Mensch und Mund 1_2015

 

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Patientenzeitung: Mit Pflanzen die Mundgesundheit stärken

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4. Jahrgang · Ausgabe 1/2015 Mensch & Mund Ganzheitliche ZahnMedizin für interessierte Patienten Mit Pflanzen die Mundgesundheit stärken 1 Bildquelle: wikipedia/Autor: Fagus - Camellia sinensis

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Mensch & Mund Mit Pflanzen die Mundgesundheit stärken Seit alters her liefern Pflanzen wichtige Wirkstoffe für die Medizin – auch die Zahnmedizin weiß ihre Wirkungen zu schätzen. Zwar können Pflanzen allein keine akuten Maßnahmen ersetzen, aber sie können Prophylaxe und Behandlung sehr gut unterstützen und begleiten. Bildquelle: wikipedia/Larousse Medical Illustré, Paris, 1912 Galtier-Boissière S 2 o vielfältig wie die Pflanzen selbst, sind auch die in ihnen enthaltenen Wirkstoffe. Manche davon kennt die Volksmedizin schon seit Jahrhunderten, viele wurden erst in jüngster Zeit gründlich untersucht und erforscht. Entsprechend greift die Zahnmedizin auf altbewährtes Pflanzenwissen zurück und nutzt gleichzeitig neueste Erkenntnisse der Phytotherapie. „Dagegen ist ein Kraut gewachsen“ – dieses Sprichwort gilt auch, wenn es darum geht, Erkrankungen im Mund- und Rachenraum vorzubeugen oder sie zu behandeln. Die Zahnmedizin kann heute auf zahlreiche pflanzliche Wirkstoffe zu- rückgreifen, auch wenn bislang nur rund 10 % aller Pflanzen pharmakologisch relevant untersucht worden sind. Dabei lassen sich die Wirkstoffe in mehrere Gruppen einteilen. Die bekanntesten davon sind ätherische Öle, Gerb- und Bitterstoffe (Gallotannine), anorganische Stoffe (z. B. Fluor), Hormone und Vitamine. Diese Vielfalt bietet gute Möglichkeiten, um auf ganz unterschiedliche Erkrankungen im Mund- und Rachenraum Einfluss zu nehmen. Im „Ökosystem Mundhöhle“ spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Lassen Sie uns im Folgenden einige Bereiche genauer betrachten. Plaque – und wie man sie hemmen kann Zahnbelag ist ursprünglich ein Schutzmechanismus: „Gute“ Bakterien in der Mundhöhle bilden ein Milieu, das vor „bösen“ Keimen, den Krankheitserregern, schützt. Allerdings können Fehlernährung oder nicht ausreichende Mundhygiene das Gleichgewicht stören: Es bildet sich Plaque, die dann zu Entzündungen und Parodontitis führen kann. Damit es nicht so weit kommt, können Gallotannine hemmend auf die Plaquebildung einwirken. Sie finden sich zum Systemische Orale Medizin · 4. Jahrgang 1/2015

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Mensch Mensch & & Mund Mund Was ist Pflanzenheilkunde? Unter Pflanzenheilkunde (der Fachbegriff lautet Phytotherapie) versteht man die Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten, Leiden oder gesundheitlichen Störungen mit Pflanzen: Pflanzen im Ganzen Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Wurzeln)  Pflanzenauszüge (Lösungen, Öle, Essenzen)   Hinzu kommt die Phytopharmazie, also die Untersuchung von Pflanzen im Hinblick auf einzelne Wirkstoffe, deren Gewinnung, Standardisierung und Nutzbarmachung in Form von Medikamenten. auf die im Tee enthaltenen Fluoride in wirksamer Konzentration, die bekanntlich den Zahnschmelz stärken, sowie auf den Gehalt an Polyphenolen, die das Wachstum von Bakterien hemmen, die Karies verursachen. Als angenehmer Nebeneffekt wurde beobachtet, dass Tee trinken auch gegen schlechten Atem hilft. Denn die gleichen Polyphenole wirken auch gegen Schwefelwasserstoff produzierende Keime, die Mundgeruch verursachen. Darüber hinaus wirken die Gerbstoffe des Schwarztees blutstillend. Einziger Nachteil ist, dass insbesondere Schwarztee zu braun-schwarzen Teebelägen auf den Zähnen führen kann. Sie sind völlig harmlos und werden bei der professioneller Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis entfernt. Wichtig ist, darauf zu achten, dass der Tee aus kontrolliert biologischem Anbau mit garantierter Schadstoffdeklaration Risiken und Nebenwirkungen Oft hört man Aussagen im Sinne von: „Dies oder jenes ist gesund und schonend, denn es ist ja nur pflanzlich“. Das trifft allerdings so nicht zu – immerhin stammen einige der stärksten Gifte aus Pflanzen! Aber auch generell unbedenkliche Pflanzen können im Einzelfall unangenehm in Erscheinung treten – vor allem bei Allergien. Wichtig ist, die genaue Wirkung einer Pflanze zu kennen und zu wissen, wofür man sie in welcher Dosierung einsetzen kann. Denn alles, was eine gewünschte Wirkung hat, kann auch unerwünschte Nebenwirkungen entfalten. Besprechen Sie also die Einnahme pflanzlicher Wirkstoffe oder Medikamente unbedingt mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt! stammt – damit er nicht mit Spritzmitteln belastet ist, und um sicherzugehen, dass er nicht zu viel Aluminium enthält. Ganzheitlich oder spezifisch? Bei der Pflanzenheilkunde stehen sich im Wesentlichen zwei Ansätze gegenüber: Die einen sehen in Pflanzen praktisch eine Ansammlung einzelner Wirkstoffe, die es spezifisch zu nutzen gilt  Die anderen glauben, dass gerade die Gesamtverbindung aller Stoffe in einer Pflanze für die medizinisch relevanten Wirkungen verantwortlich ist. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung – und beide verlangen noch nach viel Forschung, um die Erfahrungen der Volksmedizin naturwissenschaftlich zu untermauern. Bis dahin treffen sich beide Richtungen dort, wo die Wirksamkeit bestimmter Pflanzen – gerade auch für die Zahnmedizin – augenfällig und weitgehend unbestritten ist.  Beispiel im Nelkenwurz (geum urbanum) oder der Virginischen Zaubernuss (hamamelis virginiana). Einfach mehrmals täglich nach dem Zähneputzen mit einem Aufguss den Mund ausspülen. Ebenfalls plaquehemmend wirken die Wurzel des Süßholzes (gycyrrhiza glabra) oder die Blätter der Teepflanze (camellia sinensis). Unerwünschte Keime reduzieren Damit die Mundschleimhaut gesund bleibt, dürfen bestimmte Keime nicht überhand nehmen. Um sie zu reduzieren, kann man noch weitere Gerbstoffgruppen nutzen, die sogenannten Oligo- oder Polyphenole. Sie entziehen mittelbar Bakterien den Nährboden und wirken bei leichtem Zahnfleischbluten gefäßabdichtend und entzündungshemmend. Solche Gerbstoffe, z. B. aus Eichenrinde (cortex quercus), Blutwurzwurzel (tormentillae rhizoma) oder Ratanhiawurzel (ratanhiae radix), lassen sich als Tinktur oder Aufguss anwenden. Eine direkte Keimreduktion gegen Bakterien, Viren oder Pilze kann auch durch ätherische Öle erreicht werden, wie z. B. Vorbeugen und Tee trinken Tee kann viel mehr als nur gut schmecken und belebend wirken. Tee, als Grüntee und vor allem als schwarzer Tee, eignet sich sehr gut zur täglichen Prophylaxe für Mund und Zähne. Untersuchungen der Universität Illinois haben ergeben, dass regelmäßiges Trinken von schwarzem Tee das Kariesrisiko senken kann. Eine in Japan durchgeführte Untersuchung kommt für grünen Tee zu vergleichbaren Ergebnissen. Es wurde nachgewiesen, dass der Genuss von Tee die Karieshäufigkeit um die Hälfte senkt. Zurückzuführen ist das Systemische Orale Medizin · 4. Jahrgang 1/2015 3

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Mensch & Mund Menthol oder Auszüge aus Kamille (matricaria chamomilla), Gewürznelke (syzygium aromaticum), Salbei (salvia officinalis), Thymian (thymus vulgaris) oder Teebaumöl (Melaleuca alternifolia). Hier ist aber Vorsicht angeraten, vor allem kleine Kinder sollten nicht mit scharfen ätherischen Ölen in Berührung kommen. Pflanzen als Unterstützung Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Vielfalt der verfügbaren Pflanzen und pflanzlichen Wirkstoffe bestens dazu eignet, zahnmedizinische Maßnahmen zu unterstützen. Vor allem bei der Vorbeugung haben sich Pflanzen in den verschiedensten Formen bewährt. Aber ihre Wirkung kann sich nur dann optimal entfalten, wenn andere Einflussfaktoren ebenso beachtet und behandelt werden. Beispiel Parodontitis: Eichenrinde stößt selbstverständlich schnell an ihre Grenzen, solange nicht starke Ursachen wie mangelhafte Mundhygiene, Ablagerungen am Zahnhals, Stress, Rauchen, Umweltbelastungen oder Diabetes erkannt und mitbehandelt werden. Speichelfluss ist eine gute Sache Der Speichel enthält Stoffe, die Bakterien hemmen. Für einen möglichst positiven Effekt muss genug Speichel fließen, um auch solche Stellen zu benetzen, wo die Zahnbürste nicht hinkommt. Der Speichelfluss wird stimuliert durch Bitterstoffe z. B. im Löwenzahn (taraxacum officinale), Enzian (gentiana lutea), Kalmus (acorus calamus) oder Tausendgüldenkraut (herba centaurini). Auch so genannte Scharfstoffe fördern den Speichelfluss, z. B. Ingwer (zingiber officinale), Senf (senapis alba) und Schwarzer Pfeffer (capsicum annuum). Lernen Sie Heilpflanzen kennen! Auf dem offiziellen Gesundheitsportal der deutschen Apothekerinnen und Apotheker (www.aponet.de) finden Sie eine ausführliche Datenbank mit insgesamt 170 Heilpflanzen. Neben einer Abbildung gibt es eine kurze Übersicht zu Inhaltsstoffen, Wirkung und Anwendungsgebieten sowie Angaben zur botanischen und pharmakologischen Bedeutung. www.aponet.de/wissen/heilpflanzenlexikon.html. Sprechen Sie darüber Insofern gilt ganz besonders beim Thema Pflanzenheilkunde: Sprechen Sie mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt und lassen Sie sich beraten. Dann können Sie sicher sein, die richtige Pflanze in der richtigen Form zu verwenden und das Beste aus der Wirkkraft der Natur für Ihre individuelle Situation zu nutzen. GZM – Sicherheit durch gezielte Qualitätsorientierung Die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) fördert die Kooperation zwischen ZahnMedizin und Medizin und setzt sich stark für die Realisierung regionaler Netzwerke ein. Dazu organisiert und veranstaltet die GZM regelmäßig internationale Symposien und Kongresse. Die GZM fördert intensiv die Erforschung ergänzender Diagnose- und Therapiekonzepte und arbeitet aktiv daran mit. Qualifizierte Mitglieder der GZM haben eine umfangreiche Weiterbildung in verschiedenen Diagnose- und Therapieverfahren absolviert und sich einer Prüfung unterzogen. Eine Liste der Qualifizierten GZM-Mitglieder nach PLZ-Bereichen finden Sie im Internet unter www.gzm.org Wenn Sie 2,80 € in Briefmarken an die Geschäftsstelle schicken, erhalten Sie die Liste gerne auch per Post zugesandt. Dort sind auch weitere Broschüren zu verschiedenen Themen sowie Infopakete erhältlich. Bitte schreiben Sie an: Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin e. V. Kloppenheimer Str. 10 68239 Mannheim Tel.: +49 621 48179730 Fax: +49 621 473949 E-Mail: gzm@gzm.org www.gzm.org 4 Systemische Orale Medizin · 4. Jahrgang 1/2015

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Mensch & & Mund Mund Mensch Mitch Albom Dienstags bei Morrie Die Lehre eines Lebens Goldmann Verlag, Taschenbuch, 224 Seiten, ISBN: 978-3-442-45175-3, Preis: 8,99 € D ie Diagnose ALS ist ein Todesurteil! Dank der spektakulären Eiswasser-Aktionen der letzten Monate ist das wohl fast jedem Zeitungsleser klar geworden. Diese Krankheit befällt die zentralen und periphären Nerven, macht den, den es trifft, zu einem hilflosen Bündel und führt schließlich zum Atemstillstand. „Nur“ zwei von 100.000 Personen sind pro Jahr davon betroffen, die durchschnittliche Krankheitsdauer zieht sich über zwei Jahre hin, kann aber auch wesentlich rasanter verlaufen oder sehr viel langsamer vonstatten gehen – wie etwa bei dem Physiker Stephen Hawking. Das Buch, über das ich sprechen will, gibt es seit vielen Jahren. Nahezu jeder, der es gelesen hat, lobt es in den höchsten Tönen, sagt überwiegend, er habe es gern gelesen, es sei ein wundervolles Buch. Leider hatte es nicht die Wirkung des EiswasserSchwalls, wiewohl es seinerzeit auf nahezu allen Bestseller-Listen stand. Es ist die Geschichte des an ALS erkrankten Soziologieprofessors Morrie Schwartz und seines Schülers Mitch Albom. Sie verabschieden sich bei Mitch‘s Examen mit dem Versprechen, sich zukünftig regelmäßig zu besuchen. Sechzehn Jahre später zappt Mitch während einer Dienstreise – er ist inzwischen einer der bekanntesten Sportreporter der USA – beiläufig durch das Fernsehprogramm und sieht seinen alten Professor in einer Talk-Show. Im Rollstuhl. In den allernächsten Tagen erfüllt der Schüler sein Versprechen von vor so vielen Jahren. Er besucht seinen Lehrer. Aus dieser einen Begegnung werden viele, werden die Dienstage bei Morrie. Jedes dieser vierzehn Treffen steht unter einem Motto. Die beiden ungleichen Männer sprechen nicht (oder nur selten) über die Krankheit des Alten. Sie sprechen von den Dingen des Lebens. Vom Leben selbst, von Kultur, Ehe und Familie, Reue, Liebe, Arbeit, sozialem Engagement. Von Dienstag zu Dienstag geht es dem Professor schlechter, doch er denkt gar nicht daran, diesen Umstand zu beklagen. Er, der den Tod vor Augen hat, hat auch die klarere Sicht auf den Sinn des Daseins. Sie gibt ihm immer und immer wieder Kraft, und er kann diese Kraft weitergeben: an seine Familie, an Besucher – vor allem an Mitch. Morrie Schwartz hat natürlich auch eine Vorstellung von seinem Tod. Und von dem Platz, an dem er begraben werden möchte. Er spricht in aller Unbefangenheit darüber, beinahe mit Freude. Mit eben der Freude, die an allen Dienstagen aufleuchtet und schön ist. Damit das keinen Augenblick unklar bleibt: Dies ist kein esoterisches Buch, keiner der unzähligen Ratgeber für ein besseres Leben, wiewohl man sehr viel aus ihm lernen kann. Es ist fast ein journalistischer Bericht ohne jede Sentimentalität, ohne jegliches (und damit auch ohne falsches) Pathos. Es ist human, humorvoll und niemals belehrend. Es ist ein Bravourstück. Und keiner muss Angst haben, dass es ihm Albträume bereitet. Sicher haben viele Leser zum Schluss Tränen in den Augen – ich hatte sie! Aber die Freude hat überwogen. Die Freude, dass Morrie an ein würdevolles Ende gelangt und seinen endgültigen Platz dort findet, wo er ihn sich gewünscht hat. Und die Freude darüber, auf ein so wunderbares Buch getroffen zu sein. Übrigens: Mitch Albom hat sich das alles nicht ausgedacht, er hat es erlebt. W. Kolkhorst La Crème du CIEL Dental mit dem weltweit einmaligen Wirkstoff Charismon® Mehr als eine Zahncreme! Bestellen Sie hier und überzeugen Sie sich! star@alphaomegagmbH.de Tel.: 069-560 15 77 Fax: 069-560 41 58 Systemische Orale Medizin · 4. Jahrgang 1/2015 5

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Mensch & Mund Eine Woche Stille Die Zahnärztin und GZM-Vorsitzende Christine Albinger-Voigt berichtet, was sie motiviert, jedes Jahr eine Woche zu fasten, zu schweigen und zu meditieren. GZM: Sie nehmen sich jedes Jahr eine Auszeit. Was genau machen Sie in dieser Zeit? Christine Albinger-Voigt: Spätestens seit Gründung meiner eigenen Praxis vor 18 Jahren ist mir klar, dass ich für meine Gesundheit sorgen sollte. Deshalb besuche ich einmal im Jahr ein Seminar um mindestens sieben Tage zu fasten, zu schweigen und viele Stunden pro Tag zu meditieren. Träumen Sie manchmal von Schokolade? Das Fasten an sich ist gar nicht schwierig. Der Körper hat sich daran gewöhnt und der Schalter im Kopf wird durch die Regelmäßigkeit ganz einfach umgelegt. Auch körperliche Symptome, wie Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen sind über die Jahre weniger geworden. Durch das regelmäßige Fasten sind meine Allergien verschwunden. Der Seminarleiter unterstützt mit Akupunktur und homöopathischen Mitteln die Ausleitung und auch die möglicherweise auftretenden Beschwerden. Warum auch noch Schweigen, ist Fasten nicht genug? Das Schweigen bedeutet, auf jede Art von Kommunikation zu verzichten: kein Telefon, kein Fernsehen und bei Spaziergängen anderen nicht mehr freundlich „guten Tag“ zu sagen. Diese ganzen Automatismen bewusst abzuschalten, das ist richtig schwer. Das Schwierigste ist für die meisten Teilnehmer das Schweigen, aber gemeinsam in der Gruppe lässt sich der innere Schweinehund leichter überwinden. Beim Schweigen bin ich, wie sonst kaum, ganz auf mich selbst zurückgeworfen. Das ist der Raum, sich von den Reizen der Welt ganz zurückzuziehen und den eigenen Gedanken zuzuhören. Dadurch entsteht Platz für Neues, neue Gedanken und neue Handlungsmuster und dadurch neue Möglichkeiten im Alltag zu reagieren. Mir persönlich gefällt diese Disziplin besonders gut, auch wenn es keiner glaubt, der mich im Alltag erlebt. Aber gerade im Alltag ist es meine Aufgabe sehr viel zu erklären, zu beraten und zu kommunizieren und deshalb genieße ich den Gegenpol sehr. Und dazu kommt eine Woche mehrere Stunden täglich zu meditieren. Wie dürfen wir uns das vorstellen? Wir üben in der sogenannten Pharaonenhaltung, das bedeutet aufrecht und gerade auf einem Stuhl zu sitzen von morgens 9:00 bis 13:00 Uhr und in der Regel nachmittags von 15:30 bis 19:00 Uhr mit kleinen Pausen. Meistens treffen wir uns noch mal von 20:00 bis 23:00 Uhr um einen Film zu schauen. Der Seminarleiter hat ein unglaubliches Repertoire an spirituellen Anregungen. Die Selbstdisziplin wird durch das lange Sitzen besonders gefordert. Das gemeinsame Fastenbrechen findet auch noch schweigend statt. Der Apfel, der zum Fastenbrechen gereicht wird, schmeckt so gut, wie in den nächsten 358 Tagen kein anderer Apfel. Wenn das Sprechen wieder erlaubt ist, und die Wörter aus uns wie eine Flut herausströmen und aus der Stille wieder der normale, klangerfüllte Raum wird, tut es in den Ohren weh und mir wird bewusst, wie viel Unwichtiges wir einander mitteilen und wie viele Worte für Kleinigkeiten verbraucht werden. Nach dieser Regeneration an Körper, Seele und Geist fühlt es sich wie ein Neustart ins Leben an. Diese Wochen sind sehr nachhaltig und jedes Mal bin ich wieder ein Stückchen über mich selbst hinaus gewachsen. 6 Systemische Orale Medizin · 4. Jahrgang 1/2015 Bildquelle: wikipedia/ Fog curls around the peaks of Mt Lu (Lushan) in Jiangxi province, Autor: Pfctdayelise

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Mensch Mensch & & Mund Mund Kinder, die körperlich aktiv sind, beeinflussen positiv ihren Blutdruck. Dies zeigt eine neue Studie, die untersucht hat, wie sich körperlicheAktivität und sitzendes Verhalten auf den Blutdruck bei Kindern auswirken. D ie Ergebnisse einer großangelegten Studie untermauern bisherige Untersuchungen, die eine günstige Wirkung von körperlicher Aktivität auf den Blutdruck zeigen. Es gibt es überzeugende Belege, dass die körperliche Anstrengung die innere Zellschicht der Blutgefäße stimuliert, sodass die Gefäße erweitert werden und der Blutdruck sinkt. De Moraes der medizinischen Universität von Sao Paulo in Brasilien erläutert: „Chronische Erkrankungen machen den Hauptanteil der globalen Krankheitslast aus und stellen somit ein zentrales öffentliches Gesundheitsproblem dar. Unter den chronischen Erkrankungen bei Erwachsenen kommt Bluthochdruck am häufigsten vor. Studien haben gezeigt, dass die Höhe des Blutdrucks in Kindheit und Jugend die Entwicklung von Bluthochdruck im Erwachsenenalter maßgeblich beeinflusst. Für eine langfristige Gesundheit ist es daher wichtig, frühzeitig ein gesundes Verhalten zu entwickeln. Hierzu gehört es zum Beispiel, bereits bei Kindern und Jugendlichen eine regelmäßige körperliche Aktivität zu fördern.“ Dr. Johann Böhmann, Chefarzt der Kinderklinik in Delmenhorst erklärt: „Ich kann aus meiner Erfahrung bestätigen, dass die Fälle von Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen zunehmen. Umso erfreulicher ist es, dass einfache Maßnahmen helfen, den Blutdruck nachweisbar zu senken. Hierzu zählt, dass wir die Kinder unterstützen, mit Freude körperlich aktiv zu sein“. Quelle: idw Rotweinbestandteil wirkt entzündungshemmend T Der in Rotwein vorkommende Naturstoff Resveratrol hemmt die Bildung von Entzündungsfaktoren, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen. rotz fettreichem Essen findet sich in Frankreich eine geringere Herzerkrankungsrate als in Deutschland. Das sogenannte „French paradox“ wird dem Rotweingenuss der Franzosen zugeschrieben. In diversen Forschungsprojekten ließ sich bereits zeigen, dass der in Rotwein enthaltene Naturstoff Resveratrol eine schützende Wirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat. Doch wie genau sind die Wirkzusammenhänge? Zumindest ein Teil der schützenden Wirkung ist durch Resveratrol zu erklären. Resveratrol hemmt die Bildung von Entzündungsfaktoren, die HerzKreislauf-Erkrankungen auslösen. Das ist eine wichtige Entdeckung vor dem Hintergrund, dass neuere Forschungen belegen, dass Herzkreislauferkrankungen sehr stark durch Entzündungsprozesse im Körper vorangetrieben werden. HerzKreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall treten daher gehäuft bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie beispielsweise Rheuma auf. Der Naturstoff Resveratrol hat also insbesondere bei entzündlichen Erkrankungen, die mit einer starken Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems einhergehen, ein großes therapeutisches Potential. Quelle: idw Systemische Orale Medizin · 4. Jahrgang 1/2015 7 Bildquelle: wikipedia/ Autor: Mohd Nor Azmil Abdul Rahman Bereits bei Kindern beeinflusst körperliche Aktivität die Höhe des Blutdrucks

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Mensch & Mund Musizieren fördert Bildungserfolge von Jugendlichen Jugendliche, die schon in jungen Jahren Musikunterricht hatten, haben bessere Schulnoten als andere. Darüber hinaus sind sie gewissenhafter, offener und ehrgeiziger. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Untersuchung auf der Basis von Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin. „Vor allem Jugendliche aus weniger gebildeten Familien profitieren vom Musikunterricht“, sagt SOEP-Direktor Jürgen Schupp, der die Studie gemeinsam mit dem DIW-Ökonomen Adrian Hille erstellt hat. Im Detail zeigt die Analyse der SOEPDaten: Jugendliche, die schon in jungen Jahren Musikstunden hatten, haben bessere Schulnoten als andere. Besonders Jugendlichen aus weniger gebildeten Familien kommt der Musikunterricht zugute. Im Vergleich zu ihren Altersgenossen aus ähnlichen Herkunftsfamilien, die keinen Musikunterricht hatten, können sie im Durchschnitt wesentlich bessere Schulnoten vorweisen. Unter Jugendlichen aus gebildeteren Familien sind die Unterschiede wesentlich geringer. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Jugendliche, die von Kindesbeinen an musizieren, sind gewissenhafter als andere. Darüber hinaus sind sie offener, und auch ehrgeiziger: Die Berechnungen der For- scher zeigen, dass sie mit einer um acht Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als andere das Abitur und danach ein Studium anstreben. In ihren Analysen konnten die Forscher belegen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Musikunterricht in jungen Jahren und besseren Bildungserfolgen besteht. Dieser Zusammenhang bleibt auch bestehen, wenn zahlreiche Merkmale der Eltern statistisch berücksichtigt werden, zum Beispiel deren Bildungsniveau und Einkommen. Nur zum Teil lässt sich der Bildungserfolg der musizierenden Jugendlichen durch deren Elternhäuser erklären. Gleichwohl entscheidet die Bildung der Eltern noch immer maßgeblich darüber, ob Jugendliche außerhalb der Schule musizieren oder nicht. Nach wie vor nehmen vor allem Jugendliche aus höheren sozialen Schichten Musikstunden. Die Wissenschaftler fordern daher eine stärkere staatliche Förderung von außerschulischem Musikunterricht, an dem Jugendliche unabhängig von der sozialen Stellung ihrer Eltern teilnehmen können. Quelle: idw Bildquelle: wikipedia/ Autor: Sp5uhe

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