IDV-Magazin 87

 
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Sonderheft des IDV-Magazins: “Deutsch in Südasien” mit Beiträgen aus Indien, Pakistan, Nepal und dem Iran.

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband [ Nr. 87 • Juni 2015 ] SONDERHEFT Indien - Pakistan - Nepal - Iran Deutsch in Südasien [ [

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Nr. 87 | Juni 2015 | www.idvnetz.org An die Leserinnen und Leser ir freuen uns sehr, Ihnen die erste Ausgabe des IDV-Magazins im Jahr 2015 vorstellen zu dürfen. Die vorliegende Ausgabe wird als Sonderheft des IDV-Magazins von Puneet Kaur, der Generalsekretärin des Internationalen Deutschlehrerverbands (IDV) und Vizepräsidentin des indischen Deutschlehrerverbands (InDaF), herausgegeben und ist dem Thema Deutsch in Südasien gewidmet. Durch Beiträge von DaF-Lehrer/inne/n und Dozent/inn/en aus Indien, Nepal, Pakistan und dem Iran wird die Szene der Deutschvermittlung in einer der neuen großen DaFRegionen exemplarisch dargestellt. Ein Vorwort durch Puneet Kaur und Prof. Dr. Pramod Talgeri präsentiert die reichhaltigen Beiträge dieses Sonderhefts und führt die Leserinnen und Leser in die traditionsreiche, bedeutungsvolle und ständig neue Vermittlung des Deutschen in der Region Südasien ein. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre! IDV - Der Internationale Deutschlehrerverband Präsidentin: Vizepräsidentin: Generalsekretärin: Schatzmeister: Schriftleiter: Experte Deutschland: Expertin Österreich: Experte Schweiz: Grafikdesign: Marianne Hepp Alina Dorota Jarzabek Puneet Kaur Benjamin Hedzic Geraldo de Carvalho Sebastian Vötter Sonja Winklbauer Joachim Hoefele Andréa Vichi hepp@idvnetz.org jarzabek@idvnetz.org kaur@idvnetz.org hedzic@idvnetz.org carvalho@idvnetz.org voetter@idvnetz.org winklbauer@idvnetz.org hoefele@idvnetz.org andreavichi@ig.com.br Herausgeberin: Puneet Kaur Produktion: Schriftleitung des Internationalen Deutschlehrerverbands Für Werbeinserate im IDV-Magazin: carvalho@idvnetz.org 2

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband In dieser Ausgabe Vorwort Pramod Talgeri | Puneet Kaur 4 Die Germanistik in Indien wird hundert Jahre alt Pramod Talgeri 7 InDaF - der indische Deutschlehrerverband Puneet Kaur 13 Deutsche Institutionen zur Verbreitung der deutschen Sprache im Iran Mahrang Khalatbari |Amin Kassai | Hamid Mirhadi 17 Deutsche Sprache in Nepal durch das PASCH- Programm Uttam Dhital 21 Deutsch in Pakistan - Zitate von Deutschlernenden und Lehrenden Naureen Ahmed Zaki 23 „Romantisches“ Indien Wolfgang Franz 26 Lehreraus- und -fortbildung in Indien Puneet Kaur 30 Großgruppendidaktik im Deutschunterricht - Ein Beispiel aus Indien Janaki Narkar Waldraff 33 Germanistik an der Universität Mumbai, Indien Vibha Surana | Meher Bhoot 36 Überlegungen zu einer kritischen Fremdsprachenpädagogik im Zeitalter der Globalisierung Madhu Sahni 39 3

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Vorwort ieser Sammelband bietet ein breites Spektrum von didaktischen Möglichkeiten der Vermittlung von DaF im südasiatischen Bereich. Die Autoren sind erfahrene Deutschlehrer/-innen sowie Germanisten, die bestrebt sind, innovative Perspektiven des Deutschunterrichts durch ihre Reflexion und Praxis zu erschließen. Das anhaltende Interesse der asiatischen Länder an der deutschen Sprache, Literatur und Kultur hat eine lange Geschichte. Auch das deutsche Interesse an der Kultur und Sprache der asiatischen Länder ist ein fester Bestandteil einer langen reziproken Kulturgeschichte. Die Beiträge von Pramod Talgeri, Meher Bhoot und Madhu Sahni in diesem Band beschreiben den geschichtlichen Werdegang dieser gegenseitigen Rezeption. Der Beitrag von Wolfgang Franz über “‘Romantisches’ Indien” verdeutlicht diesen soziokulturellen Prozess anhand von Beispielen aus der deutschen Romantik. Er stellt fest: “Alle namhaften Denker des 19. Jahrhunderts haben sich mit Indien […] und seiner Kultur beschäftigt und dies durchweg mit Begeisterung”. Deutschland hatte immer gute Beziehungen zu Indien und anderen asiatischen Ländern. Der Grund dafür scheint hauptsächlich darin zu liegen, dass es eines der wenigen Länder in Europa war, das kein koloniales Interesse an Indien hegte, sondern eher Bewunderung und Respekt den Kulturnationen Asiens entgegenbrachte. Das kann man bei den Klassikern, Romantikern sowie bei den Gelehrten wie Max Mueller und Schriftstellern wie Guenter Grass, Hermann Hesse, Stephan Zweig feststellen. Indien seinerseits hat auch immer die schöpferische Geisteskraft der deutschsprachigen Länder in Philosophie, Musik, Wissenschaft und Technologie bewundert. Ein Deutschstudium in Indien ist daher kein zufälliges Phänomen, sondern eher historisch begründet. Es 4 D hat seinen Ursprung in der Hochschätzung der altindischen Kultur, des Sanskrit und der Literatur durch die deutschen “Dichter und Denker”, die sonst von den herrschenden britischen Kolonialherren immer gering geschätzt wurden. Pramod Talgeri betrachtet in seinem Beitrag besonders die Aufnahme der deutschen Literatur in die Lehrpläne der indischen Universität Bombay (heute Mumbai) Anfang des 20. Jahrhunderts als “einen bewussten Versuch einer indirekten Subversion des britischen Kolonialdiskurses”. Dadurch wollten die Gründungsväter zum einen “ein laterales Verständnis der nicht britischen Kulturen Europas erwerben, was über die britischen Quellen nicht möglich war. Zum anderen, was noch wichtiger war, wollten sie das europäische, nicht-britische Verständnis Indiens erwecken und absichern, um sich eines zunehmend positiven Selbstverständnisses zu vergewissern” (Talgeri,ibid.). Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der indischen Kultur dieser Gelehrten führte im frühen 19. Jahrhundert zur Gründung einer neuen akademischen Disziplin: Indologie. Der Artikel “Deutsche Institutionen zur Ver breitung der deutschen Sprache im Iran, Deutsche Schule Teheran” der Kollegen Mahrang Khalatbari, Amin Kassai und Hamid Mirhadi gibt einen informativen Überblick über die historische Entwicklung des Deutschunterrichts im Iran. Es ist interessant zu sehen, dass die deutsche Sprache mit Unterbrechungen seit mehr als hundert Jahren im Iran von diversen Institutionen auf verschiedenen Levels unterrichtet wurde. Die Deutsche Schule in Teheran, gegründet 1905, hat zur Verbreitung von DaF beträchtlich beigetragen, obwohl sie wegen der politischen Komplikationen in den 70er Jahren geschlossen werden musste. Aber der Deutschunterricht zusammen mit der

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband technischen Ausbildung für das technische Personal der iranischen Industrie hat sich durch die 1925 gegründete "Deutsch -Iranische Gewerbeschule" in Teheran fortgesetzt. Das deutsche Auswärtige Amt hat in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut ein ehrgeiziges globales Programm „Schulen: Partner der Zu kunft“ (PASCH) entwickelt, infolgedessen ein weltumspannendes Netz von 1700 Partnerschulen weltweit aufgebaut wird. Mit der Unterstützung des Goethe-Instituts wird im Iran Deutsch als zweite Fremdsprache an PASCH-Schulen unterrichtet. Auch das Königreich Nepal im Himalaya ist ab 2009 ein aktiver Teilnehmer am PASCH-Projekt. Julia Opitz, ehemalige PASCH-Koordinatorin in Nepal, merkt dazu an: “Wie die beiden großen Religionen, Hinduismus und Buddhismus, in Nepal miteinander so gut harmonisiert sind, ist auch die deutsche Sprache in den PASCH-Schulen in Nepal harmonisch integriert und hat somit in Nepal auch eine große Anerkennung gefunden!” Mit PASCH hat auch Pakistan angefangen, den Deutschunterricht im schulischen Bereich aufzubauen. Frau Naureen Zaki war die treibende Kraft dahinter und vermittelt uns Stimmen von jungen Menschen aus diesem schönen Land. Die Region Südasien hat bisher nur einen Deutschlehrerverband, der vor sechs Jahren gegründet wurde. Der Werdegang des Verbands wird in einem Artikel von Puneet Kaur geschildert. Das Interesse an der deutschen Sprache und Kultur im akademischen Bereich wurde u. a. auch durch pragmatische Zweckmäßigkeit vertieft. Die zunehmende Expansion der deutschen Industrie im Iran, Indien und anderen asiatischen Ländern hat bei der Jugend dieser Region ein erneutes Interesse an der deutschen Sprache geweckt. Da- bei wirkt das PASCH-Programm als effektiver Multiplikator. Auf der universitären Ebene werden in allen diesen Ländern deutsche Literaturgeschichte, Übersetzung sowie DaF in die Lehrgänge BA, MA und Ph.D. aufgenommen. In diesem Zusammenhang ist die Leistung der DeutschAbteilungen der verschiedenen indischen Universitäten besonders beachtenswert. Paradigmatisch kann man in diesem Kontext den Beitrag der Mumbai-Universität erwähnen. Das ganze MACurriculum wurde mit der Einführung der indischen ästhetischen Theorie sowie der Philosophie, der europäischen Kulturgeschichte, westlichen Literaturtheorien, der Migrantenliteratur sowie Sprachwissenschaft interkulturell gestaltet. Gleichzeitig wird deutsche, österreichische und schweizerische Literatur in den Lehrplan der Germanistik aufgenommen. „Die akademischen Studiengänge werden so neu konzipiert, dass sie einerseits eine allgemeine Geistesbildung erteilen und zugleich Berufschancen nach dem Abschluss eröffnen“. Neue Kurse wie Filmstudien, Kompa rative Ästhetik oder Einführung in die Kulturwissenschaft werden Teil des M.A.-Programms im Fach Germanistik. Mehrsprachigkeit und Interkulturalität werden weiter mit einem Übersetzungsprojekt am Department of German gefördert. Diese breite Auswahl von interdisziplinären Kursen schafft eine solide Grundlage für ein interkulturelles Forschungsprogramm in Germanistik. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre. Prof. Dr. Pramod Talgeri Puneet Kaur 5

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Die Germanistik in Indien wird hundert Jahre alt PRAMOD TALGERI er vorliegende Beitrag will die Entwicklung und den heutigen hermeneutischen Basispfeiler des Studiums der Germanistik in Indien vorstellen und sich mit diesen auseinandersetzen1. Vorausgeschickt sei: Das Erlernen einer Fremdsprache ist immer ein Versuch, mit einer fremdkulturellen Sensibilität in Kontakt zu treten. Jedes Studium einer Fremdsprache ist gleichzeitig ein Akt transnationaler oder transkultureller Aneignung. Das Literaturstudium einer monokulturellen fremdsprachigen Gesellschaft beruht dabei immer gleichzeitig auf dem nationalen Paradigma der Ausgangskultur und auch die pädagogische Vermittlung der fremdsprachigen Literatur ist in den jeweils besonderen Rahmen des eigenen nationalen Selbstverständnisses eingebettet. In diesem Sinne ist jede Produktion und Vermittlung jeglicher einheimischer Literatur zuerst einmal eine monokulturelle Beschäftigung. Nun ist es aber genau der Fremdsprachenunterricht, der diesen monokuturellen Kontext transzendiert und eine hermeneutische Situation schafft, die einen neuen Horizont des interkulturellen Verständnisses eröffnet und damit eine neue Grundlage für die Aneignung der Fremdsprache und deren Literatur im Ausland bildet. Aus einer monokulturalen Beschäftigung mit (literarischen) Texten wird eine interkulturelle. Auch das Deutschstudium in Indien versteht sich von daher vor allem als eine interkulturelle hermeneutische Beschäftigung. Solch ein Verständnis einer fremdsprachigen Literatur enthält eine eingebaute relativistische Komponente, indem es auf eine eigentümliche Weise sowohl die Fremdkultur als auch die Eigenkultur hinterfragt. Damit stellt es auch den Begriff der Kultur per se in Frage. 1 D Bevor man auf den gegenwärtigen Stand der Germanistik in Indien eingeht ist es unumgänglich, einen raschen Blick auf ihre Vorgeschichte zu werfen: Das indische Interesse an der deutschen Literatur und Kultur hat seine Ursprünge in der indischen Kolonialgeschichte und verdankt sein Entstehen gleichzeitig auch dem besonderen Umstand, dass die deutschen „Dichter und Denker“ eine enorme Bewunderung für die indische Kultur aufbrachten und damit in gewissem Sinne eine verschollene Zivilisation und ihre reiche vergangene Kultur wiederentdeckten, die besonders bei den deutschen Romantikern als eine Quelle der Revitalisierung der europäischen Kultur galt. Diese indophile Einstellung der deutschen Intellektuellen im 18. und 19.Jahrhundert verhalf den Indern, die diffus gewordene indische Kulturidentität wieder herzustellen und Indien als eine „Kulturnation“ zu legitimieren. Vor diesem historischen Hintergrund ist die Entstehung und Entwicklung des Deutschstudiums in Indien zu betrachten. Die Perspektiven und Paradigmata haben sich im Lauf der hundertjährigen Geschichte der Germanistik in Indien im Hinblick auf akademische Prioritäten im Fremdsprachenunterricht verschoben. Das neuzeitige indische Bildungssystem ist in jeder Hinsicht ein Produkt des britischen Kolonialismus. Die indische Bildungsschicht kam in Berührung mit der europäischen Kultur, als die britische Kolonialverwaltung in Indien im Jahre 1857 die ersten drei Universitäten, Bombay, Kalkutta und Madras gründete. Der Hauptzweck hinter der Gründung der Universitäten lag darin, die indische Mittelschicht, die im Grund aus Priestern, mittleren Angestellten und Geschäftsleuten bestand, an den westlichen Kulturwerten im öffentlichen Umgang zu orientieren, mit der Absicht, die britische Herrschaft in Indien weiterhin zu festigen und durch die Schaffung einer Klasse von Verwaltern Es handelt sich bei diesem Beitrag um eine gekürzte und umgearbeitete Fassung meines Artikels „Hundert Jahre Germanistik in Indien“, erschienen in der italienischen Fachzeitschrift „Studi Germanici“, 6/2014, S. 355 -364, online abrufbar unter http://rivista.studigermanici.it/index.php/studigermanici. 7

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband die verwaltungstechnischen Aufgaben im Lande durchführen zu lassen. Das alles sollte letzten Endes zur Konsolidierung der britischen Herrschaft in Indien beitragen. Lord Macaulay, der britische Gesandte in Indien, der für die Bildungsfragen zuständig war, legte dem britischen Parlament einen bildungsstrategischen Plan vor, nach dem mit der Einführung des britischen Bildungssystems in Indien eine indische Bildungsschicht erzeugt werden sollte, die nur nach Hautfarbe und Blut indisch, nach Geschmack, Gesinnung und Geist dagegen britisch sein sollte. Der britische Verwaltungsapparat in Indien sollte von dieser Bildungsschicht gestützt, ja gar getragen werden: “We must at present do our best to form a class who may be interpreters between us and the millions whom we govern; a class of persons, Indian in blood and colour, but English in taste, in opinions, in morals, and in intellect”2. Dieser Strategie zufolge wurde in den Colleges die zeitgenössische englische Literatur eingeführt. Schon von Beginn des College-Studiums an hat der Syllabus Kurse über die Geschichte der englischen Literatur und Kultur vorgeschrieben. Erstaunlicherweise fand die Einführung in die englische Literatur großen Anklang bei den sozialen Eliten von Kalkutta und Bombay. Besonders die englische romantische Dichtung wurde als der indischen Psyche nahe empfunden. Bei den Gedichten von Wordsworth, Shelley, Keates, Byron, Tennyson spürte man eine gewisse Nähe zur indischen Verherrlichung der Natur, der Mystik, der verinnerlichten Visionen. Aber langsam führte diese Beschäftigung mit der englischen Literatur zu einer Entfremdung gegenüber der bildungspolitischen Hegemonie der kolonialen Herrschaft. Auch die zunehmende Verwestlichung der indischen kulturellen Sensibilitäten und geistigen Traditionen führte zur weiteren Entfremdung im öffentlichen Bereich, 2 3 was zu einem politischen Erwachen nationaler Gesinnung beitrug. Die gleiche Dichtung, für die sich die Inder bei ihrer Einführung so begeistert gezeigt hatten, wurde nun als niederdrückend empfunden: Sie stand plötzlich nicht mehr für die Verherrlichung der Natur, vielmehr eher repressiv und repräsentativ für den britischen Kolonialismus, der nicht nur politisch den indischen Boden besetzt, sondern auch auf intellektueller Ebene den indischen Geist versklavt hatte. Andererseits vertrat aber die britische Literatur symbolisch die westlichen intellektuellen Entwicklungsabläufe. Die englische Sprache erschloss den Indern die Welt des liberalen Rationalismus und der europäischen Wissenschaft, obwohl sie auch als ein Instrument der hegemonialen Macht und Unterdrückung angesehen wurde. Aber, was noch wichtiger war, sie eröffnete den Indern auch den Zugang zu weiteren europäischen Kulturen. Unter diesen waren es vor allem Deutschland und Frankreich, die eine besondere Anziehungskraft auf die Inder ausübten. 1914 wurde das erste Department of German, French, Latin und Greek am Fergusson College in der historischen Stadt Poona unter der nationalgesinnten politischen Führung von Lokmanya Tilak und Gopal Ganesh Agarkar gegründet. Die beiden Reformisten Tilak und Agarkar führten dabei bewusst diese vier Sprachen als Studienfächer für den B.A. und M.A. an der Bombay University ein3. Die deutsche Indien-Begeisterung durch Max Müller und andere Indologen relativierte zu gewissem Grade die indische Euphorie für die britische Kolonialherrschaft. Viele Inder, die in der Regel zu Studienzwecken nach England fuhren, wechselten ihren Studienort nach Berlin, Heidelberg, Bonn, München, Göttingen, Wien, oder an die Pariser Universität Sorbonne. Der indische Dichter und der spätere geistige Gründer von Macaulay's Minute on Indian Education, 2nd February, 1835. Ich bin meinen Kolleginnen Savita Kelkar und Archana Gogate vom Fergusson College für ihre Bemühungen um diese wertvollen Informationen dankbar. 8

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Pakistan, Sir Mohammed Iqbal, immatrikulierte sich an der Universität München und promovierte dort mit einer Dissertation über “Die Entwicklung der Metaphysik in Persien“ (1907). Zakir Husain, der später in den sechziger Jahren Staatsoberhaupt Indiens wurde, ging 1923 nach Berlin und studierte an der Humboldt-Universität griechische Philosophie. Er arbeitete über Ethik und Staatskonzepte, übersetzte Platons „Staat“ ins Urdu und promovierte mit einer Dissertation über Nationalökonomie (1925). R.N. Dandekar, der renommierte Indologe aus Pune, promovierte 1938 in Heidelberg mit dem Dissertationstitel „Der Vedische Mensch. Studien zur Selbstauffassung des Inders in Rg-Veda“. Die Auswahl der Themen der Dissertationen ist symptomatisch, indem diese Abhandlungen den Versuch unternehmen, die Wurzeln des “indischen” Selbstverständnisses über die Wahrnehmungen der deutschen Schriftsteller und Wissenschaftler wiederzuentdecken. Die Entstehung der Germanistik in Indien muss man vor allem in diesem Zusammenhang beleuchten. Man muss dabei gleichzeitig aber auch einschränkend auf die Tatsache hinweisen, dass dies anfängliche leicht nationalistisch angehauchtete Deutschland-Begeisterung der national gesinnten indischen Bildungsbürger während der dreißiger und vierziger Jahre bald abflaute und sich auf eine syllabus-fixierte Routine eines allgemeinen Sprachunterrichts und die Lektüre der deutschen Klassik und Romantik beschränkte. Es war für die Inder besonders schmeichelhaft, von der deutschen Indien-Begeisterung zu erfahren. Besonders waren sie beeindruckt von deutschen Klassikern wie Herder, Goethe, Schiller, deutschen Romantikern wie den Gebrüdern Schlegel, Novalis, Schopenhauer und den zahlreichen renommierten Indologen, besonders Max Müller (Sohn des romantischen Dichters Wilhelm Müller). Max Müller genießt als Übersetzer und Vermittler der alten Sanskrit-Literatur einen fast ikonenhaften Ruf in Indien. Das GoethInstitut in Indien ist bekanntlich nach Max Müller umbenannt worden und heißt „Max Mueller Bhavan“. Erst nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 wurden die nächsten Versuche unter nommen, das Studium der neueren deutschen Literaturgeschichte mit neuen Impulsen zu versehen. Die Namen, die nun auf den Plan gerufen wurden, schlossen Thomas Mann, Kafka, Rilke und Gottfried Benn mit ein. Die adäquate Aneignung und Beherrschung der deutschen Sprache zum Zweck, das Studium der deutschen Literatur aufnehmen zu können, war die vornehmliche pädagogische Zielstellung des Faches „Studies in German Language and Literature“, sowohl für den Erwerb des B.A., als für denjenigen des M.A. In den 60er Jahren ging eine Anzahl von indischen Studenten dank eines DAAD-Stipendiums in die Bundesrepublik Deutschland, um dort das germanistische Studium mit einer Promotion abzuschließen. Gleichzeitig wurden an mehreren indischen Universitäten German Departments eingerichtet. Am prominentesten unter ihnen ist das 1970 gegründete Centre for German Studies an der Jawaharlal Nehru University (JNU), New Delhi, das innerhalb der School of 9

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Language, Literature and Culture Studies der Universität ein neuorientiertes Studienprogramm der Germanistik vorlegte. Schon die revidierte Nomenklatur der Fakultät weist auf eine neue Orientierung hin, die das Studium der fremdsprachigen Literatur in den soziokulturellen Kontext situiert. Das akademische Anliegen dieser “Studies” äußert sich in der Aneignung “einer Weltperspektive und internationalen Verständigung”4. Von Anfang an wurde daher der Akzent der Curriculum-Planung auf einen integrierenden Ansatz gelegt, der das Studium der Sprache, Literatur, Übersetzung, Kultur und Zivilisation (Landeskunde) in die sozialen und historischen Kontexte einbettet. Die akademische Intention hinter dieser Integration war, die “German Studies” in interdisziplinären Kontexten zu ent wickeln, die Literatur- bzw. Übersetzungstheorie, Sprachdidaktik, Komparatistik, Sozialgeschichte, kontrastive Linguistik und komparative Kulturstudien einschließen. Inzwischen haben andere Departments of German in Indien (u.a. in Pune, Bombay, Benares, Hyderabad, Karnatak, Kerala, Rajasthan, Banasthali, Himachal, Kashmir) ihre Lehrpläne entsprechend umstrukturiert. Die deutsche Abteilung der Hyderabader Fremdsprachenuniversität, Central Institute of English and Foreign Languages (CIEFL, Gründungsjahr 1972/73) wurde vom Bildungsministerium der DDR unterstützt. Bis zum letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erschöpfte sich die institutionelle Verantwortung des Fremdsprachenunterrichts auf der Universitätsebene normalerweise ausschließlich in der Vermittlung der klassischen Literaturkenntnisse der Sprache, die in der Regel um literarisch orientierte Texte kreiste. Der Hauptzweck der Vermittlung der Fremdsprachen und -literaturen bestand darin, sich die essentiellen Kenntnisse einer bestimmten Fremdkultur anzueignen. Lernen der Fremdsprache durch ihre repräsentative klassische Nationalliteratur war die hervorgehobene methodologische Notwendigkeit. Daher wurde die fremdsprachige Nationalliteratur als die wichtigste, ja fast die einzige Quelle für den Sprachunterricht akzeptiert und als das relevante 4 Unterrichtsmaterial zur Sprachvermittlung anerkannt, das alleine Einblick in den typischen Charakter der Fremdkultur zu gewähren vermochte. Daher beeinflussten die nationalliterarischen Kanons der Fremdsprache auch die Auswahl der Texte für den Syllabus des Fremdsprachenunterrichts beträchtlich. Aber auch die Aufnahme der literarischen Texte der Fremdsprachen bereitete manchmal ernsthafte Probleme bei der Widerspiegelung der kulturellen oder nationalen Identität. Dies war der Fall, wenn sie kontroverse politische oder ideologische Konflikte in sich bargen, und zwar besonders solche, die mit den Angelegenheiten aus der geschichtlichen Vergangenheit zusammenhingen, wie z.B. in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Außerdem war die Auswahl der literarischen Texte und der kulturellen Information mitbedingt durch die Perspektive der dominierenden einheimischen Kultur. Jedwede politische Meinungsverschiedenheit, ideologische Präferenz oder politische Differenz innerhalb der Fremdkultur wurde auch im Syllabus reflektiert. In diesem Zusammenhang ging der deutsche Literaturunterricht an den indischen Universitäten in den 70er Jahren auch durch ein spannungsreiches, eigenartiges Dilemma bezüglich der Auswahl der deutschen Literatur-Texte. Die German Departments an den indischen Universitäten waren damals gänzlich von der westdeutschen Version der literarischkulturellen Vergangenheit und Gegenwart dominiert, während die DDR-Version der gleichen Kulturgeschichte nicht oder höchstens minimalst zur Kenntnis genommen wurde. Böll, Grass, Dürrenmatt, Frisch, Handke, Bernhard wurden gern zitiert, während Erwin Strittmatter, Stefan Heym, Havemann, Hermann Kant ignoriert wurden. Ausnahmen machten nur Biermann, Sarah Kirsch, Uwe Johnson und Christa Wolff. Erst nachdem die diplomatische Anerkennung der DDR als separate, eigenständige politische Einheit auch durch die Bundesrepublik erfolgt war, wurde der DDR-Literatur Einlass in die Syllabi der indischen Universitäten gewährt. Zitiert in deutscher Übersetzung nach der Präambel der JNU-Statuten 1969. 10

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband In den letzten Jahren sind Versuche unternommen worden, die gegenwärtigen Trends der theoretischen Überlegungen in die Bereiche der Literatur und Übersetzung mit einzubeziehen. Diese schließen Diskurse über den Feminismus, Orientalismus, die Postmoderne, Medienkritik, interkulturelle Hermeneutik und Begriffsgeschichte Europas mit speziellem Bezug zur deutschen Geistesgeschichte ein. So sind beispielsweise gegenwärtig einige Kollegen mit einem Forschungsprojekt beschäftigt, das den hierfür aussagekräftigen Titel trägt: “Becoming of Europe: Philosophical and Hermeneutic Foundations of the Idea of Europe”. Heute wird eine breite Palette von Themen und Forschungsbereichen an indischen Universitäten angeboten. Als Beispiele könnte man die Themen5 kreise „Deutschsprachige Literatur im 19. und 20. Jahrhundert“, „Rezeption der deutschsprachigen Literatur im indischen Kontext mit speziellem Bezug zu Problemen der Übersetzung“, „Deutsch indische Kulturbegegnung“, „Angewandte Ger manistische Linguistik“, „Fremdsprachenpädago gik“ angeben5. Auf diese Weise ist die lange Tradition der „Studies in German Language and Literature“ mit der zunehmend lebhaften internationalen Diskussion über die Perspektiven und Ziele der Germanistik als fremdsprachlicher Philologie verbunden und integriert worden. Abschließend kann man feststellen, dass eine gewisse produktive Aneignung nationaler Erfahrung und internationaler Diskussion die Basis für die Entwicklung der Germanistik in Indien bildet. Vgl. Studien-Prospekt „Course Content“ des Centre of German Studies, JNU 2008. 11

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband 5 Vgl. Studien-Prospekt „Course Content“ des Centre of German Studies, JNU 2008. 12

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband InDaF - der indische Deutschlehrerverband PUNEET KAUR er indische Deutschlehrerverband InDaF wurde 2008 gegründet. Es war ein Versuch, alle Deutschlehrer/innen in Indien unter einen Hut zu bringen. Bis dahin gab es keine gemeinsame Plattform für die Deutschlehrer/innen, sich zu treffen oder auszutauschen. 2005 bis 2008 waren auch die Jahre, in denen die DaF-Landschaft in Indien einen Aufwind spürte und das Interesse an der deutschen Sprache sowohl quantitativ als auch qualitativ stieg. Vor diesem Hintergrund war es ein opportuner Moment, einen Verband zu gründen. 2008 nahmen beim ersten Gründungskongress in Neu Delhi renommierte Referenten aus der DaFWelt wie Prof. Dr. Hans-Jürgen Krumm von der Uni Wien, Prof Dr. Pramod Talgeri von der Jawaharlal-Nehru-Universität, Neu Delhi, und Prof. Dr. Ludwig Eichinger vom Institut für Deutsche Sprache, Mannheim, aktiv teil. Es gab auch indische Kollegen, die zum ersten Mal über die Situation der deutschen Sprache in Indien referiert haben. Das ist auch das Ethos des InDaF bis heute, Experten aus Deutschland mit Referenten aus den eigenen Kreisen zusammen zu bringen. 2008 fing der InDaF mit 100 Mitgliedern an und die Zahl ist 2014 auf 800 gestiegen, als die indische DaF-Community 100 Jahre Deutschunterricht in Indien feierte. Diese 800 Kollegen unterrichten Deutsch als Fremdsprache in verschiedenen Schulen, Colleges und Instituten in ganz Indien. Seit seiner Gründung 2008 hat sich der Verband bemüht, das große Netzwerk von Lehrern bzw. Lehrerinnen zu festigen, das sich durch den InDaF im ganzen Land gebildet hat, um den Mitgliedern nicht nur zu ermöglichen, persönlich miteinander in Kontakt zu treten und sich kennenzulernen, sondern auch von den Erfahrungen der Kollegen und 13 D Kolleginnen zu lernen. Das mit dem Ziel, die eigene Lehre zu verbessern, in einem Umfeld, das die Idee der kontinuierlichen Entwicklung unterstützt. Seit 2009 ist der InDaF Mitglied des Internationalen Deutschlehrerverbands (IDV). V IEL LEICH T IST ES IN TERESSANT ZU SEH EN, VO R WEL CH EM H INTERGRUND D ER D EU TSCHL EH RERVERB AND IN IND IEN GEGRÜ ND ET WU RD E DaF war in Indien bis 2000 eine Randerscheinung. Wenn man Deutsch lernen wollte, ging man entweder zur Uni oder zum GoetheInstitut. Es gab wenige Schulen, mit Ausnahme derer von Pune und Delhi, wo Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wurde. Sehr wenige Colleges haben auch Deutsch angeboten. Bis 1985 boten sehr viele Universitäten gut besuchte Deutschkurse an, weil für Studenten der Naturwissenschaften Deutsch Pflichtfach war. Es galt als die Sprache der Naturwissenschaften und Technik. Aber Mitte der achtziger Jahre hat man sich von dieser Auffassung getrennt und das Pflichtfach Deutsch abgeschafft. Das führte zu einer Abschaffung der Deutschkurse an zahlreichen Universitäten im Land. Zu diesem Zeitpunkt entdeckten die Sekundarschulen in Indien die Fremdsprachen. Man versprach sich eine bessere Zukunft mit Fremdsprachenkenntnissen. Aber es blieb ein exotisches Fach, das nur an ein paar Eliteschulen angeboten wurde. Die Liberalisierung der indischen Wirtschaft um 1990 änderte einiges. Sehr viele ausländische Firmen, darunter auch deutsche Unternehmen, haben in Indien investiert. Noch wichtiger für den Arbeitsmarkt war das „Outsourcing“. Große und

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband kleine Unternehmen haben ihre Arbeitsprozesse nach Indien verlagert und in Großstädten wie Bangalore und Delhi fanden Tausende von jungen Leuten Arbeit mit Fremdsprachen. Wo konnten sie aber ihre Deutschkenntnisse erwerben? Das Goethe-Institut war eine Möglichkeit, aber das GI konnte nur eine begrenzte Zahl von Studierenden aufnehmen. Außerdem fehlten dem GI auch qualifizierte Lehrer/-innen. Liberalisierung bedeutete auch, dass eine wachsende Mittelschicht durch die neu entstandene Kaufkraft ins Ausland reiste, auf Urlaub, für Geschäftsreisen oder zum Studium. Auf diesen Reisen erkannte man, wie wichtig Fremdsprachen sind. Mit Englisch konnte man nicht jede Situation meistern. So fing die Zahl der Schulen und Schüler/-innen an zu steigen, die sich für Deutsch entschieden. Der wachsende Bedarf nach Deutsch musste durch qualifizierte Lehrer/-innen befriedigt werden. Aber wegen der fehlenden Fremdsprachenausbildung an indischen Universitäten gingen die meisten Lehrer/-innen ohne besondere Qualifikation ins Klassenzimmer, ein Manko, das bis heute gegeben ist. In dieser Situation wurde der indische Deutschlehrerverband geboren. Das Ziel des Verbands war, eine einzigartige Plattform für seine Mitglieder zur Verfügung zu stellen, um sie darin zu unterstützen, die deutsche Sprache durch kommunikative und interaktive Unterrichtsmethoden zu 14 vermitteln. Die Programme des Verbands konnten eine eigentliche Deutschlehrerausbildung zwar nicht ersetzen, aber durch zahlreiche Seminare, Workshops und Vorträge wurde der Versuch unternommen, den Lehrerenden Inputs zur Methodik und Didaktik des Fremdsprachenunterrichts zu vermitteln. Mit Hilfe verschiedener Experten, bekannter und angesehener Institute wurden die Lehrenden miteinander vernetzt. INDAF- NETZWERK Der InDaF scheut keine Mühen, die Bedingungen der Deutschlehrenden in Indien zu verbessern: Den Lehrern und Lehrerinnen wird ein einfacher Zugang zu neuen Büchern ermöglicht, es werden ihnen zahlreiche Gelegenheiten angeboten, ihre sprachlichen und methodisch-didaktischen Kenntnisse auszubauen. Die Lehrer/-innen werden online oder telefonisch durch erfahrene Lehrer unterstützt und Kollegen helfen sich gegenseitig bei Problemen und Schwierigkeiten, die beim Unterrichten auftauchen. Informationen über Veranstaltungen, die für DaFLehrende interessant sein könnten, werden sowohl über die Facebook-Seite als auch über die WebSeite (www.indaf.in) verbreitet. Die Web-Seite stellt den Lehrkräften auch Ressourcen in Form von Links, pdf-Dokumenten und

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Bildergalerien zur Verfügung. Eine Job-Börse ist auch auf der Web-Seite zugänglich und sie wird aktiv auch von Kolleginnen und Kollegen genutzt. Zu den Aktivitäten des InDaF gehören die Deutscholympiade, deren Gewinner alle zwei Jahre an der IDO teilnehmen, ein Quiz für Deutschlehrer sowie verschiedene Konferenzen, Seminare und Workshops. Diese Aspekte der Vernetzung sollte man in Indien nicht unterschätzen. Persönliche Kontakte sind das A und O der Netzwerkbildung in Indien. Diese neuen Netzwerke, die gebildet wurden, schafften Verbindungen zwischen Schul- und Hochschullehrern und -lehrerinnen. Außerdem lernen sich so auch Unterrichtende aus verschiedenen Teilen Indiens kennen. Bisher wusste eine Lehrerin oder ein Lehrer aus Delhi sehr wenig über die Arbeit ihrer Kollegen bzw. Kolleginnen in Pune oder Chennai. Die Gründung des InDaF änderte das. Viele lernten sich bei InDaF-Konferenzen kennen und der dort hergestellte Kontakt führte zu einem Erfahrungsaustausch unter Lehrenden aus Ost, West, Nord und Süd. INDAF- VERANSTAL TU NGE N Deutschlehrertage und -symposien organisiert. Die ersten Deutschlehrertage fanden im März 2014 in Jaipur mit 130 Lehrern aus ganz Nordindien statt. Im September desselben Jahres hat der InDaF mit der Jawaharlal-NehruUniversität eine Konferenz zu Methodik und Didaktik des Deutschunterrichts organisiert. Im November 2014 fanden noch zwei Konferenzen statt, und zwar im Süden und Westen des Landes. INDAF U ND D ACHL Die Asien-Konferenz, die vom InDaF in Neu Delhi geleitet wurde und bei der 400 Teilnehmende aus Indien und dem Ausland zusammen kamen, war der Höhepunkt der Verbandsaktivitäten in Indien. Die Konferenz wurde vom Vorstand des IDV begleitet und unterstützt. Sie wurde von allen Anwesenden für das umfangreiche und weite Spektrum von Themen gelobt. Während drei Tagen teilten Experten aus den verschiedenen Bereichen von Deutsch als Fremdsprache ihr reiches Wissen und ihre Erfahrung mit den Teilnehmenden. Neben der Asien-Konferenz hat der InDaF in den letzten Jahren andere regionale Konferenzen in Chandigarh, Pune, Kolkata, Lucknow, Jaipur und Trivandrum organisiert. 2014 standen die Feierlichkeiten zu „100 Jahre Deutsch in Indien“ im Mittelpunkt der InDaF-Aktivitäten. Vor 100 Jahren begann der Deutschunterricht in Indien in Pune. Dort begannen im Februar 2014 auch die Feierlichkeiten. Der InDaF hat zu diesem Anlass verschiedene 15 Der InDaF versucht bei all seinen Veranstaltungen und Programmen das DACHL-Konzept miteinzubeziehen. Denn der Verband arbeitet mit allen drei Botschaften der deutschsprachigen Länder zusammen. Der InDaF hat öfters Lesungen von Autoren aus diesen Ländern organisiert und die Schweizer Botschaft hat schon einmal auf dem Botschaftsgelände „Schweizer Tage“ für InDaF Mitglieder angeboten. Außer dem hat der InDaF an einer interaktiven DVD für Unterrichtende mitgearbeitet, wo Texte zur Schweizer Landeskunde didaktisiert wurden. Wir versuchen unseren Mitgliedern auch nahezulegen, in ihrem Unterricht nicht nur sachliche Informationen zu den deutschsprachigen Ländern zu vermitteln. Sie sollen auch dahingehend wirken, die Länder des deutschsprachigen Raums in Sachen sprachlicher Eigenarten und kultureller Besonderheiten als individuelle, voneinander abgegrenzte Sprach- und Kulturräume zu sehen, ohne dass es dabei zu einer Simplifizierung oder Verallgemeinerung kommt. Natürlich wird trotz all dieser Unterschiede auch auf die linguistische und kulturelle Einheit im deutschsprachigen Raum verwiesen.

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