Bruno Kurz

 

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Mundus Heft 3/2010, Titelgeschichte: Abstrakter Impressionist, Zur Malerei von Bruno Kurz Lena Naumann, München 2010

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abstrakter impressionist zur malerei von bruno kurz 6 mundus 3/10

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kÜn s tl e r p or tr Ät die farbe ist der ort wo unser gehirn und das weltall sich begegnen paul cézanne kristall-see 6 2010 70 x 70 cm glänzende harze und pigmente metall temple-light orange 2010 70 x 70 cm acrylfarbe und synthetische gazen metall wer vor den abstrakten und gleichzeitig überaus lebendigen arbeiten des karlsruher künstlers bruno kurz verweilt bekommt eine ahnung von der bedeutung des laotse-wortes diese bilder atmen eine tiefe stille weil sie atmen sind sie lebendig schwingen zwischen zwei polen sie erzählen die geschichte einer ruhe in der kraft liegt um eine kunst zu schaffen die derart vital ist und zugleich still wie ein see muss ein künstler das sehen lange geübt haben und ebenso lange über die frage reflektieren was nimmt der mensch wahr wenn er wahrnimmt bruno kurz wurde in langenargen am bodensee geboren seine ausbildung erhielt er in der ersten hälfte der 1980er jahre an den kunstakademien karlsruhe und stuttgart in der karlsruher kunstszene dieser zeit war der dänische maler und bildhauer per kirkeby ein kristallisationspunkt und für kurz der von der landschaftsmalerei kam eine wichtige orientierung für den eigenen künstlerischen werdegang lena naum ann in der tradition von turner und monet tiefe ruhe ist bewegung in sich selbst schreibt der chi nesische philosoph laotse und bringt damit zum ausdruck dass ruhe nichts statisches ist das scheint ein paradox zu sein manchmal ist es die kunst die das paradoxe besser vermitteln kann als worte wie überhaupt das auge und das sinnliche erfassen von bildern bisweilen tiefere wahrnehmungen ermöglichen als sprache und intellekt abstrakte bilder können gegenständliches in ansätzen oder in stark abgewandelter form noch erkennen lassen das lateinische abstrahere bedeutet abziehen trennen der abstrakt malende künstler entfernt sich zunehmend weiter vom gegenstand bis hin zur reinen abstraktion die sich vom dinglichen ganz verabschiedet hat und nur noch reines komponieren von farben kontra7 mundus 3/10

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k Üns t le rportrÄt sommer suite ii und iii 2008 je 40 x 40 cm acrylate und hochglänzende harze metall rechte wand temple-light gelb azur 2010 je 100 x 100 cm acryl und Ölfarben synthetische gazen metall sten und linien ist die kunstgeschichte kennt zwei richtungen der abstraktion abstrakte malerei hat sich im frühen zwanzigsten jahrhundert in eine expressivlyrische und eine geometrisch-konstruktive richtung geteilt die arbeiten von bruno kurz folgen dem expressiv-lyrischen stil alles konstruktive ist ihnen fremd für den künstler beinhaltet das geometrische zu viel perfektion und zu wenig lebendigkeit weshalb ihn das sinnliche die andeutung und alle phänomene die nicht scharf zu fassen sind weitaus mehr faszinieren linien setzt er daher nicht in der für zeichnungen üblichen weise ein z b als definition von form und kontur oder zur klärung von verhältnissen oder der findung einer idee lineare strukturen in den bildern von bruno kurz ergeben sich vielmehr durch indirekte prozesse wie druckmethoden oder das Überarbeiten von harz8 oberflächen sie werden nicht bewusst gezogen sondern ereignen sich häufig entstehen dabei geriffelte oberflächen die durch lichteinfall lineare glanzlichter und reflexe erzeugen hier verknüpfen sich linie und licht und hier steht bruno kurz ganz stark in einer impressionistischen tradition nicht nur was den lyrischen aspekt seiner bilder anbelangt die oft an wetterphänomene bei turner oder sich in auflösung befindende naturerscheinungen bei monet erinnern mit dem er die leidenschaft für farben teilt kurz hat das was die noch gegenständlich arbeitenden maler turner und monet entwickelt haben auf das feld der reinen abstraktion geführt wie bei den vorgängern spielt in seinen arbeiten das licht als grundbedingung jeder farbwirkung eine entscheidende und das ganze werk tragende rolle mundus 3/10

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farbe ist licht farbflächen schimmern leben vibrieren und ergeben atmosphären von farbräumen sensible differenzierungen in den entwickelten flächen mit ihren subtilen verläufen vermitteln in ihrer ausstrahlung dichte und einfachheit zugleich mit meisterhafter sicherheit entstehen farbkadenzen mit feinsten nuancen oder scharf gesetzten kontrapunkten diese werke sind anmutige farbklänge vergleichbar einem musikalischen spiel die brechung des lichtes durch farbe und oberflächenstruktur lässt im auge des betrachters immaterielle linien entstehen das geht bis zu den licht und linieneffekten die durch die feinen gaze und seidenstoffe entstehen die als malgrund oder lasurflächen verwendet werden und aus gewobenen fäden bestehen die sich im licht in optische linien verwandeln durch die interaktion von fadengittern farbe glasur und lichteinfall entsteht ein lebendig erscheinendes netz das ständig changierende und sich ändernde farbspiele hervorbringt im fadenkreuz des menschseins die arbeiten von bruno kurz sind schwer zu fassen das gilt für die handwerklich-technische raffinesse ihrer zahlreichen materialschichten ebenso wie für die bildwirkung allgemein unübersehbar sind es abstrakte bilder und doch scheint es sich bei ihnen auf unbestimmte weise um landschaften zu handeln vor allem wenn man einige schritte zurückgeht und die arbeiten aus größerer distanz betrachtet in den bildern spielt die horizontale eine starke rolle wie überhaupt der kompositions9 mundus 3/10

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oben temple-light grün 2010 70 x 70 cm acryl und Ölfarbe synthetische gazen metall rechts lux ii 2010 180 x 180 cm acryl und Ölfarbe leinwand bruno kurz im atelier hintergrund membran iii-2010 140 x 140 cm acryl druck und Ölfarbe metall fotos courtesy b kurz aufbau die typischen merkmale der landschaftsmalerei trägt sie scheinen ins unendliche zu zeigen geben dem betrachter den raum frei für eigene interpretationen und sind zugleich hoch und weit tief und nah fast scheinen es ausschnitte zu sein von etwas das größer und weiter ist als der gezeigte bereich die waagerechte orientierung der komposition läuft dem oft senkrechten malduktus entgegen da dehnt sich etwas aus zwischen oben und unten rechts und links was zart an ein kreuz erinnert im spannungsfeld zwischen himmel und erde und zwischen dem was den menschen um ihn herum umgibt und bewegt gibt es einen ort an dem man zur ruhe kommen kann mancher von oben nach unten geführten pinselstrich erscheint wie ein mensch am meer oder ein baum auf weitem feld es sind nur striche und doch wecken sie assoziationen an archaische urbilder von leeren landschaftsräumen wie sie jeder als erinnerung in sich trägt noch mehr als abstrahierte bilder von offenen meeren und weiten fluren sind diese arbeiten auch seelenlandschaften sehnsuchtsräume orte der ruhe in denen man ankommen darf eine herausragende qualität der gemälde ist ihre leere das offene weite tiefe und stille diese werke strahlen stille aus und drängen sich nicht auf sie sind angebote für das hinschauen und verweilen sie fordern auf das leise und feine zu erspüren zum beispiel die subtile veränderung von farbflächen je nach lichtstimmung und standpunkt des betrachters die arbeiten von bruno kurz entstehen langsam und über lange zeiträume sie sind das völlige gegenteil der heute in allen medien üblichen momentaufnahmen die in wenigen sekunden aufmerksamkeit anziehen müssen um nicht für immer übersehen zu werden diese malerei hingegen verzichtet auf den schnellen effekt sie lässt sich entdecken und feiert die langsamkeit wie ein fest tag für tag öffnet sich in ihnen eine neue welt diese werke sind keine besatzer wie so viele andere bilder die vom betrachter aufmerksamkeit erzwingen und ihm kaum noch raum geben sie zu übersehen vielmehr lassen die arbeiten von bruno kurz ihr gegenüber frei das ist wohltuend und angenehm sie sind freundliche gefährten des alltags in die man sich versenken und deren geheimnis man über jahre stets aufs neue ergründen kann sie vereinigen in sich zartheit gepaart mit kraft sind schön und irritierend zugleich bieten entspannung und fordern heraus sind manchmal glänzend manchmal stumpf lassen den betrachter bei sich ankommen und schicken ihn auf eine reise sie verkörpern paradoxie in ihrer schönsten form info www.brunokurz.com galerievertretungen u.a www.galeriefetzer.de sontheim bei ulm www.galerie-wesner.de konstanz 10 mundus 3/10

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