Calluna Sommer 2015

 

Embed or link this publication

Description

Calluna - Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide, Ausgabe Sommer 2015

Popular Pages


p. 1

www.calluna-magazin.de Nr. 65/17. Jahrgang Sommer 2015 Da s Vier-Jahreszeiten-Maga zin der Südheide Calluna 1

[close]

p. 2

RAUF AUFS RAD. REIN IN DIE REGION. SATTELFEST Das Rad-Event der Region Für Jung + Alt Mitmachen und Spaß haben Tolle Aktionen überall Alle Infos zu den Events www.sattel-fest.net /sattelfest.radevent 5.7.2015 ion g e R r e d in s t n e v Tolle E sburg lf o W ig e w h c s n u Bra 2 Calluna

[close]

p. 3

EDITORIAL INHALT HÜTER DER HEIDE Die Graue Gehörnte Heidschnucke DURCH DEN HEIDESAND Tipps für Touren mit dem Fahrrad WANDERN WIE DER AUSWANDERER Von Hösseringen ins Quellgebiet der Hardau RAUF AUFS RAD. REIN IN DIE REGION. Aktionstag in 3 Städten und 5 Landkreisen MIT BOOT UND BAHN Paddeltour auf der Ilmenau SAFARI AM SEE Mit Pfeil und Bogen RASSELBANDE MIT HANDICAPS Behinderte Hunde im Rolli DICKE MAUERN, ZARTE BLÜTEN Rosen am Kloster Isenhagen GÄRTNERIN IM GALOPP Patricia Mordaß im Porträt VIELFALT STATT EINFALT »Kartoffelkönig« Karsten Ellenberg STROH STATT STEIN Gutes Wohnklima im Himmelreich 2 CHLORFREIER BADESPASS Naturbad kommt ohne Chemie aus VON SEATTLE NACH OSLO UND WIEDER ZURÜCK IN DIE HEIDE Gesine Haram sammelt Kaffeekannen SORRY, ABER DAS NIVEAU SINGT Der 22. Steinhorster Lesesommer WIETZENDORFER WUNDERWERK Eine Fundgrube ... IST DER HANDEL NOCH SO KLEIN ... Ländlicher Einzelhandel im Wandel der Zeit WUNDERVÖLKER Serie: Geschichten von der Weltkarte Besser leben SüdheideKalender Buchempfehlungen Calluna-Partner Galerie der guten Dinge Impressum Mehr Lesestoff im Internet: www.calluna-magazin.de 4 7 8 11 12 16 20 24 26 28 40 44 46 49 51 52 60 34 54 62 32 49 4 wir leben zwar in einer ländlichen Region, aber nicht hinter dem Mond. Es dauert hier manchmal nur etwas länger, bis sich etwas ändert. Zum Beispiel beim Thema Mobilität. In Hamburg sehe ich Anzugträger mit Knopf im Ohr telefonierend und mit wehenden Krawatten auf Single-Speed-Bikes, liebevoll Fixies genannt, durch die City flitzen. In der S-Bahn haben Pendler mit Falträdern schon lange keinen Exotenstatus mehr, und immer mehr junge Städter kommen erst gar nicht auf die Idee, einen Autoführerschein zu machen, investieren ihr Geld lieber in stylische Fahrräder und neue Smartphones. Auch in vielen Vorstandsetagen geht man mit gutem Beispiel voran: Der Leasing-Vertrag für den dicken Dienstwagen wird gekündigt und stattdessen ein E-Bike angeschafft (auch das lässt sich leasen). Trendsetter in Sachen Mobilität waren die Chefs einer Hamburger Drogeriemarktkette: Der Senior fährt am liebsten mit Bus und Bahn, und das nicht etwa, um hanseatisches Understatement zu demonstrieren, sondern aus Überzeugung und Umweltbewusstsein, und der Junior schwingt sich, wenn er einen geschäftlichen Termin hat, ganz selbstverständlich aufs Fahrrad – Verträge und Notebook im Rucksack. Und hier auf dem Land? Hier scheint nach wie vor das XXL-Prinzip zu gelten. Je dicker das Auto, desto besser. Vor allem die auf Geländewagen getrimmten Limousinen erfreuen sich ungebremster Beliebtheibt, und es wird gerne in Kauf genommen, dass so ein Wagen etwas mehr säuft – daher der Spitzname SUFF (oder heißt es SUV?) – und mit seinem Kohlendioxidausstoß der reinste Klimakiller ist. Die Käufer dieser Fahrzeugklasse rechtfertigen sich gerne mit dem schlechten Straßenzustand, der ein Auto erfordere, das die schlimmen Schlaglochpisten für den geplagten Rücken erträglich macht. In einer großen, überregionalen Zeitung las ich vor einigen Tagen die Vermutung, dass solche Autos vielleicht vor allem deshalb gekauft werden, weil man sich darin in jeder Situation sicher fühlt wie in einem Panzer – sogar bei Wirbelstürmen und Überschwemmungen, Hagelschauern und anderen Unwettern, die ja leider immer häufiger werden. Da schützt der Wagen seinen Besitzer also vor den Folgen der Klimakatastrophe, die er durch seinen Autokauf selbst mit verursacht hat. Es mag noch andere, mehr oder weniger rationale Gründe dafür geben, lieber im XXL-Format im Stau zu stehen als im Kleinwagen. Wie auch immer, ich selbst komme auch ganz ohne Auto klar, bin am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs, und das nicht nur am Wochenende, sondern auch im (Berufs-)Alltag. Meine Erfahrung: Das Umsatteln bedeutet keine Einschränkung, sondern einen Gewinn an Lebensqualität. Man muss ja das Auto nicht gleich verschrotten, aber man kann es, besonders jetzt im Sommer, öfter mal in der Garage lassen. Probieren Sie es doch einfach mal aus! Rad fahren tut gut, macht Spaß, und nebenbei sparen Sie auch noch den Monatsbeitrag fürs Fitnessstudio. Wenn Ihnen das Radfahren zu anstrengend ist, was bei starkem Gegenwind durchaus verständlich ist, kaufen Sie sich ein E-Bike! Das hat bekanntlich einen »eingebauten Rückenwind« und erhöht Ihren Aktionsradius enorm. Gerne würde ich das Radfahren öfter mit Bus und Bahn kombinieren – ein Faltrad ist dafür ideal –, aber dazu fehlt es hier auf dem Land an Infrastruktur. Im Umkreis meines Wohnortes beschränkt sich das Angebot im Nahverkehr weitgehend auf die Schülerbeförderung. Glauben Sie mir, es ist kein Vergnügen, früh am Morgen in einem mit Schülern überfüllten, stickigen Linienbus eingequetscht stehend zum Bahnhof zu fahren und dafür sogar mehr bezahlen zu müssen als in Hamburg. An einem anderen Tag wollte ich mit dem Bus von Wahrenholz nach Celle fahren, musste dann aber feststellen, dass die Buslinie eingestellt worden ist. Also bin ich mit dem Fahrrad nach Celle gefahren. Das hat zwar etwas länger gedauert, aber Spaß gemacht. Auch Ihnen viel Spaß beim Radfahren und allen anderen Aktivitäten in diesem Sommer! Bis bald im Herbst! Ihre Titelbild (Fahrrad): Inka Lykka Korth / Teaserfotos (von oben): Inka Lykka Korth, Burkhard Ohse, Christine Kohnke-Löbert Calluna 3

[close]

p. 4

IMPRESSUM HEIDEGESCHICHTEN Das Südheide-Magazin Calluna erscheint vierteljährlich im Verlag ABO-JAHRESBEZUGSPREIS 10,- Euro inkl. Porto und Versand REPRODUKTIONEN jeglicher Art, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. KLIMA- UND UMWELTSCHUTZ Dieses Magazin wird auf hochwertigem Recyclingpapier gedruckt, das mit dem Umweltsiegel Blauer Engel ausgezeichnet ist. Die beim Druck freigesetzten Treibhausgase werden vom Verlag durch Investitionen in zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. BURKHARD OHSE / Text / Fotos Steinweg 3, 38518 Gifhorn REDAKTION Merle Höfermann (verantwortlich) m.hoefermann@calluna-medien.de Inka Lykka Korth inka.korth@calluna-medien.de Christine Kohnke-Löbert christine.kohnke@calluna-medien.de AUTOREN Marion Korth, Burkhard Ohse LAYOUT Inka Lykka Korth inka.korth@calluna-medien.de ANZEIGENGESTALTUNG Friederike Kohnke friederike.kohnke@calluna-medien.de ANZEIGENVERKAUF Martina Ganz (verantwortlich) martina.ganz@calluna-medien.de Jennifer Mallas jennifer.mallas@calluna-medien.de Werner Remus werner.remus@calluna-medien.de Susanne Knöpfle / telemotion susanne.knoepfle@calluna-medien.de DRUCK Voigt Druck GmbH, Gifhorn AUFLAGE 12.000 Exemplare Print kompensiert Id-Nr. 1547924 www.bvdm-online.de KONTAKT kontakt@calluna-medien.de www.calluna-magazin.de CallunaMagazin BÜRO GIFHORN im Kavalierhaus von 1546 Steinweg 3 38518 Gifhorn Tel. 0 53 71/555 06 Fax 0 53 71/555 07 BÜRO ISENHAGENER LAND auf dem Calluna-Hof Oerreler Dorfstraße 22 29386 Dedelstorf-Oerrel Tel. 0 58 32/97 98 40 Fax 0 58 32/97 98 41 BÜRO UELZEN hinter der Kaiserlichen Post Gartenstraße 16 29525 Uelzen Tel. 05 81/97 39 20 71 Fax 05 81/97 39 20 72 r a F Wi r l i eben b en – Alfred-Teves-Straße 14 38518 Gifhorn Telefon 05371.9855-0 zentrale@service-druckerei-voigt.de ie meiste Zeit des Jahres ist sie graubraun und wenig attraktiv, aber im August verwandelt sich die struppige Besenheide (Calluna vulgaris) in ein lila Blütenmeer. Zu verdanken haben wir diesen sommerlichen Farbenrausch zwar nicht nur, aber auch einer bestimmten Tierart: Ohne Heidschnucken gäbe es keine Heideblüte, denn die Heide wäre bald verschwunden, würden sich die robusten, genügsamen Tiere nicht unermüdlich als Landschaftspfleger betätigen. Mit dem ständigen Verbiss von jungen Baumtrieben und Gräsern helfen sie, die letzten Reste der Heidelandschaft, die einst nahezu flächendeckend die Südheide überzog, zu erhalten. Denn die Heide ist eine Kultur-, keine Naturlandschaft. Lässt man der Natur ihren Lauf, verändert sich das Landschaftsbild in kürzester Zeit. Schnell wachsende Birken verdrängen alsbald das Heidekraut. Doch zum Glück schmecken den Heidschnucken, von denen es allerdings immer weniger gibt, die jungen, saftigen Birkentriebe besonders gut. So wird der Birkenaufwuchs verhindert. Außerdem halten die Heidschnucken das Heidekraut kurz und sorgen somit dafür, dass es sich immer wieder verjüngt und auch im nächsten Jahr noch üppig blüht. Neben der Landschaftspflege haben die Heidschnucken noch eine weitere Aufgabe. Indem sie im Spätsommer, wenn die Heide blüht, durch die Landschaft wandern, zerreißen sie die Spinnweben im Heidekraut. So können die Bienen gefahrlos ihren Nektar für den Heidehonig suchen. Die Bienen wiederum bestäuben das Heidekraut und sorgen so dafür, dass die Heidschnucken immer ausreichend Nahrung vorfinden. Bienen und Heidschnucken profitieren also gegenseitig voneinander. Obwohl zwischen der Heide und den Heidschnucken eine geradezu symbiotische Beziehung zu bestehen scheint, sind die Heidschnucken keineswegs eine heimische Tierart. Sie kommen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, stammen wahrscheinlich von den auf Sardinien und Korsika beheimateten Mufflons ab. Die Graue Gehörnte Heidschnucke, deren Bild die Touristenbroschüren der Heide prägt, ist eine von sechs Unterarten. Während viele andere lieber Kamerun-Schafe halten, weil diese nicht geschoren werden müssen, hat sich Hans-Heinrich Oltshausen aus der Gemarkung Sprakensehl vor zehn Jahren bewusst für die Graue Gehörnte Heidschnucke entschieden. Er leistet damit einen Beitrag dafür, dass uns diese landschaftstypische Heidschnuckenart erhalten bleibt. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Fortbestand der Grauen Gehörnten Heidschnucke hat Hermann. Hermann ist der einzige Zuchtbock der Heidschnuckenherde von Hans-Heinrich Oltshausen, und Hermann hat als einziger in der Herde einen Namen. Die anderen Tiere haben nur die Nummern ihrer Ohrmarken. Diese Nummern sind in einer Kartei vermerkt, ganz nach Vorschrift. Heidschnuckenhaltung bedeutet auch einigen bürokratischen Aufwand. Jede Veränderung in der Herde muss der Organisation VIT (Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung) in Verden gemeldet werden, egal, ob ein Tier geboren, geschlachtet wird oder stirbt. Auch die Tierseuchenkasse verlangt stets aktuelle Bestandsmeldungen. Von der Bürokratie bekommen die Tiere allerdings nichts mit. Sobald Oltshausen das Weidetor öffnet, stürmen sie heran. »Sie denken, es gibt Futter«, schmunzelt er. Doch zugefüttert wird nur gegen Abend, tagsüber grasen die genügsamen Schafe auf der Weide hinter dem Bauernhof der Familie. Und nicht nur da D 4 Calluna un d de nS omm e r !

[close]

p. 5

HEIDEGESCHICHTEN HÜTER DER HEIDE Das lila Blütenmeer im August haben wir auch ihr zu verdanken: Die Graue Gehörnte Heidschnucke betätigt sich unermüdlich als Landschaftspflegerin. Aber nicht nur deshalb begann Hans-Heinrich Oltshausen vor zehn Jahren, als er in den Ruhestand ging, mit der Heidschnuckenhaltung. Die sei, sagt er, optimal für Rentner: »Man hat eine Aufgabe, aber keinen Stress.« Die Bokeler Heide Ende August. Aus dem Blütenmeer ragen schon wieder etliche kleine Birken. Diese zu beseitigen, ist eine der Aufgaben der vierbeinigen Landschaftspfleger. Foto: Inka Lykka Korth Calluna 5

[close]

p. 6

HEIDEGESCHICHTEN sind sie zu sehen. »Viele Leute stellen ihre Gärten zur Verfügung, denn Heidschnucken fressen auch das, was andere Tiere stehen lassen, harte Gräser unter anderem«, sagt Oltshausen. Wer die Heidschnucken allerdings in seinen Gemüsegarten oder in die Blumenbeete lässt, macht sprichwörtlich den Bock zum Gärtner. Einige von Oltshausens vierbeinigen Arbeitskräften sollen jetzt die zugewucherten Wiethorn-Gärten in Hankensbüttel zurechtstutzen. Angefangen mit dem Halten von Heidschnucken hat Oltshausen vor zehn Jahren. »Da ging ich mit 65 in den Ruhestand, und Irmgard, meine Frau, meinte, ich bräuchte eine Beschäftigung«, erzählt er. Früher war er Bauer, hielt Schweine. Doch das lohnte sich irgendwann nicht mehr. Oltshausen arbeitete in der Versicherungsagentur, die seit 1893 von seiner Familie betrieben wird. Den Job hat nun Sohn Henrik übernommen, der sich ebenfalls bisweilen um die Heidschnucken kümmert. Denn auch wenn die Haltung der robusten Tiere relativ einfach ist, zu tun gibt es immer etwas. Zufüttern, abends in den Stall holen, ab und zu transportieren, letztendlich auch zum Schlachter, wenn es denn so weit ist. Das Fleisch der Grauen Gehörnten Heidschnucke wird wegen des wildartigen Geschmacks geschätzt. »Ein erwachsenes Tier bringt etwa 20 Kilogramm Fleisch«, sagt Oltshausen. Wenn er von den Einnahmen aus dem Verkauf des Fleisches die Kosten für Futter, das Scheren, das Schlachten und die Beiträge zur Tierseuchenkasse, Tierhalterhaftpflichtversicherung und zur Berufsgenossenschaft abzieht, bleibt nur ein kleiner Gewinn. Um davon zu leben, würde es nicht reichen, zumal Oltshausen nur eine vergleichsweise kleine Herde hält. Aber für ihn ist die Heidschnuckenhaltung vor allem ein schönes Hobby. Da er die Tiere stets auf eingezäunten Weiden in der Nähe von Wohnsiedlungen stehen hat, bereiten ihm die Wölfe noch keine schlaflosen Nächte, obwohl in den Zeitungen immer mehr Fälle von gerissenen Lämmern und Schafen gemeldet werden. Oltshausen wartet erst einmal ab, noch haben sich Wölfe nicht in der Nähe von Wohnsiedlungen blicken lassen. Auf Hütehunde verzichtet er daher ebenfalls. Früher, als es noch riesige, zusammenhängende Heideflächen gab, waren die Heidschnucken wichtige Woll- und Düngerlieferanten. Heutzutage würde sich wohl niemand mehr aus der grauen, groben, kratzigen Heidschnuckenwolle einen Schal oder einen Pullover stricken wollen. Oltshausen lässt die Tiere einmal im Jahr scheren, aber für die Wolle hat er keine Verwertung. Im April werden die Lämmer geboren. In diesem Jahr war die erste Geburt gleich eine Zwillingsgeburt. Ein Lamm je Muttertier sei die Regel. 6 6Calluna Calluna Heidschnuckenlämmer sind schwarz wie die Raben – und sehr entzückend. Heidschnuckenlämmer sind komplett schwarz. Erst nach etwa einem Jahr haben sie auch so ein graues Wollkleid wie ihre Mütter. Die im April geborenen Tiere kommen im August auf die Außenweiden, die Oltshausen in den benachbarten Dörfern gepachtet hat, getrennt von den anderen Tieren. Im Winter werden alle Tiere in Behren unterbracht, auf der Winterweide. Dort steht ein 16 Meter langer Stall, falls das Wetter zu ungemütlich wird. Zu Ostern werden die Tiere dann auf kleinere Weiden gebracht. Drei davon sind in Wittingen, vier in der Gemeinde Sprakensehl, drei in Hankensbüttel, die übrigen in Hagen. Ende Mai, Anfang Juni, nach dem Scheren, werden dann die jungen Böcke geschlachtet. Die weiblichen Heidschnucken dürfen immerhin rund vier Jahre leben. Die natürliche Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich 15 Jahren. Im Herbst werden die weiblichen Tiere gedeckt, im April wird gelammt. So ist es in jedem Jahr. Die Lämmer werden zunächst von den Müttern gesäugt. Nach kurzer Zeit beginnen sie aber schon mit dem Grasen. Wenn sie saugen, wackeln die Lämmer mit dem Schwanz. Warum das so ist, weiß Oltshausen nicht. Auch, warum Hermann beim Fressen auf die Knie geht, kann er sich nicht erklären. »Vielleicht ist es so für ihn bequemer«, vermutet er. Oltshausen kennt alle seine Tiere. Die einzelnen Schnucken sind allerdings schwer zu unterscheiden, ihr Verhalten ist sehr ähnlich. Heidschnucken sind Herdentiere, mit einem ausgeprägten Herdentrieb. Der laute Ruf »Schafe« lockt Oltshausens Tiere an. Und wenn eines ankommt, dann kommen alle. Es muss aber ein mutiges Schaf vorangehen, die übrigen folgen. »Meist ist ein altes Lamm vorne, dann folgen die anderen. Der Bock läuft dann hinten mit«, hat Oltshausen beobachtet. Einfach fangen lassen sie sich nicht. Wie schwierig das Einfangen der Schnucken sein kann, merkte er in diesem Frühjahr, als er einige seiner Heidschnucken auf eine andere Weide bringen wollte. Zwei weibliche Tiere flüchteten schon, als sie Oltshausens Auto mit dem Anhänger erspähten. »Man muss sich heimlich anschleichen, wenn sie in dem Unterstand sind, den man dann schnell schließt«, erklärt der Halter. Oltshausen staunt immer wieder über die präzise »innere Uhr« seiner Heidschnucken. Morgens wollen sie pünktlich aus dem Stall auf die Weide, abends, wenn es die zusätzliche Futterration gibt, ebenso pünktlich wieder in den Stall. Vom geregelten Tagesablauf wird auch bei strömendem Regen keine Ausnahme gemacht. »Sie sind wetterfest, Regen stört sie nicht«, sagt Oltshausen, der so lange Heidschnucken halten will, bis er nicht mehr kann. Denn die Arbeit mit den Tieren erfüllt ihn. Außerdem sei die Heidschnuckenhaltung für Rentner optimal: »Man hat eine Aufgabe, aber keinen Stress.« Seine zweite Leidenschaft ist die Musik. Seit 60 Jahren spielt er im Sprakensehler Posaunenchor, 30 Jahre lang war er Chorleiter. »Landwirtschaft, Tiere und Musik, das ist es«, sagt Oltshausen. Für Bock Hermann wird es aber bald Zeit, Abschied von seiner Herde zu nehmen. Denn im Herbst müssen seine Töchter gedeckt werden. Und das muss dann ein anderer Bock vornehmen. Der neue Bock wird wahrscheinlich in Müden/Örtze gekauft. Jedes Jahr, immer am zweiten Donnerstag im Juli, findet dort die Bockauktion statt. Die Züchter präsentieren ihre Jungböcke, die besten Tiere werden prämiert. Bei der anschließenden Auktion werden schon einmal bis zu 2000 Euro für einen Bock hingeblättert. Obwohl bald ein anderer Bock seinen Platz einnimmt, muss Hermann nicht um sein Leben fürchten. »Der ist«, sagt Oltshausen, »noch fit genug, um in einer anderen Herde viele Nachkommen zu zeugen.«

[close]

p. 7

TOURENTIPPS DURCH DEN HEIDESAND INKA LYKKA KORTH / Text / Fotos icht alle Radwege in der Südheide sind asphaltiert oder anderweitig befestigt, und das ist auch gut so. Allerdings kann, besonders bei anhaltender Trockenheit im Sommer, der feine Heidesand die Radtour zur Tort(o)ur werden lassen. Mit dem normalen Tourenrad kommt man nur mühsam voran und gerät leicht ins Schlingern, vor allem wenn es abwärts geht. Wer unterwegs genießen statt fluchen will, sollte ein Fahrrad mit breiten, grobstolligen Reifen haben, also ein Mountainbike (MTB). Das gibt es in zwei Größen: in 26 Zoll (wendiger) und in 29 Zoll (auf längeren Touren komfortabler). MTB‘s sind als Hardtails und Fullys erhältlich. Letztere haben neben der obligatorischen Federgabel auch eine Hinterbau-Federung. Diese muss nicht unbedingt sein, aber da MTB‘s in der Regel keinen weich gepolsterten Sattel haben, empfiehlt sich eine Radlerhose mit Gel- oder Polstereinlage. Ein noch relativ neuer, aber starker Trend sind geländegängige Elektrofahrräder. Mit diesen E-Mountainbikes wird die Berg- und Talfahrt abseits befestigter Wege zum Vergnügen. Obwohl die Südheide zum Flachland zählt, haben wir hier doch einige Hügel, die den Radfahrer herausfordern und schnell aus der Puste bringen können. Besonders hügelig ist es im Bereich des Lüßplateaus im Dreieck der Orte Faßberg, Hermannsburg und Unterlüß. Der Hausselberg mit dem Gaußstein – dieser erinnert an den Mathematiker und Landvermesser Carl Friedrich Gauß, der im 19. Jahrhundert die Anhöhen der Südheide für seine Vermessungsarbeiten nutzte – ist immerhin 118 Meter hoch. Aufgrund der gestiegenen Stückzahlen sind E-Mountainbikes in guter Markenqualität bereits für 2000 Euro zu haben. Sie sind selbstverständlich mit hydraulischen Scheibenbremsen ausgestattet. Diese empfehlen sich auch für nichtmotorisierte MTB‘s, da sie besser zupacken als klassische Felgenbremsen, haben allerdings den Nachteil, dass der feine Heidesand gerne zwischen Bremsscheibe und -beläge kriecht und Knirschgeräusche verursacht. Mit der Luftpumpe lässt sich die Bremse aber meistens problemlos wieder freipusten. Auch wenn MTB-Touren auf schmalen Pfaden und Forstwegen am meisten Spaß machen und man der Natur viel näher kommt als auf befestigten Wegen, sollte man beachten, dass in Naturschutzgebieten Regeln das Radfahren einschränken können. Die Verordnungen aller niedersächsischen Naturschutzgebiete können unter www.nlwkn.de eingesehen werden. Anregungen und Tipps für die Tourenplanung hält das interaktive Tourenportal für den Naturpark Südheide unter der Adresse www.region-celle-navigator.de bereit. N Calluna 7

[close]

p. 8

STREIFZÜGE WANDERN WIE DER AUSWANDERER Mit dem Entdeckerbus nach Hösseringen und weiter zu Fuß ins Quellgebiet der Hardau CHRISTINE KOHNKE-LÖBERT / Text / Fotos ine Wanderung zur Hardauquelle gehörte unbedingt zum Besuchsprogramm des Hösseringer Auswanderers Adolf Leue, als er im Jahr 1911 auf Besuch in seine frühere Heimat kam. 40 Jahre lang hatte er Land und Leute nicht gesehen, denn Adolf Leue war wie zu seiner Zeit viele Bürger der Lüneburger Heide im Jahr 1870 nach Amerika ausgewandert. Wie mag er sich wohl gefühlt haben, als er die Orte seiner Kindheit aufsuchte? Ein wenig lässt er uns daran teilhaben, denn er schrieb seine Eindrücke später auf: »Ich wanderte talaufwärts der Hardauquelle zu, … welche circa zwei Kilometer außerhalb des Dorfes liegt. Zur Zeit meiner Kindheit war dieselbe nur schwer zugänglich; denn das Gelände östlich von derselben war sumpfig, mit Erlen und Weiden dicht bewachsen und eigentlich nur barfuß zu erreichen. Die romantische Umgebung mochte wohl viel dazu beigetragen haben, dass ich in jenen Jahren diesen geheimnisvollen Ort als ein Märchenreich, vom Erlkönig und Wassernymphen bewohnt, betrachtete und dort mit Vorliebe Grimms Märchen las. Jetzt fand ich mein früheres Märchenreich zerstört; statt Sumpf- und Erlengebüsch fand ich grüne Wiesen. Die Quelle aber, eine der merkwürdigsten in der Lüneburger Heide, war geblieben. Aus einer Öffnung von etwa zwei Fuß E Durchmesser, am Fuße des Abhanges der etwas höher liegenden Ebene, quillt das Wasser immer gleichmäßig hervor, fließt dann in östlicher Richtung dem Dorfe zu und treibt dort eine Mühle.« Eine gewisse Enttäuschung ist in den Worten Adolf Leues deutlich zu spüren. Da hat man viele Jahre lang ein Bild im Kopf, das einem lieb und wert ist, eine ganz besonders gepflegte Erinnerung. Und plötzlich sieht alles ganz anders aus und die mythischen Orte der Kindheit, die vermutlich immer dann besonders stark in der Erinnerung haften bleiben, wenn sie unerreichbar sind, gibt es nicht mehr. Vielleicht ist es auch einfach so, dass kein Erwachsener die Welt seiner Kindheit zurückholen kann. Auf jeden Fall hat Adolf Leue bei Hösseringen immer noch eine sprudelnde Hardauquelle vorgefunden. Auch diese findet der Wanderer heute nicht mehr. Zwar ist der Oberlauf der Hardau im Gelände noch deutlich ablesbar, statt einer sprudelnden Quelle aber erstreckt sich hier eine sumpfige Landschaft, die etwa einen Kilometer weiter vom Höhenzug des Lüß begrenzt wird. Einer der Gründe für diesen Verlust ist die Veränderung des Wasserhaushaltes der Lüneburger Heide, der mit der Aufforstung der großen Heideflächen einher ging: In dem mit Moosen und Kräutern bewachsenen Waldboden wird Wasser, das zuvor direkt abfloss und die Heideflüsse und -bäche speiste, gespeichert. Auch die Anlage von drei großen s s lo enlo kosten ko Fahrplan Linie 2 (800) Vom 05. Juni bis zum 04. Oktober 2015 Jeden Freitag, Samstag und Sonntag metronom aus Hannover, Uelzen Bhf: an metronom aus Hamburg, Uelzen Bhf: an Uelzen, Bahnhof/ZOB ab Hansen Bohlsen, Ort Linden Ellerndorfer Wacholderheide Eimke, Ortsmitte Wichtenbeck Suderburg, Rathaus Hösseringen, Hardausee Hösseringen, Museumsdorf Hösseringen, Haus des Gastes Räber, Ortsmitte Suderburg, Rieselwiese Suderburg, Rathaus Holdenstedt, Gasthaus Hillmann Uelzen, Bahnhof/ZOB an metronom nach Hannover, Uelzen Bhf: ab metronom nach Hamburg, Uelzen Bhf: ab 8:38 8:52 09:15 09:25 09:28 09:38 09:48 09:53 09:58 10:11 10:17 10:20 10:22 10:26 10:30 10:32 10:42 10:52 11:09 11:01 10:38 10:56 11:15 11:25 11:28 11:38 11:48 11:53 11:58 12:11 12:17 12:20 12:22 12:26 12:30 12:32 12:42 12:52 13:09 13:01 12:38 12:56 13:15 13:25 13:28 13:38 13:48 13:53 13:58 14:11 14:17 14:20 14:22 14:26 14:30 14:32 14:42 14:52 15:09 15:01 14:38 14:54 15:15 15:25 15:28 15:38 15:48 15:53 15:58 16:11 16:17 16:20 16:22 16:26 16:30 16:32 16:42 16:52 17:09 17:01 16:38 16:56 17:15 17:25 17:28 17:38 17:48 17:53 17:58 18:11 18:17 18:20 18:22 18:26 18:30 18:32 18:42 18:52 19:09 19:03 nntag mstag, So eitag, Sa .00 Uhr Jeden Fr n 9.00 - 19 vo , kt Ta denger un än St nh 2da im it Fahrra slinien m 3 Ringbu er 2015 ob kt O ni bis 4. vom 5. Ju Entdecker-Bus Weitere Informationen: ... der Fahrrad-, Wander-, Freizeitbus ! www.heideregion-uelzen.de HeideRegion Uelzen e. V., Tel. 0581 / 7 30 40 und in allen örtlichen Tourist-Informationen Fahrplan Linie 1 (700) Vom 05. Juni bis zum 04. Oktober 2015 Jeden Freitag, Samstag und Sonntag metronom aus Hannover, Uelzen Bhf: an metronom aus Hamburg, Uelzen Bhf: an Uelzen, Bahnhof/ZOB ab Emmendorf, Ortsmitte Klein Bünstorf Bad Bevensen, KGS, Kl. Bünstorfer Str. Bad Bevensen, Bahnhof Medingen, Vier Linden (Kloster) Bruchtorf, Ortsmitte Wichmannsburg Bienenbüttel, Bahnhof Bienenbüttel, Uelzener Str. Natendorf, Kirche Oldendorf II Hanstedt I, Kirche Ebstorf, Weinbergstraße Melzingen, Wittenwater Weg Westerweyhe, Altes Dorf Kirchweyhe, Ortsmitte Uelzen, Bahnhof/ZOB an metronom nach Hannover, Uelzen Bhf: ab metronom nach Hamburg, Uelzen Bhf: ab 8:38 8:52 09.15 09.28 09.34 09.37 09.40 09.43 09.47 09.52 09.56 09.58 10.10 10.12 10.26 10.32 10.37 10.44 10.48 10.55 11:09 11:01 10:38 10:56 11.15 11.28 11.34 11.37 11.40 11.43 11.47 11.52 11.56 11.58 12.10 12.12 12.26 12.32 12.37 12.44 12.48 12.55 13:09 13:01 12:38 12:56 13.15 13.28 13.34 13.37 13.40 13.43 13.47 13.52 13.56 13.58 14.10 14.12 14.26 14.32 14.37 14.44 14.48 14.55 15:09 15:01 14:38 14:54 15.15 15.28 15.34 15.37 15.40 15.43 15.47 15.52 15.56 15.58 16.10 16.12 16.26 16.32 16.37 16.44 16.48 16.55 17:09 17:01 16:38 16:56 17.15 17.28 17.34 17.37 17.40 17.43 17.47 17.52 17.56 17.58 18.10 18.12 18.26 18.32 18.37 18.44 18.48 18.55 19:09 19:03 Fahrplan Linie 3 (900) Vom 05. Juni bis zum 04. Oktober 2015 Jeden Freitag, Samstag und Sonntag metronom aus Hannover, Uelzen Bhf: an metronom aus Hamburg, Uelzen Bhf: an Uelzen, Bahnhof/ZOB ab Wrestedt West Stadensen Nettelkamp Stederdorf, Bahnhof Esterholz, Kreisstraße (Schleuse) Wieren, Ortsmitte Bad Bodenteich, Campingplatz Bad Bodenteich, Neustädter Straße Kattien Soltendieck, Bahnhof Suhlendorf, Mühlenberg Rosche Ortsmitte Woltersburger Mühle Abzweig B 191 Oldenstadt B 191 Uelzen, Bahnhof/ZOB an metronom nach Hannover, Uelzen Bhf: ab metronom nach Hamburg, Uelzen Bhf: ab 8:38 8:52 09:15 09:27 09:34 09:36 09:40 09:44 09:50 09:57 10:00 10:05 10:08 10:16 10:24 10:36 10:39 10:55 11:09 11:01 10:38 10:56 11:15 11:27 11:34 11:36 11:40 11:44 11:50 11:57 12:00 12:05 12:08 12:16 12:24 12:36 12:39 12:55 13:09 13:01 12:38 12:56 13:15 13:27 13:34 13:36 13:40 13:44 13:50 13:57 14:00 14:05 14:08 14:16 14:24 14:36 14:39 14:55 15:09 15:01 14:38 14:54 15:15 15:27 15:34 15:36 15:40 15:44 15:50 15:57 16:00 16:05 16:08 16:16 16:24 16:36 16:39 16:55 17:09 17:01 16:38 16:56 17:15 17:27 17:34 17:36 17:40 17:44 17:50 17:57 18:00 18:05 18:08 18:16 18:24 18:36 18:39 18:55 19:09 19:03 8 Calluna

[close]

p. 9

Grüne Wiesen und der helle Sand einer mittlerweile bewaldeten Düne: das von der Eiszeit geformte Hardautal. Sumpflandschaft im Quellgebiet der Hardau. Ein Damm der ehemaligen Forellenteiche von 1882. Lust auf einen Abstecher? Miniaturwald aus Moos. »Skulptur« am Wegesrand. Klares, kühles Quellwasser. Auch dieser Sperber lebt an der Hardau. Ente im Anflug. Der Erpel paddelt bereits im Hardauwasser. Calluna 9

[close]

p. 10

STREIFZÜGE Bauerncafé täglich ab 14:00 Uhr geöffnet! Dienstags Ruhetag Selbstgebackene Torten und Kuchen Kaffee-, Tee- und Eisspezialitäten Mittagstisch für Gruppen nach Anmeldung Hochzeitskutsche und Ausrichtung der Feier Hauptstraße 28 29394 Lüder Kutsch- und Planwagenfahrten Tel. 05824/96500 durch das Naturschutzgebiet „Lüder Bruch“ Fax 05824/965050 und zur Heideblüte in die Bodenteicher Heide service@bauernhofhotel.de Streicheltiere und Kinderspielplatz www.bauernhofhotel.de Familienfeierlichkeiten aller Art Rustikaler Grillwagen Hotel - Ferienwohnung - Heuhotel Forellenteichen im Quellgebiet der Hardau im Jahr 1882 hatte Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Die alten Staudämme der Teiche bilden noch heute gut sichtbare Landmarken. Hinzu kommt, dass die für die Aufforstung verwendeten Kiefern viel Wasser verbrauchen. Die Feldberegnung für die heutige Landwirtschaft führt zudem zu einem weiteren Absinken des Grundwasserspiegels. Die Fließgewässer in der Lüneburger Heide führen deshalb heute viel weniger Wasser als zu Zeiten der Heidebauernwirtschaft und fallen teilweise trocken. Dies ist auch der Hardau passiert. Ihre Quelle war früher eine besondere Attraktion, als »Spring-Born« kam sie mit einem halben Meter Durchmesser aus einem Abhang geschossen. Als Fließgewässer erlebbar ist die Hardau heute erst etwa ab der Höhe des Museumsdorfes Hösseringen. Hier im Hardautal befinden sich auch die alten Flachsrottekuhlen, aus denen heute ein kleines Niedermoor entstanden ist. Die Bauern legten früher den geernteten Flachs ins Wasser, damit Bakterien ihre Arbeit tun konnten. Sie zersetzten den Leim, der die Flachsfasern mit dem holzigen Kern des Stengels zusammenhält und machten den Flachs mürbe. Doch aufgepasst: Lag der Flachs zu lange im Wasser, wurden die Fasern angegriffen. Es kam also auf den rechten Zeitpunkt an, um den Flachs weiter verarbeiten zu können. Nach sechs bis zehn Tagen wurde der Flachs entnommen und, zu Garben gebündelt, zum Trocknen aufgestellt. Dann wurden die hölzernen Stengelteile durch Braken, Schwingen und Hecheln von den Fasern getrennt. Erst nach dieser aufwändigen Arbeit konnte das Spinnen des Leinens beginnen. Heute wachsen in den alten Rottekuhlen seltene Pflanzen wie Frauenhaarmoos, Sumpfschachtelhalm, Waldschachtelhalm, Pfeifengras und Segge. Kurz hinter dem Museumsdorf führt der Weg an einer Weidefläche vorbei, die von den Hängen eines sandigen Höhenzuges begrenzt wird. Vielleicht handelt es sich um eine alte Düne, die heute mit Bäumen bewachsen ist. Auf jeden Fall zeigt sich hier die Bodenbeschaffenheit, wie sie für viele Gegenden in der Südheide typisch ist: purer weißer Sand, den die Eiszeiten mitgebracht haben. Eine Wanderung in das Quellgebiet der Hardau lohnt auch, weil sich in dem weitgehend versumpften Bett interessante Pflanzengesellschaften angesiedelt haben, unter anderem die seltene Glockenheide. Auch deshalb ist dieses Gebiet heute als geschütztes Biotop ausgewiesen. Das hält allerdings die Wildschweine nicht ab, sich hier oft und gerne zu suhlen, wie etliche Schlammlöcher zeigen. Sie beweisen auch den hier immer noch hohen Wasserstand. Die Hardau wird übrigens nur aus Quellen gespeist, die sauberes, etwa acht Grad kühles Grundwasser enthalten. Deshalb friert sie im Winter nicht zu und trägt zur schnelleren Erwärmung des Bodens im Frühjahr bei. Gut für die Bauern, die hier im Hardautal schon im April statt im Mai ihr Heu ernten können. Auf dem Rückweg lohnt ein Gang durchs Tal am Fuße des Bötzelberges. Hier hat sich die Hardau bereits zu einem ansehnlichen Heideflüsschen gemausert. Mit ein wenig Glück findet der Wanderer unterwegs die Kuckucks-Lichtnelke und den Scharfen Hahnenfuß. Auf der anderen Talseite erstreckt sich am Talhang eine Heidefläche. Die von Adolf Leue erwähnte Mühle gibt es noch, gemeinsam mit dem Hösseringer Mühlenteich bildet sie heute das Herz des Heidedorfes. 10 Calluna

[close]

p. 11

STREIFZÜGE RAUF AUFS RAD. REIN IN DIE REGION. Aktionstag am 5. Juli in drei Städten und fünf Landkreisen In allen drei Städten – Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg – sowie den fünf Landkreisen – Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine und Wolfenbüttel – finden Aktionen statt, viele sind nicht auf einen Ort begrenzt. In zehn Etappen können die Radler etwa das Harzvorland erkunden und lernen dabei die Landkreise Wolfenbüttel, Goslar sowie die Stadt Salzgitter kennen. Die Planung und Organisation der Veranstaltungen liegt bei den teilnehmenden Akteuren. »Der ZGB hat in seinem Regionalen Raumordnungsprogramm den gesetzlichen Auftrag zur Sicherung und Entwicklung des Radverkehrs. Er ist schon lange eine regionale Aufgabe, getragen von breiter politischer Unterstützung in der Verbandsversammlung des ZGB. Insofern ist das SATTELFEST ein weiterer wichtiger Baustein in dieser Strategie«, erläutert Manuela Hahn vom ZGB. »Wir wünschen uns, dass möglichst viele Menschen beim SATTELFEST mitmachen.« Für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club e.V. ist ein FahrradEvent für die gesamte Region längst überfällig. »Unsere Region bietet eine ideale Kulisse. Die Radwege führen durch verschiedenste Landschaften, von flachen Strecken bis hin zu hügeligen Wegen ist alles dabei«, sagt Dr. Sven Wöhler vom ADFC Kreisverband Braunschweig. Jetzt heißt es am 5. Juli nur noch »Rauf aufs Rad – Rein in die Region!« www.landbaeckerei-grete.de ! n e ß ie n e g e s u Pa ...in Gretes Mühlenbäckerei in Hillerse, Hauptstraße 31. Bestes traditionelles Bäckerhandwerk mit viel Atmosphäre im Bäcker-Café. Jeden Sonntag geöffnet und immer ein lohnendes Ziel für eine leckere Kaffeepause! Hillerse, Hauptstraße 31 geöffnet: Mo. - Fr. 5.00 - 18.00 Uhr Sa. 5.00 - 12.00 Uhr · So. 7.00 - 10.30 + 13.00 - 17.00 Uhr Calluna 11 Foto: Inka Lykka Korth A bwechslungsreiche Landschaften und dynamische Städte, Kultur und Natur sowie Tradition und Moderne. In der Region zwischen Harz und Heide gibt es viel zu entdecken. Unter dem Motto »Rauf aufs Rad. Rein in die Region« findet am Sonntag, 5. Juli, mit dem SATTELFEST das erste regionale Rad-Event statt. Auf die Bewohner und Besucher wartet ein bunter Tag mit vielen Touren, Aktionen und Veranstaltungen, die zum Entdecken der Städte und Landkreise einladen – egal ob mit oder ohne Fahrrad. Das Besondere: Die einzelnen Veranstaltungen finden zeitgleich statt und sind nicht auf einen Ort begrenzt. Initiiert wird das Rad-Event von der Allianz für die Region GmbH und dem Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) sowie dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) als Projektpartner. Vereine und Verbände, Kommunen und Unternehmen meldeten fast 40 Veranstaltungen an. Sie sind in einem Flyer zusammengefasst, der an zahlreichen öffentlichen Stellen ausliegt. Außerdem sind alle Veranstaltungen im Internet unter www.sattel-fest.net und über Facebook unter www.facebook.com/sattelfest.radevent veröffentlicht. Das Veranstaltungsspektrum reicht vom Mountainbike-Cup im Elm über eine Fahrradwerkstatt in Wolfenbüttel, Touren durch Braunschweig oder mit dem E-Bike durch die Anlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft bis hin zur Rad-Anreise zu den Bürgerfrühstücken in Wendeburg und Helmstedt. Im Landkreis Gifhorn lockt die »Bunte Meile« in der Stadt Gifhorn mit Aktionen und Informationen rund um das Thema Fahrrad, E-Bike, Radtouren und vielem mehr. Außerdem lädt die Gemeinde Isenbüttel zu einer Etappentour rund um den Ort mit vielen Infoständen der örtlichen Vereine ein. »Das SATTELFEST ist bereits jetzt ein Erfolg: Es verbindet die Region. Wir freuen uns über den Einfallsreichtum, das Engagement und den Sportgeist der Beteiligten«, sagt Dr. Jörg Munzel von der Allianz für die Region GmbH.

[close]

p. 12

STREIFZÜGE Knesebeck Tel.: 05834 - 5261 Mittelstrasse 1 Viel E-Rad fürs Geld... EC-4 hochwertige Verarbeitung modernste Technik starker Bosch Mittelmotor Nabenschaltung 8-Gang Premium hydraulische Felgenbremsen großer Akku kurze Ladezeit hohe Reichweite MIT BOOT UND BAHN AUF DER ILMENAU VON UELZEN NACH BAD BEVENSEN UND ZURÜCK IM ZUG INKA LYKKA KORTH / TEXT / FOTOS € 2349,00 Kommen Sie zur Probefahrt ... immer erst zu LILIE »EACH MILE ON A RIVER WILL TAKE YOU FURTHER FROM HOME THAN A HUNDRED MILES ON A ROAD.« enn uns jemand nach der Faszination des Paddelns fragt, antworten wir mit diesem Zitat. Es stammt von Bob Marshall, einem amerikanischen Förster, Autor und Abenteurer, der kurz, aber intensiv von 1901 bis 1939 lebte und erkannt hat, das nichts den Horizont mehr erweitert als ein Perspektivenwechsel. Um über den sprichwörtlichen eigenen Tellerrand hinausschauen zu können, müssen wir uns keineswegs in die Vogelperspektive begeben. Nein, auch der Wechsel in die Froschperspektive kann – so kurios es klingt – uns neue Sichtweisen eröffnen. Wenn wir in unseren Kajaks einen Fluss hinunter paddeln, ist unser Blickwinkel zwar durch die Uferböschungen eingeschränkt, aber genau das ist es auch, was unseren Horizont erweitert. Vom Wasser aus nehmen wir die Welt anders wahr, fühlen uns der Zivilisation entrückt, der Natur ganz nah. Eine Ahnung von Wildnis, nur wenige Meter abseits der Häuser, Straßen und des geschäftigen Getriebes. Unsere kleine Flucht aus dem Alltag beginnt mitten in der Stadt Uelzen, im Landschaftspark der Ilmenauwiesen. Eigentlich wollten wir unsere Boote etwas weiter nördlich, direkt unterhalb des Wehrs an der historischen Außenmühle von 1808 – die Geschichte dieses Mühlenstandorts reicht nachweislich bis ins 15. Jahrhundert zurück – einsetzen, aber zur Kanu-Umtragestelle am Ostufer gibt es keine Zufahrt, und die über den Spottweg erreichbare Bootsrutsche am Westufer, auf der sich das Wehr passieren lässt, erwies sich aufgrund des niedrigen Wasserstands als nicht befahrbar. Deshalb fuhren wir in die Rippdorfer Straße und stellten das Auto in einem Seitenweg südlich des Lessing-Gymnasiums ab. Zum Flussufer sind es von dort nur etwa 50 Meter. Da man auf einem Fluss keine Rundtour machen und nur unter größter Anstrengung flussaufwärts gegen die Strömung paddeln kann, steht man am Ende einer Paddeltour vor dem Problem, mit den Booten zurück zum Ausgangspunkt zu kommen. An der Aller, Oker und Oertze gibt es Bootsverleiher und Anbieter von Kanutouren, die den Rücktransport organisieren. Aber auf der von uns gewählten Strecke von Uelzen nach Bad Bevensen (22 Flusskilometer) müssen (und wollen) wir uns selbst behelfen. Da wir mit unseren aus den USA impor tier ten, wildwassertauglichen Faltbooten – sie haben anstelle eines zerlegbaren W 12 Calluna

[close]

p. 13

STREIFZÜGE 2 3 4 1 Die Strömung ist so stark, dass wir sogar ganz ohne Paddeln unserer Ziel erreichen würden. Wir paddeln trotzdem, um etwas schneller voranzukommen, aber lassen uns zwischendurch auch gerne mal treiben. 2 Auf der Bootsrutsche am Wehr an der Außenmühle in Uelzen ist der Wasserstand so niedrig, dass wir die Boote lieber umtragen. Wir wollen uns ja nicht gleich zu Beginn der Tour ein Loch in die Bootshaut reißen. 3 Und gleich noch eine Rutsche – allerdings nicht für Boote, sondern für mehr Badespaß. 4 Schaulustige am Ufer. Wir werden interessiert beobachtet. 5 Kurze Mittagspause am Bootsanleger in Emmendorf. Ein schönes Plätzchen zum Rasten. Calluna 13 1 5

[close]

p. 14

STREIFZÜGE AschauTeiche Innengerüsts aus Holz oder Aluminium Luftschläuche unter der Bootshaut – unterwegs sind, können wir die Rückfahrt bequem und umweltfreundlich per Bahn antreten. Doch jetzt wollen wir noch gar nicht an die Rückfahrt denken, sondern uns auf eine schöne Paddeltour auf dem größten Fluss der Lüneburger Heide freuen. Die erste Etappe durch die Parklandschaft der Ilmenauwiesen führt an großen, alten Bäumen und an bis ans Ufer reichenden Gärten vorbei und unter einer Fußgängerbrücke hindurch, auf der wir abends auf dem Weg vom Bahnhof zum Auto den Fluss überqueren werden. Sie endet allerdings bereits nach etwa zehn Minuten, denn dann haben wir auch schon das Wehr an der Außenmühle erreicht und müssen umtragen. Oberhalb des Wehrs gibt es einen hölzernen Anlegesteg, unterhalb des Wehrs lassen wir die Boote an einem Strandabschnitt wieder zu Wasser. Von der Einmündung der Wipperau an begleitet uns Verkehrslärm, der von der parallel zum Fluss verlaufenden Bundesstraße 4 ausgeht. Hinter der Brücke, auf der die B 4 über die Ilmenau geführt wird, nimmt der Verkehrslärm ab. Dafür sorgt jetzt das in der Nähe des Uelzener Hafens am Elbe-Seitenkanal gelegene Betonwerk für eine neue Geräuschkulisse. Wir hätten vielleicht unsere Tour lieber am Wochenende machen sollen. Dann wäre uns zumindest der Industrielärm erspart geblieben. Wahrscheinlich hätten wir den Fluss dann aber nicht ganz für uns allein gehabt. Im großen Bogen führt die Ilmenau um das Hafengebiet herum. Wir sehen es nicht, aber die Geräusche begleiten uns noch kilometerweit. Als dann allerdings die Dächer der Häuser von Emmendorf an der Alten Salzstraße auftauchen, ist der Lärm plötzlich wie abgeschaltet, und endlich können wir unsere Paddeltour so richtig genießen, und da taucht auch schon, wie bestellt, am Ufer eine dicke Bisamratte auf. Sie paddelt in der Flachwasserzone, lässt sich von uns gar nicht stören. Am Bootsanleger in Emmendorf machen wir eine kurze Rast, wollen vor allem ein paar Schritte gehen, denn in den engen Kajaks können wir die Beine kaum bewegen, nur mit den Zehen wackeln. Die Weiterfahrt beginnt mit einer kleinen »Wildwasserpassage«, die vom Bootsanleger etwas Respekt einflößend aussieht, sich aber problemlos befahren lässt. Zweimal kreuzt der Elbe-Seitenkanal den Fluss in Form von Brücken. Wir fühlen uns von den massigen Bauwerken hoch über uns geradezu erdrückt, und doch bewundern wir auch die Ingenieurleistung, die darin steckt. Bei Klein Bünstorf sind die Ufer flach und grün und der Blick vom Boot aus reicht weit über die Landschaft. Am rechten Ufer stehen einige Heidschnucken im Schatten einer großen, dicken Weide, und am linken Ufer sonnt sich eine Familie Kanadagänse. Jetzt ist es nicht mehr weit bis Bad Bevensen. Bald sehen wir schon die ersten Häuser. Im Kurpark legen wir an, lassen die Luft aus den Schläuchen der Boote, falten diese zusammen und ziehen schließlich den mit 32 Kilogramm beladenen Trolley durch die Fußgängerzone hinter uns her. Schnell noch einen Kaffee und dann ab zum Bahnhof! Nur acht Minuten dauert es mit der Bahn von Bad Bevensen zurück nach Uelzen. Auf dem Wasser waren wir fast vier Stunden unterwegs, und das nicht nur, weil der Zug natürlich viel schneller ist, sondern auch, weil der Fluss nicht so gerade verläuft wie die Bahnlinie, sich stattdessen in wilden Schlangenlinien duch die Landschaft windet. INFO www.fluss-info.net/ilmenau. Sehr zu empfehlen, diese Seite! 14 Calluna

[close]

p. 15

STREIFZÜGE 2 3 1 Zweimal auf unserer Tour müssen wir unter dem ElbeSeitenkanal hindurch. 2  Gartenlaube mit Blick aufs Wasser am Ilmenau-Ufer in Bad Bevensen. 3 Kanadagans mit Gösseln. Der Gänsepapa stand einige Meter weiter rechts. 4 Endstation im Kurpark in Bad Bevensen. Wir öffnen die Ventile und lassen die Luft aus den Schläuchen unserer Faltboote. 4 5 Warten auf den Zug zurück nach Uelzen. Die zusammengefalteten und in Taschen verpackten Boote wiegen zusammen 32 kg – zu schwer zum Schleppen, deshalb haben wir einen klappbaren, stabilen Trolley dabei. Calluna 15 1 5

[close]

Comments

no comments yet