungskonzepte in enger Zusammenarbeit mit Ökonomen, die für Effektivität und finanzielle Sicherung der Behandlungsmöglichkeiten sorgen. Diese Zusammenarbeit ist seit Jahren sehr erfolgreich. Die ANOA-Kliniken sind inzwischen zu Vorreitern auf dem Gebiet der bundesdeutschen nicht-operativen Orthopädie geworden. Zunehmend werden Fachabteilungen mit ANOA-Konzepten eröffnet und ermöglichen eine sinnvolle Alternative und Ergänzung zu operativen Behandlungsangeboten, um das Fach auch in Richtung Schmerzmedizin am Bewegungssystem breiter aufzustellen. Der ANOA e.  V. hat seinen Sitz in Oberwesel. Bei der Gründungsversammlung in der Klinik Lahnhöhe in Lahnstein wurde Dr. Wolfram Seidel, der Chefarzt der Manuellen Medizin der Sana Klinik in Sommerfeld, zum Präsidenten der neuen medizinischen Fachgesellschaft gewählt. Sein Stellvertreter ist Dr. Jan-Holger Holtschmit, der Chefarzt der Konservativen Orthopädie der Marienhausklinik St. Josef Losheim am See. Dr. Matthias Psczolla, der langjährige Chefarzt des Muskuloskeletalen Zentrums der Loreley-Kliniken St. Goar-Oberwesel, bekleidet das Amt des Geschäftsführers. Er hatte bisher schon als Sprecher der ANOA fungiert. Das Präsidium komplettieren Harald Wohlfarth, der Geschäftsführer der Klinik für Manuelle Therapie in Hamm als Schatzmeister, und Wolfang Ritz (Leitender Psychologe Sana Klinik in Sommerfeld) als Schriftführer. Die Arbeit des Präsidiums wird von einem Beirat unterstützt. Ihm gehören an: Dr. Kay Niemier, Dr. Florian Danckwerth, Prof. Hans-Raimund Casser, Dr. Jörg Henning, Prof. Bernd Kladny. Dr. Kay Niemier wird sich speziell um den Bereich der Wissenschaft und Forschung kümmern.  www.anoa-kliniken.de Rund 1.900 Behandlungsfehler Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern haben 2014 bundesweit insgesamt 7.751 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen. Damit ist die Zahl der Sachentscheidungen geringfügig gesunken. In 2.252 Fällen lag tatsächlich ein Behandlungsfehler vor. Davon gingen 1.854 Fälle mit einem Gesundheitsschaden einher, aus dem ein Anspruch auf Entschädigung resultierte. Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen führten, waren Knieund Hüftgelenkarthrosen sowie Unterarmfrakturen. „Die Ärzteschaft engagiert sich seit Jahren für eine verstärkte Fehlerprävention“, sagte Walter Schaffartzik, Ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin und Vorsitzender der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern. Die seit 1975 bei den Ärztekammern eingerichteten Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bieten eine Begutachtung und außergerichtliche Streitschlichtung bei Behandlungsfehlervorwürfen an. BÄK Krankenhausreform Das Krankenhausstruktur-Gesetz (KHSG) soll die große Krankenhausreform dieser Legislaturperiode werden. Die Uniklinika erhofften sich wichtige Strukturreformen und finanzielle Entlastungen. Nun liegt der Gesetzentwurf vor. Er ist ernüchternd. Vieles, was potenziell hilfreich wäre, wird wohl selbst im besten Fall noch Jahre auf sich warten lassen. Schnell und verbindlich kommen dagegen neue Budgetkürzungen. Den Uniklinika entsteht mit dem Gesetz eine erhebliche Finanzierungslücke. Ende 2016 wird der Versorgungszuschlag gestrichen, das sind Kosten von 75 Millionen Euro. Dazu kommt 2017 die Einführung des sogenannten „Fixkostendegressionsabschlags“ für Mehrleistungen. Wachsen die Fallzahlen eines Krankenhauses, dann muss es künftig den Krankenkassen für diese zusätzlichen Fälle für fünf Jahre einen Preisabschlag gewähren – eine Art MengenraVUD batt.  Schädel-Hirn-Verletzungen Die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) erarbeiteten Qualitätsstandards beschreiben den Versorgungsablauf bei Schädel-Hirn-Verletzungen und die Anforderung an die medizinische und rehabilitative Behandlung der Betroffenen. Sie lehnen sich an das Phasenmodell (Phase A bis F) der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V. (BAR, Frankfurt) an. Für Kinder und Jugendliche gelten besondere Überlegungen, auf die in den einzelnen Phasen gesondert eingegangen wird. Schädel-Hirn-Verletzungen – Qualitätsstandards in der gesetzlichen Unfallversicherung (PDF): http://publikationen.dguv.de/dguv/udt_ dguv_main.aspx?FDOCUID=26456 306 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015

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Nachrichten Arthroskopische Eingriffe am Knie Athroskopische Eingriffe zur Behandlung von degenerativen Schäden am Kniegelenk erzielen laut einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2015; 350: h2747) bei Patienten im mittleren Alter langfristig nur eine unwesentlich bessere schmerzlindernde Wirkung als eine konservative Behandlung. Viele Menschen im mittleren Alter haben degenerative Schäden an Menisken oder Gelenkflächen, für die Orthopäden eine Reihe von arthroskopischen Behandlungen bereit halten. Das Spektrum reicht von einer Lavage über ein Débridement bis zur partiellen Meniskektomie, die das Gelenk von Fremdkörpern beseitigen, den Gelenkknorpel glätten und eine schmerzfreie Beweglichkeit ermöglichen sollen. Doch die Wirksamkeit der therapeutischen arthroskopischen Eingriffe, die in der Regel durch Schmerzen ausgelöst werden, ist umstritten. Mehrere Studien haben gezeigt, dass viele Patienten zwar eine Schmerzlinderung erfahren, die Vorteile waren in den Studien jedoch nicht unbedingt besser als nach einer konservativen Behandlung. Hinzu kommt ein möglicher Placebo-Effekt, der durch eine Scheinoperation erzielt wird. Im letzten Jahr war das IQWiG zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen der arthroskopischen Eingriffe am Knie nicht belegt sei. Tatsächlich fehlen größere randomisierte klinische Studien, die den Nutzen an einer größeren Zahl von Patienten belegen. Die Evidenz stützt sich auf die Ergebnisse weniger randomisierter Studien, von denen Jonas Bloch Thorlund von der Universität von Süddänemark in Odense jetzt neun in einer Meta-Analyse zusammengefasst hat. Die insgesamt 1.270 Patienten waren zwischen 48 und 63 Jahre alt und die Nachbeo­ bachtungszeit variierte zwischen drei und 24 Monaten. Die arthroskopischen Eingriffe erzielten laut Thorlund eine signifikant bessere Wirkung als die Behandlungen in den Vergleichsgruppen, die von sportlichen Übungen bis zur Placebo-Chirurgie reichten. Doch die Unterschiede zu den Kontrollgruppen waren gering. Thorlund gibt die Effektstärke mit 0,14 an (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,03 bis 0,26). Diese Differenz entspreche gerade einmal einem Vorteil von 2,4 mm (0,4-4,3 mm) auf einer visuellen Analogskala, auf der die Patienten ihre Schmerzen mit 0 bis 100 mm einstufen. Der Vorteil sei zudem auf die ersten drei bis sechs Monate beschränkt. Nach 24 Monaten seien keine Unterschiede mehr nachweisbar gewesen. (dpa) Warnung vor Fitness-Apps Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff hat vor Fitness-Apps gewarnt, die Gesundheitsdaten von Versicherten an deren Krankenkassen übermitteln. Solche Apps, die auf Smartphones und Tablets geladen werden oder sich auf sogenannten Smartwatches befinden, „erfassen zum Teil sehr sensible Gesundheitsdaten”, erklärte Voßhoff am Donnerstag in Berlin. Damit könnten Herzfrequenz, Trainingszustand, Essverhalten oder die komplette Krankengeschichte erhoben werden. Voßhoff forderte von Versicherten vor allem privater Kassen, nicht unbedacht mit ihren Gesundheitsdaten umzugehen. Die mit der Offenlegung der Daten verbundenen kurzfristigen, finanziellen Vorteile sollten gegen die langfristigen Gefahren abgewogen werden, erklärte die Datenschutzbeauftragte. Eine wachsende Zahl privater Krankenversicherungen bietet Apps an, durch die Versicherte Daten etwa über die Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen oder sportliche Aktivitäten übermitteln können. Die Versicherung Generali will ab kommendem Jahr in Deutschland einen Tarif anbieten, bei dem Kunden mit gesunder Lebensweise Rabatte oder Geschenke erhalten. Die mit solchen Versicherungstarifen angebotenen Vorteile klingen Voßhoff zufolge besonders für junge und gesunde Menschen verlockend. Prognosen über die künftige gesundheitliche Entwicklung der Versicherten könnten aber dazu genutzt werden, profilgenaue Angebote zu unterbreiten, das Leistungsspektrum entsprechend anzupassen oder künftige Risikozuschläge zu berechnen. Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015 Auch privat Versicherte schützen Nicht nur bei den privaten Krankenversicherungen, auch bei den gesetzlichen Kassen sei ein wachsendes Interesse an Gesundheits- und Fitnessdaten ihrer Versicherten zu beobachten, erklärte Voßhoff. Während die Mitglieder gesetzlicher Kassen per Gesetz vor der unbedachten Preisgabe sensibler Daten geschützt seien, könnten die Privatversicherten der Datenerhebung vertraglich zustimmen. Der Gesetzgeber sollte solch einen Schutz auch für Versicherte privater Kassen erwägen. Derzeit gibt es bereits eine Masse von rund 400.000 Medizin-, Gesundheits- und Lifestyle-Apps auf dem Markt. Generali löste im vergangenen November mit seinen Plänen einen Proteststurm aus. Die Konzernsprecherin bekräftigte nun, Datenschutz und Transparenz hätten „höchste Priorität“. Doch solle die öffentliche Diskussion „nicht nur risiko-, sondern auch chancenorientiert geführt werden“. Der private Krankenversicherer Allianz hatte vergangene Woche die Einführung einer Fitness-App abgelehnt. „So verlockend das für manchen klingen mag, so falsch ist der Ansatz“, schrieb die Chefin der Allianz-Krankenversicherung, Birgit König, in einem Beitrag für die „Wirtschaftswoche“. Sie kritisierte auch die damit verbundene Datenerhebung von (DÄB) den Kunden als unverhältnismäßig. Foto: Fotolia Picture-Factory 307

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Nachrichten 100.000 Operationen in EPRD Mehr als 100.000 Operationen sind inzwischen im Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) dokumentiert. Der größte Teil bezieht sich mit rund 61.000 Eingriffen auf Hüftoperationen, weitere rund 47.000 auf Operationen des Knies. „Immer mehr Kliniken erkennen den Nutzen des Registers und beteiligen sich daran“, erklärt EPRD-Geschäftsführer Prof. Dr. Joachim Hassenpflug. Mit rund 570 angemeldeten Kliniken ist nun etwa die Hälfte aller infrage kommenden Krankenhäuser zur Teilnahme registriert. Hassenpflug: „Das ist ein großer Erfolg für die Patientensicherheit, aber auch für die Initiatoren des Registers, in dem Ärzte und Wissenschaftler, gesetzliche Krankenkassen und Industrie an einem Strang ziehen.“ Schon jetzt hat das Register nach Hassenpflugs Worten „eine Detailtiefe, die weltweit einzigartig ist“. Erreicht wird das durch eine mit dem BQS Institut für Qualität und Patientensicherheit aufgebaute Registerstelle, die zum einen Datenstränge von Krankenhäusern und Krankenkassen zusammenführt und zum anderen auf eine gemeinsam mit der Industrie erarbeitete Implantat-Datenbank zurückgreift. Hier sind fast alle auf dem deutschen Markt verwendeten Knie- und Hüftendoprothesen erfasst. So können nicht nur die einzelnen Bestandteile der Implantate verfolgt, sondern es können auch Informationen über die Standzeit sowie den Verlauf und die gesamte Qualität des Eingriffs gewonnen werden. Zugleich erfüllt das Register unter anderem durch eine zwischengeschaltete Vertrauensstelle hohe Datenschutz-Anforderungen. „All das trägt dazu bei, dass das EPRD auch im Ausland mit großem Interesse wahrgenom- men wird“, so der Orthopäde Hassenpflug. Seit Anfang 2014 können sich bundesweit alle interessierten Krankenhäuser am EPRD beteiligen. Ziel des Endoprothesenregisters ist es, alle rund 400.000 Eingriffe pro Jahr im Bereich der Endoprothetik zu erfassen. Die Patienten, die in den teilnehmenden Kliniken operiert werden, erhalten einen Implantatpass des EPRD, der auch nach einem Verlust jederzeit neu erstellt werden kann.  EPRD Deutsche Endoprothesenregister gGmbH Fusion der BG-Kliniken Nach vier Jahren intensiver Planung hat am 11. Juni 2015 Deutschlands größte Krankenhausfusion einen Meilenstein erreicht: Die bislang rechtlich unabhängigen 13 berufsgenossenschaftlichen Akut- und Rehakliniken mit ihren 18 Eigentümern werden zu einem Konzern zusammengeschlossen. Mit der einstimmigen Gründung einer neuen Dachgesellschaft durch die verantwortliche Mitgliederversammlung entsteht damit bis 2016 eines der größten Gesundheitsunternehmen im gesamten Bundesgebiet. Der neue Klinikkonzern mit insgesamt mehr als 12.000 Mitarbeitern, jährlich über 550.000 Patienten und einem Jahresumsatz von rund 1,21 Milliarden Euro wird über eine im deutschen Gesundheitswesen einzigartige strategische Ausrichtung verfügen: die enge Verzahnung von Akutversorgung und Rehabilitation in sämtlichen Behandlungsphasen. „Die BG-Kliniken begleiten ihre Patienten mit allen geeigneten Mitteln und über die Entlassung hinaus zurück ins Leben. Das entscheidet uns von jeder anderen Klinikgruppe“, so Reinhard Nieper, Geschäftsführer der neuen Dachgesellschaft. „Mit der gestrigen Entscheidung unserer Träger steht nun ein Fusionsprozess vor seiner Vollendung, den viele nicht für möglich gehalten hätten und der in dieser Dimension einmalig ist.“  Eike Jeske Neuer Masterstudiengang Versorgungsforschung Zum Wintersemester 2015/16 startet der neue interdisziplinäre Master-Studiengang „Versorgungsforschung und Implementierungswissenschaft im Gesundheitswesen“ an der Universität Heidelberg. Der Studiengang ist an der medizinischen Fakultät angesiedelt und versteht sich als forschungsorientiertes akademisches Qualifizierungsprogramm an der Schnittstelle von Medizin, Gesundheitswissenschaften und Gesundheitsversorgung. Es ist der erste Studiengang in Deutschland, der sich explizit der Versorgungsforschung und Implementierungswissenschaft widmet. Der Studiengang richtet sich an Absolventinnen und Absolventen von Bachelorstudiengängen mit gesundheitswissenschaftlichem Bezug und an Studierende der Medizin in höheren Semestern oder an fertige Ärztinnen und Ärzte. Während der vier Semester des Masterstudiums erlernen die Studierenden Probleme der Gesundheitsversorgung zu identifizieren, vor dem Hintergrund aktueller internationaler wissenschaftlicher Forschung und Methoden zu analysieren sowie Versorgungsmodelle zu bewerten und Verbesserungspotentiale zu entwickeln, Projekte zu implementieren und zu evaluieren. So können Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung evidenzbasiert und nachhaltig zu verbessern. Infos: www.klinikum.uni-heidelberg.de/Versorgungsforschungund-Implementierungswissenschaft-im-GesundheitswesenMSc.138854.0.html 308 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015 Bild: Lutz Hugel

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Nachrichten Gutachterkommission für Arzthaftpflichtfragen Seit Juli 2014 arbeitet die Gutachterkommission für Arzthaftpflichtfragen der Ärztekammer Westfalen-Lippe nach neuen Verfahrensregeln. „Die neuen Regeln haben die Verfahren wertiger gemacht und zur Versachlichung bei der Klärung der Streitigkeiten beigetragen“, zieht der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, eine erste Bilanz der Reform. „Damit ist die Gutachterkommission auch in Zukunft ein verlässlicher Vertrauensanker für Patientinnen und Patienten, die wegen eines vermuteten Behandlungsfehlers Schadensersatzansprüche geltend machen.“ Die Kommission bezieht heute nicht nur behandelnde Ärzte, sondern auch Krankenhäuser und Haftpflichtversicherungen in die Verfahren ein. So stellt sie sicher, dass nach Abschluss des Verfahrens zügig eine Regulierung erfolgen kann. Außerdem hat der Patientenvertreter seine Arbeit aufgenommen. Er hat Einsicht in die Arbeitsabläufe der Kommission und kann sich im Sinne der Patienten vergewissern, dass die Gutachterkommission unabhängig, objektiv und allparteilich arbeitet. Von der Möglichkeit, eine Behandlung zeitnah, kostenlos und neutral begutachten zu lassen, machten im vergangenen Jahr 1517 Antragstellerinnen und Antragsteller Gebrauch. Gleichzeitig schloss die Gutachterkommission 2014 noch 1031 Verfahren nach altem Statut ab. Dabei bestätigte sich in 841 Verfahren (82 Prozent) der Vorwurf eines Behandlungsfehlers nicht. In 149 Fällen (14 Prozent) hatte ein Sorgfaltsmangel zu einem Gesundheitsschaden des Patienten geführt, in 41 Fällen (vier Prozent) konnte nicht mit der erforderlichen Sicherheit festgestellt werden, dass ein Gesundheitsschaden auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen war. Ein Viertel der Behandlungsfehlervorwürfe betraf im Jahr 2014 niedergelassene Ärzte oder Medizinische Versorgungszentren. In 75 Prozent der Fälle richtete sich der Fehlervorwurf gegen die ärztliche Behandlung in einem Krankenhaus. In beiden Versorgungsbereichen wurden Behandlungsfehler annähernd gleich häufig bestätigt. Die Ergebnisse der Entscheidungen werden systematisch ausgewertet und fließen durch regelmäßige Veröffentlichungen in die Qualitätssicherung ärztlicher Behandlung ein.  Pressestelle Ärztekammer Westfalen-Lippe Der erste Implantatausweis Das Onlineportal vitabook hat den von der Regierung geplanten Implantatausweis für Patienten schon jetzt in elektronischer Form entwickelt – gemeinsam mit dem NIFE (Niedersächsisches Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und -entwicklung). Damit stellt das eHealth-Unternehmen eine einzigartig interaktive Online-Lösung für Kliniken und Patienten zur Verfügung, die mehr Sicherheit für beide Seiten bedeutet. Der Implantatausweis wird zum 1. Oktober 2015 verpflichtend von jeder implantierenden Einrichtung eingeführt. Er soll aus Kliniksicht Angaben zum Patienten, zum Implantat, zum Hersteller und zum verantwortlichen Arzt enthalten. Dem Patienten werden so alle wichtigen Informationen in kompakter Form zur Verfügung stehen, die er immer bei sich tragen und die er seinem Hausarzt direkt elektronisch übermitteln kann. Brust, Herz, Hüfte & Co. Für Menschen mit einem nicht resorbierbaren Implantat ist das Wissen um das Produkt, das sie in sich tragen, besonders wichtig. Über ihr Gesundheitskonto können sie nicht nur alle Informationen über ihr Implantat abrufen. Sie sind darüber hinaus immer und überall auf der Welt mit ihren behandelnden Ärzten und Kliniken verbunden, wenn sie dies wünschen. Mit dem elektronischen vitabook-Implantatausweis sind Hersteller, Produktcharge, Befunde und Bilder, die während der Behandlung gemacht wurden, abrufbar. Mit einem Klick kann die behandelnde Klinik im eigens angelegten Patientenkonto alle Informationen ablegen und zugleich alle Eckdaten auf das Gesundheitskonto des Patienten übermitteln – oder auch an eine andere Klinik. Der Implantatausweis gibt medizinischem Fachpersonal und Ärzten im Notfall alle wichtigen Auskünfte. Wenn es, wie z.  B. bei Herzschrittmacher, Hüft- oder Wirbelsäulenimplantat am Flughafen in der Sicherheitskontrolle zu einem Alarm kommt, kann sich der Träger oder die Trägerin entsprechend ausweisen. Wenn eine Rückrufaktion erforderlich ist, wie es vor einiger Zeit bei Brustimplantaten der Fall war, lässt sich dies problemlos über die Herstellernummer regeln. Ab dem 1.1.2016 ist eine Klinik verpflichtet, ein Implantatregister zu führen. vitabook.de sagt von sich, dass es das weltweit erste Onlinep ortal sei, in dem Patienten über ihr Gesundheitskonto selbst bestimmen können: vom Arzttermin über Rezepte, von kontinuierlich aktualisierten Befunden bis zu Röntgenbildern und Implantatausweis hat der Patient mit einem Klick seine Daten im Blick. (red) Gesundheit, die ich selbst bestimme Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015 309

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Aus unserem Fach U E M S -S I T Z U N G I Z M I R Vorgaben für europäisches Weiter­ bildungscurriculum verabschiedet Die UEMS (European Union of Medical Specialists) repräsentiert die nationalen medizinischen Fachgesellschaften in der EU und in assoziierten Ländern. Die UEMS entwickelt Standards für Weiter- und Fortbildung von Fachspezialisten in Europa. Die Dachgesellschaft der UEMS-Sektionen hat im April ein eigenes Gebäude in Brüssel bezogen, was mit erheblichem Schuldendienst verbunden ist. Es ist noch unklar, ob und ggf. in welchem Maße die einzelnen Sektionen dafür aufkommen müssen. Der Vorschlag für eine Harmonisierung der Weiterbildung in Orthopädie und Traumatologie innerhalb Europas (European Education Plattform – EEP-Draft) wurde von Herrn Prof. Stefan Nehrer, Österreich, vorgestellt. Die von den deutschen Fachgesellschaften formulierten Bedenken wurden im Einzelnen vorgetragen. Dazu gehört unter anderem, dass bei diesem Modell nach britischem Vorbild nicht automatisch alle Assistenzärzte in Orthopädie und Traumatologie als Weiterbildungsassistenten anerkannt werden, sondern eine entsprechende Auswahl getroffen wird. Es soll jährliche Prüfungen der Weiterzubildenden, der Weiterbilder und der Krankenhäuser geben, die von extern und intern durchgeführt werden müssen. Dies soll dazu dienen, schon während der Weiterbildung Schwachstellen zu detektieren und zu beheben. Nach englischem Vorbild soll der damit verbundene Aufwand sowohl vom Weiterzubildenden bezahlt werden, als auch öffentlich gefördert werden. Der Weiterbildungskatalog, der von dem in Deutschland üblichen deutlich abweicht, wurde nicht zur Diskussion gestellt. Als Besonderheit sei noch angeführt, dass Weiterbildungsassistenten auch wissenschaftliche Aktivitäten aufweisen sollen und in Grundlagenwissenschaften geschult werden. Gegen die Stimme Deutschlands ist dieser Vorschlag der UEMS verabschiedet worden. Weiterbildung verbessern In einem separaten Tagesordnungspunkt haben der Präsident der EFORT, Dr. Steven Canon, und der Leiter der EEP-Arbeitsgruppe, Dr. Manuel Cassiano Neves, die weitere Entwicklung nach der nun erfolgten Zustimmung der UEMS zur Europäischen Weiterbildungsnovellierung dargestellt. Im Rahmen der Harmonisierung müssen Strukturen für die Durchsetzung der Weiterbildungsvorgaben geschaffen werden. Ein wichtiges Ziel wird sein, in Zukunft die Qualität der praktizierten Weiterbildung zu verbessern. Als nächster formaler Schritt wird nun die Vollversammlung der EFORT anlässlich des Prager Kongresses das nun gemeinsame EFORT-UEMS-Papier zur Weiterbildung verabschieden. Dr. Neves schwebt vor, die Industrie in das Weiterbildungskonzept mit einzubeziehen. Außerdem soll nicht rein der Wissensstand geprüft werden, sondern auch praktische Fähigkeiten, die bei Operationen bewertet werden. Als weitere Entwicklung wurden ebenso Fellowship-Programme erwähnt und als Fortführung Programme für die anschließende spezialisierte Weiterbildung. Verbindliches Logbuch Um die Weiterbildung kontinuierlich überblicken zu können und die Harmonisierung innerhalb Europas zu gewährleisten, soll ein Logbuch verbindlich vorgeschrieben werden, dass 15-20 Euro pro Jahr kostet und nach britischem-Standard aufgebaut ist. Dr. George Mineiro berichtete vom Stand des Europäischen Examens für Orthopädie und Traumatologie (EBOT). Für die jährliche Interimsprüfung haben sich 262 Kandidaten gemeldet, die am 14.04.2015  geprüft wurden. Diese Prüfung war kostenfrei. Mit einer Sonderregelung werden auch noch in den nächsten beiden Jahren kostenfreie Prüfungen von EBOT/ EFORT durchgeführt. Es wird auch weiterhin so sein, dass die MC-Fragen ausschließlich englisch formuliert sind und als Grundlage ein englisches Standardbuch der Orthopädie und Traumatologie haben. Die Auswertung ist sehr differenziert nach einzelnen Ländern und dem jeweiligen Weiterbildungsstand der Kandidaten durchgeführt worden. Das Abschlussexamen ist in diesem Frühjahr mit 173 Kandidaten gestartet, die den schriftlichen Teil abgelegt haben. Der mündliche Teil des Examens kann an verschiedenen Orten absolviert werden. Für dieses Jahr gibt es 19 Kandidaten aus Deutschland. In Zukunft soll ein dritter Teil dieser Prüfung mit Patienten stattfinden. Als Vorbereitung für das EBOT-Examen soll es in Zusammenhang mit dem EFORT-Kongress Review-Kurse geben. In den Niederlanden bestehen Erfahrungen mit der Zertifizierung von Orthopädisch/Unfallchirurgischen Kliniken. Dies soll für die Zukunft auch europaweit verwirklicht werden. Als Anreiz für jüngere Kollegen will die UEMS ein jährliches Fellowship-Programm ausschreiben. Die Einzelheiten hierzu sind noch nicht festgelegt. Prof. Dr. Dr. Joachim Grifka Dr. Dietrich Bornemann 310 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015

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Aus unserem Fach 1 6 . E U L A R A N N U A L E U R O P E A N C O N G R E S S O F R H E U M AT O L O G Y Bestätigung der bisherigen Therapien 15 Parallelveranstaltungen täglich über vier Tage. Poster in unüberschaubarer Anzahl. Maurizio ­ Cutolo – EULAR President. Themen waren insbesondere die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, aber auch weitere Erkrankungen des muskuloskelettalen Systems wie Arthrose und Low Back Pain, berichtet Dr. med. Uwe Schwokowski, Orthopäde und Orthopädische Rheumatologe, der den Kongress EULAR (European League Against Rheumatism) besuchte: „Da war es schon schwer, die geeignete Auswahl zu treffen. Erleichtert wurde die Qual der Wahl durch ‚WIN – Sessions What is new‘ und ‚HOT – Sessions How to ­ treat‘“, so der Ratzeburger Orthopädische Rheumatologe. Recommendations nur für ½ Jahr empfohlen. Bei einer Dauertherapie werde ein Gewöhnungseffekt erwartet und somit eine Optimierung der Basistherapie angeraten. Die Glukocortivoid-Startdosis solle so gering wie möglich gehalten werden; bei hoher Entzündungsaktivität mg Prednisolon meist ausreiseien 30  chend, bei geringerer Aktivität reichten mg in absteigender Dosierung. Die 10  Unterdrückung der radiologischen Progression unter Corticoiden werde insbesondere im ersten halben Jahr gesehen, danach werde diese positive Wirkung deutlich geringer. Bei der axialen Spondyloarthritis zeige auch eine bedarfsorientierte NSAR Therapie eine geringere Versteifungstendenz in den SIG und der Wirbelsäule , so dass die tägliche Behandlung mit Diclofenac mg o.  ä. nicht erforderlich sei. Al150  lerdings werde eine Therapie mit NSAR bzw. Coxiben bei erhöhten Entzündungszeichen empfohlen. Die cardiovaskulären Risiken würden weniger dramatisch beurteilt als noch 2013 im „Rote Hand Brief“. Früherkennung Bei der Rheumatoiden Arthritis gelte weiterhin die Früherkennung als erklärtes Ziel. Die ACR-EULAR Klassifikationskriterien von 2010  hätten lediglich eine Sensitivität und Spezifität von 60 – 80 Prozent, so dass die klinische Diagnose weiterhin entscheidend ist. Risikofaktoren für die RA sind eine genetische Disposition, Rauchen, deutliche ACPA Erhöhung und Adipositas insbesondere bei Männern. Bei ACPA positiven Menschen ohne Beschwerden würden bereits morphologische Veränderungen an Gelenken festgestellt, so dass ein noch früherer Therapiebeginn ohne Arthritiszeichen diskutiert werde. Bei unbehandelter bzw. schlecht behandelter RA bestehe weiterhin eine Verkürzung der Lebenszeit von bis zu 10 Jahren. Unter Remission bei DMARD und TNF-alpha Therapie bestehe nur noch eine marginale Differenz im Vergleich zu Gesunden. Weitere Studien zur Therapie der RA unterstützen die Kombinationstherapie von TNF-alpha-Inhibitoren und MTX, womg häufig bei die MTX Dosierung mit 10  ausreichend sei. Tocilizumab zeige auch als Monotherapie eine gute Wirksamkeit und sei in dieser Form zugelassen. „In Rom gab es keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse, aber Bestätigung unserer bisherigen Diagnostik und Therapie entzündlich rheumatischer Erkrankungen in Verbindung mit einigen neuen Studiendaten, die für unsere tägliche Praxisarbeit durchaus relevant sind. Ja, Rom war eine Reise wert!“, so Uwe Schwokowski. (js) Keine großartigen Veränderungen, allerdings jedoch jede Menge an Details, die für die Zukunft wegweisend sein werden, hatte der 16. EULAR nach Ansicht von Uwe Schwokowski zu bieten, der in diesem Jahr in Rom stattfand. Sehr viele Innovationen in der Therapie der Psoriasisarthritis wurden in Studien vorgestellt, die auch für unsere Praxen von Belang sein werden. Apremilast, mit Handelsnamen Otezla, hat nur wenige, eher unproblematische Nebenwirkungen, so dass die Voruntersuchungen und Begleituntersuchungen zum größten Teil entfallen. Die Zulassung besteht auch für die Psoriasis vulgaris. Bei den Dermatologen ist dieses Präparat schon gut angekommen. Warum nicht auch bei den Orthopäden, nach Versagen eines DMARD̓s? Corticoidtherapie Die regelmäßige Corticoidtherapie als Begleitbehandlung in der Basistherapie der RA würde nach den neuen EULAR Joachim Stier, freier Journalist Berlin Dr. Uwe Schwokowski, Ratzeburg 312 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015

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Aus unserem Fach Burt Klos, NL, Gernot Felmet, Ger President of EFOST (seit Nov. 2014), Gian Luigi Canata, Italy, Vice President of EFOST, Henrique Jones, Portugal, General Secretary of EFOST Madis Rahu, Estonia (Estland) (v.li.) E F O S T : P R ÄV E N T I O N I M B R E I T E N - U N D S P I T Z E N S P O R T Europäischer Erfahrungsschatz „Sportprävention“ Sekundärprävention nach Maß: Nach einer Verletzung sollte ein individuell auf den Sportler zugeschnittenes Rekonvaleszenzprogramm zum Einsatz kommen, das zum einen die Trainingsinhalte und zum anderen das Talent des Athleten berücksichtigt. „Man sollte sich den europäischen Erfahrungsschatz der Orthopädie und Sporttraumatologie zunutze machen, um gemeinsame Grundlagen zu schaffen, die dann national bzw. regional angepasst zur Überprüfung von Trainingsinhalten und individuellen Befähigungen herangezogen werden“, konstatierte der EFOST-Präsident Dr. Gernot Felmet. Das Zitat vom Präsidenten der EFOST und Leiter der Artico-Sportklinik in Villingen-Schwenningen gilt sowohl für den Breiten- wie den Spitzensport und muss bereits bei den Jüngsten beginnen. Neu ist die individuelle Befähigung des Athleten einzubeziehen. Dies bedeutet kein Einzeltraining, aber eine individuelle Variante, wie einzelne Trainingseinheiten für alle auf die Person zugeschnitten am besten ausgeführt werden. Grundlage einer solchen Sekundär- wie auch der Primärprävention sind kontinuierliche Messungen des Wiederherstellungsfortschritts: „Auf dem Gebiet der Messung entsprechender Parameter, nach denen der Trainingsplan dann individuell angepasst werden kann, sind in der letzten Zeit enorme Fortschritte gemacht worden“, berichtet Orthopäde und Sporttraumatologe Felmet. Derzeit werden Tests zur Überprüfung von koordinativen Fähigkeiten erweitert. Auch refelektorische Tests z.  B. zur Überprüfung der Ischiokruralen Muskulatur sind in der Pipeline. Die metrischen Bandtests am Kniegelenk haben sich technische erweitert. Zu wünschen ist, dass diese auch standardisiert zum Einsatz kommen. Dieses individuelle Konzept auf Maß muss auch auf die Primärprävention anwendbar sein: Wie können Trainingsinhalte und die jeweiligen Begabungen so aufeinander abgestimmt werden, dass es im Verlauf des Trainings selbst wie später im Wettbewerb zu weniger Verletzungen kommt: „Die Sportverletzungen konnten z.  B. beim Skisport um über 50  % reduziert werden“, berichtet EFOST-Präsident Felmet über Fortschritte in der Primärprävention. Konzept auch für Primärprävention „Im Training sollten Aspekte der Taktik und Strategie um die Frage ergänzt werden, wie Trainer ihre Athleten am besten vor Überlastung und Überforderungen schützen können. Dies ist umso wichtiger, da zunehmend auch bei den Jüngsten – bereits im Kindesalter – bei entsprechendem Talent recht aggressiv mit einem Leistungstraining begonnen wird“, gibt Gernot Felmet zu bedenken. Eine Präventionsgrundlage auf europäischer Ebene ist hilfreich, nicht aufgrund ähnlicher Entwicklungen. Es gibt Systemunterschiede in den einzelnen Ländern, die eine solche Diskussion stärker voranbringen können, als dies eine landeseigene vermögen könnte. „Im Spitzensport ist, wenn man etwa an die Champions League denkt, die europäische, die internationale Ebene der Gradmesser des wirklichen Erfolgs. Man kann aber auch an die vielen europäischen Sportler als Argument einer gemeinsamen Präventionsbasis denken, die grenzüberschreitend in Vereinen ihre Leistung erbringen. Es wäre nicht von Nachteil, wenn sich die Sportler auf diesen Ebenen auf Basis einer ähnlichen Förderung messen könnten“, beschreibt EFOST-Präsident Felmet einen weiteren europäischen Aspekt. Ein weiteres Projekt ist das Präventionshandbuch Sporttraumatologie. Das Buch ist eine Initiative der ISAKOS – International Society of Arthroscopy, Knee Surgery and Orthopaedic Sports Medicine. Die EFOST ist durch den General Sekretär Henrique Jones vertreten. Joachim Stier, freier Journalist, Berlin Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015 313

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Aus unserem Fach D KO U I N T E R N AT I O N A L OTA-Day und ORS-Lectures mit US-amerikanischen Experten Das Programm zum DKOU international steht nun fest – darunter der OTA-Day und die gemeinsam mit der ORS zusammengestellten Highlights der Grundlagenforschung. Denn aufgrund der im Frühjahr vereinbarten Kooperationen der DGU und der DGOU mit den US-amerikanischen Kollegen der Orthopaedic Trauma Association (OTA) und der Orthopaedic Research Society (ORS) wird Deutschland nicht nur Gastland beim diesjährigen Annual Meeting in Las Vegas sein – im Gegenzug werden die amerikanischen Experten auch das Programm des diesjährigen Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfall­ chirurgie (DKOU) bereichern. Hier stellen wir Ihnen als Vorgeschmack die Highlights des OTA-Days, die Sessions zur internationalen Grundlagenforschung sowie die entsprechenden US-Experten vor. 21. Oktober 2015: OTA-Day 09:00 – 10:30 How do I get out of this jam – tipps & tricks in the treatment of proximal femur fractures IN14 New York 3 09:45 Miclau T.:FRACTURE FIXATION AUGMENTATION: WHAT IS THE OPTIMAL MATERIAL? 11:00 – 12:30 How do I get out of this jam – tipps & tricks in the treatment of proximal humerus fractures In cooperation with OTA, SICOT IN13 New York 3 11:00 Miclau T. : INTRODUCTION TO PARTNER ORGANIZATION 14:30 – 16:00 AO Trauma Europe: Non unions In cooperation with AO Trauma Europe, TOTBID IN12 New York 3 15:48 Giannoudis P.: ADDITIVE PROCEDURES IN NON UNION TREATMENT Dr. Peter Giannoudis, MD FRCS Professor and Chairman Department of Academic Trauma and Orthopaedic Surgery School of Medicine, University of Leeds, UK Professor of Orthopaedic Trauma Leeds General Infirmary University Hospital Dr. Peter Giannoudis ist Vorsitzender des „International Membership Committees“ der OTA. Als Professor und Leiter der Abteilung „Academic Trauma  and  Orthopaedic Surgery“ der Universität Leeds (UK) ist er spezialisiert auf die Versorgung von Schwerstverletzten, Becken- und Acetabulumfrakturen sowie Gelenkfrakturen. Sein besonderes wissenschaftliches Interesse im Bereich der Grundlagenforschung gilt den zellulären und molekularen Mechanismen der Knochenheilung und der Immunantwort nach Trauma. Im Bereich der klinischen Forschung liegt sein Schwerpunkt auf der Evaluation von neuen Implantaten sowie prospektiven Outcome-Studien nach Trauma. Dr. Theodore Miclau, MD Professor and Vice Chairman Department of Orthopaedic Surgery, University of California, San Francisco, USA Chief of Orthopaedic Surgery, San Francisco General Hospital Director, Orthopaedic Trauma Institute Dr. Theodore Miclau ist der derzeitige Präsident der OTA. Als Professor und stellvertretender Leiter der Abteilung für „Orthopaedic Surgery“ an der University of California in San Francisco (USA) ist er spezialisiert auf die Akutversorgung von Frakturen, insbesondere der langen Röhrenknochen. Sein besonderes wissenschaftliches Interesse im Bereich der Grundlagenforschung gilt den zellulären und molekularen Mechanismen der Knochenheilung. Im Bereich der klinischen Forschung liegt sein Schwerpunkt auf prospektiven Studien nach Trauma. 314 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2015

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