Calluna Winter 2015

 

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Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide, Ausgabe Winter 2015

Popular Pages


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www.calluna-magazin.de Nr. 63/17. Jahrgang Winter 2015 Da s Vier-Jahreszeiten-Maga zin der Südheide Winterschlaf? Von wegen! Im Wildpark sind Mensch und Tier munter In der Werkstatt Wo Heinrich Müller am liebsten die Wintertage verbringt Gesunde Kita-Küche Biologisch, vegan, vollwertig und gaaanz lecker! Die Kunst des Kenterns Kanuten üben im Schwimmbad alte Überlebenstechnik derCalluna Inuit1

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2 Calluna www.celler-bier.de

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editorial Inhalt Wenn schon winter, dann richtig! Ein Bilderbogen LandArt die zweite Botschafter in der Region gesucht Mit bürgerbus an den Start Neue Gemeinde Südheide über sieben brücken musst du gehn Kleine Wintertour mit großem Ohrwurm Foto: Marion Korth 5 6 7 8 12 17 20 25 34 37 40 42 46 48 60 62 19 26 52 59 Calluna 3 Titelbild Eskimorolle: Christine Kohnke-Löbert / Teaserfotos (von oben): Inka Lykka Korth, Christine Kohnke-Löbert, Inka Lykka Korth Sie kennen das sicher: Da schwirrt einem eine Melodie im Kopf herum, und man kann sie nicht vergessen, so viel Mühe man sich auch gibt. Irgendwann verschwindet sie wieder, so plötzlich wie sie aufgetaucht ist, aber bis dahin muss man sich mit ihr arrangieren. Neulich passierte mir das auf einer Sonntagstour mit den Hunden im Emmer Leu bei Hankensbüttel. Zweimal hatten wir die Ise überquert, je einmal den Emmer Bach und den Elbe-Seitenkanal, und von zwei weiteren Bächen wusste ich gar nicht den Namen. Ja und dann standen wir an Brücke Nummer sieben – und da machte es klick, und da war sie, die Melodie und auch der Text. Interessanterweise ging mir die Originalfassung von der Gruppe Karat und nicht die hier bei uns im Westen bekanntere Version von Peter Maffey durch den Kopf. Nichts gegen Peter Maffay, er soll ja ein netter Kerl sein, aber ich fand schon immer, dass der Karat-Song irgendwie besser klingt. Vor einigen Jahren kam ich bei einem kleinen, aber feinen Konzert im Kavalierhaus in Gifhorn, wo auch Calluna zu Hause ist, mit einem Mann aus dem Publikum ins Gespräch. Der hieß, wie sich im Verlauf des Gesprächs herausstellte, Volker Katzmarczyk, kurz »Katze«, und war früher Sänger und Gitarrist der DDRKultband Pantha Rei, aus der Karat hervorging. Kaum hatte ich den Namen Karat gehört, machte es klick, und tagelang hatte ich »Über sieben Brücken musst Du gehn« im Kopf. Ein klares Indiz, dass dieses Lied wirklich ein Ohrwurm ist. Außerdem passt es mit seiner leicht depressiven Grundstimmung und der Aussicht auf bessere Zeiten – das Lied ist ja in gewisser Weise auch eine Art »Durchhalteparole« – durchaus in diese Jahreszeit. Der Winter ist ja hierzulande mehr grau als weiß, und das nicht erst seit dem Klimawandel. Da kann man zuweilen wirklich trübsinnig werden. Aber es gibt Hoffnung. Anders als im Lied müssen wir nicht sieben dunkle Jahre überstehen, noch nicht einmal sieben Monate, sondern allenfalls sieben Wochen. Dann werden die Tage wieder länger sein und der »helle Schein«, in diesem Fall die Frühlingssonne, ist nicht mehr weit. Bis es soweit ist, trösten wir uns mit dem Lied und gehen fröhlich über die sieben Brücken im Emmer Leu. Ich kenne keine bessere Medizin gegen den WinterBlues als eine Waldwanderung. Und da es bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt, werden wir uns den Winter nicht vermiesen lassen! Wenn wir dann nach einer langen Wanderung wieder zurück nach Hause kommen und im Kaminofen noch Glut ist, sodass sich das wärmende Feuer schnell wieder entfachen lässt, dann brauchen wir eigentlich nur noch eine heiße Tasse Kaffee oder Tee und ein paar Kekse oder ein Stück Kuchen, um glücklich zu sein. Und vielleicht haben wir dann Zeit und Muße, auch all die anderen Geschichten in diesem Heft zu lesen. Kommen Sie gut und sicher durch den Winter! Bis bald im Frühling Ihre Von wegen winterschlaf Im Wildpark gibt‘s immer viel zu tun streifenalarm bei familie piep Im Winter wohnen Streifenhörnchen lieber im warmen Haus vorbildliche kita-küche Im Gänseblümchen kommt nur Biologisches Veganes und Vollwertiges auf den Tisch wunderbares wintergemüse Grünkohl muss nicht stundenlang bis zur Unkenntlichkeit verkocht werden die Kunst des Kenterns Kanuten üben im Schwimmbad alte Überlebenstechnik der Inuit anecken und anregen Das Neue Schauspielhaus startet in die zweite Saison nach Reinhard Schamuhn freiheit, gleichheit, brüderlichkeit Ausstellung zum Thema »Kriegsgefangene als Arbeitskräfte« geplant Wintertage in der werkstatt Heinrich Müller baut nicht nur Häuser im Miniaturformat STEIN AUF STEIN Bauen mit Backstein hat in Norddeutschland eine lange Tradition Lauter holzköpfe Großes Theater im Kleinen: Bei Manfred Wedow hängt es am seidenen Faden Der Löwe Serie: Geschichten von der Weltkarte Der angekettete wulf Bronzeskulptur erinnert an denkwürdige Begebenheit im Dreißigjährigen Krieg PS: Besuchen Sie uns auch im Internet! Unter der Adressse calluna-magazin.de finden Sie immer wieder neue stimmungsvolle Fotos, kleine Geschichten und außerdem donnerstags unsere Veranstaltungstipps zum Wochenende. Garten Besser leben SüdheideKalender Buchempfehlungen

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IMPRESSUM Das Südheide-Magazin Calluna erscheint vierteljährlich im Verlag Reproduktionen jeglicher Art, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Klima- und Umweltschutz Dieses Magazin wird auf hochwertigem Recyclingpapier gedruckt, das mit dem Umweltsiegel Blauer Engel ausgezeichnet ist. Die beim Druck freigesetzten Treibhausgase werden vom Verlag durch Investitionen in zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. Steinweg 3, 38518 Gifhorn Redaktion Merle Höfermann (verantwortlich) m.hoefermann@calluna-medien.de Inka Lykka Korth inka.korth@calluna-medien.de Christine Kohnke-Löbert christine.kohnke@calluna-medien.de Autorin Marion Korth marion.korth@calluna-medien.de Layout Inka Lykka Korth inka.korth@calluna-medien.de Anzeigengestaltung Friederike Kohnke friederike.kohnke@calluna-medien.de Anzeigenverkauf Martina Ganz (verantwortlich) martina.ganz@calluna-medien.de Jennifer Mallas jennifer.mallas@calluna-medien.de Werner Remus werner.remus@calluna-medien.de Susanne Knöpfle / telemotion susanne.knoepfle@calluna-medien.de Druck Voigt Druck GmbH, Gifhorn Auflage 12.000 Exemplare Abo-Jahresbezugspreis 10,- Euro inkl. Porto und Versand Print kontakt kompensiert Id-Nr. 1443831 www.bvdm-online.de kontakt@calluna-medien.de Verlag: www.calluna-medien.de Magazin: www.calluna-magazin.de CallunaMagazin BÜRO GIFHORN im Kavalierhaus von 1546 Steinweg 3 38518 Gifhorn Tel. 0 53 71/555 06 Fax 0 53 71/555 07 BÜRO ISENHAGENER LAND auf dem Calluna-Hof Oerreler Dorfstraße 22 29386 Dedelstorf-Oerrel Tel. 0 58 32/97 98 40 Fax 0 58 32/97 98 41 BÜRO UELZEN hinter der Kaiserlichen Post Gartenstraße 16 29525 Uelzen Tel. 05 81/97 39 20 71 Fax 05 81/97 39 20 72 Anja Sherazee (rechts) ist die »Glücksfee«. Sie zieht das Gewinnerlos aus dem Korb, den ihr Merle Höfermann reicht. Ski ent eidend! sch Abheben & geniessen Elona Zulage hat Ballonfahrt gewonnen n welchem Jahr wurde das Naturschutzgebiet Großes Moor ausgewiesen? Das war unsere Rätselfrage im Herbst-Heft 2014, die wir im Zusammenhang mit der Geschichte »Das Große Moor aus der Vogelperspektive« gestellt hatten. Die richtige Antwort lautete: 1984. Fast alle der rund 50 Einsender haben sie gewusst. Die Namen aller, die uns per Postkarte oder E-Mail die richtige Antwort genannt hatten, kamen auf kleine Zettel und diese dann zusammengefaltet in den Loskorb. Als »Glücksfee« betätigte sich Anja Sherazee von der Gifhorner WohnungsbauGenossenschaft (GWG), die es als Sponsorpartner von LorenzBallooning (www.lorenz-ballooning.de) möglich gemacht hatte, dass wir unter unseren lieben Leserinnen und Lesern eine Fahrt mit dem GWG-Ballon verlosen konnten. Die von Anja Sherazee unter der Aufsicht von Merle Höfermann (Calluna) ermittelte Gewinnerin heißt Elona Zulage und wohnt im Musikerviertel in Gifhorn. Kurz vor Weihnachten haben wir ihr die gute Nachricht übermittelt. Bis sie mit Ballonfahrer Ingo Lorenz abheben und die Südheide von oben genießen kann, muss sie sich allerdings noch etwas gedulden. Die Winterpause der Ballonfahrer endet traditionell mit dem Beginn der Rapsblüte im Frühling. Jetzt im Winter wäre es im offenen Korb zu kalt und ungemütlich. Wohin dann die Reise geht, weiß – wie immer beim Ballonfahren – nur der Wind ... I Der richtige k Druc ist h nic Alfred-Teves-Straße 14 38518 Gifhorn Telefon 05371.9855-0 zentrale@service-druckerei-voigt.de 4 Calluna nu t ra uf dem Foto: Burkhard Ohse

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WINTERIMPRESSIONen Wenn schon Winter, dann aber bitte richtig! Wir wünschen uns statt Schmuddelwetter lieber knackige Kälte, meterlange Eiszapfen und Schnee, der in der Sonne glitzert! Das erfreut Mensch und Tier und macht Lust auf Streifzüge durch Wälder und Wiesen. Fotos: Inka Lykka Korth Calluna 5

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südheideaktuell Der nächste Frühling kommt bestimmt. Lassen Sie sich jetzt über unser individuelles Fahrradprogramm beraten. Wir nehmen uns gern Zeit für Sie. Verschiedene Rahmenformen Sinnvolle Ausstattungsoptionen Schaltungen nach Wunsch Wunsch-Fahrrad Tel.: 05834 - 5261 Knesebeck Mittelstrasse 1 Bei uns finden Sie Ihr ganz persönliches Viele Rahmenhöhen Brillante Farben Von Profis gebaut ... LILIE´s Räder laufen leichter Schon die erste LandArt 2012 ermöglicht Radfahrern und Spaziergängern faszinierende Begegnungen mit Kunst in der Natur. Im Juni geht das Kunstprojekt in die zweite Runde. Wer mitmachen möchte, sollte jetzt Ideen entwickeln. Foto: Christine Kohnke-Löbert LandArt die Zweite Botschafter in der Region gesucht as Kunstprojekt LandArt startet in die zweite Runde. 2012 im Landkreis Uelzen als Gemeinschaftsprojekt der Kreisvolkshochschule des Landkreises Uelzen (KVHS), der Woltersburger Mühle sowie des Vereins kulturStation Bad Bevensen erstmals initiiert, wird im Juni 2015 neu aufgelegt. Die Idee, in der Natur und mit der Natur Kunstwerke zu installieren, war unerwartet begeistert angenommen worden, und so entstanden zwei »Kunstrouten« zwischen Woltersburg, Oldenstadt und Bad Bevensen. Insgesamt 50 Gruppen hatten 80 Stationen an den Wegen mit ihren ganz individuellen Kunstwerken gestaltet, manche bunt und ins Auge fallend, andere erst auf den zweiten Blick zu entdecken, manche von Schulklassen oder Kindergartenkindern geschaffen, andere von Künstlern und wieder andere einfach von kreativen Bürgern. Mit drei Wochen sollen die Kunstwerke diesmal eine Woche länger in der Natur zu bewundern sein als beim ersten Mal. »Wir hatten so viel positive Resonanz, dass wir uns dazu entschlossen haben«, fasst es Projektleiterin Katja Schaefer-Andrae zusammen. Die Jastorfer Künstlerin, die auch das Netzwerk für Kunst und Kultur an der Woltersburger Mühle ins Leben gerufen hat, koordinierte bereits den ersten Durchgang und freut sich auf viele Mitstreiter für die zweite Runde. Wer mitmachen möchte, sollte die Wintermonate nutzen, um Ideen zu entwickeln und zu skizzieren. Info und Anmeldungen über das Netzwerk für Kunst & Kultur an D der Woltersburger Mühle in Uelzen, Telefon 05 81/97 15 70 30, E-Mail info@woltersburger-muehle.de. 6 Calluna

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südheideaktuell Neue Gemeinde Südheide geht mit Bürgerbus an den Start Hermannsburg und Unterlüß haben »geheiratet« und sich vernetzt eit Jahresbeginn gibt es in der Südheide nicht nur einen Naturpark mit diesem Namen, sondern auch eine Gemeinde. Hermannsburg und Unterlüß haben »geheiratet« und führen fortan den gemeinsamen Familiennamen Südheide. Die neue Gemeinde hat rund 11.500 Einwohner und ist mit rund 196 Quadratkilometern die flächengrößte im Landkreis Celle. Nein, eine Liebesheirat war es nicht. Die beiden Gemeinden haben sich aus finanziellen Gründen zusammengetan. Aber Vernunftehen sollen ja angeblich länger halten als andere. Die durch den Bevölkerungsschwund in der Region sowie unterdurchschnittliche Steuereinnahmen einerseits und immer höheren Schulden andererseits gebeutelten Partner konnten zwar keine große Mitgift in die Ehe einbringen, bekamen dafür aber vom Land Niedersachsen ein umso großzügigeres Hochzeitsgeschenk in Form eines Entschuldungshilfevertrags. Darin erklärt sich das Land bereit, 75 Prozent der Gemeindekredite zu übernehmen. Darüber hinaus erhält die neue Gemeinde wegen ihrer höheren Einwohnerzahl stärkere finanzielle Zuweisungen und muss für einen begrenzten Zeitraum nur eine verminderte Kreisumlage zahlen. Zwischen Hermannsburg und Unterlüß erstrecken sich weitläufige Heide- und Waldflächen. Diese lassen sich entweder nördlich oder südlich umfahren. Im ersten Fall sind dabei knapp 21 Kilometer, im zweiten Fall rund 17 Kilometer zurückzulegen. Das war bislang allerdings fast nur mit dem Auto oder mit den Schulbussen möglich. Hermannsburg hat weit mehr als doppelt so viele Einwohner wie Unterlüß und kann mit einer besseren Infrastruktur punkten, aber nur Unterlüß hat einen Bahnhof. In wenigen Minuten gelangt man von dort mit dem Metronom, der im Stundentakt fährt, sowohl nach Celle als auch nach Uelzen und von dort weiter nach Hannover oder Hamburg. Aber ohne Auto kamen die Hermannsburger bislang nicht zum Zug und die Unterlüßer nicht zu Arztterminen oder zum Einkaufen nach Hermannsburg. Folgerichtig stand ein Linienbus ganz oben auf der Wunschliste der »Brautleute«. Um den Wunsch möglichst kostengünstig realisieren zu können, wurde im Frühjahr 2013 der Verein Bürgerbus Südheide (buergerbus-suedheide.de) gegründet, der mittlerweile schon 73 Mitglieder hat. Der Verein ist mit dem Ziel angetreten, »die strukturell bedingten Nachteile des Landlebens ein wenig auszugleichen«. Konkret geht es darum, den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern, die Verbindung zum Bahnhof  in Unterlüß auszubauen und die Ortsteile besser an die Ortskerne anzubinden. Während das Land und der Landkreis Geld für den Kauf eines Busses bereitstellte, müssen die laufenden Betriebsausgaben wie Kraftstoff, Instandhaltung und Pflege vom Verein selbst finanziert S werden. Als Sponsoren hat dieser bereits zahlreiche Geschäftsleute gewinnen können, die als Gegenleistung ihre Werbung auf dem Bus platzieren dürfen. Seinen Lienenbetrieb nimmt der Bürgerbus am 12. Januar auf. Zuvor finden am 9. Januar von 14 Uhr an im Rathaus in Hermannsburg und von 15 Uhr an im Rathaus in Unterlüß öffentliche Auftraktveranstaltungen statt, in deren Rahmen Bus und Fahrplan vorgestellt werden. Der Bus hat acht Sitzplätze und ist behindertengerecht mit Rampe und Rollstuhlplatz ausgestattet. Er fährt täglich nach Fahrplan von Montag bis Freitag vier verschiedene Touren durch das Gemeindegebiet: viermal die Rundtour Hermannsburg-Barmbostel-Bonstorf-Hetendorf-Müden-Hermannsburg, viermal die Tour Hermannsburg-Oldendorf-Beckedorf-Grauen-Hermannsburg, und dreimal am Tag fährt der Bus von Hermannsburg über Weesen und Lutterloh nach Unterlüß zum Bahnhof, um hier den Metronom zu erreichen, anschließend wieder zurück. Desweiteren wird dreimal am Tag eine Rundtour durch Unterlüß angeboten. Die Fahrpreise richten sich nach den Tarifen des Kooperationspartners CeBus. Gefahren wird der Bus ausschließlich von ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern, überwiegend im Rentenalter, die sich über eine sinnvolle Aufgabe freuen. 20 hatten sich gemeldet und größtenteils die vorgeschriebene Gesundheitsprüfung bestanden. Nachdem die Voraussetzungen geschaffen sind, liegt es jetzt an den Bürgerinnen und Bürger, ob das neue Nahrverkehrsangebot, das in ähnlicher Form auch in anderen Gemeinden in der Region in Planung ist, ein Erfolg wird. Calluna 7 Foto: Jürgen Behlau

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Streifzüge Kleine Wintertour mit großem Ohrwurm im Emmer Leu inka lykka korth / Text / Fotos Auf dem Weg zu einer der beiden Isebrücken, die wir auf dieser Tour überqueren. aum sind wir über die eine Brücke, kommt auch schon die nächste in Sicht, und plötzlich macht es klick, und da ist es, das Lied: »Über sieben Brücken musst du gehn«. Wie in einer Endlosschleife dudelt es zwischen den Ohren, begleitet uns für den Rest der Tour, und am Ende glauben wir tatsächlich, sieben Brücken überquert zu haben. Dabei waren es tatsächlich nur vier »richtige« Brücken, also solche mit Geländer. Nummer fünf war der Übergang über einen Düker, und bei Nummer sechs und sieben wurden die Bäche in Betonröhren unter dem Weg hindurchgeführt. Aber um die Assoziationskette in Gang zu bringen und den Ohrwurm im Kopf festzusetzen, hat es offensichtlich gereicht. Diese kleine Winterwanderung, die mit sieben Kilometern eigentlich nur ein Spaziergang ist, aber aufgrund der Größe des Wandergebiets durchaus bis zur Tagestour mit der dreifachen Länge erweitert und mit diversen weiteren Brückenquerungen angereichert werden kann, führt durch den Emmer Leu, der bis ins 19. Jahrhundert größtenteils ein unzugängliches Bruchwaldgebiet ohne befestigte Wege und Brücken war. Leu ist vermutlich eine Abwandlung von Loh, einer Bezeichnung, die Bestandteil zahlreicher Flurnamen ist und sowohl Gehölz, Hain oder Wald als auch Niederwald, Feuchtgebiet oder Sumpfwiese bedeuten kann. Die wichtigsten Wasseradern im Emmer Leu sind der Emmer Bach und die Ise. Die Ise wurde im Rahmen von Flurbereinigungen seit den 1950er Jahren kanalartig ausgebaut und in den 1970er Jahren beim Bau des Elbe-Seitenkanals sogar in Teilbereichen verlegt. Als Reaktion auf die ökologischen Folgen dieser Naturzerstörung startete die Aktion Fischotterschutz 1987 das Projekt Revitalisierung der Ise-Niederung. Als Ergebnis sehen wir heute wieder eine vielfältige Kulturlandschaft mit Wiesen, Wald und feuchten Winkeln. Auch am Emmer Bach hat es gravierende Eingriffe gegeben. Nach dem 1. Weltkrieg verwandelte der Bodenverband Ochsenmoor das bis dahin unberührte Hochmoor am Oberlauf des Baches in Grünland und begradigte bei dieser Gelegenheit den Bach. Immerhin blieb der Unterlauf im Bereich des Staatsforstes bis zur Einmündug in die Ise von solchen Maßnahmen verschont, und wir können uns heute mit der Tier- und Pflanzenwelt über einen sich wie seit jeher durch Wald und Wiesen schlängelnden Bach freuen. Am Start- und Endpunkt unserer Tour wird besonders deutlich, wie massiv hier in die Natur eingegriffen worden ist. Wir müssen ein Bollwerk aus Beton überwinden. Über die Knesebecker Bahnhofstraße und den Friedrichsmühlenweg sind wir aus östlicher Richtung bis an den Elbe-Seitenkanal gefahren. Vom Wanderparkplatz direkt am Kanalufer aus lassen sich auch schöne Touren durch den Kiekenbruch unternehmen. Wir wollen aber ans westliche Ufer und müssen erst einmal Treppen steigen, um auf die Kanalbrücke zu gelangen. Auf der anderen Seite geht es dann ebenfalls auf einer Treppe wieder zum Kanal hinunter. Wir wandern auf dem Uferweg entlang nach Norden und K 8 Calluna

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Streifzüge Grüne Farbtupfer auf der Brücke über den Emmer Bach und das »wilde Wasser« der Ise an einer künstlichen Stromschnelle (unten). Über sieben Brücken musst du gehn ... ... und kannst unterwegs die Ise sprudeln sehn Calluna 9

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Streifzüge AschauTeiche entdeckten nach einigen hundert Metern den parallel verlaufenden Waldweg, auf den wir in Höhe der Einmündung eines nach Westen abzweigenden Weges hinüberwechseln und weiter in nördliche Richtung gehen. Wir kommen alsbald an einen Düker. Die Kiekenbruchsrönne wird an dieser Stelle in einem Tunnel unter dem Elbe-Seitenkanal hindurchgeführt. Am Düker steht die erste der drei aus Edelstahl gefrästen Fischotter-Silhouetten, die Stationen des Otter-Pfades markieren, der als 20 Kilometer langer Radrundweg durch die Iseniederung führt. Die Broschüre zum Otter-Pfad kann auf den Internetseiten des Otter-Zentrums kostenlos heruntergeladen werden. Es geht weiter geradeaus, und zwar solange, bis der parallel zum Kanal verlaufende Waldweg schräg nach links abzweigt. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zur Ise, deren Ufer wieder wie einst von Schwarzerlen gesäumt sind. Die Brückengeländer aus Holz wirken nicht mehr sehr solide, aber die Brücke selbst ist, wie auch die weiteren, die wir noch überqueren werden, aus Stahlbeton. Als baufällig erweist sich der am Wegesrand, wo die Wiesen enden und der Wald beginnt, stehende kleine Hochsitz, der doch eigentlich ein schönes Plätzchen für eine kleine Pause wäre. Der Balken, an dem die Leiter lehnt, ist völlig morsch. Macht nichts, sieben Kilometer sind ja auch ohne Pause gut zu schaffen. Wir gehen den Weg bis zum Ende und biegen dann nach links ab. Jetzt sind wir auf der Forststraße, die von Süd nach Nord durch das gesamte Leugebiet verläuft. Die Forststraße ist größtenteils asphaltiert, aber auch die anderen Wege auf der Tour sind so gut befestigt, dass sie sich sogar bei Dauerregen nicht in Matschpisten verwandeln dürften. Nach dem Linksknick der Forststraße kommt auch schon die Brücke über den Emmer Bach in Sicht. Am Bachufer, direkt an der Brücke steht ein Apfelbaum, der natürlich jetzt im Winter weniger interessant ist. Ein Stück weiter leuchten im Herbst wunderschön purpurrot die Früchte des Pfaffenhütchens. Nur etwa zweihundert Meter östlich des Emmer Bachs überqueren wir einen gut mit Wasser gefüllten Graben, und rechts am Wegesrand weist ein Schild uns darauf hin, dass wir jetzt in ein Wasserschutzgebiet kommen. Die Forststraße knickt nach Süden ab. Es geht vorbei an großen, alten Buchen und Eichen, bis links eine Abzweigung kommt. Wir folgen ihr nach Westen, überqueren einen Bach im Wald, bewundern eine »Vierlingsbirke«, überqueren einen weiteren Bach in den Wiesen und gelangen dann auch gleich schon zur nächsten Brücke. Bevor wir zum zweiten Mal auf dieser Tour die Ise überqueren, beobachten wir fasziniert einen Graureiher, der an einer (künstlichen) Stromschnelle nördlich der Brücke im sprudelnden Wasser nach kleinen Fischen Ausschau hält. Solche sogenannten Sohlgleiten wurden im Rahmen des Ise-Projekts zum Ausgleich von Gewässerstufen angelegt. Gleich hinter der Brücke beginnt der Hochwald. Rechterhand warnt ein rotes Schild vor dem Betreten des Waldes, der hier ein Naturwald ist, aus dem kein Holz mehr entnommen wird. Um nicht Gefahr zu laufen, einen toten Ast auf den Kopf zu bekommen, sollte man die Warnung ernst nehmen. Am Ende des Waldes kreuzt ein Schiff den Weg. Aha, wir sind also zurück am Kanal. Wir gehen auf dem Parallelweg zum Ufer gen Süden und nehmen dann links den Stichweg zur Brücke. Jetzt noch einmal die Treppe hinauf, über die Brücke und am anderen Ufer hinunter, und dann haben wir unseren Ausgangspunkt erreicht. Der Ohrwurm spukt noch immer im Kopf herum. 10 Calluna

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1 2 3 N52 41.548 E10 38.120 (Breite/Länge hddd°mm.mmm' WGS 84) 5 6 7 S Emmer Holz Em m er Ba ch 1 Park- und Rastplatz am Kanal. 2 Beim Treppensteigen Kopf einziehen! 3 Düker der Kiekenbruchsrönne. 4 Zärtliche Umarmung im Naturwald. 5 Der Fischotter ist zurück an der Ise – nicht nur in Edelstahl. 6 Dieser kleine Hochsitz ist nicht nur windschief, sondern auch morsch. 7 Vierlings-Birke. Einer der Stämme ist leider rot markiert. Hoffentlich wird er nicht demnächst abgesägt. 8 Blick zur »Stromschnelle« in der Ise. 9 Die Calluna-Reporterin genießt den Blick auf den Fluss. Die Karte und den GPS-Track der Tour finden Sie auch unter www.callunamagazin.de in der Rubrik »Unterwegs«. Emmer Leu Ise 4 8 Ise KNESEBECK –> P 9 Calluna 11 Karte: Openstreetmap

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Tiergeschichten VON WEGEN WINTERSCHLAF Im Wildpark in Müden an der Örtze gibt‘s zu jeder Jahreszeit genug zu tun Marion korth / Text inka lykka korth / Fotos Neuzugänge: Die Leineschafe werden neugierig von ihren Nachbarn im Damwildgehege beäugt. Wildparkchef Thomas Wamser (rechts) begleitet Azubi Jari Götz auf der morgendlichen Fütterungsrunde durch den Wildpark. 12 12Calluna Calluna ie letzte Futterrübe aus der Karre, bestimmt zwei Kilo schwer, wirft Jari Götz in hohem Bogen über den Zaun, hinüber zum Damwild. Rumpelnd schlägt sie auf. Ende der morgendlichen Fütterungsrunde. Eine Dreiviertelstunde, länger darf die Runde zu Elchen und Rehen, zu Damwild und Schafen nicht dauern. Mit jeder Station, mit jedem Gehege, wo der 23-Jährige Futter verteilt, wird die Karre ein bisschen leichter, seine Schritte größer. In der Nacht hat es geregnet, hier und da ist die Erde aufgeweicht, von Schnee keine Spur. Auch Besucher sind an diesem Vormittag keine zu sehen, der Parkplatz ist leer, das Kassenhäuschen vorn am Eingang verschlossen. Winterschlaf im Wildpark Müden/Örtze? Nein, davon kann nicht wirklich die Rede sein, hinter dem Zaun geht alles seinen Gang, die Tiere verlangen nach ihrem Futter, im Sommer wie im Winter. Besucher, die sich jetzt hierher verirren, stehen nicht vor verschlossenen Toren. Selbst dann, wenn das Kassenhäuschen geschlossen ist, ist der Park gegen eine Spende für sie geöffnet. Nur Pommes und Eis und solche Sachen, die sind jetzt nicht zu haben, dafür ungestörte Blicke auf heimische und exotischere Wild- und Haustiere. Snörre und Steffi, die beiden Elche, sind wohl die größten hier. Deshalb haben sie auch das größte Gehege im kleinen Park: 2,5 Hektar, die sie sich mit Damwild teilen. »Ich bin ein Freund von Vergesellschaftungen«, sagt Wildparkchef Thomas Wamser. Den Tieren scheint es gut zu tun, die Besucher bekommen mehr zu sehen. Nur mit dem Nachwuchs hat es bei den beiden Elchen noch nicht geklappt, dabei waren sie sich schon so nah gekommen, dass der Chef in diesem Jahr fest mit einem Kälbchen gerechnet hatte. Na ja, mal schauen, was die nächste Saison bringt. Elch Snörre schiebt seinen kantigen Kopf über das Gatter und greift vorsichtig nach der Mohrrübe, die Jari ihm hinüberreicht. Der Bulle sieht trotz seiner Größe ganz gemütlich aus, aber Streicheltiere sind das hier alle nicht. Während der Brunft zu den Rothirschen hineinzugehen, wäre lebensgefährlich. Die Tiere sind nicht zimperlich, auch nicht im Umgang miteinander, die Rangordnung ist einzuhalten. Jari füllt die Raufen, an denen sich sogleich der Platzhirsch mit seiner Damenschar drängt. Der junge Hirsch hält sich vorsichtshalber zurück, er bekommt sein Futter etwas abseits, ebenso wie einige halbstarke Jungtiere. D

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Tiergeschichten Das Damwild drängt zur Futterraufe. Im »Kontaktgehege« sollen demnächst auch Besucher den Tieren so nah kommen können wie Jari Götz. Bilderleiste oben (von links): Deutscher Riese, Rehbock, Wildschwein, Waschbär und Elch. Calluna 13

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Tiergeschichten Freche Bande: Ziegen sind von Natur aus ziemlich vowitzig, vor allem, wenn Jari Götz mit dem Futtereimer kommt. 14 Calluna

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Tiergeschichten Die Tiere, besonders die Hirsche, immer genau im Auge zu behalten, kann nicht schaden. Aber wo es geht, versucht Wamser die Grenzen zwischen Mensch und Tier wenn nicht aufzuheben, so doch aufeinander zuzuschieben. »Tierisch nah dran«, das ist der Slogan dazu. In den sogenannten Kontaktgehegen, durch die Besucher im Sommer geführt werden sollen, steht kein Zaun mehr der Begegnung entgegen. Die Tiere halten von sich aus einen gewissen Sicherheitsabstand, aber dann löst sich eine schöne Damwildkuh aus der Gruppe, Jungtiere drängen neugierig hinterher und dann steht sie da direkt vor uns, und Jari füttert sie aus der Hand. »Alles Negative von den Tieren wegzuhalten, Vertrauen schaffen, das ist die Leistung unserer Tierpfleger«, sagt Wamser. Jari ist einer von insgesamt fünf Azubis. In drei Jahren wird er zum Tierpfleger Fachrichtung Zoo ausgebildet. Von einem Traumjob zu sprechen, wäre vielleicht doch etwas übertrieben. Es lag einfach nah. »Wir hatten immer Tiere zu Hause, das Interesse war immer da«, sagt Jari nach einigem Überlegen. Trotz der schwer beladenen Futterkarre, Kraft ist nicht das wichtigste, was ein angehender Tierpfleger mitbringen muss. Im Tierpark lernen auch Mädchen, und die Corinna, überlegt der Chef, die wiegt bestimmt selbst nicht mal 50 Kilo, nein, auf die Kraft kommt es nicht an. Die Verlässlichkeit ist es, sagt er. Der stahlgraue Himmel hält an diesem Vormittag, kein Regen. Kalt und ungemütlich ist es trotzdem. Die Winterzeit hat dennoch ihre angenehmen Seiten. Anders sei sie und eine schöne Zeit, in der endlich getan werden könne, was im Sommer liegen geblieben ist oder liegen bleiben musste. Der Tierpark soll schließlich nicht aussehen wie eine Baustelle. Wege anlegen, Gatter reparieren, Zäune ziehen, das sind die typischen Winterarbeiten. Mitte November schaltet der Wildpark einen Gang herunter, geht in den Ruhezustand, der Chef ist zufrieden, wie viel seine Mannschaft seither schon geschafft hat. Seit zwei Jahren betreibt der gebürtige Rheinländer den Park, schon seit 2006 widmet er sich zudem der Falknerei. »Die Leute denken immer, dass die Futterkosten am höchsten sind«, sagt Wamser. Dabei würden die höchstens drei bis fünf Prozent des Gesamtetats ausmachen. Nein, es seien die Personalkosten, die am meisten zu Buch schlagen. Wamser freut es, dass sich nun langsam ein eingespieltes Team gebildet habe. Azubis, Gesellen und Chef – jeder kennt seine Aufgaben im Auge in Auge mit »Familie« Damwild – im Wildpark Müden ist das möglich. Gefüge. »Wir werden leistungsfähiger.« Wenn alles so gut läuft wie in der vergangenen Saison, dann wäre der Geschäftsführer zufrieden. »2014 war ein starkes Jahr, mal schauen, ob die Besucherzahlen so bleiben.« Drei Jahre hat er sich Zeit gegeben, um herauszufinden, ob sich der kleine Wildpark in der Nische zwischen all den großen behaupten kann. Für Wölfe oder Bären fehlt der Platz auf dem etwas mehr als zehn Hektar großen Areal, außerdem wären die Sicherheitsanforderungen und damit die Kosten für das Gehege zu hoch. Der kleine Park habe dennoch seine Stärken wegen der kurzen Wege und der Vielseitigkeit. Von den Heidschnucken sind es nur ein paar Meter zu den wilden Mufflons und noch ein paar Schritte weiter recken die straußenähnlichen Nandus ihre Köpfe in die Höhe. Die jüngsten Neubürger sind die Leineschafe, eine bedrohte Haustierrasse, die erst vor knapp zwei Monaten ihre Wiese im Tierpark bezogen haben. Die Schüssel mit dem Schaffutter haben sie längst geleert und zupfen jetzt eifrig am Heu, das ihnen Jari in die Raufe gestopft hat. Winterschlaf hält hier wirklich niemand. Sprechstunde (Termine außerhalb der Zeiten sind jederzeit möglich) Mo – Sa Vormittag 10.30 – 13.00 Uhr Mo, Di, Fr Nachmittag 16.00 – 18.00 Uhr Do Nachmittag 16.00 – 20.00 Uhr ZUSATZ-Sprechstunde für biologische / homöopathische Behandlungsverfahren und Therapien Mi Do 12.00 – 13.00 Uhr 18.30 – 19.30 Uhr Öffnungszeiten Mo – Fr 7.45 – 18.30 Uhr Do 7.45 – 20.00 Uhr Sa 9.00 – 13.00 Uhr Physio-/ Aquatherapie nach Absprache Hausbesuche auch für Kleintiere ! www.tiergesundheitspraxis-soujon.de Hauptstraße 7 29393 Groß Oesingen Telefon 0 58 38 - 2 67 Calluna 15

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