das wuchern der systeme, Frank Richter

 

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c-prints 1991 - 2001

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das wuchern der systeme frank richter c-pr int s 1991-2001

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frank richter das wuchern der systeme c-prints 19 91 - 2 0 01

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das wuchern der systeme man muss von etwas einfachem ausgehen, von etwas ganz einfachem, damit es voller und voller, dichter und dichter wird. man muss so lange beginnen, bis eine komplexität erreicht wird, die nicht mehr zu stoppen ist. so können sich mit kalkulierbar einfachen methoden bilder generieren, in denen es keine endgültigen ordnungen gibt und in denen ein steter fluss von synergetischen energien eine permanente entwicklung perpetuiert. womöglich entstehen dabei in sequenzen kompositionen, die sich nicht in einem gleichgewicht befinden und die nicht abgeschlossen sind, da sich in ihnen entgegen den postulaten der klassischen thermodynamik immer wieder neue strukturen forcieren -----auf dass jeder zustand im unbestimmten aufgehe. ein solcher anspruch kann mit einer selbst geschriebenen software durch simple operationen initiiert werden. infolge von überlagerungen ergeben sich z.b. am computer-bildschirm weitreichende überschneidungen, wenn eine endliche menge entsprechend grosser rechtecke willkürlich angeordnet werden. ihre flächen überdecken und zerschneiden sich rekursiv wie ein krebsgeschwür, so dass immer kleinere parzellen vorliegen, irgendwann eventuell zweihundert oder elftausenddreihundert rechtecke. wer will sich die mühe machen, sie alle zu zählen? und wer hat überhaupt den ehrgeiz, sie auseinander zu halten. insofern sich in einem bild rechtecke oder würfel und vielleicht sogar hyperdimensionale objekte unaufhörlich potenzieren, führen generische verdichtungen mit weit ausufernden verästelungen wie in einer unkontrolliert expandierenden metropole zu changierenden inklusionen und exklusionen. es kommt, falls jedes element mit

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den optionen von translationen sowie skalierungen über sich hinauswächst, zu bizarren auffächerungen, potenzierungen und letztendlich fortwährenden ausdifferenzierungen, die heterotopisch kollisionen, brechungen und ausfransungen erzwingen -----eine ordnung fixiert die nächsthöhere, und gerät vom tausendsten in eine immer neue ordnung. bei derartigen komplexitätszuwächsen liegen schnell strukturen vor, welche niemand überblicken kann. zählt das ganze mehr als die summe all seiner teile, entstehen bei iterativen wachstumsprozessen schwer überschaubare konstellationen aus relativ einfachen operationen. im wachsen ihrer relationen werden die einzelnen komponenten zu leeren signifikanten, welche allein von der vorliegenden komposition her zu bestimmen und somit stets auf die gesamtheit zu beziehen sind. die spontane herausbildung von ordnungen auf der makroebene ist nicht mehr auf die eigenschaften von distinkten entitäten zurückzuführen, welche diese für sich aufweisen. es liegen somit bilder vor, die eine zumutung sind, weil das, was man imaginieren muss, nicht mit dem wahrgenommenen, mit dem sinnlich wahrnehmbaren in einklang zu bringen ist -----ohne grössenwahn gibt es keinen wahn und wahrscheinlich auch keine freiräume für das zustandekommen alles erdenklichen. mit steigender komplexität endet die willkürlichen anordnung und potenzierung von rechtecken oder mehrdimensionalen objekten mit hoher wahrscheinlichkeit in einem rauschen. dies schliesst aber nicht aus, dass sich ebenso prägnante muster herausbilden. es ist dann von ästhetischen dispositionen auszugehen, die sich mit mathematischen modellen beschreiben und mit algorithmen erneut modellieren sowie modifizieren lassen. mitunter kann sich ab einer gewissen dichte eine komposition generieren, in der eine mikrostrukturelle wucherung als eine zufällige, willkürliche disposition kaum von einer geordneten zu unterscheiden ist. das zufällige erweckt den eindruck des geplanten, sowie umgekehrt eine komplexe determiniertheit dem betrachter als völlig willkürlich erscheint -----kann man strukturen folgen, die folgenlos sind? das grosse geheimnis des zufallsgenerators: sein potentielles wissen wird niemand verstehen. entwickeln sich bildwucherungen in einem freien spiel, dessen verlauf zwar durch regeln festgelegt, aber im aufbau weitgehend durch unvorhersehbare zufallsentscheidungen bestimmt wird, sind die vorliegenden konstellationen selten voraussagbar, obwohl diese auf kalkulierbaren operationen basieren. die gründe für eine unvorhersagbarkeit von das wuchern der systeme

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solchen wucherungen liegen zumeist in einer zu hohen komplexität, welche keine rückschlüsse über alle determinationen garantiert. bietet ein bild dem betrachter zu viele details und fragmentierungen an, kann es ohne die reduktion, ohne eine vereinfachung nicht erfasst werden. sind all seine elemente mehrfach ineinander verwoben, beginnt sich ein ästhetisches gebilde der antizipation nach und nach zu entziehen -----die mobilmachung des gewöhnlichen, das wuchern der zusammenhänge, das ist komplex. parataktische beziehungen, in denen es keine mitte und nicht die hierarchie von einem vorder- sowie hintergrund gibt, nur die auflösung von topografischen grenzen und singulären fixierungen, schaffen chaotische räume. in toto verwirklicht hebt das einzelne sich hier als qualitätsbestimmende komponente selber auf. es ist nicht einfach, von der gesamtheit auf details oder umgekehrt von details auf das ganze zu schliessen. wo ein steter übergang eine prinzipielle mobilität und entwicklung erzwingt, triumphiert die vorliegende komposition über ihr eigenes organisationsprinzip. oder anders gesagt: überbietet eine evolutionär wachsende struktur sich permanent selbst, entspricht ihr jeweiliger status quo nicht dem sich tatsächlich darstellenden prozess -----man kann bilder imaginieren, die keiner sich vorstellen will und die man sich selber nicht ansehen möchte. poesis und/ oder poesie - man muss mit etwas einfachem beginnen. und man muss so lange beginnen, bis eine komplexität erreicht ist, die nicht mehr zu stoppen ist. wenn das wahrnehmbare in einem steten übergang, in einem durch setzungen und gegensetzungen gesteuerten fluss kreist, wird es für die orientierung zunehmend aussichtsloser sein, regelmässigkeiten zu fixieren und erwartungserwartungen zu postulieren. es können sich kompositionen herauskristallisieren, die über das bekannte hinausgehen und neue sichtweisen provozieren. mit solchen anmassungen kommt man zu ausserordentlichen ergebnissen und entgeht gängigen imaginationen sowie langweilenden interpretationen. anzustreben sind also ästhetische ordnungen, die in einem hierarchielosen allover unaufhörlich divergierende details hervorbringen und diese wie die bunten glassplitter in einem kaleidoskop zu stets alternierenden mustern anordnen -----man muss produzieren, unaufhörlich produzieren. ganz gleich, ob sich zufällige banalitäten oder ein hochkomplexes rauschen herausbilden. frank richter 2002 der Algorithmus als »Spielregel« besteht aus einer »endlichen Liste von Instruktionen, die wohl definiert sind. Für jedes Problem einer Klasse von Problemen liefert der Algorithmus nach endlich vielen Schritten eine Lösung, indem man die Instruktionen eine nach der anderen ausführt. (Frieder Nake, Ästhetik als Informationsverarbeitung. Grundlagen und Anwendungen der Informatik im Bereich ästhetischer Produktion und Kritik, Wien/New York 1974, S. 188.)

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# complex01 man muss von etwas sehr einfachem und trivialem ausgehen, von etwas ganz einfachem, damit es voller und voller, dichter und dichter wird. man muss so lange beginnen, bis eine komplexität zu wuchern beginnt, die nicht mehr zu stoppen ist.

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