Island mit Stefan Seuß

 

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Praxis Pur von Stefan Seuß

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B  urlaub & abenteuer island Boliden vor I Bolungarvik Eigentlich ist es Wels- und Karpfenspezi Stefan Seuß gewohnt, dass er stunden- oder gar tagelang auf einen Biss warten muss. Als er zum ersten Mal auf Dorsch und Heilbutt fischte, eröffnete sich ihm daher eine völlig neue Angel-Dimension. sland ist ein Land der Extreme: Es wird geprägt durch eine karge Landschaft mit großen Gletschern und einer zerklüfteten Küsten­ region mit spektakulären Steilküsten und Fjorden. Sommerliche Temperaturen wie in unserer Region sind unbekannt. Wenn das Thermometer so eben auf die 15 Grad Marke klettert, ist es warm auf Island. Das macht aber gar nichts, denn für Hitzewallungen sorgen hier die Fischgrößen: Der Dorschrekord liegt hier bei 181 Zentimetern und 60 Kilogramm aus dem Jahre 1941, erzählt mir gleich nach meiner Ankunft Haukur Vagnsson, Betreiber des Vaxon-Angelzentrums in Bolungarvik. Geradezu ins Schwärmen gerät er, als er von dem Fang des damaligen Rekord- Vor Island keine Seltenheit: Doppeldrill im Boot. 100  FISCH & FANG 9/2011

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butts (219 Kilogramm bei 248 Zentimetern) durch Kingfisher-Gäste berichtete. Nach dem Flug von Frankfurt nach Keflavik und dem Transfer nach Isafjördur hatte mich Haukur in Empfang genommen. Er selbst ist gebürtiger Isländer, hat einige Zeit in Deutschland gelebt und spricht sehr gut Deutsch. Im Angelzentrum direkt am Hafen erwartete mich zudem Meeresprofi Thors­ ten Ahrens, mit dem ich für Reiseveranstalter Kingfisher das Revier testen sollte. Nach einer Bootseinweisung lacht uns Haukur an und verspricht: „Es ist unmöglich, in Island an den Fischen vorbei zu angeln! Die Fischgründe beginnen direkt vor dem Hafen, so dass man auch bei schlechtem Wetter mit starkem Wellen- gang in Küstennähe erfolgreiche Fischerei erleben kann“, so der erfahrene Meeresspezi. Voller Erwartung starten wir in den ersten Angeltag. Thorsten erklärt mir bei der Fahrt zu den Fanggründen wichtige Details zur Meeresfischerei. Er hat eine große Sammlung an Pilkern und anderen Kunstködern dabei. Großes Vertrauen schenkt er fluoreszierenden Pilkern und Giant-Jig-Heads mit Gummifisch oder Naturködern. Beim ersten Stop im Fjord beangeln wir eine abfallende Kante von 50 auf 70 Metern. Ich bekomme einen harten Biss kurz über Grund und staune nicht schlecht. Beim Süßwasserfischen muss man oft stundenlang, manchmal sogar tagelang ausharren, um einen Biss zu bekommen - und hier in Island kracht es gleich beim ersten Anzupfen des Gummishads. Kurze Zeit später taucht mein erster Island-Fisch an der Oberfläche auf. Thorsten legt das Maßband an und beglückwünscht mich zu meinem ersten Dorsch, der auch gleich noch einen Meter hat. In den darauffolgenden Stunden drillen wir, bis die Arme schwer werden. Schon jetzt ist mir bewusst, dass es hier, knapp südlich des Polarkreises, unglaublich viel Fisch geben muss. Bevor ich mich richtig über meinen ersten Fang freuen kann, stehe ich schon wieder mit krummer Rute im Boot. Direkt neben mir pumpt Thors­ ten - ein Doppeldrill vor traumhafter Kulisse. Dorsch-Bolide: Thorsten Ahrens mit 24 Kilo schwerem und 135 Zentimeter langem Dorsch. FISCH & FANG 9/2011  101

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B  urlaub & abenteuer island Am nächsten Tag hat der Wind stark aufgefrischt. Im Angelzentrum hängt der tägliche Wetterbericht der Küstenwache, den wir mit Enttäuschung lesen. Eine Ausfahrt wird nicht möglich sein. Kurz entschlossen packe ich eine leichte Spinnrute ein und gehe runter zum Hafen, um im Schutz der Mole mit Fetzen zu angeln. Kaum trifft der Köder am Grund auf, fährt schon der erste Biss in meine Rute. Nach jedem Auswurf hängt eine Kliesche am Haken, darunter wirklich beachtliche Fische von mehr als 35 Zentimetern. Am 3. Tag hat der Wind etwas nachgelassen, und wir entscheiden uns zur Aus- Film ab! Sehen Sie, wie sich Großwels-Spezi Stefan Seuß mit Großdorschen vor Island anlegt. fahrt. Eine Besonderheit hat der Isa-Fjord: Bei Bolungarvik fällt der Grund verhältnismäßig steil auf über 100 Meter ab und erreicht in der Fjordmitte Tiefen von über 130 Metern. An den Kanten, die zum Teil keine zehn Bootsminuten vom Hafen entfernt sind, liegen die besten Angelplätze. Man hat also auch bei schlechtem Wetter keine langen Fahrtwege und kann dicht unter Land gute Fänge machen. An diesem Tag wollen wir gezielt auf Steinbeißer fischen. Pilker mit Fetzenködern und Naturködersysteme kommen zum Einsatz. Aber auch hier sind wir vor den zahlreichen Dorschen nicht sicher. Kaum ist der Köder länger als eine Minute am Grund, hat sich schon ein Interessent gefunden. Leider kommt kein Steinbeißer zum Vorschein, und wir können nur Dorsche verführen. Vielleicht waren wir mit unserer Reisezeit im August auch nicht gerade zur Top-Steinbeißer-Saison vor Ort. Die besten Zeiten sind April bis Juni. Klasse Klieschen: Kann man wegen des Wetters nicht rausfahren, lassen sich im Hafen leckere Plattfische fangen. Der erste, und dann metrig: Stefan Seuß freut sich über seine Dorsch-Premiere. Egal, ob Gummi, Köderfisch oder Fetzen: Natur- und Kunst­ köder bringen Fisch. Am 4. Tag herrscht fast vollkommene Windstille, das Wetter hat sich beruhigt. Wir nutzen die Chance und fahren zu einem Punkt weit draußen vor der FjordMündung, den uns Matthias Fuhrmann genannt hat. Dort stehen die Chancen auf wirklich kapitale Räuber in der 20-KiloKlasse sehr gut. Als wir unser Boot in die Drift stellen und unsere Köder auf über 120 Meter absacken lassen, versammeln sich einige Möwen um das Boot. Anscheinend wissen die Vögel, was uns Angler hier unter Wasser erwartet. Kaum ist mein Köder unten, steht Thorsten mit krummer Rute neben mir. Der Fisch bleibt in der Tiefe, als plötzlich Schnur von der Rolle gerissen wird. „Vielleicht haben wir den König der Nordmeere gehakt“, sagt Thorsten mit Span- Fotos: Verfasser 102  FISCH & FANG 9/2011

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Direkt vorm Hafen: Um gut zu fangen, muss man nicht weit rausfahren. » In Island muss man jederzeit mit Dorschen von über 50 Pfund rechnen. « einer Länge von 135 Zentimetern. Spätes­ tens jetzt ist mir klar, dass man hier jederzeit mit Dorschen von über 50 Pfund rechnen kann und muss. Dementsprechend muss auch das Gerät ausgewählt sein. Light Tackle ist hier absolut fehl am Platz, denn man kann Großdorschen damit keinerlei Paroli bieten. Allein an diesem Tag fangen wir über 100 Dorsche, darunter sicher 40 Fische, die die magische Länge von einem Meter überbieten - absoluter Wahnsinn! Am 5. Tag wollen wir gezielt auf den König des Nordmeeres fischen. Wir suchen uns flachere, sandige Bereiche dicht unter Land, mit einer Wassertiefe zwischen zehn und 20 Metern. Genau in solch einem Areal wurde der Rekordfisch gefangen, und ein zweiter Butt ging nach hartem Drill verloren. Die Isländer vermuten, dass die Großbutts wegen der Möwen so nah unter Land kommen. Die Vögel haben in den Felsen ihre Nester, und die großen Räuber sehen herabfallende Möwen­ eier nung in der Stimme. Hoffentlich ist es tatsächlich ein Butt - so wie der Fisch Schnur von der Rolle zieht, könnte es jedenfalls einer sein. Nach einigen Minuten steht der Fisch noch immer über Grund, doch die Fluchten werden kürzer - das sieht einem Heilbutt nicht ähnlich. Nach 20 Minuten taucht ein für mich riesiger Dorsch an der Oberfläche auf. So einen Fisch habe ich bisher noch nicht live gesehen. Die Landung glückt, und Thorsten päsentiert einen Brocken von über 24 Kilogramm bei Doppelte Freude: Thorsten (l.) und der Autor mit schönen Island-Dorschen. Blick auf Bolungarvik mit dem Hafen. Von hier geht es zu den Fanggründen. DVD-Tipp Thorsten Ahrens hat zusammen mit seiner Frau Insa die RevierDVD „Island, Island, Island“ herausgebracht. 105 min, Preis: 12,95 € (zzgl. 2,50 € Versand). Bezug: www.mediafishingteam.de FISCH & FANG 9/2011  103

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B  urlaub & abenteuer island Reise-Check v Das Land: Island ist erdgeschichtlich das jüngste Land Europas und entstand gerade einmal vor 17 Millionen Jahren durch Vulkanausbrüche auf dem Mittelatlantischen Rücken. Auch heute noch ist Island voller geologischer Aktivitäten. Die kleine Insel mit zirka 310.000 Einwohnern ist etwa so groß wie England. v Zusatzinfos: Jeder Kingfisher-Gast erhält bei Reise­ antritt eine Seekarte mit GPS-Punkten der Erfolg versprechendsten Fischgründe im Isa-Fjord. Plätze außerhalb des Fjords sollten nur bei ruhigem und stabilem Wetter angefahren werden. Wer den Hafen verlässt, muss sich bei der Küsten­ wache per Funk abmelden. Kommt man zurück, muss man sich wieder anmelden - ein deutliches Plus an Sicherheit für die Gäste. Seit dem letzten Jahr befinden sich im Vaxon-Angelzentrum drei neue Offshore-Boote für bis zu sechs Angler. Ausstattung: Kabine, Dieselmotor mit 170 PS, GPS, Echolot, Kartenplotter, Sicherheitstechnik (Rettungs­ insel, Seefunk und GPS-gestützter Notfallsender). Der Hafen bietet dem Angler bei schlechtem Wetter die Möglichkeit, vom Land aus zu fischen. Weitere Freizeitmöglichkeiten in und um Bolungarvik sind das Schwimmbad mit Therme und Massage und das Meeres-Museum. v Ausrüstung: Der Autor fischte eine 2,40 Meter Inliner Rhino Black Cat, Wurfgewicht: 180 bis 300 Gramm. Bestückt mit einer mittleren Multirolle und 0,28er-Geflochtener, erwies sich diese Kombi als sehr zuverlässig. v Versorgung der Fänge: Die Angler bringen ihren Fang in den mit Eis gefüllten Boxen auf dem Boot unter. Jeden Morgen werden die Boxen von den Fischern im Hafen entladen und mit frischem Eis aufgefüllt. Der Fisch wird zur Weiterverarbeitung in die Fischfabrik gebracht. Kingfisher-Gäste erhalten am Ende ihres Aufenthaltes am Flughafen ein 20 Kilogramm schweres Paket Fischfilet in einer Thermotasche. v Infos und Buchung: Kingfisher Reisen, 56009 Koblenz, Tel. 0 261/ 91554-0, Internet: www.kingfisherangelreisen.de wohl als leckere Mahlzeit an. So zumindest die Theorie. Der Fang eines RiesenButts hier in Island ist aber mit sehr viel Glück verbunden, die Bestände sind nicht so gut wie in Norwegen. Als Top-Köder gelten Bergmann-Pilker und große Gummiköder. In den nächsten vier Stunden fangen wir mehrere Tangdorsche, darunter Fische in den herrlichsten Rottönen. Ein Heilbutt bleibt uns leider verwehrt. Am 6. Tag haben wir uns nochmals Großdorsche zum Ziel gesetzt. Wieder vergeht kaum Zeit, bis Thorsten und ich mit krummer Rute im Boot stehen. Einer der ausdauernden Kämpfer steigt mir nach 15 Minuten Drillzeit aus. Beim Einholen des Pilkers bekomme ich im Mittelwasser einen brachialen Biss, dass es mir fast die Rute aus den Händen reißt. Der Fisch nimmt sofort Schnur und flüchtet in Richtung Grund. Ich erhöhe den Druck, und es gelingt mir, den vermeintlichen Dorsch zu stoppen. Langsam pumpe ich ihn hoch und gewinne wieder Schnur. Als mein Kontrahent dann an der Oberfläche auftaucht, lasse ich einen Freudenschrei los: ein Dorsch-Bolide mit über 17 Kilogramm. Ein schöner Abschluss meiner Island-Reise. a Nach so vielen Drills darf man sich auch mal ein Nickerchen gönnen. Seuß sieht rot: Der Autor mit wunderschön gefärbtem Tangdorsch. 104  FISCH & FANG 9/2011

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