Konzept der Freien Schule Kassel

 

Embed or link this publication

Description

Konzept der Freien Schule Kassel

Popular Pages


p. 1

Freie Schule Kassel KONZEPT

[close]

p. 2

2

[close]

p. 3

Konzept Freie Schule Kassel e.V. 6jährige Grundschule mit integriertem Hort Herausgeber: Freie Schule Kassel e.V. Brandenburger Str.5 34232 Kassel ©2014 3

[close]

p. 4

4

[close]

p. 5

Inhalt 07 09 10 18 28 30 Vorbemerkung und Danksagung Das Leitbild unserer Schule - eine gemeinsame Grundlage Gewachsenes Konzept 10 13 14 16 16 Freiheit und Grenzen Sechsjährige Grundschule / flexible Stundenpläne Leistung ja, aber ohne Zensuren Lernfelder für Erwachsene Mitwirkung der Eltern Lebendiges Lernen 18 18 19 21 22 24 25 26 Es gibt viele Formen der Intelligenz Berücksichtigung der Interessen der Kinder Unser Verständnis vom Lernen Unsere Vorstellung von Lernorten Unser Fokus Die bunte Vielfalt der Lernformen Entdeckendes Lernen Vorstrukturierte Arbeitsformen Familiäre Struktur 28 29 29 Kinder finden Geborgenheit Gemeinschaftssinn entwickeln Begleitung des einzelnen Kindes Verlässlicher Rahmen 30 30 31 31 32 32 33 33 Status / Schulform / Trägerschaft Verbindung von Schule und Hort Die pädagogischen Mitarbeiter(innen) Kinderzahl / Klassengrößen Aufnahme neuer Kinder Leben und Lernen in einem ökologischen Haus Gesunde Ernährung Öffnungszeiten und Kosten 34 Literaturhinweise 35 Impressum 5

[close]

p. 6

„Wir bekommen nur dann die Zukunft, die wir uns wünschen, wenn wir sie erfinden.“ Joseph Beuys 6

[close]

p. 7

Vorbemerkung und Danksagung Im Jahre 2011 feierte die Freie Schule Kassel ihr zwanzigjähriges Bestehen als staatlich genehmigte, sechsjährige Grundschule in freier Trägerschaft. Nach zwei Jahrzehnten Freie Schule Kassel zeichnen sich vier tragende Säulen ab: Gewachsenes Konzept Lebendiges Lernen Familiäre Strukturen Verlässlicher Rahmen Von der Idee über die Gründung bis zur Anerkennung der Freien Schule Kassel bedurfte es des entschiedenen Engagements, des Mutes und der Ausdauer vieler motivierter Eltern und Pädagog(inn)en, um die bereits 1977 zusammen mit Joseph Beuys während der Documenta 6 entwickelten Ideen umzusetzen, Hürden zu überwinden und eine Freie Schule zu gründen. Mittlerweile hat sich die Freie Schule in der Kasseler Schullandschaft etabliert und bereits Generationen von Schüler(inne)n begleitet. Gemeinsam mit dem Hort „Kind und Kegel“ machen wir heute in einem ehemaligen Offiziers-Casino auf der Marbachshöhe Schule und leben unter einem Dach mit der Kindertagesstätte „Rasselbande“. Eltern leisteten zusammen Tausende von Arbeitsstunden, um das Gebäude samt großem Außengelände für rund 100 Kinder nach ökologisch sinnvollen Kriterien umzuwandeln und laufend zu renovieren. So entstand eine Schule mit besonderer pädagogischer Ausprägung in einem optisch ansprechenden und gut ausgestatteten Gebäude: Ein Ort, an dem Kinder, Pädagog(inn)en, Eltern und Mitarbeiter(innen) sich wohlfühlen und ihre Persönlichkeit einbringen. Wir durften die Erfahrung machen, dass ein freiheitlicher, möglichst demokratischer Umgang mit Kindern, Pädagog(inn)en und Eltern in der Schule funktioniert. Die Kinder erleben hier für sechs Jahre eine Schule, in der sie miteinander leben. Sie lernen, Fragen zu stellen, sich Wissen anzueignen, Talente zu entdecken und sich für Demokratie und Ökologie einzusetzen. So wachsen sie zu selbstbewussten Persönlichkeiten heran, die das Herz auf dem rechten Fleck tragen und etwas mit ihrem Leben anzufangen wissen. Wir möchten an dieser Stelle allen Eltern, Pädagog(inn)en und anderen Personen danken, die die Idee einer Freien Schule hatten. Die nicht locker gelassen haben, bis aus der Idee ein Konzept entstanden ist, bis damit begonnen werden konnte, unsere Schule zu gestalten. Danken wollen wir auch all jenen, die den Mut hatten sich auf das Experiment einzulassen, ihren Kindern eine besondere Schulzeit zu ermöglichen – ohne genau zu wissen, wie das geht. Ein Dank auch all denen, die die Geschichte dieser Schule weiterschreiben und sich mit ihren Fähigkeiten und Ideen so unterschiedlich und bereichernd einbringen. Kassel, im März 2012 Schulgemeinschaft der Freien Schule Kassel 7

[close]

p. 8

Das Leitbild unserer Schule - eine gemeinsame Grundlage Unser Selbstverständnis von Leben und Lernen und die Grundlagen unserer Arbeit können in wenigen Sätzen beschrieben werden: 1. Unsere Schule ist ein Ort der Gemeinschaft, der von allen Beteiligten (Kindern, Mitarbeiter(innen), Eltern) gestaltet wird. Wir sind eine selbstorganisierte Schule mit eigenen Strukturen und Regeln, die veränderbar sind. Unsere Basis ist selbstbestimmtes Lernen und Spielen, demokratische Mitbestimmung und gegenseitiger Respekt. lichkeit. Diese fördern wir so weit wie möglich individuell. 2. Jedes Kind hat eine durch Anlage und Sozialisation bedingte einzigartige Persön3. Bildung dient der individuellen Persönlichkeitsentwicklung sowie der Förderung sozialen Verhaltens. wir Kindheit nicht in erster Linie als Vorbereitung für das Leben als Erwachsener. 4. Kindheit ist eine eigene Lebensphase, die ihren Wert an sich hat. Deshalb verstehen 5. Wir schaffen Freiräume, in denen jedes Kind seinen persönlichen Lernweg und sein eigenes Lerntempo findet. Wir geben den Kindern Raum und Zeit für Kreativität, um auch eigene Interessen und Bedürfnisse zu entfalten. Wir haben Vertrauen in die Wachstumskräfte der Kinder. 6. Bildung bezieht sich auf den Verstand, die Seele und den Körper des Menschen. Daher lassen wir die Kinder aktiv lernen durch Spielen, Nachahmung, Fragen, Zuschauen, Entdecken, Üben, Experimentieren, Bewegen, Ausprobieren… . 8

[close]

p. 9

7. Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung Freiheit und Geborgenheit. Beides finden sie bei uns. Wir verbinden Schul- und Hortarbeit und ermöglichen den Kindern dadurch eine ganztägige Betreuung mit verlässlichen männlichen und weiblichen Bezugspersonen. den verschiedene pädagogische Konzepte und persönliche Erfahrungen zu individuellen Lernwegen, die offen für Veränderungen und Entwicklungen sind. Eigenverantwortung und Demokratie leben zu können. Dies kann aber kein Mensch allein aus sich selbst heraus erlernen. Entfalten kann sich diese Fähigkeit erst in der Begegnung mit anderen Menschen und in der Auseinandersetzung mit vielfältigen Lerngegenständen. Wir bieten Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit, Demokratie, Freiheit und Selbstregulierung im Alltag immer wieder zu erproben. Umgang zwischen Erwachsenen und Kindern beinhaltet auch, dass Kinder in der Schule nicht ständig von Erwachsenen reguliert und kontrolliert werden. 8. Wir verstehen Lernen als lebenslangen Prozess. Unsere Pädagogik/Arbeit verbin- 9. Das Ziel von Bildung ist die Fähigkeit, mit Freiheit verantwortlich umzugehen und 10. Respektvoller 11. Kinder brauchen weibliche und männliche Vorbilder. 12. Bildung ist ein aktiver selbsttätiger Prozess. 9

[close]

p. 10

Gewachsenes Konzept An der Freien Schule Kassel erleben Kinder ein hohes Maß an Freiheit und Mitbestimmung. Sie entscheiden sowohl bei der Wahl von Unterrichtsthemen als auch der Hortangebote mit. Freiheit und Grenzen Der Umgang mit Freiheit und Grenzen bedarf der ständigen Abstimmung zwischen den Kindern und den Pädagog(inn)en. Das verlangt den Kindern und Jugendlichen Verantwortung für sich selbst und die Gemeinschaft ab. Hier kommt das Streben nach individueller Freiheit immer wieder auf den Prüfstand des sozialen Verhaltens. Es wird um Selbstbehauptung und Toleranz, um Eigen- und Gruppeninteressen und nicht zuletzt um gegenseitigen Respekt gerungen. Dabei braucht unsere Schule wie jedes soziale Gefüge klare Grenzen und Regeln. Sie sind notwendig, um Schwächere zu schützen und allen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Sie bieten den Rahmen, in dem Menschen sozial miteinander umgehen können. Dabei müssen die Regeln transparent sein und ihre Einhaltung muss eingefordert werden können. An unserer Unser pädagogisches Konzept hat seine Wurzeln in der Tradition der Freien Pädagogik der siebziger Jahre. Zur Geschichte unserer Schule gehört die ständige Weiterentwicklung unserer Pädagogik. In den vergangenen Jahren haben wir einiges ausprobiert, Bewährtes beibehalten, anderes über Bord geworfen. Es finden sich bei uns ebenso Elemente der Montessoripädagogik wie der neueren Grundschuldidaktik und -pädagogik. Wir probieren neue Ansätze aus und berücksichtigen dabei die Bedürfnisse der Kinder, Pädagog(inn) en und Eltern. So entwickelt sich in der Zusammenarbeit der Schulgemeinde immer wieder Neues. 10

[close]

p. 11

Gewachsenes Konzept Schule sind für das Aushandeln der Regeln Kinder und Erwachsene gemeinsam verantwortlich. Lernen an der Freien Schule Das Aushandeln von Freiheit und Grenzen ist auch beim Lernen ein wichtiger Bestandteil des Schulalltags. Es gibt Bereiche des Lernens, in denen die Pädagog(inn)en Inhalt und Form vorgeben, und Bereiche, in denen die Kinder selbst bestimmen, was sie wie lernen wollen. Dies ist abhängig vom Alter der Kinder. Die jüngsten Schüler(innen) haben viel Zeit, eigenen Interessen und spontanen Einfällen nachzugehen. Die Schüler(innen), die sich im letzten Jahr auf den Übergang zu weiterführenden Schulen vorbereiten, benötigen mehr Zeit zum Lernen. Dennoch ist auch hier nach wie vor Platz für individuelle Freiräume, und um Lerninhalte mitzubestimmen. Dabei ist es uns wichtig, dass die Jungen und Mädchen in der Auseinandersetzung mit uns und ihren Mitschüler(inne)n ihre Stärken und Schwächen kennen lernen und die Verantwortung für ihr Lernen mehr und mehr übernehmen. Kinder können selbst Lernangebote machen Der Angebotstag ist über weite Teile des Schuljahres Bestandteil der Schulwoche. Jeden Mittwoch gibt es für die Kinder in der Kernzeit die Möglichkeit, zwischen gruppenübergreifenden Angeboten zu wählen und selbst Angebote für andere Kinder zu machen. Die Angebote können einmalig sein oder über mehrere Angebotstage gehen. Ein Beispiel: Kinder, die bereits Erfahrungen mit Filzarbeiten haben, bieten für jüngere oder unerfahrene Kinder Filzarbeiten an. Sie stellen das Material bereit, führen die Kinder in die Arbeitstechnik ein und helfen beim Auf- und Abbau. Der Akzent liegt an diesem Tag auf kreativer Gestaltung und handwerklichem Arbeiten. Jede(r) ist wichtig! - Mitverantwortung und Mitbestimmung Kinder machen in ihrer Zeit an der Freien Schule die Erfahrung: Meine Meinung ist gefragt, sie ist notwendig und hat Einfluss. Die Kinder erfahren, dass ihre Wünsche ernst genommen werden und sie etwas verändern können. Mitbestimmung und Mitverantwortung haben ihren festen Platz im Schulalltag. Dies geschieht im Rahmen von Gruppenkonferenzen und im Kinderplenum, in dem alle Kinder der Schule und alle Pädagog(inn)en unter der Leitung von drei zuvor gewählten älteren Schüler(innen) über Konflikte und Wünsche beraten, diskutieren und Beschlüsse zu deren Regelung beschließen. Dabei kann es zum Beispiel um veränderte Tischdienstregeln oder auch um die Anschaffung von gewünschten Fußballtoren gehen. Eine andere Form, eigene Meinungen in das Schulgeschehen einzubringen, ist das Briefkasten-Ritual. Jede Gruppe hat einen eigenen Briefkasten. Dieser wird regelmäßig geleert. In den Briefen können Kinder und Pädagog(inn)en Vorschläge einbringen, sich beschweren oder Wünsche äußern. Immer wiederkehrende Wünsche der Kinder sind zum 11

[close]

p. 12

Beispiel ein Tiertag, an dem Haustiere mitgebracht werden. Durch das Briefkasten-Ritual können die Jungen und Mädchen sich kindgerecht Gehör verschaffen und mitbestimmen. Die größeren Kinder haben einmal wöchentlich ein Gruppenplenum, das sie selbst organisieren und leiten. Hier geht es um Belange, die ausschließlich die Gruppe betreffen und hier diskutiert werden. Die Freiheit, Anliegen auszuhandeln, ist für Kinder und Erwachsene wichtig. Sie ist ein wesentliches Merkmal der besonderen Qualität unserer Schule, weil diese Aushandlungsprozesse grundlegend für die offene Atmosphäre bei uns sind. Ausgehandelt werden sowohl Inhalte für den Unterricht als auch die Regeln für das Zusammenleben in der Schule. Dazu gehören beispielsweise die Nutzung des Toberaums oder die Häufigkeit von gemeinsamen Übernachtungen in der Schule. Kinder brauchen Räume, die sie selber gestalten und ohne Erwachsene nutzen können. So haben sich die Kinder im Keller einen eigenen „Jugendraum“ eingerichtet. Das heißt, sie haben die Farben der Wandbemalung diskutiert, selbst renoviert. Der Raum ist mit einer Sitzecke, einer Kletterwand und einem Kicker ausgestattet. Zudem gestalten sie ihre Klassenräume mit. Bei uns darf gestritten werden Die Kinder achten kritisch darauf, dass ihre Freiheiten und Rechte geachtet werden. Falls das nicht der Fall zu sein scheint, protestieren sie offen. Es kann auch vorkommen, dass die Kinder den Unterricht kritisch kommentieren oder Pädagog(inn)en Rückmeldungen zum Umgang mit den Schüler(inne)n geben. Kritik an Mitschüler(inne)n und Pädagog(inn)en zu üben und deren Kritik auszuhalten, gehört selbstverständlich zum Schulalltag. Die von den Kindern bezüglich der Pädagog(inn)en geäußerte Kritik wird ernst genommen. Sich zu einer verantwortungsvollen Persönlichkeit zu entwickeln, heißt auch zu lernen, Konflikte zu regeln. Konfliktfähige Menschen können sich ihren Wünschen und Gefühlen entsprechend verhalten und gleichzeitig die anderer respektieren. An der Freien Schule Kassel haben die Kinder Raum, Auseinandersetzungen zu führen. Die Pädagog(inn)en geben den Kindern Mittel an die Hand, Probleme zu lösen: Es werden z. B. Briefe geschrieben oder Konflikte im Kreis mit Hilfe eines Schlichters (Kind oder Erwachsener) besprochen. Die Kinder entwickeln immer wieder selbst neue Ideen und Strategien, mit Konflikten umzugehen. Räume für eigenständiges und spontanes Handeln Spontaneität ist Ausdruck von Phantasie und Lebensfreude. Deshalb ist es uns wichtig, dass die Kinder an unserer Schu- Solche Prozesse finden auch zwischen den Kindern statt. Sie verhandeln über die Zeit, die sie Spielgeräte nutzen dürfen, oder wer wann fürs Putzen und Aufräumen zuständig ist. 12

[close]

p. 13

Gewachsenes Konzept le in einem gewissen Rahmen die Freiheit haben, spontan zu handeln und zu entscheiden. So haben sie beispielsweise die Chance, wetterbedingte Aktionen wie Schlittenfahrten, Schneeballschlachten oder Wasserpartys umzusetzen. In freien Zeiten können sie sich im Haus und auf dem weitläufigen Gelände frei und ohne ständige Aufsicht und Kontrolle der Erwachsenen bewegen, ihre eigenen Erfahrungen machen und sich im Spiel ausprobieren. Werden Regeln verletzt oder die Grenzen einzelner Kinder überschritten, greifen die Erwachsenen ein. Freies Spiel An der Freien Schule Kassel ist freies Spiel Bestandteil des Lernprozesses. Dem freien Spiel wird viel Zeit eingeräumt, da es die Lernform ist, die die Kinder in die Schule mitbringen. Kinder lernen im freien Spiel unter Anderem soziales Verhalten. Sie lernen, auch einmal zu verlieren, Teams zu bilden oder sich im Rollenspiel in andere hineinzuversetzen. Sie entwickeln kreative Ideen und lernen, Regeln auszuhandeln. Wenn sie es für ein solches Spiel benötigen, lernen die Kinder dabei auch Rechnen und Schreiben. Das Freie Spiel hat einen wichtigen Wert an sich, denn „Der Mensch spielt nur da, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ (Schiller). renden Schule. Es ist uns wichtig, dass alle Kinder mit ihren unterschiedlichen Begabungen, Stärken und Schwächen möglichst lange gemeinsam lernen. Kinder, die sich in den ersten Schuljahren langsamer entwickeln, holen in der Regel im gewohnten Rahmen des Unterrichts im fünften und sechsten Schuljahr Lücken auf und festigen ihre Kenntnisse in den Kulturtechniken. Eingeübte Arbeitsformen, wie z. B. das Halten von Referaten oder Erstellen von Mappen, werden vertieft, und die Kinder werden sicher in ihrer Handhabung. Mit der sechsjährigen Grundschule haben die Pädagog(inn)en genügend Zeit, die Kinder intensiv und individuell auf den Schulwechsel vorzubereiten. So werden in der sechsten Klasse beispielsweise. auch Klassenarbeiten und Vokabeltests geübt, Hausaufgaben gegeben, und es wird kontinuierlich mit Lehrbüchern gearbeitet. Die Kinder bekommen so ihren aktuellen Leistungsstand gespiegelt und können sich daran orientieren. Häufig machen die Kinder in der 5. und 6. Klasse noch erhebliche persönliche Entwicklungsschritte, die sich auf ihr Lernverhalten auswirken und von denen sie beim Schulwechsel profitieren. Sechsjährige Grundschule / flexible Stundenpläne Sechsjährige Grundschule Unser Konzept basiert auf einer sechs Jahre dauernden Grundschule. Die 1. und 2. Klasse bilden dabei die Trollegruppe, die 3. und 4. Klasse die Wichtelgruppe und die 5. und 6. Klasse die Zwergengruppe. Unsere Schüler(innen) wechseln nach dem sechsten Schuljahr in das siebte Schuljahr einer weiterfüh- 13

[close]

p. 14

Im durchschnittlichen Alter von 12 Jahren findet der Übergang in die weiterführende Schule statt, der dann ein Quereinstieg ist. In diesem Alter ist es oft bereits möglich, besondere Interessen oder Stärken der Kinder zu erkennen und eine Schultypeinstufung abzugeben, die dem Kind gerecht wird. Diese Einstufung erfolgt in enger Absprache mit den Eltern und Kindern. Die Kinder sind in diesem Alter bereits gut in der Lage, ihre Stärken und Schwächen selbst einzuschätzen und ein realistisches Bild der eigenen Perspektive zu entwickeln. Umstellungsprobleme, die aus dem Quereinstieg resultieren, können sie in der Regel gut bewältigen. Aufgrund unserer Kontakte zu weiterführenden Schulen aller Formen und der guten Unterstützung durch das Staatliche Schulamt Kassel war es in den vergangenen Jahren überwiegend möglich, dass die Kinder einen Platz an ihren „Wunschschulen“ bekamen. Durch den Kontakt zu ehemaligen Schüler(inne)n bekommen wir regelmäßig ein wichtiges Feedback. Bis jetzt haben die meisten von ihnen positive Erfahrungen gemacht und konnten sich relativ schnell in der neuen Schule einleben. Laut Aussagen der Kinder fühlten sie sich gut von uns vorbereitet. Mit ihren Verbesserungsvorschlägen setzen wir uns ernsthaft auseinander. Flexible Stundenpläne Wir orientieren uns an den hessischen Kerncurricula und setzen sie flexibel um. Der Unterricht findet nicht im 45-Minuten-Rhythmus statt, sondern in zwei großen Lernblöcken um die beiden Mahlzeiten Frühstück und Mittagessen herum. Es gibt neben verbindlichen Arbeitszeiten, die in den drei Gruppen variieren, eine flexible Zeiteinteilung, die am Anfang eines Halbjahres mit den Kindern verabredet und in einem Stundenplan zur Orientierung festgehalten wird. Leistung ja, aber ohne Zensuren Wir verzichten auf Noten als Mittel der Rückmeldung und Beurteilung von Lernleistung. Der Forschungsstand zur Praxis der Notengebung Trotz der jahrzehntelangen Kritik der Erziehungswissenschaften an der gängigen Praxis der Notengebung wird an vielen Schulen noch an ihr festgehalten. „Die Noten waren da und die Flucht vor ihnen begann. Die Jugendbewegung um 1910 und anschließend die Reformschulbewegung riefen: Nicht die Noten stehen im Mittelpunkt, im Mittelpunkt steht das Kind“, schreibt Ursula Leppert. Fest steht, so der amerikanische Wissenschaftler Howard Gardner, dass der objektive, diagnostische und prognostische Gehalt der Zensuren minimal sei, wie die entsprechende Forschung nachgewiesen habe. Die Leistung eines Einzelnen objektiv zu messen und zu bewerten und in einer einzelnen Ziffer zusammenzufassen, ist nach der Erziehungsforschung fragwürdig. Lernkontrollen zielen auf prüfbare kognitive Leistungen ab. Teamfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Kreativität und soziales Engagement bleiben weitgehend unberücksichtigt. Das individualistische 14

[close]

p. 15

Gewachsenes Konzept Leistungsprinzip erzeugt Konkurrenz unter den Schüler(inne)n, demotiviert leistungsschwache Kinder und richtet das Interesse leistungsstarker Kinder auf die Zensuren statt auf den Lerngegenstand. Weitere Aspekte der vorherrschenden Praxis der Notengebung werden in der Erziehungswissenschaft ebenfalls deutlich kritisiert: „Abgesehen von unlösbaren Bewertungsproblemen schriftlicher und mündlicher Leistungen genügt die Zensurierung nicht einmal minimalen Diagnosekriterien: weder sagt die Zensur etwas aus über die situativen, institutionellen, sozialen und curricularen Umstände des Lernens, noch gibt sie Auskunft über die Bewertungskriterien... Von Objektivität im Sinne von intersubjektiver Kontrollierbarkeit und Überprüfbarkeit kann keine Rede sein“, so Gardner weiter. So haben Noten wenig Sinn. Sabine Czerny stellt fest: „Nein. Es gibt keine dummen Kinder. Aber es gibt eine Leistungsbewertung, die uns das glauben lässt.“ Unsere Praxis: Statt Noten Gespräche, persönliche Briefe und Entwicklungsberichte Zu unserem Konzept gehört ein anderes Verständnis von Entwicklungs- und Leistungsbeschreibung. Statt Noten haben wir verschiedene Formen der Rückmeldung entwickelt. Für Eltern Den Eltern werden regelmäßige Elternabende, Einzelgespräche und auch Hospitationen ermöglicht, damit sie Einblick in die Arbeit der Schule bekommen und sehen können, was die Kinder leisten. Für Kinder Wenn die Kinder Rückmeldungen zu ihrem Lernprozess und Leistungsstand haben möchten, sprechen sie direkt mit ihren Pädagog(inn)en. Im pädagogischen Team wird kontinuierlich das Lernverhalten hat und welche das einzelne Kind. Oft sind die Kinder durch die Berichte selbst überrascht davon, wie viel sie gelernt haben und was es alles in der Schule zu tun gab. In den höheren Jahrgängen werden die fachlichen Fortschritte stärker reflektiert und festgehalten. Im letzten Jahr erhalten die Kinder schließlich einen differenzierten Lernentwicklungsbericht, in dem der aktuelle Leistungsstand dokumentiert wird. Zudem bekommt jedes Kind eine schriftlich begründete Schuleinschätzung für die weiterführende Schule. Ziffernnoten werden bis zum Ende der Schulzeit nicht gegeben, dieses Verfahren ist durch das Schulamt genehmigt und von den weiterführenden Schulen anerkannt. der Kinder erörtert. Derzeit erhalten die Kinder zweimal im Jahr einen persönlichen Zeugnisbrief. Dem Brief geht ein intensives mündliches oder schriftliches Interview mit dem jeweiligen Kind voraus, in dem gefragt wird, wie es sich in der Schule fühlt und was es über seine Entwicklung denkt. In dem Zeugnisbrief wird auf das Sozialverhalten, Wünsche für den Schulalltag und die Leistungen des Kindes in den Schulfächern eingegangen. Außerdem wird dargestellt, welche Aktivitäten die Gruppe unternommen 15

[close]

Comments

no comments yet