M das gesellschaftsmagazin

 

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Ausgabe No. 1-2015

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das gesellschaftsmagazin für menschen von hier Wer bewegt wen? Leitthema »Neue Mobilität« Ausgabe 2. Jg_Nr. 1 · Frühjahr 2015 www.m-dasmagazin.de

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editorial Liebe Leserinnen und Leser, Vermutlich erinnern Sie sich noch an ihr erstes Auto. Viele Emotionen, Ereignisse, Enttäuschungen waren damit verbunden. Mein erstes Auto war ein Fiat 850, Baujahr 1963, knallrot und flott unterwegs. Es hat mich sicher jedes Wochenende von der Bundeswehr nach Hause und zurück gebracht, bis die Lichtmaschine ausfiel und wir uns trennen mussten. Seit damals sind Jahr für Jahr immer mehr Autos auf Deutschlands immer schlechter werdenden Straßen unterwegs. Derzeit so viele wie nie zuvor – etwa 44 Millionen Fahrzeuge. Aber ist das Auto wirklich noch der Deutschen liebstes Kind? Hartnäckig hält sich das Klischee vom autovernarrten Deutschen, dem nichts so wichtig ist wie seine blitzblank polierte Karosse. Wie das aber so ist mit Klischees: Oftmals sind sie falsch – das gilt auch für dieses. Als Statussymbol hat das eigene Fahrzeug in Deutschland praktisch keine Bedeutung mehr, so das Ergebnis einer aktuellen Forsa Umfrage. Demnach ist ein eigenes Auto zu besitzen für 55 Prozent der Befragten immer noch sehr wichtig. Es zeigt sich jedoch, dass diese Bedeutung abnimmt, je größer der Wohnort wird. Für viele ist das Auto nicht mehr unverzichtbar. In Großstädten ist Autofahren oft eine Qual. Parkplätze sind knapp, Straßen verstopft, öffentliche Verkehrsmittel werden immer besser. Falls man doch mal ein Auto braucht, gibt es Carsharing und alternative Fahrdienste. Besonders junge Menschen fahren immer weniger Auto, machen oft nicht mal einen Führerschein – und wenn, dann später im Leben als je zuvor. Wer Zehntausende Euro für protzige Autos ausgibt, die auch noch die Umwelt verpesten, gilt nicht mehr als cool, sondern eher als peinlich. Wer cool sein will, braucht ein schickes Rennrad, ein Smartphone, kauft im Bio-Laden. Fest steht, dass sich Status-Symbole wandeln. Es wird weniger wichtig etwas zu besitzen, sondern Zugang dazu zu haben: Teilen ist das neue Haben! Teilen wirkt selbstlos! Daraus zieht die Idee ihren Charme. Aber gibt es diese Selbstlosigkeit wirklich im großen Stil? Und wie nachhaltig kann sie sein? Diese Fragen stellen sich auch die Strategen der Automobilindustrie und suchen nach Lösungen: Autos die ohne Emissionen fahren, die extrem sicher sind, selbstständig einen Parkplatz suchen, Staus umfahren und vom Fahrer immer weniger abverlangen, sodass er nebenher bei Facebook reinschauen kann. Auch die Unternehmen der Technologie-Branche rücken immer tiefer ins einstige Hoheitsgebiet der Autoindustrie vor. Als Google im Herbst 2010 seine Flotte selbstfahrender Fahrzeuge enthüllte, die mehr als 200.000 Kilometer zurückgelegt hatten, war das für die Autobranche ein Weckruf. Seitdem haben die Fahrzeugbauer aber mächtig aufgeholt: Immer neue Fahrassistenz-Systeme und vernetzte Autos finden Schritt um Schritt den Weg in unseren Alltag. Einige dieser neuen Ideen und spannenden Entwicklungen beschreiben wir in dieser Ausgabe. Ihr Hans-Werner Mayer 03/04_2015 1

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inhalt 34 – L EI T T H E M A 04 Zukunftsfähige Mobilität 08 E-Mobilität in Darmstadt 14 Nutzen statt besitzen − Carsharing 22 Siegeszug der Fernbusse – FORSCHUNG 24 Eine Stadt mit Computerhirn – MENSCHEN 42 Helmut Markwort: „Nach Darmstadt komme ich immer wieder gerne." – MUSIK 59 CD-Tipps: Neuheiten des Frühjahrs 2015 mit Nils Wülker und Philippe Jaroussky 52 – S PO RT 34 Speedskater Felix Rijhnen auf der Suche nach Geschwindigkeit 38 Beste Stimmung beim Neujahrsempfang des SV Darmstadt 98 – REIS E N 48 Chile: Weit weg und abenteuerlich schön 52 Dieter Benz fuhr 110.000 Kilometer mit dem Rad 56 38 2 03/04_2015

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Leitthema: Wer bewegt wen? Neue Mobilität – INT E RVIE W 10 Professor Jürgen Follmann: Chancen und Herausforderungen zukunftsfähiger Mobilität 17 Radverkehrsbeauftragter Georg Kontos: Das Fahrrad wird immer noch unterschätzt 26 Jürgen Ruf: Auf dem Weg in die Zukunft maßgeschneiderter Kommunikationstechnologie 30 Professor Oliver Gutfleisch: Auf der Suche nach innovativen magnetischen Werkstoffen – KULT UR 44 Darmstadt feiert das Niebergall Jahr 44 60 Titanic-Ausstellung in Speyer – UNT E R NE HMEN 20 Fahrrad Brunner: Rund ums Rad seit drei Generationen 29 Feine handwerkliche Augenoptik in Darmstadt: 30 Jahre S. Adler 48 40 »Mallorcar Express«: Die Firma Mohrmann bringt Ihr Fahrzeug nach Mallorca 47 Tisch & Tanz: Seit 2014 eine niveauvolle Bereicherung Ihrer Events – R E GION 33 Wirtschaftsgipfel in Seeheim vom 4. bis 6. Juni mit Prominenz aus Politik, Wirtschaft & Medien 56 Besuch auf Schloss Heiligenberg in Jugenheim 30 03/04_2015 3

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leitthema Shanghai  Foto: Siemens Zukun ftsfäh ige Mo bilität 4 03/04_2015 Für nachhaltige Mobilität gibt es keine einfachen Antworten. Die Diskussionen über nachhaltige Mobilität erschöpfen sich allzu oft im Gegeneinander der Verkehrsträger, die um finanzielle Mittel und politische Unterstützung kämpfen. Doch in der Zukunft werden Kooperationen und bedarfs- und regionsspezifisch abgeleitete flexible Konzepte starre Einweglösungen ersetzen müssen.

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mobi l ität Das Institut für Zukunftsforschung und Wissensmanagement (IFK) sowie das Automotive Institute for Management (AIM) haben bereits zum zweiten Mal Experten im Rahmen einer aufwendigen Online-Studie mit multiplen methodischen Ansätzen und anschließenden Expertenrunden befragt, um die Informationen und Einschätzungen zur Mobilität im Jahr 2030 zu verdichten – mit interessanten Ergebnissen. Laut Schätzungen werden rund 70 Prozent der Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 in Großstädten und Megacities leben, wobei der größte Anteil der europäischen Verkehrsleistung im Personenverkehr nach wie vor auf den Verkehrsträger Straße entfällt. Rund 79 Minuten pro Tag ist dabei jeder Bürger im Durchschnitt unter- wegs, hinzu kommen im Jahr 2050, so die Meinung der Studienautoren, rund 106 Stunden, die Autofahrer jährlich im Stau verbringen müssen. Multimodale MobilitätsAngebote werden bestimmend Unter multimodaler Mobilität versteht man die wechselnde Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmitteln durch eine Person über einen bestimmten Zeitraum. Multimodalität ermöglicht Nutzern eine komfortable, ressourcenoptimale und umweltfreundliche Fortbewegung und ist damit die attraktivste und nachhaltigste Form der Mobilität. Verkehrsprobleme wie Staus werden minimiert, effiziente die Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen und Infrastruktur steht im Zentrum des Interesses. Eine übergreifende Plattform ermöglicht die koordinierte Routen- und Tarifplanung, effiziente Angebotsauswahl, lungsabwicklung aus einer Hand. In diesem Gesamtsystem werden Dienstleistungen für die Mobilität aller Nutzungsgruppen angeboten. Dies umfasst traditionelle Verkehrsmittel wie den motorisierten Individualverkehr, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), die Bahn, etc., aber auch innovative Mobilitäts-Dienstleistungen bzw. Technologien wie z. B. Carsharing, Mitfahrgelegenheiten, Mietfahrräder, Segways, Elektrofahrzeuge. Mobilität wird rationaler verstanden. Grafik: © Multirealism, Fotolia.com // Collage: sowie integrierte und sichere Zah- Chancen und Herausforderungen 5 03/04_2015

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Leitthe ma Als künftige Lösungen für die Mobilitätsprobleme der Zukunft sehen die Forscher vor allem multimodale Mobilitätsangebote, Mobilitätscluster und informell offene Plattformen. Das Auto wird immer weniger als Statussymbol erlebt. Innovative Geschäftsmodelle wie Carsharing oder multimodale Plattformen werden größere Bedeutung erlangen. Im urbanen Raum gehört die Zukunft dem vernetzten, jedoch weiterhin individuell organisierten öffentlichen Personentransport: die multimodale Mobilität – welche verschiedene Verkehrsmittel zur Erreichung eines Ziels nutzt – wird zunehmen und so klassische, unflexible Nahverkehre weitgehend verdrängen. Mega-Kooperationen Die Zukunft liegt in Verbundsystemen, die alle Mobilitätsleistungen gebündelt aus einer Hand liefern können. Kein Unternehmen – und wäre es noch so groß – kann in der Zukunft allein das komplexe Netz der Mobilität für seinen Kunden realisieren. Die Grundvoraussetzung für den Erfolg sind kundenorientierte Kooperationen, die Mobilitäts- und Infrastrukturanbieter sowie den öffentlichen Sektor umfassen. Der Markt wird dominiert werden von Unternehmen, die Mobilität als Dienstleistung bereitstellen. Bereichsübergreifende „MegaKooperationen“ sind dabei zwingend und überlebensnotwendig. Dabei werden zunehmend neue Player aus ehemals mobilitätsfremden Bereichen vor allem aus der Informations- und Kommunikationstechnik Zugang zu dem Massenmarkt der Mobilität finden (Google, Microsoft, Apple etc.). Die Hersteller von PKW, LKW, Busse etc. sind nicht austauschbar und bilden weiterhin den zentralen Bestandteil der individuellen Fortbewegung. Das Primat der Produktion muss allerdings abgelöst werden durch das Primat der Mobilitätsdienstleistung. Die Industrie muss sich als Dienstleister für die kundenorientierte Bereitstellung flexibler Mobilitätsangebote verstehen. Deshalb sind vor allem Kooperation zwischen primären Mobilitäts- und Kommunikations-Anbietern zu erwarten. Attraktive Komplettangebote Kunden erwarten zunehmende Wahlfreiheit in der Gestaltung ihrer Mobilitätsketten durch eine Vielzahl unterschiedlicher Fortbewegungsmittel mit verschiedenen Schwerpunkten der Mobilitätsdienstleistung. Der Drang nach individueller Fortbewegung und Eigenständigkeit bleibt hoch. Dieser wird jedoch nicht mehr vordergründig durch den Besitz eines Fahrzeuges befriedigt, sondern wird weitgehend durch den flexiblen und bequemen Zugang zu multimodalen Angeboten ersetzt. Dabei ist die Flexibilität des Angebotes als solches wichtiger als einzelne Techniklösungen, wie z. B. das Elektroauto. Die gesellschaftliche Bewegung geht weg von einem uni- M EG AC ITIES Shanghai ist die größte Stadt Chinas und zugleich Zentrum der chinesischen Wirtschaft – die Entwicklung schreitet hier in rasantem Tempo voran. Während es Anfang der 1980er Jahre in der Stadt nur wenige Gebäude mit mehr als 18 Stockwerken gab, sind es heute über 5.000. Im Stadtteil Pudong, in dem vor 25 Jahren nur sumpfige Äcker und einfache Bauernhäuser zu finden waren, schießen heute Wolkenkratzer wie Pilze aus dem Boden. Die Schwerpunkte der Stadtarchitekten in Shanghai liegen in den Bereichen Mobilität, Energie, Industrie, Umwelt. Siemens hat bislang mit 96 U-Bahn-Zügen inklusive Signaltechnik, Telekommunikation und Bahnstromversorgung zur Mobilität Shanghais erheblich beigetragen; zudem wurde in Zusammenarbeit mit ThyssenKrupp das weltweit erste kommerzielle Schienennetz für die Magnetschwebebahn Transrapid gebaut, die eine Spitzengeschwindigkeit von 430 km/h erreicht. 6 03/04_2015

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m obi l ität Dieses märchenhafte Szenario zeigt eine chinesische Megacity im Jahr 2040. Die Stadt der Zukunft besteht aus zwei Parallelwelten: Beschleunigung und Ruhe, Leben für die Zukunft und Leben in der Gegenwart.  Fotos auf dieser Seite: Siemens versal einsetzbaren Fortbewegungsmittel hin zum flexibel einsetzbaren „virtuellen Fuhrpark“. Stadtplanung: Gemeinsam statt einsam Zunehmend wird der Fokus auf die privatwirtschaftliche Führung in der Ausgestaltung multimodaler Mobilität gesetzt mit Hilfe effizienter Konzepte, die einen optimierten betriebswirtschaftlichen Erfolg erwarten lassen. Die Öffentliche Hand steuert über regulative Maßnahmen und übernimmt primär die Moderatorenaufgabe und Bereitstellung ihrer Anlagen. Neben technischen Herausforderungen ist multimodale Mobilität vor allem eine Frage der Vermarktung von attraktiven Angeboten. Das Preisniveau für die zukünftigen Mobilitätsleistungen wird dadurch jedoch unweigerlich steigen. Stadtplanerische Prozesse müssen mehrdimensional, interdiszip- linär und parallel geplant werden. Um Entscheidungsprozesse zu verkürzen müssen Projekte extrahiert, zielgerichtet vorangetrieben und mittels eines optimierten Projektmanagements überwacht werden. Dabei kann die Gründung kleinerer Gesellschaften hilfreich sein, denen konkrete Zeitvorgaben zur Umsetzung gemacht werden. Die Komplexität einer multimodalen Verkehrskette der Zukunft kann (und will) der Staat nicht eigenverantwortlich bereitstellen. Staatliche Subventionen werden weiter zurückgefahren und stärker privatisierter öffentlicher Personennahverkehr wird somit partiell teurer werden. Besonders geeignet im Verkehrsbereich ist die Zusammenarbeit von öffentlichen Körperschaften und Privatunternehmen (Public Private Partnerships PPP) für die Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen, Fahrzeugbeschaffungen oder neuen Vertriebstechniken, wie z. B. das Electronic Ticketing. Der Wandel zum Verkehr der Zukunft wird von jenen Konsumenten getrieben sein, die zur informationellen Offenheit bereit sind, weil sie in der digitalen Welt aufgewachsen sind (Digital Natives). Sie lösen einen Paradigmenwechsel der Information aus: Weg von der Pull-Information, die ein Nutzer aktiv einholen muss, hin zur Push-Information, die auf Basis des gespeicherten Mobilitätsprofils gesendet wird. Angst vor Datenmissbrauch besteht allerdings weiterhin, trotz Mehrwert für den Mobilitätskunden. Das Verständnis der Kunden für eine übergreifende Plattform, die Zahlungsfunktion, Identifikation und die räumliche Zuordnung gleichzeitig erfasst und auswertet wird weiter wachsen.  (hwm) Quellen: EBS Universität für Wirtschaft und Recht, Wiesbaden / www.ebs.edu, Automotive Institute for Management (AIM), das AIM gehört als Wissenschaftspartner zum Frankfurter House of Logistics & Mobility (HOLM) / www.frankfurt-holm.de Rund 70 Prozent der Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 in Großstädten und Megacities leben. New York zählte bereits vor 50 Jahren mehr als 12 Millionen Einwohner und war als erste Stadt weltweit das, was man heute unter einer „Megacity“ versteht. Um den „Big Apple“ frisch und zukunftsfähig zu halten, wird derzeit die Infrastruktur der Stadt weitgehend überholt. So modernisiert Siemens zum Beispiel gegenwärtig die 100 Jahre alte New Yorker U-Bahn mithilfe eines Zugkontroll- und Managementsystems. Es ermöglicht eine Überwachung der Position eines jeden der 540 Züge in Echtzeit. Sogar die berühmte Skyline der Stadt steckt voller Siemens Technologie. Zahlreiche öffentliche Gebäude wie der Madison Square Garden, das Empire State Building, das Chrysler Building und die New Yorker Börse sind mit Automatisierungsund Beleuchtungssystemen von Siemens ausgestattet. 03/04_2015 7

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E-Mobilität Mobilität findet dort statt, wo Menschen leben und arbeiten Die Folgen wachsender Mobilität stellen die Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Die Umweltauswirkungen des Verkehrs beeinträchtigen die Lebensqualität vor Ort und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes. 1 3 Externe Energieabhängigkeit macht ein Umdenken im Verkehrsbereich notwendig. Eine unkalkulierbare langfristige Herausforderung stellt die Verknappung fossiler und nuklearer Rohstoffe dar. Zudem können internationale Krisen die Sicherung unseres nach wie vor stark ölabhängigen Verkehrssystems bedrohen. 2 Obwohl der Mensch stark geneigt ist, Routinen zu folgen, ist doch in den letzten Jahren aufgrund eines gestiegenen Umweltbewusstseins ein Einstellungswandel hin zu einer nachhaltigen Mobilität zu verzeichnen. Das Bedürfnis nach motorisierter Individualmobilität wird jedoch sicherlich dauerhaft bestehen bleiben. Daher ist es wichtig, hierfür umweltfreundliche Technologien bereitzustellen. 4 Eine Zunahme der Elektromobilität kann dazu beitragen, die Umwelt- und Verkehrssituation in Kommunen zu verbessern. Hilfreich sind hierbei die verringerten Schadstoff- und Lärmemissionen. Damit nicht die durch die Elektromobilität eingesparten Schadstof- fe an anderer Stelle entstehen, gilt es, auch dem Ausbau regenerativer Energien Priorität einzuräumen. Die Elektromobilität stagniert in Deutschland, da kaum Anstrengungen unternommen werden, um das Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektroautos für 2020 zu erreichen. Dabei gibt es gute Argumente, warum zumindest Kommunen im Bereich Elektromobilität aktiv werden sollten. Die wichtigsten Gründe haben wir hier aufgelistet. 8 03/04_2015

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d a r mstadt darmstadt hat gute Voraussetzungen, Elektromobilitäts-Vorreiter zu werden 5 Die spezifische Wirtschafts- und Forschungslandschaft vor Ort bietet große Potenziale, um Elektromobilität technologische und innovative Nutzungskonzepte organisatorisch auf den Weg zu bringen. Die Förderung von Wissensaustausch und Kooperation kann den Unternehmen ermöglichen, an den neuen Entwicklungen teilzuhaben und Arbeitsplätze in dieser Zukunftsbranche zu sichern. 7 Die aktuellen Entwicklungen ermöglichen die Teilhabe vielfältiger Akteure: Elektromobilität bietet nicht nur großen Unternehmen die Chance, an aktuellen weltweiten technologischen Innovationen zu partizipieren. Auch für den Mittelstand – darunter kleinere Dienstleister und Handwerksbetriebe vor Ort – bieten sich Perspektiven, die dezentralen Entwicklungsprozesse mitzugestalten. Von großer Bedeutung ist dabei die Zusammenarbeit und Kooperation dieser Akteure zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Elektromobilität besteht nicht nur aus bilität ist vielfältig und bietet den Reiz technischen Bereich als auch im Bereich te öffnen sich derzeit interessante Pers- Elektroautos. Elektromo- chendes Marketing oder pfiffige Konzepte – beispielsweise durch Angebote zur Erstnutzung von Elektrofahrzeugen im Urlaub – kann dieser Reiz des Neuen dafür genutzt werden, die Menschen von einem Umstieg nicht nur auf alternative Fahrzeuge, sondern sogar auf alternative Mobilitätsformen zu überzeugen. 6 des Neuen. Sowohl im neuer Mobilitätskonzeppektiven. Durch entspre- 8 Für Kommunen kann das Engagement in der Elektromobilität einen Imagegewinn bedeuten: Kommunen, die auf erneuerbare Energien setzen und bei passenden Nutzungsmustern Elektrofahrzeuge in ihren Flotten einsetzen oder auch Dienstfahrzeuge (wie zum Beispiel energieeffiziente und kostengünstige Pedelecs) nutzen, signalisieren nach innen wie nach außen, dass sie aktiv und verantwortungsbewusst Zukunft mitgestalten. Zur Fahrzeugflotte des Energieunternehmens ENTEGA gehört ein Elektro-Serienfahrzeug von Mitsubishi Motors. Foto: HSE 03/04_2015 9

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I NTER V IEW Zukunftsfähige Mobilität Chancen und Herausforderungen Der Professor Dr.-Ing. Jürgen Follmann ist seit 2001 Professor an der Hochschule Darmstadt im Schwerpunkt Verkehrswesen: Als wissenschaftlicher Berater hat er für den Kreis Offenbach eine Studie zum Mobilitätsverhalten vorgelegt. Wir haben den ausgewiesenen Experten zu den Herausforderungen und Ideen für die Mobilität der Zukunft in der Region befragt. Herr Professor Follmann, gibt es Gemeinsamkeiten oder Gegensätze im Bereich der Mobilität zwischen den Kreisen Offenbach und Darmstadt? Jürgen Follmann: Darmstadt ist hier schon einige Schritte weiter. Neben ei- nem sehr guten öffentlichem Nahverkehrsangebot gibt es Carsharing-Angebote, hochschulweit das Call-a-bike etc. Was man sich abschauen kann, ist der pragmatische Prozess verbunden mit den Pilotanwendungen. Fahrradstraßen oder Abbau von Ampeln zugunsten (Mini-)Kreisverkehre wurden beispielsweise im Kreis Offenbach als Pilotinitiativen innerhalb von zwei Jahren realisiert. Die Erfahrungen sind sehr gut. Die notwendigen Maßnahmen in die Infrastruktur kosten Zeit und vor allem Geld. Wie können die klammen Kommunen diese Investitionen stemmen, wenn es selbst an den Mitteln für notwendige Sanierungen der Straßen und Verkehrsanlagen mangelt? Natürlich mangelt es überall an den finanziellen Mitteln. Daher ist es umso wichtiger, dass anstehende Maßnahmen in der Sanierung beispielsweise auch von Abwasseranlagen dazu genutzt werden, die Straßenoberflächen in diesem Zusammenhang neu zu gestalten. Es gilt hier verschiedene Pläne übereinander zu legen. Wichtig ist dabei die interne kommunale Abstimmung mit ausreichend Entscheidungskompetenz. Wenn wir verantwortungsvoll mit unserer Infrastruktur in die Zukunft gehen wollen, muss der hieraus resultierende Personalbedarf unbedingt gesichert werden. 10 03/04_2015 Urbane Community der Zukunft. Grafik: MBtech Group GmbH

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m obi l ität Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur plant zur Zeit für die Straßen in seinem Verantwortungsbereich ein maßnahmenbezogenes Bestandsaudit durchzuführen. Das entsprechende Regelwerk wird an unserem Fachbereich mitentwickelt. von der Hochschule DarmIn Kopenhagen beträgt der Anteil des Fahrrads am öffentlichen Nahverkehr 28 Prozent. In Tübingen sind es immerhin schon 20 Prozent. Was müsste in einer Stadt, wo der Oberbürgermeister bekennender Radfahrer ist unbedingt getan werden, um ähnliche Werte zu erreichen? Der Fahrradanteil in Darmstadt ist schon auf einem sehr guten Weg. In den Stadtteilen haben wir beispielsweise im Einkaufsverkehr Anteile bis 30 Prozent. Für den gesamten Alltagsverkehr sind es wohl etwa 18 Prozent. Wir müssen allerdings die Radverkehrsinfrastruktur weiter ausbauen. Möglicherweise müssen auch Straßenräume neu aufgeteilt werden. Beispielsweise will ich hier die Heinrichstraße nennen, insbesondere im Abschnitt zwischen Nieder-Ramstädter-Straße und Heidelberger Straße. Durch die enormen Zunahme bei den Pedelecs werden auch Steigungen unproblematischer. Aber auch an den Arbeitsplätzen müssen wir das Fahrrad noch deutlicher in den Mittelpunkt stellen, beispielsweise mit modernen Abstellmöglichkeiten oder Viele sinnvolle Entwicklungen sind immer bequemer mit Apps für Smartphones nutzbar. Es gibt aber eine Schwellenangst der älteren Generation diese Geräte zu nutzen. Was kann man tun, damit diese wichtige Zielgruppe die Vorteile auch nutzen kann? Vielleicht sollten wir hierauf die Angebote im Bereich der Erwachsenenbildung noch stärker ausrichten. Es gibt auch interessante Ansätze zu Smartphones oder Tablets, die nur die auch der Möglichkeit zu duschen. Einige Leuchttürme gibt es inzwischen in der Rhein-Main-Region, die auch im bike + business-Wettbewerb prämiert wurden. Alles braucht aber seine Zeit, bis es bei den Menschen angekommen ist. stadt mit dem Schwerpunkt Verkehrswesen. Seine Forschungs- und Lehrtätigkeiten umfassen die Verkehrsplanung, Verkehrstechnik und Verkehrssicherheit. Prof. Dr.-ING. Jürgen FOLLMANN wirklich notwendigen Apps und Verknüpfungen auf der Oberfläche besitzen und damit eine wirklich einfache Bedienung ermöglichen. Ich erlebe es gerade bei meinen Eltern. Aber auch Einrichtungen für Senioren müssen hier neue Wege und Angebote gehen. Wir werden aber noch einige Zeit zweigleisig fahren müssen. Nutzen statt besitzen ist ein neues Schlagwort. Muss die Automobilindustrie Angst vor einer Generation haben, für die das Auto kein Statussymbol mehr ist und die lieber teilt, statt besitzt? Wir müssen hier stark zwischen den Städten und der Fläche unterscheiden. In Darmstadt besitzt das Carsharing schon eine gewisse Bedeutung. In der Fläche sind kaum Angebote vorhanden. Grundsätzlich wird das persönliche Auto einen hohen Stellenwert behalten. Bei den jungen Leuten kommt die erste Anschaffung eines Pkw in den Städten mit Carsharing-Angeboten sicher etwas später. Vielleicht wird aber das zweite Auto später eher infrage gestellt. Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch die künftige Erreichbarkeit von Arbeitsort und anderen wichtigen Zielen mit dem ÖPNV ebenso wie die Verfügbarkeit über ein Job- oder Mieterticket für den ÖPNV. Herr Professor Follmann, vielen Dank für dieses Gespräch! Die Fragen stellte Hans-W. Mayer [i ] DRIVE-E-Akademie 2015 Gut zu wissen Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Fraunhofer-Gesellschaft zum Thema Elektromobilität veranstaltet regelmäßig ein gemeinsames Nachwuchsprogramm: Die DRIVE-E-Akademie fand im März dieses Jahres in Erlangen und der Metropolregion Nürnberg statt. Hochschulpartner 2015 ist die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürn- berg. Bereits zum sechsten Mal wurde der jährliche DRIVEE-Studienpreis verliehen. Mit diesem Studienpreis werden besonders innovative studentische Arbeiten prämiert, die zur Weiterentwicklung der Elektromobilität beitragen. Studentinnen und Studenten der Fachgebiete Elektrotechnik, Maschinenbau, Mechatronik, Physik oder verwandter Themengebiete wie dem Wirtschaftsingenieurwesen ab dem dritten Semester konnten sich dort bewerben. 03/04_2015 11

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wirtschaft Strom für E-Fahrzeuge an der StraSSenlaterne laden Ladekabel wird zum Endgerät für den E-Autofahrer Der innovative Berliner Energiedienstleister Grundgrün bietet als einer der ersten einen Stromtarif nutzer an. Mit dem intelligenten Ladekabel laden Autofahrer damit in Zukunft Strom an jeder Straßenlaterne. Fotos: ubitricity // Gründgrün zum Mitnehmen für E-Fahrzeug- Gemessen und abgerechnet wird nicht über einen Zähler an der Laterne sondern über das vom Kunden mitgeführte Ladekabel – der Zählpunkt wird mobil und unabhängig von der Infrastruktur. „Elektromobilität muss konsequent mit erneuerbaren Energien verbunden werden, wenn eine wirklich nachhaltige Mobilitätsalternative geschaffen werden soll. Der mobile Zähler stellt sicher, dass für das Fahrzeug tatsächlich immer Strom aus erneuerbaren Quellen beschafft werden kann und ermöglicht gleichzeitig die smarte Netzintegration durch gesteuertes Laden“, erläutert Marek Dan Hornschild, Geschäftsführer des unabhängigen Energiedienstleisters Grundgrün, seine Entscheidung für das Pilotprojekt mit ubitricity. „Für das elektrische Fahren gilt außerdem das Gleiche wie zuhause: Jeder sollte seinen Stromanbieter und Tarif frei wählen können. An einer konventionellen Ladesäule ist das unmöglich.“ „Wie das Mobiltelefon revolutioniert der mobile Zähler im intelligenten Ladekabel Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge“, beschreibt Knut Hechtfischer, Gründer und Geschäftsführer von ubitricity, das innovative Infrastruktursystem. Das Mobiltelefon macht Kommunikations- und Informationsdienstleistungen heute flächendeckend verfügbar und bezahlbar. Mit einem einzigen mobilen Zähler im Ladekabel laden E-Fahrzeugnutzer künftig Strom von einem Anbieter und in einem Tarif ihrer Wahl – wo auch immer sie sind. Im Rahmen des gemeinsamen Pilotprojekts erproben Grundgrün und ubitricity die Belieferung mobiler Stromzähler mit grundgrünem Strom. Nutzer des intelligenten Ladekabels laden, zum Beispiel an Laternenladepunkten vor der eigenen Haustür Strom ihrer Wahl. Der Berliner Energiedienstleister gehört damit zu den ersten, die neuartige Stromprodukte und -tarife auf Grundlage mobiler Zähltechnik entwickeln und anbieten. Auch die smarte Netzintegration wird durch hohe Installations- und Betriebskosten verhindert. Nur wenn Fahrzeuge möglichst während jeder 12 03/04_2015

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E -Mobi lität längeren Parkzeit »smart« mit dem Netz verbunden werden können, stehen sie als regelbare Verbraucher zur Verfügung. Konventionelle Ladesäulen sind dafür flächendeckend zu teuer. Durch mobile Zähltechnik werden die Vorteile der E-Fahrzeuge als Partner einer fluktuierenden Erzeugung wirtschaftlich realisiert. Für Grundgrün ist diese Kooperation ein weiterer konsequenter Schritt auf dem Weg einer integrierten Wertschöpfungskette von der erneuerbaren Erzeugung zu einem intelligenten Verbrauchsverhalten. Grundgrün wurde 2010 als unabhängiger Energieanbieter und Stromhandelshaus gegründet. Explizites Unternehmensziel ist die Unterstützung der Energiewende, indem für neue Akteure ein Zugang zum „neuen Energiemarkt“ geschaffen wird. Zudem beliefert Grundgrün seit Februar 2014 Endkunden mit einem Grünstromprodukt, arbeitet intensiv an der Integration von Speicherlösungen, sowie an der Unterstützung dezentraler Versor- gungskonzepte. Mit der Umsetzung dieser Geschäftsfelder schließt Grundgrün die Wertschöpfungskette von der regenerativen Erzeugung bis zum Zähler des Endkunden und macht die Energiewende so zu einem tragenden Geschäftsmodell. Seit 2012 läuft das System von ubitricity in ersten nationalen und internationalen Feldtests mit führenden Partnern, um den kommerziellen Start 2015 vorzubereiten. Das Unternehmen wurde Mitte 2008 in Berlin von Knut Hechtfischer und Frank Pawlitschek gegründet, um erstmals die direkte Belieferung von mobilen Verbrauchern zu ermöglichen und dadurch die Kosten für Ladeinfrastruktur und Abrechnungssysteme für E-Fahrzeuge durch den Einsatz mobiler »Smart Meter« erheblich zu senken.  (hwm) Die »Grundgrün«Geschäftsführer von links: Knut Hechtfischer (CEO von ubitricity), Dr. Robert Stützle und Dr. Frank Pawlitschek w w w. k l e i n s t e u b e r- i m m o b i l i e n . d e Im 4. Quartal 2014 von uns vermittelt ... 1-Familienhaus Darmstadt 1-Familienhaus Reinheim 3 Zi.-ETW Darmstadt 3 Zi.-ETW Darmstadt Innenstadt 3-Familienhaus Griesheim 5 – 6 Zi.-ETW Darmstadt-Bessungen 2 – 3 Zi.-ETW Roßdorf 1 – 2 FH DA-Komponistenviertel 10 FH Darmstadt-Nord 4 Zi.-ETW DA-Komponistenviertel 2 Zi.-ETW Darmstadt Insgesamt konnten wir 2014 65 Immobilien verkaufen und 146 Mietverträge vermitteln. Wenn auch Sie eine ETW, ein Haus oder Grundstück sicher und zeitnah verkaufen oder vermieten wollen, sprechen Sie mit uns. Wir sind für Sie da. Wir freuen uns auf Sie. Donnersbergring 22 · 64295 Darmstadt · info@kleinsteuber-immobilien.de · Telefon (0 61 51) 3 08 25-0 03/04_2015 13

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