Landkreis Görlitz, Chronik der Naturschutzarbeit (Band I)

 

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Naturschutzarbeit im Landkreis Löbau-Zittau

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Bearbeitung: Naturschutzzentrum„Zittauer Gebirge“ gemeinnützige GmbH Ruth Neumann, Silke Hentschel D Gefördert durch Projektkoordination: Eberhard Schulze Landkreis Görlitz, Untere Naturschutzbehörde Europäischer Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums: Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete www.eler.sachsen.de Europäische Union E Titelfoto: Archiv NABU Ebersbach „Landschaftspflegearbeiten am FND Hänschberg“ Gestaltung und Druck: www.gwz.io Im Dienste des Artenschutzes Graphische Werkstätten Zittau GmbH Im Im Dienste Dienste des des Artenschutzes Artenschutzes Band II I Band Band Auflage 2014: 500 Exemplare Chronik der Naturschutzarbeit Chronik Chronik der der Naturschutzarbeit Naturschutzarbeit Naturschutzarbeit im Landkreis Löbau-Zittau Naturschutzarbeit Naturschutzarbeit im im Landkreis Landkreis Löbau-Zittau Löbau-Zittau Chronik der der Naturschutzarbeit Naturschutzarbeit – – Band BandII Chronik Chronik der Naturschutzarbeit – Band I Herausgeber Landkreis Görlitz 2014

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Diese Broschüre ist Bestandteil des Umweltbildungsprojektes „Im Dienste des Artenschutzes – Naturschutzarbeit in den Altkreisen Löbau, Zittau, Weißwasser, Niesky und Stadt Görlitz“. Im Rahmen des Projektes entsteht eine Chronik des Natur- und Artenschutzes aus vorhandenen Unterlagen der ehemaligen Landkreise des bestehenden Landkreises Görlitz in zwei Bänden. Band 1: Landkreis Löbau-Zittau Band 2: Niederschlesischer Oberlausitzkreis Projektpartner Landkreis Görlitz (Projektträger) www.kreis-gr.de In Zusammenarbeit mit Naturschutzzentrum„Zittauer Gebirge“ gemeinnützige GmbH www.naturschutzzentrum-zittau.de Gefördert durch Dieses Angebot wird im Rahmen des „Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2007-2013“ unter Beteiligung der Europäischen Union und dem Freistaat Sachsen, vertreten durch das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, durchgeführt. Europäische Union Europäischer Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums: Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete www.eler.sachsen.de

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Kontakt Kontakt Landratsamt Landratsamt Görlitz Görlitz SG Untere Untere Naturschutzbehörde Naturschutzbehörde Außenstelle Außenstelle Löbau, Löbau, Georgewitzer Georgewitzer Straße Straße 52 52 02708 Löbau Löbau Tel. 0 35 81 / 663-31 06 0049 - 3581 - 663-3106 www.kreis-goerlitz.de www.kreis-goerlitz.de Naturschutzzentrum„Zittauer Naturschutzzentrum„ZittauerGebirge“ Gebirge“ gemeinnützige GemeinnützigeGmbH GmbH Geschäftsführer: Geschäftsführer: Hans-Gert Hans-Gert Herberg Herberg Goethestraße Goethestraße 8 8 02763 Zittau Zittau Tel. Tel. 0 35 83 / 51 25 12 0049 - 3583 - 512512 koordinierung@nsz-zittau.de koordinierung@nsz-zittau.de www.naturschutzzentrum-zittau.de www.naturschutzzentrum-zittau.de Impressum Herausgeber: Landkreis Görlitz Bearbeitung: Naturschutzzentrum„Zittauer Gebirge“ gemeinnützige GmbH Ruth Neumann, Silke Hentschel Projektkoordination: Eberhard Schulze Landkreis Görlitz, Untere Naturschutzbehörde Titelfoto: Archiv NABU Ebersbach „Landschaftspflegearbeiten am FND Hänschberg“ Gestaltung und Druck: Graphische Werkstätten Zittau GmbH www.gwz.io Auflage 2014: 500 Exemplare

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Anfänge des Naturschutzes bis      1945  Im Dienste des Artenschutzes Chronik der Naturschutzarbeit Band I Naturschutzarbeit im Landkreis Löbau-Zittau Herausgeber Landkreis Görlitz 2014 1

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10 Zu h a u se im L a n dkreis Gör litz 1 Der Landkreis Görlitz mit 2 seinen Gemeinden, seine Vorgänger und deren Wappen (Karte: G. Oettel) Groß Düben Bad Muskau Gablenz Schleife Kreis Weißwasser Bad Muskau La us Trebenit z Krauschwitz er Beiersdorf dorf Ne iß e WeißBernstadt a. d. Eigen wasser/O.L. Sp r e Berthelsdorf e Weißkeißel Bertsdorf-Hörnitz Boxberg / O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Boxberg/O.L. Eibau Niederhöps er Sc Weiß Gablenz schlesischer Rietschen Görlitz OberlauHähnichen Groß Düben sitzkreis RothenGroßschönau Krebaburg/O.L. Neudorf Großschweidnitz Hähnichen Hainewalde Niesky Mücka Horka Herrnhut Hohendubrau Quitzdorf am See Horka Neißeaue Jonsdorf HohenKodersdorf Waldhufen Kreis Niesky dubrau KodersKönigshain dorf Krauschwitz VierKreba-Neudorf kirchen Schöpstal Lawalde Königshain Leutersdorf ReichenLöbau bach/O.L. Markersdorf Mittelherwigsdorf Görlitz Görlitz-Land Sohland Mücka a. R. Löbau Markersdorf Neißeaue Neusalza-Spremberg RosenLawalde Beiersdorf z bach Niedercunnersdorf ßnit Plie SchönGroßNiesky Oppach Schönaubach schweidnitz Bernstadt a.d.E. Berzdorf NiederObercunnersdorf Dürra.d.E. cunnersdorf hennersOderwitz Berthelsdorf dorf NeusalzaObercunnersdorf Stadt Görlitz Olbersdorf Spremberg Oppach Eibau Ostritz Herrnhut Ostritz EbersbachOybin Neugersdorf Quitzdorf am See Oderwitz Reichenbach / O.L. u Leutersnda Ma Mitteldorf Rietschen herwigsLöbau-Zittau Rosenbach SeifHainedorf hennerswalde Rothenburg / O.L. dorf Zittau Schleife BertsdorfHörnitz Olbers© Kartengrundlage: Gebietsabgrenzung Schönau-Berzdorf a. d. Eigen GroßLandratsamt Görlitz (Gebietsstand 1.11.2011) dorf schönau Schönbach Schöpstal us Kreis Zittau Jonsdorf it z Seifhennersdorf er N ei Oybin ße Sohland am Rotstein Weißwasser  Trebendorf Niederschlesischer Niesky Vierkirchen ⇒ Oberlausitzkreis  Görlitz-Land  Waldhufen Stadt Görlitz ⇒ Stadt Görlitz Weißkeißel  ⇒ Landkreis Görlitz  Weißwasser / O.L. Löbau Kreis Löbau-Zittau   ⇒  Zittau Zittau hw Sc er ar z ps hö Sc e re Sp La 2

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Anfänge des Naturschutzes bis      1945  Inhalt Grußwort des Landrates ................................................................................................................ 5 Der Landkreis Löbau-Zittau........................................................................................................... 6 Einführung........................................................................................................................................... 7 Anfänge des Naturschutzes bis 1945......................................................................................... 8 Der schwere Anfang nach 1945................................................................................................... 18 Naturschutzarbeit 1949-1989....................................................................................................... 22 Naturschutzarbeit nach 1989....................................................................................................... 86 Naturschutz im Wandel der Zeit.................................................................................................. 116 Artenschutz und Artenschutzprojekte...................................................................................... 122 Naturschutzverbände und -vereine vorgestellt..................................................................... 144 Anhang................................................................................................................................................. 185 Verzeichnis Ehrenamtlicher Naturschutzhelfer im Landkreis Löbau-Zittau (2003)............................................................................................... 185 Übersicht Unterschutzstellung von Schutzgebieten im Landkreis Löbau-Zittau (2008)............................................................................................... 195 Literaturverzeichnis.......................................................................................................................... 197 3

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Anfänge des Naturschutzes bis Grußwort       des Landrates  1945  Liebe Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Görlitz, im Zuge der Sächsischen Gebietsreform 2008 entstand der Landkreis Görlitz aus den Landkreisen Löbau-Zittau, dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis und der damals kreisfreien Stadt Görlitz. Mit der Zusammenlegung ging in den Landkreisen auch ein wichtiges Kapitel der Naturschutzarbeit zu Ende. Strukturen in den zuständigen Ämtern wurden neu geordnet, Aufgaben und Zuständigkeiten neu verteilt. Geblieben sind Akten mit wertvollen Informationen und Dokumentationen, die Grundlage für die Fortsetzung der Naturschutzarbeit sind. Eine Fülle von Naturschutzprojekten wurde insbesondere mit Beginn der 1990er Jahre rea­ lisiert, darunter Artenschutzprojekte für Weißstorch und Fischotter, zahlreiche Hecken- und Gehölzpflanzungen, die Renaturierungen von Bachläufen, die Neuanlage und Pflege von Amphibienlaichgewässern und nicht zu vergessen die Pflege von geschützten Wiesenbiotopen mit Orchideen und anderen botanischen Kostbarkeiten. Unzählige Stunden freiwilliger ehrenamtlicher Naturschutzarbeit wurden dabei geleistet. Das soll nicht in Vergessenheit geraten. Mit diesem ersten Band, der sich der Naturschutzarbeit im Landkreis Löbau-Zittau widmet, möchten wir die geleistete Naturschutzarbeit würdigen und allen Akteuren danken. Besonderer Dank gilt dabei den ehrenamtlichen Naturschutzhelfern, welche die Naturschutzarbeit durch ihren engagierten Einsatz und in enger Zusammenarbeit mit den Behörden des Landkreises Löbau-Zittau unterstützt und voran gebracht haben – ein unverzichtbarer Beitrag zur Erhaltung der unverwechselbaren Eigenart und Schönheit unserer Landschaft und zum Schutz der heimischen Flora und Fauna. Möge diese Broschüre aus alten Erinnerungen neue Impulse setzen für die Naturschutzarbeit im neu formierten Landkreis Görlitz. Die Naturschutzakteure des Landkreises werden in mir immer einen Partner finden, der sich für die Würdigung und den Erhalt des ehrenamtlichen Naturschutzes im Landkreis Görlitz einsetzt und das Ehrenamt sowie die Umsetzung praktischer Naturschutzprojekte im Rahmen der uns gegebenen Möglichkeiten fördert und unterstützt. Ihr Landrat Bernd Lange 5

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Der Landkreis Löbau-Zittau Der Landkreis Löbau-Zittau bestand in der Zeit von 1994 bis 2008 und befand sich im äußersten Südosten des heute bestehenden Landkreises Görlitz. Im Zuge der Gebietsreform im Jahre 1994 ging er aus den Landkreisen Löbau und Zittau sowie den Orten des sog. Eigenschen Kreises des Landkreises Görlitz hervor. Zunächst wurde er unter dem Namen „Sächsischer Oberlausitzkreis“ geführt. Zum 1. Januar 1995 kam es zu einer Namensänderung in „Landkreis Löbau-Zittau“. Verwaltungssitz war ab diesem Zeitpunkt die Große Kreisstadt Zittau. Die Fläche des Landkreises umfasste ca. 700 km². Nachbarkreise waren im Norden der Niederschlesische Oberlausitzkreis und die kreisfreie Stadt Görlitz sowie im Westen der Landkreis Bautzen. Südlich grenzte die tschechische Republik an den Landkreis an, im Osten bildete die Neiße gleichzeitig die Grenze zur Republik Polen. Die Landschaft des Landkreises wird im Südosten geprägt durch das Zittauer Gebirge, das einen Teil des südlich angrenzenden Lausitzer Gebirges in Tschechien bildet. Die Lausche (792 m ü. NN) und der Hochwald (749 m ü. NN) im Zittauer Gebirge sind gleichzeitig die höchsten Berge des Landkreises Löbau-Zittau. Südwestlich schließen sich die Erhebungen des Kottmars (583 m ü. NN) und des Oberlausitzer Berg­ landes mit Höhen über 500 m ü. NN an. Im Osten und Nordosten geht die Landschaft in die Ostlausitzer Vorberge über, zu denen einzelne bewaldete Bergkuppen, wie z. B. der Löbauer Berg (480 m ü. NN) und der Rotstein (455 m ü. NN) zählen. Der Nordosten des Landkreises ist überwiegend durch Flachland mit Höhen von ca. 200 m ü. NN und landwirtschaftlicher Nutzung geprägt. Neben der Lausitzer Neiße sind die Mandau und das Löbauer Wasser bedeutende Flüsse im damaligen Landkreis Löbau-Zittau. Im Zuge der Rekultivierung des Braunkohlentagebaues Olbersdorf entstand Ende der 1990er Jahre auf einer Fläche von etwa 40 ha der Olbersdorfer See mit vielfältigen Grünstrukturen. Zu den bedeutsamen Biotopstrukturen zählen u. a. die für das Zittauer Gebirge typischen Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation mit bedeutenden Lebensraumstrukturen für seltene Vogelarten wie Uhu und Wanderfalke. Naturnahe Buchenmischwaldrelikte mit charakteristischen geschützten Pflanzenarten, wie Türkenbundlilie und Seidelbast findet man vereinzelt noch auf Basalt- und Phonolithkuppen, u. a. auf der Lausche und am Rotstein bei Löbau. Bergwiesen trockener und halbtrockener Standorte beherbergen u. a. botanische Kostbarkeiten, wie z. B. die Silberdistel in ihrer stengellosen Form oder die Arnika. Auf einigen Feucht- und Nasswiesen wachsen Himmelschlüssel und Orchideen, wie zum Beispiel das Breitblättrige Knabenkraut. Zahlreiche Streuobstwiesen, Hecken und Feldgehölzes sowie naturnahe Fließgewässerabschnitte, Altarme, Tümpel beleben das Landschaftsbild und dienen als wertvolle Biotop verbindende Elemente zwischen Wald, Siedlung und landwirtschaftlich genutzten Flächen. 6

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Anfänge des Naturschutzes bis      Einleitung  1945  Anlass und Anliegen dieser Broschüre Anliegen dieser Broschürenreihe ist es, nach der Kreisgebiets- und Funktionalreform und der Neuordnung der Strukturen im Jahre 2008 ein Stück Naturschutzgeschichte aus dem Gebiet des jeweiligen Landkreises aufzuzeigen und wichtige Informationen für künftige Aktivitäten zu bewahren – Interessantes, Denkwürdiges, Erinnerungen und Erfahrungen. Dabei greifen wir nicht nur auf Dokumente aus der unmittelbaren Existenszeit des jeweiligen Landkreises zurück, sondern verfolgen die Geschichte des Naturschutzes für das Gebiet soweit uns die vorgefundenen Dokumente Einblick gewähren lassen. Diese Broschüre kann keine vollständige Darstellung aller Projekte und Ereignisse geben. Sie ist vielmehr eine Zusammenstellung wichtiger Daten aus vorhandenen Akten, die im Zuge der sächsischen Kreisgebiets- und Funktionalreform aus den Landkreisen übergeben oder auch vor der Vernichtung im Zuge des Umzugs gerettet wurden. Die Fakten werden bereichert durch Berichte von Zeitzeugen, die ein Stück Naturschutzgeschichte mitgeschrieben haben. Mit dieser Broschüre möchten wir vor allem die Vielfalt der Aktivitäten in den Landkreisen aufzeigen und das Engagement der zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Akteure würdigen. Sie gibt wertvolle Hinweise auf vorhandene, größtenteils unveröffentlichte Artikel, Berichte und Schriften, die für die weiterführende Naturschutzarbeit gegenwärtiger und künftiger Naturschutzakteure interessant und wertvoll sein können. Berichte und alte Zeitungsartikel geben an einigen Stellen interessante Hinweise auf die Bestandsentwicklung bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Weiterhin dokumentiert sind ausgewählte Aktivitäten, insbesondere Projekte und Maßnahmen zum Erhalt geschützter Tier- und Pflanzenarten im Landkreis Löbau-Zittau. Wir hoffen, dass die Broschüre auch viele junge Menschen inspirieren und motivieren kann, die wertvolle und unersetzliche Naturschutzarbeit in unserem Landkreis fortzuführen. Unser Dank gilt an dieser Stelle allen, die uns bei der Zusammenstellung dieser Broschüre behilflich waren und uns als Zeitzeuge für Interviews mit Hinweisen und alten Unterlagen sowie durch die Bereitstellung von Fotos oder alten Postkarten Unterstützung gaben. Vielen Dank! Naturschutzzentrum „Zittauer Gebirge“ gemeinnützige GmbH 7

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Anfänge des Naturschutzes bis      1945  Im 17. und 18. Jh. wurde zunächst durch regionale Gesetze vieler Feudalherren die Jagd geregelt, indem für Tierarten der Abschuß untersagt und Schutzflächen festgelegt wurden. Wenn diese Gesetze auch lokal der Erhaltung der Naturressourcen dienen, sind sie jedoch vorrangig der Jagdleidenschaft und Trophäensucht dienlich. Auszug: Der Sechs-Stadt Zittau Forst- und Jagt-Ordnung (von 1729) Das Anno 1728 in der Ober-Lausitz wegen Pflantz- und Pfropffung auch Cultivirung fruchtbarer und anderer Bäume, publicirte Königliche Mandat giebet hiervon gnugsamen Unterricht. Caput XI. Von der Jagt und was dabey zu beobachten. enthält Anweisungen zum Verhalten im Wald, hinsichtlich der Schonzeiten zum Schutz der Natur. (4) Es soll sich auch niemand künfftig unterfangen, von Mittel des May-Monaths biß zum Mittel des Junii unter einigerley Vorwand des Grasens, Leseholtz Holens, Heydel-Beere und Piltz-Suchens und dergleichen im Walde betreten zu lassen, damit das Wild im Setzen nicht gestöhret werde. (8) Selbst die reuthende Förster haben sich darnach zu richten, und ohne schrifftliche Anordnung kein Wild, sonderlich aber Thiere, Bachen, und Rücken zu pürschen, weniger in denen verbothenen und zu schonen gesetzten Zeiten dergleichen zu beginnen, allermassen vor Johannis kein Hirsch, vor Jacobi kein Schwein, und vor Bartholomäi kein Reher zu fällen. (21) Wird ernstlich untersaget, das Feder-Wildpreth oder Geflügel, besonders Auer- Birck- Haselund Rebhüner, wilde Enten, wilde Tauben und dergleichen nicht mehr in der Bruth-Zeit zu stöhren, die Eyer oder Junge wegzunehmen, oder wohl gar die Alten über und ausser deren Nestern, zum Ruin der gantzen Hecke, mit Schleiffen zu fangen. (24) Um nun allerley Wildpreth in des Raths-Refier zu erhalten, sollen die Forst-Bedienten dahin bemühet seyn, denen Raubthiern, als Wölffen, Luchsen, Füchsen, Wilden Katzen, Adlern, Uhuen, und andern Raub-Vögeln, allen Fleisses nachzustellen, und solche wegzuschiessen oder zufangen, wie sie denn auch die im Felde gefundene zahme Katzen ohne Unterscheid wegschiessen mögen. Die ersten Erfolge der Bewahrung von Naturobjekten vor dem Menschen und seiner Wirtschaft, veranlassten im Jahre 1897 Ernst Rudorff einen Aufruf zum Heimatschutz zu veröffentlichen. Daraufhin konstituierte sich 1904 in Dresden der „Deutsche Bund Heimatschutz“, aus dem im Jahre 1908 der „Landesverein Sächsischer Heimatschutz“ hervorging. Rudorff war damit der Wegbereiter des verbandsmäßig organisierten Naturschutzes in Deutschland. Im Jahre 1904 erschien auch die im Auftrag des Staates angefertigte Denkschrift von Hugo Conventz „Die Gefährdung der Naturdenkmäler und Vorschläge zu ihrer Erhaltung“. Die von ihm entwickelten Begriffe haben noch heute Gültigkeit. Als 1906 unter der Leitung von Conventz in Danzig die „Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen“ gegründet wurde, begann die staatlich gelenkte Naturschutzarbeit in Deutschland. Im Bemühen um internationales Ansehen und infolge der Beharrlichkeit der für den Naturschutz Verantwortlichen erschien als erste deutsche zentrale gesetzliche Regelung das „Reichsnaturschutzgesetz vom 26.6.1935“. 9

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1730 Forst- und Jagdordnung der Sechs-Stadt Zittau Erlass König Friedrich Augusts 1864 Gesetz über die Ausübung der Jagd durch Johann König von Sachsen 1861 Gründung des Humboldtvereins zu Ebersbach 1868 Durch die 26. Generalversammlung der deutschen Land- und Forstwirte wurden internationale Abmachungen zum Schutz der für die Land- und Forstwirtschaft nützlichen Vögel gefordert. Eine internationale Übereinkunft wurde hierzu 1902 getroffen. 1870 Gründung des Humboldtvereins zu Seifhennersdorf 1876 Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen 1879 Aus dem 1875 gegründeten sächsisch-thüringischen Verein für Vogelkunde und Vogelschutz ging 1879 der Deutsche Verein zum Schutz der Vogelwelt hervor, dem sich bis zum Jahre 1900 über 40 sächsische Vereinigungen anschlossen, darunter 1888 die Naturforschende Gesellschaft Görlitz. 1888 Erlass der Reichsvogelschutzgesetze (1908 Neufassung). 1908 Gründung des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Eine Abteilung dieses Vereins, in welcher auch die Vogelschutzkommission (M. Braess, A. Jacobi, O. Koepert) tätig war, bildete der Naturschutz. Durch den Landesverein Sächsischer Heimatschutz erfolgte die Berufung von ornithologischen Vertrauensmännern und die Zahlung von Geld- und Buchprämien an Personen, die sich um Naturdenkmale aus der Vogelwelt verdient gemacht hatten als Alternative zu den vehement bekämpften Abschussprämien für Greifvögel und Eulen. 1911 Zum Schutz von Turm- und Wanderfalke, Schrei-, See- und Fischadler, Uhu u. a. Eulen sowie Weihen, Bussarde und Reiher in Staatsforstrevieren wurde im Jahre 1911 die Generalanordnung des Sächsischen Finanzministeriums erlassen. Der Eisvogel und beide Milanarten wurden im Jahre 1912 durch eine zweite Generalverordnung gesetzlich geschützt. Für Vogelschutzmaßnahmen in Staatsforstrevieren standen jährlich 2000 Mark zur Verfügung. Beim Sächsischen Innenministerium wurde eine mit staatlichen Vollmachten ausgestattete Vogelschutzkommission berufen. 10

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Anfänge des Naturschutzes bis      1945  Peter Buschmann: Der Pflanzgarten Gründung – Entwicklung – Gegenwart … Als 1912 der Ebersbacher Humboldtverein auf dem Schlechteberg ein Museum mit Gaststätte und Vereinszimmer errichten ließ, fiel der Vorschlag zur Einrichtung eines Gartens mit bunter Pflanzendecke auf fruchtbaren Boden. Der Gutsbesitzer Julius Schulze, genannt Schulze-Bauer, hatte nach den Dienstjahren als Förster im Kaukasus in seinem Garten an der jetzigen Mozartstraße ein Alpinum von seltener Schönheit eingerichtet. Nach diesem Modell sollte am Nordhang des Schlechteberges, unterhalb der neuen Baude, ein Alpengarten entstehen. Schon beim Ausheben der Baugrube für die Baude wurden die Erdmassen zur Gestaltung der späteren Anlage in drei Terrassen eingebaut. Als Mitglied des Bauausschusses hielt Julius Schulze ein wachsames Auge auf die Profilierung der Außenanlagen. Als am 1. September 1912 die Humboldtbaude feierlich eingeweiht wurde, war die oberste Terrasse schon ein Blütenteppich. Schulze-Bauer hatte mehrere Wagenladungen Heidekraut auf den Schlechteberg gebracht und ausgepflanzt. Noch im Herbst 1912 wurde auf dem Gelände des Humboldtvereins zwischen den Terrassen der Rasen abgestochen und für die spätere Anlage der Pflanzenquartiere auf Haufen gesetzt. Julius Schulze und der Vorsitzende des Vereins, Herrmann Andert, beaufsichtigten diese Arbeiten, welche von bezahlten Kräften durchgeführt wurden … (Quelle: Rund um den Schlechteberg – aus Vergangenheit und Gegenwart. Einblicke in die Ebersbacher Chronik, Heft 2) (Quelle: Wanderversammlung des Verbandes „Lusatia“ zu Ebersbach 1912. Den Versammlungsteilnehmern gewidmet vom Humboldtverein Ebersbach.) 11

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Auszug der Ansprache von Alexander Wünsche zum 100-jährigen Bestehen des Naturschutzgebietes „Rotstein“ 2012 … Das Naturschutzgebiet Rotstein ist heute eine Perle in der Kette von 212 Naturschutzgebieten Sachsens. Mit einer Größe von heute reichlich 81 Hektar ist das Gebiet jedoch eher klein. Der Sächsische Durchschnitt liegt dank der großen Naturschutzgebiete wie Königsbrücker Heide, Niederspree und der Schutzzonen des Biosphärenreservates bei 245 Hektar. Als eines der ersten Naturschutzgebiete hat es heute jedoch einen ganz besonderen Wert, weil sich in ihm nicht nur 100 Jahre Entwicklung eines Naturschutzgebietes ablesen lassen, sondern weil sich auch der vielfältige Wandel unserer Landschaft und unseres Verhältnisses zur Natur verfolgen lassen. Als die Königliche Amtshauptmannschaft Löbau am 26. März 1912 bekannt gab, dass in allen Wald bestandenen Teilen des Rotsteins das Abpflücken und Ausgraben von Pflanzen und Pflanzenteilen sowie das Verlassen der Touristenwege verboten wird, war damit eines der ersten Naturschutzgebiete in Sachsen geboren. Nur sehr wenige sind älter – wie z. B. die Kuppe des Wachtelberges bei Wurzen mit ihrem Kuhschellenvorkommen . Zur Festsetzung kam es, weil Amthauptmannschaft Löbau, Humboldtverein Löbau, Landesverein Sächsischer Heimatschutz und einige Waldbesitzer in gemeinsamer Absicht die hervorragende Pflanzenwelt vor allzu eifrigen Kräutersammlern schützen wollten. Besonders die üppigen Leberblümchenteppiche und die seltenen Orchideen sind manchen Spaziergängern, „Kräuterweibchen“ und eifrigen botanisierenden Oberschülern zum Opfer gefallen. Damit nun im „Naturschutzbezirk“ des Rotsteins diese Verbote eingehalten werden, wurden „Rotsteinpfleger“ eingesetzt. In regelmäßigen Sitzungen der Rotsteinpfleger mit der Amtshauptmannschaft Löbau, des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz und einiger Waldbesitzer wurde stetig am wirksamen Schutz des Rotsteins gearbeitet. Überhaupt ist es dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz erst 1910 übertragen worden, eine eigene Abteilung für Naturschutz zu bilden und den sächsischen Stadträten und Amtshauptmannschaften als Fachberatung zur Seite zu stehen. Schon am 13. Februar 1911 legte der Landesverein dem Innenministerium eine Vorschlagsliste von Gebieten vor, die der Unterschutzstellung bedürfen. Diese Liste enthielt auch den Rotstein. Damals – wie heute – war es wichtig die Waldbesitzer für die Naturschutzgedanken zu begeistern. Besonders die Stadt Löbau hat als Waldbesitzer Vorbildliches geleistet. Als Selbstbeschränkung und ohne verordnete Verpflichtung kam man überein, die Bestockung auf dem Gipfel und den Trümmerhalden – wenn überhaupt – nur im Plenterbetrieb (also der Entnahme nur einzelner Bäume) zu nutzen. Auch sollten entlang der Kammlinie mehrere Reihen Laubbäume bei Neupflanzungen in Nadelbaumflächen gepflanzt werden. Das ist insofern bemerkenswert, da zu dieser Zeit die Nadelholzorientierung noch nahezu unanfechtbares wirtschaftliches Ziel der sächsischen Kahlschlagswirtschaft war. Die erste umfangreichere Nonnenkalamität schickte in dieser Zeit ihre Vorboten im Klosterwald Marienthal und im Zittauer Gebirge voraus. Ideen zur Abänderung der Waldbaustrategien folgten jedoch erst später als auch in Folge der großen Nonnenkalamitäten der 1920er Jahre der Forstmann Alfred Möller den Dauerwaldgedanken publik machte. Neben der Stadt Löbau haben sich auch die privaten Waldbesitzer dazu verpflichtet, bei ihrer Bewirtschaftung auf die wertvollsten Teile der Flora, nämlich die Eiben und den Wacholder, Rücksicht zu nehmen. Auf dieses Fundament gegründet, konnte sich das Naturschutzgebiet langfristig entwickeln. 12

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