HEINZ-Magazin Wuppertal 06/2015 zum virtuellen Blättern

 

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Popular Pages


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06 2015 I N F O - M A G A Z I N F Ü R W U P P E R TA L , S O L I N G E N , R E M S C H E I D Ich muss hier raus Live Escape Games im Sektor – HEINZ wagt den Befreiungsversuch. Ruhr Games stehen an Vier Tage Sport und Live-Acts an sechs Standorten in fünf Städten im Revier. Clueso beim Zeltfestival HEINZ sprach mit dem Erfurter Künstler über Zeltmagie und Zirkuseinlagen.

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Matthias Jung Matthias Reuter Martin Maier-Bode Michael Steinke 30.09.15 um 20 Uhr Matthias Reuter Die Menschen sind ne Krisenherde 18.11.15 um 20 Uhr Martin Maier-Bode Voll krass deutsch 17.02.16 um 20 Uhr Matthias Jung Liegen haben kurze Beine 13.04.16 um 20 Uhr Michael Steinke Funky! Sexy! 40! Bettkarten 17.00 Euro (inkl. 1 freies Getränk) Sitzplatzkarten 10.00 Euro

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Juni 2015 RVR, CHRISTOPH MADERER 04 Startphase 10 Stadtplan Ich muss hier raus! – Live Escape Games im Sektor 14 Germany steht up – 2. Deutsches Stand-up Festival 16 Ruhr Games – Leistungssport trifft Industriekultur 18 Konzerte Billy Idol im Tanzbrunnen Maroon 5 + Magic! in der König-Pilsener-Arena Lagwagon + Strung Out im zakk Shantel und das Bucovina Club Orkestar in BO/W Lamb Of God + ASG in der Zeche Bochum Taylor Swift + James Bay in der Lanxess Arena Testament im FZW Mary J. Blige in der Mitsubishi Electric Halle Mark Knopfler & Band in Dortmund und Köln Cavalera Conspiracy im Luxor Gabriel Ríos + Goldmund & Tautrinker im Café Steinbruch Hurricane Festival am Eichenring Scheeßel Vainstream Rockfest in Münster Summerjam am Fühlinger See 20. Hildener Jazztage Sónar Festival in Barcelona 22 Tipp des Monats: Clueso beim ZFR 24 Bewegungsmelder Die Veranstaltungstermine des Monats im Überblick 46 Ausstellungsübersicht SCHON HEUTE WAS Ruhr Games VOR? Clueso KOCH MEDIA CHRISTOPH KOESTLIN Die Liebe seines Lebens 48 Kleinanzeigen Kontakte, Reisen, Kunst und Kreatives, Dies und Das 48 Impressum HENDRIK LIETMANN Green City 50 Kino „Kiss the Cook“ von und mit Jon Favreau „Lost River“ von Ryan Gosling „Freistatt“ von Marc Brummund „Tracers“ mit Taylor Lautner „Die Frau in Gold“ mit Helen Mirren „Kind 44“ mit Tom Hardy, Gary Oldman „Jurassic World“ mit Bryce Dallas Howard „Love & Mercy“ mit John Cusack, Paul Dano 52 Tipp des Monats: „Die Liebe seines Lebens“ 54 Ausstellungen Gert und Uwe Tobias in Schloss Morsbroich Leverkusen Yann Arthus-Bertrand im Neanderthal Museum Cody Choi in der Kunsthalle Düsseldorf Meisterwerke im Dortmunder U Robert Frank im Museum Folkwang 56 Tipp des Monats: „Green City“ im Schloss Oberhausen 58 Bühne Christian Springer im Theater im Tanzhaus Wuppertal „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ im Theater am Engelsgarten „1LIVE-O-Ton-Charts“ im Haus der Jugend Barmen „Don Giovanni“ im Opernhaus „1984“ im Theater und Konzerthaus Solingen 60 Tipp des Monats: Impulse Theater Festival 62 Nachtschwärmer Partys im Sektor www.heinz-magazin.de BESUCH‘ UNS AUF FACEBOOK! DAVID BALTZER facebook.com/ HEINZmagazin Western Society@Impulse Fairytale Secrets

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STARTPHASE JUNI Das neue Wegwerfen... …heißt Reparieren. Zumindest in Remscheid. Hier findet nämlich seit dem 27.5. am Ambrosius-Vaßbender-Platz regelmäßig ein „Reparaturen-Café“ statt. An jedem 2. und 4. Mittwoch wird hier gemeinsam mit einem Team von Ehrenamtlichen repariert und gerettet, was zu retten ist: Fahrräder, Lampen oder Radios. Kosten fallen lediglich für Ersatzteile an. Wichlinghausen rockt! Unter dem Motto startet am 20.6. auf dem alten Schulhof an der Wuppertaler Feldstraße zum 1. Mal ein großes Open-Air-Konzert für regionale Newcomerbands in Wichlinghausen. Das Potential der jungen Musikszene zu erkennen und zu fördern, das ist das Ziel hinter der Veranstaltung, für die sich verschiedene Wuppertaler Musikprojekte als Initiatoren vernetzt haben. Mit dabei: Mente, Dickes Gebäude, Daniele Puccia (Foto) u.a. MICHAEL ZARGARINEJAD Mentalisten-Show in der Historischen Stadthalle Wuppertal Thorsten Havener verblüfft „Wie hat er das bloß gemacht?“ Diese Frage stellt sich jeder, der ihn live erlebt. Thorsten Havener fasziniert, er verblüfft, Havener macht fassungslos. Und dem Publikum stehen reihenweise die Münder offen. Dabei schaut der Saarbrücker einfach nur genauer hin. Der Mentalist und Zauberkünstler ist einer der größten Entertainer Deutschlands und passionierter Experte der alltäglichen Körpersprache, der das, was er tut, selbst als „Körperlesen“ bezeichnet. Wohin zeigen die Füße? Hat die Augenbraue gezuckt? Und was sagt uns dieses Lächeln? Havener errät streng geheime PIN-Nummern und weiß genau, wohin irgendein Gast aus dem Publikum als nächstes in den Urlaub fährt – bestimmt auch am 11.6. in Wuppertal. Der 42-Jährige hatte 1986 einen ersten öffentlichen Auftritt als Zauberkünstler – heute hat er noch immer Spaß; 36-42 €. Kreative Handhabung mit Herz Das hat Hand und Fuß, dass zwei, die mit Hand und Herz bei der Sache sind, wenn sie liebevoll fair produzierte Textilien mit Siebdruck aufhübschen, gleich ein Label daraus machen. Mutig zieht das Label mithandundherz, hinter dem Bea Meder und Jonannes Wächter stehen, in die Wuppertaler Charlottenstr. 16. Am 27.6. eröffnen sie mit dicker Party; 11-19.30 Uhr. Sommer in der Muschel Von Mai bis September bietet der „Remscheider Sommer“ jedes Jahr aufs Neue Veranstaltungen in schöner Freilicht-Atmosphäre. Mit Kindertheater, Chormusik und sogar Comedy lockt die Eventreihe Jung und Alt in die Konzertmuschel im Remscheider Stadtpark. Highlights im Juni: 60er-Jahre-Konzert mit Meet The Beatles (7.6.), Klezmer, Balkangrooves und Romalieder vom Odessa-Projekt (21.6., Foto) und das Stadtteilkonzert der Bergischen Symphoniker (23.6.). Das gesamte Programm der übrigens durchweg NRVWHQORVHQ(YHQWVÀQGHWPDQRQOLQHXQWHUZZZUHPVFKHLGGH Für junge Theatermacher Träume treiben uns an, rauben uns den Schlaf. Wir verfolgen sie, sie aber auch uns. Dem Thema Traum möchte sich das Theaterprojekt „Dreamtime“ nähern. Im Juni und Juli schauspielern Jugendliche aus unterschiedlichen Heimatzusammenhängen gemeinsam. Wer mitspielen möchte, kann sich beim Wuppertaler Kinder- und Jugendtheater melden. www.kinderjugend theater.de MIRIAM BEHRENS Trödelluise Der Name Luise ist die Kurzform von Aluise und bedeutet berühmte Kämpferin. Da passt es doch, dass hier alljährlich der – liebevolle – Kampf um die besten Trödelstücke steigt. In der „Elberfelder Altstadt“ ist das Luisenfest ein Muss für die Wuppertaler. Ah, schau mal, da ist doch der Soundso, hallt es durch die Luisenstraße, wo sich Trödelmeter an Trödelmeter reiht – es ist eben ein Nachbarschaftsfest mit viel Trubel und Tammtamm. Jetzt ist der Mai fast rum – und es war noch nicht? Keine Panik, es wurde wegen der geringeren Regen- und Kältewahrscheinlichkeit in den Juni geschoben. Am 14.6. kann ab 10 Uhr, für Frühaufsteher inoffiziell auch schon eher, getrödelt werden. www.luisenfest.de Trassen-Festival Um das bevorstehende Ende der Bauarbeiten an der Wuppertaler Nordbahntrasse zu feiern, steigt am 20.6. ab 13 Uhr am Bahnhof Wichlinghausen ein kleines Fest. Geboten wird ein Programm für die ganze Familie, Kinderaktivitäten wie Hüpfburg, Karussell und Eisenbahn sind kostenlos. Für das leibliche Wohl sorgen internationale Spezialitäten. Ab 20 Uhr spielen die Goodfellas. 04 | HEINZ | 06.2015 NORBERT SDUNZIK

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Schauspielchefin Abbrederis stellte die Spielzeit 2015/16 vor Zurück ins Opernhaus Was würde uns der wohl berühmteste Sohn der Stadt heute zu sagen haben angesichts der Verelendung der Massen und des sich immer mehr verdichtenden Kapitals? Mit der Uraufführung „Engels & Friends“ wird am 19.9. die zweite Spielzeit des Schauspiels der Wuppertaler Bühnen unter der Intendanz von Susanne Abbrederis eröffnet. In dem Stück mit Musik stellt Autor und Regisseur Michael Waller Friedrich Engels mit allen Mitteln der Bühne im Theater am Engelsgarten vor. Weitere fünf Premieren folgen. Mit „Tartuffe“ von Molière kehrt das Schauspiel auf die Bühne des Opernhauses zurück. Fünf Wiederaufnahmen und zahlreiche Extras wie das Jahresprojekt „In unserer Mitte – Wir erzählen um unser Leben: Syrische Flüchtlinge in Wuppertal“ bereichern das Programm. JUNI 2015* & Ab 04.06. Ab 11.06. Reinschnuppertage für Achtklässler Künftiges Berufsleben Wird in einer Großwäscherei nur Wäsche gewaschen? Was hat Dialogmarketing mit einem Sanitätshaus zu tun? Solche Fragen, die sich Schüler der achten Klasse angesichts von Ausbildungsberufen stellen, werden bei den „Reinschnuppertagen“ vom 15.-19.6. beantwortet. Unternehmen haben jetzt noch die Möglichkeit, hierfür Angebote in das Buchungssystem einzustellen – und so die Chance, den Nachwuchs von morgen für Ausbildung bei sich zu begeistern! Die „Reinschnuppertage“ sind ein Projekt der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“. www.bfe.wuppertal.de Ab 11.06. Ab 11.06. Ab 25.06. Ab 18.06. Kinderfest und Mittelaltermarkt Solinger Burg bebt Die Burg im Zeichen von Spiel, Spaß und Action – das verspricht das Kinderfest am 13.+14.6. von jeweils 10-18 Uhr. Hier ist schwer was los. Mit Kaspertheater, Ponyreiten, Schminken, Zauberei, Dampflokfahren, Schwertschule und Falknerei. Auch Christof Zielony ist mit seinem beliebten Drachen Roderich wieder da. Würstchen, Eis und Waffeln gibt’s auch. Zum Mittelaltermarkt lädt Schloss Burg in Solingen am 27.+28.6. Im Aufgebot sind echte Handwerker wie Schmiede, Drechsel oder Sattler mit ihren Produkten, Erlesenes für den Gaumen, Musik und Spaß für die Kinder; Sa 10-20 Uhr, So 10-18 Uhr. Rex Filmtheater Kipdorf 29, 42103 Wuppertal Telefon 0202 47899550 www.rexwuppertal.de post@rexwuppertal.de Weitere Neustarts, Filme unserer Reihe ,PANORAMA‘ und Kinderfilme und deren Laufzeiten entnehmen Sie bitte der Tagespresse und unserer Internetseite. * Geplante Filme für JUNI 2015 – Änderungen vorbehalten! cinema Wuppertal Berliner Str. 88, 42275 Wuppertal Telefon 0202 2604310 www.cinemawuppertal.de kino@cinemawuppertal.de Weitere Neustarts, Filme unserer Spezial-Reihe ,MidnightMovies‘ und Kinderfilme und deren Laufzeiten entnehmen Sie bitte der Tagespresse und unserer Internetseite. * Geplante Filme für JUNI 2015 – Änderungen vorbehalten!

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STARTPHASE Gardez! Verlag feiert JUNI Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens lädt der Remscheider Gardez! Verlag am 11.6. ab 11 Uhr zum Tag der offenen Tür in seine Verlagsräume auf der Richthofenstraße. Neben den blutigen Seiten des Bergischen Landes können spannende BuchThemen wie Essen & Trinken, Kunst, Krimi und Philosophie entdeckt werden. Potentielle Neuautoren sind auch willkommen. The Hooters in der KuFa Ein internationales Musikmagazin bezeichnete die Hooters mal als „Best new band of the year“. Eine sachverständige Heiligsprechung. Jetzt kommen die Jungs aus Philadelphia um Rob Hyman und Eric Bazilian im Rahmen ihrer „35“-Livetour am 30.7. in die Kulturfabrik Krefeld. Mit dabei sind wahrscheinlich Hits wie „Day By Day“, „And We Danced“, „Where Do The Children Go“ und „All You Zombies“; 20 Uhr, 35 € (VVK). U60311 meets Butan feat. Toktok vs. Soffy O Wenn die Posse mitkommt ... Am 19.6. fusionieren zwei der angesagtesten Techno-Clubs Deutschlands, um Nachtschwärmern aus Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Wuppertal ein schillerndes Familienfest zu präsentieren. Der legendäre Frankfurter Klub U(ntergrund) 60311 kommt mit Posse ins Tal an der Wupper, um auf vier Floors ein breites Spektrum elektronischer Musik abzufeiern. Auf dem U60311-Floor gibt es House von Toni Rios (Album Tour), Stefan Küchenmeister, Mick Zakon, Patrick Schröter und eine Live-Darbietung von den Klublegenden Toktok vs. Soffy O. Toktok haben sich in den 1990ern gegründet und sich durch die Kombination aus Techno, Electroclash und House einen Namen über die Szene hinaus erspielt. Deren größter Club-Hit war bislang „Missy Queen‘s Gonna Die“ mit Soffy O; 22 Uhr, 10 € (Early Bird-VVK). www.butanclub.com Wuppertaler Megakirmes Vom 12.-15.6. laden rund um das Sonnborner Zoo-Stadion Achterbahnen und Buden zum Kirmesbummel. Klassiker wie Geisterbahn und Kettenkarussell sind ebenso dabei wie rasantere Action-Fahrgeschäfte. Zur Eröffnung am 12.6. gibt es ein Feuerwerk. Der Besuch mit Kind und Kegel lohnt sich am letzten Tag der Kirmes, wenn die Preise zum Familientag gesenkt sind. Mehr als nur spielen Was die Sportschau nicht kennt, spielen wir nicht. Hah! Nicht bei den „Wuppergames“ am Arrenberg. Olympia war gestern! Bei den Wuppergames werden die Sportarten ausprobiert, die nicht auf den Bolzplätzen immer wieder durchgenudelt werden. Keulerei zum Beispiel. Sie wurde gerade erst an der Bergischen Universität erfunden. Studierende bringen die ganzen Exoten am 20.6. von 11-17 Uhr auf den Gutenbergplatz und realisieren den Spielspaß mit dem Stadtteilprojekt Gobox. Du bist zwischen sechs und 18 Jahre alt? Dann los, spiel mit! BERGISCHE UNIVERSITÄT WUPPERTAL Displace Marilyn Monroe Nach diversen Konzerten feierte die inklusive Künstlergruppe I CAN BE YOUR TRANSLATOR in Dortmund mit ihrer ersten Theaterproduktion Premiere. Am 14.6. gastieren die zehn Musiker nun im Haus der Jugend in Wuppertal-Barmen und setzen sich anhand der Ikone „Marilyn“ spielerisch witzig und nachdenklich mit der eigenen Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinander. NEUBAUERPHOTOS.COM Feueralarm Zwei Tage lang steht die Wuppertaler Waldbühne auf der Hardt ganz im Zeichen von Met, Schalmei und schönen Gewändern mit Fledermausärmeln. Am 28.+29.8. öffnet das Festival seine Pforten – wie jedes Jahr führt der Weg zur Bühne über einen MittelalterMarkt, der im Jahr des Dutzend-Jubiläums größer als jemals zuvor daherkommt. Musikalisch werden alte Wegesrecken und Jungvolk begrüßt. Am Freitag treten Punch’n’Judy, Rapalje, Corvus Corax, Versengold und Saltatio Mortis auf, einen Tag später Harpyie, Das Niveau, Mr Hurley & Die Pulveraffen, Fiddlers Green und Schandmaul. Durch das Programm wird „Erfolgsmoderator“ Eric Fish von Subway To Sally führen. Camping in der Mirke ist möglich. www.feuertal-festival.de Wuppertal ist bunt Der farblose Alltag der Flüchtlinge in der neuen Heimat kann bunter gemacht werden, oft auch mit einfacher Hilfe. Um die Arbeit des Elberfelder Bewohnertreffs OASE zu unterstützen, veranstalten die drei Wuppertaler Soroptimist Clubs am 19.6. eine Benefizparty in der Alten Papierfabrik mit karibischer Musik der Latin Session Band, Tanz von Regina Advento (Pina Bausch Tanztheater) und Auktion; 19 Uhr, 15/20 € (VVK/AK). 06 | HEINZ | 06.2015 ANDRE SCOLLICK  GUY WITH HAT

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Ist das Kunst, kann das geworfen werfen? Papergirl sammelt Papergirls und -boys brauchen in den USA einen starken Wurfarm. Hier bei uns ist der Zeitungswurf kein Alltag. Papergirl – ein partizipatives Streetartprojekt – bringt den Zeitungsschmiss auch nach Wuppertal. Aber das ist keine gewöhnliche Zeitung, die da in den Händen zufälliger Passanten landen wird, das ist Kunst. In anderen Städten gibt es diese Form schon. Nun wird in Wuppertal nachgelegt. Kunst jeglicher Formate verschiedenster KünstlerInnen wird gerade gesammelt. Bis zum 5.6. können Werke eingereicht werden. Diese werden dann zuerst ausgestellt, dann zu mehreren Papierrollen gebunden und per Fahrrad bugsiert und fliegend unters Fußvolk gebracht. Der Zufall entscheidet, wer fängt und wer leer ausgeht. www.papergirl-wuppertal.de KOTTENDORFER STR. 21 42697 SOLINGEN-OHLIGS | TEL. 0212 - 71545 IM JUNI DO | 4.6. Comedy Punch Club UNSERE VERANSTALTUNGEN SA | 6.6. Charts Party Rockbar MI | 10.6. Comedy Punch Club SA | 13.6. Ü30 Party Solinger Personaldienstleister will begeistern Zeitarbeit rockt! Das ist zumindest das erklärte Ziel der JOBexpress Bergisch Land GmbH. Die Solinger Firma bietet seit 2007 ihre Dienste in der Zeitarbeit und Personalvermittlung an und sieht sich als Vermittler zwischen Arbeitssuchenden und Kunden, zu denen v.a. Unternehmen aus der Industrie, Handel und Dienstleistung zählen. Unter dem firmeneigenen Motto „Zeitarbeit rockt“ möchte JOBexpress gängige Fragen und Unklarheiten zum Thema aufklären. Um zu zeigen, wie sehr Zeitarbeit rocken kann, veranstaltete der Dienstleister im Mai sogar ein Rockevent mit lokalen Bands in der Solinger Cobra. + Night of the Dance MI | 17.6. Comedy Punch Club SA | 20.6. Zurück in die Zukunft 80/90 Party | Tanzbar MI | 24.6. Comedy Punch Club FR | 26.6. Dreamland mit DJ David Puentez SA | 27.6. Ü30 Party | Wilde 13 www.getaway-online.de Mit Bräu-Bar und italienischem Spezialitätenmarkt essKULTour Remscheid Ab dem 26.6. erwarten Gourmets drei Tage lang unterschiedlichste Gerichte auf der Remscheider Alleestraße – in gewohnt gehobenem Niveau von insgesamt 14 regionalen Restaurants der ersten Klasse. Die Gerichte reichen von deftig bergisch bis außergewöhnlich international. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Alle kosten von 3-8 €. Bestecksets sind für 1,50 € an allen Gastronomieständen erhältlich. Nach ein- oder mehrmaligem Gebrauch kann das Besteck wieder zurückgegeben werden. Durch dieses bewährte System kommen die Einnahmen dem Förderverein „Möhrchen“ zugute. www.esskultour.info

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STARTPHASE JUNI Grillen und Chillen in der Cobra Unter dem Titel „Grillen und Chillen“ hat die Solinger Cobra eine neue Konzertreihe ins Leben gerufen. Der Eintritt zu diesen Veranstaltungen mit Unplugged-Musik im Biergarten wird frei sein bzw. auf Spendenbasis (alle Erlöse gehen an die Künstler). Den Anfang macht am 12.6. ab 20 Uhr das Solinger Urgestein Schwarte, am 26.6. folgt mit Soulgreen Soulblues der Spitzenklasse. Jazz an der Ruhr Unter Freunden musiziert es sich am besten. Und so rücken Tastenzauberer Chris Hopkins (Foto) und Gäste den Songs der klassischen Jazz-Ära bei den diesjährigen „Kemnade Jazz Nights“ zu Leibe. Am 1.+2.7. ist auf der Wasserburg Kemnade Bochum/Hattingen u.a. der aus Woody Allens „Wild Man Blues“ bekannte Posaunist Dan Barrett dabei; 19.30 Uhr, ab 28,70 €. SEBASTIAN HUMBEK Mega-Festival Bochum Total – vier Tage Fieber in Rock-City Total umsonst zum . Mal Bei der 30. Auflage der Mutter aller Innenstadtfestivals heißt es vom 2.-5.7. erneut: vier Tage volles Programm mit rund 60 Bands und Künstlern vom Newcomer bis zum Top-Act auf drei OpenAir-Bühnen und rund 20 Bands auf der Club-Bühne in der Bermudahalle Riff. In den Umbaupausen an den großen Bühnen werden dazu auf der Wortschatz-Bühne Kleinkunst und Lesungen geboten. Und das alles bei freiem Eintritt. Dies gilt auch für die Veranstaltungen des OffstageProgramms, wo von etlichen Kneipenkonzerten über Lesungen bis zur Kopfhörer-Party auch nach dem offiziellen Bühnenschluss um 22 Uhr in der Bochumer Innenstadt die Nacht zum Tag gemacht wird. Outdoor angekündigt haben sich u.a. Joris („Herz über Kopf“), Kensington, Rantanplan, The Secnd, The Atrium, Käpt‘n Moby, Twin Atlantic, Exilia, Jonah und Jo Hartmann. SASCHA KLETZSCH Shoppen in Grün Alle grünen Daumen sehen sich in Hagen. Im LWL-Freilichtmuseum stehen vom 13.14.6. wieder die Gartentage „Querbeet“ an. Blumen shoppen, von den Ausstellern Tipps und Gartenklimbim abgrasen, um das eigene grüne Fleckchen ins rechte Licht zu rücken und den Bummel mit Erdbeerkuchen in den Museumsterrassen krönen; 11-17 Uhr, 7 €, Kinder bis 6 Jahren 2 €. Fantastische Stars Das kleine Gespenst buht über die Bühne, Herbert Knebel fachsimpelt über Männer ohne Nerven, Milow (Foto) singt eindringlich, Konstantin Wecker feiert sein 40-jähriges Bühnenjubiläum und Gentleman ist schon ausverkauft. Wer Karten für die Riesensause in Dinslaken haben mag, sollte sich sputen. Vom 19.-27.6. nimmt das „Fantastival“ das Burgtheater ein – alles unter freiem Himmel. Also schon einmal alle Antiregentänze einstudieren, damit Dinslaken an den Festivaltagen im Trocknen tanzen kann. Tickets unter www.fantastival.de und an bekannten Vorverkaufsstellen. BRANTLEY GUTIERREZ Queen in Großformat Vom 2.6.-31.7. zeigt das studio dumont (Köln, Breite Str. 72) unter dem Titel „One Vision – The Magic of Queen“ 63, teils bisher unveröffentlichte, Fotografien aus Privatsammlungen und dem Queen-Archiv. Die Aufnahmen dokumentieren eindrucksvoll den Werdegang der exzentrischen Künstler, deren Musik und glamouröse, spektakuläre Shows Rockgeschichte schrieben; MoSa 11-17 Uhr, Eintritt frei. SINGLESLEEVE , © TERRY O‘NEILL Interaktiv in Köln Wie werden wir in der Zukunft leben? Welche digitalen Entwicklungen werden unseren Alltag und unsere Gesundheit beeinflussen, die Arbeit erleichtern oder uns unterhalten? Wie sieht eine Zukunft angesichts der immer schneller voranschreitenden technologischen Entwicklungen aus? Wo führt die stetige Digitalisierung unserer Umwelt hin, was bedeutet sie für unsere Gesellschaft? Fragen über Fragen – genug zu erörtern also für Experten und Besucher der „Interactive Cologne“ am 10.+11.6. Das Festival in der IHK (Unter Sachsenhausen 10-26) hat es sich auch in diesem Jahr zur Aufgabe gemacht, aktuelle Trends und Entwicklungen der digitalen Welt aufzuspüren und ihnen nachzugehen. HEINZ verlost unter www. heinz-magazin.de zwei Tickets. interactive-cologne.com Talent Company kommt Im Chemieraum wird experimentiert, im Kunstraum gewerkelt – und im Fachraum der Talent Company? Na, da werden verborgene Berufstalente gefunden. Die Strahlemann-Stiftung richtet an der Wuppertaler Erich-Fried-Gesamtschule einen gr0ßen Fachraum ein, der ganz allein der Berufsorientierung dienen wird. Unternehmen können Vorträge halten und über ihre Ausbildungsberufe informieren. Die Eröffnung erfolgt im nächsten Schuljahr. 08 | HEINZ | 06.2015 INTERACTIVE COLOGNE, ANA LUKENDA

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Ausgegrenzte Stadtbewohner kommen zu Wort Stille Uni an der Ruhr Sie haben etwas auf‘m Kasten, werden hier aber nicht gehört dank grandioser – Achtung Ironie – Asylpolitik. Zum Schweigen gebrachtes Wissen soll nun wieder hörbar werden. Künstler Ahmet Öğüt lässt in Mülheim darum eine alternative Ruhr-Uni wachsen, in der sich Flüchtlinge und Asylsuchende kostenfrei einschreiben können. Das längerfristige Projekt öffnet während des Festivals „Impulse“ (11.-20.6.) erstmalig seine Türen und gibt denen, die in Deutschland keine Arbeitserlaubnis haben, aber über universitäre Abschlüsse verfügen, die Chance, das akademische Mundtotsein abzulegen. Die „Silent University Ruhr“ ist eine Koproduktion von Impulse, Ringlokschuppen Ruhr und Urbane Künste und bezieht ihren Raum gut sichtbar an der Leinenweberstr. 15-17. thesilentuniversity.org MÜLHEIM AN DER RUHR DÜSSELDORF KÖLN Essener Start-up startet Social-Cooking-Projekt Mein Land, mein Dinner Warum nicht auf ein Magenknurren mit Fernweh reagieren? Das junge Essener Start-up „Meine Heimatküche“ paart Kochen und Bekochtwerden mit dem Kennenlernen fremder Kulturen. Gesucht werden Gastgeber, die ihr Herkunftsland im Kochtopf aufleben lassen möchten und sich freuen, über dieses zu plaudern. Natürlich gegen Vergütung. Bekocht werden jeweils bis zu 12 Personen. Das Start-up bringt Hungrige und Kochlöffelschwinger zusammen. Die Vernetzung, Anmeldung und auch das Buchen der Essgelegenheiten läuft über die Homepage www.meine-heimatküche.de. 11.JUNI BIS 20.JUNI M I T A N D C O M PA N Y & C O . , P H I L C O L L I N S , G I N T E R S D O R F E R / K L A S S E N , GOB SQUAD ARTS COLLECTIVE, HERBORDT / MOHREN, HENDRIK QUAST & MAIKA KNOBLICH, CHRIS KONDEK & CHRISTIANE KÜHL, ˇ Ü T, MAIDEN MONSTERS, MARKUS&MARKUS, RABIH MROUÉ, AHMET ÖG MILO RAU, SILENT UNIVERSITY RUHR, LOTTE VAN DEN BERG / DAAN ’T SAS KONFERENZ, VORTRÄGE, INPUTS U. A. VON ARMEN AVANESSIAN, B O R I S B U D E N , O L I V E R M A R C H A R T, C H A N TA L M O U F F E , G E R A L D R A U N I G , VASSILIS TSIANOS, TIRDAD ZOLGHADR WWW.FESTIVALIMPULSE. DE PATRICK SEIFERT FOTOGRAFIE Pyro Games auf der Nordwiese in Bochum Feuerwerkerei Der kleine Drache Grisu sagte, ich werde Feuerwehrmann. Hier muss es heißen: Feuerwerker. Vier von diesen stehen bald im Kampf um die goldene Trophäe der Feuerwerkskunst: Gesucht werden die besten der besten Zündler, das Publikum stimmt ab. Am 25.7. sind sie in Bochum zu Gast. Über der Nordwiese der Jahrhunderthalle liefern sie nicht nur buntes Ballerprogramm, sie zeigen ausgeklügelte Shows mit Spezialeffekten und Musik. Live-Bands und eine Licht- und Lasershow des Künstlers Jürgen Matkowitz machen den Abend tutti kompletti; 15-86 €. HEINZ verlost 5x2 Karten unter heinz-magazin.de.

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STADTPLAN STORY © C LO KR OO M W UP PE AL RT S S U M H C I ©R UH RE SCA P E, ESS EN Escape the Room Schnitzeljagd auf wenigen Quadratmetern, ohne GPS-Geräte und mit einer Prise Panik: Für wen das verlockend klingt, der sollte „Live Escape Games“ testen, muss sich aber mit einem einstündigen Freiheitsentzug anfreunden. Die Idee hinter dem Teamrätselspaß: sich gemeinsam einsperren zu lassen, um sich dann durch das Lösen verschiedener Rätsel wieder zu befreien. Der Pool an Spielgelegenheiten im Sektor wächst. Im LockRoom Wuppertal startete HEINZ-Autorin Julia Sandforth einen Selbstversuch und sprach mit den Machern, die Point-and-Click-Adventures real werden lassen. 10 | HEINZ | 06.2015 H ey, kommt ihr mit? Wir lassen uns einsperren und müssen uns befreien. Wie TKKG, die in den Karottenhosen, mit diesem Macho Tim und dem speckigen Klößchen, der immer Schokolade isst.“ Komische Einladung an meine Freunde, aber sie sagten sofort ja. Nun stehen wir mitten in Wuppertal, vor dem LockRoom. Nach Köln und Düsseldorf die nächstmögliche Spielmöglichkeit. Lagebesprechung: Franzi und ich fanden Drei-Fragezeichen tendenziell besser, denn Tim war schon immer ein Blödmann, und zwar auf allen Kassetten. Wir nehmen Tom mit, der keinesfalls wie Tim ist und warten nun noch auf Yvonne. Wir sind nervös und summen: „F-Y-J-T, die Profis in Spe. Das ist nicht so flüssig wie das Original, aber machbar. Außerdem finden wir, klingt FYJT kämpferisch. „Passt, denn wenn wir nicht weiter wissen, hilft uns Muskelkraft“, sagt Tom und wir sind gespannt, wie schnell wir das als letzten Ausweg in Betracht ziehen werden. Unser Team ist komplett. Es kann losgehen. Von außen ist der LockRoom unscheinbar. Durch die milchig-beklebten Schaufenster ist nichts zu erkennen. Tür auf und wir erblicken Glööck-

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HIER RA US! HEIN Z-AU TOR IN JUL IA S AN DFO R TH ©L OC KR OO MW UP PER TAL A O C TI AB NL OR ©R R UH ESC AP EE SS EN ler-Tapete, die uns wundern lässt, ob wir nicht doch in einer Shisha-Bar stehen. Der Computertisch mit der Flatscreenansammlung sieht jedoch aus wie eine riesige Schaltzentrale für Superduperspielemaster. Wir sollten richtig sein und wir sind richtig. Alex Hergert begrüßt uns, der das erste Wegsperrimperium Wuppertals gemeinsam mit Stanislav Bezhenov gründete. „Wir spielen hier seit Januar“ erzählt Alex, der – Achtung, Vorurteilsalarm! – kein Computernerd ist, wie ich vermutete. Immerhin las ich, dass diese Spiele auf digitalen Vorbildern basieren, und zwar auf Point-and-Click-Adventures. Aus Pixelwirklichkeit machen sie quasi nun wieder Realgeschehen. Und prompt sah ich meinen Grundschulfreund in den 90ern vor dem PC hockend und mich zusehend, wie er per Mausklick Gegenstände einsammelte, zum Beispiel Marienkäfer in Zauberflaschen kippte, um die nächste Tür zu öffnen. Mein Schulfreund erlebte trotz oder wegen Pubertätsbeginn Abenteuer lieber digital, ich real. Nun ärgere ich mich, wäre sicherlich eine gute Schule gewesen. Vielleicht kann ich ihn noch als Telefonjoker gewinnen. Aber Smartphone im Raum ist nicht. „Gefudelt wurde schon. Jemand nahm heimlich sein Handy mit, nutzte es als Taschenlampe.“ So bekommen wir von Alex einen Schlüssel und ein Plätzchen zum Sachenverstauen. Alex erzählt uns, dass er die digitalen „Escape Games“ erst nach den Realspielen kennenlernte und auch im Bereich Point-and-Click-Adventure ein unbeschriebenes Blatt ist. Er sah vor Jahren eine Doku über das Rätselformat, reiste, um Games auszuprobieren, immer aber live. In anderen Städten gibt es die Spiele schon länger, in anderen Ländern noch länger. Wo es genau begann, ist umstritten. Japan oder Kalifornien wird gemunkelt. In Europa ging es vor vier Jahren in Budapest los. Die ungarische Stadt ist noch immer Hochburg. 49 Spiele gibt es bereits in Deutschland. Ganz neu dabei ist das Team RuhrEscape aus Essen, hinter dem Alina Frensch, Maximilian Klar und Pascal Rimbach stecken. Sie eröffneten ganz frisch im Mai. Pascal aus Essen klärt mich auf: „Die Spiele gehören in den Hauptstädten weltweit zu den Top Sehenswürdigkeiten. Das Team von RuhrEscape fand im Urlaub zum Format: „Wir haben die Spiele vor vier Jahren in London kennengelernt. Nun wollen wir die Lücke hier im Ruhrgebiet schließen.“ 06.2015 | HEINZ | 11

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Indessen werden wir in Wuppertal auf die Raterunde eingestielt. Wir sind alle Anfänger. Aber das sei überhaupt kein Problem, denn die Bestzeit von 37.56 Minuten lieferten in Wuppertal sogar Anfänger ab. Und Alex’ Rat, besser einfach zu denken als zu kompliziert, stimmt uns noch hoffnungsvoller, dass wir es schaffen könnten. Nervös zu sein braucht niemand. „Vorkenntnisse braucht man nicht, kein Algebra, man muss nicht gut in Mathe sein oder sechs Fremdsprachen beherrschen. Gesunder Menschenverstand und Spaß daran, Aufgaben zu lösen, reichen aus um es zu schaffen“, beruhigen die Essener. Altersmäßig sind die Games also auch für alle geeignet. Wer unter 14 Jahren ist, muss in Begleitung Erwachsener rätseln. Unser Team hat die perfekte Größe. Ideal sind vier oder auch fünf. Darum ja auch vier in Karottenhosen. Bei mehr als sechs wird es voll und könnte langweilig und wuselig für die Mitspieler sein. Ausnahmen in Wuppertal sind Junggesellenabschiede. Nun aber los. Wir bekommen Kittel. Schnell wird die Rahmengeschichte abgefrühstückt und rein geht’s in das Kammerspiel mit Rätselwahnsinn. Unsere Aufgabe: Den Supergau im Labor verhindern, damit jahrelange Forschung nicht umsonst war. Dazu mal eben Virus und Antiserum finden, bevor sich das geheime Labor von selbst zerstört. Eine Stunde bleibt uns dafür. Und zu ist die Tür. Das Labor ist unzweifelhaft erkennbar. Um uns herum, Schalter, Warnschilder, Kolben, Fläschchen und Zahlen. Wir sind Irre, die auf Requisiten starren. Unsere Gedankenkraft kommt nicht so schnell in die Gänge. Also los, die Devise lautet, grapschen, rütteln, sammeln, sortieren. Unsere Taktik ist keine Taktik und so verrückt wie der verrückte Professor verrückt ist. Es ist wohl beabsichtigt, dass wir des Rätsels Lösung vor lauter möglichen Ansätzen nicht mehr sehen können. Jeder Gegenstand kann helfen oder auch falsche Fährte bedeuten. Yvonne ist strukturiert. Sie nimmt etwas und rappelt. „Hört mal, da ist doch was drin.“ So findet sie viele kleine Dinge, die sich oft als Helferlein entpuppen. Die Rätsel bauen langsam aufeinander auf. Nach welchem Schema, durchblicken wir nicht. Wir suchen, finden manchmal, probieren ab und zu und dann – schau mal ein Eichhörnchen – fangen wir das übernächste Rätsel an. Tom und ich rennen wie im Wimmelbild umher, das auch noch Geräusche macht. Das Licht ist an, dann aus, dann an, dann aus. Wir sind uns sicher, hier wird etwas im Dunkeln leuchten, vielleicht auch nicht. Dann tut es das, aber wo nun weitermachen? Wir sind planlos, unstrukturiert und sagen uns immer wieder motivierend: „Das muss so.“ In Essen möchte man diesem kreativen Chaos ein wenig entgegenwirken. Bauen die Wuppertaler auf technische Raffinessen und echt gute Aha-Erlebnisse, die Daniel Düsentrieb nicht besser hätte konstruieren können, wird in Essen stark auf die erzählte Geschichte gesetzt. Alle Escape Rooms haben ihre eigene Handschrift. In Essen gibt es sogar drei davon. Das dortige Team hat gleich mehrere Rauminstallationen auf die Beine gestellt. Alle tragen eine eigene Story. Mal sind die Spieler Juwelendiebe, Retter der Stadt oder – ähnlich wie in Wuppertal – Forscher. Gestartet wird in Essen mit einem Introfilm, der auf die Geschichte einstimmt. Ende und Verlauf können die Spieler beeinflussen. Sie bestimmen aktiv, wie sich die Handlung vollzieht. „Es gibt einen Haupthandlungsstrang, aber verschiedene Pfade, die die Spieler wählen und steuern können“, erklärt Maximilian. Die Geschichte ist immer präsent, wird immer weiter fortgeschrieben, je mehr Rätsel gelöst werden, auch in Tagebüchern, in denen sie Spieler schnüffeln können. Das macht den Sog ins Spiel natürlich groß. 12 | HEINZ | 06.2015 Zurück zu uns: Wir stolpern immer noch von rechts nach links und wieder zurück, sind oft dösig und unkonzentriert. Ein großer Bildschirm zeigt uns die übrigbleibende Zeit an. Eine Frauenstimme sagt sie mahnend durch. Die Musik wird immer lauter, entspricht nicht unseren Klangvorlieben und macht uns rappelig. Natürlich gewollt. Hektik wird über Licht und Ton raffiniert gesteuert und hervorgerufen. Tom versteht nicht, welche Zahlen wir durchsagen. Beiläufig verrät er, dass er es auf Partys gekonnt zu nicken versteht, wenn Musik die Stimmen des Gegenübers abschneidet. Nun weiß ich, wichtige Gesprächsthemen hebe ich mir in Zukunft für andere Kontexte auf. In diesem Raum, in dieser Situation, lernen sich wohl auch die Spieler besser kennen. Schau mir in die Psyche Mitspieler! Ein erstes Date möchte ich hier nicht haben oder vielleicht doch gerade? Wir kommen voran, auch wenn wir denken, wir stehen im Weg, auch obwohl die Zeit rennt. Einen Schlüssel, der am simpelsten versteckt ist, finden wir sehr spät. Einfach denken, kann also wirklich eine Lösung sein. Wir gewöhnen uns an, laut zu denken. Was machst du gerade? Was sollten wir nun machen? Das sind gute Fragen, die irgendwann Antworten bringen. Arbeitsteilung können wir auch, freuen Franzi, Tom und ich uns. Wir lassen Yvonne rechnen und schämen uns, denn schwer sind die Aufgaben wahrlich nicht. Wir werden hektischer. Wir grübeln und suchen weiter. Franzi sucht ihre Konzentration. „Hätte ich bloß vorher noch etwas gegessen.“ Einmal Pommes bitte. Sie sagt es laut, vielleicht hört es draußen ja jemand. Wir werden nämlich beobachtet. Allein sind wir in diesem Raum nie. Alex sieht uns, hört uns aber nicht. Auf dem Bildschirm, über eine Webcam, verfolgt er jeden unserer Schritte. Pommeshunger kann er nicht stillen, aber er sagt uns: „Der Projektor klemmt“ und verrät, wie er keine Mucken mehr macht. Wir wissen fürs nächste Mal, dass wir vorher in Klößchenmanier ordentlich Schokolade futtern. Denn Hunger macht denkfaul. Alex’ Stimme hören wir nicht zum letzten Mal. Unsere Trotteligkeit hat den Höchstpunkt erreicht: Ein Gegenstand, den wir für einen anderen Gegenstand brauchen, um wiederum einen anderen Gegenstand erreichen zu können, der fehlt. Mist. Wir haben keine Ahnung. Alex gibt uns einen Tipp im Tausch gegen eine Strafminute. Ich bilde mir ein, dass ein diabolisches Lachen langsam verhallt. Geholfen werden kann also immer. Die Hilfe ist fein austariert. „Die Spieler sollen ja nicht frustriert sein.“ Die Essener starten gerade die ersten Spiele. Schon die Testspiele zeigten, es sei zwar traurig, nicht selbst spielen zu können, aber das Zuschauen habe auch seinen Reiz: „Wir fühlen uns wie Computerspieler. Die analogen Mitspieler wirken auf unserem Rechner plötzlich digital, und wir können sie steuern.“ Und ich höre wieder ein diabolisches Lachen. Tom flucht. Dann lachen wir über unsere Verpeiltheit. Verpeiltsein ist eben unsere Strategie. Alex, der schon viele Spieler rätseln gesehen hat, weiß, es gibt viele Typen. „Es gibt das Alphamännchen, das den Ton angibt. Die anderen, die dabei sind, fragen nur schüchtern, was sie nun machen sollen.“ Dann doch lieber verpeilt. So viele Rätselstrategien es gibt, so viele Rätsel existieren auch. Logische Denksportaufgaben, technische, bekannte Sudokus, Bilderrätsel. Es kann auf jeden Schritt und Tritt ankommen, und in einem Raum in Essen ist beispielsweise auch handwerkliches Geschick gefragt. Jeder vom Team kann so eigene Talente einbringen. „Escape Games“ (auch „Escape the Room“) eignen sich super für Firmenausflüge und als Teambuildingmaßnahme. Darauf ist man in Essen, dadurch dass in drei Räumen parallel gespielt werden kann, besonders ausgelegt. Denn so können bis zu 18 TeilnehmerInnen gleichzeitig mitmachen. „Die Spiele schulen verschiedene Bereiche, vor allem Softskills. Die Teams erleben das Gefühl, gemeinsam Aufgaben zu lösen, lernen, diese gemeinsam zu koordinieren, und stärken das Vertrauen zwischen ihnen“, beschreibt Pascal Rimbach das Potenzial. In Wuppertal ist es dafür leider zu eng, aber die Jungs hecken schon neue Pläne aus, suchen weitere Räume, um zu expandieren. Unsere letzten zwei Minuten laufen. Noch 1:51. Ein Code fehlt zum letzten Schlüssel. „Bingo“, sage ich. Franziska sagt: „Pommes.“ Wir haben es geschafft. Wir sind weder panisch geworden, noch überaus hektisch. Das geht auch anders. „Manche sind so auf Adrenalin, dass sie richtig unkonzentriert werden“, erzählt Alex. Und aus Rätselgeschichten wur- QUEST ROOM, KÖLN

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den auch schon Zerstörungsgeschichten. Aus Übereifer wurden Tischplatten demontiert, Tore gewaltsam geöffnet, und Alex erinnert sich: „Eine 13-Jährige wollte es unbedingt noch in der Zeit schaffen, sodass sie das letzte Schloss einfach kaputt brach.“ Ohne Terrortöne und tickende Uhr schauen wir uns, bevor wir gehen, noch einmal im Raum um. So viele verrückte Ideen. Wie kommt man darauf? „Auf Ebay, in der Rubrik Sammeln und Seltenes waren wir Dauergäste. In Essen haben wir Gegenstände einer alten Klinik aufgekauft. Wir haben wie wild gesammelt und dann überlegt, was können wir damit machen.“ Sie ließen also die Dinge sprechen. Die drei von RuhrEscape, recherchierten erst fleißigst, besuchten Games, spielten Spiele und studierten sogar akribisch Fernsehshows, um Ideen zu finden. Dann plünderten auch sie Flohmärkte und Fundi von Freunden und Familie. Für uns nun verdiente Pommes. Franziska bestellt Shake und Pommes und sagt mit kurzer Pause hinterher: „Mit extra Majo.“ „Heute ist wohl ein ganz besonderer Tag“, wird ihr entgegnet. Ja, wir haben ja auch die Welt gerettet. Julia Sandforth LIVE ESCAPE GAMES IM SEKTOR ❚ RuhrEscape Ruhrallee 12, 45138 Essen 3 Räume / 60 + 30 Minuten, 18,50-30,50 € pro Person www.ruhrescape.de ❚ LockRoom Steinbeck 82, 42119 Wuppertal 1 Raum / 60 Minuten, 100 € pro Team (2-4 Personen), Neueröffnungsangebot 60 € http://lockroom.de ❚ Quest Room Habsburgerring 3, 50674 Köln 2 Räume + Straßenspiele / 60 + 15 Minuten, 65-100 € pro Team www.quest-room.de ❚ AdventureRooms Köln Maastrichter Str. 22, 50672 Köln 1 Raum, zwei Spielmöglichkeiten (Standard 60 Minuten + Duell 2 x 30 Minuten), 19-32 € pro Person www.adventurerooms.de/koeln.html ❚ TeamEscape Köln Brüsseler Platz 14, 50674 Köln 2 Räume / 60 + 15 Minuten, 21-35,50 € pro Person http://teamescape.com Aufbau einer zweiten Filiale am Eigelsteintor ❚ TeamEscape Düsseldorf Alexanderstr. 31, 40210 Düsseldorf 2 Räume / 60 + 15 Minuten, 21-35, 50 € pro Person http://teamescape.com ❚ Quexit – Live Escape Game Dreieckstr. 10, 40227 Düsseldorf 4 Räume / 60 Minuten, 22-33 € pro Person www.quexit.de ❚ mission60minutes – Live Escape Game Rather Str. 52, 40476 Düsseldorf 2 Spiele / 60 + 15 Minuten, 20-35 € pro Person www.mission60minutes.de ❚ Mystery Agents Christine-Englerth-Str. 20, 45665 Recklinghausen 1 Raum / 60 Minuten, 19-29 € pro Person www.mysteryagents.de ❚ QuestWin Rosental 38, 41334 Nettetal 4 Räume / 60 Minuten, 15-20 € pro Person www.questwin.de 06.2015 | HEINZ | 13

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Germany steht up M it dabei sind etablierte Künstler, Geheimtipps und auch Newcomer. Klaus-Jürgen „Knacki” Deuser (NightWash) moderiert. Begleitet wird der wohl schnellste Anzugträger Deutschlands von seinem „Haus und Hof DJ” Adriano Rosso. Wen präsentiert der Mann, der selbst als einer der besten deutschen Stand-up Comedians gilt und auch als Model in grauem Anzug, Krawatte und rotem Luftballon, auf einem Klappstuhl sitzend, weit über die regionalen Grenzen hinaus Kultstatus erlangte, als er im vergangenen Jahr auf Plakaten und HEINZTitelbildern das Festival RuhrHOCHdeutsch ankündigte. „Ein Wuppertaler trifft auf andere…“, heißt es am Donnerstag, 16.7. Mit dabei sind Ole Lehmann, Jan Philipp Zymny, Oliver Polak und Özcan Cosar. Mit „The First English Show“ zeigt Deuser am Freitag, 17.7. eine Weltneuheit. Die Muttersprache von „Stand-up“, das aus dem englischen Sprachraum stammt, wird das erste Mal auf deutschem Boden gefeiert. Zur Verstärkung hat Deuser drei Kollegen eingeladen. John Doyle kommt aus den USA, der in Berlin lebende Johnny Armstrong aus England und der ebenfalls aus der Hauptstadt angereiste Stefan Danziger wurde geboren in der DDR. Er spricht wohl ein sächsisch gefärbtes angelsächsisch. Was ist das eigentlich genau – „Stand-up“? Deuser hat eine griffige Definition parat. „Ein Mensch auf einer kleinen Bühne mit einem Mikrofon in der Hand unterhält Leute.“ Clever, zeitgemäß, witzig – versteht sich. Fragt man den 53-Jährigen weiter, zum Beispiel nach Abgrenzungen zu anderen Genres, erläutert er: „Wir lieben Schubladisierung. Was ist Kabarett, was ist Comedy und was ist Karneval? Kabarett ist schlau, Comedy ist dumm und die Karnevalisten trinken Bier.“ Das meint er natürlich nicht ernst, er ist schließlich Komiker. Nein, in Wirklichkeit verschwimmen seiner Ansicht nach die Grenzen: „Um den alten Grabenkämpfen aus dem 14 | HEINZ | 06.2015 Weg zu gehen, kann man intelligente Unterhaltung Stand-up nennen.“ Ganz abgeneigt ist er aber nicht, jene alten Grabenkämpfe weiter zu befeuern. „Ein Kabarettist muss wohl störungsfrei Merkel aussprechen können.“ Tatsächlich missfalle ihm der klassenkämpferische Habitus mancher Kabarettisten. „Ich suche nach Unterhaltung, die schlau ist und die den Leuten nicht sagt, was sie zu denken haben.“ „Die ganz große Samstagabendshow” am Samstag, 18.7. bestreiten Chris Tall, Bembers, Vera Deckers und Maxi Gstettenbauer. Bei der anschließenden „Nachtshow – umsonst & draußen” präsentieren vier Nachwuchskomiker, Lena Liebkind, Benni Stark, Maike Greine und David Kebe, ihr Können. Unter dem Titel „Die Coolen, der Süden und eine Windmühle“ kommen Sonntag, 19.7. Benaissa, Heinrich Del Core, Quichotte und Marius Jung auf die Bühne des Spiegelzeltes. Warum hat es den im Rheinland verorteten Deuser gerade nach Dortmund verschlagen? „Das Ruhrgebiet ist die größte urbane Ansammlung Deutschlands und Stand-up ist eine urbane Kunstform“, so der Kölner. Das Deutsche Stand-up Festival soll nach Deusers Willen noch viele Sommer in Dortmund gastieren. „Der Vorverkauf läuft noch besser als im vergangenen Jahr“, verrät er. Deuser möchte das Festival weiterentwickeln, weitere Spielorte etablieren, auf Tournee gehen: „So ein Festival kann sich dann entwickeln, wenn es auch nach zehn, fünfzehn Jahren noch lebt.“ Und dann wird es vielleicht sogar noch in Köln und Düsseldorf gastieren und so endgültig einen Brückenschlag zwischen Kabarett, Comedy und Karneval herstellen. Lutz Debus ❚ 2. DEUTSCHES STAND-UP FESTIVAL – GERMANY STEHT UP im Rahmen von RuhrHOCHdeutsch (25.6.11.10.) Spiegelzelt an der Westfallenhalle, Rheinlanddamm 200, Dortmund; Termine: 16.-19.7. jew. 20 Uhr (18.7., 22.45 Uhr: „Nachtshow – umsonst & draußen“); Preis: 22 €, (0231) 142525; www.ruhrhochdeutsch.de VERA DECKERS © LICHTBILDWERKE/ THOMAS SCHAEKEL, BENAISSA © CEM KAZMA, MAIKE GREINE © STEFAN BRAUNBARTH, DAVID KEBE © FABIAN STÜRTZ, LENA LIEBKIND © HB MANAGEMENT, KNACKI DEUSER © K.J. DEUSER, STEFAN DANZIGER © GUIDO SCHRÖDER, QUICHOTTE © FABIAN STÜRTZ, MAXI GSTETTENBAUER © GUIDO SCHRÖDER, OLIVER POLAK © GERALD VON FORIS Das Festival im Festival Nach der gelungenen Premiere im vergangenen Jahr geht das Deutsche Stand-up Festival, das im Rahmen von RuhrHOCHdeutsch stattfindet, in die zweite Runde. Der Kabarettist, Produzent und Moderator Klaus-Jürgen „Knacki” Deuser zeigt vom 16.-19.7. im historischen Spiegelzelt in Dortmund das Beste, was die junge deutsche Stand-up Szene zu bieten hat, und eine Weltneuheit.

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