201510_Octave_V80SE_Stereo

 

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Testbericht

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Jetzt mit extra-heft 24 Seiten Analog 10/2015 Oktober www.stereo.de 6,50 E Österreich 7,15 E • Schweiz 11,80 sfr • Niederlande 8,20 E Belgien 7,60 E • Luxemburg 7,60 E • Italien 8,45 E Spanien 8,45 E • Griechenland 9,75 E • Slowakei 8,45 E 4 190137 406502 10 MAGAZIN FÜR HIFI • HIGH END • MUSIK Neuheiten im EXklusiv-Test •C  antons Flaggschiff Neue Superbox Reference1K S.16 •E  del-Röhre von Octave Perfekte Performance S.46 • Marantz 14er-Serie Update für Bestseller S.24 Comeback einer Kultmarke Von Einfach bis Luxus • Perreaux‘ Der Hype ums Masterband Jubiläums-Amp Feine Technik für mehr Hörspaß S.64 Jetzt mit Vinyl starten? •B  oxenknüller von DALI Top-Klang für 1400 Euro S.54 •S  oundkick für jeden Computer Digitale Sensation für 50 Euro S.82 Nur IN STEREO S.27 DIE BESTEN HiFi-GERÄTE DES JAHRES

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H I F I E X K L U S I V V O L LV E R S TÄ R K E R Der Profi Röhrenverstärker klingen soft, haben ᾽nen Schlabberbass, kommen nur mit ausgewählten Lautsprechern zurecht und verbringen die meiste Zeit in der Werkstatt? Es geht auch anders – kommen Sie einfach mal mit ... W er oder was hat mich denn da wieder geritten? Bei mehr als 30° Celsius den Raum freiwillig weiter aufzuheizen, indem ich einen Verstärker mit einer ganzen Armada kochender Röhren im Hörraum anschließe? Man kann bei der Auswahl der Testprodukte einfach nicht vorsichtig genug sein – nächstes Mal werde ich den kalendarischen Kontext und die aktuellen Wetterprognosen verstärkt in meine Planungen mit einbeziehen. Angst vor unangenehmen Überraschungen hat wohl auch so mancher, der sich gedanklich mit Röhrengeräten befasst. Zu oft hat man von diesen Mimosen gehört, die schon beim scharfen Angucken Dinge tun, für die sie qua Entwicklung nicht vorgesehen waren: häufig kaputt, mit kostspielig zu ersetzenden Röhren und aufwendigem Abgleich derselben, schlechter Ersatzteilversorgung, wochenlangen Reparaturzeiten und zu guter Letzt dann auch noch einer sehr eingeschränkten Lautsprecherauswahl. Doch in Karlsbad bei Octave geht man anders an das Thema heran, hier braucht man nicht zu fürchten, mit gängigen Röhrenverstärkerkonzepten in einen Topf geschmissen zu werden. Anders als andere Spricht man mit Andreas Hofmann, Inhaber, Kopf, Herz und Seele von Octave, wird schnell klar, warum. Der Badener entwickelt und fertigt so eigenständig wie die allerwenigsten in dieser Branche. Fangen wir an bei den hausgemachten Transformatoren und den magnetisch geschirmten Übertragern mit Spezialblechen im sogenannten PMZ-Schnitt, deren Material aus Europa kommt und die nur schwer herzustellen sind. Sie bilden das Bindeglied zwischen Verstärker und Lautsprecher in der Gegenkopplungsschleife und sind von daher extrem wichtig, da klangentscheidend. Wer sich wundert, dass es keine separaten Abgriffe für 4-, 6-, oder 8-Ohm-Boxen gibt, dem entgegnet Hofmann, dass diese schlecht für den Phasen- und Frequenzgang sind, somit Raumabbildung und Tonalität negativ beeinflussen. Da man bei Octave bereits seit 1968 eigene Übertrager baut, verfügt man über einzigartige Erfahrungen auf diesem Gebiet. Durch eine optimierte Wickeltechnik ist der Wirkungsgrad hier deutlich höher als üblich. Bedingt durch den einheitlichen Abgriff vermindert sich die Leistung des V80 an niedrigen Impedanzen, was sich in der Praxis jedoch als unkritisch erwiesen hat. Die Güte der Übertrager belegt auch die Breitbandigkeit, der Frequenzgang reicht bis über 60 Kilohertz. Damit die Freude am Gerät 46 STEREO 10/2015

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lange ungetrübt bleibt, auch wenn es versehentlich mal unsachgemäß behandelt wird, verfügt der 80er über umfangreiche Schutzschaltungen, die ihn vor Überspannung, Blitzschlag, Überströmen und Kurzschlüssen bewahren. Eine Zerstörung der Übertrager ist so gut wie ausgeschlossen, auch im Betrieb ohne Last. Ein umfangreiches, röhrenschonendes Powermanagement gehört ins Paket genauso wie eine Schaltung, die die selektierten Röhren nicht bis ans Limit fährt – was die Lebensdauer nochmals nach oben erweitert. Die ovalen Leistungsröhren haben in den letzten Jahren bei Glühkolbenfans für einige Furore gesorgt. Auch andere Hersteller bauen die KT 150 genannten Wunderwerke gern in vorhandene Verstärkerschaltungen ein. Das funkti- oniert, bringt aber klanglich kaum etwas, lässt sich jedoch prima mit ordentlichem Aufpreis an den Kunden bringen. Hofmann hat Nägel mit Köpfen gemacht und den alten V80 komplett auf die neuen Möglichkeiten angepasst – mit durchschlagendem Erfolg, wie wir sehr bald im Hörraum in Erfahrung bringen konnten. Nach einer kurzen, aber beeindruckenden Aufwärmrunde ging es erstmal ins Labor, wo gute, aber keinesfalls überragende Ergebnisse ermittelt 10/2015 STEREO 47

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H I F I E X K L U S I V V O L LV E R S TÄ R K E R wurden. Insbesondere die Übersprechdämpfung bei zehnKilohertz – eher unerwartet – und der Dämpfungsfaktor – erwartungsgemäß – waren nicht dazu angetan, einen alten Fuchs wie Laborleiter Uli Apel vom Hocker zu reißen. Allerdings war auch ihm aufgefallen, dass an der großen Canton Reference 1K von eingeschränkter Räumlichkeit oder einem unkontrollierten Bass so gut wie nichts zu hören war, was immer wieder ein gern beobachtetes Phänomen bei guten Röhren-Amps ist – den gängigen Vorurteilen zum Trotz. Unsere Ungeduld wuchs, und alsbald stand der V80 wieder im Hörraum. Nach kurzer Zeit fragte man sich, wer hier wen quält – der Lautsprecher (Canton) den Amp oder eher umgekehrt? Letztlich ging das Rennen dank schier unbegrenzter Dynamikreserven zugunsten der Box aus dem Taunus aus, doch die beiden bildeten ein kongeniales Team. Der Octave machte alles, was man von einem richtig guten Verstärker für knapp 10.000 Euro erwarten kann. Auch seine MC-Phonosektion war so gut, dass es mühelos gelang, Differenzen in Qualität und Charakter zwischen verschiedenen Laufwerk/Arm/System-Kombinationen herauszuhören. Prima Laune machte der Pro-Ject Perspex mit Ortofon MC30. Der scheint nie in die Jahre zu kommen, macht einfach einen richtig guten Job für noch leistbares Geld. Feinheiten beim Bluesbarden Doug MacLeod wurden auf dem berühmten Silbertablett serviert, Marla Glens fetter Basslauf in „Cost Of Freedom“ den meisten Röhren-Amps, kamen mit Anmut, detailreich, nuanciert und schlicht glaubwürdig aus den Boxen, wobei sich der Charakter auch bei hohen Pegeln bis kurz vor der Leistungsgrenze kaum änderte – ein sicheres Indiz dafür, dass da jemand seine Hausaufgaben gemacht hat. Ich persönlich gehöre nicht unbedingt zu den akustischen Erbsenzählern. Wenn mich eine Kette begeistert, zeigt sich das innerhalb kürzester Zeit an wohligen Schauern, im Volksmund gern auch Gänsehaut genannt, die mir über den ganzen Körper laufen. p Oben wählt man, ob nur Kopfhörer, Lautsprecher oder beides spielen soll, unten spart man Strom. Von Erbsen und Gänsehäuten Hier kam beides zusammen. Eine Flut an Details, feinste Ein- und Ausschwingvorgänge, Spiellust, alles da. Ja, ein dicker Transistor macht eventuell bei sehr hohen Pegeln noch eine Winzigkeit mehr Qualm, aber sonst – einpacken, mitnehmen. p Massive Lautsprecherklemmen umgeben den Kopfhöreranschluss, der sich dort versteckt. schien sich im vom Amp angelegten elektrischen Schraubstock sauwohl zu fühlen. Kraft, Fundament, Präzision und Swing – so arbeitet der Redakteur gern. Stimmen, gern etwas süßlich dargeboten bei Großes Ei : Die selektierte Leistungsröhre KT 150 findet im V80SE optimierte Arbeitsbedingungen vor und kann so ihre Qualitäten zur Gänze entfalten. u t Die Super Black Box mit zwölf hochwertigsten Kondensatoren mit jeweils 6000 µF hilft umso mehr, je niederohmiger der Lautsprecher ist. Die Zuleitung ist 90 cm lang. 48 STEREO 10/2015

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Aber halt, da haben wir doch noch was. Hatten wir nicht noch irgendwo eine Kiste rumstehen, sowas eher kleines? Stimmt, nennt sich SBB – Kürzel für „Super Black Box“, kostet deutlich über 2000 Euro, ist optional erhältlich und soll was? Ach kommt, Leute, verkauft mir kein gebratenes Eis. So, wie der Amp hier solo aufgetreten ist, macht er mit den Jungs aus der Oberliga im selben Sandkasten rum – also ist᾽s doch gut. Die Extra-Taler für die Extra-Kiste nutzen doch nur den Umsatzzahlen des Herstellers und des Händlers, aber da hat der Kunde doch nix von ... Was? Wir sollen es doch wenigstens mal ausprobieren. An welcher Box? Egal? Ok, dann machen wir das halt auch noch. Erst ins Labor, mal sehen, ob sich messtechnisch was tut: Ja, an vier Ohm Last gemessen gibt᾽s ein paar Watt mehr Leistung, an acht Ohm tut sich nix. Nun denn, werfen wir das Set nochmal an die Canton. Erst wieder ohne Nachbrenner – prima, alles schön, was soll da schon noch groß kommen? zwanzigmal so teuer wie gute Standardware. OCTAVE V80SE (SBB) Einmal von allem, bitte Dann war es so weit, wir kosteten vom gebratenen Eis – und erfuhren Dinge über musikalische Zusammenhänge, deren Fehlen uns nicht im Ansatz bewusst war. War zuvor klargeworden, dass die neue Canton mit Sicherheit der beste Lautsprecher ist, der jemals den Taunus verlassen hat, zeigte dieser nun zusätzliche Qualitäten. Die Abbildung jeglichen Bühnengeschehens geriet weiträumiger, gleichzeitig stabiler, es traten feinste Details zutage, die den Zugang zur Musik erleichterten. Und der Bass weichte nun auch bei länger andauernden, harten Attacken – selbst bei groben Provokationen der Nachbarschaft beziehungsweise der Kollegen in ihren Büros – nicht mehr auf. Hatten wir vorher zuweilen noch im Hinterkopf, dass eine zusätzliche Endstufe, deren Anschluss der V80 ermöglicht, ja in Extremsituationen doch eine Option sein könnte, so war das spätestens vom Tisch, als die Super Black Box belegte, dass sie alles andere als schwarze Magie ist. Die Performance, also das Gesamtergebnis, war so deutlich besser als zuvor, dass sich der Octave nunmehr problemlos mit den Referenzen unter den Vollverstärkern messen konnte. Berücksichtigt man die Fertigungstiefe und Qualität, ist der Preis absolut fair. Michael Lang t Der dicht gedrängte, gleichwohl sehr saubere Innenaufbau des V80SE, hier ohne Röhren. ab € 9250, Phono-MC € 590, SBB € 2500 Maße: 46,5x16x46 cm (BxHxT) Garantie: 3 Jahre (bei Registrierung) Kontakt: Octave HiFi, Tel.: 07248/3278 www.octave.de Schon die Standardversion sorgt für glückliche Stunden, mit SBB eine echte Bank. Gute MC-Option. MESSERGEBNISSE * VooDoo-Kiste? Keinesfalls! Nein, ich möchte es Ihnen eigentlich gar nicht sagen, liebe Leser, aber wenn Sie sich auf dieses Spiel einlassen, gibt es vermutlich bei neun von zehn Lautsprechern keine Rettung, Sie werden diesem kleinen schwarzen Kasten nicht widerstehen können. Warum? Also: Klangentscheidend dürfte die Qualität der Elkos sein, wenn man Andreas Hofmann Glauben schenken darf. Die von ihm eingesetzten Typen sind ungefähr Dauerleistung an 8 | 4 Ohm 68 | 35/46 Watt pro Kanal Impulsleistung an 4 Ohm Schutzschalt. Watt pro Kanal Klirrfaktor bei 50 mW | 5 Watt | Pmax -1 dB Intermodulation bei 50 mW | 5 Watt | Pmax -1 dB 0,03 | 0,2 | 0,9 % 0,01 | 0,3 | 0,6 % 71 | 87 dB 72 dB 37 dB 2 60 kHz praxisgerecht 86 dB Rauschabstand CD bei 50 mW | 5 Watt Rauschabstand Phono MC 0,5mV, 10 Ohm Kanaltrennung bei 10 kHz Dämpfungsfaktor bei 4 Ohm Obere Grenzfrequenz (-3 dB, 4 Ω) Anschlusswerte Übersprechen Tuner/CD (10 kHz/5 kOhm) Leistungsaufnahme Aus | Standby | Leerlauf Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis -60 dB 0,3 dB 0 | 2/ 193 Watt LABOR-KOMMENTAR: Gute Messdaten in sämtlichen relevanten Punkten. Eher röhrenunypisch sind die zumindest im normalen Leistungsbereich sehr niedrigen Verzerrungen. Netzphase am Testgerät AUSSTATTUNG Vier Hochpegeleingänge, davon einer in XLR, Fernbedienung, Tape-Output, Kopfhörerausgang, Pre-Out, Phono-MC-Option, Bias-Einstellung, Netzteiloption, Ecomode-Schalter, deutsche Anleitung KLANG-NIVEAU KLANG-NIVEAU mit SSB 96% 100% SEHR GUT * Zusätzliche Messwerte und Diagramme für Abonnenten unter www.stereo.de 10/2015 STEREO 49

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