das real virtuelle, frank richter

 

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das real virtuelle frank richter c-pr int s 2007-2012

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frank richter das real virtuelle c-prints 2 0 07 - 2 01 2

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die realität des virtuellen die generative ästhetik ist eine wette auf eine unerwartete, eine überraschende innovation. eine formale innovation, die ohne erkennbaren grund einem am computer einfach zu-fällt. ad hoc und nicht vorhersehbar, so dass man eher an einen zufallsfund als an ein planbares resultat glaubt. solche ergebnisse sollen einen mehrdeutigen und frei interpretierbaren wahrnehmungsraum eröffnen. dies vor allem, um ästhetische konstellationen zu finden, die zu einer nivellierung von bekannten ordnungen und damit zu einer neu-orientie-

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rung führen. in einer zeit zunehmender regulierungen und normierungen in der digitalen kommunikation verspricht vielleicht einzig noch der zufall derartige entdeckungen. doch geschieht etwas ohne erkennbarem grund, kann darüber lediglich spekuliert werden, ob es wirklich zufällig zustande gekommen ist. oder ob vielleicht die ursachen, das zusammentreffen aller umstände, ihre verknüpfungen und verschränkungen nicht bekannt bzw. noch nicht erkannt sind, da sie das wahrnehmungsvermögen momentan übersteigen. der technologische fortschritt will diese ungewissheit nicht akzeptieren. um seine apparate und systeme am laufen zu halten, versucht er jede abweichung zu unterbinden. allein durch gesicherte determinationen und redundante rückkopplungen kann ein reibungsloses funktionieren ohne gravierende störungen garantieren. geduldet werden deshalb nur wahrscheinliche zufälle, abweichungen vom geplanten, die kompensiert werden können und die keine anhaltenden einschnitte verursachen. was entfällt, was augenblicklich entgleitet und den zerfall entropische beschleunigt, darf nicht zugelassen werden. bei einer angestrebten perfektionierung und optimierung muss etwas, das nicht zerfällt, der wahrscheinliche fall sein. auch bei der komplexen maschine computer, wo man den zufall deshalb nur simulieren kann, aber nicht als chaotische willkür vorfindet. soll die determiniertheit hier trotzdem umgangen, also mit unvorhersehbaren invarianten gearbeitet werden, muss zumeist auf die ziffernfolge von irrationalen zahlen zurückgegriffen werden. d.h. sogenannte zufalls- die realität des virtuellen

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generatoren erzeugen keine beliebigen zustände, sondern nur restwerte, z.b. von divisionen, die sich periodisch als permutationen wiederholen, ohne dass man von aussen sofort auf die zugrunde liegende operation schliessen kann. ein solcher zufall ist jedoch ein fall der stochastik. er kann durch veränderte parameter in die gewünschte form der gleich-, misch- oder binomialverteilung stetig erzeugt und ebenso wiederholt werden. dies fällt dem ungeübten auge kaum auf, insofern bei entsprechender komplexität tatsächlich zufällige, also willkürliche strukturen von algorithmisch erzeugten kaum zu unterscheiden sind. der gegensatz von einerseits offenen, unkalkulierbaren systemen und andererseits geschlossenen, deduktiv operierenden wird ab einer bestimmten grössenordnung selten deutlich. kennt man die regeln der software, kann das ergebnis komplexer operationen mit daten und durch interaktionen trotz des komplexitätssteigernden einsatzes von dynamischen algorithmen und zufallszahlen bald erraten und mitunter sogar vorhergesagt werden. die verwendete technik und die syntax der programmiersprache bedingen wesentlich das tatsächliche ausmass von generativen operationen, denn sie begrenzen es. vielleicht gibt es deshalb so wenige beeindruckende innovativen in der digitalen aleatorik. nur strategien der überlistung, die allein dem als zufällig gelten, der die list dahinter noch nicht durchschaut hat. die freiheit der kontingenz kann in einer medienkunst, die auf emergenzeffekte setzt, nicht wirklich eingelöst, sondern nur behauptet werden. die variable form des zufalls generiert auch hier strukturen, die so beschaffen sind, dass eine unordnung ähnlich wie eine ordnung figuriert Max Bense führte bereits 1965 den Begriff der »generativen Ästhetik« ein und definierte selbige als »[…] die Zusammenfassung aller Operationen, Regeln und Theoreme […], durch deren Anwendung auf eine Menge materialer Elemente, die als Zeichen fungieren können, in diesen ästhetische Zustände (Verteilungen bzw. Gestaltungen) bewusst und methodisch erzeugbar sind« Max Bense, Aestetica: Einführung in die neue Aesthetik, (1.Aufl. 1965)

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die realität des virtuellen ist und kaum zu einer erhofften nivellierung von bekannten strukturen führt. das algorithmische spiel der aleatorik macht in erster linie nur das streng determinierte agens unseres gesellschaftlichen alltages sichtbar. da diese unterschwellige realität jedoch zu selten gesehen wird, bleiben künstlerische praktiken des automatischen wohl weiterhin bedeutsam. sie zeigen immerhin, wie sehr unser leben bereits von hochkomplexen, d.h. schwer zu durchschauenden standardisierungen geprägt ist. frank richter, 2007

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# random 01 die generative kunst ist eine wette auf eine unerwartete, eine überraschende innovation. eine formale innovation, die ohne erkennbaren grund einem am computer einfach zu-fällt. ad hoc und nicht vorhersehbar, so dass man eher an einen zufallsfund als an ein planbares resultat glaubt.

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overlapping set 06.021.08, c-print, 2009

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overlapping set 06.021.08, c-print, 2009

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overlapping set 01.351.05, c-print, 2007

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overlapping set 04.020.01, c-print, 2007

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