Porträt - Rudolf Friedrich Stoof Fred Rudolf Stoof

 

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Porträt von Rudolf Friedrich Stoof Fred Rudolf Stoof

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Vom Stellmacher zum Hi 2 Vater Rudolf Friedrich Stoof und Sohn Fred Rudolf

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ightech-Karosseriebauer Von Helmut Brückmann Eines der ältesten Handwerke ist die Stellmacherei, denn seit in grauer Vorzeit das Rad erfunden war, benötigte man den Stellmacher oder Wagner. Da die Räder in der Regel für einen Wagen benötigt wurden, nannte man den Beruf – vornehmlich im Süden Deutschlands und in der Schweiz – Wagner, während ansonsten der Begriff Stellmacher sich auf das Gestell bezog, das auf den Rädern ruhte. Ob Stellmacher oder Wagner, das Arbeitsmaterial ist bis heute Holz. Nachdem man Räder und Aufbauten zunehmend aus Metall fertigte, wurde aus dem Stellmacher bzw. Wagner der Karos- seriebauer. In der ehemaligen DDR gab es den traditionellen Stellmacher noch länger als im Westen, da aus Materialknappheit insbesondere in der Landwirtschaft auf den Baustoff Holz zurückgegriffen wurde. Im Bundesland Brandenburg, „des Heiligen Römischen Reiches Streusandbüchse“ i, wie die Mark Brandenburg vor Hunderten von Jahren liebevoll-spöttisch bezeichnet wurde, treffe ich in Borkheide Rudolf und Fred Stoof, in der 4. bzw. 5. Generation gelernte Stellmacher. Wir befinden uns in der Stoof International GmbH. 3 1) Streusandbüchsen waren Behälter für feinen Sand, den man anstatt eines Löschblattes zum Trocknen der frischen Tinte auf Schriftstücke rieseln ließ. Der sandige, karge Boden der Mark Brandenburg, auf dem ausgedehnte Kiefern-, Birken- und Heidekulturen gedeihen, führte zu dem „Spitznamen“ für diese reizvolle Landschaft.

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Die 150-jährige Geschichte des Unternehmens Stoof hatte mein Interesse geweckt. Damit bin ich bei Rudolf Friedrich Stoof (83) genau beim Richtigen, der mich einleitend über den Unterschied von Stellmacher und Karosseriebauer aufklärt: „Stellmacher arbeiten mit Holz, also Räder, Schubkarren, Pferdewagen, Aufbauten und andere Gerätschaften, wie sie in der Landwirtschaft gebraucht werden. Aus dem Stellmacherberuf ist dann der Karosseriebauer hervorgegangen, als man die Aufbauten aus Blech und nicht mehr aus Holz baute.“ Gegründet wurde das Unternehmen 1865 von Karl August Stoof in dem kleinen Dörfchen Kanin, das zu einem der drei Dorfgemeinden von Busendorf gehört, das wiederum ein Ortsteil der Spargelstadt Beelitz ist. Ihm folgte etwa 30 Jahre später Sohn Rudolf, von dem wenig bekannt ist. Von dessen Sohn, nach dem Vater ebenfalls Rudolf benannt, wird später noch die Rede sein. Der alte Herr, mein heutiger Gesprächspartner und Urenkel des Firmengründers, kommt ins Erzählen, wartet präzise mit Daten und Fakten auf, als er von seiner Ausbildung zum Meister erzählt: „Damals, 1954, waren ja noch DDR-Zeiten. Ich besuchte mit Karosseriebauern und Stellmachern dieselbe Schule zur Meisterausbildung in Bernau, nachdem ich 1949 ausgelernt hatte. Der Unterschied zwischen Karosseriebau und Stellmacherei bestand darin, dass die Karosseriebauer noch ein bisschen Blech treiben mussten. Sonst war alles das Gleiche. Auch bei meinem Vater war das nicht viel anders. Er hatte 1917 ausgelernt, also Groß- und Urgroßeltern von Fred Stoof Großvater Rudolf Stoof auf dem Arm seines Vater Rudolf 4

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noch während des 1. Weltkrieges. Da er nicht Soldat werden wollte, hat er bei Hans Grade2 hier in Borkheide im Flugzeugbau gearbeitet. 1918, nach Kriegsende, war in Deutschland bekanntlich Schluss mit der Fliegerei. Mein Vater hat dann zu Hause, auf dem Dorf, wieder als Stellmacher gearbeitet, hat Wagen und Kutschen repariert. Natürlich aus Holz. Nachdem ich 1954 die Meisterprüfung bestanden hatte, übernahm ich von meinem Vater den Betrieb, die Stell- macherei.“ Immer noch Holzarbeiten, will ich wissen? Mein Gesprächspartner denkt kurz nach: „Neben den üblichen Stellmacherarbeiten haben wir hin und wieder auch Pritschen für LKW oder Fahrerhäuser gemacht; auch Pkw haben wir repariert, bei denen neben Blech auch das preiswertere Holz verbaut wurde. Mancher ausgediente alte Opel oder DKW wurde so wieder einsatzbereit gemacht. Doch das meiste haben wir für das Instandhalten von Ackergerät 2) Hans Grade ist Konstrukteur, Erbauer und Pilot des ersten deutschen Motorflugzeuges. Das Flugzeug, mit dem er im Oktober 1909 den ersten deutschen Flugpreis gewann, hat die Wirren zweier Weltkriege überstanden und befindet sich seit 1917 im Deutschen Museum in München. Meisterbrief von Rudolf Stoof, dem Großvater des heutigen Firmenchefs 5

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getan, bis dann 1961 die LPG3 kam, in die auch ich mit meinem Betrieb gehen sollte. Das wollte ich nicht, weshalb ich meinem Vater den Betrieb wieder rückübertrug. Das ‚Unternehmen’ samt meinem alten Herrn, der schon 65 Jahre alt war, wollten die Genossen aber nicht in die LPG aufnehmen. Unsere Maschinen waren ja wahrhaftig nicht die neuesten. Plötzlich hatte keiner mehr Interesse an uns. Ich bin dann nach Kleinmachnow als Karosseriebauer gegangen, wo wir Busse instand setzten. Dort bin ich dann sieben Jahre geblieben. Nachdem mein Vater einen leichten Schlaganfall erlitten hatte, arbeitete ich wieder zu Hause in Kanin. Bis zur Wende haben wir viele LKW-Pritschen für die Grenztruppen erneuert. Das hatte für uns den Vorteil, dass wir Bezugsscheine für das Material bekamen, das wir auch für nichtmilitärische Aufträge nutzen konnten. Wir verfügten über Sonderkontingente, mit denen wir auch anderen halfen. Damit war allerdings Schluss, als die Wende kam. Aber zu dieser Zeit haben wir das alles nicht mehr gebraucht.“ Politik auf dem Dorf Rudolf Stoof gibt auch bereitwillig Auskunft über sein Verhältnis zur Partei: „Ich war nicht in der Partei, war aber 30 Jahre stellvertretender Bürgermeister in Kanin. Die gleiche Zeit war ich Wehrleiter bei der Feuerwehr. Ich habe meinen Aufseher für die Feuerwehr gemacht, 3) Als Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, LPG, wurde der zu Anfang 1952 noch teilweise freiwillige und später durch die Zwangskollektivierung unfreiwillige Zusammenschluss von Bauern und Bäuerinnen und deren Produktionsmitteln sowie anderer Beschäftigten zur gemeinschaftlichen agrarischen Produktion in der DDR bezeichnet. Stellmacherarbeit: Leiterwagen für einen Bauern Rudolf Stoof, 2. Generation, Urgroßvater von Fred Stoof 6

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habe meinen Brandinspektor gemacht. Übrigens hat mein Vater 1927 die Feuerwehr in Kanin gegründet.“ Als der Bürgermeister von Kanin starb, war natürlich ein Ersatz von der Partei, der SED, vorgesehen. Der Kandidat soll aber gleich gesagt haben, dass er nur zur Verfügung stünde, wenn Rudolf Stoof sein Stellvertreter werde. Als der Gemeinderat über die Angelegenheit beriet, „meldete sich eine Genossin von der SEDKreisleitung und wollte wissen, wer von den Kandidaten in der Partei sei. Ich sagte, dass ich nicht Parteimitglied sei. Sie erwiderte, dass ein guter Bürger auch ein guter Kommunist sein kann. Ich antwortete: ‚Wenn Sie das so meinen, mache ich das Amt weiter.’ Insgesamt habe ich drei Bürgermeister überlebt. Als ich 70 wurde, zog ich mich aus Altersgründen von allen Ämtern zurück.“ Nachteile hatte Vater Stoof wegen der fehlenden Parteimitgliedschaft nicht, auch nicht bei seinen Ämtern in der Feuerwehr. Klar, wenn einer in der Partei war, hatte er gelegentlich Vorteile. Mein Gesprächspartner kommt ein wenig ins Sinnieren, als er an die alten Zeiten denkt: „In unserer Gegend wurde in Sachen LPG der Typ 1 gegründet. Da Die Stellmacher, Vater (links) und Großvater Rudolf Stoof (rechts), vor ihrer Werkstatt in Kanin 7

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hat jeder seinen Hof und sein Vieh behalten dürfen. Nur die landwirtschaftliche Fläche wurde gemeinsam bearbeitet.“ Offenbar funktionierte die Zusammenarbeit mit der LPG ohne Probleme. Die Firma Stoof reparierte landwirtschaftliche Geräte, die meist aus Holz waren. Sohn Fred aber wollte Karosseriebauer werden und bekam auch eine Lehrstelle bei der PGH Autoservice4. Das war eine Produktionsgenossenschaft in Potsdam, die später bankrott ging. Da man immer noch für das Militär arbeitete, war es einfacher, für die langjährigen Kunden vom Dorf das notwendige Material zu beschaffen. Beruflicher Anfang Mittlerweile war Fred auch in den Stand der Ehe getreten, was Folgen hatte, denn die Schwiegermutter besaß von ihrem verstorbenen Ehemann noch eine Möbeltischlerei, die einen Chef brauchte. Also lernte der junge Stoof Möbel-Tischler. Irgendwie passte das ja auch zum angehenden Karosseriebauer: Holz statt Blech. Hinzukam, dass Anke, die Schwester von Fred, inzwischen passenderweise einen Tischlermeister heiratete, der ebenfalls in Kanin seinen Betrieb hatte. „Die Betriebe waren wirtschaftlich getrennt“, erinnert sich Vater Stoof. „Man fertigte Fenster und Türen, also nichts für die Landwirtschaft. Die 4) Eine Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) war in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) eine sozialistische Genossenschaft, deren Mitglieder Handwerker oder Gewerbetreibende mit Eintrag in der Handwerks- oder Gewerberolle waren. Zudem konnten auch deren Beschäftigte und mithelfenden Ehepartner Mitglieder in einer PGH sein. Der Zusammenschluss beruhte auf einer freiwilligen, gemeinschaftlichen/kollektiven Arbeit innerhalb einer Produktionsgenossenschaft mit dem Ziel, durch den Zusammenschluss ein Gemeineigentum an den Produktionsmitteln zu bilden. Ein Sanitätswagen aus Holz - Arbeit für Stellmacher Meisterbrief von Vater Rudolf Stoof, 1954 8

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Ehe von Fred hielt nicht sehr lange. Meine Tochter Anke hat heute eine kleine Design-Agentur, die im jetzigen Betriebsgebäude in Borkheide untergebracht ist.“ Doch bis hierhin war es noch ein weiter Weg. „Eigentlich“, sagt Vater Stoof, „hätte Anke ja Dekorateurin werden wollen. Doch wer braucht so was in einem so ländlichen Dorf wie Kanin?“ Jetzt kam wieder die Schwiegermutter von Fred ins Spiel, die früher für den Konsum gearbeitet hatte und ihre Verbindung dorthin nutzte: Anke erhielt eine Ausbildungsstelle im Konsum in Potsdam und nebenbei Grundkenntnisse im Bereich Werbung. Die kann sie jetzt auch für ihren Bruder nutzen. Passenderweise sitzen die Geschwister heute im gleichen Firmengebäude in Borkheide. Start als Jungunternehmer Längst war die väterliche Werkstatt in Kanin zu klein geworden, da die Arbeit des jungen Stoof geschätzt wurde und die Aufträge zunahmen. Fred Stoof hatte nicht nur als Karosseriebauer ausgelernt, sondern bereits 1988, also kurz vor der Wende, die Meisterprüfung bestanden. Am 2. Oktober 1989 wurde der Firmensitz von Kanin nach Busendorf verlegt, da sich dort bessere, größere Räumlichkeiten fanden. „Das war vier Wochen zu früh“, erinnert sich Fred Stoof, „denn just an dem Tag, an dem ich als Jungunternehmer meine erste Lohnabrechnung machte, ging die Grenze auf. Wäre ich, wie andere auch, rechtzeitig in den Westen ‚abgehauen’ und nach dem Ende der DDR wieder zurückgekommen, hätte Die traditionsreiche Werkstatt in Kanin nach einer Renovierung 9

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ich wie mancher meiner Kameraden eine Geldprämie vom Staat bekommen. Man wollte ja den Ausverkauf der ehemaligen DDR verhindern; die jungen Leute wurden für den Aufbau gebraucht.“ Während der Monate, in denen sich die Wiedervereinigung vollzog, dachten ja nicht wenige DDR-Bürger, dass nunmehr eine Art Goldenes Zeitalter gekommen sei, dem man entgegengehen müsse, also in Richtung Westen. diesen Autotyp beziehen können. Im Regelfalle war es nämlich so, dass die Eigentümer der Fahrzeuge die benötigten Fahrzeugteile dem Karosseriebauer mitbrachten. Jeder sorgte für sich selbst. Und noch eine Besonderheit gab es: Als ich meine Gewerbeerlaubnis bekam, hatte ich damit auch die Pflicht übernommen, an mindestens einem Tag in der Woche meinen Betrieb für Kunden zu öffnen, zum Beispiel zwischen 17 und 19 Uhr. In dieser Zeit standen dann bei mir die Kunden inklusive der mitgebrachten Der Jungunternehmer Stoof hat- Ersatzteile im Betrieb und wollten ihte sich schon in Busendorf eingerich- ren Wartburg repariert haben.“ tet, wo er sich mit Reparaturen von Unfallschäden und Korrosionsbeseiti- Nach der Wende gung an betagten Autos befasste. Er Nach dem Mauerfall ging es erinnert sich: „Eigentlich sollte ich ja noch eine Weile wie bisher weiter, einen Vertrag für Wartburg kriegen. doch dann wurden zunehmend geDieser Vertrag war wichtig, denn nur brauchte Fahrzeuge aus dem Westen durch ihn hätte ich Ersatzteile für mitgebracht, die zwar einen tollen Zerlegtes Fahrzeug vor der Panzerung Vater Rudolf Friedrich Stoof während des Gesprächs mit Veko-online 10

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Markennamen hatten, aber offenbar vom Schrottplatz stammten. Das bisherige Prinzip, dass der Kunde das Ersatzteil für die Reparatur selbst mitbrachte, funktionierte nicht mehr. Meister Stoof erkannte schnell die Zeichen der Zeit: „Ich fuhr nach Westdeutschland, habe dort ein paar Wochen gearbeitet und mir einen Unfallwagen, einen Audi 100, aufgebaut. Mit dem bin ich dann wieder zurückgefahren, mit einem Anhänger, auf dem sich unter anderem ein Schweißgerät befand. Damit habe ich dann Geldtransporter aus Potsdam repariert, und zwar nachts, damit die Fahrzeuge tagsüber wie- der einsatzbereit waren.“ Die Arbeit der Fa. Stoof war offenbar gut, der Umsatz stieg. Bereits 1992 war das Unternehmen auf der Security in Essen, der führenden Sicherheitsmesse, mit einem Stand vertreten. Besucher wurden mit Sekt verwöhnt, Rotkäppchensekt aus Freyburg an der Unstrut, versteht sich. Die Werkstätten in den alten LPG-Hallen in Busendorf waren bald zu klein, weshalb das Unternehmen 2003 nach Borkheide umzog. Mittlerweile war auch das Geschäft mit Geldtransportern gefestigt. Hauptkunde war Securitas in Düsseldorf, Die erste Flotte gepanzerter Toytas 11

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„für die wir pro Monat 10 Transporter bauten. Nachdem wir eine neue, große Fertigungshalle errichtet hatten, kündigte mir Securitas alle Aufträge, da man diesen Geschäftszweig aufgab. Natürlich hatten wir noch andere Kunden, die inzwischen alle vom Markt verschwunden sind, wie ADS zum Beispiel oder HEROS, doch konnten sie den Produktionsausfall nicht ersetzen. Aus dem Dilemma führte mich ausgerechnet ein Krieg, der Irak-Krieg. Plötzlich waren gepanzerte Geländewagen gefragt, und wir haben unsere Produktpalette erweitert.“ Stoof wird international Stoof, der Jungunternehmer aus „Ossi-Land“, wagte sich auf das internationale Parkett. Und das mit Erfolg, bis heute. Seit Jahren zählen die UN zu Stoofs Kunden, aber auch Regierungen aus vielen Ländern. Die internationalen Kontakte sollten just zu einem weiteren Geschäftszweig führen, der auf einer Security in Essen seinen Ausgang nahm. Dort stellte Stoof seinen ersten gepanzerten Daimler W221 vor, der unter Fachleuten Aufsehen erregte. Ein solcher „vom Fach“ meldete sich später bei Stoof; es war der Einkäufer des saudischen Königshauses. „Er hat uns später in Borkheide besucht“, sagt Stoof. „Der angehende Kunde landete mit seinem Privatjet in Tempelhof und erklärte mir dann, dass er nicht mit dem Auto zu meinem Unternehmen fahren werde. Ich habe daraufhin von einer Hubschrauberschule in Großkreuz einen Helikopter mit Piloten angeheuert, der meinen Gast und mich nach Borkheide in mein Unternehmen brachte. Dort haben Ein Blick in die eigene Polsterei Gepanzertes Spezialfahrzeug 12

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wir eine Probefahrt gemacht. Und dann ging’s auf die gleiche Art zurück nach Tempelhof. Die Investition in den Hubschrauberflug hat sich gelohnt, „denn wir haben rund 20 der gepanzerten Luxuslimousinen an das Königshaus geliefert.“ Zur damaligen Zeit waren die Handelsbeziehungen mit den arabischen Scheichs noch von gegenseitigem Vertrauen getragen, „das sich aber ändern sollte“, so Stoof, „denn immer öfter nutzten windige Geschäftemacher das Vertrauen der arabischen Kunden aus, schlossen Kaufverträge ab, kassierten hohe Anzahlungen, aber lieferten dann nicht. Die Folge: Heute wird nur bei Lieferung der Ware bezahlt. Das ist für die Autobauer von großem Nachteil. Der Umbau eines Wagens zu einem sondergeschützten Fahrzeug in Luxusausführung dauert ungefähr sechs Monate. In dieser Zeit müssen nicht nur die Löhne vorfinanziert werden, sondern auch die nicht gerade billigen Bauteile für Schutz und Luxus. Erst dann gibt’s Geld.“ Dieses Verfahren schließt aber nicht aus, dass es Betrügereien anderer Art gibt, indem zum Beispiel minderwertiges Material verbaut wird. Firmenchef Fred Stoof (3.v.l) mit Kunden während einer Messe in Saudi-Arabien. 13

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Nachdem sich das Unternehmen STOOF International GmbH am neuen Domizil in Borkheide gut eingerichtet hatte, die Geschäfte florierten, traf den Unternehmer Fred Stoof 2004 ein richtiger Nackenschlag, der wahrhaftig nicht vorauszusehen war. Man sieht ihm heute noch seine Erregung an, wenn er davon spricht: „Wir bekamen eine Superanklage wegen illegaler Ausfuhr von gepanzerten Fahrzeugen, was einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz darstellte. Das war kein Spaß, als hier in meinem Büro plötzlich Beamte eindrangen, jeder Raum in meiner Firma besetzt und das gesamte Gebäude umstellt wurde. Keiner von uns wusste warum. Gleichzeitig wurden auch meine Wohnung und das Büro meines Steuerberaters durchsucht. Die Beschuldigung lautete auf Verstoß gegen das Kriegs- waffenkontrollgesetz. Die Ermittler waren offenbar nur mangelhaft informiert, denn tatsächlich hatte ich sieben gepanzerte Fahrzeuge an die britische Regierung verkauft, was völlig legal war. Die Briten (!) haben die Fahrzeuge dann in den Irak geschafft, nicht ich. Diesen Umstand kannte die Ermittlungsrichterin aus Potsdam nicht. Sie wusste nur, der deutsche Unternehmer Stoof hat gepanzerte Fahrzeuge gebaut, die jetzt im Irak sind. So lautete auch der Tenor der Anklage. Ich habe dann meinen Anwalt informiert, der schon öfter für mich tätig war. Als ich bei einer Fachmesse in London war, informierte mich mein Steuerberater, dass erneut durchsucht werde, bei der auch meine Konten gesperrt wurden. Ich habe dann von London aus Freunde und Bekannte telefonisch informiert, darunter auch den ehe- Das neue moderne Werksgelände in Borkheide mit seiner imposanten Fertigungshalle und EU Warenhauslager (kleine Halle) Meisterbrief Fred Stoof 14

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maligen Staatssekretär Dr. Linde, der wie ich Mitglied im Kanu-Club war. Dr. Linde machte mir einen Kontakt zu dem bekannten Berliner Rechtsanwalt und früheren Staatsanwalt Dr. Erbe, der mir als erstes riet, ja nicht nach Hause zu kommen, da ich unweigerlich in U-Haft käme. Und wer einmal im Knast gesessen hätte, auch unschuldig, dem würde das immer nachhängen, denn das stände immer in den Papieren. Ich sollte also in England bleiben, denn die lieferten nicht so schnell aus. Mich aber zog es in wärmere Gegenden, weshalb ich nach Spanien flog. Ich nahm an, dass wie bei einem Flug von Deutschland nach Spanien keine Pässe bei der Einreise kontrolliert werden. Dieses vereinfachte Verfahren galt aber nicht bei einer Einreise von England nach Spanien. Zum Glück waren die Kontrollen sehr nachlässig. Es gab bei der Einreise kein Problem, wohl aber während meines Aufenthaltes: Ich bemerkte schnell, dass meine Kreditkarten und Konten gesperrt waren. Man ist in einer solchen Situation ziemlich hilflos. Ich fühlte mich auf der Flucht wie Dr. Richard Kimble aus der gleichnamigen TV-Serie, wohnte in einer billigen Absteige und sah überall Verfolger. Am Flughafen von Am 29. Mai 2010 wurde der hundertste gepanzerte Toyota fertiggestellt - ein Grund zum Feiern für die ganze Belegschaft. 15

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