Samira im Spiegel des Flusses

 

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Samira im Spiegel des Flusses

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samira im spiegel des flusses von uwe stöß

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© 2011 uwe stöß samira im spiegel des flusses seite 2 von 7

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inst als die erde aus den feuern des himmels stürzte dessen seele nicht gewalt mehr sondern entstehung war erstarrte alles und es wurde still zugleich brach ein fluss von innen heraus sämtliches zu laben und noch bevor das inferno sonne wurde das chaos welt bäumte es sich ein letztes mal auf eine einzelne flamme der erde hinterdrein zu schleudern als eine lohe die windumworben zum fluss hinstrebte an dessen ufern heimat zu finden da unterbrach der fluss seinen lauf um die botin der sonne zu prüfen er betrachtete sie genau die niedergegangene die im feuernen gewand ob sie seiner würdig sei und spannte sich in seinem bett dass er spiegel wurde und die lohe hielt darinnen inne allgemach aus dem feuer atmend nackt wie die gestirne vor dem leben vom brodem des infernos so dunkel geschliffen die plötzliche haut machte sie sich bereit den fluss um alles anzurufen ihn drängte es sogleich angefüllt mit aller herrlichkeit wie er war verschwenderisch zu werden und er übergoss das geschöpf mit aller seele und allem anmut die er in sich fand er war noch voll davon er gab alles her er wollte jetzt reichlich geben anmut und seele zusammen würden nur einmal gereicht nur dieses eine mal in allem anfang so empfing die auserwählte noch dazu eleganz und grazie und schönheit eine ganz reine eine tiefe eine klare und ein paar tropfen eines geheimnisvollen zaubers obenauf es erstrahlte jenes zwischen seele und herz das gott viel viel später unbeachtet ließ es erstrahlte genau dort wo für gewöhnlich der kleinmut wimmert ganz dünn lebenslang und nicht genug schmerz und des neuen weibes seele trank gierig von allem dass sie edel würde und groß und sehend so stand die anmutig gewordene im tosen des flusses der kein ende zu finden schien in seiner verschwendung und erst als alle gaben die grenze des irdischen zu überschreiten drohten gab er seine schöpfung frei um atem zu holen bevor er jedoch der schönen wilden heimat sein wollte verlangte er von ihr ihm zurückzugeben was dem verschwenden inne liegt eitelkeit und hochmut sie gab dem fluss was er verlangte sie versprach zu be© 2011 uwe stöß samira im spiegel des flusses seite 3 von 7 e

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herzigen was er ihr riet und sie blieb ahnungslos ihres ebenmäßigen leibes das was sie von sich selbst überzeugt hätte hatte der fluss von ihr zurück gefordert sie wuchs mit der gabe ehrfürchtig zu bestaunen die anderen dinge auch die unwichtigen die kleinen die winzigen ohne die ein beginn nicht hätte beginnen können ihre schönheit war ein geschenk des flusses ein geschenk des entstehens diesem allein gebührte der respekt sie versuchte ihren mund der schon eifrig atem trank ein erstes lachen zu lehren das zwischen den lippen aufschimmerte gleich einem quell von milch und es schwoll bald an wie der himmel abessiniens an diesem ersten tag ein rest der um den mund keinen platz mehr fand eilte in die blankheit der augen blitzte dort auf hinter einem mahagonifarbenen blick ganz weiß ganz kurz auch sehnsucht wohnte dem inne keine vermissende eine eher aufmerksame die augenlidern gebot sich für den moment zu schließen das lachen würde noch viel schöner so sah es der fluss in seinem spiegel wäre es gesäumt von haaren die er dem mädchen mithin wachsen ließ finster wie seine tiefsten tiefen wellengleich und ungestüm wie seine strudel flutete es gleichermaßen hinab über den rücken rankend bis der sich verjüngte dort wo die schmalheit des leibes endete er sich wieder zu wölben begann schien es in einem letzten kräuseln zu verebben im fluss trieben purpurn die scherben der auf ihm zerschellten sonne sie schnitten auf die wogen und es quoll hervor ein falbes bisweilen smaragdgrünes scheinen das noch einmal aufglomm satt und abendmüde mit jenem gold des letzten augenblickes ehe das zwielicht mattsilbern alles sich nimmt für immer einmal alles beendet so hatte die sonne ihren schmuck dem fluss dargebracht ihn zu hüten für diese nacht und das mädchen nahm sich vom purpur einen armreif und es nahm sich vom blau und zaghaft vom silber und weil ihr der fluss die versuchung gelassen hatte nahm es auch vom gold auch einmal mehr denn die hälfte ihres lebens an einem tag war vollbracht sie klaubte von der erde auf ton für einen krug dort hinein gab sie ein stück des flusses sie zu laben sie zu beglei© 2011 uwe stöß samira im spiegel des flusses seite 4 von 7

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ten sie wiederkehren zu lassen sie schlüpfte in das stoffgewordene flammengewand und entdeckte über den wipfeln der bäume wo der tag sich allmählich schwarz blutete eine neue kalte sonne ein fremdes licht brillierte auf des mädchens haut ein licht das noch dabei war leuchten zu erlernen als sie so nach oben blickte hin zum neuen gestirn das kinn gereckt die linie des halses verlängernd strafften die hochgewordenen wangenknochen jene leichtigkeit der pulsierenden lippen als würde das lächeln mehr wissen wollen als würde es fester als versuche der mund still und rot sich klar zu werden über das was allzeit unabänderbar im mahagoni der augen flackerte ein zweifel nur kurz kaum wahrnehmbar denn der mund ließ sie nicht zu diese angst und das mädchen auch nicht nicht hinter der stirn die erhaben an der nacht sich kühlte nicht in den augen nur dazwischen fand sie eine kleine heimat im verstohlen sein die ängstliche winzigkeit die so gut war und aufmerksam für das blauschwarze vor dem leben als das mädchen die hand hob dem fluss lebewohl zu sagen flammte der armreif auf ein stück des flusses ein purpurnes ein stück geburt ein stück weiterziehen und er würde am ende verblassen ein teil des vergehens allen vergehens es sei auch eitel vergängnis zu leugnen hatte sie vom fluss erfahren das mädchen machte sich auf den weg vorsichtig nun setzte sie einen fuß genau vor den anderen mit ihren zehen die erde ertastend immer schneller immer rhythmischer immer mehr im einklang mit ihrem schöpfer mit dessen kraftvollem fließen mit dessen ruhigem strömen mit dessen drängen und der weg führte sie unter einen jacarandabaum dessen blüten ihr himmelblau in die nacht hinab tropften wie morgenklare verheißungen und im untersten der krone erblickte sie einen seltsamen gast einen tukan der mit schräg gestelltem kopf an seinem mächtigen schnabel vorbei schauend sie musterte als der chronist im sonntagsstaat seines gefieders der erste der zeit einer der nicht schreiben konnte der stattdessen seine augen schloss genüsslich wie es © 2011 uwe stöß samira im spiegel des flusses seite 5 von 7

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schien hinter seinen lidern das unglaubliche festzuhalten auf ewig versiegelt das was dem irdischen zu denken nie möglich sein würde z u einer anderen zeit weitab des jacarandabaumes tritt einstudierten schrittes sabrina williams aus der reihe der miss world anwärterinnen die jury hatte sie gewählt die übrigen einundfünfzig mädchen rieben betrübt oder affektiert lächelnd am rand der bühne ihre knie aneinander sabrina stieg aufs podium der dickliche moderator schwitzte wegen der vielen jungen straffen haut und auch wegen der achtzigtausend watt beleuchtung während die anderen beauties noch immer gewaltsam lächelten thronte sabrina die siegerin der proportionen wie eine prinzessin auf der immer mehr ansteigenden welle des applauses tausender sichtbarer und millionen unsichtbarer klatscher denn alles galt ihr die beine hinten waren schon zurück gereiht dorthin wo sie ob krumm oder behaart einfach nur beine waren die ihren besitzern ortswechsel ermöglichten sabrinas haar fiel brünett professionell unordentlich mit dem auf ihnen liegenden erforderlichen sternenfeld über die jungen aber schon elfenbein genannten schultern mommy und daddy standen in der ersten reihe neben bürgermeister und senator ihre körper wurden geschüttelt vom klatschen der hände ihre augen verschleiert teils von tränen teils von der bestätigung dessen immer gewusst zu haben etwas besonderes zu besitzen auch in den augen der tochter den niedlich großen fanden sich tränen ein ein paar ehrliche ein paar neben der rolle die sie von klein auf gelehrt bekommen hatte die langen wimpern über der anrührenden feuchtigkeit verwehrten einen tieferen blick in sabrinas augen in denen man entbehrung traurig schimmernd erkennen würde die sich in berechnendes abwägendes verwandelt dort in der nähe des reinen glanzes wurde schon geld ausgegeben viel geld um an einer kindheit die eine show gewesen war rache zu nehmen und die nasenflügel übten sich im eitlen blähen dass immer mehr nach den lippen griff sich ihrer spitz zu bedienen die samira im spiegel des flusses seite 6 von 7 © 2011 uwe stöß

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wieder gewöhnlich und keiner besonderen betrachtung mehr als wert empfunden gewordenen mädchen traten ab von den brettern denen sie nichts mehr bedeuteten die optik gebührte der winnerin das hatte sich in sabrina festgesetzt sie gehörte dem publikum den werbefirmen den managern die sie ein produkt nennen werden vielleicht dem fernsehen vielleicht sogar dem film eher kurz würde sie wandeln dort wo selbst große stars den staub ihrer vermeintlich einmaligen blüte abgerieben hatten an den kameras und scheinwerfen den vorhängen und treppen den dingen die nur namen haben aber kein gedächtnis absehbare zeit würde sie leuchten im künstlichen licht in trivialem glanz den abzuschalten nur ein finger gebraucht würde sabrina hatte keinen fluss in ihrem anfang gehabt nicht dessen spiegel m spiegel eines flusses des flusses an dem alles begonnen hatte dort in Äthiopien wo der tag die erste helligkeit zu schlürfen sich aufmachte wo der jacarandabaum wie eine hand aus palisander gewachsen junges blau vom himmel zupfte seine hölzernen finger damit zu zieren wo der daumen noch darauf wartete geschmückt zu werden kniete samira den fluss zu bitten ihr auch heute wasser zu geben ls wiedergeborene der vom fluss so reich beschenkten stolzen abessinierin blickte samira wie all die anderen vor ihr in des flusses spiegel und dort sah sie nur die krone des jacarandabaumes in dem der himmel nicht alt geworden ist und sah wie schön er war der tukan erblickte im spiegel des flusses das antlitz der königin der welt und dann schloss er geschuldet jenem allerersten tag seine lider i a © 2011 uwe stöß samira im spiegel des flusses seite 7 von 7

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