Frank Richter

 

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das Kreisen der LTI-Sprache

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frank richter das Kreisen der LTI-Sprache c-prints 1993 - 1996

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f r ank r i c ht e r das kreisen der LTI-sprache c - p r i n t s 19 93 - 19 9 6

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DAS KREISEN DER LTI -SPRACHE das LTI, das ILT, das LIT, das ITL, das TIL und das TLI. ein satz, der sich nur aus den buchstaben L, T und I zusammensetzt. ein satz, der mit drei zeichen operiert und sechs wort-kombinationen hervorbringt. syntaktische permutationen sind unheimliche angelegenheiten. sie werden nicht für den privaten hausgebrauch und auch nicht für die öffentlichkeit formuliert. sie sind perfekt, da sie kein schein trügt, und ernüchternd, wenn man das verfahren erst einmal erkannt hat. oder das ILT, das ITL, das TIL, das LIT, das TLI und jetzt durch eine andere anordnung am ende das LTI. durch einfache variationen ergeben sich weitere sätze, wenn man die reihenfolge der einzelnen zeichenkombinationen als unterscheidungsmerkmal einführt. als folge ihrer wechselnden positionen potenzieren solche paraphrasen dann wie von selbst lange texte. 1 mal 2 mal 3 mal 4 mal 5 mal 6 umstellungen dieser art ergeben bereits 720 LTI-übertreibungen in einem mehrere seiten umfassenden manuskript. in permutationen steckt ein übermut, der zu einer überforderung führt. denn wer kann schon einen sich selbst multiplizierenden text im grossen und ganzen überblicken, und wer will ihn eigentlich lesen. seine länge ist letztendlich wie Borges babylonische bibliothek unbegrenzt. es gibt stets noch eine kombination, die kombination der schon aufgezeigten kombinationen untereinander, die einen solches werk fortschreibt. in der multiplen verknüpfung wachsen aus dem L (dem zum bild gewordenen rechten winkel), dem T (als lot) und dem I (als streckenmass) imaginäre architekturen mit komplexen formationen. wird wie bei der menschlichen sprache üblich nur eine lineare folge zuge-

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lassen, generiert sich konventionell eine einfache text-struktur. bei sich alternierend in mehrere richtungen gleichzeitig verzweigenden fortsetzungen entstehen räumliche konstellationen und irgendwann mehrdimensionale hypertexte, die unser wahrnehmungsvermögen nach und nach übersteigen. dabei ist alles ganz einfach durch analogien zu erklären. das wuchern beginnt mit einem punkt, der durch eine verschiebung zur strecke, dann zum quadrat und schliesslich zu einer 3dimensionalen topologie wächst. wird diese räumliche einheit an ihren eckpunkten mit der tiefe eines vierten vektors versetzt, bildet sich eine hypercubus: ein körper mit insgesamt 16 eckpunkten und vier gruppen von jeweils parallel zueinander stehenden kanten. höher dimensionierte beziehungen entstehen, wenn zwei 4dimensionale körper an ihren eckpunkten zu einem 5d-hyperobjekt verbunden werden. es spielt keine rolle, dass man hyperdimensionale objekte nicht im originalzustand erfassen kann. es genügt, einzig die inneren relationen, die logistik ihrer verknüpfung zu kennen. ein hyper-körper konstruiert sich ohne die hierarchie eines ordnenden zentrums hochgradig symmetrisch. alle elemente sind miteinander verwoben und reproduzieren im detail ihrer relationen die gesamte konfiguration. im ersten moment widersprechen solche konstruktionen der alltäglichen erfahrung. sie in das reich der phantasie, d.h. in ein imaginäres nirgendwo zu verweisen, ist aber eine unakzeptable ignoranz. handelt es sich doch bei diesen gebilden bereits um reale datenphänomene, die als schatten in ihrer plastizität wahrnehmbar sind und in unserer zunehmend hyperglobalen mediengegenwart als dislozierende räume erscheinen. die vorstellungskraft wird herausgefordert und in schwingungen gebracht, insofern 2dimensionale strukturen in 4dimensionalen räumen aufeinander treffen. oder wenn 3dimensionale verbindungen in einem 6achsigen koordinatensystem miteinander verschmelzen. so wie vielleicht rückkopplungen als schleifen im bewusstsein den prozess der bewusstwerdung erst ermöglichen, damit das vorhandene in eine immer höhere ordnung aufgehe.

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innerhalb von hyperkomplexen ordnungen können ebenso gebrochene dimensionen entstehen. die sich aus den zeichen L, T und I zusammensetzenden text-körper sind in der lage, fraktale zusammenhänge zu generieren, welche in ihrer mikrostruktur einzelne anordnungen selbstähnlich wiederholen. bildet sich solcherart ein hyperdimensionales netzwerk heraus, liegen mehrfach ineinander verschränkte texträume vor. die fähigkeit zur steten wandlung, zur sequenz determiniert strukturen mit mehreren freiheitsgraden. gibt es in einem text anstatt der linearen anordnung stetige verzweigungen, bilden sich vielschichtige konstellationen heraus. d.h. lese-wege mit labyrinthischen ausmassen, bei denen ein zeichen wie ein wegweiser vier richtungen vorschlägt, die zu weiteren zeichen führen, welche wiederum jeweils vier ziele anbieten. punktuelle veränderungen führen zu wechselseitigen modifikatio nen und zur steten neubildung von substrukturen, da jeder textteil sich zum ganzen wie das ganze zu einem geheimnis verhält. im konsequenten fortschreiten wachsen aus solchen verzweigungen komplexe hypertexte, in denen der austausch von einem zeichen eine umstrukturierung im weiteren umfeld oder sogar im gesamten system verursachen kann. folgt z.b. einem L ein T statt einem I, kann dies für die textatur weitreichende konsequenzen haben, die insgesamt zu neuen konfigurationen führen. das potential aller möglichen zeichenrelationen in einem hyperdimensionalen LTI-text wird zu einer herausforderung. es ist nicht möglich, den eigenen blick auf zentrale punkte zu fokussieren, weil sich einzelne relationen allzu bald auflösen können. so konkretisiert a fortiori jede relativierung ein virulentes a priori. für das kreisen der LTI-sprache (lingua trium insignium) ist es wichtig, zeichen-arrangements zu finden, welche durch einfache variationen die optionen auf weitere text-räume erhöhen und somit nie einen text als wahrnehmbare grenze postulieren. frank richter, 1996/2000

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// 2dimensional /

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p. 10

# LTI-289-2D, 50 x 60 cm, c-print, 1994

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# LTI-323-2D, 50 x 60 cm, c-print, 1994

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# LTI-290-2D, 50 x 60 cm, c-print, 1994

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