Geschäftsbericht 2014 Spitex Zürich Limmat

 

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Geschäftsbericht 2014 Spitex Zürich Limmat

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Spitex Zürich Spitex Zürich Limmat Spitex Zürich Limmat – ein modernes, der Kundschaft, den Mitarbeitenden und der öffentlichen Hand verpflichtetes Unternehmen blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2014 zurück. Geschäftsbericht 2014

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Inhalt 4 5 Vorwort Editorials Zahlen & Fakten...................................BETRIEBSGESELLSCHAFT Spitex-Strategie 2022......................SPITEX ZÜRICH SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG 6 7 8 – 12 Fallführung...............................................BETRIEBSGESELLSCHAFT Interview...................................................BETRIEBSGESELLSCHAFT Partner.......................................................VEREIN SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG 13 SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG 14 15 SPITEX ZÜRICH LIMMAT News..........................................................BETRIEBSGESELLSCHAFT Corporate Covernance....................VEREIN Spenden..................................................VEREIN Impressum Adressen Beilage Finanzteil 2014 SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG 16 – 17 SPITEX ZÜRICH LIMMAT 18 19 SPITEX ZÜRICH LIMMAT 22 Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2014 3

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Vorwort Mensch und Menschlichkeit im Zentrum Die individuelle und persönliche Betreuung und Pflege der Kundinnen und Kunden ist Kernaufgabe der Spitex. Dreh- und Angelpunkt ist jeweils eine diplomierte Pflegefachperson, die den Pflegeprozess steuert und alle involvierten Stellen koordiniert. Im Fachjargon wird dies als Fallführung bezeichnet. Wir begleiteten Esther Wirth bei ihrer vielseitigen Arbeit als Fallführende in Zürich-Witikon. 4

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Editorials Herausforderungen auch im fünften Jahr gemeistert Es scheint, dass sich das Rad der Zeit immer schneller dreht, die Flut an Informationen, Bildern und Eindrücken immer grösser wird und die Ansprüche und Erwartungen zusehends steigen. Auch wenn sich Spitex Zürich Limmat dieser Entwicklung nicht entziehen kann, blicken wir doch auf ein vergleichsweise ruhiges Jahr zurück. Grundlage unserer Tätigkeit bildet die Leistungsvereinbarung mit der Stadt Zürich, welche noch bis Ende 2015 gilt. Die Verhandlungen für den Nachfolgevertrag werden erstmals mit dem neuen Direktor der Städtischen Gesundheitsdienste, Dr. med. Morten Keller, geführt. Ich danke seiner Vorgängerin Renate Monego für die angenehme Zusammenarbeit während der letzten Jahre. Bei den Kerndienstleistungen wird den hauswirtschaftlichen Leistungen leider immer weniger Bedeutung beigemessen, zudem wird deren Finanzierung kontrovers diskutiert. Die Pläne zum Aufbau von Komfortdienstleistungen erweisen sich als schwieriger zu realisieren als vermutet. Unverändert werden auf dem Gebiet der Stadt Zürich die Kerndienstleistungen im Auftrag der öffentlichen Hand von mehreren Organisationen erbracht; neben unserem eigenen Verein sind dies Spitex Zürich Sihl und mit einem etwas anderen Auftrag die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich SAW. An diesen Strukturen wird sich in naher Zukunft kaum etwas ändern, wie diverse Gespräche und auch eine von Spitex Zürich Limmat in Auftrag gegebene Studie darlegen. Es gilt nun, die Zusammenarbeit zielgerichtet zu fördern. Beispiele hierfür sind das Projekt Fundraising oder die gemeinsame Beschaffung der Fahrzeugflotte. Als oberstes Vereinsorgan hat sich die Delegiertenversammlung nun inzwischen etabliert. Die erste Amtsperiode der gewählten Delegierten neigt sich dem Ende zu und der Prozess für die Neuwahlen Ende 2015 kommt in Gang. Zum Schluss bleibt mir der Dank an alle, die sich für die Spitex der Stadt Zürich engagieren – ich freue mich auf ein erfolgreiches Jahr 2015. Das Jahr 2014 war stark geprägt von der nun vollständig umgesetzten neuen Pflegefinanzierung. So galt es, die Kosten für Pflegeleistungen neu direkt den Krankenversicherungen zu verrechnen. Dies bedeutet, dass wir nun monatlich gut 2500 zusätzliche Rechnungen versenden müssen, was den administrativen Aufwand der Verrechnung deutlich erhöht. Der im Rahmen des Administrativvertrag neu eingeführte 5-Minuten-Verrechnungstakt (bisher 15 Minuten) führte zu erheblicher Budgetunsicherheit, denn dadurch konnten rund 38 000 Stunden weniger verrechnet werden, und es war unklar, wie genau die Stadt Zürich diese Ausfälle kompensieren wird. Aufgrund der neuen Pflegefinanzierung wird in der öffentlichen Diskussion zunehmend die Finanzierung der hauswirtschaftlichen Dienstleistungen in Frage gestellt. Deren sozialpolitische Bedeutung ist jedoch unbestritten, wie eine von uns mitfinanzierte Studie der Hochschule Luzern klar belegt. Uns hat dies veranlasst, erste Massnahmen einzuleiten, um so durch eine verbesserte Abklärung und Dokumentation die Wichtigkeit und Wirksamkeit dieser Dienstleistungen transparent zu machen. Besonders erfreulich ist der Ausbau der Qualitätssicherung: In unseren Zentren unterstützen nun Fachverantwortliche Pflege mit akademischer Ausbildung sehr praxisnah ihre Kolleginnen und Kollegen direkt im Einsatz. Zudem konzipierten wir das CIRS (Critical Incident Reporting System) als Teil des Risikomanagements und des Qualitätssicherungssystems. Gemeinsam mit Spitex Bern und unserem Softwarelieferanten haben wir in einem grossen Projekt die Anforderungen an unsere künftige Spitex-Software detailliert festgelegt. Als Zeichen der Wertschätzung für die grosse Leistung und das Engagement unserer Mitarbeitenden für unsere Kundinnen und Kunden haben wir allen Mitarbeitenden zwei zusätzliche Ferientage für 2015 geschenkt. Dass dies möglich war, verdanken wir einem erneut positiven Betriebsabschluss sowie grosszügigen Spenden und Legaten, für die wir uns herzlich bedanken. Dr. med. Peter Ramer Präsident Verein Spitex Zürich Limmat Christina Brunnschweiler CEO Spitex Zürich Limmat AG Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2014 5

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Zahlen & Fakten | BETRIEBSGESELLSCHAFT SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG Kennzahlen 2014 Verrechnete Pflegestunden (KLV-Leistungen) Verrechnete Stunden hauswirtschaftliche Leistungen Verrechnete Stunden gesamthaft Veränderung gegenüber dem Vorjahr Betreute Kundinnen und Kunden Einsätze bei Kundinnen und Kunden Mitarbeitende per Ende Jahr Vollzeitstellen Standorte 277 641 194 349 471 990 -7,0 % 6596 656 898 887 511 11 2013 312 748 194 878 507 625 0,9 % 6664 680 684 841 473 11 2012 306 075 197 162 503 237 2,2 % 6663 652 988 846 489 10 2011 290 465 201 771 492 236 0,6 % 6306 655 843 892 479 10 2010 287 208 202 165 489 373 3,0 % 6422 639 858 898 468 13 Personalstruktur Pflegepersonal auf Tertiärstufe Pflegepersonal auf Sekundarstufe II Hauswirtschaftspersonal 26,7 In Ausbildung (FaGe, HF, FH, KV) Allgemeine Sachbearbeitung/Administration Teamleitungen, Leitungen Spezialdienste u.ä. Zentrumsleitung Geschäftsleitung 31,6 % 4,1 3,6 4,2 1,5 0,5 Personalstruktur (31.12.2014) 867 Mitarbeitende; 517,28 Vollzeitstellen, Ø Beschäftigungsgrad 58% 27,8   Zum Jahresende waren 32 Personen in Ausbildung: 22 Lernende Fachfrau/-mann Gesundheit 8 Studierende HF/FH 2 Kaufmännische   Die umfangreichen Fort- und Weiterbildungsangebote zur Qualitätssicherung, Förderung und Entwicklung unserer Mitarbeitenden wurden mit insgesamt rund vier Tagen pro Vollzeitstelle genutzt. Kunden und Einsätze 130 125 Kundinnen/Kunden Einsätze Einsätze am Wochenende Verrechnete Stunden 120 115 110 105 100 95 2010 2011 2012 2013 2014 % Der auffällige Knick 2014 bei den Verrechneten Stunden ist rein technisch bedingt: Per 1. Januar 2014 kamen auch im Kanton Zürich die neuen Rundungsregeln gemäss Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) zur Anwendung. Diese beinhalten die Vergütung der Beiträge in Zeiteinheiten von 5 Minuten und mindestens 10 Minuten pro Einsatz. Davor errechnete sich die Vergütung der Zeiteinheiten in 15 Minuten und mindestens 15 Minuten pro Einsatz. Der Effekt aufgrund dieser Änderung entspricht einem Rückgang der verrechneten Stunden von etwa 38  000 Stunden. 6

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Zahlen & Fakten | SPITEX ZÜRICH Spitex Strategie 2022 Unser gemeinsamer Weg. Die acht strategischen Handlungsfelder im Überblick. 4618 59 Minuten dauerte 2013 durchschnittlich ein hauswirtschaftlicher Einsatz, der auch das Wiedererlangen oder den Erhalt der Selbstständigkeit fördert. Im Bereich Hauswirtschaft und Betreuung sollen zudem Veränderungen des Gesundheitszustandes wahrgenommen und an die Pflege weitergeleitet werden. Es gilt zu definieren, welche Leistungen unter diesen Gesichtspunkten von Spitex Zürich angeboten werden. Ärztinnen und Ärzte arbeiten in den Spitälern und Praxen in der Stadt Zürich. Hinzu kommen Pflegemitarbeitende, Apotheken, Therapien, Krankenkassen, Pflegeinstitutionen sowie die An- und Zugehörigen der Kundinnen und Kunden. Das Nahtstellenmanagement all dieser Beteiligten zum Wohle der Kundinnen und Kunden gehört zum Kerngeschäft der Spitex. 60% mehr Menschen über 65 Jahren mit Migrationshintergrund leben bis 2020 in der Stadt. Die Mitarbeitenden von Spitex Zürich müssen befähigt werden hinsichtlich Migration /  transkultureller Pflege und Betreuung sowie der Zusammenarbeit mit Familiensystemen. 12350 17000 Stunden psychosoziale Pflege und Betreuung erbrachte Spitex Zürich 2013. Ein gemeinsames Pflege- und Betreuungskonzept, Standards und Strukturen sollen die Leistungen in diesem Bereich stärken, die bestehenden ambulanten Angebote besser vernetzen und unter anderem das Kriseninterventionsmanagement regeln. Stellen mehr be nötigt das schweizerische Gesundheitswesen aufgrund des erhöhten Pflegeleistungsbedarfs im Jahr 2020. Davon einige Tausend auch in der Stadt Zürich. Spitex Zürich muss als attraktive Arbeitgeberin das bestehende Personal binden sowie neue Mitarbeitende rekrutieren. 29% der Bevölkerung im Kanton Zürich werden von Ärzte- und Praxisnetzen im Sinne der Integrierten Versorgung betreut. Spitex Zürich ist eng mit diesen Akteuren vernetzt und nimmt die Rolle einer aktiven Partnerin bei der Entwicklung innovativer Versorgungsmodelle wahr. 66% 3500 Menschen leiden bis 2050 in der Stadt Zürich an einer Demenz. Für sie wie auch deren An- und Zugehörige muss Spitex Zürich eine bedarfsgerechte ambulante Betreuung anbieten. der Menschen im Pensionsalter leiden an mehr als zwei chronischen Erkrankungen – Tendenz steigend. Einerseits soll der gezielte Aufbau von spezialisiertem Wissen im Umgang mit chronischen Krankheiten & Multimorbidität im häuslichen Umfeld in den Spitex-Zentren weiter aufgebaut und andererseits die Gesundheitskompetenz der Betroffenen gestärkt werden. Spitex Zürich Details zur Spitex-Strategie: www.spitex-zuerich.ch/strategie2022 Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2014 7

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Fallführung | BETRIEBSGESELLSCHAFT SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG Seit 2014 wird allen Kundinnen und Kunden eine diplomierte Pflegefachperson zur Seite gestellt, die für die Steuerung des Pflegeprozesses verantwortlich zeichnet. Im Fachjargon wird diese Funktion als Fallführung bezeichnet. Esther Wirth ist solch eine Fallführende. In jedem Fall den Menschen sehen Während die Stadt Zürich noch im Nebel liegt, ist das Quartier Witikon zweihundert Meter höher bereits von der Sonne beschienen. Im zweiten Stock des Einkaufszentrums Witikon ist auch das Spitex-Zentrum untergebracht. Esther Wirth macht sich gerade bereit, um Frau P., eine neue Kundin, den ersten Besuch abzustatten. Esther Wirth ist diplomierte Pflegefachfrau mit Abschluss an einer höheren Fachschule und qualifiziert, Fallführungen zu übernehmen. Bevor sie Frau P. besucht, studiert sie noch die Unterlagen. «Manchmal brauche ich zusätzlich vom Hausarzt oder dem Spital Informationen über den Gesundheitszustand oder den Operationsverlauf. Es kommt immer wieder mal vor, dass wir bei der Anmeldung noch nicht über alle Dokumente wie beispielsweise den Austrittsbericht vom Spital verfügen», schildert Esther Wirth. Ziel des Erstbesuches ist die sogenannte Abklärung. Diese stehe immer am Anfang, damit sie sich ein klares Bild der Situation der Kundin machen könne, erläutert die 32-Jährige. Ihr stehen dazu standardisierte Dokumente zur Verfügung, bei der sie die Situation der Person so ganzheitlich wie möglich erfasst. Das Wichtigste dabei ist gut zuzuhören, was ihr erzählt wird. «Ich erfasse auch deren Lebenssituation: Wohnt sie alleine, wie ist die Wohnung im Schuss.» Die strukturierte Abklärung gebe 8

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Pflegeberufe bei Spitex Zürich Limmat Pflegehelferin/-helfer SRK Der Lehrgang richtet sich an Personen, die in den Pflegebereich einsteigen und vermittelt Grundkenntnisse der pflegerischen Versorgung und Betreuung. Sekundarstufe II Im Gesundheitswesen steht die dreijährige Berufslehre Fachfrau-/mann Gesundheit (FaGe) mit eidg. Fähigkeitszeugnis im Vordergrund. Tertiärstufe Als Weiterbildung nach der FaGe-Lehre oder dem Gymnasium wird auf diesem Niveau ein eidg. Diplom erlangt; entweder an höheren Fachschulen oder Fachhochschulen. Darüber hinaus gibt es weitere Abschlüsse auf Fachhochschul- oder Universitätsniveau. In detailliert beschriebenen Arbeitsaufgaben ist spitexintern festgehalten, wer aufgrund welchen Abschlusses, Könnens, Fähigkeiten und Erfahrungen welche Pflegeaufgaben verrichten kann. Zum kompletten ambulanten Pflegeangebot gehört auch die Unterstützung bei der Körperpflege oder das Anziehen von Stützstrümpfen (kleines Bild). ihr auch Informationen z. B. über die Ernährung oder ob die Mobilisation ein Problem darstelle. Die Abklärungsperiode dauert 14 Tage, in denen Esther Wirth mindestens dreimal den Einsatz übernimmt. Damit ist eine umfassende Bedarfserhebung gewährleistet. Zum Abschluss wird der Pflegeplan mit Frau P. besprochen und so verifiziert. Kein Fall, sondern immer Menschen Esther Wirth packt ihren Spitex-Rucksack und macht sich auf den Weg durch Witikon zu ihrer neuen Kundin. Auf der Fahrt erläutert sie ihre Berufsauffassung. Sie sei zwar Fallführende, ein Begriff, der halt zum Berufsjargon gehöre, Fortsetzung auf Seite 10 Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2014 9

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Fallführung | BETRIEBSGESELLSCHAFT SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG Austausch mit Kollegin Béatrice Borer über die Einsatzplanung, Arbeit am Computer, verantwortungsvolles Schlüsselmanagement – das Aufgabenspektrum der Fallführenden. aber für sie seien dies immer Menschen, die einzigartig sind. Fallführung bedeutet, sich ein klares Bild zu machen, die Situation einzuschätzen, und vor allem die Steuerung und damit auch die Verantwortung für den Pflegeprozess zu übernehmen. «Wir Fallführenden sind Dreh- und Angelpunkt für unsere Kundinnen und Kunden und deren Angehörige.» Esther Wirth steht nun vor der Haustüre von Frau P. Aus verständlichen Gründen wird sie alleine zur Kundin gehen, da es der allererste Besuch ist. Später erzählt sie über das rund 90-minü­ tige Gespräch, dass sie vor der eigentlichen Abklärung auch die administrativen Themen wie Kosten, Patientenbeteiligung, Datenschutz sowie die Schweigepflicht der Spitex-Mitarbeitenden erläutert hat. Wieder zurück im Spitex-Zentrum gibt sie alle Informationen in ein spezialisiertes Programm ein und ergänzt diese mit Angaben aus Austrittsberichten und dem ärztlichen Spitex-Auftrag, den es für alle Pflegemassnahmen benötigt. Daraufhin erstellt sie die Pflegeplanung. Darin sind unter anderem Zielsetzungen erfasst, die mit der Kundin vereinbart wurden. Kann eine Person sich beispielsweise wegen eines gebrochenen Armes nicht mehr selber waschen, kann es ein Ziel sein, dass sie sich gepflegt fühlt. Um dies zu erreichen, könnte in diesem Fall zweimal Duschen pro Woche als Massnahme festgelegt werden. «Es gab schon Situationen, bei denen ein Kunde eine ärztlich verordnete Massnahme nicht wollte. Hier versuchte ich zu erklären, warum diese notwendig ist. Konnte ich ihn in einem ersten Schritt nicht überzeugen, dann dokumentiere ich dies und komme zu einem späteren Zeitpunkt wieder darauf zurück. Bei neuen Kundinnen und Kunden müssen wir zuerst Vertrauen aufbauen. Anders als im Spital sind wir ja bei unseren Kundinnen und Kunden zu Gast; sie sind quasi die Chefs», schmunzelt die Pflegefachfrau. Wer darf was machen? Jetzt ist fast alles bereit, um den ersten Pflegeeinsatz bei der Kundin P. zu planen. Im Büro nebenan bespricht sich Esther Wirth mit ihrer Kollegin, die unter anderem auch die täglichen Einsätze bei der Kundschaft plant. «Es gehört mit zu meiner Verantwortung festzulegen, welches Kompetenz-Niveau der Mitarbeitenden für welche Tätigkeiten einzuplanen ist» (siehe hierzu Box auf Seite 9). Und je nach Situation schlage sie vor, welches Teammitglied als Bezugsperson für die Kundschaft am besten geeignet sei. Die Bezugsperson ist jene Mitarbeiterin oder jener Mitarbeiter, die für den Grossteil der Pflegeeinsätze bei der entsprechenden Kundin eingeplant wird. «Trotzdem lasse ich mich regelmässig für Einsätze bei all meinen Kunden einplanen. So verschaffe ich mir laufend einen Überblick und weiss, wie es meiner Kundschaft geht. Ich nutze die Gelegenheit, um nach der Zufriedenheit zu fragen, oder ob etwas geändert werden müsse.» Neben den regelmässigen Reassessments und Evaluationen, die auch wieder nach einem strukturierten Vorgehen stattzufinden haben, ist auch der Austausch mit den Bezugspersonen der ihr anvertrauten Kundinnen und Kunden wichtig. «Die Bezugsperson hat in ihrem Einsatz bei den Kunden einen gewissen Handlungsspielraum. Muss allerdings eine Pflegemassnahme angepasst oder ergänzt werden, komme ich wieder ins Spiel. Wenn aus meiner Sicht eine pflegerische Situation Spezial-Know-how erfordert, ziehe ich weitere interne Fachstellen bei, wie die Palliative Care, die psycho- 10

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Pflege von A – Z rund um die Uhr Wie in der Medizin so gibt es in der Pflege Spezialisierungen. Fachstellen mit spezialisierten Dienstleistungen ergänzen das Angebot der neun Spitex-Zentren. Palliative Care Umfassende Betreuung und Behandlung von Menschen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen und/oder chronisch fortschreitenden Krankheiten. Psychosoziale Pflege und Betreuung Hilft Menschen mit psychischen Problemen und Erkrankungen zu Hause ihren Alltag zu strukturieren sowie physisch und sozial eine bessere Lebensqualität zu erlangen. Abend- und Nachtspitex Stellt die Pflege rund um die Uhr sicher und ermöglicht so auch die Berufstätigkeit der Kundschaft. Wundprävention & -beratung Unterstützt die Wundexpertinnen in den jeweiligen Spitex-Zentren bei ihren Aufgaben. Stoma- und KontinenzZentrum Zürich Beratungsstelle für Menschen mit einem künstlichen Darmoder Urinausgang sowie mit Stuhl- oder Urininkontinenz-Problemen. Spezialistinnen und Spezialisten komplettieren das Spitex-Angebot wie beispielsweise mit der Stoma-Versorgung. Kommunikation ist Trumpf: ob im persönlichen Gespräch wie mit Dr. med. Stefan Zinnenlauf oder per Smartphone. soziale Pflege und Betreuung oder die Wundexpertin.» Darüber hinaus greift Wirth auf ein externes Netzwerk zurück, wie Sozial- oder Mahlzeitendienste, Spezialisten, die die Kundschaft bei finanziellen Belangen beraten usw. Nebst dem internen Austausch sei die Kommunikation mit den Hausärztinnen und -ärzten für sie sehr wichtig, betont Esther Wirth. «Einige Kundinnen und Kunden von uns sind Fortsetzung auf Seite 12 Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2014 11

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Viel mehr als Reinigen oder Bügeln Die Hauswirtschaft ist Bestandteil der Versorgungskette und daher nicht nur unter dem Fokus von «Reinigungsarbeiten» zu bewerten, sondern als Teil des optimierten Behandlungsprozesses zu sehen. Die hauswirtschaftlichen Mitarbeitenden arbeiten ressourcenorientiert, um Förderung und Erhalt der Selbstständigkeit zu stärken. Wo immer möglich werden die Fähigkeiten der Kundschaft aktiv mit einbezogen, Haushaltsarbeiten also gemeinsam durchgeführt. Darüber hinaus besteht bei der Hauswirtschaft ein grosses Potenzial im Bereich der Prävention und Früherkennung der Gesundheitserhaltung, wie unlängst eine Studie der Hochschule Luzern ergab. Hauswirtschaftliche Mitarbeitende unterstützen auch mit vorübergehenden Einsätzen beispielsweise nach Unfällen oder einem Spitalaufenthalt. Kundin Rosabeth Aebi aus Witikon freut sich immer, wenn ihre Fallführende Esther Wirth sie besucht. Patienten der Arztpraxis, die auf der selben Etage ist, wie wir, da kann man bei Bedarf relativ spontan nachfragen.» Die engagierte Pflegefachfrau blickt auf die Uhr – die Zeit drängt. Deshalb tippt sie noch flink die Medikamentenbestellung für Frau P. und faxt diese zusammen mit dem Rezept zur Apotheke, denn der Ersteinsatz steht bereits übermorgen an. Dann packt Esther Wirth ihren Spitex-Rucksack und macht sich durch das immer noch von der Sonne verwöhnte Witikon auf den Weg zu ihrem nächsten Kunden. Mittlerweile hat sich auch der Nebel über der Stadt gelichtet. 12

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Interview | BETRIEBSGESELLSCHAFT SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG Der richtige Mix macht’s Was es bis zur Umsetzung der Fallführung in allen Spitex-Zentren alles brauchte, berichten Arda Teunissen, Mitglied der Geschäftsleitung und Ruth Richards, Fachentwicklung Qualität in einem Interview. Richards: Gewisse Arbeitsaufgaben können zudem delegiert werden. So kann eine Fallführende, welche zwingend eine diplomierte Pflegefachperson sein muss, einzelne Arbeitsaufgaben oder Tätigkeiten daraus beispielsweise an eine FaGe delegieren. Welche Vorteile hat dies für unsere Kundschaft? Teunissen: Der Vorteil ist, dass die zu pflegende Person möglichst umfassend betreut wird. Die Fallführende ist für die Steuerung des Pflegeprozesses verantwortlich, wodurch sie die Pflegequalität massgeblich beeinflussen kann. Richards: Neben der Fallführenden nimmt die Bezugsperson eine wichtige Funktion wahr. Diese Rolle kann eine FaGe oder, wenn es die Situation erfordert, eine diplomierte Pflegefachperson wahrnehmen. Die Idee ist, dass die Bezugsperson so oft wie möglich und die Fallführende so oft wie nötig bei der Kundin resp. dem Kunden im Einsatz steht. Teunissen: Mit der Umsetzung des Skill- & Grademix 2014 gehört die Abklärung wie erwähnt in den Verantwortungsbereich von diplomierten Pflegefachpersonen. Früher konnten dies auch erfahrene Mitarbeitende mit anderen Ausbildungen durchführen. Wir merkten, dass sich einige dieser Mitarbeitenden verständlicherweise zurückgesetzt, andere hingegen sogar entlastet fühlten. Allerdings werden heute dank der klareren Regelungen des Skill- & Grademix mehr medizinisch-technische Verrichtungen an die Mitarbeitenden der Sekundarstufe II delegiert. Wir machen die Erfahrung, dass in der Praxis diese neuen Aufgaben geschätzt werden. Könnte man sagen, dass dies ein Organisationsentwicklungsprozess gewesen war? Teunissen: Auf alle Fälle! Die ganze Erarbeitung bedingte, dass wir unsere Abläufe überprüften und die Organisation durchleuchteten um festzulegen, wie wir das ganze Projekt umsetzen wollen. Über alles gesehen sind die Abläufe heute klarer und optimierter, was sich auch betriebswirtschaftlich positiv niederschlägt. Richards: Wir sind gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) nicht nur der Wirksamkeit und Zweckmässigkeit der angewendeten Pflege- und Betreuungsmassnahmen verpflichtet, sondern auch der Wirtschaftlichkeit. Indem wir die richtige Person am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Aufgabe einsetzen. Darüber hinaus macht dies uns auch als Arbeitgeberin attraktiver. Wir haben uns bei der Definition der Arbeitsaufgaben im Rahmen des Skill & Grademix natürlich an den aktuellsten Ausbildungsinhalten für diplomierte Pflegefachpersonen resp. FaGe orientiert und können so genau das an Tätigkeiten und Aufgaben in unserem Unternehmen bieten, was potenzielle Mitarbeitende während ihrer Ausbildung gelernt haben, insbesondere wenn diese noch nicht lange her ist. Ruth Richards (li.) und Arda Teunissen im Gespräch mit Thomas Jeiziner. Weshalb führte Spitex Zürich Limmat die Fallführung ein? Teunissen: Einerseits hat dies mit dem Administrativvertrag zwischen den Spitex-Organisationen und Santésuisse, dem Verband der Krankenversicherungen, zu tun. Dort ist festgehalten, wer welche Tätigkeiten und mit welcher Qualifikation im Pflegeprozess ausführen darf. Richards: Und andererseits wurden vor einigen Jahren die Berufslehren Fachfrau-/mann Gesundheit (FaGe) und Fachfrau-/mann Betreuung (FaBe) auf Sekundarstufe II eingeführt. Wir standen somit schon länger vor der Fragestellung, wie wir diese beiden neuen Berufsgruppen in das Berufsfeld Pflege integrieren sowie die Zusammenarbeit mit den diplomierten Pflegefachpersonen auf Tertiärstufe ausgestalten können. Im Skill- & Grademix fanden wir das nötige Instrument dazu. Was ist der Skill- & Grademix? Richards: Unter Skills werden die individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten sowie die Berufserfahrung einer Person beschrieben. Unter Grade sind das Ausbildungsniveau und allfällige Weiterbildungen festgehalten. Teunissen: Im Skill- & Grademix sind zudem 30 Arbeitsaufgaben, die genau auf den Spitex-Bereich zugeschnitten sind, detailliert beschrieben. Davon abgeleitet ist dann der Mix, wer mit welchen Skills und welchem Grade die entsprechenden Arbeitsaufgaben ausführen darf oder kann. Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2014 13

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Unsere Partner | VEREIN SPITEX ZÜRICH Die Kraft der Netzwerke Soziale Netzwerke gibt es nicht erst seit 2004 Facebook online ging. Sich zu vernetzen ist ein urmenschliches Bedürfnis, ob in der Familie, zwischen Freunden oder beruflich. Tagtäglich knüpfen Spitex-Mitarbeitende individuelle Netzwerke z. B. zwischen Angehörigen, Ärzten sowie weiteren internen und externen Stellen. Sie gewährleisten damit eine optimale Pflege und Betreuung für unsere Kundschaft. Ebenso ist das Unternehmen Spitex Zürich Limmat auf tragfähige Beziehungen mit seinen Partnern angewiesen. Deshalb danken wir an dieser Stelle unseren Kundinnen und Kunden sowie unseren Mitarbeitenden herzlich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ein grosses Dankeschön gebührt nebst der Ärzteschaft, den Spitälern, Apotheken, Sozialstellen, Lieferanten und weiteren Dienstleistern auch unserem Auftraggeber, den Städtischen Gesundheitsdiensten mit der Abteilung Spitex & Alter. In ihnen finden wir seit Jahren verlässliche Partner, die sich für die ambulante Versorgung in der Stadt Zürich stark machen. Die gemeinsam mit ihnen und den beiden anderen städtischen Spitex-Organisationen erarbeitete Spitex-Strategie 2022 (siehe auch Seite 7) untermauert unsere Absicht, dieses Vertrauensverhältnis auch in Zukunft zu pflegen. Von oben nach unten Die scheidende Direktorin der Städtischen Gesundheitsdienste Renate Monego mit ihrem designierten Nachfolger Dr. med. Morten Keller im Gespräch mit CEO Christina Brunnschweiler und Thomas Büchler von der Abteilung Spitex & Alter (vlnr). Beziehungspflege gehört zum Job von CEO Christina Brunnschweiler: hier im Gespräch mit Vorstands- und Verwaltungsratsmitglied Martin Amsler (re.) und Thomas Büchler, Leiter Spitex & Alter. GL-Mitglied Arda Teunissen im Dialog mit einem Delegierten. Small Talk unter Mitarbeitenden: Claudia Cadisch mit zwei Kolleginnen des Personalmanagements. 14

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News | BETRIEBSGESELLSCHAFT SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG 1300 Mal danke ... ... sagte Spitex Zürich ihren rund 1300 Mitarbeitenden im Rahmen einer internen und externen Kommunikationskampagne. Danke für die hervorragenden Resultate der Kunden-Zufriedenheitsumfrage mit 89 von 100 Punkten sowie dem sehr hohen Wert von 75 von 100 Punkten bei der Mitarbeitenden-Zufriedenheit. Diese Resultate widerspiegeln zum einen die hohe Wertschätzung unserer Kundschaft für die Arbeit der Mitarbeitenden. Zum anderen sind sie eine grosse Anerkennung von Spitex Zürich Limmat als Arbeitgeberin. 1300 Mal unseren tollen Mitarbeitenden! Lust, dabei zu sein? spitex-zuerich.ch/tolle-jobs Spitex Zürich In der Betriebsgesellschaft Spitex Zürich Limmat AG wurden noch weitere Projekte umgesetzt. Konkurrenzfähige Arbeitgeberin Die erneute Teilnahme 2014 am schweizweiten Lohnvergleich von Spitälern, Spitex-Organisationen, Alters- und Pflegeheimen zeigt, dass Spitex Zürich für vergleichbare Tätigkeiten und Anstellungsbedingungen, ob im ambulanten oder stationären Bereich, eine konkurrenzfähige Arbeitgeberin in und um Zürich ist. Der jährliche Lohnvergleich ist insbesondere beim anhaltenden Fachkräftemangel wichtig, um die Marktentwicklung zu beobachten und die Lohnpolitik auszurichten. Von Bedeutung ist für uns, den Beschäftigten zu gewährleisten, dass wir nicht nur faire Löhne zahlen, sondern uns auch mit anderen Organisationen extern messen können. Zentren für die adaptierte Umsetzung von SocialCare in Angriff genommen. Dazu gehört das Festlegen der Mitarbeitenden für diese interdiziplinären Teams, die Weiterbildung, ein allfälliges Rekrutieren von weiterem Fachpersonal sowie die Zuordnung der Kundinnen und Kunden, die ab dem Rollout 2015 von diesen Teams betreut werden sollen. Konzentration auf Kerngeschäft Die seit vier Jahren geltende Pflegefinanzierung hat viele Anpassungen in den vertraglichen Bestimmungen zwischen den Krankenversicherern und Spitex zur Folge. So auch im Bereich der Pflegematerialien. Deshalb haben wir uns entschieden, Materiallieferungen an unsere Kundinnen und Kunden nicht mehr selber durchzuführen, sondern diese Aufgabe der Firma Cosanum zu übertragen. Cosanum ist bereits seit Jahren ein bewährter Partner im Gesundheitswesen für direkte Materiallieferungen an die Privatadresse unserer Kundinnen und Kunden. Umsetzung SocialCare-Konzept SocialCare heisst das erfolgreiche, mehrjährige Pilotprojekt des Zentrums Rigiplatz, bei dem ein spezielles interdisziplinäres Team Demenzerkrankte pflegt und betreut. 2014 wurden die Vorbereitungsarbeiten in den anderen acht Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2014 15

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