Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten Ausgabe 06/2014

 

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Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten Ausgabe 06/2014

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Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten Dezember 2014 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten • 6/14 Potsdam III – Auf der Zielgeraden Abschied von Prof. Niethard DKOU – Wissen schafft Vertrauen

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Editorial Potsdam III – Auf der Zielgeraden zu O & U kunft gesehen. Dem steht eine Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie gegenüber, deren Entwicklung selbst noch nicht ganz abgeschlossen ist. Die „Marke“ O+U ist wichtige Klammer. Nach Meinung der Teilnehmer muss sie die manchmal durchaus unterschiedlichen Interessen im übergeordneten Sinne koordinieren. Die DGOU ist bereits jetzt die größte chirurgische Fachgesellschaft Deutschlands, der BVOU gehört zu den großen Berufsverbänden und zahlreiche der Orthopädie und Unfallchirurgie angeschlossene Sektionen nehmen einen wesentlichen Platz in der Versorgungsaber auch wissenschaftlichen Landschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie in Deutschland ein. Die Attraktivität von O+U ist ungebrochen. Im Jahr 2018 werden die Neumitglieder allein für O+U stärker sein, als die herkömmlich über die Einzelfachgesellschaften für die Orthopädie und Unfallchirurgie eingetretenen Mitglieder. Orthopädie und Unfallchirurgie sind in ihrer Gemeinsamkeit also „alternativlos“. Das haben die Teilnehmer von Potsdam III auch noch einmal unterstrichen. Die DGOU ist der Kernbereich. Sie übernimmt alle Aufgaben von Orthopädie und Unfallchirurgie und koordiniert diese, wenn sie denn im Rahmen eines „strategischen Korridors“ (Positionspapier Potsdam II) von DGU bzw. DGOOC bearbeitet werden. Bei alldem war man der Meinung, dass eine Stärkung der DGOU erforderlich ist, weil die Gemeinsamkeit noch nicht in allen Bereichen stringent umgesetzt ist. In der studentischen Ausbildung z.  B. wird die Unfallchirurgie größtenteils mit der Chirurgie abgehandelt, die Orthopädie entsprechend der alten Approbationsordnung nach wie vor eigenständig. Der vermeintliche Vorteil, dass man dadurch PJ‘ler aus zwei Bereichen gewinnen könne, hat sich nicht bewahrheitet. Alle Umfragen zeigen, dass annähernd die Hälfte der in der Chirurgie tätigen PJ’ler anschließend von der Chirurgie Abstand hält. Unter den Aspekten der zunehmend wichtiger werdenden Nachwuchsakquise auch für Orthopädie und Unfallchirurgie ist es daher erforderlich, dass Orthopädie und Unfallchirurgie auch gemeinsam in der studentischen Ausbildung verankert werden. Abb. 1: 40 Vertreter aus O & U gingen vom 14. bis 15. November in Klausur. Foto: Susanne Herda Zweimal schon hatten Vertreter der Fachgesellschaften und des Berufsverbandes von Orthopädie und Unfallchirurgie in Potsdam getagt. Beim ersten Mal 2007 war es noch die Union für Orthopädie und Unfallchirurgie, 2010 dann schon die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und jetzt ging es zusammen mit dem Berufsverband um das „Ganze“ der Orthopädie und Unfallchirurgie. Denn O+U ist ein Erfolgsmodell, aber ein noch nicht ganz vollkommenes und so stand in Potsdam III die Zielgrade vor Augen. Die historische Stätte des Cecilienhofes von den Treffen 2007 und 2010 stand diesmal nicht zu Verfügung; das etwas abseits von Potsdam in einem Wildgehege gelegene Bayrische Haus war aber ein perfekter Ersatz, ebenso historisch besetzt und für die Klausur geradezu wie geschaffen. Annähernd 40 Vertreter aus Orthopädie und Unfallchirurgie hatten sich zusammengefunden, um an zwei Tagen die derzeitige und zukünftige Situation von Orthopädie und Unfallchirurgie zu analysieren (▶  Abb.  1). „Wer sind wir?“ war die Frage, die den drei Arbeitsgruppen des Gremiums mit unterschiedlichen Schwerpunkten am ersten Tag gestellt wurde. „Und wo geht es hin?“ war die Frage, die Antworten zu den unterschiedlichsten Herausforderungen an Orthopädie und Unfallchirurgie bringen sollte. Dabei ging es natürlich um die zukünftige Organisation und Struktur der DGOU, um die Kooperation mit dem Berufsverband, um die Interaktion mit angrenzenden Fächern, Gebieten und Berufsgruppen, um die sich ständige ändernde Versorgungslandschaft und sich daraus ergebende Ansätze für sektorenübergreifende Operationen, für Netzwerkstrukturen, für Zentrenbildung und Zertifizierung und – nicht zuletzt – um die Positionierung von Orthopädie und Unfallchirurgie im europäischen und internationalen Raum. Bereits 2007 wurden in Potsdam I vorrangige Ziele von Orthopädie und Unfallchirurgie formuliert: ■■ Eine in erster Linie dem Wohl der Patienten und nicht der zunehmenden Ökonomisierung verpflichtete ärztliche Versorgung – ohne jedoch die wirtschaftlichen Erfordernisse aus dem Blick zu lassen. ■■ Die Sicherung einer zukunftsweisenden Aus- und Weiterbildung von Spezialisten im Bereich muskuloskelettaler Erkrankungen und Unfallverletzungen. ■■ Eine Professionalisierung universitärer Forschungsarbeit. Diese Ziele haben sich nicht geändert, geändert aber haben sich die Randbedingungen. Die in den einzelnen Arbeitsgruppen erstellte Bestandsaufnahme im Sinne einer SWOT-Analyse zeigte, dass die Attraktivität der DGOU in den sechs Jahren seit ihrer Gründung enorm gewachsen ist. Dafür spricht allein die Aufnahme des 10.000sten Mitgliedes anlässlich des DKOU 2014. Dafür spricht auch die inzwischen auf 20 angewachsene Anzahl von Sektionen. Diese spiegeln nicht zuletzt auch die sich stetig ändernde Versorgungslandschaft wider. Zentrenbildung und Zertifizierung werden von vielen spezialisierten Gruppierungen aus O+U als Heilsbringer einer leuchtenden Zu- Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014 561

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Editorial Die Einheit beginnt zu zweit. Auch in der Versorgungslandschaft muss der besonderen Bedeutung von Orthopädie und Unfallchirurgie Rechnung getragen werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat bereits 2012 entschieden, dass Orthopädie und Unfallchirurgie aus dem Gebiet Chirurgie heraus wegen der großen Versorgungslast für die kommenden Jahrzehnte gesondert betrachtet werden sollen. Im Weiteren soll ein eigenes EBM-Kapitel hinzukommen. Dies wiederum erfordert, dass in der Krankenhauslandschaft eine entsprechende Struktur dargestellt wird. Die Krankenhausplanungen berücksichtigen jedoch immer häufiger das Gebiet Chirurgie, ohne dass auf die speziellen Anforderungen für Orthopädie und Unfallchirurgie eingegangen wird. Dies wird einer dem Wohl des Patienten verpflichteten ärztlichen Versorgung in Orthopädie und Unfallchirurgie nicht gerecht. Eine Anpassung ambulanter und stationärer Versorgungsstrukturen scheint auch allein deswegen geboten, weil von politischer Seite sektorenübergreifende Versorgungskonzepte besonders gefördert werden sollen. Das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie ist aber besonders geeignet, diese „Kompetenz aus einer Hand“ anzubieten; denn nur in wenigen Fächern werden Ärzte in der ambulanten als auch stationären Versorgung im gleichen Weiterbildungskonzept geschult und auf die Herausforderungen des Berufes vorbereitet. Für derartige sektorenübergreifende Konzepte ist die Kooperation von Fachgesellschaft und Berufsverband essentiell. Die Teilnehmer der Konferenz halten daher die Erarbeitung von Konzepten für einen gemeinsamen Auftritt sämtlicher Orthopäden und Unfallchirurgen für vorrangig. Der ursprünglich tiefe Graben zwischen ambulanter und stationärer Versorgung ist durch die Veränderung der Versorgungslandschaft in den letzten Jahren ohnehin größtenteils zugeschüttet und wird – politisch gewollt – wohl eines Tages ganz verschwinden. Insofern sind die Entscheider in allen Gremien von Berufsverbänden und Fachgesellschaften gefragt, zukunftsweisende Konzepte für ihre Mitglieder und den Nachwuchs zu entwickeln. Der Kooperation mit angrenzenden Fächern, Gebieten und Berufsgruppen wurde eine intensive Diskussionsrunde gewidmet, zumal Dispute mit verschiedenen Berufsgruppen im Zusammenhang mit der Formulierung der neuen Weiterbildungsinhalte, mit anderen Berufsgruppen auch wegen Versorgungskonzepten und offiziellen Vertretungspositionen anstanden. Die Teilnehmer der Potsdamer Konferenz III haben sich dabei durchgehend zum Leitbild der DGOU und dem Bezug zum Gebiet Chirurgie bekannt. Auch wenn die schon 2010 diskutierten Konzepte eines Dachverbandes der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und Kooperationsmodelle mit dem Berufsverband der Chirurgie (BDC) bisher nicht realisiert wurden, hält man doch die Kooperation der chirurgischen Fächer und Gebiete für dringend geboten, um aus der Gemeinsamkeit auch auf dieser Ebene Stärke zu entwickeln. Dass die DGOU dabei Dachverbandstrukturen präferiert, hat sich seit dem Positionspapier von 2010 nicht geändert. Nicht zuletzt hat sich Potsdam III mit den Aspekten von Europäisierung und Internationalisierung beschäftigt. Die Ortho- pädie und Unfallchirurgie ist auch im europäischen Raum die größte Berufsgruppe ihres Bereiches. Dies spiegelt sich bei den europäischen Kongressen (EFORT, ESTES) kaum wider. Die Beteiligung aus Deutschland ist unterproportioniert. Viele Orthopäden und Unfallchirurgen Deutschlands sehen wohl das Angebot des DKOU – und noch dazu deutschsprachig – als ausreichend an, so dass ein Besuch ausländischer und europäischer Kongresse für „überflüssig“ angesehen wird. Dies aber schmälert den Einfluss der deutschsprachigen Orthopädie und Unfallchirurgie auf europäischer Ebene. Das deutschsprachige Modell wiederum ist aber einzigartig. Denn in vielen anderen und insbesondere den angloamerikanischen und skandinavischen Ländern stellen sich Orthopädie - Unfallchirurgie - Rheumatologie anders dar. Insofern hat die deutsche Orthopädie und Unfallchirurgie ein großes Interesse, sich im europäischen Raum besser zu positionieren. Erste Schritte hierzu wurden begangen. Eine bessere Repräsentation von Orthopädie und Unfallchirurgie in den Gremien der EFORT wird angestrebt und muss nachhaltig gefördert werden. Auch unter dem Eindruck der Normierungsbestrebungen des CEN (Comité Européen de Normisation) aus Brüssel und neuerer Vorschläge zur Europäisierung eines Curriculums für Orthopädie und Unfallchirurgie über EFORT und UEMS wird sich die Deutsche Orthopädie und Unfallchirurgie positionieren. Orthopädie und Unfallchirurgie sind auf einem guten Weg, einem Weg des Vertrauens unter den Mitwirkenden und Entscheidern. „Was heute diskutiert werden kann, war noch vor wenigen Jahren undenkbar!“ – so hat es ein Mitglied von Potsdam III treffend ausgedrückt. Es bleibt allerdings noch einiges zu tun, um das Fach in seiner Ganzheit und Vollkommenheit abzubilden. Mit der Diskussion und den abschließenden Empfehlungen aus Potsdam III biegt nun die Orthopädie und Unfallchirurgie auf die Zielgerade ein. Foto: Susanne Herda Prof. Dr. Fritz Uwe Niethard Generalsekretär DGOOC Prof. Dr. Reinhard Hoffmann Generalsekretär DGU Dr. med. Johannes Flechtenmacher Präsident BVOU 562 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014

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Editorial Potsdam III – Auf der Zielgeraden zu O & U 561 Präsidentenrede Prof. Windhagen Eine kurze Rede über das Wissen Das Ziel ist die Aufwertung unserer Arbeit Was ist Vertrauen? 589 Präsidentenrede Dr. Flechtenmacher 592 Impressum Nachrichten 568 Präsidentenrede Prof. Dr. Bouillon 594 Int e rv i e w m i t d e n Kon g r e ss ­p r ä s i d e nt e n 561 Potsdam III – Auf der Zielgeraden zu O &U: „Was heute diskutiert werden kann, war noch vor wenigen Jahren undenkbar.“ Es gilt weiterhin die „Marke“ O & U zu stärken und damit die DGOU, in der Ausbildung und der Versorgungslandschaft. Kurz und bündig Patientensicherheit ungewiss? Große regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung Bundesärztekammer relativiert Europäisches Facharztexamen Sonderforschungsbereich für Traumaforschung bewilligt Glaubwürdigkeit durch Transparenz BSG bestätigt Mindestmenge für Knie-TEP Nationales Gesundheitsziel: Patientensicherheit 570 570 Die Einheit ist nicht mehr verhandelbar Ehre, wem Ehre gebührt 596 Pr e i s e und E h run g e n 598 571 571 572 Deutscher Journalistenpreis Orthopädie und Unfallchirurgie 2014 Notfallretter und Spitzenmediziner für Knochen und Gelenke 604 Tag der Studierenden 572 O & U ist eine attraktive Perspektive 606 Pos i t i ons pa p i e r 572 Operieren in der Schwangerschaft 608 S umm e r S c h ool 2 0 1 4 573 Horizonte öffnen – Neues entdecken! 610 Tag d e r T ech n i s ch e n O rt h o pä d i e 573 Interdisziplinäre Kooperation von Vorteil Traumanetzwerk Salzburg Der Arthrosetag 612 578 Mit FUN ist es noch nicht vorbei: Über 12 Jahre erfolgreich und unumstritten als Generalsekretär einer „vereinsreichen“ DGOOC und mehrere Jahre als Generalsekretär der DGOU – Interessenvertretung eines jungen Faches in der Selbstfindung. Jetzt kommt der Abschied – oder doch nicht? T rauma z e ntr e n i nt e rnat i onal Politik STeLLUNgNAhMe BVOU UND DgOU 613 Pat i e nt e nta g au f d e m D KO U Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung 574 D KO U 2 0 1 4 : E B M - R e f orm 615 T N T- Kon g r e ss Viele neue Pläne für die Schwerverletztenversorgung 617 Rezepte für die Zukunft: Günstige Rahmenbedingungen nutzen D KO U 2 0 1 4 : Honorar p ol i t i k 576 Neue S3-Leitlinie zur Verbesserung der Patientenversorgung EBM – ein Fach, ein Kapitel für OU 577 Volumentherapie im OP und auf der Intensivstation Neue AWMF S3 Leitlinie „Osteoporose“ DMP Kreuzschmer z 619 Dachverband Osteologie (DVO) e.V. Aus unserem Fach 620 584 564 Wissen schafft Vertrauen: DKOU 2014: Die nicht mehr verhandelbare Einheit von O & U und die ärztliche Berufung als Gegenpol zur Ökonomisierung waren wesentliche Botschaften auf dem Kongress. Es kamen mehr als 11.000 Teilnehmer. A bs c h i e d Pro f. N i e t h ard Mit FUN ist es noch nicht vorbei D KO U 2 0 1 4 578 Das Kreuz mit dem Kreuz Potsdam III 621 Wissen schafft Vertrauen 584 Kritische Bestandsaufnahme der Forschung im Fachbereich O & U 622 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014

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BVOU Berufsunterbrechungs-Versicherung für Orthopäden 639 Erbringung und Abrechnung wahl­ ärztlicher Leistungen durch nicht fest angestellte Honorarärzte 640 Neue Mitglieder Änderungen der Mandatsträger in den BVOU-Bezirken 641 DGOU DGOU begrüßt ihr 10.000stes Mitglied Interview: Möglicherweise bin ich ein Leitwolf Protokoll der Mitglieder­ versammlung der DGOU 650 DGU Erstes Treffen des Ausschusses TNW der DGU 672 651 Sektion Kindertraumatologie 2014 673 Aus dem Wissenschaftsausschuss der DGU 674 „Staffelstabübergabe“ in der Leitung der AG Septische Chirurgie 675 Aus dem Programmausschuss der DGU Jahresbericht der AG Ultraschall Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. Neue Mitglieder 653 641 Bericht der Sektion für Grundlagen­ forschung der DGOU (SGF) 656 In eigener Sache Ärztekammer Berlin und DGOU kooperieren mit Dubai ­ Neue Mitglieder 658 „Zeigt her Eure Füße“ – Orthofit-Aktion an Grundschulen 642 DKOU 2014: BVOU Mitgliederversammlung 1. Stuttgarter Osteoporosetag Fachexkursionen für BVOU-Mitglieder in 2015 676 677 643 645 658 659 DGOOC 100 Jahre Oskar-Helene-Heim PROTOKOLL zur Mitglieder­ versammlung 2014 der DGOOC 662 679 681 646 VLOU VLOU-Jahresbericht 2014 682 665 Recht und Wirtschaft V e rtra g s g e staltun g Forum der Nichtselbstständigen Ärzte der DGOOC Prof. Dr. Ernst Marquardt zum 90. Geburtstag Neue Mitglieder 668 Wettbewerbsverbote für ausscheidende Chef- und Oberärzte 624 R ec h tl i c h e A s p e kt e d e r W e i t e rb i ldun g Für Sie gelesen Für unsere Mitglieder Kursangebote Service / Preise OU Medizin und Markt 684 669 670 Was darf der Weiterbildungsassistent, was nicht? 627 686 693 698 Unterwegs R e i s e st i p e nd i um EF O R T EFORT 2014 Autumn Travelling Fellowship 630 Namen Personalia Wir gratulieren . . . Ein Vater von O & U 632 634 635 Folgen Sie uns auf Facebook: Die Vorstände von BVOU, DGOOC, DGOU, DGU und VLOU wünschen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr! www.facebook.de/dgou.ev 566 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014

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Impressum Herausgeber Für den Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Präsident Dr. med. Johannes Flechtenmacher Für die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard Für die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann Schriftleitung DGOOC Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle DGOOC Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: funiethard@dgooc.de Schriftleitung BVOU Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle BVOU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 30 02 40 92 12 Fax: (0 30) 30 02 40 92 19 E-Mail: dreinhoefer@bvou.net Schriftleitung DGU Prof. Dr. Reinhard Hoffmann Joachim Arndt Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de Schriftleitung VLOU Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller Geschäftsstelle VLOU Straße des 17. Juni 106-108 10623 Berlin Tel.: (030) 340 60 36 60 Fax: (030) 340 60 36 61 E-Mail: info@vlou.de Redaktion Ines Landschek Tel.: (0 30) 340 60 36 00 E-Mail: ines.landschek@snafu.de Verlag Georg Thieme Verlag KG Dr. Grit Vollmer Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 630 Fax: (07 11) 89 31 408 E-Mail: grit.vollmer@thieme.de www.thieme.de/oumn www.thieme-connect.de/products/oumn Verantwortlich für den Anzeigenteil Christine Volpp, Thieme Media, Pharmedia Anzeigen- und Verlagsservice GmbH Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 603 Fax: (07 11) 89 31 470 E-Mail: christine.volpp@thieme.de Erscheinungsweise 6 x jährlich: Februar/April/Juni/August/ Oktober/Dezember Zur Zeit gültiger Anzeigentarif Nr. 19 vom 1. Oktober 2014 ISSN 2193-5254 Satz und Layout L42 Media Solutions, Berlin Druck Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG Gewerbering West 27 39240 Calbe Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Vorstand Präsident Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Karlsruhe Vizepräsident Helmut Mälzer, Berlin Vizepräsident Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer, Berlin Vizepräsident Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Schatzmeister Dr. med. Helmut Weinhart, Starnberg Vorstandsmitglied Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz, Brandenburg Vorstandsmitglied Dr. med. Andreas Gassen, Düsseldorf Vorstandsmitglied Prof. Dr. med. Alexander Beck, Würzburg Generalsekretär der DGOU Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Aachen Geschäftsstelle des BVOU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 79 74 44 44 Fax: (0 30) 79 74 44 45 E-Mail: bvou@bvou.net www.bvou.net Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Bertil Bouillon, Köln Erster Vizepräsident Prof. Dr. Christoph Josten, Leipzig Zweiter Vizepräsident Prof. Dr. med. Michael Nerlich, Regensburg Dritter Vizepräsident Prof. Dr. med. Florian Gebhard, Ulm Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/ Main Schatzmeister Prof. Dr. Joachim Windolf, Düsseldorf Schriftführer Prof. Dr. Andreas Seekamp, Kiel Geschäftsführer der AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH Prof. Dr. Johannes Sturm, München/Münster Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de www.dgu-online.de Mitglieder der oben genannten Verbänden und Gesellschaften erhalten die ­ Zeitschrift im Rahmen der Mitgliedschaft. JHSUIW)DFKDU]W6WXGLH Mitglied der Arbeitsgemeinschaft LA-MED Kom­munikationsforschung im Gesundheitswesen e. V. Mitglied der Informationsgesellschaft zur Fest­ stellung der Verbreitung von ­Werbeträgern e.  V. Bezugspreise 2015* Persönliches Abonnement Abo Versandkosten Inland Europa Weltweit 36,80 44,90 36,80 44,90 Gesamtkosten Inland 266,60 452,60 Europa 368,80 454,80 Weltweit 276,90 462,90 232,00 34,60 Institutionelles Abonnement 418,00** 34,60 * Jährliche Bezugspreise in € (D); unverbindlich empfohlene Preise. Preisänderungen vorbehalten. Preis für ein Einzelheft 9,50 € zzgl. Versandkosten ab Verlagsort. Das Abonnement wird zum Jahreswechsel im voraus berechnet und zur Zahlung fällig. Die Bezugsdauer verlängert sich jeweils um ein Jahr, wenn nicht eine Abbestellung zum 30. September vorliegt. **der institutionelle Jahresbezugspreis inkludiert Online-Zugriff für 1 Standort 568 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014

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Impressum Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident (und Präsident der DGOOC) Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Düsseldorf Stellv. Präsident (und Präsident der DGU) Prof. Dr. med. Bertil Bouillon, Köln 2. Vizepräsidenten von DGU und DGOOC Prof. Dr. med. Michael Nerlich, Regensburg Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf Generalsekretär (und Generalsekretär der DGOOC) Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Aachen Stellv. Generalsekretär (und Generalsekretär der DGU) Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/Main Schatzmeister (und Schatzmeister der DGU) Prof. Dr. med. Joachim Windolf, Düsseldorf Vertreter der nichtselbständigen Ärzte aus dem nichtständigen Beirat Dr. Richard Stange, Münster Leiter des Ausschusses Versorgung, Qualität und Sicherheit Dr. Daniel Frank, Düsseldorf Leiterin des Ausschusses Bildung und Nachwuchs Prof. h.c. Dr. Almut Tempka, Berlin Leiter des Ausschusses Wissenschaft und Forschung Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim Grifka, Bad Abbach Vertreter des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Karlsruhe Vertreter des Berufsverbandes Deutscher Chirurgen (BDC) Dr. Jörg-A. Rüggeberg, Bremen Vertreter des Jungen Forums der DGOU Dr. Matthias Münzberg, Ludwigshafen DGOU-Geschäftsstelle Geschäftsführer Ulrich Biermann Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 00 Fax: (0 30) 340 60 36 01 office@dgou.de www.dgou.de Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Hannover 1. Vizepräsident Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Herzogenaurach 2. Vizepräsident Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf Generalsekretär Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Berlin Schatzmeister Prof. Dr. med. Werner E. Siebert, Kassel Präsident des Berufsverbandes BVOU Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Karlsruhe Orthopädischer Vertreter der ­ gemeinsamen Konferenz der Lehrstuhlinhaber für Orthopädie und Unfallchirurgie (gKLOU) Prof. Dr. med. Volker Ewerbeck, Heidelberg Vorsitzender VLOU Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Geschäftsstelle der DGOOC Straße des 17. Juni 106–108 (Eingang Bachstraße) 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: info@dgooc.de www.dgooc.de Österreichische Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Vorstand Präsident Prim. Dr. Peter Zenz, Wien/Österreich 1. Vizepräsident Univ. Prof. Dr. Stefan Nehrer, Krems/Österreich 2. Vizepräsident Prim. Univ. Prof. Dr. Mag. Bernd Stöckl, Österreich Generalsekretär Univ. Prof. Dr. Alexander Giurea, Wien/Österreich Kassierer Prim. Univ. Prof. Dr. Martin Dominkus, Österreich Schriftführer Univ. Prof. Dr. Catharina Chiari, Wien/Österreich Fachgruppenobermann Dr. Rudolf Sigmund, Oberwart/Österreich Sekretariat der ÖGO c/o Medizinische Akademie Alserstraße 4 A-1090 Wien Kontakt: Dagmar Serfezi Tel.: +43-1 - 405 13 83 21 Fax: +43-1 - 407 13 82 74 E-Mail:ds@medacad.org Verband leitender Orthopäden und Unfallchirurgen Deutschland e.V. Geschäftsführender Vorstand 1. Vorsitzender Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig 2. Vorsitzender Prof. Dr. med. Dietmar Pennig, Köln Schatzmeister Dr. med. Wilhelm Baur, Schwarzenbruck Schriftführer Dr. med. Walter Schäfer, Gummersbach Geschäftsstelle des VLOU Straße des 17. Juni 106-108 (Eingang Bachstraße) 10623 Berlin Tel.: (030) 340 60 36 60 Fax: (030) 340 60 36 61 E-Mail: info@vlou.de www.vlou.de Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014 569

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Kurz und bündig V.li. n. re: Oberstarzt Prof. Dr. Benedikt Friemert, Prof. Dr. Anita Ignatius, Generalarzt Dr. Armin Kalinowski, Prof. Dr. Thomas Wirth (Dekan). Kooperation zwischen Ulmer Universitätsmedizin und Bundeswehrkrankenhaus Großer Erfolg für Forscherinnen und Forscher der Ulmer Universitätsmedizin und ihrer Kooperationspartner vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm (BWK Ulm): Sie erhielten nun eine Förderzusage vom Sanitätsamt der Bundeswehr in Höhe von 1,5 Millionen Euro über drei Jahre für ihr Verbundprojekt „Entwicklung regenerativer Therapiekonzepte zur Behandlung von erworbenen Gewebe- und Funktionsdefekten”. „Dahinter verbirgt sich unser gemeinsames, übergeordnetes Ziel, die Folgen von traumatischen Verletzungen auf molekularer, zellulärer und Gewebe-Ebene zu erforschen und neue Therapien für Verletzungen von Knochen, Knorpel, Haut und Nerven zu entwickeln“, verdeutlicht Prof. Dr. Anita Ignatius, Sprecherin des Verbundprojekts. (red) Foto: gpointstudio_Fotolia Patientensicherheit ungewiss? Studie zum Home-Monitoring Je mehr Vertrauen Patienten in die Technologie haben, desto besser funktionieren Telemonitoring-Systeme. Das ist das Kernergebnis der EDUCAT-Studie, die der Hersteller kardiovaskulärer Medizintechnik BIOTRONIK durchgeführt hatte. Laut der EDUCAT Studie ging bei den Patienten ein besseres Verständnis der Anwendung von Telemonitoring mit einer positiven Wahrnehmung der Technologie einher. Das Aufstellen des Patientengeräts (CardioMessenger), das Signale vom Implantat empfängt und an den behandelnden Arzt weiterleitet, empfanden 93 Prozent von ihnen nicht als Belastung. Die Patienten beschrieben das Gerät als unauffällig, einfach, klein und komfortabel, da es keine Bedienung ihrerseits erfordert und völlig automatisch funktioniert. Schlussendlich zogen 98 Prozent der Patienten in Erwägung, Home Monitoring auch nach Studienende weiter zu nutzen. Dies unterstreiche die hohe Akzeptanz und zeigt, wie leicht sich die Technologie in den Alltag der Patienten integrieren lasse. (red) Die EU-Kommission unterstellt die Zulassung von Medizinprodukten nun doch nicht dem Gesundheitskommissar, sondern dem Ressort für Unternehmen und Industrie. Anlässlich dieser Entscheidung erklärte der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Josef Hecken: „Die Zulassung von Medizinprodukten war aus guten Gründen dem Gesundheitskommissariat unterstellt, um von vornherein Interessenkollisionen zu vermeiden. Medizinproduktezulassungen sind kein geeignetes Feld für industrie- oder wirtschaftspolitische Weichenstellungen – die Patientensicherheit darf nicht zum Spielball wirtschaftlicher Interessen werden. Die Sicherheit von Medizinprodukten darf niemals gegen wirtschafts- oder industriepolitische Erwägungen aufgewogen werden oder gar hinter diesen zurückstehen. Insbesondere dürfen Gewinnerwartungen oder Investitionen der Industrie nicht dazu führen, dass Prüfkriterien und Hürden in irgendeiner Weise abgesenkt oder abgeschwächt werden. Die Wirkmechanismen von Medizinprodukten werden immer komplexer, damit sind große Chancen, aber oft auch hohe Risiken für die Patienten verbunden. Der wirtschaftliche Nutzen für die Hersteller kann dabei kein maßgebliches Kriterium sein. Immerhin haben die massiven Proteste verschiedener gesundheitspolitischer Akteure dazu geführt, dass die Zuständigkeit für die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) im Gesundheitsressort verblieben ist. Damit ist dafür gesorgt, dass Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität von Arzneimitteln die alleinigen Prüfkriterien für die Zulassung von Arzneimittelwirkstoffen sind und bleiben.“ www.g-ba.de Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014 Klage gegen AOK-Krankenhausnavigator Die Kreiskliniken Gummersbach-Waldbröl und das St. Antonius Hospital Eschweiler wehren sich weiter gegen den AOK-Krankenhausnavigator. Im Rechtsstreit mit dem AOK-Bundesverband werden sie jetzt ein sogenanntes Hauptsacheverfahren beantragen, um die Kassen daran zu hindern, sogenannte QSR-Daten (Qualitätssicherung aus Routinedaten) zu veröffentlichen. Joachim Finklenburg, Hauptgeschäftsführer der Kliniken, erklärte, es sei auffällig, dass kleine Krankenhäuser bei den AOK-Bewertungen in der Regel schlechter abschnitten als große. Patienten, die den AOK-Klinik-Kompass nutzten, würden für ihre Behandlung also eher ein großes Haus wählen. „Ich vermute, die AOK möchte Patientenströme umlenken. Sie möchte wirtschaftliche Vorteile verhandeln. Ich glaube, das ist das große Problem, dass es nicht um Qualität geht“, so Finklenburg. Externe Experten hätten diese Zweifel in zwei Gutachten bestätigt. (red) 570

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Nachrichten Große regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung Selbst in sehr leistungsstarken Gesundheitssystemen hängt eine angemessene medizinische Versorgung oftmals vom Wohnort ab. In manchen Regionen wird acht Mal häufiger operiert als andernorts – ein Phänomen, das rein medizinisch nicht erklärbar ist. Das belegt eine aktuelle Studie der OECD und der Bertelsmann Stiftung, die insgesamt zehn medizinische Leistungen in 13 Staaten analysiert. Bei den untersuchten Indikationen werden zwischen den Ländern Unterschiede bis zum Vierfachen deutlich. Innerhalb der Länder reichen die Unterschiede sogar bis zum Sechsfachen, beispielsweise bei den Kaiserschnittraten in Italien. In manchen Städten und Landkreisen werden acht Mal mehr Einwohner an Mandeln operiert als anderswo. Ähnlich große regionale Unterschiede gibt es bei der Entfernung des Blinddarms, der Prostata oder beim Einsetzen eines Defibrillators am Herzen. „Deutlich besser als bei den in der Studie untersuchten Indikationen sind die Zahlen allerdings im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie“, sagt Prof. Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). „Aus dem Versorgungsatlas liegen uns Daten zur Hüftund Knieendoprothetik, zu Wirbelsäuleneingriffen und zur Arthroskopie vor. Demnach ist der Unterschied zwischen höchster und niedrigster Versorgungsrate bei Gelenkersatzoperation mit dem Zweieinhalbfachen ausgesprochen gering und deutlich niedriger als beispielsweise in Großbritannien, das über ein staatliches Gesundheitssystem verfügt.“ Dies belegt auch der neueste Bericht des AQUA-Qualitätsreports 2013, wonach sich die Indikationssicherheit insbesondere bei diesen Operationen weiterhin verbessert hat. „Deutliche regionale Unterschiede gibt es allerdings bei Wirbelsäuleneingriffen und Gelenkspiegelungen. Die Ursache hierfür kann aber wegen der gleichzeitigen Leistungserbringung in Klinik und Praxis nicht näher belegt werden“, sagt Niethard. Um die jährlichen stationären Versorgungsraten und deren regionale Verteilung vergleichen zu können, hat die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) 2013 gemeinsam mit der DGOU und der AOK mit dem Versorgungatlas ein System zur Erfassung der häufigsten und wichtigsten orthopädisch-chirurgischen Eingriffe auf den Weg gebracht. Eine auch sektorenübergreifende Dokumentation und Qualitätssicherung ist in Planung. Miriam Buchmann-Alisch Wohnort als Risiko: www.faktencheck-gesundheit.de Bundesärztekammer relativiert Als wenig Aussagekräftig hat der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, die Ergebnisse von Studien der OECD und der Bertelsmann-Stiftung zu regionalen Unterschieden bei Operationshäufigkeiten bezeichnet. Untersucht wurde die Häufigkeit bestimmter Operationen in allen 402 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten. Analysiert wurden dazu eine Reihe von gängigen Operationsverfahren. Der Studie der Bertelsmann-Stiftung (siehe oben) zufolge weicht beispielsweise die Zahl der Mandelentfernungen in 137 Städten und Gemeinden um mehr als 30 Prozent vom bundesdeutschen Durchschnitt ab. Dies lege die Vermutung nahe, dass die betroffenen Kinder in jeder dritten Stadt und jedem dritten Kreis entweder über- oder unterversorgt würden, so die Autoren. Auch beim Einsatz von künstlichen Kniegelenken, bei Kaiserschnitten und Gebärmutterentfernungen unterscheide sich die Operationshäufigkeit zwischen den Regionen um das Zwei- bis Dreifache. Eine parallel dazu von der OECD vorgestellte Untersuchung kommt für andere Länder wie Frankreich, Spanien oder England zu ähnlichen Ergebnissen. „Wer krankt ist oder aus einem anderen Grund medizinische Hilfe braucht, wird nicht überall gleich behandelt“, fasst die BertelsmannStudie zusammen. Die regionalen Unterschiede seien ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Gesundheitsversorgung nicht immer dem Bedarf der Bevölkerung entspräche. Montgomery betonte: „Die erhobenen Daten geben uns keinen Hinweis auf die Ursachen für mögliche regionale Varianzen. Das hindert die Auftraggeber jedoch nicht daran, sich in Mutmaßungen zu ergehen.“ Es helfe nicht weiter, den Ärztekammern und Fachgesellschaften der Presse gegenüber den Schwarzen Peter zuzuschieben. Wenn es Fehlentwicklungen gebe, müsse man den Gründen nachgehen. Das gehe nur mit Versorgungsforschung. „Die BÄK ist hier mit gutem Beispiel vorangegangen und hat mit erheblichen finanziellen Mitteln die Versorgungsforschung in Deutschland angestoßen. Nun ist es an der Zeit, dass sich auch andere Akteure engagieren. Warum nicht auch die Bertelsmann-Stiftung?“, betonte Montgomery. BÄKground, Oktober 2014 Quellen OECD-Studie: Geographic Variations in Health Care – What Do We Know and What Can Be Done to Improve Health System Performance? AQUA-Qualitätsreport 2013 Grafik: Bertelsmann-Stiftung Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014 571

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Nachrichten Europäisches Facharztexamen Auch in diesem Jahr bestand auf dem DKOU wieder die Möglichkeit, das Europäische Facharztexamen „EBSQ-Trauma Surgery“ (European Board Examination Trauma Surgery) abzulegen. Das „EBSQ-Trauma Surgery“ ist eine internationale Prüfung, die von der Union Européenne des Médecins Spécialistes (U.E.M.S.) durchgeführt wird. Am Freitag der Kongresswoche kamen sieben Ärzte aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Ungarn zusammen, um sich der Prüfung zu stellen. Voraussetzung für die Teilnahme am Europäischen Facharztexamen ist die bestandene Facharztprüfung für Unfallchirurgie oder eine äquivalente Weiterbildung. Die ganztägige Prüfung setzt sich aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil zusammen und wurde von 14 internationalen, vorrangig deutschen Prüfern, unter der Leitung von Professor Hans-Jörg Oestern aus Celle betreut. Das Examen ist derzeit ein „Sign of excellence“ mit dem angestrebten Ziel, dass es den nationalen Examina in Europa gleichgestellt wird bzw. in den Staaten ohne bisherige Examina als nationales Examen anerkannt wird. (sh) http://www.uemssurg.org/ Glaubwürdigkeit durch Transparenz Interessenkonflikte müssen in der Vermittlung medizinischer Forschungsergebnisse transparent gemacht werden, um auszuschließen, dass Patienten durch nicht evidenzbasierte Diagnostik und Therapie gefährdet werden. Über die Transparenz bei Interessenkonflikten bestand Einigkeit auf der Cologne Consensus Conference 2014, die sich am 12. und 13. September mit dem Thema „Management of conflict of interest“ befasst hat. Internationale Experten diskutierten auf Einladung der European Cardiology Section Foundation (ECSF) in Köln zwei Tage ethische Fragen, psychologische und juristische Aspekte sowie Probleme der Praktikabilität rund um die Erfassung und Kommunikation von Interessenkonflikten. Dabei stand die ärztliche Fortbildung im Vordergrund. Interessenkonflikte gehören zwangsläufig zum Arztberuf dazu. Es beginnt schon mit der Tatsache, dass jeder Arzt sich zwar ethisch verpflichtet hat, das Wohl des Patienten an erste Stelle zu setzen, gleichwohl aber auch mit der Medizin seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Interessenkonflikte sind auch deswegen so häufig, weil gewinnorientierte Geldgeber (wie etwa die Pharma- oder Medizingeräteindustrie) heute nicht nur in der Forschung, sondern auch in der ärztlichen Fortbildung aktiv sind. Sie entstehen deshalb so leicht, weil sie zumeist Folge des psychologischen Phänomens der Reziprozität sind, einer Art unbewusst ablaufenden „Dankbarkeitsreflexes“. Glaubwürdigkeit und Vertrauen „Der Umgang mit Interessenkonflikten ist ein Schlüssel für die Glaubwürdigkeit der ärztlichen Fortbildung“, betonte ECSFVorsitzender Prof. Dr. med. Reinhard Griebenow, der zugleich die Akkreditierungsstelle für internationale Fortbildungsangebote in der Kardiologie (European Board for Accreditation in Cardiology, EBAC) berät. Da sich die meisten Interessenkonflikte nicht auflösen ließen, müssten sie zumindest offengelegt werden. Als Konsequenz für die Praxis von Erklärungen von Interessenkonflikten ergibt sich daraus, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Geldquellen aktiv abgefragt werden muss. Während etwa renommierte Fachzeitschriften die Publikation eines Artikels davon abhängig machen, dass die Autoren einer Veröffentlichung ihrer Interessenkonflikte (im Artikel selbst oder im Internet) zustimmen, ist dies für den Bereich der Fortbildung bisher nicht im Detail geregelt. Die ausführliche Veröffentlichung könnte auch zu Kollisionen mit bestehenden Datenschutzvorschriften führen. Bei allen Differenzen im Detail zeigte sich dabei eine große grundsätzliche Übereinstimmung in Konzept und Praxis bei der Dokumentation und Publikation von Interessenkonflikten. Allerdings waren sich die Konferenzteilnehmer auch einig, dass Handlungsbedarf hinsichtlich aktuell noch vorhandener bedeutsamer „weißer Flecken“ besteht, so etwa bei der Erfassung nicht-finanzieller Interessen. Monitor Versorgungsforschung Das Prüfungsteam (v. re.): Dr. Mahlke, Prof. Hessmann, Prof. Oestern, Prof. Liener, Prof Hüfner, Prof. Seifert, Prof Südkamp, Prof. Vecsei, Prof. Burger, Prof. Reschauer, PD Dr. Probst, Prof. Rommens, Prof. Szita, Prof. Zeichen Sonderforschungsbereich für Traumaforschung bewilligt Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat für die Einrichtung eines Sonderforschungsbereichs (SFB) für Traumaforschung an der Universität Ulm über 11,2 Millionen Euro bewilligt – zunächst für vier Jahre. Der auf bis zu zwölf Jahre ausgelegte Trauma-SFB trägt den Titel „Gefahrenantwort, Störfaktoren und regeneratives Potenzial nach akutem Trauma“. In dem gemeinsamen Forschungsvorhaben kooperieren insgesamt 18 Kliniken und Institute aus dem Universitätsklinikum Ulm und der Universität. (mba) 572 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014

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Nachrichten Foto: stockdevil_Fotolia Revision beim BSG eingelegt und bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung in der Hauptsache die Anwendung der seit dem 1. Januar 2006 geltenden Regelung ausgesetzt. Der Beschluss zur Aussetzung ist unabhängig von der jüngsten BSG-Entscheidung nach wie vor gültig, die Aussetzung der Anwendung dieser Mindestmenge wird aber alsbald formal aufgehoben, so dass dann die Mindestmenge von 50 wieder verbindlich wird. Der G-BA ist durch den Gesetzgeber beauftragt, Maßnahmen der Qualitätssicherung bei zugelassenen Krankenhäusern zu beschließen (§ 137 SGB V). Dazu zählt auch ein Katalog planbarer Leistungen, bei denen die Qualität des Behandlungsergebnisses in besonderem Maße von der Menge der erbrachten Leistungen abhängig ist. Für diese Leistungen sollen nach dem Willen des Gesetzgebers sogenannte Mindestmengen festgelegt werden. G-BA Oktober 2014 Nationales Gesundheitsziel: Patientensicherheit BSG bestätigt Mindestmenge für Knie-TEP Das Bundessozialgericht (BSG) hat die Auffassung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) bestätigt, dass Knie-TEP (Kniegelenk-Totalendoprothesen) planbare Leistungen sind, deren Ergebnisqualität in besonderem Maße von der Menge der erbrachten Leistungen abhängt. Dies sei rechtmäßig und hinreichend mit wissenschaftlichen Belegen untermauert – so das Gericht in seinem Urteil, mit dem die Sprungrevision einer klagenden Krankenhausträgerin zurückgewiesen wurde (AZ: BSG B 1 KR 33 / 13 R). Die Einschätzung des G-BA sei vertretbar, dass eine Mindestmenge von 50 Knie-TEP im Kalenderjahr pro Betriebsstätte die Güte der Versorgung fördert. Nach dem allgemein anerkannten Stand medizinischer Erkenntnisse sei eine fortlaufende Befassung des gesamten Behandlungsteams mit Knie-TEP für eine qualitativ hinreichende Behandlungspraxis erforderlich. Dazu erklärte der unparteiische Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken: „Damit ist die Auffassung des G-BA zur Mindestmenge für die Knie-TEP in vollem Umfang und höchstrichterlich bestätigt. Das Urteil schafft für den weiteren Umgang mit dem Qualitätssicherungsinstrument der Mindestmenge die erhoffte Rechtsklarheit. Damit haben wir die Basis, dass Mindestmengen auch künftig fester Bestandteil der Qualitätssicherung und der gezielten Steuerung von Krankenhausbehandlungen bleiben.“ Der Kooperationsverbund gesundheitsziele.de hat die Patientensicherheit als neues nationales Gesundheitsziel ausgewählt. Unter Leitung von Dr. Günther Jonitz, dem Mitbegründer des Aktionsbündnis Patientensicherheit und Präsidenten der Ärztekammer Berlin, beginnt eine Arbeitsgruppe im Herbst mit der Ausformulierung der Ziele. „In Europa gehört Deutschland zu den Vorreitern, was die Beschäftigung mit dem Thema Patientensicherheit betrifft. Bereits jetzt arbeiten Ärzte, Patientenverbände, Krankenkassen und Krankenhäuser intensiv zusammen“, erklärte Jonitz anlässlich der Einsetzung der Arbeitsgruppe. Das neue Gesundheitsziel biete nun die Möglichkeit, „in einem strukturierten und partizipativen Dialog mit allen Akteuren Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit in Deutschland zu erarbeiten“, betonte Dr. Rainer Hess, der Ausschussvorsitzende von gesundheitsziele.de. Er erhoffe sich eine Verbesserung der Patientenversorgung und eine anhaltende Sensibilisierung für das Thema. Im Kooperationsverbund gesundheitsziele.de engagieren sich seit 14 Jahren mehr als 120 Organisationen aus Politik, Selbstverwaltung, Patientenorganisationen und Wissenschaft. Seit dem Jahr 2000 hat der Kooperationsverbund Gesundheitsziele zu den Themen Diabetes, Brustkrebs, Tabakkonsum, gesund aufwachsen, Gesundheitskompetenz, Patientensouveränität, depressive Erkrankungen und gesund älter entwickelt. Ob ein Ziel sich eignet, entscheiden die Kooperationspartner anhand von Kriterien wie der Mortalität, der Verbreitung der Krankheit oder der volkswirtschaftlichen Relevanz. Um die Ziele zu erreichen, formulieren die Beteiligten Empfehlungen und Maßnahmenkataloge. Alle Beteiligten verpflichten sich, diese in ihrem Verantwortungsbereich umzusetzen. Die Arbeitsergebnisse des Kooperationsverbunds stehen zur Verfügung unter www.gesundheitsziele.de. Qualitätssicherung Das LSG Berlin-Brandenburg hatte im August 2011 zunächst der Klage einer Klinik gegen die Mindestmenge bei Knie-TEP stattgegeben (AZ: L 7 KA 77 / 08 KL). Daraufhin hatte der G-BA Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014 573

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Politik S t e llun g na h m e B V O U und D G O U Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz – GKV-VSG) Muskulo-skelettale Erkrankungen sind für einen Großteil der Kosten im Gesundheitssystem verantwortlich. Der demographische Wandel und der Lebenswandel der Gesellschaft (z. B. Adipositas) werden den Anteil dieser Erkrankungen an den Gesamtkosten weiter erhöhen. Neben einer hochwertigen operativen Versorgung ist insbesondere eine wohnortnahe konservative Versorgung von Patienten mit Erkrankungen, Behinderungen, Verletzungen und Verletzungsfolgen des muskulo-skelettalen Systems essentiell. Der vorliegende Gesetzesentwurf wird dieser Problematik nicht gerecht, ganz im Gegenteil, er kann dazu führen, dass die Behandlung der Patienten in Deutschland mit den genannten Gesundheitsschäden sich signifikant verschlechtert. Aus Sicht des Berufsverbandes (BVOU) und der Fachgesellschaft (DGOU) der Ärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie ergeben sich deswegen folgende Kritikpunkte am genannten Gesetz: 1. Frist für Terminvergabe (hier: § 75 Inhalt und Umfang der Sicherstellung, Absatz 1a und b) Kernproblem Terminmanagement ändert nichts an den grundlegenden Problemen, vor der Fachärzte in der Versorgung stehen – man muss dabei nicht einmal nur auf die wirtschaftliche Situation abheben: a. Termintreue des Patienten. b. Ein freies Terminmanagement ist auch Behandlungsmanagement: Frühe Termine für Erstdiagnosen und gestaffelt spätere für Kontrollfälle. c. Der Termin bei „irgendeinem Arzt“ verdrängt den bewährten „Termin bei meinem Arzt“ – die Arzt-Patientenbindung würde gelöst. d. Die freie Arztwahl und der Gang zum Wunscharzt wird ignoriert. e. Probleme in der Terminvergabe haben ihre Ursache weniger in einer mangelnden Behandlungskapazität des jeweiligen Arztes. Die Budgetierung setzt hier häufig Grenzen. Hauptkritikpunkt Aufgabe des Facharztstatus bei der Terminvergabe: „Die Behandlung im Krankenhaus hat nicht zwingend durch Ärztinnen und Ärzte mit einer bereits abgeschlossenen Facharztweiterbildung zu erfolgen. Es gelten vielmehr die für die Behandlung im Krankenhaus geltenden Grundsätze, d. h. es gilt der Facharztstandard.“ Daraus folgt: Wie wird sich dies auf die Qualität auswirken? Wird dies einen Qualitätsabbau in der ambulanten Versorgung zur Folge haben? Zumal gerade auch ein „Qualitäts-Institut“ gegründet werden soll. 2. Sektionierung im KV-System (hier: § 79 Organe, Absatz 3a) Kernproblem Die Sektionierung soll einerseits überwunden werden; andererseits wird sie zwischen Haus- und Fachärzten eingeführt. Hauptkritikpunkte a. Leistet einer Entsolidarisierung Vorschub – was durch den Gesetzgeber, aber auch durch die Versorgungsrealität (z. B. Selektivverträge mit Hausund Fachärzten) angestoßen wird, wird so aufs Spiel gesetzt. b. Verfassungsrechtliche Bedenken. c. Eingriff während einer laufenden Legislaturperiode eines demokratisch gewählten Gremiums. d. Votum gegen die Sektionierung durch KBV, BÄK und 59 (Berufs)Verbände. Unterpunkt: Fachausschüsse (hier: § 79c Beratender Fachausschuss für hausärztliche Versorgung; weitere beratende Fachausschüsse) Kernproblem Einrichtung eines dritten Ausschusses für angestellte Ärztinnen und Ärzte. Eine dritte Ebene in Form eines Beratenden Fachausschusses wird eingezogen, der a. als Angestellter mit den Praxisinhabern (ggf. gleich Arbeitgebern) in Interessenkonflikt stehen könnte. b. Zwei unterschiedliche Prinzipien mit diametral entgegengesetzten Interessen: hier freiberuflich / selbständig, da angestellt / abhängig beschäftigt. c. Es wird erwartet, dass die Angestellten sich hier weniger engagieren, als (krankenhausnahe) Verbände, so dass eine weitere Reibungsfläche innerhalb des KV-Systems entstehen könnte. 3. Praxisnetze (hier: § 87b Vergütung der Ärzte (Honorarverteilung), Absatz 2) Gut ist generell, zertifizierte Netze nun verpflichtend zu fördern. Hauptkritikpunkt Dies wird konterkariert durch den Ansatz, die Förderung aus der MGV zu bestreiten (morbiditätsorientierte Gesamtvergütung): a. Weitere Aushöhlung der MGV Verteilungskämpfe zwischen Ärzten, die an Netzen teilnehmen und solchen, die nicht teilnehmen. Eine gute Versorgungsebene wird so unnötig geschwächt. 4. Medizinische Versorgungszentren (hier: § 95 Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung, Absatz 1) Hauptkritikpunkt Wettbewerbsverzerrung durch MVZGründung durch Kommunen – dies auch in normalversorgten Gebieten, die über andere finanzielle Fördermöglichkeiten (trotz angespannter Haushaltslage) ver- 574 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014

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Politik fügen. Ein klarer Wettbewerbsnachteil für freiberufliche (Fach-)Ärzte. 5. Ambulante Spezialärztliche Versorgung (ASV) (hier: § 116b Ambulante spezialfachärztliche Versorgung, insbesondere Abs. 8) Kernproblem Statt „gleichlange Spieße“ der ambulanten und stationären Ebene, sehen die Niedergelassenen eine einseitige Stärkung des stationären Sektors. Hauptkritikpunkt a. Bestandschutz für Kliniken, die vor dem 31.12.2011 bereits eine Genehmigung für die Leistungserbringung nach 116b haben. (Ursprünglich war im Gesetz vorgesehen, dass die generelle Genehmigung für die Leistungen erlischt, die in der ASV umgesetzt werden.) b. Öffnung der Hochschulambulanzen (unabhängig von der ASV) mit der Folge einer parallelen Versorgungsebene. c. So wird das Versprechen eines gleichen Zugangs für alle Sektoren zur ASV nicht umgesetzt. 6. Sektionierung im KV-System (hier: § 79 Organe, Absatz 3a) Kernproblem Die Sektionierung soll einerseits überwunden werden; andererseits wird sie zwischen Haus- und Fachärzten eingeführt. Hauptkritikpunkte a. Leistet einer Entsolidarisierung Vorschub – was durch den Gesetzgeber, aber auch durch die Versorgungsrealität (z. B. Selektivverträge mit Hausund Fachärzten) angestoßen wird, wird so aufs Spiel gesetzt. b. Verfassungsrechtliche Bedenken. c. Eingriff während einer laufenden Legislaturperiode eines demokratisch gewählten Gremiums. d. Votum gegen die Sektionierung durch KBV, BÄK und 59 (Berufs-)Verbände. Unterpunkt: Fachausschüsse (hier: § 79c Beratender Fachausschuss für hausärztliche Versorgung; weitere beratende Fachausschüsse) Kernproblem Einrichtung eines dritten Ausschusses für angestellte Ärztinnen und Ärzte Eine dritte Ebene in Form eines Beratenden Fachausschusses wird eingezogen, der a. als Angestellte, die mit den Praxisinhabern (ggf. gleich Arbeitgebern) in Interessenkonflikt stehen könnte. b. Zwei unterschiedliche Prinzipien mit diametral entgegengesetzten Interessen: hier freiberuflich / selbständig, da angestellt / abhängig beschäftigt. c. Es wird erwartet, dass die Angestellten sich hier weniger engagieren, als (krankenhausnahe) Verbände, so dass eine weitere Reibungsfläche innerhalb des KV-Systems entstehen könnte. 7. Aufkaufen von Arztsitzen Kernproblem Die Grenze eines Versorgungsgrades ab 110 Prozent, ab der Sitze aufgekauft werden sollen, ist reine Statistik und spiegelt nicht die Versorgungswirklichkeit wider. a. Die Bedeutung der Praxen in „überversorgten Gebieten“ für die Versorgung des angrenzenden Umlandes wird unterschätzt. b. (Aktuell Dr. med. Norbert Metke, Vors. KV BaWü, auf dem DKOU: die Praxen werden künftig einen Patientenanstieg (u .a. Demographie) zu bewältigen haben, gleichzeitig sollten sie statt auf Menge auf ­ Qualität setzen, d. h., nicht nur ­ Patienten durchschleusen, sondern eine wertige Facharztmedizin anbieten, denn das „Mehr“ an Versorgung bekommen sie ohnehin nicht bezahlt. In dieser Konstellation die Zahl der Praxen zu reduzieren, das Versorgungsnetz auszudünnen, weist in eine falsche Richtung, da der Druck auf die Praxen weitersteigen würde). Hauptkritikpunkt Wie wirtschaftlich zuverlässig ist die Niederlassung dann eigentlich noch? Die Investitionsbereitschaft der jetzigen Praxisinhaber wird sinken und die Bereitschaft von jungen Medizinern in die Praxis zu gehen ebenso. Das Eigentum wird nicht mehr ausreichend durch den Gesetzgeber geschützt. 8. Stellung der Facharztmedizin Kernproblem Im vorgelegten Gesetzentwurf wird die Zielsetzung des Koalitionsvertrages – „Darüber hinaus soll die fachärztliche Versorgung gestärkt werden.“ – ignoriert. Der Gesetzgeber muss die ambulante Versorgung aus Haus- und Fachärzte gemeinsam im Blick haben. Einseitigkeiten gehen zu Lasten einer effizienten Patientenversorgung. Der Gesetzesentwurf schwächt die fachärztliche ambulante Medizin und dünnt sie aus. Die Terminvergabe für Facharzttermine ist „erwartet inakzeptabel bei gedeckelter Vergütung. Absurd ist außerdem, dass Facharztsitze stillgelegt werden, gleichzeitig aber Wartezeiten abgebaut werden sollen und ein größerer Durchlauf von Patienten in den Facharztpraxen gefordert und bei Nichterfüllung sanktioniert wird.“ Hauptkritikpunkt Die Förderung der Weiterbildung in der Niederlassung – beim Haus- und Facharzt – fehlt. Dies trägt nicht der Entwicklung Rechnung, dass wesentliche Inhalte der Weiterbildung nur noch im niedergelassenen (fachärztlichen) Bereich vollzogen werden können. Hinweis zu § 73a und c Die § 73a (Strukturverträge) und c (Besondere ambulante ärztliche Versorgung) sind aufgehoben und unter §  140a zusammengefasst (dieser heißt bislang „Integrierte Versorgung“ und soll künftig „Besondere Versorgung“ hießen). Der Arbeitsentwurf sieht vor, einige Inhalte des §  73c in den §  140a zu übernehmen. Das ist aber unzureichend und außerdem missverständlich formuliert. Die bestehenden Probleme bei der Bereinigung bleiben ebenfalls ungelöst. Dr. Johannes ­Flechtenmacher, Präsident BVOU Prof. Dr. Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär DGOOC Prof. Dr. Reinhard Hoffmann, Generalsekretär DGU Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014 575

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Politik D KO U 2 0 1 4 : E B M - R e f orm Rezepte für die Zukunft: Günstige Rahmenbedingungen nutzen Auf dem DKOU machten zwei Redner sich Gedanken, wie es in Zukunft in der Niederlassung weitergehen könnte: Dr. med. Norbert Metke, KV-Vorsitzender Baden-Württemberg, und Dr. Andreas Köhler, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der KBV und jetziger Ehrenpräsident des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschlands (SpiFa). Die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen – allen voran nach Leistungen der OU – wird steigen: um acht bis zehn Prozent. Andreas Köhler stellte eine zweite Zahl heraus: Im Jahr 2020 werden 70 Prozent des Behandlungsbedarfs von niedergelassenen Fachärzten abgearbeitet. Die Frage stellt sich nur: Wie kann dies angemessen bezahlt werden? Die Zeiten der Überschüsse seien vorbei: Dafür würden die Finanzreform mit der Einführung der Zusatzbeiträge und die Zementierung der Beitragssätze sorgen. Die Politik wird jetzt, so der Vertreter des SpiFa, immer auf die kassenindividuellen Zusatzbeiträge verweisen. Das führe dazu, dass niemand auf Seiten der Kassen die Sätze über 0,9 Prozent anheben werde: „Das ist die heimliche Einführung des Globalbudgets. Die Zuwächse werden entlang der Morbidität und der Preisentwicklung weiterentwickelt werden, aber große Zusatzvolumina wird es nicht geben“, so Andreas Köhler. Der Ansatzpunkt für die Fachärzte ist, so paradox dies klingen mag, die Krankenhausreform: Wenn Zusatzgelder ins System fließen, dann an die Schnittstelle stationär – ambulant. „Die Fachärzte brauchen den Mut, stärker die Verschränkungen mit der stationären Ebene zu nutzen – über die Ambulante Spezialärztliche Versorgung.“ Die ASV bietet feste Preise ohne Budget. Wenn es zu einer Öffnung der Krankenhäuser kommt, nutzt man das ASV Konstrukt, um einen Sektor übergreifenden Wettbewerb zu gestalten. Darin liege die Chance für die Fachärzte. Gesonderte Verträge mit Krankenkassen Einen ähnlich lautenden Appell wie Andreas Köhler legte der KV-Vorsitzende von Baden-Württemberg und Orthopäde / Unfallchirurg, Dr. med. Norbert Metke, vor: Wenn sich die Fachärzte nicht bewegen und flexibel zeigen, kommt es zu einer ernsten Bestandsgefährdung. Denn eine Strukturreform im Gesundheitswesen wird kommen, gab sich Norbert Metke überzeugt. Die Rahmendaten würden dies nahelegen: bis zu 20 Millionen weniger Erwerbstätige, drohende GKV-Beiträgssätze von 35 Prozent und veränderte Arbeitszeitziele: ein Arzt muss künftig im Schnitt durch zwei ersetzt werden. „Wir brauchen überdies für den Patienten mehr und nicht weniger Zeit, weil die Differentialdiagnostik und medikamentöse Therapie immer komplexer werden. Mit den gegenwärtigen Strukturen können wir bereits heute schon nicht mehr die Versorgung der nächsten 20 bis 30 Jahre aufrechterhalten“, führte der KV-Vorsitzende aus. In Baden-Württemberg sind z.  B. 540 Hausarztsitze frei; in den nächsten Jahren wachse die Zahl um weitere 500 – also 1.000 Hausarztsitze, die nicht besetzt sind; ein Hausarzt versorgt rund 1.000 Fälle: „Da kann man schnell hochrechnen, was dies ausmacht an Nichtbzw. Mehrversorgungsbedarf“, stellte Norbert Metke fest. Stichwort Patientensteuerung Die Situation in der OU: Kontinuierlich steigende Fallzahlen – ein rasantes Mengenwachstum mit der Folge: Patienten würden durchgeschleust. Wie sollen die kommenden Mengen versorgt werden? Etwa durch mehr Technikeinsatz? Der Kernspin ersetze nochmaliges Wiedereinbestellen, spitzte Norbert Metke gewohnt zu. 1,2 Millionen Patienten werden in Baden-Württemberg zu Ermächtigten geschickt. Warum? Weil die OU keine Zeit mehr haben. Die Krankenhäuser versorgen während der Praxisöffnungszeiten 700.000 fachärztliche Notfälle. 2 Millionen Patienten in BadenWürttemberg würden im Krankenhaus landen, „weil wir keine Zeit mehr haben.“ Seine Lösung: Patientensteuerung – und dies ist auch bereits in eine Vertragslösung gegossen: der Vertrag der Orthopäden / Unfallchirurgen mit der AOK BadenWürttemberg und der Bosch BKK, den der BVOU und Medi in Baden-Württemberg ausgehandelt haben. 16 Prozent der OU-Leistungen werden in Baden-Württemberg nicht mehr bezahlt: Mittels einer intelligenten Patientensteuerung könnten sich die OU über jeden freuen, der nicht oder nicht mehr so oft komme. Norbert Metke: „Wir brauchen eine Patientensteuerung, um angesichts der steigenden Versorgungsnachfrage trotzdem oder wieder mehr Zeit für den einzelnen Patienten zu haben.“ Joachim Stier, freier Journalist, ­ Berlin M i t v e r so r g e r fu n k t i o n Die Mitversorgerfunktion der fachärztlichen Praxen in den Ballungsräumen liegt zwischen 40 und 50 Prozent für verdichtete bzw. ländliche Räume, erläuterte SpiFa Ehrenvorsitzender Andreas Köhler. W i l d wu c h s In Baden-Württemberg werden, so KV-Chef Norbert Metke, zehn Prozent des gesamten orthopädischen Honorars für die Akkupunktur beim unspezifischen Rückenschmerz bei null Evidenz gezahlt. 21 Millionen Fangopackungen würden bei null Evidenz verordnet. Krankengymnastik habe eine Evidenz, aber nicht in der Menge, in der sie verschrieben werde. Erstaunlich, so Norbert Metke: Kassen lehnen einen alternativen Leistungskatalog ab mit dem Hinweis: „Was würden unsere Versicherten sagen?“ 576 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014

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Politik D KO U 2 0 1 4 : Honorar p ol i t i k EBM – ein Fach, ein Kapitel für OU Als Einstieg zu den Ausführungen über die aktuelle Honorarpolitik räumte der KBV-Chef Andreas G ­ assen mit einem gängigen Vorurteil auf: Bei den in jedem Herbst stattfindenden Verhandlungen zwischen Kassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) geht es nicht ­ um das Honorar, was aber der Name „Honorarverhandlungen“ suggeriere, sondern es geht um Preisanpassungen. „Grundlegende Verwerfungen lassen sich hier nicht korrigieren“, unterstrich Andreas Gassen. In jedem Jahr bilden zwei Zahlen – zusammengefasst unter Morbiditätsrate – den Kern der Gespräche, deren Wert in diesem Jahr niedrig ausfiel: die Demographie bezogene Rate lag bei 0,3 und Diagnose bezogene Rate bei 0,5 Prozent – „das ist historisch niedrig“, so Andreas Gassen. Wie kommt dies? Zwar werden die Menschen hierzulande tendenziell älter und kränker – aber es gebe einen Sättigungseffekt: „Wenn die Codierung vollständig ist, dann gibt es keine Zuwächse mehr. Die Bevölkerung altert, aber nicht jedes Jahr expotenziell schneller. Es ist ein Sockel erreicht“, schildert der KBV Vorstandsvorsitzende die Ausgangslage. Frühere Morbiditätsraten wurden durch heftige Grippewellen und Frakturen infolge kalter Winter getrieben. Das Ausbleiben dieser Faktoren wirke sich auf die ‚Morbi‘rate aus. „Es stellt sich die Frage, ob sie noch ein geeigneter Parameter ist, um Morbiditätssteigerung und -verdichtungen abzubilden“, erläutert Andreas Gassen. Kalkulatorischer Arztlohn Der Orientierungspunktwert wurde in Höhe von 1,4 Prozent abgeschlossen. Wichtig ist die zwischen KBV und Kassen vereinbarte Protokollnotiz zum kalkulatorischen Arztlohn. Es sei allen Teilnehmern der Verhandlungsrunde klargeworden, dass das nicht angepasste kalkulatorische Arztgehalt einer der grundlegenden Probleme im EBM ist. Die tariflichen Steigerungen wurden zwar berücksichtigt, aber eine grundsätzliche Anpassung habe nicht stattgefunden. Die Protokollnotiz hält auch eine Ergebnisoffenheit bezüglich der Kostenneutralität fest. Derzeit liegt der kalkulatorische Arztlohn bei 105.00 Euro; Ziel sind 133.00 Euro. Die Leistungen für die fachärztliche Grundversorgung wurden um 132 Millionen Euro aufgestockt (Pauschalen für die fachärztliche Grundversorgung – PFG). Joachim Stier, freier Journalist, ­ Berlin EB M – e i n Fa c h , e i n K a p i t e l Andreas Gassen warnte davor, im neuen EBM ein eigenes Delegationskapitel einzuführen. „Das ist keine gute Idee, denn die Gefahr wächst, dass diese Kapitel von den Kassen substituierend ausgegliedert werden – dann ist dies für die MGV verloren.“ Unter folgenden Aspekten wird an der EBM Struktur gearbeitet: ■■Kalkulatorisches Arztgehalt überprüfen ■■Zeitansätze überprüfen ■■Studie zur Produktivität ■■Intensiver Austausch mit den Berufsverbänden ■■Gespräche mit dem Bewertungsausschuss über die Fixkosten W e r b e n um O U - N a c h wu c h s ■■Niederlassungsanreize intensivieren ■■Für Grundversorger: Pauschalen und Ein■■Versorgungsstrukturen flexibilisieren – ■■Attraktivität der Niederlassung muss Praxen als Unternehmen mindestens konkurrenzfähig sein zum Krankenhaus ■■Weniger in Sektoren denken: Die Ambulante Spezialärztliche Versorgung ist das Testfeld ■■Gesundheitsberufe einbinden, aber in Delegation und nicht in Substitution zelleistungen Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Dezember 2014 577

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