Landkreis Görlitz, Chronik der Naturschutzarbeit (Band II)

 

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Naturschutzarbeit im Niederschlesischen Oberlausitzkreis

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Im Dienste des Artenschutzes Chronik der Naturschutzarbeit Band II Naturschutzarbeit im Niederschlesischen Oberlausitzkreis Chronik der Naturschutzarbeit – Band II

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Diese Broschüre ist Bestandteil des Umweltbildungsprojektes „Im Dienste des Artenschutzes – Naturschutzarbeit in den Altkreisen Löbau, Zittau, Weißwasser und Niesky mit Stadt Görlitz“. Im Rahmen des Projektes entsteht eine Chronik des Natur- und Artenschutzes aus vorhandenen Unterlagen der ehemaligen Landkreise des bestehenden Landkreises Görlitz in zwei Bänden. Band I: Löbau-Zittau Band II: Niederschlesischer Oberlausitzkreis Mit dieser Publikation möchten wir auf das Projekt „Uhu, Bergmolch, Arnika und Co – geschützte Tier- und Im Rahmen des Projektes werden verschiedene Umweltbildungsbausteine als ständig nutzbare Angebote für de Anliegen ist es, Anwohner und Touristen über geschützte Tier- und Pflanzenarten zu informieren und für die N Projektpartner: Umweltbildungsbausteine: Landkreis Görlitz (Projektträger) • Umweltpuppentheater (Zielgruppe 3-10 Jahre) www.kreis-gr.de • Entwicklung eines Geländequiz als Bestandteil eines Naturparkgartens • Exkursionen und Vorträge • Herausgabe eines regional bezogenen Umweltbildungsmaterials (Kartenspiel) Naturschutzzentrum „Zittauer Gebirge“ In Zusammenarbeit gemeinnützige GmbH mit: Naturschutzzentrum „Zittauer Gebirge“ Goethestr. 8 | 02763 Zittau gemeinnützige GmbH Tel.: 03583/512512 | Fax.: 03583/586124 www.naturschutzzentrum-zittau.de www.naturschutzzentrum-zittau.de in Kooperation mit: Naturparkhaus Zittauer Gebirge Hauptstraße 28 | OT Waltersdorf 02779 Großschönau Tel.: 035841/2146 E-Mail: naturparkhaus@grossschoenau.d uer Gebirge Zitta Gefördert durch: Dieses Angebot wird im Rahmen des „Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2007-2013“ unter Beteiligung der Europäischen Union und dem Freistaat Sachsen, vertreten durch das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, durchgeführt. Europäische Union Europäischer Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums: Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete www.eler.sachsen.de Naturschutzzentr um

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Kontakt Landratsamt Görlitz Untere Naturschutzbehörde Außenstelle Görlitz Georgewitzer Straße 52 02708 Löbau Tel.: 8 35 81 / 6 63-31 06 www.kreis-gr.de enarten im Naturpark „Zittauer Gebirge“ aufmerksam machen. Naturschutzzentrum Zittauer Gebirge park „Zittauer Gebirge“ entwickelt. gemeinnützige GmbH igkeit des Schutzes dieser Arten sowie ihrer Lebensräume zu sensibilisieren. Geschäftsführer: Hans-Gert Herberg Goethestraße 8 02763 Zittau Tel: 0 35 83 / 51 25 12 koordinierung@nsz-zittau.de www.naturschutzzentrum-zittau.de Gemeinde Großschönau Hauptstraße 54 | 02779 Großschönau www.grossschoenau.de Impressum Herausgeber: Landkreis Görlitz Bearbeitung: Naturschutzzentrum „Zittauer Gebirge“ gemeinnützige GmbH Silke Hentschel, Ruth Neumann Projektkoordination: Eberhard Schulze, Sabine Richter Landkreis Görlitz, Untere Naturschutzbehörde Titelfoto: Gestaltung/ Druck: Grafische Werkstätten Zittau GmbH www.gwz.io Auflage 2015: 500 Exemplare

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Anfänge des Naturschutzes bis      1945  Im Dienste des Artenschutzes Chronik der Naturschutzarbeit Band II Naturschutzarbeit im Niederschlesischen Oberlausitzkreis Herausgeber Landkreis Görlitz 2015 1

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10 Z u h au s e i m L an d k re i s G ö r l i t z Der Landkreis Görlitz mit seinen Gemeinden, seine Vorgänger und deren Wappen (Karte: G. Oettel) Schleife Trebendorf Krauschwitz Groß Düben Bad Muskau Gablenz Kreis Weißwasser La us it z er Ne Bad Muskau iß e WeißBeiersdorf wasser/O.L. Sp re e Weißkeißel Bernstadt a. d. Eigen Bertsdorf-Hörnitz Boxberg/ O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Boxberg/O.L. Niederhöps Gablenz er Sc Weiß Görlitz schlesischer Rietschen Groß Düben OberlauHähnichen Großschönau sitzkreis RothenKrebaGroßschweidnitz burg/O.L. Neudorf Hähnichen Hainewalde Herrnhuth Niesky Mücka Horka Hohendubrau Quitzdorf Horka am See Jonsdorf Neißeaue Kodersdorf HohenWaldhufen Kreis Niesky Königshain dubrau Kodersdorf Kottmar Krauschwitz Vierkirchen Kreba-Neudorf Schöpstal KönigsLawalde hain Leutersdorf Reichenbach/O.L. Löbau Markersdorf Mittelherwigsdorf Görlitz Görlitz-Land Mücka Löbau Markersdorf Neißeaue RosenLawalde Neusalza-Spremberg Beiersdorf z bach ßnit Niesky Plie SchönGroßOppach Schönaubach schweidnitz Oderwitz Bernstadt a.d.E. Berzdorf Dürra.d.E. Olbersdorf hennersdorf Oppach NeusalzaStadt Görlitz Ostritz Spremberg Oybin Ostritz Ebersbach- Kottmar Herrnhut Quitzdorf am See Neugersdorf Reichenbach / O.L. Oderwitz Rietschen u Leutersnda Rosenbach Ma Mitteldorf Rothenburg / O.L. herwigsLöbau-Zittau SeifHainedorf Schleife hennerswalde dorf Schönau-Berzdorf a. d. Eigen Zittau BertsdorfSchönbach Hörnitz Olbers© Kartengrundlage: Gebietsabgrenzung GroßSchöpstal Landratsamt Görlitz (Gebietsstand 31.12.2014) dorf schönau Seifhennersdorf Trebendorf us Kreis Zittau Jonsdorf itz er Vierkirchen Nei Oybin ße Waldhufen Weißwasser Weißkeißel Niederschlesischer ⇒ Niesky Weißwasser / O.L. Oberlausitzkreis Görlitz-Land Zittau hw Sc er ar z Sc ps hö Stadt Görlitz Löbau Zittau Sp e re La ⇒ Stadt Görlitz ⇒ Landkreis Görlitz ⇒ Kreis Löbau-Zittau 2

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Anfänge des Naturschutzes bis      1945  Inhalt Grußwort des Landrates ............................................................................ 5 Der Niederschlesische Oberlausitzkreis......................................................... 6 Einleitung. . .............................................................................................. 7 Anfänge des Naturschutzes bis 1945 . . .......................................................... 8 Der schwere Anfang nach 1945................................................................... 24 Naturschutzarbeit 1949–1989. . .................................................................... 26 Naturschutzarbeit nach 1989...................................................................... 96 Umweltbildung im Wandel der Zeit.............................................................. 166 Umweltbildung heute. . .............................................................................. 186 Artenschutz und Artenschutzprojekte.......................................................... 188 Naturschutzverbände und -vereine.............................................................. 216 Anhang .................................................................................................. 248 Ehrenamtliche Naturschutzhelfer (Stand 1997) im Niederschlesischen Oberlausitzkreis. . ....................................................... 248 Verzeichnis aller Kreisnaturschutzbeauftragten ab 1949 für das Gebiet des Landkreises Görlitz. . ......................................................... 252 Übersicht Unterschutzstellung von Schutzgebieten in den Landkreisen Weißwasser, Niesky, Stadt Görlitz ...................................... 253 Literaturverzeichnis. . ................................................................................. 257 3

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Anfänge des Naturschutzes bis Grußwort       des Landrates  1945  Liebe Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Görlitz, im Zuge der Sächsischen Gebietsreform 2008 entstand der Landkreis Görlitz aus den Landkreisen Löbau-Zittau, dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis und der damals kreisfreien Stadt Görlitz. Mit der Zusammenlegung ging in den Landkreisen auch ein wichtiges Kapitel der Naturschutzarbeit zu Ende. Strukturen in den zuständigen Ämtern wurden neu geordnet, Aufgaben und Zuständigkeiten neu verteilt. Geblieben sind Akten mit wertvollen Informationen und Dokumentationen, die Grundlage für die Fortsetzung der Naturschutzarbeit sind. Eine Fülle von Naturschutzprojekten wurde insbesondere mit Beginn der 1990er Jahre realisiert, darunter Artenschutzprojekte für Weißstorch und Fischotter, zahlreiche Hecken- und Gehölzpflanzungen, die Renaturierungen von Bachläufen, die Neuanlage und Pflege von Amphibienlaichgewässern und nicht zu vergessen die Pflege von geschützten Wiesenbiotopen mit Orchideen und anderen botanischen Kostbarkeiten. Unzählige Stunden freiwilliger ehrenamtlicher Naturschutzarbeit wurden dabei geleistet. Das soll nicht in Vergessenheit geraten. Nach Herausgabe des ersten Bandes „Im Dienste des Artenschutzes – Naturschutzarbeit im Landkreis Löbau-Zittau“ widmet sich dieser zweite Band nun der Naturschutzarbeit im Gebiet des Niederschlesischen Oberlausitzkreises (NOL) und der kreisfreien Stadt Görlitz. Wir möchten hiermit besonders den zahlreichen ehrenamtlichen Naturschutzhelfern danken und ihr unermüdliches Wirken zum Schutz der einheimischen Flora und Fauna hervorheben. Sie haben durch ihr Engagement und ihre enge Zusammenarbeit mit den Behörden die Naturschutzarbeit in den Landkreisen in erheblichem Maße unterstützt und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Eigenart und Vielfalt unserer Landschaft geleistet. Möge diese Broschüre aus alten Erinnerungen neue Impulse setzen für die Naturschutzarbeit im neu formierten Landkreis Görlitz. Die Naturschutzakteure des Landkreises Görlitz werden in mir immer einen Partner finden, der sich für die Würdigung und den Erhalt des ehrenamtlichen Naturschutzes im Landkreis Görlitz einsetzt und das Ehrenamt sowie die Umsetzung praktischer Naturschutzprojekte im Rahmen der uns gegebenen Möglichkeiten fördert und unterstützt. Ihr Landrat Bernd Lange 5

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Der Niederschlesische Oberlausitzkreis (NOL) entstand im Zuge der Kreisgebiets- und Funktionalreform im Jahre 1994 aus Teilen des ehemaligen Landkreises Görlitz-Land, des Landkreises Niesky sowie des Landkreises Weißwasser. Der im sorbischen Siedlungsgebiet gelegene frühere Kreis Weißwasser war von 1952 bis 1990 eine Verwaltungseinheit im Bezirk Cottbus der DDR. Der Kreis Weißwasser bestand nach der deutschen Wiedervereinigung als Landkreis Weißwasser im Land Sachsen bis zur Kreisreform 1994 weiter. Im Zuge der Kreisreform 1994 wurden einige Orte des damaligen Kreises Görlitz-Land in die Kreisfreie Stadt Görlitz bzw. in den neuen Landkreis Löbau-Zittau eingegliedert. Nach Auflösung des Landkreises Hoyerswerda kam zum 1. Januar 1996 die Gemeinde Uhyst zum Landkreis NOL hinzu. Zum 1. Januar 1998 wurde der Ortsteil Bärwalde der Gemeinde Lohsa (Landkreis Kamenz) in die Gemeinde Boxberg/O.L. eingemeindet. Der neu gebildete Landkreis NOL umfasste eine Fläche von über 1.340 km² mit fünf Städten und 28 Gemeinden (Stand 2008). Mit einer Einwohnerzahl von ca. 93.000 Einwohnern gehörte der Landkreis zu den gering besiedelten Gebieten Deutschlands (ca.  70 EW  /  km²). Der Verwaltungssitz war zunächst die kreisfreie Stadt Görlitz, ab 1996 die Stadt Niesky. Während seines Bestehens war der Niederschlesische Oberlausitzkreis der flächenmäßig größte Landkreis Sachsens sowie der östlichste Landkreis Deutschlands. An das Territorium des Niederschlesischen Oberlausitzkreises grenzten der brandenburgische Spree-Neißekreis im Norden, die Landkreise Bautzen und Kamenz im Westen, der Landkreis Löbau-Zittau im Süden, die Stadt Görlitz im Südosten sowie die polnischen Landkreise Zgorzelec und Żary im Osten. Die reich strukturierte Natur- und Kulturlandschaft des Kreises ist geprägt durch den Lausitzer Grenzwall im Norden, die Muskauer Heide, das Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet, Teile des Oberlausitzer Gefildes und das Gebiet der Königshainer Berge im Süden. Die höchste Erhebung war der Rotstein mit 455 m ü. N. N. Das Neißetal bildete die östliche Abgrenzung. Der hohe Waldanteil von über 42 % im Norden lag weit über dem Bundesdurchschnitt. Im südlichen Kreisgebiet spielten Land- und Teichwirtschaft eine größere Rolle. Für die industrielle und landschaftliche Entwicklung waren die Rohstoffvorkommen prägend, die überwiegend in Tagebauen abgebaut wurden. Dazu gehörte der Abbau von Braunkohle, Sand, Kies, Ton, Lehm, Kaolin, Granit und Torf. Hieraus ergab sich ein großes Konfliktpotential. Zahlreiche Bemühungen um Schutz und Entwicklung von Naturlandschaften wurden während und nach dem Rohstoffabbau unternommen und stellten zugleich eine große Herausforderung für den Landkreis und die im Kreisgebiet wirksamen Naturschutzakteure dar. Durch eine erneute Kreisgebietsreform wurden der Niederschlesische Oberlausitzkreis und der Landkreis Löbau-Zittau 2008 zum Landkreis Görlitz zusammengeschlossen. 6

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Anfänge des Naturschutzes bis      Einleitung  1945  Anlass und Anliegen dieser Broschüre Anliegen dieser Broschürenreihe – bestehend aus zwei Bänden – ist es, nach der Kreisreform und Neuordnung der Strukturen ein Stück Naturschutzgeschichte aus dem Gebiet des Niederschlesischen Oberlausitzkreises, der Kreisfreien Stadt Görlitz und des Landkreises Löbau-Zittau zu dokumentieren. Wichtige Informationen, die eine wertvolle Grundlage für künftige Aktivitäten bilden, sollen dadurch erhalten bleiben – Interessantes, Denkwürdiges, Erinnerungen und Erfahrungen. Dabei greifen wir nicht nur auf Dokumente aus der unmittelbaren Existenzzeit des jeweiligen Landkreises zurück, sondern verfolgen die Geschichte des Naturschutzes für das jeweilige Gebiet soweit uns die vorgefundenen Dokumente einen Einblick in Ereignisse vergangener Zeiten gewähren lassen. Diese Broschüre kann keine vollständige Darstellung aller Projekte und Ereignisse geben. Sie ist vielmehr eine Zusammenstellung wichtiger Daten aus vorhandenen Akten, die im Zuge der sächsischen Kreisgebiets- und Funktionalreform aus den Landkreisen übergeben oder auch vor der Vernichtung im Zuge des Umzugs gerettet wurden. Die Fakten werden bereichert durch Berichte von Zeitzeugen, die ein Stück Naturschutzgeschichte mitgeschrieben haben. Mit dieser Broschüre möchten wir vor allem die Vielfalt der Aktivitäten in den ehemaligen Landkreisen aufzeigen und das Engagement der zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Akteure würdigen. Sie gibt weiterhin wertvolle Hinweise auf vorhandene, größtenteils unveröffentlichte Artikel, Berichte und Schriften, die für die weiterführende Naturschutzarbeit gegenwärtiger und künftiger Naturschutzakteure interessant und wertvoll sein können. Berichte und alte Zeitungsartikel geben an einigen Stellen interessante Hinweise auf die Bestandsentwicklung bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Weiterhin dokumentiert sind ausgewählte Aktivitäten, insbesondere Projekte und Maßnahmen zum Erhalt geschützter Tier- und Pflanzenarten im Niederschlesischen Oberlausitzkreis. Unser Dank gilt an dieser Stelle allen, die uns bei der Zusammenstellung dieser Broschüre behilflich waren und uns als Zeitzeuge für Interviews, mit Hinweisen und alten Unterlagen sowie durch die Bereitstellung von Fotos Unterstützung gaben. Vielen Dank! Naturschutzzentrum „Zittauer Gebirge“ gemeinnützige GmbH 7

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Titelblatt des ersten Bandes der Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz, 1827 Quelle: Bibliothek Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz, aus: Julia Hammerschmidt: 200 Jahre Naturforschende Gesellschaft und Museum für Naturkunde Görlitz, S. 13 8

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Anfänge des Naturschutzes bis      1945  1888 Ernst Rudorff (1840–1916), einer der „Gründerväter“ der deutschen Naturschutzbewegung, prägte den Begriff „Naturschutz“. Die Geschichte des Naturschutzes reicht, wenn der Begriff „Naturschutz“ in weitem Sinne gedacht ist, weiter zurück, als gemeinhin angenommen wird. … Aus dem 13. Jahrhundert sind im Sachsenspiegel des Eike von Repgow Bestimmungen über Bannforste enthalten und Strafen wurden dem Baumfrevler angedroht. Schonzeiten für alle Arten von jagdbaren Tieren und für bestimmte Vogelarten in den Monaten März bis Oktober wurden festgelegt. Die Ursachen für bemerkenswerte Rücksichtnahme auf die Natur zum damaligen Zeitpunkt waren entweder persönliche Gründe einzelner Feudalherren zur Befriedigung ihrer Jagdleidenschaft oder zwingende wirtschaftliche Erfordernisse. Ein Beispiel ist aus dem Jahr 1335 die Züricher Verordnung zum Schutz der Vögel als Insektenvertilger. Den Begriff „Naturdenkmal“ prägte Alexander von Humboldt, der 1819 seine Anwendung auf wertvolle Bäume fand. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der Zeitepoche der Romantiker, gewann das Landschaftsempfinden wieder an Bedeutung. Zum Ausdruck kam das in der Anlage des Muskauer Parkes durch den Fürsten Pückler. Aus dem Jahr 1847 liegen die ersten offiziellen Naturschutzversuche des damaligen Königreichs Sachsen vor. Im 1853 veröffentlichten „Tharandter Forst-Jahrbuch“ erfolgte die Inventarisierung von Bäumen, die sich durch Größe, Schönheit oder Form auszeichneten. Rund 30 Jahre später wurde in Sachsen der vollkommene Schutz aller nicht jagdbaren Vögel angeordnet. Im Jahr 1911 erließ die sächsische Regierung eine Verordnung zum Schutze der Raubvögel und Reiher. Einen wesentlichen Fortschritt bedeutete für Sachsen der Erlass der Pflanzenschutz-Verordnung von 1923. In ihrer revidierten Fassung von 1925 wurden 18 Pflanzen als geschützt aufgeführt, darunter Türkenbund, Märzenbecher, Trollblume, Sumpfporst, Bergwohlverleih. Alle diese geschützten Pflanzen genießen auch heute [1954] noch den Schutz der gesetzlichen Bestimmungen. In einer Ergänzungsverordnung von 1933 wurde der bereits bestehende Schutz des Wohlriechenden Himmelschlüssels auf alle einheimischen Arten Himmelschlüssel ausgedehnt. Einen weiteren großen Schritt vorwärts im Sinne der Erhaltung unserer einheimischen Natur bildete für das Land Sachsen die Veröffentlichung des Gesetzes zum Schutze von Kunst-, Kultur- und Naturdenkmalen vom Jahre 1934. Es befasste sich mit dem Schutz der Naturdenkmale, die erstmalig in einer Denkmalliste einzutragen waren. Es enthielt eine Definition der als Naturdenkmal anzusehenden Objekte, wie erhaltenswerte Gebilde der Bodengestaltung aller Art, Gewässern, Tier- und Pflanzenarten und erdgeschichtliche Aufschlüsse. … Damit wurden der Erhaltung von Landschaftsteilen als Naturschutzgebiete die Wege geebnet. Auszug aus: Erwin Winkler: Aus der Geschichte des Naturschutzes. Heimatkundliche Blätter, Heft 1, 1954. 9

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1551 „Landesordnung gemeiner Stände … das Weidewerk und Fischerey betreffend“ 1597 „Landesordnung … Weydewerk und Fischerey belangende / welche von den Ständen des Markgraffthums Ober Lausitz mit einhelligem Beschluß aus erheblichen ursachen / zum theil vermehret / und auf ihr unterthänigst ansuchen von der Kays. Majest. Den 6. May 1597 Jahres auff new gnedigst confirmiret und bestetiget.“ 1673 „Mandat gegen Raubschützen, Waffentragen der Bauern, Windhunde, Herumlaufenlassen von Hunden, Ausnehmen von Nestern usw.“ 1737 Görlitzer Forst- und Jagd-Ordnung durch Kurfürst Friedrich August II. erlassen. 1740 Schutzbestimmungen für Fischreiher, um die Falkenjagd der Kurfürsten auf sie zu ermöglichen. 1763 Bestimmungen über Ruhen der Jagd auf 1–2 Jahre infolge des hohen Wildverlustes des Siebenjähigen Krieges. – Aussetzen von Fasanen. 1779 Gründung der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften in Görlitz durch den Historiker und Sprachforscher Karl Gottlob Anton, den Rittergutsbesitzer und Naturforscher Adolf Traugott von Gersdorf und weitere Oberlausitzer Gelehrte. Ziel ist die Förderung der Geschichts- und Naturkunde. 1823 erschien in der Zeitschrift „Neues Lausitzisches Magazin“ ein Beitrag über die „Statistische Beschreibung der Görlitzer Haide“. 1819 Den Begriff „Naturdenkmal“ prägte Alexander von Humboldt, der 1819 seine Anwendung auf wertvolle Bäume fand. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der Zeitepoche der Romantiker, gewann das Landschaftsempfinden wieder an Bedeutung. Zum Ausdruck kam das in der Anlage des Muskauer Parkes durch den Fürsten Pückler. (Winkler 1954) 10

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Anfänge des Naturschutzes bis      1945  „Wir, Friedrich Wilhelm IV. von Gottes Gnaden König von Preußen usw., thun und fügen hiermit zu wissen allen Denen, die diese Urkunde lesen oder hören lesen, daß nachdem Wir den im Gebirge von Königshain, Görlitzer Kreises, in Unserem Markgraftum Oberlausitz belegenen, unter dem Namen des Totensteines bekannten und durch mehrere altertümliche Überreste für die Geschichte des Vaterlandes erhaltungswerten Felsen zu Allerhöchst unseren Händen gebracht, Wir nunmehr das Eigentum an diesem Felsen Unseren getreuen Ständen von Land und Städten im Markgraftum Oberlausitz hiermit übereignen und überweisen, mit Unserem Landesväterlichen Willen, daß hierdurch dieses ehrwürdige Denkmal der Vorzeit vor Zerstörung und Beschädigung bewahrt, jedem Frevel unzugänglich, allen Freunden der Natur der Geschichte aber jederzeit zugänglich erhalten, durch diese Schenkung aber Unseren Getreuen Ständen zugleich ein Beweis Unseres gnädigen Wohlwollens veroffenbaret werde. Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Insiegel. Gegeben und geschehen Görlitz, am 1. Juni 1844 gez. Friedrich Wilhelm.“ Durch diese Urkunde wurde das erste Naturdenkmal in der preußischen Oberlausitz geschützt. Archiv der UNB des Landkreises Niesky „Aus der Oberlausitz sind manche Wildarten schon seit langer Zeit verschwunden. Zuerst Auerochs und Wisent, dann der Bär, schließlich Wolf, Luchs, Biber und Wildkatze. Fast zur gleichen Zeit wie der Wolf wurde auch der Luchs ausgerottet. Etwas länger konnte sich die Wildkatze halten, wo sie besonders in den zerklüfteten Königshainer Bergen noch Unterschlupf fand. Der letzte Oberlausitzer Biber wurde 1784 in der Neiße gefangen.“ Der Uhu erlitt starke Verluste infolge der hohen Abschussprämien für Raubvögel, die in den Görlitzer Bestimmungen von 1737 enthalten waren. So wurde berichtet, dass in den gegenden um 1865 nur noch wenige Paare horsteten. Um 1800 verschwand auch der Heide­ Steinadler, der noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts in der Muskauer Heide nicht selten war. Das Auerwild hatte seit jeher seine Standplätze in den einsamen Heidegegenden. Jahrhunderte hindurch war der Wolf sein Freund gewesen. Für das Auerwild gilt, „dass es durch die fortschreitende Unruhe, höhere Einschläge, die Überhandnahme von Dachs, Fuchs und Sauen und auch durch menschliche Nachstellungen gefährdet ist.“ Birkwild gab es in früheren Zeiten nicht häufig. „Es nahm aber zur Zeit der großen Blößen als Folge von Insektenfraß und Stürmen und der Niederwaldmanie nach 1800 zeitweise rapide zu.“ „Der Niedergang setzte sich in neuester Zeit bis zum regionalen Aussterben unerbittlich fort. Der Bestand an „Haselwild ist ebenfalls im letzten Jahrhundert stark rückläufig geworden. In den Heidewäldern ist es um 1790 als Folge der schon damals fortgeschrittenen Uniformierung der Kiefernwälder ausgestorben.“ A. Freiherr von Vietinghoff-Riesch: Der Oberlausitzer Wald – seine Geschichte und seine Struktur bis 1945. Hannover 1961. 11

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Daten aus der Gründungsgeschichte der Ornithologischen Gesellschaft zu Görlitz 1811 Entstehung der Ornithologischen Gesellschaft zu Görlitz auf Initiative von Johann Gottlieb Krezschmar (1785–1869), Tuchkaufmann in Görlitz. Dieser war 1812 ihr Präsident und 1823 Gründungsmitglied der Nachfolge-Vereinigung „Naturforschende Gesellschaft zu Görlitz“. 1820 Das noch heute gültige Motiv des Schwans wird als Wahrzeichen der Ornithologischen Gesellschaft zu Görlitz unter der Präsidentschaft von Ritter Carl Wilhelm Ferdinand von Ferentheil-Gruppenberg eingeführt. 1823 Umbenennung in „Naturforschende Gesellschaft zu Görlitz“ . Künftig will sich die Gesellschaft der „Großen Natur im Allgemeinen“ widmen, nicht mehr nur der Ornithologie. 1827 Erscheinungsjahr des ersten Bandes der Abhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft zu Görlitz, bestehend aus zwei Bänden 1860 Eröffnung des „Museums der Naturforschenden Gesellschaft“ in einem eigenen Gebäude. Dies war der Grundstein für die gezielte Erweiterung und sachgerechte Unterbringung von Sammlungen. Logo der Naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz um 1840 Quelle: Bibliothek Senckenberg, Museum für Naturkunde Görlitz, Julia Hammerschmidt: 200 Jahre Naturforschende Gesellschaft und Museum für Naturkunde Görlitz 12

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