Mallorca - Vertreibung aus dem Paradies - Leseprobe

 

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Description

Kurzgeschichten über Mallorca, das Leben auf der Insel und mit Mallorquinern

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Mallorca Vertreibung aus dem Paradies Der etwas andere Reiseführer 1

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Danke für die freundliche Unterstützung: Die Genusswelten S.L. www.die-genusswelten.com Dieser Titel ist auch als eBook erschienen Mallorca – Vertreibung aus dem Paradies Der etwas andere Reiseführer Holger Lüttgen Einbandgestaltung: Holger Lüttgen Copyright: © 2013 Holger Lüttgen Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand, Norderstedt ISBN 978-3-7322-3311-3 2

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Holger Lüttgen Mallorca Vertreibung aus dem Paradies Der etwas andere Reiseführer 3

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¡Muchas gracias! Mein Dank gilt vor allem drei lieben Menschen, die in unterschiedlichster Form zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben. Geli, die mir immer wieder Mut gemacht hat, meine Kurzgeschichten zu veröffentlichen sowie Inge und Gert, die so freundlich waren, das Lektorat zu übernehmen. Rechtschreibung (hier habe ich mich durchgesetzt; es gilt die Uralt-Regel), fehlende oder falsch gesetzte Interpunktion wurden ebenso zur Korrektur gebracht wie des Deutschen liebste Fehlerquelle – der Dativ. 4

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Der Autor Holger Lüttgen, 1963 in Duisburg geboren, hat nach seinem Architekturstudium im In- und Ausland gearbeitet und sich Ende der 90er Jahre selbständig gemacht. Die schönste Insel der Welt, Mallorca, hat er über Jahre intensiv kennen und lieben gelernt, was zum Ende der ersten Dekade dieses Jahrhunderts dazu geführt hat, daß er seinen Zweitwohnsitz in diese Idylle verlegt hat. Hier fand er die Ideen und Inspiration für dieses Buch sowie für sein Unternehmen Die Genusswelten S.L., mit Sitz in Palma, welches außergewöhnliche Genuss- Reisen und -Events nach Mallorca, Andalusien, in das Baskenland sowie nach Südafrika anbietet. 5

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Inhaltsverzeichnis Anmerkungen Prolog Das kommt mir spanisch vor Gepäckband Dickes Portemonnaie Essen zwischendurch Ein Kölner auf Mallorca Mein Winter auf Mallorca Kommunikation à la Mallorquin Kindergeburtstag Spanische Sauna Mañana, immer mit der Geduld Hochhängende Urinale Kultureller Unterschied Fahrerflucht Kreisverkehr Straßenbauarbeiten Abfallwirtschaft Sonne vs. Sozialstaat Waschmaschinen Offene Hände Schnee auf der Insel Der Blender 8 12 14 18 22 26 30 34 40 44 50 54 58 62 66 70 74 78 84 88 92 98 100 6

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Markthalle Kontoeröffnung Einzahlung Vertrag ist Vertrag Vertreibung aus dem Paradies NIE-Nummer Ohne geht nicht Liebeserklärung Epilog Tips für genußvolle Stunden auf Mallorca GenussReisen & GenussMomente 104 108 112 118 122 128 132 136 140 142 164 7

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Gepäckband ohne Koffer Nicht immer, aber doch in einer gewissen Regelmäßigkeit passiert es. So bin ich auch nicht verwundert oder irritiert, als das Gepäck des Germanwings-Flugs aus Köln nicht am angekündigten Band ankommt. Auf dem Bildschirm wird ein anderes Band angegeben als an der direkten Anzeigetafel oberhalb des Gepäckbandes. Das ist für mich schon lange kein Grund mehr zum Fluchen; nach den Gründen für diese Fehlinformation habe ich aufgehört zu fragen. Möglicherweise kommen die Kofferträger aus einem Land, in dem es keine Schulpflicht gibt, wodurch Sie Analphabeten geblieben sind und nur grob einzuschätzen wissen, in welchem Bereich, auf welches Band die Koffer zu legen sind. Dieses Mal ist es jedoch noch viel spannender. Am „falschen“ Band beginnt selbiges zu laufen und spuckt die Koffer aus, zumindest einige. Interessant wird es, als am Nachbarband, dem „richtigen“, nun auch einige Koffer auflaufen, die doch tatsächlich auch zu unserem Flug gehören. 8

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Der Tourist, als solcher nicht dumm, erkennt die Situation und läßt richtig Bewegung in die Gruppe kommen. Alle, die nicht alleine geflogen sind, entsenden einen Vertreter zur Sicherung eines strategisch günstigen Standorts am Band. Schliesslich muß man ja möglichst schnell sein Gepäck bekommen, damit der Urlaub unverzüglich beginnen kann. Daß der Bus, der zum Ziel der Glückseligkeit führt, erst abfährt, wenn alle Gäste an Bord sind, ist ein anderes Thema und spielt bei der Gepäckentgegennahme keine Rolle. Warum auch? Schnelligkeit und Ungeduld scheinen diese Reisegesellschaft zu bewegen – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Antrieb erfolgt nach einem klaren Muster; es geht um Minuten, und daher ist es quasi lebensnotwendig, schnellstens die Koffer zu bekommen. Es gilt doch, möglichst viel vom Urlaub zu haben. Daß dieser schon mit der Anreise begonnen hat, hat sich bei der Mehrheit noch nicht herumgesprochen. Die Gepäckwagen werden nicht nur in Beschlag genommen, sondern direkt ans Band geschoben. Das macht durchaus Sinn, zumindest für den temporären Wagenbesitzer, da somit der Claim auf breiter Front gesichert wird. Daß dieses Gefährt für alle anderen eher ein Hindernis und eine Stolperfalle darstellt, spielt in den Augen der entschlossenen Kofferabgreifer keine Rolle, 9

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schließlich geht es um kostbare Urlaubszeit. Sollen die anderen doch zusehen, wie und wann Sie an Ihren Koffer kommen. Möglicherweise befürchtet Touri auch den Diebstahl dieses wichtigen Gefährts; hier besteht auch zu Recht Anlaß zur Sorge, da es in unmittelbarer Nähe keinen Wagen mehr gibt. Am Fuß führend oder auf meinem Fuß parkend, ist der Wagenklau verständlicherweise weniger gut möglich als außerhalb der ersten Reihe. Daß mehr als genug Gepäckwagen in zentraler Lage zur Verfügung stehen, ist unerheblich. Anzumerken sei hier noch, daß das „richtige Band“ seinen Dienst nach einigen Runden wieder eingestellt hat und wir uns alle wieder an dem nur halb so langen Band drängeln dürfen, um schon mal eine Übungsrunde in Körperkontakt einzulegen. Schließlich ist es am Strand der Playa de Palma oder in Cala Millor auch so nett eng und körperbetont. Statt Gepäckwagen schieben die lieben Kleinen einem dann etwas anderes in die Hacken oder auf den nach Sonne gierenden Körper. Besonders beliebt sind nasse Bälle, die vornehmlich auf dem Oberkörper landen – hoffentlich nur dort – und nicht nur für Nässe, sondern auch einen Moment des Schreckens, Erschreckens sor10

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gen. Die Schnelligkeit der Langsamkeit wird schon am mallorquinischen Gepäckband geübt, jedoch ohne nachhaltige Wirkung bei den meisten. 11

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Ein Kölner auf Mallorca Was haben Kölner und auf der Insel lebende Nord-Europäer gemeinsam? Nach einem knappen Jahr des Inselaufenthalts haben sie, so meine ich, viel gemeinsam. Um nicht zu sagen, die Residenten, Teilzeit-Residenten und Sonstige in der nicht statistisch erfaßten Masse der hier Lebenden sind qua Mentalität Kölner. Streichen Sie gedanklich Sonne, Meer und angenehme Temperaturen, und Sie kommen auch zu dem Ergebnis. Vorausgesetzt, Ihre Vorstellungskraft reicht oder Sie haben auch schon länger auf der Insel gelebt und im Idealfall auch in Köln. Sollte beides nicht zutreffen, helfe ich gerne nach. Der Kölner als solcher ist kommunikativ, weltoffen, tolerant und aufgeschlossen. Selbst dem deutschen NichtKölner wird nicht nur ein Dauer-Smiley ins Gesicht gepflanzt (was nun überhaupt nicht zu den nennenswerten Wesenszügen des Deutschen zählt), wenn er die Insel als neue Heimat auserkoren hat, sondern er nimmt auch noch die kölsche Lebensart an. 12

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Ich sehe Sie schon mit dem Kopf schütteln und mich für etwas beobachtungsgestört oder zu stark sonnen-bestrahlt abschreiben. Wie erklären Sie sich dann diese Dualität? Auf der Insel wird das kölsche Du-Sie noch gesteigert, indem Gott und die Welt geduzt wird. Für Nicht-Kölner: In der Domstadt wird Du-Sie gerne verwendet, u.a. in Kneipen, um Nähe, Vertrautheit und Sympathie zu suggerieren. Es könnte sich z.B. wie folgt anhören: „Machst du mir mal 2 Kölsch“ (auf die Besonderheiten der kölschen Grammatik gehe ich hier nicht ein, empfehle jedoch das Buch von Bastian Sick „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“) oder „Hast du gesehen, wie die Pfeifen vom FC1 wieder gespielt haben?“. Das etwas höflichere, aber auch distanziertere Sie kommt schwer über die rheinischen Lippen. Würde sich bei den genannten Beispielen auch, zumindest für den Kölner, befremdlich anhören. Zurück zur Insel. Hier gibt es ein stillschweigendes Übereinkommen zum DU. In Kneipen, Bars und Restaurants ist der Nordeuropäer ebenso kommunikativ und freundlich wie der Kölner. Du erlebst einen netten, 1 Für alle Nicht-Kölner, gemeint ist der Fußball-Club 1. FC Köln 13

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kurzweiligen Abend, tauschst auch noch Telefon-Nummer und Namen aus – in Köln geht das auch ohne diese persönlichen Dinge – und glaubst, einen neuen Bekannten für dein Inselleben gefunden zu haben. Meistens weit gefehlt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Ihr noch ein-, zweimal telefoniert oder simst; das war es dann schon. Ausnahmen bestätigen, wie immer im Leben, die Regel. Hier sind wir, ich, nun beim kölschen Vergleich. Wie in meiner Wahlheimat ist es auf Mallorca. Der Kölner erkennt oder kennt Dich am Tag danach auch nicht mehr. Mäht nix – macht nichts (für Nicht-Kölner). Oberflächlichkeit in dieser unverbindlich verbindlich kultivierten Form hat doch auch was. Du kannst sicher sein, immer nette Menschen zu treffen, einen unterhaltsamen und fröhlichen Abend zu haben und – nicht zu vergessen – du lernst pausenlos neue Leute kennen. Denk Dir nichts dabei, wenn Sie nicht anrufen oder auf Anrufe nicht reagieren. Das ist kölsche Art, respektive kölsch-mallorquinische Art. Na, hat uns dieses DU-SIE nicht richtig nahe gebracht? 14

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