Unsere Wärme Ausgabe 2/2015

 

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Unsere Wärme Ausgabe 2/2015

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Das österreichische Magazin für energieeffizientes Heizen mit Öl. MESSE-NEWS Innovation am Heizungsmarkt SOMMER, SONNE Wander- und Urlaubs-Tipps 2·2015 Österreichische Post AG, Firmenzeitung 12Z039355 F Retouren an Postfach 555, 1008 Wien www.heizenmitoel.at

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H E I Z UNG · TANKREI NI GU NG Saubere Sache In Österreich gibt es keine Pflicht zur periodischen Tankreinigung. In bestimmten Fällen kann diese aber anzuraten sein. Ihr Heizölhändler kann Ihnen seriöse Anbieter für Tankreinigungen nennen. Heizöl extra leicht (HEL) ist ein genormtes Produkt von höchster Qualität und Reinheit. Im Normalfall ist somit keine Tankreinigung erforderlich. Empfohlen wird diese nur, wenn es häufiger zu Filterverlegungen oder Brennerstörungen kommt. Vorgegebene Intervalle für Tankreinigung existieren nicht. Wenn die Empfehlungen für Heizöl-Lagerung und Befüllung befolgt werden, ist nämlich grundsätzlich keine Reinigung erforderlich. So sind etwa Ölbrenner während der Befüllung sowie vier bis fünf Stunden danach außer Betrieb zu nehmen. Das ermöglicht das Absetzen aufgewirbelter Alterungsprodukte. Zumindest einmal pro Jahr und bei jeder Lieferung sollte zudem eine Sichtprüfung des Öltanks inklusive der Leitungen und eingebauten Armaturen erfolgen. Bei der Lagerung sind Tank und Ölleitungen möglichst frostfrei zu halten und weder extremen Temperaturschwankungen noch direkter Sonneneinstrahlung auszusetzen. Um Tankatmung und Bildung von Kondenswasser zu minimieren, sollte der Öltank immer möglichst voll sein. dung und im Endeffekt also zum Verschlammen der Ölfilter und Pumpen sowie zu einer Verstopfung der Rohrleitungen führen. Wodurch sich Störungen des Ölbrenners ergeben. Tankreinigung durch seriöse Anbieter Für den Werterhalt und die Betriebssicherheit des Öltanks und der Anlage ist nur in diesen Fällen eine Tankreinigung angeraten. Diese sollte allerdings erst dann erfolgen, wenn der Tank nur mehr eine möglichst geringe Restmenge an Öl enthält. Zwischenzeitlich abhelfen lässt sich durch: •  mehrmaliges Säubern des Filters in der Saugleitung vor dem Brenner bzw. Wechseln auf Papierfilter, •  Anheben der Saugleitung im Öltank um einige Zentimeter (falls möglich), •  und Umstellen auf ein Einstrangsystem (sofern nicht bereits vorhanden). Ihr Heizölhändler nennt Ihnen gerne Firmen, die sich auf die Tankreinigung spezialisiert haben. Denn Achtung: Unseriöse Unternehmen versuchen oft mit Hinweis auf in Österreich nicht zutreffende Verordnungen unnötige und teure Tanksanierungen oder Zusatzdienste zu verkaufen.  Achtung! Abgepumptes Heizöl sollte möglichst nicht wieder zurückgepumpt werden. Kleinste Verunreinigungen bleiben auch bei Filtrierung im Öl. Weiters könnte sich das abgepumpte Heizöl mit belasteten Restmengen im Zwischentank der Reinigungsfirma vermischen. Gutes Heizöl spart viel Ärger Wer diese Tipps berücksichtigt und Heizöl guter Qualität einlagert, ist für gewöhnlich auf Jahrzehnte hinaus gegen Betriebsprobleme gefeit. Bei nachteiligen äußeren Einflüssen können sich jedoch Alterungsprodukte und Sedimente bilden. Schlechte Lagerbedingungen können zu vermehrter Paraffin-Ausschei- 2   unsere wärme 2·15

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I NHALT · I M P R E S S UM 10 06 Liebe Leserinnen und Leser, die Diskussionen rund um das ­ Thema „Verbesserung der Energieeffizienz“ gehen munter weiter. Energie vernünftig und sparsam zu nutzen ist ein wichtiger und richtiger Ansatz. Damit ganze Energiearten zu verdrängen ist allerdings der falsche Weg. Carto.at, ISH, elektrabregenz 12 Kurz gemeldet: Sommerliche Energiespartipps ������������������������ RAG Energy Drilling: „Bohren ist unser Geschäft“ ������������������ Natur: Rund um den Ötscher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Innovation: Hybridheizungen sind in . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Umfrage: Heizen mit Öl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kultur: Figurentheater auf den Sacri Monti ������������������������������ Garten: Wohin mit dem Ernte-Überschuss? ������������������������������ Kolumne: Umbruch im Energiemarkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rätselspaß: Sudoku, Kreuzwort- & Bildrätsel ���������������������������� 04 06 09 10 12 14 16 17 18 Die Hersteller von Heizsystemen haben eindrucksvoll auf der Energie­ sparmesse in Wels und auf der internationalen Fachmesse ISH die nahe Zukunft demonstriert. Komfort und Effizienz standen dort im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt stehen auch ­ unsere Leser. Daher finden Sie in dieser Ausgabe wieder interessante Beiträge und Anregungen für Ihre Freizeit. Viel Spaß und gute Unterhaltung damit wünscht Ihnen Mag. Martin Reichard Geschäftsführer der Heizen mit Öl GmbH IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber: Heizen mit Öl GmbH, 1020 Wien, Untere Donaustr. 13–15/3. OG, Tel.: 01/890 90 36, Fax: 01/890 90 36-50 Geschäftsführer: Mag. Martin Reichard Unternehmensgegenstand: Förderung des Austausches von Ölheizungsanlagen durch Anreizbildung für den umwelt- und klimafreundlichen Ersatz von alten Heizungs­ anlagen durch moderne, sparsame und effiziente Ölheizungsanlagen. Verleger: Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH, Grünbergstraße 15, 1120 Wien, Tel.: (01) 546 64-0, E-Mail: office@wirtschaftsverlag.at Geschäftsführung: Thomas Zembacher Für den Inhalt verantwortlich: Mag. Martin Reichard (HMÖ) Koordination: Elisabeth-Klara Betes-Kummer Redaktion: Mag. Reinhard Ebner, Titelbild: Thinkstock Druck: LEYKAM Let’s Print, Bickfordstraße 21, 7201 Neudörfl Auflage: 80.203 Stück Zahl des Quartals Um 1,5 Millionen Barrel stieg vergangenes Jahr die Ölförderung in den USA – täglich!  unsere wärme 2·15 3

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K UR Z M ELDUNGEN © Therme Bad Schallerbach Viele Kurorte nutzen heute Heilwässer, die den Begleitwässern aus Erdöllager­stätten ähneln. ©T hink stoc k Wussten Sie schon? Steinöl oder Petroleum diente in früheren Jahrhunderten vor allem medizinischen Zwecken. In der „Enzyklopädie der Volksmedizin“ (1843) von Georg Friedrich Most heißt es dazu: „Dieses brenzlige Öl ist, äußerlich eingerieben, gegen Gliedersteifheit und Gichtknoten, besonders aber gegen alte Frostbeulen, welche dunkelrot von Farbe und fast ganz unschmerzhaft sind, ein beliebtes und wirksames Volksmittel.“ Noch im beginnenden 20. Jahrhundert widmen sich Fachbücher über Erdölkunde ausführlich den Anwendungen in der Medizin (bei Erkrankungen der Augen, Haut und Gelenke). Viele heutige Kurorte wie etwa Bad Hall oder Bad Schallerbach nutzen Heilwässer, die den Begleitwässern aus Erdöllagerstätten ähneln.  81% der globalen Energienachfrage wird durch fossile Energieträger gedeckt. Quelle: World Energy Council Focus, 2015 Aus für Heizthermen Nach der Glühbirne trifft’s die Heizthermen: Ab September ist deren Verkauf nur mehr in Ausnahmefällen erlaubt. Sie werden von Brennwertkesseln abgelöst mit dem Ziel, Heizsysteme in Europa umweltfreundlicher und effizienter zu machen. Grundlage für die Umstellung ist die Ökodesign-Richtlinie der EU. Eine Ausnahme besteht, wenn mehrere Geräte an nur einen Rauchfang angeschlossen wurden. Hier wäre ein Austausch mit hohem finanziellem und technischem Aufwand verbunden. „Österreichweit ist jede zweite Therme betroffen, in Wien sind es sogar 90 Prozent der Geräte“, weiß Robert Breitschopf, der Innungsmeister der Wiener Installateure. Ein Austausch ist nicht vorgeschrieben, macht aber Sinn, wie Studien zeigen. Denn nur ein modernes Öl-Brennwertgerät wandelt Heizöl fast verlustfrei in Wärme um.  Heizen mit Öl wird immer sauberer Die Ölheizung hat sich in den vergangenen 40 Jahren vom Standardkessel zum Öl-Brennwertgerät entwickelt. Der Jahresnutzungsgrad wurde dadurch von 68 auf 98 Prozent erhöht. Zusätzlich wird heute Heizöl extra leicht schwefelfrei statt Standard-Heizöl verwendet. Die Emissionseinsparungen, die sich daraus ergeben: Schwefeldioxid ��������� –100 Prozent (Fein-)Staub �������������� –95 Prozent Kohlendioxid ������������� –40 Prozent Stickoxide ������������������ –33 Prozent © IWO Deutschland Brennwerttechnik wandelt Heizöl fast verlustfrei in Wärme um. 4   unsere wärme 2·15

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KU RZ M E LDU N G E N Sommerliche Energiespartipps 1. Standby abschalten Vergessen Sie nicht, elektrische Geräte auszustecken, bevor Sie in den Urlaub fahren. Geräte der Unterhaltungselektronik, aber auch Kaffeemaschine und Co saugen selbst im abgeschalteten Zustand Strom. Generell empfiehlt sich die Verwendung ausschaltbarer Steckerleisten. 3. Kalt duschen? Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber wer im Sommer nicht ganz so heiß duscht, spart Energie für die Erwärmung des Wassers. Kreislauf und Bindegewebe werden’s danken!  © Thinkstock Ölheizer profitierten vom Winter 2014/15 Wie ein Jahresvergleich der Verbrauchskosten bei einem thermisch sanierten Einfamilienhaus zeigt, wirkte sich die Preisentwicklung bei den Brennstoff­ kosten vor allem für Ölheizungs­ besitzer positiv aus – wobei das Heizöl-Preistief zu Jahresbeginn noch gar nicht ­berücksichtigt ist: Heizöl�������������������� 110 Euro Einsparung Pellets��������������������� 80 Euro Einsparung Erdgas������������������� 28 Euro Mehrkosten Brennholz�������������� 46 Euro Mehrkosten Erdwärme�������������� 65 Euro Mehrkosten Fernwärme����������� 110 Euro Mehrkosten (Quelle: IWO-Vollkostenvergleich – Berechnung nach ÖNORM M7140) 2. Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah. Schon wieder eine Flugreise nach Spanien, um in der Sonne zu braten? Oder eine stundenlange Autofahrt in den Süden mit quengelnden Kindern? Warum nicht zur Abwechslung mal Urlaub am Bauernhof? Oder Bergwandern und Baden am Ötscher (siehe Seite 9)? Klimafreundlicher ist so ein Urlaub allemal – entspannter sowieso. „Unsere Wärme“-Musterhaus: Familie Geiger (Vorarlberg) © E.ON „Die neue Energiewelt ist gekennzeichnet von ­Geschwindigkeit, Beweglichkeit, Innovation und ­Digitalisierung.“ E.ON-Chef Johannes Teyssen Beheizte Nutzfläche: 250 m² Anzahl der Bewohner: 4 Kessel-Nennleistung der Altanlage: 43 kW Kessel-Nennleistung der Neuanlage: 33 kW Heizölverbrauch vor der Sanierung: 7.000 l Heizölverbrauch nach Sanierung: 4.000 l zusätzlich: Solaranlage Maßnahme: Öl-Brennwertkessel Investition: 17.400 Euro 43 % 5 Einsparung:  unsere wärme 2·15 © IWO

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ER D ÖLF ÖR DERU NG I N Ö S TERREI CH Der Aushub wird mit der Bohrflüssigkeit nach oben befördert und zum Teil zu Zement weiterverarbeitet. © Carto.at RED-Chef Siegfried Kiss in (fast) voller Arbeitsmontur. Für die Tätigkeit am und um den Bohrturm braucht’s noch eine Schutzbrille. „Bohren ist unser Geschäft“ Mag sein, dass Österreich bekannter ist fürs Kürbiskernöl. Doch auch bei uns wird bis heute Erdöl gefördert. „RAG Energy Drilling“ heißt das Unternehmen, das als einziges in Österreich noch Bohrungen durchführt – aktuell in Obermühlham (OÖ). Im ersten Eindruck entspricht Siegfried Kiss dem Bild des nüchternen Technikers: schmal, sachlich, vorsichtig. Auch seine Ausbildung an der Montanuniversität Leoben spricht dafür. Doch wenn der kaufmännische Geschäftsführer der RAG Energy Drilling (kurz: RED) über „seine“ Technik spricht, blitzt es verräterisch auf in den Augen. Er beugt sich am Tisch vor, stellt Schätzfragen, um die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu erlangen. „Die Politik redet immer über Strom“, meint er. „Wissen Sie eigentlich, wie viele Prozent unserer Energie nicht Strom sind?“ Die richtige Antwort – 80 Prozent – zeigt, wie weit man als Normalbürger in Fragen der Energieversorgung danebenliegen kann, wie wenig öffentliches Bewusstsein somit bei wichtigen Zukunftsthemen vorhanden ist. Chef: „Ich würde mir wünschen, dass wir als bedeutsamer Bereich wahrgenommen werden – was wir ja eigentlich sind.“ Er lehnt sich zurück und verschränkt die Arme vor der Brust. Oft herrsche das falsche Bild von „den reichen Ölfirmen“. „Die gibt es in Österreich nicht. Wir tätigen langfristige Investitionen aus dem laufenden Cashflow. Was wir hier heute säen, ernten wir vielleicht in zehn oder 20 Jahren.“ Nicht zu vergessen: Die Ölbranche sei ein Arbeitgeber von volkswirtschaftlicher Bedeutung, die heimische Förderung strategisch und energiepolitisch sinnvoll. Die „Saat“ soll derzeit in einem Ölfeld in Oberösterreich aufgehen. Der Bohrturm befindet sich in Obermühlham, einem kleinen Dorf nahe Frankenmarkt. Während wir sprechen, stehen wir vielleicht auf tausenden Tonnen Rohöl. Die Betonung liegt auf „Vielleicht“, denn neun von zehn Bohrungen bleiben in der Exploration wirtschaftlich ergebnislos. Zwar werden vorab umfangreiche Schallmessungen durchgeführt, aber mit Sicherheit lässt sich nie sagen, Info RAG Energy Drilling ist eine 100-ProzentTochter der vor über 75 Jahren gegründeten Rohöl-AufsuchungsAG (RAG). Diese führt Bohrungen nach Öl und Gas, aber auch Speicher- und Geothermie-Bohrungen durch. Insgesamt 1.100 Bohrungen seit Bestehen entsprechen einer gebohrten Tiefe von zwei Millionen Kilometern. Österreich braucht eigene Förderung Die Vernachlässigung des Themas Ölförderung durch Politik und Medien weckt daher wiederum ganz andere Emotionen beim RED- 6   unsere wärme 2·15

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E RDÖ LF Ö RD E RU N G I N Ö S T E R R E I C H © Carto.at  unsere wärme 2·15 7

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ER D ÖL-F ÖR DERU NG I N ÖS TERREI CH © Carto.at © Carto.at Links: vorn ein Warzenmeißel, hinten das diamantbesetzte Modell (die schwarzen Noppen sind tatsächlich Diamanten). Oben: Alle zehn Meter Bohrtiefe werden Proben entnommen und untersucht. was den Bohrkopf erwartet. Man dürfe sich in der Tiefe keinen Ölsee vorstellen, der in unterirdischen Hohlräumen vor sich hinplätschert, erläutert Kiss. Tatsächlich verteile sich das Öl auf winzige Zwischenräume im Gestein. Entsprechend langsam geht die Förderung vonstatten, wenn man einmal fündig geworden ist. Und die Qualität des Rohstoffs? „Der Referenzwert in der Branche ist Brent-Öl. Dort ist auch das österreichische Erdöl einzuordnen.“ Umweltschutz und Sicherheit Umwelt- und Anrainerschutz werden bei der RAG großgeschrieben. Die Bohrplätze werden nach erfolgter Bohrung oder Förderung wieder begrünt. Ein meterhoher „Preventer“ unter dem Bohrturm verschließt im Bedarfsfall die Bohrstelle, damit nichts nach außen dringen kann. Lärmschutzwände halten Geräusche von den Anwohnern fern. Die Motoren sind noch zusätzlich eingehäust und schallgedämpft. Auf die Sicherheit der Mitarbeiter wird größter Wert gelegt. „Wir haben faktisch null Unfälle“, ist Kiss stolz. Nichts wird dem Zufall überlassen. Ein Beispiel: 50 verschiedene Arten von Handschuhen sind für jede Art von Tätigkeit ausgelegt, mindern die Verletzungsgefahr und sorgen dennoch für das jeweils notwendige Fingerspitzengefühl. Die Container neben dem Bohrturm mögen jenen ähneln, wie man sie auf Baustellen findet. Drinnen, im Besprechungsraum, vermisst man jedoch die obligatorischen Bierflaschen. Stattdessen steht ein gutes Dutzend leerer Wasserflaschen von der jüngsten Sitzung herum. Am Arbeitsplatz Bohrstelle herrscht striktes Alkohol-, Rauch- und Handy-Verbot. Der Spaß kommt trotzdem nicht zu kurz. Die Mitarbeiter, vom Turmsteiger bis zum Bohrmeister, scherzen miteinander, während wir die Bohrstelle besichtigen. „Die Kameradschaft ist außergewöhnlich, weil es sich um einen ungewöhnlichen Job handelt – und weil jene Leute, die diesen ausüben, einander kennen“, glaubt Kiss. Noch weiß man nicht, ob in Obermühlham Öl zu finden ist. Aber eines ist sicher: Wenn man auf das begehrte „schwarze Gold“ stößt, gibt’s hier erst mal ein traditionelles Ölfest!  Info Wie funktioniert eine Bohrung? Verwendet wird hauptsächlich die Drehbohrtechnik, bei der das Gestänge über den Top Drive in Rotation versetzt wird. Eine Bohrstange ist neun Meter lang. Sobald diese Strecke abgebohrt ist, wird die nächste Stange aufgeschraubt. An der Spitze sitzt ein Bohrkopf oder Meißel, der das Gestein zertrümmert. Je nach Härtegrad des Gesteins werden unterschiedliche Bohrköpfe eingesetzt. Um die Bohrlochwand zu stützen und das zerkleinerte Gestein zu entfernen, wird Spülflüssigkeit mit hohem Druck durch den Bohrstrang nach unten gepumpt. Entlang der Außenwand des Bohrstrangs gelangt diese wieder nach oben. Für mehr Stabilität wird das Bohrloch anschließend verrohrt und zementiert. Herz und Blut einer Bohrung Rund 150 Meter am Tag schafft der Bohrkopf in Obermühlham. Die meisten der heimischen Ölvorkommen liegen zwischen 3.000 und 4.000 Metern Tiefe. „Gelegentlich findet man auch ab 1.000 Metern schon Öl.“ An der Spitze des Gestänges, das immer wieder verlängert werden muss, sitzt ein Bohrkopf. Je nach Gestein handelt es sich um einen Warzenmeißel oder auch PDC-Meißel (um polykristallinen Diamant; der ist übrigens schwarz und recht unscheinbar). Um das ausgebohrte Material zu entfernen, wird beständig Flüssigkeit ins Bohrloch gepumpt, mit Ton angereichertes Wasser. „Die Spülung ist das Blut, eine 350-bar-Pumpe das Herz“, erklärt Kiss. Das „Blut“ transportiere nämlich nicht nur Bohrmaterial, sondern auch Informationen zurück nach oben. Die RAG-Profis messen die Viskosität der zurückgepumpten Flüssigkeit und nehmen Proben des Bohrkleins. Alles Erbohrte wird ordnungsgemäß entsorgt, nichts verbleibt vor Ort. Der Aushub wird zum Teil zu Zement weiterverarbeitet. „Der teuerste Zement der Welt“, so Kiss, der damit freilich nicht den Verkaufspreis, sondern die Produktionskosten meint. 8   unsere wärme 2·15

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NAT U R U N D K ULT UR © Weinfranz Wirkt höher, als er ist: Mit seinen 1.893 Metern ist der Ötscher das weithin sichtbare Wahrzeichen des Mostviertels. Rund um den „Vaterberg“ Der Ötscher, ein Bergmassiv im südwestlichen Niederösterreich, ist immer eine Reise wert. Heuer ganz besonders, denn die Landesausstellung „Ötscher:Reich – Die Alpen und wir“ widmet sich dem Berg und den Menschen im Umfeld. Einsam erhebt er sich in der Landschaft, der Ötscher, der von bis zu 100 km Entfernung sichtbar ist. Manchen erinnert er dadurch gar an den Vulkankegel eines Kilimandscharo, insbesondere im Frühling, wenn der Ötscher noch eine Schneehaube am Gipfel trägt – der in Wahrheit keine 2.000 Meter hoch ist. „Der Ötscher ist ein erhabener Berg, er ragt über das Alpenvorland“, meint Beat Gugger, einer der Ausstellungsmacher. Stalagtiten und Stalagmiten sowie die kilometerlangen Höhlensysteme, die am Geldloch (bislang auf einer Länge von knapp zehn Kilometern erforscht), Taubenloch und Pfannloch ihren Ausgang nehmen. Relativ bequem erwandern lässt sich der Gipfel von der Bergstation des Sessellifts, der in Lackenhof startet. Nur für Geübte und Schwindelfreie eignet sich die Nordost-Route über den Rauhen Kamm. Belohnt wird man dafür mit dem schönsten Gratanstieg, den Niederösterreich zu bieten hat. Nicht allein der Berg selbst wird im Rahmen von „Ötscher:Reich“ inszeniert. Die Landesausstellung findet an drei Ausstellungsorten – Frankenfels, Neubruck und Wienerbruck – sowie in insgesamt 15 Ortschaften statt. Mariazell als uralte Pilgerstätte ist ebenso dabei wie der Naturpark Ötscher-Tormäuer mit den schluchtartigen Ötschergräben, die bäuerliche Kulturlandschaft des Pielachtals, die für ihre Produkte aus Dirndlkirschen bekannt ist, der alpine Urwald um Lilienfeld und Annaberg sowie die alte Eisenstraße.  Kilometerlange Höhlen Als Ausgangspunkt für eine Ausstellung ist der Berg bestens geeignet. Schon sein Name konserviert ein Stück österreichischer Siedlungsgeschichte: „Ötscher“ kommt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie „Vaterberg“. Und auch wenn der niederösterreichische Vaterberg keine vulkanische Vergangenheit hat, so ist er doch landschaftlich aufregend genug mit seinen Karseen, den spitzen Graten, Moränen und Schluchten. Nicht zu vergessen: die zahlreichen Höhlen wie etwa die 600 Meter lange Tropfsteinhöhle mit ihren Auch mit Kindern begehbar, trotz spektakulärer Ausblicke, Klammen und Wasserfälle: die Ötschergräben. © Weinfranz  unsere wärme 2·15 9

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H E I Z EN · NEUHEI TEN © ISH So macht Modernisieren Sinn Innovationen bei Heizen mit Öl wurden auf der Frankfurter ISH und der ­ Welser Energiesparmesse präsentiert. Die Trends: noch mehr Energieeffizienz und ­Hybrid-Systeme. Wer sich einen Überblick über die Entwicklungen bei Heiz- und Klimatechnik verschaffen wollte, war auf der diesjährigen Energiesparmesse bestens beraten. Auch die „Heizen mit Öl GmbH“ war dort mit einem eigenen Stand vertreten. Noch eine Nummer größer gab’s die ISH in Frankfurt: Knapp 200.000 Fachbesucher frequentierten die Internationale Fachmesse Sanitär-Heizung-Klima. Noch schneller auszahlen sollte sich in Zukunft der Austausch bestehender Anlagen. Dafür sorgen der Wettlauf der Hersteller um die bestmögliche Ausgangsposition beim neuen Energielabel für Heizungen und die Möglichkeiten zur ergänzenden Einbindung erneuerbarer Energien. Nicht nur das: Anlagen der neuen Generation lassen sich sogar in die vernetzte, intelligente Gebäudesteuerung über Smartphones oder Tablets integrieren. zen in jedem Fall mit A-Klasse. Das Unternehmen Wolf setzt da noch eins drauf und hat mit dem Modell TOB ein Gerät mit dem Label A+ im Programm. Erreicht wird diese Klassifizierung durch niedrigen Stromverbrauch und die witterungsgeführte Temperaturregelung mit Raumsensor. Kompakte Abmessungen und ein verringerter Wartungsaufwand machen das Modell besonders praktisch. Zudem lässt sich der TOB via Smartphone fernsteuern. Noch ein Plus mehr schafft der Vitolacaldens 222-F von Viessmann. Allerdings bezieht sich die Energieklassifizierung A++ in diesem Fall auf ein Öl-Hybrid-Kompaktgerät. Das Modell in Split-Bauweise hat eine Leistungsbandbreite von 1,3 bis 23,5 Kilowatt. © ck sto nk i Th Förderung Holen Sie sich bis zu 5.270 Euro! Die „Heizen mit Öl GmbH“ unterstützt den Umstieg auf moderne Öl-Brennwertgeräte, Warmwasserspeicher und Umwälzpumpen. Infos und Antragsformular unter der Telefonnummer 01/890 90 36 oder www.heizenmitoel.at. Öl + Wärmepumpe + Photovoltaik Umfassend fällt die Hybridlösung des Herstellers Brötje aus, die ein Öl-Brennwertgerät mit Luft-Wasser-Wärmepumpe und Photovoltaik verbindet. Über eine Regelungsein- Der TOB ist top! Wobei – energieeffizient waren Öl-Brennwertkessel auch bisher schon: Die Produkte glän- 10   unsere wärme 2·15

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HE I Z E N · N E U H E I T E N © Brötje © Buderus Internettauglich, strom­ sparender und noch fescher als das Vorgängermodell: der GB145 von Buderus. heit wird das System exakt gesteuert. Soll heißen: Immer wenn die Photovoltaik-Anlage Strom liefert, geht die Wärmepumpe an und belädt den Puffer- bzw. Trinkwasserspeicher. Das Öl-Brennwertgerät fungiert als Spitzenlastkessel, der nur bei besonders hohem Wärme- oder Warmwasserbedarf in Betrieb geht. Beste Chancen für Öl-Brennwertanlagen auch in der Zukunft sieht Manfred Gneis. Für den Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie war die ISH quasi ein Heimspiel: „Die Entwicklung geht zu mehr Effizienz, Sicherheit und Komfort. Gerade Kompaktanlagen aus Öl-Brennwert und Wärmepumpe machen Sinn. Der große Trend sind hybride Systeme, die neben Öl auch erneuerbare Energien nutzen und die in Bedienung und Wartung einfacher und bequemer sind.“ Der Ölkessel ist im Netz „Einfach und bequem“: Diese beiden Attribute gelten jedenfalls für das Modell Logano plus GB145 von Buderus. Durch „Internet Inside“ ist der Logano für die Anforderungen der Zukunft bestens vorbereitet – er kann mit einem Smartphone oder einem Tablet und der App EasyControl auch von unterwegs bedient und überwacht werden. Das Regelgerät verfügt serienmäßig über einen LAN-Anschluss, wodurch kein zusätzliches Modem erforderlich ist. Der patentierte ÖlVerdampfungsbrenner setzt auf ein – in der Automobiltechnik bewährtes – Einspritzventil. Der Brenner kalibriert sich selbst; weder bei Inbetriebnahme noch bei Wartungsarbeiten müssen Öldruck und Luftmenge eingestellt werden.  „Im Trend sind ­hybride ­Systeme, die neben Öl erneuer­bare Energien nutzen und die in ­ Bedienung und Wartung einfach und bequem sind.“  unsere wärme 2·15 11 © Wolf Öl-Brennwertgerät, Wärmepumpe und Photovoltaik – Brötje bietet alles in einem. Das richtige Gerät für energieeffiziente Gebäude: der TOB von Wolf.

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H E I Z EN M IT ÖL · U MFRAGE „ Bequem, technisch ausgereift, störungsfrei“ Bequ em Nied rige Ansc haffu ngsk oste n Nied rige Betr iebsk oste n Lang e Leb ensd auer Ener gieef fizien te H eizfo rm Ums tieg zu te uer Öffe ntlic he F örde rung en Umw eltfre undl ich Emp fehlu ng v on F amil ie et c. 4211+ 74+ 21+ 1+ 31 2217+ 1310+ 8+ 87+ 42+ 1 Besitzer von Ölheizungen schätzen die Vorteile dieser Heizform – dies ergab eine schriftliche Befragung, die mit der letzten Ausgabe von „Unsere Wärme“ an die Leser ging. In vielen Fällen wissen sie übers Heizen besser Bescheid als die Mehrheit der Österreicher. Ausschlaggebende Aspekte für diese Energieträger Ölheizungsbesitzer heizen zusätzlich mit ... Frage: Und gibt es noch weitere Energieträger, mit denen Sie Ihren Haushalt zusätzlich heizen? 42% Frage: Wenn Sie nun bitte an Energieträger denken, mit denen Sie hauptsächlich bei sich zu Hause heizen. Welche dieser Aspekte waren dabei ausschlaggebend, sich für diese zu entscheiden? 31% 22% 17% 11% 13% 7% 10% 8% 8% 8% 7% 4% 2% 4% 1% 1% 1% 2% 1% Wär mep ump e Kein e An gabe Ob mit Heizöl, Fernwärme oder Holzscheiten geheizt wird, hängt in Österreich vom Wohnort ab: Fernwärme wird stark im städtischen Bereich genutzt, in kleineren Gemeinden hingegen kommen vorwiegend Ölheizungen zum Einsatz. Oft wurde keine bewusste Wahl zwischen unterschiedlichen Heizformen getroffen: „Als ausschlaggebenden Aspekt nennen die meisten das Vorhandensein der Heizform im Haus“, erläutert IMAS-Geschäftsführer Gernot Hendorfer. Sein MeinungsforschungsInstitut erhob jüngst das Meinungsbild der Österreicher zu unterschiedlichen Heizformen. Bei einer bereits vorhandenen Ölheizung blieben auch jene Leser von „Unsere Wärme“, die auf eine schriftliche Umfrage antworteten. Immerhin 17 Prozent entschieden sich aber Heiz form war vor „Flüssige und gasförmige ­Brenn­stoffe bewirken zumeist geringere ­Emissionen von Feinstaub als feste ­Brennstoffe.“ Dr. Magdalena Kistler, Technische Universität Wien für eine Ölheizung, weil sie diese für bequemer erachten. Weitere wichtige Argumente: niedrige Anschaffungs- und Betriebskosten, lange Lebensdauer und Energieeffizienz. „Angenehme Wärme“ mit Öl Die Zufriedenheit ist demnach hoch. Martin Reichard, Geschäftsführer des IWO Österreich (Institut für Wärme und Öltechnik): „Besitzer von Ölheizungen beschreiben ihre Heizung vor allem als bequem, technisch ausgereift und störungsfrei. Auch die angenehme Wärme dieser Heizform wird von den Befragten häufig genannt.“ Wer Heizöl als Energieträger verwendet, sieht die Energieeffizienz dieser Energieform zumeist positiv und die Feinstaubbelastung eher gering. Damit zeigt er sich besser 12   unsere wärme 2·15 Kein e An gabe Sche itho lz Koh le/K oks And eres Sola rene rgie hand en Pelle ts Stro m Heiz öl

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4117+ 136+ 5+ 43+ 1+ 3 1815+ 14+ 108+ 75+ 2+ 1 Energieeffizienz einzelner Energieträger im Vergleich Frage: Welche Energieträger sind Ihrer Meinung nach besonders ­energieeffizient? 41% 17% 13% 6% 6% 5% 4% 3% 1% 1% 3% HE I Z E N M I T Ö L · U MF R AG E Hac ksch nitze l Koh le/K oks Wär mep ump e Fern wärm e Sche itho lz Erdg as Pelle ts Stro m Kein e An gabe Sola rene rgie Heiz öl Empfohlene Maßnahmen zur Energieeinsparung Martin Reichard (links), Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Öltechnik, präsentiert die Ergebnisse zweier Studien: „In der Bevölkerung ist wenig bekannt, dass ein moderner Öl-Brennwertkessel energieeffizient und praktisch feinstaubfrei arbeitet.“ Frage: Unabhängig von Ihren persönlichen Möglichkeiten, welche der folgenden Aspekte und Maßnahmen würden Sie am ehesten durchführen, um Energie zu sparen und energieeffizienter im Privathaushalt zu werden? 18% 15% 15% 14% 10% 8% 7% 5% 5% 2% 1% Fass aden däm mun g Eins atz e f fi Elek ziente trog r eräte ­War mwa Erneue ssers rung peic her Kauf effiz iente ener r Fah gie­ rzeu Ener ge gieb eratu ng m ache n ­Ther Austau mos sch v tatev o entil n en Tr spar ainings f. ende Fahr sprit­ weis e Weiß n kein e An icht/ gabe ­best Moder ehen n der H isierung eizfo rm Däm mun g Gesc obers hoßd te ecke Fens terta usch Heizungs- und Lüftungstechniker. „Alte bzw. nicht gründlich gewartete Systeme oder nicht einregulierte Heizungsanlagen setzen Energie nicht so effizient um wie modernere Geräte und hydraulisch abgeglichene Anlagen.“ Darüber hinaus sei entscheidend, wie die Nutzer die Technik handhaben. Neuer Ölkessel erspart Heizkosten In der Kombination ihrer Ölheizung mit anderen Heizformen setzen 42 Prozent auf das traditionelle Scheitholz. Immerhin elf Prozent nutzen zusätzlich Solarenergie. Über moderne Hybridheizungen und deren technische Möglichkeiten lesen Sie ab Seite 10 in diesem Heft. Dort informieren wir auch über Fördermöglichkeiten im Zusammenhang mit der Sanierung oder Modernisierung Ihrer Ölheizung. Dieser Aspekt steht bei Ölheizungsbesitzern an oberster Stelle unter jenen Maßnahmen, mit denen man ehesten Energiesparen und Energieeffizienz vorantreiben würde. Die Modernisierung der bestehenden Heizform kommt damit noch vor Maßnahmen der Gebäudesanierung wie der Dämmung der obersten Geschoßdecke und der Fassaden oder einem Fenstertausch. Dass sich der Ersatz alter Geräte durch neue Brennwertkessel auszahlt, betont auch Reichard: „Ein neuer Öl-Brennwertkessel setzt den Brennstoff viel effizienter in Wärme um und senkt dadurch Heizkosten und Feinstaubbelastung.“  informiert als die Mehrheit der von der IMAS befragten Gesamtbevölkerung: Heizöl verbrennt nämlich praktisch feinstaubfrei. Generell setzen flüssige und gasförmige Brennstoffe tendenziell weniger Feinstaub frei als Festbrennstoffe, wie Dr. Magdalena Kistler erklärt. Die Feinstaub-Expertin des Instituts für Chemische Technologien und Analytik der Technischen Universität Wien meint weiter: „Ganz allgemein gilt: Wer weniger und effizienter heizt, produziert auch weniger Feinstaub.“ Die Energieeffizienz hingegen steht nicht direkt mit der Wahl des Energieträgers in Verbindung. „Wie energieeffizient eine Heizung ist, hängt vor allem vom optimalen technischen Einsatz im Gebäude ab“, so Michael Mattes, Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Gewinnspiel Die jüngste Ausgabe von „Unsere Wärme“ enthielt eine schriftliche Umfrage. 1.003 Personen teilten uns ihre Meinung zu unterschiedlichen Heizformen mit. Herzlichen Dank! Unter allen Einsendungen werden 1.000 Liter Heizöl extra leicht verlost. Der Gewinner wird in der kommenden Ausgabe bekanntgegeben.  unsere wärme 2·15 13

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R E I SEN UND KU LTU R Die Heiligen Berge Abseits ausgetretener Touristenpfade finden sich die Sacri Monti in Norditalien. In den Pilgerstätten werden barocke Szenen aus Bibel und Heiligengeschichte als lebensgroßes Figurentheater gezeigt. Eingebettet ist das alles in eine atemberaubende Landschaft. am Kober Fotos: © Bertr Sacro Monte di Oropa: Die weitläufige Anlage im Piemont ist der Schwarzen Madonna gewidmet. An der Westseite des Comer Sees gelegen, werden in Ossucio die Mysterien des Rosenkranzes dargestellt. Eine untrennbare Einheit bilden Landschaft und Architektur im Fall der Sacri Monti, der „Heiligen Berge“ in der Lombardei und im Piemont. Es handelt sich dabei um insgesamt neun ausgedehnte Kapellenanlagen und Pilgerstätten, die im 16. und 17 Jahrhundert auf Berghügeln und an Seen errichtet wurden. Der Glaube des Barock wird in den Szenerien mit lebensgroßen Holz- oder Terrakotta-Figuren und aufwändigen Kulissen fühlbar. Die Darstellungen sind fast durchwegs künstlerisch sehr hochwertig. Nicht umsonst zählen die Sacri Monti zum Weltkulturerbe der Unesco. Von der Notlösung zur Pilgerstätte Begonnen wurde mit dem Bau der ersten Kapellen im Spätmittelalter. Große Teile Osteuropas waren damals unter türkischer Herrschaft, wodurch Pilgerreisen ins Heilige Land erschwert wurden. Die Heiligen Berge sollten den Gläubigen daher als Ersatz dienen und zu Einkehr und Erneuerung des Glaubens anregen. Zu den wichtigsten Pilgerstätten zählt der Monte Varallo Sesia: Die Anlage aus 45 Kapellen und der Basilika Dell’Assunta wurde auf einem Fels über dem Dorf Varallo errichtet, mit der Absicht, die Landschaft des Heiligen Landes zu 14   unsere wärme 2·15

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RE I S E N U ND K ULT UR Mehr als 150 Jahre (ab 1497) dauerten die Arbeiten an den 45 Sakralbauten und 600 Figuren des Sacro Monte di Varallo. Auf einem steilen Bergrücken oberhalb des Lago di Varese sind die Kapellen mit Figuren aus dem Leben Jesu. kopieren. 23 Kapellen und einen der höchsten Hügel der Monferrato-Region kann man entlang der Strecke zum Sacro Monte Serralunga di Crea erkunden. Unvergesslich bleibt dem Pilger wohl auch der Heilige Berg von Belmonte in Valperga, der sich auf einem Hügel aus rotem Granit erhebt. In der Lombardei genießt man vom Sacro Monte der Heiligen Jungfrau von Soccorso aus ein einzigartiges Panorama: Die Anlage befindet sich – völlig isoliert und umgeben von Wäldern und Olivenhainen – an der westlichen Küste des Comer Sees, gegenüber einer Insel.  Leseempfehlung Die Fotoserie im Buch „Sacri Monti“ von Bertram Kober (Kerber Verlag) zeigt die Kapel­ lenanlagen sowie die im Inneren inszenierten Figurentheater der Heiligen Berge Norditaliens aus ungewöhnlichen Blickwinkeln und in beeindruckenden Lichtstimmungen. Eindeutig sehensund lesenswert!  unsere wärme 2·15 15

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