Gideon Tomaschoff - The Space Between

 

Embed or link this publication

Popular Pages


p. 1

the space between zwischenräume gideon tomaschoff

[close]

p. 2



[close]

p. 3

dieser katalog ist dem andenken an die familienmitglieder meiner mutter gewidmet die in mönchengladbach geboren wurden und im holocaust umkamen this catalog is dedicated to the memory of my mother`s family members who were born in monchengladbach and who died in the holocaust karl winter lina solomon geb winter marta eichengrün geb winter sara winter 3

[close]

p. 4

zwischenräume gemälde von gideon tomaschoff der zwischenraum zwischen himmel und erde ist wie eine blasebalg leer und fällt doch nicht zusammen bewegt kommt immer mehr daraus hervor lao tse das taoteking 5 spruch ein zwischenraum unterscheidet sich vom raum durch begrenzung sich in zwischenräumen aufzuhalten ist ein außergewöhnlicher zustand positiver einschränkung ein zustand des innehaltens der fokussierung der besonderen wahrnehmung eines intensivierten denkens ein zustand des erkenntnisgewinns die kunst ist ein solcher zwischenraum an sich der künstler gideon tomaschoff widmet sich in besonderer weise dem raum dazwischen er um lao tse zu zitieren bewegt den zwischenraum 4

[close]

p. 5

the space between on gideon tomaschoff`s paintings may not the space between heaven and earth be compared to a bellows `tis emptied yet it loses not its power `tis moved again and sends forth air the more lao tse the tao te ching 5:2 hayes barton 1973 the space between differentiates itself from space at large by means of boundaries spending time in the space between is an extraordinary condition of positive limitation a state of pause of focusing of a particular perception of intensified thinking a state of gaining insight art is essentially such a space between artist gideon tomaschoff devotes his time to it in a unique way if i may borrow lao tse`s words he moves the space between 5

[close]

p. 6

realität oder fiktion gideon tomaschoff arbeitet seit dem abschluss seiner ausbildung am ontario college of art and design in toronto nach einer phase der figuration ausschließlich abstrakt die visuellen quellen seiner gemälde sind zu jener zeit ende der 1990er die fassaden von gebäuden die von menschenhand gestaltet zerstört und erneut gestaltet sowie unter dem einfluss der natur ausgewaschen und verwandelt worden waren doch bereits damals entsteht kein abbild von realität keine fotorealistische wiedergabe gesehener wirklichkeit tomaschoff überträgt und übersetzt gesehenes in eine individuelle bildsprache er stößt ­ und ist damit einig mit leonardo da vinci der in einer schlichten wand bilder entdeckte oder vincent van gogh der auf einem müllplatz Ästhetik und schönheit fand ­ auf die schönheit des unerwarteten die visuellen quellen von fassaden verlieren immer mehr ihre notwendigkeit in tomaschoffs arbeitsprozess die themen seiner bilder verselbständigen sich werden unabhängig vom konkret gesehenen und vom direkten äußeren einfluss mehr und mehr dagegen visualisieren die abstrakten gemälde assoziationen innerer landschaften emotionen erinnerungen die auseinandersetzung mit zeit innere landschaften emotionen erinnerungen zeit ­ themen die nicht nur die person des malers betreffen sondern eine verbindende brücke zu dem betrachter schlagen auf dem weg zwischen bild und betrachter entsteht ein zwischenraum des denkens des nachdenkens über den grat zwischen bild und abbild kein abbild malt tomaschoff und dennoch realität abstraktion befähigt klarer zu sehen so sieht der betrachter fast immer eine annäherung an realität weil er sie automatisch sucht weil er automatisch nach dem vertrauten forscht entdeckt er landschaften die ihn an real-erlebte erinnern sieht er bekanntes das niemals wirklich so aussieht und dennoch wirklichkeit ist es ist die innere wirklichkeit des betrachters die aus äußerer wirklichkeit resultiert von tomaschoff sind assoziationen von wäldern flüssen bergen horizonten niemals beabsichtigt unabhängig sei er von äußeren einflüssen und dennoch fließen diese ein in die malerei und machen seine abstrakte malerei zu einer malerei von wirklichkeit ohne wirklichkeit 6

[close]

p. 7

reality or fiction since his graduation from ontario college of art and design toronto following a figurative period tomaschoff has painted solely abstract at the time in the late 1990s the visual sources of his paintings were man-made building façades destroyed and re-created as well as washed out and transformed by natural forces as early as that however no image of reality emerged in his work no photorealistic reproduction of an empirical reality tomaschoff transforms and translates occurrences into individual imagery in keeping with leonardo da vinci who discovered images on a simple wall and vincent van gogh who saw aesthetics and beauty in a dumping ground tomaschoff unveils the beauty of the unexpected in the course of his work the visual sources gradually lose their necessity the topics of his paintings assume an independent existence free of actual viewing or external influence the abstract paintings increasingly visualize connotations of inner landscapes emotions memories and the struggle with time­subjects which not only interest the artist but also build a bridge to the viewer along the axis between painting and viewer an interspace of thought is generated contemplation of the fine line between painting and image tomaschoff does not paint a replication but rather still reality abstraction enables a clearer view the viewer thus almost always sees an approach to reality as he automatically looks for it due to this instinctive search for the known the viewer discovers landscapes reminiscent of real experienced ones he sees the familiar which does not exist in reality yet corresponds with it it is the viewer`s inner truth spawned by the external reality tomaschoff does not consciously invoke associations of forests rivers mountains horizons he paints independently of exterior influences nevertheless they affect the painting transforming his abstract pieces into renditions of a reality-free reality 7

[close]

p. 8

die oberfläche der leinwand ein labor die oberfläche seiner bilder betrachte er wie ein labor merkte tomaschoff einmal an in diesem labor finden untersuchungen und experimente statt hier werden akademische regeln gebrochen und neue aufgestellt allein die technische vorbereitung der leinwände ist ein wichtiger weg auf dem ziel zu vielschichtigkeit und dichte des bildnerischen ergebnisses eine vielfalt sowohl klassischer als auch innovativer materialien bildet die grundierung deren zweck es ist die leinwand nicht zum bollwerk gegen die farbe werden zu lassen sondern ganz im gegenteil ihr fließen und aufsaugen zu garantieren nach der grundierung beginnt tomaschoff farbschicht um farbschicht auf die leinwand aufzutragen ein ewiges beginnen wie der titel eines der gemälde lautet so wie im gesamtwerk des malers ein gemälde die folge des vorhergehenden ist und inhaltlich das nächste vorbereitet die malerei im gesamtzusammenhang also ein ununterbrochener entwicklungsprozess ist so fügt im einzelnen bild eine farbschicht der bereits bestehenden in einem ununterbrochenen arbeitsprozess eine neue dimension hinzu verändert und verwandelt den grund enthüllt was vorher nicht sichtbar war obwohl sie sich doch darüber legt eine komplexe vielschichtige bildwelt entsteht und leitet den blick ins innere in die tiefe schichten treten in den dialog miteinander tomaschoff verwendet im wesentlichen transparente oder semi-transparente farben nach dem auftragen der schichten werden sie regelrecht attackiert aufgebautes wird abgetragen aufgeraut zerstört verwundet ­ ohne dass das bild dadurch vernichtet würde im gegenteil die radikale bearbeitung der bildoberfläche enthüllt eröffnet schafft neue welten nur was man in die leinwand hinein gibt so das credo des künstlers bekomme man auch aus ihr heraus und dennoch sei seine arbeit so tomaschoff wie eine reise auf dem drahtseil jeder weitere pinselstrich jede weitere farbschicht jedes abkratzen oder schaben birgt die gefahr in sich das bildergebnis auf eine weise zu verändern die vor dem künstler keinen bestand hat ein werkstoff der von tomaschoff während des malens nicht bewusst eingesetzt werden kann ist das licht licht ist ein wesentlicher faktor in der betrachtung und in dem erleben der bilder von tomaschoff ein zunächst banaler gedanke ist licht doch schlechthin unerlässlich um überhaupt sehen zu können doch ­ und dies mag den transparenten farben geschuldet sein die der maler verwendet ­ greift licht hier wesentlich in die bildgestaltung ein je nach qualität intensität und temperatur verändert es das gemälde lässt vorher ungesehenes aufscheinen produziert unerwartetes und ungeplantes das selbst für den künstler neu ist 8

[close]

p. 9

the surface of the canvas a laboratory tomaschoff regards the surface of his paintings as a laboratory where analysis and experimentation take place this is where academic rules are broken and new ones are formulated the technical preparation of the canvas is an important step toward accomplishing effects of complexity and concentration in the artistic results a blend of classical and innovative materials forms the base coat which rather than transforming the canvas into a stronghold against color guarantees the paint`s funneling and sponging up following the grounding phase tomaschoff begins to apply layer upon layer of paint on the canvas perpetual beginning as one of his paintings is entitled as in a close-knit painterly oeuvre each painting results from the previous one and paves the way for the next on the whole his painting presents itself as a continuous process of development similarly in the individual painting every layer added provides another dimension to the existing ones in a continuous work process although it is put on top it changes and transforms the ground revealing aspects previously invisible thus giving rise to a complex multi-layered world of images that guides the gaze inward into the depth layers enter into a reciprocal dialogue generally speaking tomaschoff uses transparent or semi transparent colors after applying the layers to the canvas they are literally attacked created elements are removed roughened destroyed wounded yet without damaging the painting itself to the contrary the radical treatment of the canvas reveals opens up and generates new worlds tomaschoff`s credo seems to be you get back as much as you put into the canvas still his work the artist himself attests is a journey on a tightrope every additional brushstroke every new coating and every act of scraping involve the risk of changing the overall result which must withstand the artist`s critical eyes while it cannot be used consciously as a material during the painting process light is an essential factor in the contemplation and experience of tomaschoff s paintings first and foremost it is vital to seeing per se perhaps due to the use of transparent colors however light largely intervenes in the painting composition depending on quality intensity and temperature it transforms the painting revealing invisible elements producing the unexpected and unplanned which are also new to the artist himself 9

[close]

p. 10

zeit erinnerung verborgene geheimnisse ein bild baut sich auf besteht aus einer vielzahl von schichten die einander überlagern Ähnelt damit den geologischen schichten der erde in denen dem der gräbt vergangenheit vergessenes enthüllt und offenbart werden kann erinnerungen gedanken emotionen aus einer kulturellen vergangenheit werden enthüllt und verborgen und wieder enthüllt titel wie vergessen und wieder gefunden aufgebrochen und fußspuren verdeutlichen diese gedanken in der arbeit an der vergangenheit schwingt auch die idee von zeit mit zeit vergeht zeit verrinnt zeit verführt zum vergessen wie soll man zeit ein flüchtiges element manifestieren festhalten einfrieren jeder versuch wird scheitern und dennoch werden immer wieder erneute versuche angestellt tomaschoff stellt als künstler fragen an zeit und erinnerung an zeit und vergessen und bemüht sich um antworten er visualisiert in seinen bildern die dichte und das vergehen von zeit in jedem quadratzentimeter eines gemäldes von tomaschoff ist ­ diese gewagte behauptung möchte ich aufstellen ­ die quintessenz des ganzen enthalten in jedem quadratzentimeter steckt die zeit die vergangenheit die erinnerung und das vergessen ein zwischenraum der ungeheuer dicht erfüllt ist bei allen erklärungen und interpretationsansätzen es bleiben geheimnisse die bilder wecken in jedem betrachter den wunsch diesen geheimnissen auf die spur zu kommen und das ist gut so 10

[close]

p. 11

time memory hidden secrets a painting builds itself up it consists of a variety of overlapping layers much like geological strata which can disclose the past forgotten to the digger memories thoughts emotions from a cultural past are unveiled hidden and unveiled once again as exemplified by titles such as forgotten and regained bursting open and footsteps the preoccupation with the past implies the perception of time time goes by trickles away seducing forgetfulness how could one manifest hold onto freeze such a fugitive element every attempt is a-priori doomed to failure yet new attempts are made over and over tomaschoff asks about time and memories about time and the forgotten striving to find answers in his paintings he visualizes the density and transience of time every square centimeter in his paintings contains the quintessence of it all a risky claim to put forward implemented with time the past memory and oblivion a densely filled space between despite all attempts at explanation and interpretation some secrets remain intact the paintings spark the viewer`s desire to discover these secrets that is what makes tomaschoffs art fascinating 11

[close]

p. 12

12

[close]

p. 13

seem ever new Öl auf leinwand /oil on canvas 100 x 160 cm /40 x 64 2011 13

[close]

p. 14

14 all and nothing Öl auf leinwand /oil on canvas 92 x 96 cm /36 x 38 2011

[close]

p. 15

forgotten and regained Öl auf leinwand /oil on canvas 92 x 96 cm /36 x 38 2011 15

[close]

Comments

no comments yet