kultur!gut!schützen!

 

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Sicherheit und Katastrophenschutz für Museen, Archive und Bibliotheken

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kultur!gut!schützen! sicherheit und katastrophenschutz für museen, archive und bibliotheken konferenz nationaler kultureinrichtungen tagung 23. bis 24. oktober 2012 schloss glienicke berlin

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Ein Projekt der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen (KNK) Veranstaltet von der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Mit freundlicher Unterstützung von: Kuhn & Bülow Versicherungsmakler GmbH Ingenieurbüro Axel C. Rahn GmbH – Die Bauphysiker KMS Beratungs- und Planungsgesellschaft mbH inhalt

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Grußwort 4 Vorwort 6 Laudatio Günter S. Hilbert  10 Kleine Häuser – große Sorgen!?  78 Christian Philipsen, Dezentrale Ausstellungskonzepte  79 | Michael John, Technik versus Personal – Kosten, Nutzen, Risiko?  80 | Peter Fasold, Kirchen und kleine Häuser – („Minimal“-)Lösungen für die Sicherheit  85 Kulturgutschutz heute – Kulturgutschutz morgen. Ideen, Projekte, Visionen …  88 Rudolf Gundlach, Kulturgutschutz in Deutschland – Eine Betrachtung der Deutschen Gesellschaft für Kulturgutschutz  89 | Thomas Schuler, Ein BlueShield-Nationalkomitee für Deutschland  92 | Stephan Brunnert, Exponatschutz durch Vernetzung von Museen  97 | Stephan Zilkens, Kunsttransporte auf See – Versicherbares Risiko oder kulturpolitisches Ärgernis?  99 | Regina Fröhlich, Wiederverwendbare Vakuumkissen  101 | Karl-Heinz Hollung, Sicherheitskonzepte für Kunstwerke – ein Planungsansatz  102 | Marianne Landvoigt und Alexandra Jeberien, Die Durchführbarkeit von Risikomanagementsystemen in musealen Sammlungen  104 | Tina Naumovic ´, Notfallplanung in der Bayerischen Schlösserverwaltung – Erfahrungen, aktueller Stand, Ausblick  109 Tagung Kulturgutschutz International  14 Irina Kuznetsova, An Integrated Approach to Museum Security – Experiences of the State Russian Museum, St. Petersburg  15 | Bob Combs, Safety and Security at The Getty  18 | Emile Broersma, The Netherlands  24 | Christiaan Clotworthy, National Gallery of Ireland Refurbishment Project  25 Kulturgutschutz in Deutschland  28 Katrin Schenk, Substanzerhalt für das kulturelle Erbe in Deutschland – eine Standortbestimmung  29 | Cornelia Regin, Funktion und Struktur von Notfallverbünden am Beispiel des Notfallverbundes zum Kulturgutschutz für die Region Hannover  42 | Hans Lochmann, Sicherheitsstandards für Museen – Herausforderungen an die Praxis  47 SiLK-Team 112 Autoren 114 Schloss Glienicke  130 Mitglieder der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen  132 SiLK – SicherheitsLeitfaden Kulturgut. Ein Projekt der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen  53 Workshops: Wer macht ‚Kulturgutschutz‘ und wie?  56 Marco Schmöller und Per Pedersen, Ausstellungsplanung – Sicherheitsaspekte für Ausstellungsmacher  57 | Michael John und Cornelia Regin, Wie gründen wir einen Notfallverbund?  59 | Christoph Wenzel und Friederike Waentig, Praktische Anleitung zur Erstellung eines Notfallplans  61 | Tekla Krebs und Almuth Corbach, Grundlagen der Präventiven Konservierung  64 Impressum 134 Ausstellungsevents und Erlebniskultur – Neue Herausforderungen für den Kulturgutschutz!?  66 Hans-Ewald Schneider, Sicherheitsaspekte im Leihverkehr  67 | Hans-Jürgen Harras, Mega-Events in Museen. Wie viele „Unsicherheiten“ bringen Blockbuster in Museen?  70 | Michael Kuhn, Landeshaftungen, Staatshaftungen, kommerzielle Versicherungen und Prämien für Kunstversicherungen  74 2 3

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grußwort

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Der Umgang mit Kulturgut hat sich gewandelt. Erfreulicherweise wird Kulturgut heute zunehmend für Bildungszwecke herangezogen. Damit verbindet sich viel stärker als noch vor einigen Jahren das Ziel, breitere Gesellschaftsschichten für kulturelle Bildungsinhalte zu interessieren. Auf diese Weise wird Kulturgut oft aus einem Nischendasein herausgeholt und rückt stärker in das öffentliche Bewusstsein. Kultursammlungen aller Art, in abwechslungsreichen Formen aufbereitet und dem Publikum dargeboten, erfreuen sich landauf landab wachsenden Interesses. Mit dieser positiven Entwicklung steigen allerdings auch die Herausforderungen in Bezug auf den Schutz des Kulturgutes. Es ist sehr viel einfacher, finanzielle Mittel für eine Ausstellung einzuwerben, oder gar für ein ‚Event‘, bei dem die kulturellen Inhalte bisweilen von kurzfristiger Effekthascherei überlagert werden, als für den Schutz des Kulturgutes und dessen langfristigen Erhalt. Bei einem Event kann man durch spektakuläre Inszenierungen die Aufmerksamkeit des Publikums und der Medien erregen. Bei dem Schutz von Kulturgut ist es genau umgekehrt. Er ist dann erfolgreich, wenn er sich unspektakulär vollzieht, es wenig zu berichten gibt, weil alles in Ordnung ist und die Arbeit von langfristigen Strategien und sachgerechten Handlungsweisen geleitet wird. Das mag ein Hauptgrund dafür sein, warum das Thema Kulturgutschutz bis heute eigentlich immer nur dann in den Vordergrund rückt, wenn es zu Katastrophen kommt wie 2004 in Weimar und 2009 in Köln, woraus sich dann zynischerweise wieder mediale Events inszenieren lassen. Die Konferenz nationaler Kultureinrichtungen (KNK) als Zusammenschluss von 23 national bedeutsamen Kultureinrichtungen in Ostdeutschland hat nach der Brandkatastrophe der Anna Amalia Bibliothek damit begonnen, das Thema Kulturgutschutz systematisch zu behandeln. Finanziert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) entstand das Projekt SiLK mit dem Ziel, ­ einen Sicherheitsleitfaden zum Schutz von Kulturgut zu entwickeln. Der Leitfaden ist nach mehrjähriger Entwicklungszeit inzwischen online kostenfrei verfügbar und stößt auf breites Interesse. Die Erarbeitung des Sicherheitsleitfadens wurde von mehreren Fachtagungen flankiert. Die Ergebnisse der dritten Tagung, die anlässlich des 10-jährigen Bestehens der KNK stattfand, werden in diesem Band vorgelegt. Die Beiträge zeigen die Bandbreite der Themen und die Komplexität der Materie über Fächer- und Ländergrenzen hinaus. Inzwischen ist SiLK zu einem fachlichen Wissenspool geworden, der eine Weiterentwicklung des Projekts nahelegt. Deswegen hat die KNK beschlossen, in der nächsten Projektphase mit SiLK zertifizierbare Standards für den Kulturgutschutz zu erarbeiten. Deren Einführung wäre ein wichtiger Schritt hin zu einem wirksamen und flächendeckenden Kulturgutschutz. Auf diese Weise würde die KNK zudem ein selbstgestecktes Ziel einlösen, ihre Expertise bundesweit fruchtbar zu machen. Allen Beteiligten, vor allem den drei Projektleiterinnen, die SiLK seit vielen Jahren sehr zielstrebig voranbringen, aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BKM, die dieses Projekt als wichtig und förderungswürdig erachten, sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Dr. Thomas Müller-Bahlke Sprecher der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen 4 5

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vorwort

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Die Tagung KULTUR!GUT!SCHÜTZEN! ist nach 2006 in Leipzig und 2009 in Stralsund bereits die dritte internationale Veranstaltung der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen (KNK) zu „Sicherheit und Katastrophenschutz für Museen, Archive und Bibliotheken“. „Kultur gut schützen“ ist ein anspruchsvolles Ziel, welches nur im gemeinsamen Dialog der verschiedensten Fachdisziplinen zu erreichen ist. Diesen Austausch möchten wir durch die KNK-Veranstaltungen fördern, Erfahrungen teilen, Fachwissen vermehren. Der große Teilnehmerkreis und die anregenden Diskussionen während der Tagung verdeutlichen das Interesse und die Wichtigkeit dieses Themas in Fachkreisen. Leider machen Kulturgutschützer immer wieder die Erfahrung, dass das Thema Sicherheit bei den meisten verantwortlichen Stellen und Geldgebern häufig nicht den angemessenen Stellenwert genießt oder nicht ausreichend im täglichen Bewusstsein verankert ist. Prävention ist nicht „sexy“ und sorgt – im Gegensatz zu dramatischen Katastrophen oder aufwändigen Wiederaufbaumaßnahmen – nicht für spektakuläre Schlagzeilen. Trotzdem kostet Prävention Geld, manchmal sogar viel Geld, aber sie kostet wesentlich weniger Geld als der Aufbau oder die Restaurierung nach einer Katastrophe – falls die Werte nicht sogar unwiederbringlich zerstört sind. Ein starkes Argument für Sicherheit ist also auch die Wirtschaftlichkeit und dies ist ein wichtiges Signal an Politik und Fördergeber. Doch Sicherheit ist nicht nur unspektakulär, sie hat auch noch das Problem, nicht sichtbar zu sein. Denn: Erfolg ist, wenn nichts passiert. Wenn die Meldeanlagen eine Brandentwicklung sofort wahrnehmen und das Feuer vor der Ausbreitung gelöscht wird. Wenn das Aufsichtspersonal so gut ausgebildet ist, dass ein versuchter Akt des Vandalismus frühzeitig unterbunden wird. Erfolgreiche Prävention bedeutet, dass „nichts passiert“ und ist daher schwer zu vermarkten und zu vermitteln. Eine Sensibilisierung der Entscheidungsträger für das Thema Sicherheit ist also unerlässlich. Und eine fundierte Wissensbasis hilft, den eigenen Bedarf zu formulieren und zu vertreten. Die Tagung und der vorliegende Band möchten das Wissen mehren und den Erfahrungsaustausch fördern. Das Thema Sicherheit wird dabei in den Gesamtzusammenhang der konservatorischen Aufgaben gerückt und von unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Wir beleuchten dabei die Situation des Kulturgutschutzes in Deutschland und zeigen Beispiele zum Umgang mit Sicherheitsfragen aus anderen Ländern und Kontinenten. Dabei geht es nicht nur um technische und organisatorische Lösungen, sondern auch um strukturelle, wirtschaftliche und politische Maßnahmen. So wurden beispielsweise in Dublin die Ankaufetats der staatlichen Museen zugunsten der baulichen und sicherheitstechnischen Ertüchtigung für längere Zeit eingefroren. In Workshops wurden spezielle Fragen des Kulturgutschutzes interdisziplinär betrachtet und in konkreten Übungen gemeinsam entwickelt. Die zunehmende Eventkultur in Sammlungseinrichtungen ist ein brisantes Thema, insbesondere im Hinblick auf den Schutz der Sammlungen und Gebäude. Die verschiedenen Beiträge dieses Themenblocks beschäftigen sich daher mit der Frage, wie die starken Interessen in Bezug auf Vermarktung und Vermittlung des Kulturerbes mit dessen nachhaltigem Schutz zu vereinbaren sind. Demgegenüber müssen gerade kleinere und dezentral organisierte Einrichtungen zu kreativen und individuellen Schutzmaßnahmen greifen, um die Sammlungen bestmöglich zu bewahren. Da der starke Mann am Eingang nicht mehr ausreichend zur Gewährleistung der Sicherheit ist, müssen neue Strategien, Methoden, Konzepte gefunden und umgesetzt werden. Der abschließende Themenblock steht damit ganz im Zeichen aktueller Trends und visionärer Projekte im Kulturgutschutz. Es wird erneut klar, dass der „human factor“ eine entscheidende Rolle spielt: Kulturgutschutz kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten Verantwortung für die Sicherheit tragen. Ausbildung und stetige Schulung in Form von Übungen sind hierbei ebenso unabdingbar wie eine grundsätzliche Sensibilisierung und das Bewusstsein für die anvertrauten Werte. Beides gelingt besonders effektiv durch Selbsthilfe bzw. gegenseitige Hilfe, indem über Kooperationen und Netzwerke die Kompetenzen und Erfahrungen geteilt werden können. Die Beiträge und Diskussionen haben aber auch gezeigt, dass es einen verstärkten Bedarf an Beratung und darüber hinaus an konkreten und 6 7

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Präsentation des SiLK-Projektes

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definierbaren Standards zur Orientierung gibt. Hier sieht die KNK ein wichtiges Aufgabengebiet und möchte diese Verantwortung auch in der weiteren Fortsetzung der Projekte zu Sicherheit und Katastrophenschutz für Museen, Archive und Bibliotheken wahrnehmen. „Es gibt keine Sicherheit, nur ein größeres oder niedrigeres Risiko.“ (Hans-Jürgen Harras, Staatliche Museen Berlin / Stiftung Preußischer Kulturbesitz) Die vorliegende Publikation soll einen Beitrag dazu leisten, dieses Risiko nachhaltig zu minimieren. Mit dem SicherheitsLeitfaden SiLK bieten wir zudem ein Werkzeug an und wünschen uns, dass dieses vielfältig zum Einsatz kommt und den Stand des Kulturgutschutzes in Deutschland zu verbessern hilft. Wir als „SiLK-Team“ der KNK möchten den gewinnbringenden Dialog fortsetzen und auch weiterhin ein Forum für die Wissensvermittlung und den Austausch im Kulturgutschutz sein. Wir bedanken uns bei den Referenten und Autoren für die interessanten Beiträge und bei den Tagungsteilnehmern für ihr aktives Mitwirken. Ein besonderer Dank gilt unserem Kooperationspartner, der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, für die Gastfreundschaft in den Räumlichkeiten des Schlosses Glienicke. Weiterhin danken wir dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien für die langjährige Förderung unseres Projektes. Michael Kuhn von der Firma Kuhn & Bülow, Axel Rahn, Die Bauphysiker und Wolfgang Fuchs, KMS Beratungs- und Planungsgesellschaft Berlin danken wir für die finanzielle Unterstützung des Tagungsbandes. Alke Dohrmann, Almut Siegel, Katrin Schöne 8 9

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laudatio für günter s. hilbert

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Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass ich heute die Gelegenheit habe, Sie mit jemandem bekannt zu machen, der viele der Grundlagen gelegt hat, auf deren Basis und zu deren Ausbau wir hier heute zusammengekommen sind. Als ich 1995 meinen Dienst bei den Staatlichen Museen Berlin angetreten habe, wurde sein Name noch häufig genannt, obwohl er bereits seit 1988 im wohlverdienten Ruhestand war. Es ist Günter S. Hilbert. Mit seinem Buch „Sammlungsgut in Sicherheit“ hat er ein Grundlagenwerk in der deutschen Museumswelt geschaffen, das nicht nur die Aspekte der Sicherheit behandelt, sondern sich auch mit Themen der Präventiven Konservierung befasst. Günter Hilbert erblickte 1923 das Licht der Welt – im Sinne der Präventiven Konservierung würde man natürlich sagen: Seit 1923 war er dem schädigenden Einfluss des Lichtes der Welt ausgesetzt. Er hat hier in Berlin sein Abitur gemacht und musste dann zum Militärdienst, zur Marine. Dass er dabei im Maschinenraum des Schiffes tätig war, hat sicher Einfluss auf seine weitere Entwicklung gehabt. Nachdem er aus der Kriegsgefangenschaft aus Belgien zurückgekehrt war, belegte er von 1948 bis 1953 an der Technischen Universität in Berlin den Studiengang Maschinenbau. Nach dem Studium war er zunächst als Ingenieur in der Industrie tätig, in Düsseldorf, in Bonn, in Hamburg und ab 1967 in Berlin in den Borsigwerken. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz begann ab 1971 den Technischen Dienst bei den Staatlichen Museen Berlin auch mit Ingenieuren zu verstärken. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es dort nur einige Handwerker, die die wenigen technischen Anlagen in den Museumsgebäuden warteten und betrieben, keine Mitarbeiter im höheren Dienst. Aber der Aufbau der Staatlichen Museen Berlin schritt voran. Günter Hilbert kam da gerade recht und sein persönliches Interesse für Gestaltung und Kunst wird dabei sicher hilfreich gewesen sein. Dabei ist er nicht nur Betrachter von Kunstwerken, sondern malt auch selbst. Ich konn- te mich bereits davon überzeugen, dass die Ergebnisse seiner Malerei durchaus sehenswert sind. Günter Hilbert war in seiner Funktion als Leiter des Technischen Dienstes sehr aktiv, auch über die Grenzen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Deutschlands hinaus. Er hatte eine rege Beratungstätigkeit für Museen zu leisten. So war er im amtlichen Auftrag unter anderem in Finnland, Algerien und Peru unterstützend bei Museumsprojekten tätig. In dieser Zeit schrieb er diverse Aufsätze über Sicherheitsthemen in Museen, die als Vorläufer eines Buches anzusehen sind, das zunächst in der ersten Ausgabe in zwei Bänden erschien: „Sammlungsgut in Sicherheit“. Der erste Band von 1981 befasste sich mit Brand- und Diebstahl- / Einbruchschutz, der im Folgejahr 1982 erschienene zweite Band war dem Lichtschutz und der Klimatisierung gewidmet. Es wurden jeweils 3.000 Exemplare aufgelegt. Bereits 1996 gab es auf Grund der großen Nachfrage und der fortschreitenden technischen Entwicklungen eine zweite vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage – jetzt als einbändiges Buch –, das unter der Mitarbeit von Barbara Fischer und Klaus Bleker entstanden war und das neue Erkenntnisse und Entwicklungen berücksichtigte und Museumsleute aus beiden Teilen Deutschlands vereinte. 2002 schließlich kam die dritte, wiederum vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage heraus, die noch weitere Kapitel aus dem Bereich der Präventiven Konservierung aufnahm. Dies waren die Kapitel Schadstoffprävention, Schädlingsbekämpfung und Gefahrenmanagement. Die einzelnen Kapitel beschreiben sowohl die historische Entwicklung des Fachgebietes wie auch die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen, um daraus schlussfolgernd Empfehlungen zur Umsetzung in der Museumspraxis zu geben. Das Buch erweist sich damit als wahres Kompendium und steht deshalb völlig zu Recht heute als Grundlagenwerk in fast jeder Museumsbibliothek. Für sein enormes Engagement in Fragen der Museumssicherheit, der Museumstechnik und für seine umfangreiche beratende Tätigkeit 10 11

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Abb. 1: Günter S. Hilbert während der Laudatio von Hans-Jürgen Harras Abb. 2: Hans-Jürgen Harras gratuliert Günter S. Hilbert erhielt er kurz vor seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst bei den Museen 1988 das Bundesverdienstkreuz. Er setzte sich damit aber keineswegs zur Ruhe, sondern widmete sich auch weiterhin der fachlichen Beratung von Museen in Deutschland und verstärkte sein Engagement im International Committee on Museum Security (ICMS) beim International Council of Museums (ICOM). Dort nahm er an zahlreichen Jahrestagungen aktiv teil. Er bemühte sich rege, die deutsche Beteiligung in diesem wichtigen internationalen Komitee zu verstärken und warb bei den deutschen Museen und ihren Direktoren und Generaldirektoren um die Entsendung der Sicherheitsverantwortlichen. Er warb Zuschussmittel ein, um für Einige die Reisen zu ermöglichen. Vielen ebnete er so den Weg zum ICMS, und es ist auch ihm zu verdanken, dass es heute eine starke „deutsche Sektion“ im ICMS gibt und auch deutsche Mitglieder aktiv im Vorstand mitarbeiten. 1997 holte er die Jahrestagung des ICMS nach Berlin und führte sehr stringent zusammen mit Herrn Burmeister vom Deutschen Historischen Museum das Vorbereitungskomitee. Es wurde eine großartige Veranstaltung, an der so viele Mitglieder des ICMS teilnahmen wie schon lange nicht mehr. Günter Hilbert konnte sehr nachdrücklich werden, wenn andere Verantwortliche im Vorstand des ICMS seine Anfragen und Briefe lange unbeantwortet ließen. Ein besonders schönes Exemplar einer seiner drängenden Nachfragen an den damaligen Sekretär des ICMS, David Liston, ist mir vor kurzem in die Hände gefallen und ich möchte Ihnen dieses nicht vorenthalten. Ein einfaches Ankreuz-Formular mit einer Evaluationszeile als „Hilfsmittel für sehr beschäftigte Sekretäre“, das er sicher mit spitzbübischem Lippenspitzen über den Atlantik nach Amerika faxte. Er beließ es nicht dabei. Nun hatte es ihm die Mehrsprachigkeit im ICMS angetan. Um sicherzustellen, dass bei der Verwendung von Begriffen in den verschiedenen Sprachen Deutsch, Englisch, Franzö-

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sisch, Italienisch und Spanisch wirklich begrifflich das Gleiche gemeint war, wurde unter seiner Federführung ein fünfsprachiges „Vocabulary of Museum Security Terms“ als Buch erarbeitet. Dazu wurden mit Muttersprachlern aus diesen Ländern die darin enthaltenen etwa 500 Begriffe ausführlich über mehrere Tage im Institut für Museumsforschung in Berlin diskutiert. Zur Generalversammlung des ICOM 2001 in Barcelona war es fertig und gedruckt. Günter Hilbert kümmerte sich am Ende noch darum, dass 2.000 Exemplare nach Barcelona versendet werden konnten, um dort verteilt zu werden. Auch als sich im ICMS später eine neue Arbeitsgruppe gründete, die dieses Vocabulary um weitere neuere Begriffe ergänzte, es bis auf derzeit 14 Sprachen erweiterte und es im Internet online stellte, war er wieder mit von der Partie und brachte seine wertvollen Erfahrungen mit ein. Obwohl es nicht zu seinem Fachgebiet gehörte, kümmerte er sich zusammen mit Prof. Klaus Goldmann vom Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin auch um die Rückführung kriegsbedingt verbrachter Beutekunst, besonders aus dem amerikanischen Raum. Der Sicherheitsleitfaden der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen (KNK), SiLK, orientiert sich an dem Werk von Günter Hilbert. Einige der SiLK-Fachautoren haben bereits an dem Buch „Sammlungsgut in Sicherheit“ mitgearbeitet, so zum Beispiel Prof. Dr. Paul Schmits beim Thema Licht und Prof. Dr. Wibke Unger bei den Schädlingen. Wenn wir heute hier zusammenkommen und uns über Sicherheitsfragen verständigen, wenn wir heute online auf den Sicherheitsleitfaden der KNK zugreifen können, dann passiert das zum großen Teil aufbauend auf den Leistungen von Günter Hilbert. Lieber Günter, der Boden, den Du bestellt hast, der ist fruchtbar geworden, und die Saat, die Du gesät hast, ist aufgegangen. Dafür und für alle Deine großartigen Leistungen zum Schutz des Kultur- und Sammlungsgutes gebührt Dir ein ganz herzlicher Dank und ein großer Applaus. Hans-Jürgen Harras 12 13

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block 1 kulturgutschutz international

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An Integrated Approach to Museum Security – Experiences of the State Russian Museum, St. Petersburg Irina Kuznetsova A contemporary museum is multifunctional: in addition to the main function of recharge and storage of the collection, cultural, educational, and social scientific research is carried out. Furthermore there exists an accumulation and preservation of social information, the transfer of knowledge and traditions, ideas and emotions with the objects stored in a museum – that is the main task for the museum community. The federal law “On the Museum Fund of the Russian Federation and Museums in the Russian Federation” (1996) defines a museum as “a non-profit cultural institution created by the owner for storage, research and public presentation of museum objects and collections.” This is the internationally used definition given by the International Council of Museums (ICOM). The exhibition is the most authentic “language” in the world. According to the international Art Loss Register, which lists more than 100,000 properties in search, about 10,000 items are lost every year. Despite the fact that Russia has one of the largest art collections, the protection of art heritage is a current problem. Problems of securing collections have always been the key in the activities of cultural institutions, and now have acquired utmost importance to them. The main task in terms of increased criminal risk and con­ stantly growing demands for the rarest works of art is to maintain and protect the collections against the various factors that contribute to damage or unrecoverable loss. Practical experience in museums has shown no examples, that the insurance of collections is included in the museum’s general concept of security. Insurance of public collections is carried out only when special exhibitions are organized. When exporting art treasures abroad, the following questions are important for clearance: • problems for moving the cultural property across the customs border of the Russian Federation, the activities law enforcement officers in the suppression of the illegal export of cultural values of the Russian Federation; • issues of insurance of import and export of art objects; • issues related to ensuring immunity guarantees of cultural values, temporarily exported outside the Russian Federation and beyond its territory through organized exhibitions, from claims of third parties; • ethics of museums and the return of cultural property; • features of the export of philatelic materials; • the issues of export of works of modern art; • questions of peer review on works of art; • features of the examination of cultural property to address the issue of the possibility of their removal; • the impact of export-import issues on cultural property on the development of tourism in the regions of Russia; • art market and tourism.  nsurance of works of art is possible, after conducting complex proceI dures that meet the requirements of the insurance and financial market. The complex consists of three successive stages: 1)  The technological expertise of works of art. 14 15

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