Wachstum gezielt steuern

 

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Wachstumsreglerbroschüre

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Inhalt Allgemeines Wachstumsregler – ein Baustein für nachhaltige Landwirtschaft Aufgabe der Phytohormone Wachstumsregler richtig einsetzen Camposan® Extra Stabilan® 720 4–5 6–7 8–13 14–16 17 Anwendungshinweise … … in Winterweizen … in Winterroggen … in Triticale … in Gerste 18–19 20–21 22–23 24–27 Wachstum gezielt steuern 2 ® = Registrierte Marken der Hersteller

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Vorwort Zu einem erfolgreichen Anbau von Winter- und Sommergetreide zählt der gezielte Einsatz von Wachstumsregulatoren. Sie kürzen den Halm ein und verstärken seine Wand. Dadurch erhöhen sie die Standfestigkeit des Getreides und verhindern Halm- und Ährenknicken. Sie tragen maßgeblich dazu bei, Lagergetreide zu vermeiden, das Ertragspotenzial auszuschöpfen, Qualitäten zu sichern und die Ernte zu erleichtern. Um die optimale Wirkung der Wachstumsregulatoren zu erreichen, sind Einsatzzeitpunkte und Aufwandmengen dem jeweiligem Entwicklungsstand des Getreides, der Bestandesdichte, den Standort- und Witterungsbedingungen, der Nährstoffversorgung und den Sorteneigenschaften anzupassen. Mit dieser Broschüre möchten wir Sie zum einen über die Wirkungsweise der Wachstumsregulatoren informieren. Zum anderen möchten wir Ihnen Empfehlungen für ihren gezielten Einsatz geben. Danken möchten wir den Autoren Dr. Hansgeorg Schönberger, N.U. Agrar GmbH und Tobias Schulze Bisping, LWK NRW, für die Textbeiträge und fachliche Unterstützung. Lotus Agrar GmbH 3 Wachstum gezielt steuern

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Wachstumsregler – ein Baustein für nachhaltige Landwirtschaft Dr. Hansgeorg Schönberger, N.U. Agrar GmbH Die Einführung des Mähdreschers in den 50er Jahren führte zu einem Wandel im Sortenbild: Dominierten vorher langstrohige Sorten, stand nunmehr die Züchtung kurzer, standfester Sorten im Vordergrund. Deshalb wurde auch mehr Sommergerste angebaut. Die Züchtung kurzer, standfester Sorten und die seit den 60er Jahren entwickelten Wachstumsregler erlaubten mehr Stickstoff ohne Angst vor Lager einzusetzen. Lagergetreide führte vorher in Jahren mit gut entwickelten Beständen und hoher Stickstoffnachlieferung zu Ertragseinbrüchen und Qualitätsminderung. Wachstumsregler ermöglichten auch die Ausdehnung des Wintergerstenanbaus, das erleichterte wiederum den Anbau von OO-Winterraps. Die Ausdehnung des Rapsanbaus von 100.000 Hektar in den 50er Jahren auf heute fast 1,4 Mio. Hektar wäre kaum möglich gewesen ohne Wachstumsregler, die zur Ertragsstabilität der Wintergerste als rechtzeitig räumende Vorfrucht für den Winterraps beitrugen. Der Raps wurde damit deutschlandweit zur anbaustärksten Blattfrucht, durch deren Blüte auch Bienen und Imker Wachstum gezielt steuern 4

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Wachstumsregler im Getreidebau verhindern Ertragsverluste durch Lagergetreide von hochgerechnet 900 Mio. Euro pro Jahr allein in Deutschland. profitierten. Wachstumsregler im Getreidebau verhindern Ertragsverluste durch Lagergetreide von hochgerechnet 900 Mio. Euro pro Jahr allein in Deutschland. Ohne Wachstumsregler müssten wir den Stickstoffaufwand um 50–80 kg je ha N reduzieren und können damit einen Backweizen mit 12,5 % Eiweiß nicht mehr garantieren. Dieser wird weltweit am meisten nachgefragt. Wachstumsregler sichern Ertrag und Qualität. Sie sind ein wichtiger Baustein einer nachhaltigen Landwirtschaft. Frühes Lager in Getreide kostet Ertrag Wachstum gezielt steuern 5 Aufgabe der Wachstumsregler im Getreidebau Primäre Aufgabe von Wachstumsreglern ist es durch Einkürzung und Festigung des Halmes Lagergetreide zu verhindern. Wachstumsregler greifen in die phytohormonelle Regulation der Pflanzen ein und beeinflussen damit auch Entwicklung, Morphologie und Ertragsbildung des Getreides. Zudem wirken sich Wachstumsregler auf die Translokation (Umlagerung) von Assimilaten aus Blättern und Halm in die Speicherorgane (Samenkörner) aus. Wachstumsregler nehmen dadurch Einfluss auf den Ertrag, auch wenn kein Lager eintritt.

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Aufgabe der Phytohormone Dr. Hansgeorg Schönberger, N.U. Agrar GmbH Wachstumsregler sind ein wichtiges Betriebsmittel für die Getreideproduktion. Der optimale Einsatz erfordert Kenntnisse über die Wirkungsweise der Wachstumsregler. Sie greifen in den Phytohormonhaushalt der Getreidepflanzen ein und steuern deren Entwicklung und Ertragsbildung. Hormone – was versteht man dahinter? Im menschlichen Körper beeinflussen Hormone eine große Anzahl von Prozessen und übernehmen wichtige Steuerungsfunktionen. Wer hat z.  B. nicht schon mal den „AdrenalinStoß“ gespürt, wenn einem der „Schreck durch die Glieder“ fährt? Ähnliche Vorgänge laufen auch bei den Pflanzen ab. Phytohormone (Pflanzenhormone) sind Steuersignale, die wichtige Wachstumsphasen einer Pflanze lenken. Sie werden in der Pflanze selbst produziert und wirken bereits in sehr geringen Konzentrationen. Wichtige Phytohormone sind Auxine, Brassinosteroide, Gibberelline, Cytokinine, Abscisinsäure, Jasmonate und Ethylen. Deren Konzentration und das Verhältnis untereinander sind für das Zusammenspiel in der Pflanze bedeutend. Dabei ist das Zusammenspiel sehr unterschiedlich, sie können sich gegenseitig fördern und hemmen. Gibberelline zählen zu den Wachstumshormonen, die alle wichtigen Entwicklungsschritte, wie Keimung, Schossen, nach der Blüte und Befruchtung die Assimilat-Einlagerung ins Korn beeinflussen, vor allem aber mit dem Übergang ins Schossen das Längenwachstum des Halmes auslösen. Gibberelline wirken wie eine Zeitschaltuhr, mit der Wachstumsprozesse ausgelöst werden. Cytokinine fördern die Zellteilung und Proteinbildung und verzögern Altersprozesse. Wachstum gezielt steuern 6 Wirkung von Phytohormonen in der Pflanze Auxine Veranlassung Zellteilung Verhinderung Blatt- und Fruchtfall Förderung Wurzelbildung Cytokinine Stimulation Stoffwechsel Eiweißsynthese Wirkung von Phytohormonen Gibberelline Anregung Streckungswachstum Auslösung Schossen Assimilateinlagerung ins Korn ■ Beeinflusst durch Wachstumsregulatore Abscisine Hemmung Streckungswachstum Hemmung Zellteilung Förderung Seitentriebbildung Ethylen Fruchtreifung und Blattfall Hemmung Streckungswachstum Förderung Seitentriebbildung

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Im Wechselspiel mit Auxinen und Abscisinen dominieren Cytokinine während der Blatt-, Trieb- und Ährchenanlage. Mit Abschluss der Ährchenanlage steigt die Aktivität der Gibberelline wieder an, Cytokinine werden dadurch zurückgedrängt, die Auxin-Aktivität wird forciert und der Übergang in das Schossen wird eingeleitet. Nach Beendigung des Streckungswachstums des Halmes steigt wieder die Cytokinin-Aktivität in den befruchteten Ovarien (Narben), um die Zellteilung und Endosperm-Bildung im Korn in Gang zu setzen. Etwa 14 Tage nach der Befruchtung ist kurzzeitig ein Peak des Gibberellin-Pegels zu verzeichnen mit nachfolgendem Anstieg der Auxine, die das Kornwachstum und Kornfüllung auslösen. Je nach Witterungsverlauf und Stickstoffdüngung produziert die Pflanze 30 bis 40 Tage nach der Blüte verstärkt Ethylen, dadurch steigt der Abscisin-Pegel im Korn an, die Assimilat-Einlagerung wird abgeschlossen und die Abreife eingeleitet. Ethephon setzt Ethylen frei Das Ethephon (im Camposan® Extra) setzt Ethylen in der Pflanze frei und stimuliert die natürliche Ethylen-Bildung. Ethylen beschleunigt Alterung und Verholzung und damit die Festigkeit des Gewebes. Ethylen lässt den Abscisinsäure-Spiegel ansteigen, dadurch werden wiederum Streckungswachstum und die Zellteilung gehemmt. Ethylen unterstützt die Translokation von Assimilaten. Das ist ein Vorteil in üppigen Beständen mit viel Blattmasse, aber auch in späten (Weizen-) Beständen, um die Abreife zu beschleunigen. Leiden Bestände bereits unter Trockenheit, verstärkt Ethephon den Stress für die Pflanzen. Wachstumsregler greifen in den Phytohormonhaushalt der Getreidepflanzen ein und steuern deren Entwicklung und Ertragsbildung Wachstum gezielt steuern 7

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Wachstumsregler richtig einsetzen Dr. Hansgeorg Schönberger, N.U. Agrar GmbH Wachstumsregler sollen Lagergetreide verhindern. Gibberellin-Synthese-Hemmer wirken auf die Bildung der Streckungshormone und müssen deshalb vor bzw. bis Beginn der Streckung der Internodien eingesetzt werden. Ethephon wirkt dagegen auf die Aktivität der Gibberelline und wird deshalb am effektivsten gespritzt, wenn die Streckung voll in Gang ist. Derzeit stehen in Deutschland fünf zugelassene Wirkstoffe zur Verfügung, die in unterschiedlicher Weise über den Hormonhaushalt in das Längenwachstum der Pflanzen eingreifen: 1. Chlormequat (CCC) 2. Mepiquatchlorid 3. Prohexadion-Calcium 4. Trinexapac-Ethyl 5. Ethephon CCC und Mepiquat greifen früh in die Gibberellin-Synthese ein. Das ist auch der Fall bei Azolen mit einkürzender Wirkung (z.  B. Tebucoanzol, Metconazol) und ALS-Hemmer mit Gräserwirkung (z.  B. Jodosulfuron, Mesosulfuron, Metsulfuron, Pyroxsulam, Propoxycarbazone, Sulfosulfuron). Trinexapac-Ethyl (Moddus®, Calma®, Countdown®) oder Prohexadion-Calcium (Medax® Top) sind dagegen „späte“ Gibberellin-Synthese-Hemmer, die erst im letzten Schritt die Bildung der Gibberellinsäure GA 1 blockieren. Diese GA 1 löst die Streckung aus. Ethylen-Generatoren (Ethephon z. B. Camposan® Extra) hemmen die Aktivität der Streckungshormone und führen zu einer schnelleren Verholzung des Gewebes. Frühe Gibberellin-Synthese-Hemmer (CCC in Stabilan® 720, Mepiquat im Wachstum gezielt steuern 8 Wirkung und Anwendung von CCC und Ethephon CCC (Stabilan® 720) Wirkstoff g/l Wirkstoff Wirkungsweise Wirkung auf Wirkung (50 % AWM) Bestandesregulierung Entwicklung Auswirkung auf Ertragsaufbau Einsatzbedingungen Wirkung in der Spritzbrühe Chlormepiquatchlorid **) 720 GS-Hemmung Folgende 2–3 Internodien 140 °C Tage (10–14 Tage) Brechung der Apikaldominanz Verzögert › Bestandesdichte › Kornzahl/m² Ab 8 °C + Licht Ab 10 °C bedeckt Leicht versauernd › Ev. Kornreduktion › TKG Ab 15 °C Volle Streckung Stark versauern, keine Mischung mit ALS-Hemmern und Wuchsstoffen Camposan® Extra Ethephon 660 Ethylen-Hemmung 3–5 Internodien in Streckung 30 °C Tage (2 Tage) Translokation schnellere Alterung ** Die Splitting-Anwendung desselben CCC-Produktes ist nicht mehr zugelassen, Das beutetet, dass beim Einsatz z. B. in EC 30 und EC 31 jeweils ein anderes Mittel mit dem Wirkstoff Chlormequat-Chlorid genommen werden muss. Quelle: N.U. Agrar GmbH

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Freisetzung von Ethylen in der Pflanze Förderung der Seitentriebbildung Reduktion Längenwachstum Ethephon (Camposan® Extra) Auswirkungen Verkürzung der Internodien Erhöhung der Halmstabilität durch Lignineinlagerung, Verringerung der Lagerneigung Halmwandverfestigung durch Lageänderung von Mikro brillen PhosphatIonen ChloridIonen Ethylen Verdichtung der Ährenzone Späte Gibberellin-Synthese-Hemmer (Trinexapac im Moddus®, Prohexadion im Medax® Top) können auch noch gespritzt werden, wenn sich die Knoten schon voneinander lösen. Die Wirkung erfolgt auf die sich gerade streckenden Internodien und die nachfolgenden Wachstum gezielt steuern Medax® Top) müssen demnach früh, vor der Streckung eines Internodiums gespritzt werden, um je nach Aufwandmenge die nachfolgenden 2 bis 3 Internodien einzukürzen und zu festigen. Durch stärkere Stauchung der Haupttriebe, die mehr CCC aufnehmen, wird die „Apikale Dominanz“ gebrochen. Dadurch entwickeln sich Nebentriebe besser. (Zu) dünne Bestände werden dichter, wenn die Spritzung noch während der Bestockung erfolgt und die Triebentwicklung wird gleichmäßiger. CCC sollte im Frühjahr erst gespritzt werden, wenn die Kronenwurzeln wenigstens 3 cm lang sind, um diese nicht nachhaltig einzukürzen. Durch das CCC werden die unteren 2 bis 3 Internodien eingekürzt und stabilisiert. 9

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Wachstumsregler richtig einsetzen Wachstum gezielt steuern 10 2 bis 3 Internodien. Das Trinexapac wirkt stärker auf jüngeres Gewebe, also auf die später gebildeten Seitentriebe. Dadurch bleiben diese in der Entwicklung gegenüber den älteren Trieben zurück und werden unterdrückt. Die Reduktion unerwünschter Seitentriebe ist ein Vorteil in zu üppigen Beständen. Durch die Zulassung des Moddus® Start kann in üppigen Beständen bereits während der Bestockung Halm stabilisierend und Bestand regulierend eingegriffen werden. Eine negative Auswirkung auf das Wurzelwachstum ist bei den späten Gibberellin-Synthese-Hemmer nicht bekannt. Die Reduzierung der GibberellinBildung durch die Gibberellin-Synthese-Hemmer bewirkt eine Wachstums- und Entwicklungsverzögerung. Werden Gibberellin-Synthese-Hemmer spät, ab dem Fahnenblatt-Stadium eingesetzt, werden das Ährenschieben und die Kornbildung verzögert. Es kommt zu verzögerter Assimilat-Einlagerung ins Korn. In späten Sorten und Beständen und bei hitzeoder trockenheitsbedingt vorzeitiger Abreife kostet dies Ertrag. Das Ethephon generiert das Phytohormon Ethylen in der Pflanze, das direkt und über die Hemmung der Aktivität der Streckungshormone das Wachstum bremst

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und zu einer Festigung des Gewebes durch schnellere Verholzung führt. Ethylen beschleunigt zudem die Alterung und damit den Abbau von Proteinen im Blatt. Das kann in üppig mit Stickstoff versorgten oder auch in sehr späten Beständen genutzt werden, um die Umlagerung von Assimilaten aus dem Blatt in das Korn zu verstärken und die Reife zu beschleunige. Bei gesichertem Wasserhaushalt und hohem Stickstoffpool im Boden kann deshalb bei später Applikation ab BBCH 37 der EthylenPegel gezielt durch Ethephon (im Camposan® Extra) angehoben werden, um das Lagerrisiko zu vermindern und die Translokation zu fördern. Ethephon kürzt und festigt die Internodien, die sich zum Zeitpunkt der Spritzung in der Streckung befinden. Das sind bei der Behandlung ab BBCH 37 die oberen drei Internodien. Ethephon darf nicht mehr gespritzt werden, wenn der Weizen bereits unter Trockenheit oder Hitzestress leidet. Wie beeinflussen die Wachstumsregler den Halmaufbau? Der Getreidehalm besteht aus 4 bis 6 Internodien oder Halmstücken. Die Internodien werden wie bei einer Autoantenne von unten nach oben herausgeschoben. Die unteren zwei bis drei Halmabschnitte werden durch frühe Anwendung von Gibberellin-Synthese-Hemmern gefestigt und gekürzt. Wenn sich das dritte Internodium streckt, beginnt auch die „Große Periode“ der Weizenähre, Wirkungsvergleich von Wachstumsreglern zu verschiedenen Einsatzterminen Früher Einsatz von CCC bis BBCH 31 ›› Brechung der apikalen Dominanz des Haupttriebes, die Folge: verzögerte Reduktion von Seitentrieben, meist mehr ährentragende Halme je m² ›› Einkürzung der unteren Internodien ›› Geringere Einkürzung ›› Erhöhung des Halmdurchmessers ›› Erhöhung der Halmwandstärke Einsatz von CCC + Trinexapac (Moddus®) in BBCH 30/31 ›› Reduktion spät gebildeter Nebentrieben ›› Einkürzung der unteren und mittleren Internodien ›› Stauchung der Ähre möglich, dadurch geringeres TKG ›› Insgesamt starke Einkürzung ›› Erhöhung des Halmdurchmessers ›› Erhöhung der Halmwandstärke Später Einsatz von Ethephon (Camposan® Extra) ab BBCH 37 ›› Schnellere Umlagerung von Assimilaten aus Blättern in die Ähre ›› Geringer Einfluss auf die ährentragenden Halme je m² ›› Einkürzung der mittleren und oberen Internodien ›› Starke Einkürzung, ›› Geringe Erhöhung des Halmdurchmessers ›› Erhöhung der Halmwandstärke ›› Festigung der Halmwand durch schnellere Lignifizierung Wachstum gezielt steuern 11

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Wachstumsregler richtig einsetzen die sich innerhalb weniger Tage von 1 cm auf 8–10 cm Länge auswächst. Während der Ährenstreckung sollten keine Wachstumsregler gespritzt werden, damit die Ähre nicht zu sehr gestaucht wird, die Ährchen nicht zu eng sitzen und die Leitbahnen in der Ähre nicht verengt werden. Das wirkt sich nachteilig auf das TKG aus. Unter kritischen Bedingungen fallen dadurch auch die obersten Ährchen einer Ähre aus. Die Streckung der Ähre ist in BBCH 37 abgeschlossen. Danach können Wachstumsregler wieder ohne großes Risiko gespritzt werden. Auf dem obersten Internodium sitzt die Ähre. Dieser Halmabschnitt wird auch Pedunkel genannt. Das Gersten-Pedunkel ist sehr lang und dünn und wird durch schwere Ähren bzw. durch Sturm und Regen leicht abgeknickt. Das Ährenknicken ist einer der Gründe, warum die Gerstenerträge nicht mit den Weizenerträgen mithalten können. Das Ährenknicken kann durch die Kürzung mit Wachstumsreglern ab BBCH 37, z.  B. durch Camposan® Extra oder die Kombination von Camposan® Extra und Medax® Top verringert werden. Wirkung stark temperaturabhängig Die Witterung, insbesondere Temperatur, UVStrahlung und Wasserversorgung, nimmt Einfluss auf den Hormonhaushalt, dadurch ist auch die Wirkung von Wachstumsreglern sehr stark witterungsabhängig. Gibberelline werden bei Tagestemperaturen über 10 °C und Temperaturansprüche verschiedener Wachstumsregler Trinexapac Ethephon CCC 20 20 20 15 15 15 10 10 10 5 0 5 0 5 0 12 Wachstum gezielt steuern ■ Optimaler Temperaturbereich ■ Untergrenze tägl. Durchschnittstemperatur Nachttemperaturen über 7 °C gebildet. Die Ethylen-Bildung setzt verstärkt bei Temperaturen über 15 °C ein. Intensive UV-Strahlung hemmt die Gibberellin-Synthese, verstärkt damit die Wirkung der Gibberellin-Synthese-Hemmer. Die Wirkung der Gibberellin-Synthese-Hemmer Behandlungen ist bei intensivem Wachstum nach der Spritzung besser. Erfolgt die Spritzung nach einer Wärmeperiode und die Temperaturen gehen anschließend zurück, ist die Wirkung dagegen schlechter. Ethephon-Mittel wirken stärker, wenn die Bestände schon einige Tage starkes Wachsen zeigen. Gleich nach einer Kälteperiode gespritzt, fällt die Wirkung des Ethephon ab. CCC kann ab 5 °C gespritzt werden, wenn nachfolgend Tagesdurchschnittstemperaturen über 8 °C

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Wachstum gezielt steuern können die Nebentriebe ihren Entwicklungsrückstand gegenüber den Haupttrieben aufholen („Glattziehen“ der Bestände). Moddus® und Medax® Top erDas Ährenknicken kann durch die Kürzung mit fordern Temperaturen Wachstumsreglern ab BBCH 37, z. B. durch Camposan® Extra ab 8 °C bei intensiverringert werden. ver UV-Strahlung. Bei bedecktem Himmel neneinstrahlung kompensiert. Niedrige Tem- sind wenigstens 12 °C notwendig, um eine peraturen (unter 8 °C) schränken aber die Wirkung zu erreichen. Die Aufwandmenge Aufnahme von CCC ein. Durch Zugabe von hängt von der Sorte, Einstrahlung und TemAdditiven wird die Passage durch die Kutiku- peratur und von der Wasserversorgung im la erleichtert. Frühe CCC-Maßnahmen in der Wurzelraum ab. Bestockungsphase haben geringeren Einfluss auf die Halmlänge, kräftigen aber die Halm- Der beste Einsatztermin für die Anwendung wand und erhöhen deren Elastizität. Ebenso von Medax® Top ist, wenn der zweite Knoten ist die Wirkung auf den Haupttrieb stärker sich vom ersten Knoten abhebt. ausgeprägt als auf die Nebentriebe. Damit und Nachttemperaturen über 5 °C herrschen. Nachttemperaturen unter 5 °C werden durch Tagestemperaturen von 15 °C und hohe Son- 13

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Camposan® Extra Stabiler Halm – stabile Erträge Dr. Hansgeorg Schönberger, N.U. Agrar GmbH Mit der richtigen Wachstumsregler-Strategie kann jeder Bestand gezielt geführt und das Lagerrisiko minimiert werden. Mit Camposan® Extra steht ein Wachstumsregler zur Verfügung, der den Halm nicht nur einkürzt, sondern insbesondere verstärkt. Dies beruht auf der besonderen Wirkung von Ethephon. Biologische Effekte von Camposan® Extra Das Ethephon, Wirkstoff im Camposan® Extra, wird über das Blatt schnell aufgenommen und in der Pflanze verteilt. Im Blatt wird das Ethephon in das in der Natur vorkommende Phytohormon Ethylen sowie in Chlorid- und Phosphationen aufgespalten. Verstärkung der Halmwand bei Gerste nach Behandlung mit Camposan® Extra Unbehandelt Camposan® Extra Produktprofil Wirkstoffe Ethephon 660 g/l Formulierung wasserlösliches Konzentrat (SL) Packungsgrößen 12 x 1 l, 4 x 5 l Gefahrenhinweise C Ätzend Xn Gesundheitsschädlich Zulassungsnummer 024034-00/00 Camposan® Extra – stabilisiert den Halm Durch Camposan® Extra wird die Halmwand verstärkt und dadurch die Stabilität des Halmes verbessert. Im Vergleich zu unbehandelten Pflanzen erhöht sich die Halmwandstärke um 40–60 %. Weiterhin kommt es zur Verholzung und Verlagerung von Mikrofibrillen. Dies trägt zusätzlich zur Halmfestigung bei. Untersuchungen zeigen, dass die Zunahme des Halmdurchmessers allein nur in geringem Maße die Halmstabilität verbessert. Dagegen bilden Festigkeit und Stärke der Halmwand entscheidende Faktoren für die Stabilität des Halmes. Beide Merkmale werden durch Ethephon positiv beeinflusst. Die Bruchfestigkeit nimmt innerhalb eines Wachstum gezielt steuern 14 Ethylen löst in der Getreidepflanze vielfältige biologische Effekte aus: ›› Hemmung des Streckungswachstums ›› Erhöhung der Halmwandstärke ›› Erhöhung der Halmstabilität durch verstärkte Lignineinlagerung (Verholzung) ›› Verfestigung der Halmwände durch Lageänderung von Mikrofibrillen in Pflanzenzellen

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Camposan® Extra – flexibel in der Aufwandmenge Einsatzzeitpunkt: früh Sorten-Standfestigkeit: gering Lagerdruck: hoch N-Versorgung: hoch Aufwandmenge Einsatzzeitpunkt: spät Sorten-Standfestigkeit: hoch Lagerdruck: gering N-Versorgung: gering Unbe h a n delt Ca mpos a n® E x tr a In intensiv geführten Beständen ist nach der Vorlage von Moddus® (+ CCC im Weizen) oder Medax® Top der optimale Termin für die Behandlung mit Camposan® Extra ab Erscheinen des letzten Blattes (BBCH 37 bis 49). In diesem Stadium verkürzt Camposan® Extra hauptsächlich die oberen, wachsenden Internodien. Auf Standorten mit ausgeprägter Frühjahrstrockenheit kann der Landwirt den Bestand im Laufe der Vegetation beobachten Wachstum gezielt steuern Wasserversorgung: schlecht Halmes von der Halmbasis Wasserversorgung: gut Bodenart: leicht (Internodium Nr. 4) zum ÄhBodenart: schwer renansatz stetig ab. Zudem besteht ein positiver ZusamSchäden an der Kulturpflanze möglich menhang zwischen Bruchfestigkeit und Halmwandstärke: Mit steigender Halmwandstärke nimmt auch Bestand hängt maßgeblich vom Einsatzzeitdie Bruchfestigkeit zu. punkt ab. Die frühe Behandlung zu BBCH 32 (Wintergerste) führt auch durch das CamCamposan® Extra – der Termin entscheidet posan® Extra zu einer Brechung der ApikalDie Wirkung von Camposan® Extra auf den dominanz der Haupthalme und dadurch zu mehr ährentragenden Halmen. Die Wirkung des Camposan® Extra auf die Einkürzung Einkürzung und Standfestigkeit ist in diesem frühen Entwicklungsstadium des Getreides begrenzt, i.d.R. ist eine Nachkürzung notwendig, weil das vorletzte Internodium und das Pedunkel in diesem Stadium nicht eingekürzt und gefestigt werden. Die Kombination von Camposan® Extra mit Medax® Top oder Moddus® in EC 32 hat sich dagegen in nicht zu dichten Beständen und standfesten Sorten als sehr effektive Maßnahme erwiesen, um mit einer Einkürzung auszukommen. 15

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