Bundesländerindex Mobilität 2014/2015

 

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Mit dem Bundesländerindex Mobilität liefert die Allianz pro Schiene einen systematischen Bundesländervergleich, der vorhandene statistische Daten im Bereich der Mobilität und die verkehrspolitischen Weichenstellungen in allen 16 Ländern aufbereitet.

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Bundesländerindex Mobilität 2014/2015 Statistik und Politik: Ein Nachhaltigkeitsranking Ein Projekt der: Wissenschaftliche Begleitung: Gefördert vom:

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IN H A LT S V E R ZEICH NIS V O RW O RT Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4 Es geht voran! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4 Fragen und Antworten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .6 Gesamtergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Ergebnisse der Themenbereiche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Länderporträts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Baden-Württemberg (3): Ein Abo auf die Bronzemedaille . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Bayern (15): Versteckspiel bei den Klimagasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Berlin (1): Die Hauptstadt ist der Primus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Brandenburg (9): Leise bis ins Mark . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Bremen (7): Ein Hoch auf die Hansestadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Hamburg (16): Zeit zum Umsteuern! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Hessen (6): Im Zeichen des Flughafens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Mecklenburg-Vorpommern (14): Verkehr frisst Fläche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Niedersachsen (8): Viel gute Luft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Nordrhein-Westfalen (4): Vision Zero beim Straßenverkehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Rheinland-Pfalz (5): Die Dynamik stimmt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Saarland (13): Vorzeigbare Klimabilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Sachsen (11): Verkehrswende steht noch aus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Sachsen-Anhalt (12): Endstation Nachhaltigkeit noch weit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Schleswig-Holstein (10): Solides Mittelfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Thüringen (2): Deutscher Meister bei der Sicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 Inhaltlich und optisch gibt es einige Neuerungen: Die Nachhaltigkeitsindikatoren für den Bundesländervergleich haben wir thematisch gestrafft. Aus dem Nachhaltigkeitsdreieck (Ökonomie, Ökologie, Soziales) kristallisieren sich jetzt acht Themenbereiche heraus, für die belastbare Daten auf Bundesländerebene vorliegen. Natürlich ist das gestraffte Bundesländerranking nicht mehr ohne weiteres mit den Vorjahresrankings vergleichbar: Ein Manko, das wir in Kauf genommen haben, um die mächtigen Datensätze hinter dem Index besser konsumierbar zu machen. Wie die außerordentlich große Resonanz zeigt, sind wir auf dem richtigen Weg: Auszeichnung durch den Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung, intensive Diskussionen in den Arbeitsgremien der Verkehrsministerkonferenzen der Länder, Stolz und große Freude bei den ausgezeichneten Bundesländern, ein breites Medienecho. Wir bleiben dran: die Diskussion um nachhaltige Mobilität gehört endlich auf die poli­ tische Tagesordnung, bundesweit. Viel Freude und Inspiration bei der Lektüre wünschen Dirk Flege Martin Roggermann Dirk Flege Herausgeber: Allianz pro Schiene e.V. Reinhardtstraße 31, 10117 Berlin T 030.246 25 99-0 F 030.246 25 99-29 E info@allianz-pro-schiene.de W www.allianz-pro-schiene.de Impressum: Inhalt: Redaktion: Dirk Flege, Martin Roggermann Dr. Barbara Mauersberg, Helge Zobel Wissenschaftliche Begleitung:  Prof. Dr. Wolfgang Stölzle, Lehrstuhl für Logistikmanagement Universität St.Gallen Kooperationspartner: Gestaltung und Grafiken: Titel: Foto-Redaktion: Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR) Luecken-Design.de iStockphoto.com/visualgo, bearb. Luecken-Design Helge Zobel GeschäftsführerProjektleiter V.i.S.d.P.: Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene e.V. Gefördert vom Fonds zur sozialen Sicherung für Arbeitnehmer der Mobilitäts-und Verkehrsdienstleister e.V 2 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/20153 Bildschön / Rasalzyk zur Elektromobilität gehört mehr als die E-AutoFörderung. Und nachhaltige Mobilität ist mehr als Bahnfahren. Nachhaltige Mobilität ist komplex und schwer zu fassen. Personen- und Güterverkehr ökonomisch, ökologisch und sozial in Einklang zu bringen, ist eine große, aber drängende Herausforderung, der sich viele Bundes­ länder nur zögerlich stellen. Umso mehr erfüllt es uns mit Zuversicht, dass wir mit inhaltlicher Unterstützung der Bundesländer nunmehr die dritte Auflage unseres „Bundesländerindex Mobilität“ vorlegen können. Martin Roggermann Bildschön / Semmer Liebe Leserinnen und Leser,

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E IN LE I T U N G E I N LE I TUN G Es geht voran! Wenn es um die großen Zukunftsfragen der Gesellschaft geht, sitzt die deutsche Verkehrspolitik noch immer am Katzentisch. Viele Politiker stellen den Verkehr als Naturereignis dar, das es im besten Falle zu bewältigen gilt. In den drei Jahren seines Bestehens wirbt der Bundesländerindex Mobilität um eine andere Sichtweise: Danach ist der Verkehr vor allem eine politische Aufgabe, die von den Regierungen unterschiedlich energisch und unterschiedlich erfolgreich wahrgenommen wird. Natürlich zielt ein solcher Ländervergleich ins verkehrspolitisch Eingemachte: Wo in Deutschland leiden die Bürger am wenigsten unter Verkehrslärm? In welchen Bahnhöfen fühlen sie sich am sichersten? Was planen Länder mit vielen Verkehrstoten gegen die hohen Opferzahlen? Welche Regierungen sind besonders ehrgeizig in Richtung „nachhaltige Mobilität“ unterwegs? Für solche Fragen stellt der Index einen Rahmen dar, der die mobilitätsrelevante Statistik einbezieht und die verkehrspolitischen Weichenstellungen in allen 16 Bundesländern abfragt. Damit das Länderranking auch die gebührende Seriosität auf die Waage bringt, hat sich die Allianz pro Schiene wissenschaftliche Beratung gesichert: Prof Dr. Wolfgang Stölzle, Leiter des Lehrstuhls für Logistikmanagement an der Universität St. Gallen, begleitet den Index seit seiner Entstehung wissenschaftlich. Als Fachmann weiß Stölzle, dass Konzepte für nachhaltige Mobilität auch das Ergebnis politischer Entscheidungen sind. Bereits der Begriff„Nachhaltigkeit“ ist ein Sammelbecken für Zielkonflikte. So bringt es auch der parlamentarische Beirat für die nachhaltige Entwicklung des Bundestages auf den Punkt: „Nachhaltige Mobilität muss sicherstellen, dass ein sich änderndes Mobilitätsbedürfnis der Gesellschaft mit geringerem Ressourcenverbrauch und reduzierten Treibhausgasemissionen (…) befriedigt werden kann – und das zu bezahlbaren Preisen“. Damit der Bundesländerindex Mobilität seinen Teil dazu beitragen kann, ist er als „lernendes System“ aufgestellt. Sinnvolle Verbesserungsvorschläge von Ländern, Verbänden und Medien aus dem letzten Jahr hat die Allianz pro Schiene ernst genommen und in die aktuelle Version eingebaut. Um den Bundesländerindex Mobilität weiterzuentwickeln, führten wir nach der Premiere im Sommer 2012 viele Gespräche in den Ministerien der Länder und mit regionalen Verbänden. Dieser Entwicklungsprozess war für die Macher des Indexes wichtig. Das lernende System hat aber auch einen Nachteil: Durch die Änderungen ist der Index nicht mehr direkt mit dem des Vorjahres vergleichbar. Neu ist die nach acht Themenbereichen geordnete Grundstruktur des Ländervergleichs: Statistische Daten und verkehrspolitische Weichenstellungen fließen für das Endergebnis eines Themenbereichs zusammen. So berücksichtigt beispielsweise die Wertung im Bereich Klimaschutz sowohl die CO2Emissionen des Verkehrs und deren Entwicklung als auch die Klimaschutzziele der Landespolitik. Wie in den vergangenen Jahren haben wir dazu eine Befragung der Landesverkehrsministerien durchgeführt: 13 Bundesländer haben die Chance genutzt und ihre Ziele in der Verkehrspolitik dargelegt. Natürlich fragen wir uns im Jahr drei des Indexes, ob unsere Arbeit die verkehrspolitische Landschaft verändert hat. Ermutigung ziehen wir aus einem Beschluss der Konferenz der Länderverkehrsminister vom November 2013. Dort heißt es mit der gebotenen ministerialen Präzision: „Die Verkehrsministerkonferenz begrüßt, dass der Nachhaltigkeitsansatz in der Mobilitäts- und Verkehrspolitik der Länder einen zentralen Stellenwert einnimmt. In einigen Ländern werden die Nachhaltigkeitsstrategien bereits verstärkt durch Nachhaltigkeitsindikatoren ergänzt.“ Was das bedeutet? Ganz einfach: Es geht voran. Lob und Preis vom Rat für Nachhaltige Entwicklung  er von der Bundesregierung eingesetzte D Nachhaltigkeitsrat hat den Bundesländerindex Mobilität im Jahr 2013 ausgezeichnet. Der Ländervergleich ist unter den drei prämierten Verkehrsprojekten das einzige mit bundesweiter Reichweite. Mit an Bord: Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) ist Kooperationspartner beim Bundesländerindex Mobilität. Als Mitunterzeichner der Länderbefragungen bringt der DVR auch seine Expertise beim Thema Verkehrs­ sicherheit ein. Konkret bewertet er die Antworten der Länder zu der Frage, wie sie ihre regionale Verkehrssicherheitsarbeit koordinieren und welche Institutionen sie bei dem Thema beteiligen. Der DVR ist seit mehr als 40 Jahren unabhängiger Vorreiter für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Seit 2007 verfolgt er die „Vision Zero“. So fließen die Einzelindikatoren in das Gesamtergebnis ein: Bruttowertschöpfung Verkehr und Lagerei Arbeitsplätze Fahrdienst Tariftreuegesetzgebung Sicherheitsempfinden an Bahnhöfen und Haltestellen 10,0 % 5,0 % 6,0 % 4,0 % Verkehrsfläche pro Einwohner Sicherheitsempfinden in öffentlichen Verkehrsmitteln 5,0 % Politische Weichenstellungen 5,6 % 4,2 % Beschäftigung Wertschöpfung öffentlicher 4,2 % Verkehr 10% Sicherheit 10% öffentlicher Verkehr 10% 5,6 % Flächenschonung 14% Anteil Verkehrsfläche an Gebietsfläche Politische Weichenstellungen Schwerverletzte 4,2 % Sicherheit Straßenverkehr 14% Klimaschutz 14% 8,4 % CO2-Emissionen des Verkehrs 4,2 % Getötete Luftqualität 14% 5,6 % 4,2 % Lärmvermeidung 14% 4,2 % 5,6 % Politische Weichenstellungen Politische Weichenstellungen NO2-Immissionskonzentration in Städten PM10-Immissionskonzentration in Städten 4,2 % 5,6 % 4,2 % Betroffene Verkehrslärm tagsüber Betroffene Verkehrslärm nachts Politische Weichenstellungen 4 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/20155

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E IN LE I T U N G E I N LE I TUN G Fragen und Antworten Welche Daten gehen in den Index ein? Im Index wird nicht nur gewertet, wie ein Land derzeit statistisch abschneidet, z. B. wie viele Verkehrsopfer es gibt, sondern auch, welche Ziele sich die Landespolitik gesetzt hat, um die Situation zu verbessern (z. B. Verkehrssicherheitsziel). Beides geht in das Ergebnis ein. So besteht beispielsweise der Themenbereich Sicherheit Straßenverkehr aus statistischen Daten (60 Prozent) und aus verkehrspolitischen Weichenstellungen (40 Prozent). Gesamtergebnis Mit Berlin, Thüringen und Baden-Württemberg liegen zwei Flächenländer und ein Stadtstaat an der Spitze des Ländervergleiches. Alle drei Bundesländer punkten vor allem bei den politischen Weichenstellungen mit konkreten Zielen. Nordrhein-Westfalen und RheinlandPfalz komplettieren die Spitzengruppe. Bayern (Rang 15) 0 Punkte 20 Punkte 40 Punkte nahm nicht an der Länderbefragung teil und verzichtet nach wie vor darauf, CO2-Daten zu veröffentlichen. Auch Sachsen (Rang 11) und Niedersachsen (Rang 8) vergeben die Chance, ihre politischen Ziele selbst dar­ zulegen. Kann man Verkehr gestalten? Der Bundesländerindex Mobilität arbeitet heraus, dass Verkehr kein naturgesetzliches Ereignis, sondern eine Aufgabe der Politik ist. Neben der Bundesregierung und den Kommunen haben die Bundesländer nennenswerten Einfluss auf die Gestaltung der Verkehrspolitik in Deutschland. In ihren Aufgabenbereich fallen beispielsweise Raumplanung, der gesamte Bereich des Schienen­ personennahverkehrs und die Verwendung der vom Bund für den Verkehr zur Verfügung gestellten Mittel. 60 Punkte 80 Punkte 100 Punkte Platz 1 69 Platz 2 Platz 3 Platz 4 55 Platz 5 53 Platz 6 52 Platz 7 51 Platz 8 50 Platz 9 Platz 10 Platz 11 Platz 12 Platz 13 Platz 14 Platz 15 Platz 16 46 45 45 45 42 42 49 48 60 64 Berlin Thüringen Baden-Württemberg Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Hessen Bremen Niedersachsen Brandenburg Schleswig-Holstein Sachsen Sachsen-Anhalt Saarland Welchen Einfluss hat die Politik? Ob ein Land im Index gut abschneidet, kann die Landesregierung nur zum Teil beeinflussen. Viele Entwicklungen sind nur langfristig zu verändern, es gibt verschiedene Ausgangslagen und unterschiedliche Herausforderungen. So führt bei einigen Ländern viel Verkehr zu positiven Effekten, z.B. bei der Wertschöpfung. Zugleich leiden dieselben Länder aber auch unter den negativen Folgen, wie etwa höheren CO2-Emissionen. Dennoch hat jedes Land es selbst in der Hand, sich konkrete Ziele zu setzen und nachvollziehbar festzuschreiben. Denn nur wer sich Ziele setzt, kann auch welche erreichen. Sind Stadtstaaten oder Flächenländer im Vorteil? Die Bundesländer unterscheiden sich durch eine Reihe von Besonderheiten. So haben Flächenländer wegen der vielen Landstraßen und Alleen Sicherheitsnachteile gegenüber den Stadtstaaten. Stadtstaaten punkten zwar bei der einwohnerbezogenen Flächeninanspruchnahme, beim Lärm liegen sie aber weit hinten. Und auch bei den Luftschadstoffen schneiden sie relativ schlecht ab. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer regionaler Gegebenheiten – das sind etwa Großflughäfen, Seehäfen oder Transittrassen. Bei der Erarbeitung des Bundesländerindexes waren wir uns dieser Herausforderung bewusst. Das Ergebnis zeigt aber, dass der Bundesländerindex keine Länder mit besonderen Charakteristika bevorteilt. Wird der Zustand der Infrastruktur berücksichtigt? Bundesländerscharfe Daten zum Zustand der Verkehrsinfrastruktur sind derzeit nicht vorhanden. Deshalb kann der kaum nachhaltige Umgang mit der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland, der gerade die öffent­ lichen Debatten befeuert, nicht in den Index eingehen. Mecklenburg-Vorpommern Bayern Hamburg 100 = bestmögliches Ergebnis im Ländervergleich ■ Beschäftigung öffentl. Verkehr ■ Klimaschutz ■ Flächenschonung ■ Luftqualität ■ Sicherheit öffentl. Verkehr ■ Lärmvermeidung ■ Sicherheit Straßenverkehr ■ Wertschöpfung 6 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/20157

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E R GE B N I S S E DER T H EMENBEREI CHE Beschäftigung öffentlicher Verkehr Nach dem reinen Kostenkalkül ist die Sache klar: Je geringer die Personalkosten im öffentlichen Verkehr, desto besser erscheint die Bilanz. Aus der Fahrgastsicht sieht die Sache anders aus: Repräsentative Umfragen zeigen, dass ansprechbares Personal das Sicherheitsempfinden der Reisenden wesentlich erhöht. Daher ist auch mehr Personal politisch gewollt. Wie viele Zugbegleiter etwa im Schienenpersonennahverkehr eingesetzt werden, entscheiden nicht die Bahnen, sondern die Landespolitik, die den Regionalverkehr über Verkehrsverbünde bestellt. Deshalb eignet sich die Zahl, wie viele Beschäftigte in einem Bundesland je Einwohner für den Service der Fahr­ gäste sorgen, als Nachhaltigkeitsindikator. Zugbegleiter, Sicherheitspersonal und Servicepersonal tragen dazu bei, dass der öffentliche Verkehr attraktiver wird und weitere Fahrgäste gewinnt. Dadurch entwickelt sich der Mobilitätsbereich insgesamt nachhaltiger. Als verkehrspolitische Weichenstellung berücksichtigen wir im Bereich der Beschäftigung die Tariftreugesetzgebung für den öffentlichen Verkehr. Denn Arbeitsplatzsicherheit und verlässliche Bedingungen für die Beschäftigten sind Teil der sozialen Säule der Nachhaltigkeit. Flächenschonung Dass Fläche eine knappe, schützenswerte Ressource ist, hat die breite öffentliche Wahrnehmung kaum erreicht. Dabei werden in Deutschland Tag für Tag rund 74 Hektar zersiedelt, zerschnitten oder asphaltiert. Fast 40 Prozent davon braucht der Verkehr. Unter diesen gewaltigen Einschnitten leidet die Lebens­ qualität, Pflanzen und Tiere verlieren ihren natürlichen Lebensraum. Flächeninanspruchnahme hat außerdem oft weitere unerwünschte Folgen: die Siedlungsdichte nimmt ab, das Verkehrsaufkommen nimmt zu, der Energieverbrauch steigt und ein teurer Ausbau von Infrastruktur wird nötig. Hinzu kommen Umweltprobleme: Etwa dass Verkehrsflächen meist versiegelt sind, was das Regenwasser hindert, in den Boden einzudringen und dort zu versickern. Die Bundesregierung hat sich in ihrer Nachhaltig­ keitsstrategie zum Ziel gesetzt, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2020 auf täglich 30 Hektar zu reduzieren. Damit Deutschland dieses Ziel erreichen kann, müssen die Bundesländer ihren Beitrag leisten. Einzelindikatoren: ■  rbeitsplätze Fahrdienst Busse und A Bahnen pro 100.000 Einwohner  ariftreuegesetzgebung im T öffentlichen Verkehr 1 12 3 11 5 9 2 6 16 Einzelindikatoren: ■ ■ Verkehrsfläche pro Einwohner   nteil Verkehrsfläche an A Gebietsfläche  olitische Weichenstellungen P zur Flächenschonung 7 11 13 5 16 1 15 14 3 ■ ■ 7 13 4 8 ■ Spitzengruppe (Plätze 1 – 5) ■ Mittelfeld (Plätze 6 – 11) ■ Schlussgruppe (Plätze 12 – 16) 2 4 9 10 8 6 10 14 15 ■ Spitzengruppe (Plätze 1 – 5) ■ Mittelfeld (Plätze 6 – 11) ■ Schlussgruppe (Plätze 12 – 16) 12 8 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/20159

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E R GE B N I S S E DER T H EMENBEREI CHE Klimaschutz Der Klimawandel ist ein ernstes Problem, dem sich die Menschheit stellen muss. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hat sich die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre um 39 Prozent erhöht. Das Klimagas wird durch die massenhafte Verbrennung fossiler Energieträger freigesetzt. Einer der zentralen CO2-Verursacher ist der Verkehrssektor – in Europa ist er (einschließlich des internationalen Luft- und Seeverkehrs) für rund ein Viertel der gesamten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Doch während europäische Haushalte, Energie-Erzeuger und Industrie seit 1990 deutliche Rückgänge der Treibhausgasemissionen verbuchen konnten, erhöhte sich der Ausstoß im Verkehrssektor um mehr als 20 Prozent. In Deutschland gehen rund ein Fünftel der CO2-Emissionen allein auf das Konto des Verkehrs. Der Verkehr bleibt also ein Klimasorgenkind. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, die gesamten CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Ein konkretes Klimaschutzziel für den Verkehr hat sich die EU gesetzt, so sollen die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2030 um 20 Prozent unter den Stand von 2008 sinken. Neben den verkehrsbedingten CO2-Emissionen bewerten wir, ob ein Bundesland dem Verkehrssektor eigene Klimaschutzziele setzt und damit Fortschritte in diesem besonders rückständigen Bereich anstößt. Lärmvermeidung Lärm ist lästig und macht krank: Studien belegen eine erhöhte Schlaganfall-Gefahr bei Personen, die ständigem Verkehrslärm ausgesetzt sind. Als besonders störend empfinden die Deutschen den Straßenverkehrslärm. Platz zwei der BelästigungsRangfolge belegen startende und landende Flugzeuge, der dritte Platz geht an die liebe Nachbarschaft. Das sind die Ergebnisse einer im April 2011 veröffentlichten Lärmumfrage des Umweltbundesamtes (UBA), an der sich rund 70.000 Menschen beteiligt haben. Auch Schienenlärm wird von zahlreichen Befragten genannt. Der Verkehrssektor bleibt mit Straßen-, Flug- und Schienenlärm zusammengenommen der unrühmliche Spitzenreiter in Sachen Lärmbelastung – noch vor Industrie und Gewerbelärm. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, die Lärmbelästigung bis zum Jahr 2020 wesentlich zu reduzieren. Ausgehend von 2008 soll die Belästigung durch Lärm im Flugverkehr um 20 Prozent, im Straßen- und Binnenschiffsverkehr um 30 Prozent und im Schienenverkehr um 50 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig sieht das Bundesimmissionsschutzgesetz vor, dass beim Überschreiten von Lärmgrenzwerten Lärmaktionspläne aufgestellt werden müssen. Für das Nachhaltigkeitsranking betrachten wir für jedes Bundesland, wie viele Menschen in gesund­ heitsgefährdendem Ausmaß von Verkehrslärm betroffen sind und welche Lärmschutzziele die Landesregierungen verfolgen. 5 Einzelindikatoren: ■ CO2-Emissionen des Verkehrs pro Einwohner  olitische Weichenstellungen P zum Klimaschutz 12 4 15 3 9 1 10 14 Einzelindikatoren: ■  nteil Betroffener von Verkehrslärm A tagsüber  nteil Betroffener von A Verkehrslärm nachts  olitische Weichenstellungen P zur Lärmvermeidung 15 1 16 10 4 6 13 5 2 ■ ■ ■ 8 13 6 ■ Spitzengruppe (Plätze 1 – 5) ■ Mittelfeld (Plätze 6 – 11) ■ Schlussgruppe (Plätze 12 – 16) 14 9 8 7 3 7 11 2 16 ■ Spitzengruppe (Plätze 1 – 5) ■ Mittelfeld (Plätze 6 – 11) ■ Schlussgruppe (Plätze 12 – 16) 11 12 10 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/201511

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E R GE B N I S S E DER T H EMENBEREI CHE Luftqualität Verschmutzte Luft ist ein Umweltproblem, das die Menschen besonders in Großstädten schon seit Jahrzehnten plagt. Die Wirkungen vieler Luftschadstoffe spürt man am eigenen Leib: Schadstoffe wie Stickoxide (NOX), Staub- und Rußpartikel oder Schwefeldioxid (SO2) erhöhen das Risiko für Atemwegserkrankungen und verstärken Allergien, Rußpartikel wirken krebserregend. Luftschadstoffe entstehen bei der Verbrennung fossiler Energieträger: Der Verkehrssektor spielt also auch bei der Schadstoff-Emission eine entscheidende Rolle. Allerdings hat sich in den letzten Jahren vieles zum Besseren verändert: EU-weit konnten die Luftschadstoffe des Verkehrs seit 1990 deutlich reduziert werden. Die EU strebt an, ausgehend vom Jahr 2000, die NOX-Emissionen um 60 Prozent und die FeinstaubEmissionen (PM2.5) um 59 Prozent zu senken – beide Ziele sollen bis zum Jahr 2020 erreicht werden. Die Bundesimmissionsschutzverordnung sieht vor, dass – bei Überschreiten der Immissionsgrenzwerte für Luftschadstoffe – Luftreinhaltepläne aufgestellt werden müssen. Für den Nachhaltigkeitsindex betrachten wir die Luftschadstoffkonzentration in den Städten und werten auch die individuellen Ziele der Landesregierungen für eine bessere Luftqualität. Sicherheit Straßenverkehr Derzeit sterben in Deutschland etwa 3600 Menschen im Straßenverkehr, mehr als 66.000 sind 2013 schwer verletzt worden. Die vergangenen Jahrzehnte haben im Kampf gegen die hohen Opferzahlen auf der Straße bereits spürbare Erfolge gebracht, doch für eine Entwarnung ist es noch zu früh. Die Bundesregierung möchte die Opferzahlen weiter senken und hat sich dazu ein konkretes Ziel gesetzt: Danach soll die Zahl der Verkehrstoten im Zeitraum von 2010 bis 2020 um 40 Prozent sinken. Gleichzeitig soll die Zahl der Schwerverletzten kontinuierlich abnehmen. Für unseren Index betrachten wir die Opferzahlen für jedes Bundesland und werfen auch einen Blick auf die Entwicklung. Dabei gibt es von Land zu Land Unterschiede: Während einige Bundesländer die Verkehrssicherheit abstrakt verbessern wollen, verschreiben sich andere Landesregierungen bereits konkrete Minderungsziele für Verkehrsopfer und die Vision Zero. Einzelindikatoren: ■ PM10-Immissionskonzentration in Städten NO2-Immissionskonzentration in Städten  olitische Weichenstellungen P zur Luftqualität 10 6 16 5 4 7 1 9 8 Einzelindikatoren: ■  etötete im Straßenverkehr G pro 1 Mio. Einwohner  chwerverletzte im StraßenS verkehr pro 1 Mio. Einwohner  olitische Weichenstellungen P zur Sicherheit im Straßenverkehr 13 12 10 6 16 1 11 3 15 2 8 4 9 14 ■ ■ ■ ■ 12 15 11 13 2 ■ Spitzengruppe (Plätze 1 – 5) ■ Mittelfeld (Plätze 6 – 11) ■ Schlussgruppe (Plätze 12 – 16) 3 14 ■ Spitzengruppe (Plätze 1 – 5) ■ Mittelfeld (Plätze 6 – 11) ■ Schlussgruppe (Plätze 12 – 16) 5 7 12 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/201513

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E R GE B N I S S E DER T H EMENBEREI CHE Sicherheit öffentlicher Verkehr Neben dem objektiven Unfallrisiko lässt sich auch das subjektive Sicherheitsempfinden der Reisenden untersuchen. Wenn die Sorge vor Übergriffen oder Belästigungen an Bahnhöfen, Haltestellen oder in den Fahrzeugen niedrig ist, nutzen mehr Menschen den öffentlichen Verkehr. Um das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste in Bussen und Bahnen sowie an Haltestellen und auf Bahnhöfen in Erfahrung zu bringen, geben wir regelmäßig repräsentative Umfragen in Auftrag. Bei der Unfallsicherheit hat der öffentliche Verkehr im Vergleich zum Pkw die Nase vorn. Das statistische Risiko, während einer Reise in Bus oder Bahn durch einen Verkehrsunfall zu verunglücken, ist deutlich geringer als bei Fahrten mit dem Auto. Wertschöpfung Natürlich verursacht der Verkehr nicht nur Lasten, wie es die Umweltindikatoren leicht nahelegen könnten. Um den Nutzen zu messen, den der Verkehr in einer Gesellschaft stiftet, bietet sich neben sozialen Indikatoren vor allem die Ökonomie an. Verkehr ermöglicht Mobilität von Personen und Gütern und trägt damit auch wesentlich zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei. Für die deutsche Verkehrswirtschaft lässt sich die Summe genau beziffern: Im Jahr 2010 hatte sie einen Umfang von 88 Milliarden Euro, was einem Anteil von 3,9 Prozent der deutschen Bruttowertschöpfung insgesamt entspricht. Darunter zählen Verkehrsdienstleistungen wie der Betrieb von Bahnhöfen, Flughäfen oder Häfen, aber auch Frachtumschlag und Verkehrsvermittlung. Als Indikator für einen Nachhaltigkeitsindex eignet sich die Wertschöpfung auch deshalb, weil die Verkehrswirtschaft besonders sensibel auf Wirtschaftskrisen reagiert. So wuchs die deutsche Verkehrswirtschaft von 1999 bis zum Vorkrisenjahr 2008 mit einem Plus von 26 Prozent stärker als die anderen Bereiche. In der Krise schrumpfte die Verkehrswirtschaft stärker und erholte sich danach langsamer als die Wertschöpfung in Deutschland insgesamt. Einzelindikatoren: ■  icherheitsempfinden in S öffentlichen Verkehrsmitteln  icherheitsempfinden an S Bahnhöfen und Haltestellen 7 14 5 10 12 15 6 9 8 Einzelindikatoren: ■ ■ Bruttowertschöpfung Verkehr und Lagerei pro Erwerbstätigem 1 12 6 14 15 2 16 7 13 11 3 13 16 ■ Spitzengruppe (Plätze 1 – 5) ■ Mittelfeld (Plätze 6 – 11) ■ Schlussgruppe (Plätze 12 – 16) 8 4 5 10 9 4 11 1 2 ■ Spitzengruppe (Plätze 1 – 5) ■ Mittelfeld (Plätze 6 – 11) ■ Schlussgruppe (Plätze 12 – 16) 3 14 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/201515

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L Ä N D E R P O RT RÄT S Die Hochs und Tiefs auf einen Blick Klimaschutz: CO2-Werte sinken Der Verkehr ist das Klimasorgenkind Nummer eins in Europa. In BadenWürttemberg gingen im Jahr 2006 immerhin 2,1 Tonnen CO2 auf das Konto des Verkehrssektors. Laut der aktuellsten Statistik für 2011 blieb der Wert konstant. So soll es aber nicht weitergehen: Baden-Württemberg ist eines der wenigen Bundesländer mit einem konkreten CO2-Minderungsziel für den Verkehr. Ausgehend vom Jahr 1990 will die Stuttgarter Landesregierung bis 2020 25 Prozent der CO2-Emissionen des Verkehrs einsparen. Dieses Ziel ist im Energie- und Klimaschutzkonzept festgeschrieben. Teilnahme an der Länderbefragung Verkehrspolitische Ziele der Landespolitik Stärken  Eines der wenigen Länder mit quantitativen Zielen zur Verbesserung der Luftqualität: 30 % weniger FeinstaubEmission, 45 % weniger StickstoffoxidEmission (2000 – 2020). Verkehrsspezifisches Klimaschutzziel: 25 % weniger CO2 im Verkehr (1990 – 2020)  Ambitionierte Verkehrssicher­heits­ programmatik nachvollziehbar festgeschrieben: 40 % weniger Getötete im Straßenverkehr (2010 – 2020). Langfristig: Vision Zero (Straßenverkehr ohne Getötete und Schwerverletzte)  60 % der vom Bund zur Verbesserung der Verkehrs­ver­hältnisse zur Verfügung gestellten Mittel investiert die Landesregierung im Haushaltsjahr 2014 in den Um­ welt­ verbund (Bahn, Bus, Fahrrad, Fußverkehr) Schwächen  Wie in vielen Bundesländern kein landesweites Lärm­schutzziel, das über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht Deutsche Bahn / Wolfgang Klee Hohes Sicherheitsgefühl im öffentlichen Verkehr Angst kann ein Grund sein, warum Reisende den öffentlichen Verkehr meiden. In Baden-Württemberg fürchten sich vergleichsweise wenige Menschen in Bussen, Bahnen oder auf Bahnhöfen. Laut Forsa fühlten sich im Jahr 2014 stattliche 94 Prozent der Reisenden in den Zügen des Landes sicher. 2012 waren es 89 Prozent gewesen. Noch deutlicher der Aufwärtstrend auf Bahnhöfen und an Haltestellen: Hier fühlten sich 76 Prozent der Baden-Württemberger sicher, was einem Plus von 16 Prozentpunkten seit 2012 entspricht. Im Ländervergleich erreichte Baden-Württemberg damit Bestnoten, sowohl beim Status quo als auch bei der Entwicklung. Themenbereich Beschäftigung öffentlicher Verkehr Platz Baden-Württemberg (Platz 3 – 60 Pkt.) 14 8 2 11 3 1 5 9 ■ Schlussgruppe Plätze (12 – 16) Flächenschonung Ein Abo auf die Bronzemedaille Nachhaltige Mobilität hat im Musterländle Vorfahrt: Mit Rang drei im Ländervergleich ist Baden-Württemberg auch in diesem Jahr ganz vorne mit dabei. Besonders bei Klimaschutz, Luftqualität und Verkehrssicherheit sticht das Land hervor. Und auch für die Zukunft haben die Verkehrspolitiker in Stuttgart ehrgeizige Ziele. Luftreinhalteziele Baden-Württemberg gehört zu den wenigen Ländern, die sich quantitative Ziele zur Verbesserung der Luftqualität gesteckt haben – 30 Prozent weniger Feinstaub-Emissionen und 45 Prozent weniger Stickstoffoxid-Emissionen von 2000 bis 2020 will die Landesregierung erreichen. Gleichzeitig ist dieser Vorstoß auch nötig. Bei den Jahresmittelwerten der StickstoffdioxidImmissionskonzentration in den Städten kam Baden-Württemberg 2013 nur in die Schlussgruppe der Länder. Bei der Feinstaub-Immissionskonzentration sah es besser aus. Klimaschutz Lärmvermeidung Luftqualität Beschäftigung im Fahrdienst gesunken Reisende im öffentlichen Verkehr wünschen sich Personal. Gemessen daran sind Pendler in Baden-Württemberg nicht verwöhnt. Im Jahr 2012 arbeiteten pro 100.000 Einwohner 76 Menschen im Fahrdienst des öffentlichen Verkehrs – das reichte noch für einen Platz im Mittelfeld der Länder. Zudem sind die Zahlen rückläufig: 2010 waren es noch 81 Mitarbeiter, die Verkehrsmittel fuhren und den Reisenden mit Rat und Tat zur Seite standen. Sicherheit öffentlicher Verkehr Sicherheit Straßenverkehr Wertschöpfung ■ Spitzengruppe ■  Mittelfeld Plätze (1 – 5) Plätze (6 – 11) 16 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/201517

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L Ä N D E R P O RT RÄT S Die Hochs und Tiefs auf einen Blick Angstfrei unterwegs Das Gefühl fährt immer mit, das weiß jeder Pendler. In Bayern ist es ein gutes Gefühl, das mitfährt: 77 Prozent der Reisenden fühlen sich an bayerischen Bahnhöfen und Haltestellen sicher – Bayern ist damit das Zweitbeste aller Bundesländer. Auch die Entwicklung ist beindruckend: 2012 waren es noch 13 Prozentpunkte weniger, die sich sicher fühlten. In Bussen und Bahnen fahren sogar 96 Prozent der bayerischen Fahrgäste angstfrei mit: Der Spitzenwert im Ländervergleich – und drei Prozentpunkte mehr als noch 2012. Hartmut910, pixelio Verkehrspolitische Ziele der Landespolitik Stärken  Verkehrssicherheit: Konkretes Ziel für weniger Getötete im Straßenverkehr: Bis 2020 soll die Zahl der Verkehrstoten um 30 % im Vergleich zum Jahr 2011 sinken. Noch ambitionierter ist der Bund: -  40 % im gleichen Zeitraum Schwächen  Eines von nur zwei Bundesländern ohne Tariftreuegesetz für den öffentlichen Verkehr  Wenig konkretes Flächensparziel: „Flächeninanspruchnahme in Bayern verringern“. Außerdem wie in vielen Bundesländern keine landesweiten Lärmschutz- und Luftreinheitsziele, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen  Einziges Bundesland, das keine CO2-Daten nach der Verursacherbilanz veröffentlicht Krise gemeistert – Wertschöpfung robust Auch die Ökonomie gehört zum Begriff der „nachhaltigen Mobilität“, und hier überzeugt Bayern vor allem mit der Dynamik seiner Entwicklung. Kein anderes Land hat sich bei der Wertschöpfung von Verkehr und Lagerei vom Krisenjahr 2009 (37.900 Euro pro Erwerbstätigem) schneller erholt als Bayern. 2011 erwirtschaftete die Verkehrsbranche schon wieder eine Bruttowertschöpfung von 40.800 Euro pro Erwerbstätigem. Themenbereich Beschäftigung öffentlicher Verkehr Platz Bayern (Platz 15 – 42 Pkt.) Dicke Luft in den Metropolen Beim Thema Luftqualität in den Städten gibt es im Freistaat noch reichlich Luft nach oben: Im aktuellsten Jahr 2013 landete Bayern in der Schlussgruppe der Länder. Beim Jahresmittelwert der Stickstoffdioxid-Immissionskonzentration war sogar ein Anstieg im Vergleich zu 2008 zu verzeichnen, während viele andere Bundesländer seitdem eine Verbesserung geschafft haben. Gleichzeitig setzte sich die Landesregierung auch kein Minderungsziel, das die gesetzlich vorgeschriebenen Luftreinhaltepläne der Kommunen flankieren würde. Einige andere Länder tun das bereits. 15 12 16 12 14 2 7 3 ■ Schlussgruppe Plätze (12 – 16) Flächenschonung Versteckspiel bei den Klimagasen Im Bundesländervergleich zur nachhaltigen Mobilität schneidet Bayern beim Flächenverbrauch, bei der Luftqualität und beim Lärm schlecht ab. Wenig hilfreich ist auch, dass der Freistaat als einziges Bundesland die Verursacherbilanz seiner CO2-Werte geheim hält. Ein Trost: Beim Sicherheitsgefühl seiner Fahrgäste erreicht Bayern Bestnoten. Wirtschaftlich steht die regionale Verkehrsbranche sehr robust da. Klimaschutz Lärmvermeidung Tariftreuegesetz nicht in Sicht Wer gleiche Standards für alle Mitarbeiter will, braucht Tariftreuegesetze. Bayern ist eines von nur zwei Bundesländern, das sich für seinen öffentlichen Verkehr kein Tariftreugesetz leistet. Auch die Zahl der Beschäftigten im Dienst von Bussen und Bahnen – 73 Beschäftigte pro 100.000 Einwohner – reichten 2012 nur für einen Platz in der Schlussgruppe. Aber die Entwicklung geht zumindest aufwärts: 2010 waren es noch 68 Beschäftigte pro 100.000 Einwohner. Luftqualität Sicherheit öffentlicher Verkehr Sicherheit Straßenverkehr Wertschöpfung ■ Spitzengruppe ■  Mittelfeld Plätze (1 – 5) Plätze (6 – 11) 18 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/201519

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L Ä N D E R P O RT RÄT S Die Hochs und Tiefs auf einen Blick Erfolg bei Klimagasen Großstädte mit einem gut ausgebauten Nahverkehr können beim Klimagas CO2 gut auf die Bremse treten. In der neuesten Statistik aus dem Jahr 2011 lagen die pro Kopf CO2-Emissionen des Verkehrs in Berlin bei 1,5 Tonnen – und waren damit so niedrig wie in keinem anderen Bundesland. Gleichzeitig setzte sich der Senat ein konkretes Minderungsziel für den Verkehr. Teilnahme an der Länderbefragung Sparsam mit der Fläche Berlin hat einen geringen Verkehrsflächenbestand pro Kopf und einen großen Anteil der Verkehrsfläche an der Gebietsfläche, was für einen Stadtstaat typisch ist. Positiv: Mit der Umwidmung des Flughafens Tempelhof senkte die Hauptstadt die für Verkehrszwecke verbrauchte Fläche von 136 auf 133 Quadratkilometer. lassedesignen, fotolia Verkehrspolitische Ziele der Landespolitik Stärken  Konkrete Ziele für die Minderung von Verkehrslärm, die die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmaktionspläne flankieren. Quantitatives Klimaschutzziel für den Verkehrsbereich: minus 25 % Klimagasemissionen im Verkehr (2008 – 2025). Verkehrsspezifisches Ziel zur Senkung der Luftschadstoffbelastung: Unterschreitung der in den EU-Richtlinien enthaltenen Grenzwerte um 25 % bis 2025 (u. a. Stickstoffdioxid, Feinstaub)  Konkretes Ziel für die Begrenzung des Flächenverbrauchs: Anteilig das Ziel der Bundesregierung umzusetzen, den Siedlungs- und Verkehrsflächenverbrauch bis 2020 auf 30 ha/Tag zu begrenzen  5 % der vom Bund zur Verbesserung 7 der Verkehrsverhältnisse zur Verfügung gestellten Mittel investiert der Senat im Haushaltsjahr 2014 in den ÖPNV (Bahn, Bus) Mehr Service im öffentlichen Verkehr 2010 kamen auf 100.000 Berliner 155 Beschäftigte in Bussen und Bahnen. 2012 waren es schon 167. Gleichzeitig kann Berlin mit guten Tariftreue­ regelungen für die Beschäftigten aufwarten. Mäßige Luftqualität – gute Minderungsziele Themenbereich Beschäftigung öffentlicher Verkehr Platz Berlin (Platz 1 – 69 Pkt.) 2 1 1 13 1 6 4 2 ■ Schlussgruppe Plätze (12 – 16) Flächenschonung Die Hauptstadt ist der Primus Eins mit Sternchen: Das Land Berlin glänzt beim Klimaschutz, geht sparsam mit der Fläche um und setzt sich ehrgeizige Ziele bei der Luftqualität. Unter Verkehrslärm leiden mehr Berliner als Einwohner in anderen Ländern, aber der Senat steuert zumindest mit eigenen Lärmschutzzielen in eine bessere Zukunft. Im Vergleich aller Länder kommt Berlin auf schlechte Werte beim Jahresmittel der Immissionskonzentration von Feinstaub und Stickstoffdioxid. Doch bei der Entwicklung zum Besseren steht die Hauptstadt im Ländervergleich gut da. Der Senat will hier in Zukunft noch mehr aufholen und hat daher ein verkehrsspezifisches Ziel zur Senkung der Luftschadstoffbelastung beschlossen. Damit unterschreitet er die in den EU-Richtlinien enthaltenen Grenzwerte bei Stickstoffdioxid oder Feinstaub um 25 Prozent bis 2025. Klimaschutz Mehr Verkehrssicherheit angepeilt An konkreten Absichten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit mangelt es in Berlin nicht. So hat sich der Senat quantitative Ziele für weniger Unfälle, Verletzte und Getötete gesetzt. Sogar eigene Ziele für Radfahrer und Fußgänger sind festgeschrieben. Abstriche gibt es beim Niveau: Ausgehend von 2008 soll die Zahl der Verkehrstoten bis 2025 um 40 Prozent gesenkt werden. Der Bund ist da ambitionierter, schon 2020 will er 40 Prozent weniger Getötete als noch 2010. Der Ländervergleich zeigt, dass Berlin einwohnerbezogen wenig Verkehrsopfer aufweist. Doch die Entwicklung muss besser werden: 2008 gab es 531 Schwerverletzte pro 1 Million Einwohner, 2013 waren es schon 564. Lärmvermeidung Luftqualität Sicherheit öffentlicher Verkehr Sicherheit Straßenverkehr Rote Laterne beim Lärm Mit tagsüber 9 Prozent und nachts 11,5 Prozent hat Berlin den höchsten Anteil von Verkehrslärmbetroffenen. Anders als die meisten Länder hat Berlin aber eigene Lärmschutzziele, die den gesetzlich vorgeschriebenen Lärmaktionsplan flankieren. Bis 2025 soll es nachts keine Lärmbelastungen oberhalb von 65 dB(A) mehr geben. Für 100.000 Anwohner von Hauptnetzstraßen, die nachts mehr als 60 db(A) ausgesetzt sind, soll der Lärmpegel ebenfalls sinken. Straßenbahnen sollen nachts nicht lauter als 55 dB(A) sein. Bundesländerindex Mobilität 2014/201521 Wertschöpfung ■ Spitzengruppe ■  Mittelfeld Plätze (1 – 5) Plätze (6 – 11) 20 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015

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L Ä N D E R P O RT RÄT S Die Hochs und Tiefs auf einen Blick Lärmrefugium im Berliner Umland Während der Industrialisierung galt Maschinenlärm als „Musik der Moderne“. Diese Zeiten sind vorbei. Nicht weit von der lärmgeplagten Metropole Berlin kann Brandenburg als Idyll und Lärmrefugium gelten. Mit nur 1,2 Prozent Verkehrslärmbetroffenen nachts und 0,8 Prozent tagsüber ist das Land eines der verkehrslärmärmsten Bundesländer in Deutschland. Teilnahme an der Länderbefragung Verkehrspolitische Ziele der Landespolitik Stärken  Neues Verkehrssicherheitsprogramm mit konkreten quantitativen Zielen für Getötete (- 40 %) und Schwerverletzte (- 50 %) bis 2024 (Basis 2012) Mehr Service im Nahverkehr In Umfragen steht gutes Personal in Bussen und Bahnen auf dem Wunschzettel der Pendler ganz oben. In Brandenburg hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Arbeiteten im Jahr 2010 noch 101 Beschäftigte in Bussen und Bahnen pro 100.000 Einwohner, waren es 2012 schon 112. Damit verfügt Brandenburg zusammen mit Hamburg und Berlin über die beste Entwicklungskurve im Ländervergleich. Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Ländern gibt es allerdings bei der Tariftreuegesetzgebung. Lars Kunze, pixelio  Konkretes Klimaschutz-Ziel durch Senkung des Energieverbrauchs im Verkehr um 12,4 % bis 2030 auf Basis von 2007 Themenbereich Beschäftigung öffentlicher Verkehr Platz Brandenburg (Platz 9 – 49 Pkt.) Höchstwert bei den Verkehrstoten Mit 69 Getöteten und 1015 Schwerverletzten im Straßenverkehr pro 1 Million Einwohner erreicht Brandenburg die traurigen Höchstwerte im Ländervergleich. Inzwischen hat sich die Landesregierung allerdings dem Problem gestellt und ein neues Verkehrssicherheitsprogramm mit konkreten Zielen beschlossen: Auf ein Minus von 40 Prozent bei den Getöteten und 50 Prozent bei den Schwerverletzten will man in Potsdam bis 2024 kommen (Basis 2012). Damit das gelingen kann, liegt die Federführung der Verkehrssicherheitsarbeit bei einem Ministerium (Infrastruktur und Landesplanung). Beteiligt sind das Forum Verkehrssicherheit, das Netzwerk Verkehrssicherheit, die Landesverkehrswacht und weitere Verbände.  65 % der vom Bund zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zur Verfügung gestellten Mittel investiert die Landesregierung im Haushaltsjahr 2014 in den Umweltverbund (Bahn, Bus, Fahrrad, Fußverkehr) Schwächen  Kein konkretes Ziel zur Begrenzung des Flächenverbrauchs  Wie in vielen Bundesländern keine landesweiten Lärmschutz- und Luftreinheitsziele, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen 6 14 10 5 9 9 9 7 ■ Schlussgruppe Plätze (12 – 16) Leise bis ins Mark Wer Verkehrslärm hasst, ist in Brandenburg gut aufgehoben. Fast nirgendwo in Deutschland leiden so wenige Menschen unter Verkehrslärm wie in der Region zwischen Lausitz und Uckermark. Allerdings ist die Zahl der Verkehrstoten in Brandenburg weiter alarmierend hoch, wenn auch die Landesregierung in Potsdam jetzt mit einem Programm gegensteuert. Flächenschonung Klimaschutz Lärmvermeidung Viel Straße für wenig Leute Auf jeden Einwohner in Brandenburg kommen 439 Quadratmeter Verkehrsfläche, mehr als in jedem anderen Land. Im Jahr 2007 waren es noch 418 Quadratmeter. Wie in vielen dünn besiedelten Ländern trifft auch in Brandenburg eine wachsende Verkehrsfläche auf sinkende Einwohnerzahlen. Dazu fehlt ein konkretes Ziel der Landesregierung zur Flächenschonung. Luftqualität Sicherheit öffentlicher Verkehr Sicherheit Straßenverkehr  Tariftreueregelungen im öffentlichen Verkehr ausbaufähig Wertschöpfung ■ Spitzengruppe ■  Mittelfeld Plätze (1 – 5) Plätze (6 – 11) 22 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/201523

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L Ä N D E R P O RT RÄT S Die Hochs und Tiefs auf einen Blick Viel Personal auf dem Zug Wer regelmäßig mit Bussen und Bahnen unterwegs ist, weiß eine helfende Hand im Alltag zu schätzen. In Bremen gibt es von diesen Händen besonders viele: Mehr als 1600 Beschäftigte arbeiten im Fahrdienst von Bussen und Bahnen. Bezogen auf 100.000 Einwohner sind das 254 Angestellte, mehr als in jedem anderen Bundesland. Tendenz: steigend. Teilnahme an der Länderbefragung Verkehrspolitische Ziele der Landespolitik Stärken  Arbeitnehmerfreundliche Tariftreueregelungen für die Beschäftigten im öffentlichen Verkehr im Ländervergleich  Das Verkehrssicherheitsziel Vision Zero ist bereits beschlossen und wird Teil des neuen Verkehrsentwicklungsplans. Schwächen  Wie in vielen Bundesländern keine landesweiten Lärmschutz- und Luftreinheitsziele, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen.  Nur 20 % der vom Bund zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zur Verfügung gestellten Mittel investiert die Landesregierung im Haushaltsjahr 2014 in den Umweltverbund (Bahn, Bus, Fahrrad, Fußverkehr) Der Hafen macht‘s Bei den ökonomischen Kennzahlen schlägt sich Bremen besonders gut. Mehr als 77.000 Euro pro Beschäftigtem beträgt die Bruttowertschöpfung von Verkehr und Lagerei in der Hansestadt – damit ist Bremen das zweitbeste Bundesland hinter dem Nachbarn Hamburg. Der große Einbruch durch die Krise – 2008 waren es einmal 83.000 Euro – wird langsam wieder wettgemacht. Insgesamt ist Bremen – beim Status quo und der Entwicklung seit 2008 – bei der Wertschöpfung das beste Bundesland. Mi, pixelio Themenbereich Beschäftigung öffentlicher Verkehr Platz Bremen (Platz 7 – 51 Pkt.) Lärm rund um die Uhr Verkehrslärm gilt heute als ernste Gefahr für die Gesundheit. In Bremen werden tagsüber 7,5 Prozent der Bürger und nachts sogar 11 Prozent von Verkehrslärm geplagt. Gleichzeitig besitzt der Senat derzeit kein konkretes Lärmschutzziel, das die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmaktionspläne flankiert. Hier wäre den Bürgern noch zu helfen. 1 7 12 15 10 7 10 1 ■ Schlussgruppe Plätze (12 – 16) Flächenschonung Ein Hoch auf die Hansestadt Nachhaltige Mobilität ist in Bremen kein Fremdwort. So belegt die Hansestadt im Ländervergleich insgesamt den siebten Rang, bei den ökonomischen Indikatoren ist der Hafen­ standort sogar Spitzenreiter. Der Fahrdienst von Bussen und Bahnen ist personell bestens ausgestattet. Allerdings macht der Verkehrslärm den Bremern zu schaffen. Klimaschutz Lärmvermeidung Luftqualität Sicherheit öffentlicher Verkehr Sicherheit Straßenverkehr Wertschöpfung ■ Spitzengruppe ■  Mittelfeld Plätze (1 – 5) Plätze (6 – 11) 24 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/201525

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L Ä N D E R P O RT RÄT S Die Hochs und Tiefs auf einen Blick Sprung nach vorn beim Sicherheitsgefühl Je sicherer der öffentliche Verkehr den Fahrgästen erscheint, desto lieber steigen sie ein. In Hamburg ist den Verantwortlichen von Stadt, Polizei und Verkehrsunternehmen ein guter Sprung nach vorn gelungen: 76 Prozent der Reisenden fühlen sich in den Hamburger Bahnhöfen und an Haltestellen sicher, 13 Prozentpunkte mehr als noch 2012. Das ist ein Platz in der Spitzengruppe der Bundesländer. Teilnahme an der Länderbefragung Verkehrspolitische Ziele der Landespolitik Stärken  asterplan Klimaschutz mit konkreten M quantitativen CO2-Reduktionszielen (- 40 % bis 2020, - 80 % bis 2050)  75 % der vom Bund zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zur Verfügung gestellten Mittel investiert der Senat im Haushaltsjahr 2014 in den Umweltverbund (Bahn, Bus, Fahrrad, Fußverkehr) Schwächen  Keine konkreten quantitativen Ziele in den Bereichen Verkehrssicherheit, Luftqualität, Lärm, Flächenverbrauch  Tariftreueregelungen im öffentlichen Verkehr ausbaufähig Klimaschutz mit Masterplan Maren Beßler, pixelio Bei den CO2-Emissionen des Verkehrs pro Einwohner hat Hamburg mit die beste Entwicklung aller Länder vorzuweisen. 2006 emittierte der Verkehr rund 2,7 Tonnen pro Bürger. 2011 waren es nur noch rund 2,5 Tonnen. Auch in Zukunft soll es bergab gehen mit den Klimagasen: Der Masterplan Klimaschutz enthält konkrete quantitative CO2-Reduktionsziele: Minus 40 Prozent bis 2020, minus 80 Prozent bis 2050 auf der Basis von 1990. Themenbereich Beschäftigung öffentlicher Verkehr Platz Hamburg (Platz 16 – 42 Pkt.) Wertschöpfung stagniert Mit fast 89.000 Euro pro Erwerbstätigem ist die Hafenstadt Hamburg bei der Bruttowertschöpfung von Verkehr und Lagerei immer noch bestes Bundesland im Ländervergleich. Allerdings stagniert die Entwicklung seit 2009: Die anderen Länder holen auf. 3 13 4 16 16 5 12 6 ■ Schlussgruppe Plätze (12 – 16) Zeit zum Umsteuern! Nachhaltige Mobilität hat in Hamburg Nachholbedarf. Im Vergleich aller Bundesländer platziert sich die Hansestadt nur in der Schlussgruppe. In vielen Bereichen – Flächeninanspruchnahme, Lärm, Luftqualität und Verkehrssicherheit – schneidet das Land schlecht ab. Das liegt auch daran, dass dem Senat konkrete politische Ziele fehlen. Andere Länder sind da weiter. Lichtblicke sind der Masterplan Klimaschutz und der Qualitätssprung beim Sicherheitsgefühl der Reisenden im öffentlichen Verkehr. Flächenschonung Stickige Luft Beim Jahresmittel des Luftschadstoffs Stickstoffdioxid erreichte Hamburg eine der höchsten Immissionskonzentrationen aller Länder. Leider ist auch kein Wandel in Sicht. Bei der Entwicklung ist das Land heute nur wenig besser als 2008. Hier wäre Luft nach oben. Klimaschutz Lärmvermeidung Ohrenbetäubend laut Mit tagsüber 8,5 Prozent und nachts 11 Prozent Verkehrslärmbetroffenen liegt Hamburg im Ländervergleich in der Schlussgruppe und schneidet nur wenig besser ab als Berlin. Anders als in der Bundeshauptstadt gibt es derzeit aber kein konkretes Lärmschutzziel, das den gesetzlich vorgeschriebenen Lärmaktionsplan flankiert. Luftqualität Sicherheit öffentlicher Verkehr Sicherheit Straßenverkehr Wertschöpfung ■ Spitzengruppe ■  Mittelfeld Plätze (1 – 5) Plätze (6 – 11) 26 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/201527

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L Ä N D E R P O RT RÄT S Die Hochs und Tiefs auf einen Blick Hessens Busse und Bahnen: Horte der Sicherheit Beim Thema Sicherheitsempfinden der Fahrgäste im öffentlichen Verkehr fahren die Busse und Bahnen in Hessen in der Spitzengruppe ganz vorne: Nirgendwo in Deutschland fühlen sich Reisende im öffentlichen Verkehr besser aufgehoben als hier. 96 Prozent der Fahrgäste gaben 2014 an, sich sicher oder sehr sicher zu fühlen, 2012 waren es noch 89 Prozent. Auf Bahnhöfen und an Haltestellen fühlen sich 72 Prozent sicher, 9 Prozent mehr als 2012. Teilnahme an der Länderbefragung Verkehrspolitische Ziele der Landespolitik Stärken  Konkretes Ziel für die Begrenzung des Flächenverbrauchs: Neuinanspruchnahme von Siedlungsund Verkehrsflächen bis 2020 auf 2,5 ha/Tag reduzieren. Das Umweltbundesamt empfiehlt mit 1,8 ha/Tag noch weniger  62 % der vom Bund zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zur Verfügung gestellten Mittel investiert die Landesregierung im Haushaltsjahr 2014 in den Umweltverbund (Bahn, Bus, Fahrrad, Fußverkehr) Schwächen  Bislang fehlt ein Verkehrssicherheitsprogramm mit konkreten quantitativen Zielen für Getötete und Schwerverletzte Wertschöpfung im Aufwind In der Spitzengruppe im Ländervergleich ist Hessen auch bei der Wertschöpfung von Verkehr und Lagerei: Fast 50.000 Euro pro Erwerbstätigem erwirtschaftet der Logistiksektor. Eine gute Entwicklung im Ländervergleich seit dem Krisenjahr 2009 hat das Land außerdem zu verzeichnen. Während Hamburg und Bremen von ihren Seehäfen profitieren, spielt bei Hessen der Flughafen Frankfurt eine wichtige Rolle bei der Wertschöpfung. O. Fischer, pixelio Themenbereich Beschäftigung öffentlicher Verkehr Platz Hessen (Platz 6 – 52 Pkt.) Zahl der Toten im Straßenverkehr sinkt Mit der Sicherheit im Straßenverkehr geht es in Hessen bergauf. Mit nur 36 Getöteten pro Million Einwohner im Jahr 2013 belegt das Land einen Platz in der Spitzengruppe. Ebenfalls positiv, dass die Zahl sinkt: 2008 waren es noch 52 Straßenverkehrstote. Bei den Schwerverletzten ist die Entwicklung ebenfalls positiv, allerdings machen viele andere Länder größere Fortschritte. 2013 waren es 782 Schwerverletzte im Straßenverkehr pro Million Einwohner, 2008 lag die Bilanz bei 816. Gut außerdem, dass Hessens Verkehrsminister das EU-­ Verkehrssicherheitsziel als Ansporn sieht. Noch besser wäre ein Verkehrssicherheitsprogramm mit konkreten eigenen Zielen. Wermutstropfen: Bei der Sicherheitsarbeit fehlen klare Strukturen. Die Koordinierung wird je nach Aufgabe und Themenfeld unterschiedlich verteilt. Dazu passt ein breiter Strauß an Kooperationspartnern bis hin zum Hessischen Rundfunk. Die Federführung teilen sich zwei Ministerien. 13 4 13 9 15 3 11 4 ■ Schlussgruppe Plätze (12 – 16) Im Zeichen des Flughafens Nachhaltige Mobilität bildet sich aus Ziel­ konflikten. Der Frankfurter Flughafen ist dafür ein Musterbeispiel: Er beschert Hessen Bestwerte bei den wirtschaftlichen Kennzahlen und zugleich die höchsten CO2-Werte pro Einwohner in der ganzen Republik. Die Spitzengruppe im Ländergleich erreicht Hessen beim Sicherheits­ gefühl der Reisenden im öffentlichen Verkehr. Insgesamt Rang 6. Flächenschonung Klimaschutz Lärmvermeidung Luftqualität Klimakiller Rhein-Main Wo Licht ist, ist auch Schatten: Nach wie vor bleibt Hessen das Bundesland, das einwohnerbezogen die höchsten CO2-Emissionen im Verkehr aufweist (4,2 t). Während der Flughafen positiv bei der Wertschöpfung wirkt, schlägt er zugleich auf die Klimabilanz. Trotzdem tut sich etwas. Bei der Entwicklung seiner Klimawerte erreicht Hessen immerhin die Spitzengruppe im Ländervergleich. Sicherheit öffentlicher Verkehr Sicherheit Straßenverkehr Wertschöpfung ■ Spitzengruppe ■  Mittelfeld Plätze (1 – 5) Plätze (6 – 11) 28 Bundesländerindex Mobilität 2014/ 2015 Bundesländerindex Mobilität 2014/201529

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