SING28

 

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SING28_MAGAZIN DER AUGSBURGER DOMSINGKNABEN

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USA BAC BA ACK FROM sing AUGSBURGER DOMSINGKNABEN 28 Ausgabe 28 Februar 2015 Jahrgang 14 Aus dem Inhalt: USA Tournee Adventskonzert bei Bundespräsident Gauck im Schloss Bellevue Bach in Rokoko unter der Schirmherrschaft von Opernstar Diana Damrau Neuer Internetauftritt ...

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_2_ EDITORIALS LIEBE FREUNDE DER AUGSBURGER DOMSINGKNABEN! Erstmals haben wir im vergangenen Oktober bei der Weihe eines Kirchenneubaus gesungen, wirklich eine Besonderheit in der heutigen Zeit! Die Domsingknaben durften im Rahmen ihres kontinuierlichen liturgischen Dienstes mit unserem Bischof Dr. Konrad Zdarsa bei den Einweihungsfeierlichkeiten im neu erbauten Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Göggingen dabei sein. In den vergangenen Monaten prägten zahlreiche weitere, musikalisch oft atemberaubende Auftritte in ausverkauften Konzerthallen und Kirchen unser Chorleben: Beispielsweise unser gemeinsames Programm mit den Blechbläsern des Gewandhausorchesters Leipzig in der Wieskirche, unser Festival „Bach in Rokoko“ mit der Weltklassesängerin Diana Damrau als Schirmherrin, erfolgreiche Konzerte in den USA im Engagement bei der Santa Rosa Symphony, unsere traditionellen Weihnachtskonzerte im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses, Adventskonzerte in der oberfränkischen Basilika Vierzehnheiligen, die Aufführung des gesamten Weihnachtsoratoriums von J. S. Bach, als herausragenden Höhepunkt auf Einladung des Bundespräsidenten das offizielle Weihnachtskonzert im Berliner Schloss Bellevue vor geladenen Gästen, Opernarbeit, TV-Auftritte unserer „Chorjungen“ und vieles, vieles mehr ... Die neueste Ausgabe unseres Magazins „Sing“ will Ihnen aus einer Fülle markanter Ereignisse, die unsere Domsingknaben in der jüngsten Vergangenheit genießen durften, einen bunten und lebendigen Eindruck vermitteln. Übrigens: Sie finden in unserem seit einigen Wochen neu gestalteten Internetauftritt unter www. augsburger-domsingknaben.de ständig aktuelle Nachrichten, Berichte und Fotos. Unser Terminkalender in der zweiten Chorjahreshälfte ist ebenfalls dicht gefüllt und bleibt stets attraktiv: Im März unsere turnusmäßige Aufführung der Matthäuspassion und am Theater Augsburg die Premiere der Oper „Wozzeck“ von Alban Berg unter Beteiligung einiger Knabenstimmen, in den Pfingstferien a cappella Konzerte in Polen, im Juni und Juli Konzertverpflichtungen bei den Brandenburger Sommerkonzerten, den Internationalen Konzerten Wolfegg unter Manfred Honeck und bei den Audi-Konzerten in Ingolstadt mit dem London Symphonie Orchestra unter Kent Nagano. Diese beiden renommierten Dirigenten arbeiten nicht zum ersten Mal mit den Augsburger Domsingknaben. Ich freue mich auf eine erneute künstlerische Herausforderung! Unsere Fangemeinde und auch unser Wirkungskreis wird immer größer! Ich danke allen Dom- und Konzertbesuchern für ihre Unterstützung der Augsburger Domsingknaben und wünsche viel Vergnügen bei der Lektüre von „Sing 28“ ! Mit besten Grüßen Ihr Reinhard Kammler Domkapellmeister Titel: Vor der Golden-Gate-Bridge in San Francisco. Foto: Julia Kammler

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_3_ LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, eine aufregende Zeit liegt hinter uns und als Kulturmanager der Augsburger Domsingknaben danke ich vor allem unseren großzügigen Hauptsponsoren Kurt F. Viermetz und Willi Lander, die es uns möglich gemacht haben, im Dezember zehn Tage für wunderbare Konzerte in die USA zu reisen und anschließend sofort in den Flieger zum deutschen Staatsoberhaupt nach Berlin zu steigen, um dem Bundespräsidenten, wie er selbst sagte, das wohl schönste Weihnachtsgeschenk zu machen! Die Augsburger Domsingknaben haben das letzte halbe Jahr wieder einmal eindrücklich bewiesen, dass sie zu den besten Knabenchören Deutschlands zählen. Dass dem so ist, wird nun endlich auch auf unserer neuen Homepage deutlich. Auf www.augsburger-domsingknaben.de finden Sie seit November 2014 ein frisches Design und komfortable Funktionen, die sich auf mobilen Geräten wie Smartphone oder Tablet den jeweiligen Gegebenheiten anpassen und bequem abrufen lassen. Mit dem, nicht nur überarbeiteten, sondern grundlegend neu von Bernhard Gastager und seinem Team konzipierten Internetauftritt präsentieren sich die Augsburger Domsingknaben nun übersichtlich, informativ, international, musikalisch, aktuell und farbenfroh. In Kürze werden in den eigens eingerichteten „Login-Bereichen“ für die Domsingknaben etwa die Probenpläne, für Freunde und Förderer wichtige Zusatzinformationen einzusehen sein und auf Journalisten und Konzertveranstalter warten Fotos, Plakate und Pressetexte im exklusiven Presse-Download-Bereich. Auch Konzertkarten können Sie nun jederzeit und bequem von zu Hause aus bestellen – genauso wie unsere zahlreichen CD’s, den neuen eleganten „Domsingknabenschirm“ oder den „Domsingknaben-USBStick“, der über unbegrenzte Speicherkapazität verfügt. Übrigens: Im Bereich „Publikationen“ finden Sie diese Ausgabe des „Sing“ auch als „e-book“! Natürlich hege ich die große Hoffnung, dass auch unser neuer „Online-Spenden-Button“ etwas „Unwiderstehliches“ für Sie hat. Denn für die großen Vorhaben im kommenden Jahr sind und bleiben wir auf Ihre zusätzliche finanzielle Unterstützung angewiesen! Zögern Sie also nicht und machen Sie die Augsburger Domsingknaben mit einen kleinen „klick“ auch in diesem Jahr wieder „klick-lich“. Herzlichen Dank Ihr Josef Paul Kulturmanager I M P R E S S U M Verantwortlich für den Inhalt Fonds der Freunde und Förderer der Augsburger Domsingknaben LIGA Bank e.G. Konto-Nr. 219 100 (BLZ 750 903 00) IBAN DE90 7509 0300 0000 2191 00 BIC GENODEF1M05 Reinhard Kammler, Domkapellmeister HERAUSGEBER Redaktion Kuratorium des Fonds der Freunde und Förderer der Augsburger Domsingknaben Hoher Weg 30, 86152 Augsburg Telefon (0821) 51 00 88, Telefax (0821) 31 26 15 info@augsburger-domsingknaben.de www.augsburger-domsingknaben.de Julia Kammler, Josef Paul Fotos Michael Dolp, Bernhard Gastager, Julia Kammler, Josef Paul, Fred Schöllhorn, Archiv Gestaltung SALOMO GmbH, Bernhard Gastager

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_4_ U S A-T O U R N E E VOLLES HAUS IN SAN FRANCISCO AUGSBURGER DOMSINGKNABEN B E G E I S T E R N I N D E R S T. M AT T H E W ’ S C H U R C H VON JULIA KAMMLER E rstes Konzert in San Francisco. In der bis auf den letzten Platz gefüllten St. Matthews Church begeisterten die Buben und jungen Männer mit Motetten, alpenländischen Weisen und klassischen Weihnachtsliedern. Spätestens mit der Zugabe des Weihnachtsklassikers „O Holy Night“ sang sich der Chor in die Herzen der Zuhörer. Am Ende: Standing Ovations! Die deutsch- lutherische St. Matthews Church ist seit dem 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil San Franciscos und heute die einzige evangelisch-lutherische Kirche in ganz Nordkalifornien, die jeden Sonntag auch Gottesdienste auf Deutsch anbietet. Das Deutsche Generalkonsulat präsentierte die Augsburger Domsingknaben in der St. Matthew‘s Lutheran Church in San Francisco. AUGSBURG CATHEDRAL BOYS CHOIR A Christmas Concert DEC. 03 | 7pm St. St . Matthew’s Matthew’s Lutheran Lutheran Church Church 3281 16th St | San Francisco, CA 94103 www.augsburger-domsingknaben.de PRESENTED BY www.stmatthews-sf.org

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U S A-T O U R N E E _5_ „ANGELIC VOICES“ S T Ü R M I S C H E R B E I FA L L F Ü R D I E A U G S B U R G E R DOMSINGKNABEN IN KALIFORNIEN VON JULIA KAMMLER In insgesamt drei Sinfoniekonzerten gastierten die Augsburger Domsingknaben zusammen mit der Santa Rosa Symphony in der akustisch einzigartigen Weill Hall des Green Music Center Sonoma. M it weihnachtlichen Motetten unter anderem von Byrd, Lassus und Praetorius überzeugten die Augsburger Domsingknaben das amerikanische Publikum in der berühmten Weill Hall in Santa Rosa, Kalifornien. Domkapellmeister Kammler nutzte die besondere Akustik des Raumes und begeisterte die Zuhörer mit stets wechselnden Choraufstellungen, auch quer durch das Publikum. Ein Novum für die amerikanischen Besucher, das stürmischen Beifall auslöste. Zusammen mit der Santa Rosa Symphony brachten die Domsingknaben unter der Leitung des französischen Dirigenten Bruno Ferrandis im zweiten Teil Mozarts Krönungsmesse zum Klingen. Die Sopran- und Altsoli sangen die Knabensolisten Jan Enderle und Valentin Meyer. Kurzfristig übernahm Korbinian Geirhos sogar den Solopart im Bass. In insgesamt drei Sinfoniekonzerten gastierten die Augsburger Domsingknaben in der Weill Hall im Sonoma State University's Green Music Center, die durch ihre einzigartige Architektur und Akustik besticht. Weltstars wie Lang Lang, die Wiener Philharmoniker, Josh Groban und Yo-Yo Ma konzertierten hier. Über die Sinfoniekonzerte mit den Augsburger Domsingknaben steht auf der Website der Santa Rosa Symphony: The pure, crystalline sound of young boys' voices is sure to inspire chills and tears. For those who love to experience the heights, depths and powers of the human voice, the December concert set is not to be missed!

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_6_ A U G S B U R G E R A L L G E M E I N E V O M 1 7. D E Z E M B E R 2 0 1 4 ERSTMALS USA KALIFORNIEN, BERLIN, AUGSBURG. WA S D I E D O M S I N G K N A B E N V O R W E I H N A C H T E N LEISTEN V O N S T E FA N D O S C H D ie Augsburger Domsingknaben sind schon viel herumgekommen in der Welt. Nicht nur in zahlreichen europäischen Ländern war der Knabenchor bereits zu Gast, auch ins fernere Ausland führten mehrfach Reisen des von Reinhard Kammler geleiteten Vokalensembles – etwa nach Japan und nach Kanada, nach Ecuador und nach Südafrika. Da wundert man sich, dass die Domsingknaben in langen Jahren nie in den Vereinigten Staaten gewesen sind. Neuerdings aber sind auch die USA ein Punkt auf der Reiselandkarte des Chors. Eine gute Woche lang waren 26 Knaben- und 14 Männerstimmen zu Gast im kalifornischen Santa Rosa. Santa Rosa, 90 Kilometer nördlich von San Francisco gelegen, verfügt über ein eigenes Orchester und eine moderne Konzerthalle. In der dortigen Musikreihe bestritten die Augsburger ein zweigeteiltes Programm unter dem Motto „Angelic Voices“ (Engelsstimmen). Zum einen stellte der Chor in einer Reihe weihnachtlicher Motetten seine Fähigkeit im unbegleiteten A-cappella-Gesang unter Beweis. Im zweiten Teil des Konzerts dann übernahmen die Domsingknaben den Chor-Part in Mozarts „Krönungsmesse“, geleitet von Santa Rosas Chefdirigent Bruno Ferrandis, einem Franzosen. Das Publikum reagierte enthusiastisch auf die jungen Sänger aus Augsburg. Trotz der Proben und Konzerte – das Programm mit der Santa Rosa Symphony wurde an drei Tagen gegeben – blieb für die Domsingknaben Zeit für ein kleines Sightseeing-Programm. Die Golden Gate Bridge gehörte ebenso dazu wie ein Besuch jener Anhöhe, auf der Hitchcock einst seinen Horrorfilm „Die Vögel“ gedreht hatte. Kaum zurück aus den USA, standen für den Chor schon die nächsten Herausforderungen an. Bachs „Weihnachts- Beinahe wäre die Reise kurz vor Antritt ins Wasser gefallen, wurde doch der gebuchte Flug wegen des Pilotenstreiks gestrichen. Doch dem Kulturmanager der Domsingknaben, Josef Paul (auf dessen Betreiben der Kontakt nach Santa Rosa zustande gekommen war), gelang die Umbuchung in einer Nacht- und Nebel-Aktion. Allerdings zu dem Preis, dass die Reise in die USA statt der ursprünglich vorgesehenen 14 Stunden einen ganzen Tag in Anspruch nahm. Oben: Mittagsimbiss in der Shopping Mall in Santa Rosa. Mitte: Zu Besuch beim Schöpfer der Peanuts im Charles M. Schulz Museum, Snoopy Place, Santa Rosa. Rechts: Zeit für Tiere - im Aquarium of the Bay, Fisherman's Wharf, San Francisco.

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_7_ „Mannschaftsbild“ am Pazifischen Ozean, Bodega Bay, CA. Die Augsburger Domsingknaben mit Reinhard Kammler, Josef Paul und Alan Silow, dem Executive Director der Santa Rosa Symphony vor der Weill Hall. oratorium“, das nun in dieser Woche an zwei Tagen aufgeführt wird, musste geprobt werden, vergangenen Sonntag hieß es schon wieder verreisen für einen Auftritt beim Bundespräsidenten, und am nächsten Wochenende stehen drei Termine an für die traditionellen Weihnachtskonzerte im Augsburger Rathaus. Dass ein solches Mammutprogramm mit Sängern, die sich zum Teil noch im Kindesalter befinden, überhaupt zu stemmen ist, darf als Ausweis des Leistungsvermögens der Domsingknaben gelten. Aber auch als Zeichen für die Fähigkeiten von Domkapellmeister Reinhard Kammler, der sein Ensemble fest in der schmalen Gruppe herausragender deutscher Knabenchöre verankert hat – und am heutigen Mittwoch 60 Jahre alt wird. Warten auf die Fahrt mit den weltberühmten Cable Cars in San Francisco.

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_8_ AUGSBURGER ALLGEMEINE VOM 15. DEZEMBER 2014 DER BEWEGTE PRÄSIDENT DIE AUGSBURGER DOMSINGKNABEN BEGEISTERN MIT IHREM AUFTRITT VOR JOACHIM GAUCK IM SCHLOSS BELLEVUE V O N K AT H R I N B R E N N E R B erlin/Augsburg. „Es fällt mir schwer, jetzt zu sprechen“, sagte ein sichtlich gerührter Joachim Gauck, als das letzte Stück der Augsburger Domsingknaben verklungen war. Zum Adventskonzert beim Bundespräsidenten am Sonntagnachmittag war Domkapellmeister Reinhard Kammler mit acht jungen Männern und zwölf Knaben ins Schloss Bellevue nach Berlin gereist. Dort hatten er und seine Sänger im Wechsel mit Lesungen der Schauspielerin Adele Neuhauser die exklusive Adventsfeier gestaltet. „Ich werde wohl kein schöneres Geschenk dieses Weihnachten kriegen, als das, das Sie mir geschenkt haben“, sagte der Bundespräsident an die Künstler gewandt. Auch für die Domsingknaben, die erst am Mittwoch von einer USA-Tournee zurückgekehrt waren, war der Auftritt vor den rund 250 geladenen Gästen etwas Besonderes. Ein abwechslungsreiches Programm hatte Kammler zusammengestellt: Neben der klassischen sakralen Musik präsentierte sein Chor auch populäres Liedgut wie „Oh du fröhliche“ und als internationalen Programmpunkt „Oh Holy Night“ von Adolphe Adam. Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner offiziellen Adventsansprache vor dem Konzert im Schloss Bellevue. Die Augsburger Domsingknaben werden vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gefördert.

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_9_ Ein musikalisches Dankeschön Mit der Einladung zum Adventskonzert wollte Gauck den Menschen danken, die ihm geholfen oder etwas für Deutschland getan haben. „Das ist heute ein freudiger Anlass, weil ich Danke sagen kann“, so der Bundespräsident. „Ich will bei dieser Gelegenheit auch sagen, dass Daniela Schadt und ich ohne die Unterstützung aus dem Bundespräsidialamt sehr alt aussehen würden. Ich meine, ich sehe auch so schon alt aus“, richtete er seine Worte an die Mitarbeiter und schmunzelte dabei. Sinn der Veranstaltung sei außerdem, trotz mancher Nöte und Ängste dieser Zeit einen Kontakt zum Wesentlichen herzustellen, zu den eigentlichen Werten. Dem Applaus am Ende des Konzerts nach zu urteilen, ist dies auch gelungen. Blumen vom Bundespräsident für Domkapellmeister Reinhard Kammler und für die österreichische Schauspielerin Adele Neuhäuser, die im Konzert mit Gedichten und Texten von Rilke, Härtling und Kaléko einen zusätzlichen Akzent setzte.

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_10_ GÜNZBURGER ZEITUNG VOM 29. SEPTEMBER 2014 D I E S C H Ö N H E I T D E S E I N FA C H E N DIE AUGSBURGER DOMSINGKNABEN SETZEN MIT „BACH IN R O KO KO “ W I E D E R E I N E N U M J U B E LT E N H Ö H E P U N K T R E G I O N A L E R M U S I K K U LT U R . K R Ö N U N G I S T D E R A U F T R I T T D E S O P E R N S TA R S D I A N A D A M R A U . VON HELMUT KIRCHER E in Höhepunkt re regionaler Musikkultur waren die drei Konzerte der Augsburger Domsingknaben bei der Reihe „Bach in Rokoko“ in der Günzburger Frauenkirche. Die Zuhöre Zuhörerbänke waren restlos gefüllt. Natürlich, der große Bach ist der Treibstoff, der den Motor „ des Konditionswunders „Bach in Rokoko“ schon seit zehn Jahren am Laufen hält, der die Zuhörerbänke der Günzburger Frauenkirche restlos füllt. Für die einen mag das Anachronismus in Reinkultur sein, wenn sich das Facebook-Zeitalter mit der Barockmusikblütezeit paart, für die anderen ein Ausflug in den Zauber eines Musikgartens, der alles bietet was des Genießers Herz begehrt: mitreißende Orchesterklänge, virtuose Instrumentalsolisten, und vor allem diesen Totaleinsatz jugendlicher Stimmen, die mit expressiver Kantabilität durch alle Steilkurven vertrackter Kontrapunktik jagen. Und natürlich ist es nicht so, dass Johann Sebastian der Große nicht auch andere Götter neben sich haben dürfte. Zumindest nicht solche aus dem Olymp seines zeitlichen Lebensbereiches. Domkapellmeister Reinhard Kammler, ein lupenreiner Bachdenker, ordnet sie ihm bei, gewöhnlich am Eröffnungstag des Dreitagefestivals. Diesmal war es die milde Klanglichkeit gregorianischer Gesänge, war es William Byrds (1543-1623) „Miserere“ und Robert Parsons (1530-1570) „Ave Maria“ die sich fünfstimmig sanft wogend ins Gemüt wallten, und die erste vollständige und mehrstimmige Messvertonung eines Einzelkomponisten, Guillaume de Machaults (1300(?)-1377) „La Messe de Notre Dame“. Bewegtes Fluten, lange Melismen der Oberstimmen, verhaltene Klangmonumentalität. Musikalisch allerdings wenig eingängig. Alles in allem: Kostproben aus einer musikalischen Nische, vom Domkapellmeister – er leitete vom Cembalo aus – kontrastreich Profil gegeben. Licht und Schatten filigran verteilt. Die Männerstimmen und Knabensolisten der Domsingknaben, in immer wieder staunenmachender, porentief reiner Intonationssicherheit die verblüffende Normalität des Besonderen vermittelnd, in uneitler Größe die Schönheit des Einfachen.

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_11_ FESTIVAL BACH ROKOKO IN Mit Präludien und Fugen für Cembalo aus Bachs wohltemperiertem Klavier leitete Kammler bereits über zum zweiten Tag des Festivals, mit Antonio Vivaldis (1678-1741) „Dixit Dominus“ für Soli, Chor und Orchester, seinen melismenangereicherten Knabenstimmen-Arien, festlichen Chorsätzen und orchestral opulentem Glanz und Gloria. Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert d-Moll für zwei Soloviolinen und Orchester versetzte dann die Publikumsseele in barockbeschleunigtes Schwingen. Herrlich dieses von Energie und Spielfreude schäumende, freundschaftlich-hitzige Gefecht zwischen zwei Geigen. Mit Präzision und Fingerspitzengefühl fanden sich die beiden Orchestermusiker-Solisten in die vor Fröhlichkeit lodernde Spielkultur ihres eigenen Klangkörpers ein. Dann ein Schmankerl geistlicher Musik, eine Vokalpreziose im Mozart-Modus: sein Abschied von Salzburg, mit den Psalmvertonungen „Vesperae solennes de confessore“ (KV 339) für Soli, Chor und Orchester. Sturm und drängen-

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_12_ FESTIVAL FESTIVA V L VA BACH ROKO OKOKO OK KO de Tuttiabschnitte, choralhaft anmutende Melodik, ergreifende Amen-Abschlüsse und ein „Laudate Dominum“-Arioso, vom Knabensopran in berückend kantabler Ehre-seidem-Vater-Manier gesungen, das Zuhörers Gefühlswelt mit tränennaher Inbrunst durchpulste. Der Schlusstag schöpfte dann allein aus der Vielfalt des Bachschen Œvres. Beginnend mit der fünfteiligen Choralkantate „Lobe den Herrn“ BWV 137, mit bläserbesetztem Orchester, Solovioline und -Oboe, mit vier Vokalsolisten und sanglich aufpoliertem Chor. Lustvoll und souverän setzte das Residenz-Kammerorchester München das Brandenburgische Konzert Nr. IV (BWV 1049) in Szene. Für ein virtuoses Figurenwerk sorgten Solovioline und ein Flötenduo, die mit Presto- und Achtelpassagen meist getrennte Wege gingen, ihre glitzernden Spielfiguren, aber großvolumig in den Zugriff des kraftvoll und kammermusikalisch schlank agierenden Orchesters integrierten. Wie schon seit Jahren üblich, setzte Bachs „Magnifikat D-Dur“ (BWV 243), mit prallem Klang und brillant schnittigem Verve, den Schlusspunkt des Konzertgeschehens. Eine klingende Delikatesse. Klar, der Meister wusste, wie man einen erstklassigen Gassenhauer zu schreiben hat, wie man das sündige Leben der fernen Popwelt schon mal vorweg zu nehmen hat. Fünfstimmig stürmende Polyfonie, orchestralsinfonische Wucht, jauchzende Koloraturen, ruhig fließende Poesie. Und alles in straffer Knappheit, ohne den Wohlklang zu verzerren. Jedoch – jubilierende Beifallsfröhlichkeit trägt zuweilen eine Maske. Die einer Schirmherrschaft zum Beispiel, in Form von persönlich anwesendem Opernstar Diana Damrau. Sie hat – das Umfeld wollte es – dem Altmeister am Schluss doch noch so ein bisschen die Schau gestohlen. IN IN Oben: Schirmherrin Diana Damrau im Gespräch mit Michael Mäser, Kuratoriumsvorsitzender der Augsburger Domsingknaben und Kulturmanager Josef Paul. Unten: Nach dem Konzert – Lob vom weltberühmten Opernstar! Diana Damrau gratuliert den Domsingknaben zum grandiosen Erfolg!

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_13_ Filialen in Dinkelscherben und Zusmarshausen MITGLIED DER MÜNCHNER BÖRSE Nutzen Sie die langjährige Erfahrung und Unabhängigkeit des Privatbankiers in allen Geldangelegenheiten. Sie finden uns auch im Internet unter www.hafnerbank.de SEIT GENERATIONEN DIE PRIVATBANK MAXIMILIANSTRAßE 29 • 86150 AUGSBURG • TELEFON (0821) 34 650-0

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_14_ NEUE PRESSE VOM 01. DEZEMBER 2014 ENGELSGLEICHER GESANG VON BERND SCHELLHORN D ie Augsburger Domsingknaben gelten als Vorzeigechor. Junge und präzise geschulte Stimmen verzaubern in der Basilika Vierzehnheiligen das Publikum. Vierzehnheiligen- Alle Jahre wieder strömt am Vorabend des ersten Advents ein treues Publikum aus ganz Oberfranken nach Vierzehnheiligen, um sich auf die besinnliche Zeit einstimmen zu lassen. Dieses Jahr waren endlich die Augsburger Domsingknaben mit ihrem Gründer und musikalischen Leiter Reinhard Kammler zu Gast: Der rennomierte Klangkörper aus Knaben und jungen Herren reist bekanntermaßen durch alle Welt und bereichert bedeutende Musikfestivals und Opernbühnen mit der außergewöhnlichen Gepflegtheit seines A-cappella-Gesangs. Schon mit den ersten Klängen erhält der Zuhörer eine Vorstellung von den höheren Sphären, in denen dieser Chor schwebt. Mühelos klingen die Knaben-Soprane sich im Piano gut gestützt in die Höhe und verbinden sich mit weiteren Stimm- Registern herrlich klar intoniert zu einem chorischen Ganzen. Domkapellmeister Reinhard Kammler gibt ruhige und klare Zeichen vor, die exakt von den Sängern übernommen werden. Es klingt plastisch-elastisch und leichtfüßig elegant. Die Stimmen schweben im Kirchenraum, der Bass stellt sich in der Tradition der hohen Musica Sacra nicht als Fundament unter oder über das Klanggebäude, sondern setzt erst am Ende der vorgetragenen Werke eine Art Punkt mit Bodenhaftung: Dann nämlich geben die Bassisten ihren schlankgeführten Registern feinfühlig etwas Körperlichkeit und erden den Schluss-Akkord. Was vorher flirrte, glitzerte, strahlte, sich in verschlungener Kontrapunktik und trotzdem wunderbar textverständlich durch die atemberaubende Akustik der Basilika bewegte, kommt dann entspannt zu besinnlicher Ruhe. Welch ein Hörvergnügen! Endlich nutzt ein versierter Leiter wie Reinhard Kammler einmal die akustischen Möglichkeiten der Basilika, indem er den Chor an verschiedenen Stationen platziert: links und rechts in den Seitenschiffen bei den Doppelchören, an den Nebenaltären – was auch dem Publikum im hinteren Bereich der Kirche einen Blick auf den Sänger erlaubt – und sogar auf der Kanzel. Von hier besingt ein Knabe, wie der verkündende Engel über die Köpfe der Anwesenden hinweg, Marias Reise durch den Dornwald- in solch erhabener Reinheit und Klarheit, dass es manchem die Tränen in die Augen treibt. Die vorgetragene Literatur spannt einen Bogen von der strengen Gregorianik bis zum kunstvoll-bearbeiteten Volkslied. Jedes Werk wird ernst genommen und auf höchstem Niveau dargeboten. Alpenländische Weisen, ja sogar Jodler, erfahren eine sinnliche Eindringlichkeit. Volkslieder erklingen in wohltuend-erzählerischer Ruhe und Beständigkeit. Mit ihrem Echo-Raum-Klang verblüffen die doppelchörigen Motetten, und die niederländische Schule mit ihrer plastischen Mehrstimmigkeit vermittelt dem Zuhörer eine Ahnung von der Allmacht der Liebe und der Größe der Schöpfung: In allen Chorwerken, wiedergegeben von diesen hochtalentierten Sängern, bricht sie sich lebendig und zeitlos ins Jetzt. Ein zufriedenes Gefühl der Geborgenheit stellt sich bei den Zuhörern ein: Wir kommen an, es ist Advent. Das Publikum gibt tief-empfundenen und lang andauernden Beifall für dieses wunderbare Konzert-Erlebnis. Basilika Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein in Oberfranken.

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AUGSBURGER ALLGEMEINE VOM 19. DEZEMBER 2014 _15_ FROHE BOTSCHAFT MIT ALLEN MUSIKALISCHEN MITTELN D I E A U G S B U R G E R D O M S I N G K N A B E N B E G E I S T E R N M I T E I N E R G E S A M TA U F F Ü H R U N G V O N B A C H S W E I H N A C H T S O R AT O R I U M I N E V. H E I L I G K R E U Z . D I E S I C H T A U F D A S W E R K W U R D E Ü B E R R A S C H E N D W E I T E R E N T W I C K E LT V O N M A N F R E D E N G E L H A R DT M it ihren leuchtenden Knabenstimmen überzeugten die Augsburger Domsingknaben bei der Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium. Vorher absolvierten sie eine Amerika-Reise, dann einen Auftritt beim Bundespräsidenten – nichts war an Substanzverlust zu spüren, als die Augsburger Domsingknaben eine Tradition in Szene setzten. An zwei Abenden war in ev. Hl. Kreuz Bachs Weihnachtsoratorium wieder Höhepunkt des musikalischen Advents. Reinhard Kammler, Dirigent und Leiter am Cembalo, hat seine Sicht auf das Prachtwerk teils behutsam, teils auch überraschend weiter entwickelt. Auch der langjährige Partner, das Residenz-Kammerorchester München, trägt zur Balance bei: zuverlässige Kontinuität und musikalisch-technische Frische. So konnte Kammler am Mittwoch, dem Abend der letzten drei von sechs Weihnachtsoratorium-Kantaten, seinen 60. Geburtstag nicht besser feiern, als durch dieses musikalische Fest. Wie ein altmeisterliches Gemälde auf Goldgrund, mit detaillierten Genre-Szenen, aber auch großem allegorischen Auftritt spiritueller Figuren erscheint diese Musik, in der sich erzählender Evangelien-Text, reflektierender Choral-Gestus, frei gedichtete Verinnerlichung in den Arien und großen Chor-Tableaus verbinden. Das Parodie-Verfahren, nach dem Bach Substanzen, ja Identitäten weltlicher Werke durch Text und Anlass ins Religiöse umwidmet, ist als Widerspruch aufgehoben, denn Bach sieht jede Musik als göttliche Lobpreisung und göttlichen Ursprungs. Alle Kompositionen signierte er als „Soli Deo Gloria“, nur zum Ruhm Gottes. Dies geht einher mit dem Selbstverständnis der Domsingknaben, die ihr „Kerngeschäft“, die musikalische Gestaltung der Liturgie, mit spielerisch-szenischen Auftritten und Konzerten (Oper, Volkslied, Unterhaltungsgut) zu verbinden wissen. Die Genres überlagern sich; in Rezitative sind ariose Kommentare eingeflochten, setzen sich in Solo-Arien fort, münden in Choräle, die wiederum unterschiedlichste Haltungen einnehmen. Sie können gebetshaft sein, aber auch dramatisch aufblitzen und werden von Kammler in ihrer Differenziertheit aufgefasst: Es gibt inniges Schweben, aber auch jäh einbrechende Haltungen, wie die stürmische Erkenntnis „Brich an, o schönes Morgenlicht“ nach dem Schalmeien-Frieden der Sinfonia. Was Reinhard Kammler in den Chören an Transparenz und federnder Beweglichkeit herausholt, ist teils atemberaubend. Neben dem von Trompeten und Pauken befeuerten Auftakt „Jauchzet, frohlocket“ sei die Eröffnung von Kantate V, „Ehre sei dir“, genannt: Diesmal überraschte Kammler bei aller Rasanz mit fast zurückhaltender, swingend-virtuoser Eleganz. Die Knaben-Solisten – Jan Enderle, Nicolas Schwandner, Valentin Wohlfarth (Sopran), Julius Gerheuser, Benedikt Hillringhaus, Valentin Meyer (Alt) – setzten ihre ganz eigen leuchtenden Knabenstimmen, die ja nicht mit füllig-perfekten Sängerinnen konkurrieren wollen, mit erstaunlicher Standfestigkeit ein; stellvertretend seien die feine „Echo-Arie“ oder das von Peter Riehms seidigen Violinklängen begleitete „Schließe mein Herze“ genannt. Die Rezitativ-Erzählung brachte wieder Gerhard Werlitz’ geschmeidiger Tenor zum Ausdruck. Andrew Mahon passte seinen sanften Bass, wenn gefordert, sensibel den Knabenstimmen an. Das Continuo mit Cellist Hartmut Tröndle an der Spitze garantierte für motorische Präzision. Oboen, Hörner, Trompetenpracht ergänzten die Klangfinessen des Residenz-Orchesters. Ovationen für Reinhard Kammler und seine Partner. ALLE BILDER AUF www.augsburger-domsingknaben.de Von der Herbergssuche bis zur Erscheinung Christi Die Charakteristika der sechs Kantaten sind mit allen musikalischen Mitteln realisiert: Herbergssuche und Geburt Christi in der 1. Kantate; Kantate 2 und 3 schildern, besonders in der einleitenden Sinfonia, das „lallend“ staunende Hirtenvolk; die drei letzten Kantaten – Neujahrstag, Sonntag nach Neujahr, Fest der Erscheinung Christi – reichen vom Begreifen des Erlösergedankens bis zur beklemmend vorausschauenden Ahnung des innewohnenden Opfertodes Jesu.

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