Magazin SAMARITERSTIFTUNG

 

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Description

Die dritte Ausgabe des MAGAZINs der Samariterstiftung und der Stiftung ZEIT FÜR MENSCHEN hält wieder viele Geschichten aus dem Leben der Menschen rund um die Samariterstiftung parat. Ein gelungener Abschluss der 2014er-MAGAZIN-Serie.

Popular Pages


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Ausgabe 3, Dezember 2014 Magazin Wir helfen Menschen Märchen Alte Bilder und symbolische Sprache haben Heilkraft Gedenken Samariterstiftung erinnert an Opfer der Euthanasie Aufmerksamkeit Arbeitsschutz gehört zum Standard in der Samariterstiftung Seite 6 Seite 16 Seite 20

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Editorial » Schenken ist ein Brückenschlag über den Abgrund deiner Einsamkeit. Antoine de Saint-Exupéry «

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Liebe Leserinnen und Leser, es geht wieder auf die Weihnachtszeit zu. Eine besondere Zeit, die den Lauf der Dinge unterbricht. Auch eine Zeit, die mit ihren vielen Lichtern auf das eine Licht hinweist, dessen Kommen wir am Christfest erinnern und feiern. Gewiss auch eine Zeit, um innezuhalten und die alltäglichen und nicht alltäglichen Dinge in einem neuen Licht zu sehen. Ein wesentlicher Bestandteil der Weihnachtszeit ist das Schenken. Wir schenken Menschen, die uns wichtig sind und uns am Herzen liegen, allerlei Nützliches, Sinn­ volles, Schönes und hin und wieder auch etwas von unserer Zeit. Kinder schreiben – zumindest die jüngeren – mit Leidenschaft ihre Wunschzettel. Träume und Fantasien fließen ein und alles ist voll von der Sehnsucht, dass ein oder zwei (oder alle) Wünsche in Erfüllung gehen. Aber auch Erwachsene haben sie: oft sehen die Träume anders aus, werden nicht aufgeschrieben, nicht einmal an Weihnachten. Dennoch gibt es sie, mit all der großen ­ Sehnsucht. Aber natürlich stimmt auch das: Erwachsene tun sich anders als Kinder oft schwer damit zu schenken und ­ sich beschenken zu lassen. Löst das Geschenk womöglich die Notwendigkeit eines Gegen-Geschenks aus? Was, wenn ich jemanden vergesse, der mich beschenkt? Eigentlich braucht es diese vorweihnachtliche Nervo­ ­ sität aber nicht. Das Geschenk ist Geschenk. Schenken ist „soziales Handeln“, sagt Gerhard Schmied, Kulturund Religionssoziologe. Der Mensch schenkt etwas, um Beziehungen zu bestätigen, lebendig zu halten und zu entwickeln. Kleine Geschenke erhalten ja bekanntlich die Freundschaft. In dieser Redensart findet sich eine klare Botschaft: Für ein gutes Miteinander, für Freundschaften und Beziehungen braucht es kleine Geschenke (von denen man die meisten übrigens nicht kaufen kann) als ­ Zeichen der Wertschätzung, der Nähe, des Vertrauens. Keine Theorie, sondern Lebenspraxis. Von Menschen, die in diesem Sinn schenken, erzählt dieses MAGAZIN. Magdalena Heinrichs schenkt als Quartierskoordina­ torin ihre Kraft und Ausdauer dem Miteinander im Stadtviertel, dem Quartier Feuerbach (S. 34  /  35). „Schenke herzlich und frei. Schenke dabei, was in Dir wohnt an Meinung, Geschmack und Humor, so dass die eigene Freude zu­ vor Dich reichlich b ­ elohnt“, dichtet Joachim Ringelnatz. Als hätte er Claudia Müller-Grotjahn gekannt. Sie hat Beschäftigte der Werkstatt an der Schanz zum Weidenflechten gebracht und ihnen Freude, Selbstvertrauen und Sicherheit g ­ eschenkt (S. 8  /  9). Alles unbezahlbar, alles nicht zu kaufen. Denis Dörrich schenkt Sicherheit, indem er sein Fachwissen dafür einsetzt, dass wir am Arbeitsplatz sicher sind. So können wir uns voll auf unsere Kernaufgabe konzentrieren und uns um Menschen kümmern, die Hilfe und Unterstützung brauchen (S. 20 / 21). „Schenke mit Geist, ohne List. Sei eingedenk, dass Dein Geschenk Du selber bist“, erinnert uns Ringelnatz. Geschenke sind keine Waren, die wir kaufen oder tau­ schen. Und wo sie das geworden sind, da haben sie aufgehört, wirkliche Geschenke zu sein. Das Schenken folgt nicht der ökonomischen Vernunft, sondern der Teilhabe an der Freude des Anderen, an der Freude des nahen oder hin und wieder auch fernen Mit-Menschen. Wer schenkt, ist ganz dabei und erwartet nichts. Wer wirklich und von Herzen schenkt, ist so frei. Alle Jahre wieder Weihnachten. Lichter strahlen, Geschenke machen Freude. Halleluja in Kirchen und auf Plätzen. Beschenkte, die schenken. Eine alte Erinnerung: Die Welt und wir Menschen erscheinen in einem neuen Licht. In diesem Licht und von diesem Licht her sind wir alle Beschenkte, die schenken. Ganz praktisch. Mitten im Leben. In diesem Sinn eine schöne Bescherung und gesegnete W ­ eihnachten! Herzlichst Frank Wößner Sabine von Varendorff Vorstandsvorsitzender Redaktionsleitung

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WIR Gedenkgottesdienst In Grafeneck erinnert man sich an die Opfer der Euthanasie HELFEN Ruit Samariterstift Ostfildern wird zum Trainingszentrum für Pflege gerüstet Qualitätsspielzeug Für neugierige Kleine und für große Tüftler 16 2 1 8 20 1 22 2 4 Arbeitsschutz ASA kümmert sich seit 2011 um die Sicherheit im Unternehmen Arbeit schenkt Würde Beschäftigte der Werkstatt an der Schanz ­ im Dienste für die UNESCO Termine Impressum Samariterstiftung 4

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MENSCHEN Schwäbisch Hall Beteiligungskultur für Angehörige von Menschen mit chronisch psychischen Erkrankungen Die Stiftung ZEIT FÜR MENSCHEN präsentiert: Auf 16 Seiten die­Stiftung ZEIT FÜR MENSCHEN erleben. Das MAGAZIN finden Sie im Anschluss an das Magazin der Samariterstiftung. 1 0 2 Pfullingen Baugenossenschaft und Samariterstiftung bieten neue Lösungen für ältere Menschen in Pfullingen 6 1 4 8 Verflechten was zusammen gehört Claudia Müller-Grotjan arbeitet mit Beschäftigten in der Werkstatt an der Schanz Seite 6 Eric Derrez Es war, ist und wird immer so bleiben Zeit nehmen. Zeit schenken. ZEIT FÜR MENSCHEN Magazin Ausgabe 3, Dezember 2014 Plötzlich dement Wenn Erinnerungen im Nichts verschwinden Kirchberger Dialog Dialog über Generation Y und Gemeinwohl Denkrunde Jeder Einzelne will gewonnen werden Seite 7 Seite 12

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Märchenerzähler Derrez 06 – 07 Weidenflechten 08 – 09 Schwäbisch Hall Angehörige 10 – 11 MENSCHEN E s war, ist und wird ­ immer so sein ­rrungen und Wirrungen meist gut I für die Hauptperson endet. Märchen können in uns Bilder wecken, und diese sind sehr wichtig für unsere Überlebenskräfte. In ihnen werden menschliche Archetypen wie das Gute, das Böse, Opfer, Retter, Verzauberung und Erlösung ­ dargestellt. Schon der alte Heraklit erkannte, dass der Mensch in Bildern denkt. Aus diesen uralten Bildsymbolen entwickelten sich die Schriften aller menschlichen Kulturen. Märchen sind bildhafte Gleichnisse des Lebens und beschenken den Zuhörer mit Erkenntnissen, die ihm sein ­ Verstand nie vermitteln könnte. Märchen haben Eric Derrez geholfen, sich wieder in die Welt einzu­ finden, nachdem er vor sieben Jahren nach einer Hirnblutung im Rollstuhl saß. Zunächst halbseitig gelähmt musste er Sprechen, Schreiben und alles andere auch wieder neu erarbeiten. In dieser Zeit hat es geholfen, dass seine Frau ihm Märchen vorgelesen hat. Besonders die russischen Märchen haben es ihm angetan. „Allerdings gibt es die meist nur in ­ schlechten Übersetzungen, so dass ich sie beim Erzählen mit meinen Worten ausgestalte“, sagt Derrez. 80 ­ Jahre ist er mittlerweile und dennoch nicht müde, Menschen mit dem unschätzbaren Wert zu beglücken, den Märchen zu geben haben. Auch im Dr. Vöhringer Heim in Von der heilenden Kraft alter Worte und Bilder in den Märchen Es war einmal … so beginnen fast alle bekannten Märchen. Es war also einmal ein junger Mann, ge­ boren bei Neuss. Eines Tages fuhr er mit dem Zug von Basel nach Köln. Da setzte der Schaffner eine junge Frau neben ihn ins Abteil, denn der Zug war sehr voll und hier noch ein Plätzchen frei. Und damit beginnt die gemeinsame L ­ ebensgeschichte von Eric und Christa Derrez. 50 Jahre sind sie b ­ereits verheiratet. 50 Jahre, in denen Geschichten und Märchen immer wieder eine große Rolle gespielt haben. Denn obwohl Eric Derrez eigentlich Päda­ goge ist – er hat Kunstgeschichte und Französisch studiert, unter anderem auch in Genf – hat er sich im fortgeschrittenen Alter im Stutt­ garter Märchenkreis zum Märchenerzähler ausbilden lassen. Er hat die Märchen mit Feen, Prinzessinnen, bösen Stiefmüttern und großen Riesen jungen und alten Menschen erzählt. Seine Märchen haben Kinder still werden lassen und alte Menschen wieder ins Gespräch ­ gebracht, selbst wenn ihnen die Demenz bereits einen großen Teil des bisherigen Lebens geraubt hatte. „Märchen sprechen in e ­ iner Symbolsprache. Wenn wir uns auf die Märchen einlassen, dann sprechen diese Symbole die Bilder in unserer Psyche an. In unserem Unter­ bewusstsein lagert ein Bilderschatz, der nur hervorgerufen werden muss“, sagt Eric Derrez. In den Märchen aller Herren Länder geht es samt und sonders immer um ein Problem, das nach

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Werkstatt an der Schanz 12 – 13 Pfullingen Hohe Straße 14 – 15 Gedenkgottesdienst 16 – 17 Oberensingen, wo Eric Derrez seit bald zehn Jahren lebt, erzählt er immer wieder im kleinen Kreis Märchen, wenn es ihm seine Gesundheit erlaubt. Seit seine Frau auch in der Alteneinrichtung lebt, h ­ aben sich die beiden gemeinsam auf die Märchenstunden vorbereitet. Er hat in seinen unzähligen Märchenbüchern nach dem besten gesucht, seiner Frau dann und wann was vorgelesen, und sie saß daneben und hat gestrickt. Freilich, die fortschreitenden Jahre machen vieles unmöglich. „Leier zur Begleitung der Märchenstunden kann ich heute nicht mehr spielen“, sagt Christa Derrez. Geblieben ist aber die heilende Kraft der alten Geschichten. „Ich hoffe, dass das noch lange so bleibt, denn ich möchte noch einiges erleben“, sagt Eric Derrez. Das Ehepaar hat vier Kinder und mittlerweile auch drei Urenkel. Sie lieben die Märchen vom Opa. Als kleiner Junge schon hatte Eric Derrez von einer Schwägerin ein Märchenbuch bekommen. Dass vorne auf ihm eine bunte Abbildung von Schneewittchen war, weiß der betagte Herr heute noch. „Märchen bewegen den Menschen in der Seele, egal in welchem Alter“, ist sich der Märchenerzähler sicher. Er ist begeistert von dem „roten Faden Liebe“, der sich durch viele Märchen zieht und meist die Erlösung aus schier ausweglosen Situationen bringt. Märchenerzählen, das klingt nach Gutenachtgeschichten vor dem Schlafengehen. Doch es ist eine der ältesten Künste der Welt. Immer wurden Geschichten erzählt, an den Feuern der Steinzeitjäger und in den Palästen der russischen Zaren. Märchen­ erzähler haben früher die Handelskarawanen begleitet, die durch die Wüsten zogen. Ihre Aufgabe war es, so spannende Geschichten zu erzählen, dass keiner der Wächter einschlief und die teuren Handelswaren damit sicher waren. In der Arbeit mit alten Menschen setzen die Fachkräfte in der Samariterstiftung auf die heilende Kraft der Märchen. Das evangelische Bildungs­ werk Nürtingen hat unlängst beim Forum „Leben im Alter“, das alten Menschen und deren Wegbegleiterinnen und -begleitern dient und jeweils mittwochs im Dr. Vöhringer Heim organisiert wird, die Sozial­ pädagogin Ilka Wimmer über die Zauberkraft von Märchen referieren lassen. Märchen seien der Spiegel unseres Seelenlebens und brächten uns in Kontakt mit anderen Menschen, so deren Überzeugung. „Es war einmal ein König, der war krank, und niemand glaubte, dass er mit dem Leben davon käme. Er hatte aber drei Söhne, die waren darüber betrübt, gingen hinunter in den Schlossgarten und weinten. Da begegnete ihnen ein alter Mann, der fragte sie nach ihrem Kummer. Sie sagten ihm, ihr Vater wäre so krank, dass er wohl sterben würde, denn es wollte ihm nichts helfen. Da sprach der Alte: „Ich weiß noch ein Mittel, das ist das Wasser des Lebens, wenn er davon trinkt, so wird er wieder gesund; es ist aber schwer zu finden.“ Der älteste sagte: „Ich will es schon finden!“, ging zum kranken König und bat ihn, er möchte ihm erlauben auszuziehen, um das Wasser des Lebens zu suchen, denn das könnte ­ ihn allein heilen.” (Gebrüder Grimm) Der König ist krank, er fühlt sich innerlich leer. Retten kann ihn nur das Lebenswasser. Die Kinder brechen auf, um das Wundermittel zu suchen. Merke: Wenn etwas ganz Wichtiges im Leben fehlt, dann kann man sich auf den Weg machen und es finden und mit Mut und Ausdauer sowie festem Willen endet die Suche erfolgreich. Eric Derrez hat für sich gefunden, was ihm Freude im Leben bereitet. So war es einmal – und so ist es noch! Sabine von Varendorff

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Weidenflechten 08 – 09 Schwäbisch Hall Angehörige 10 – 11 Werkstatt an der Schanz 12 – 13 MENSCHEN Verflechten … … was zusammen gehört Claudia Müller-Grotjan arbeitet mit Beschäftigten in der Werkstatt an der Schanz Da gibt es das Leben vor dem 7. August 2012 und das Leben nach ­ diesem Tag. Zwei Lebensstränge, die verschiedener nicht sein könnten. Claudia Müller-Grotjan hält sie beide in der Hand und muss daraus ihr eigenes Leben im Hier und Jetzt gestalten. Früher war sie Taxifahrerin und heute? Die 46-Jährige flicht Körbe, Dekoratives und Nützliches aus Weide. Eins mit dem anderen verbinden, damit eine brauchbare Sache daraus entsteht. Claudia Müller-Grotjan ist flink. Flink im Denken, im Reden und im Flechten. Ihr blondes Haar geht bis knapp über die Ohren. Die Finger versuchen es immer mal wieder dahinter zu bändigen. Aber die Haare wollen nicht. Sie führen ein eigenes Leben. So ähnlich geht es Claudia Müller-Grotjan auch mit ihren Gedanken. Vor dem Stichtag im August vor zwei Jahren hatte sie ihr Leben so fest in der Hand wie das Lenkrad ihres Taxis. Sie kannte alle Straßen, Fahrpläne der Kollegen und war stets auf Zack. Dann hat irgendetwas, irgendjemand den Schalter umgelegt und nichts war mehr wie vorher. Es war von Schlaganfall, von Epilepsie und von vielen anderen Dingen die Rede. Eine endgültige Diagnose gibt es bis heute nicht. Endgültig ist aber, dass verschiedene Verbindungen im Gehirn nicht mehr so funktionieren, wie sie sollen. Claudia MüllerGrotjan kann schwierige binomische Formeln erklären, komplizierte Gleichungen nach „X“ auflösen, aber das Wechselgeld an der Supermarktkasse kann sie nicht nachzählen. Früher kamen Antworten selbst auf schwierige Fragen wie aus der Pistole geschossen. Heute muss Claudia Müller-Grotjan sehr lange überlegen. Über das Überlegen kann die Frage auch verloren gehen. „Es ist, als ob ich einen Schreibtisch im Kopf habe. Auf dem darf aber nur eine Sache zum Abarbeiten liegen, sonst funktioniert gar nichts mehr“, beschreibt sie ihren Zustand. Ein befreundetes Ehepaar, beide Schüler der Flechterin Antje Hövel, haben Müller-Grotjan schon 2010 besucht und eingeweichte Weide im Gepäck gehabt. Es folgte die erste Lehrstunde im Weide flechten. „Ich durfte mir meinen eigenen Brotkorb flechten“, erinnert sich Claudia Müller-Grotjan und auch daran, dass sie sich zunächst wenig zutraute. Aber Abend für Abend und Flechtversuche später kam das Selbstvertrauen. Hinzu kam, dass Claudia Müller-Grotjan bei Antje Hövel abspicken konnte. Sie gab ihr Meisterwissen, Tipps und Tricks gern weiter. Im Weidenflechten hatte die junge Frau ein wunderbares Hobby gefunden, das damals entspannte und völlig andere Muskelpartien beanspruchte als das Taxifahren. Dann kam der 7. August 2012. Danach war die Motorik der rechten Hand deutlich eingeschränkt. Nichts ging mehr. Aber das Flechten brachte Linderung, ja sogar Besserung. Doch das Leben schenkte keine Schonung. Anfang 2013 wurde Claudia Müller-­ Grotjan unschuldig in einen schweren Autounfall verwickelt. Mehrere R ­ ippenbrüche, schwere Prellungen an den Beinen, ein Schädelhirntrauma und gestauchte Hände, Arme und Schultern. Jede kleinste Bewegung bereitete höllische Schmerzen. Und wieder: das Flechten wurde zur Therapie. Durch das abwechselnde Sitzen und Stehen bei der Arbeit und die sanften Bewegungen beim Flechten verbesserte sich die gesamte Durchblutung im Körper. Die Heilung ging schneller voran. Fast ist man versucht zu sagen, die Weide weiß, zu wem sie geht. Denn schon Hippokrates und Paracelsus wussten, dass die Weide hohe Heilkraft besitzt. 1827 wurde der Hauptstoff der Weide Salicin entdeckt, aus dem später künstlich Acetylsalicylsäure, das Aspirin, hergestellt wurde. Das Korbflechten ist ein uraltes Handwerk und wird seit Menschengedenken auf der ganzen Welt ausgeübt. 8 Samariterstiftung

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Pfullingen Hohe Straße 14 – 15 Gedenkgottesdienst 16 – 17 Ruit 18 – 19 Im Nahen Osten fanden Archäologen die Reste eines aus der Wulsttechnik gefertigten Korbes, der ungefähr 10.000 J. v. Chr. geflochten worden ist. In Afrika wurden Fragmente eines Topfes mit dem Abdruck einer Korbarbeit entdeckt, die älter als 8.000 Jahre alt waren. Es wird angenommen, dass geflochtene Körbe aus Weiden und Binsen mit Lehm bestrichen und dann gebrannt wurden. So verkohlte der Korb und hinterließ im Tongefäß Flechtornamente. Als die Siedlungen aufkamen wurden Pfähle in den Boden gerammt, die Wände ausgeflochten und mit einer Mischung aus Lehm und Stroh bestrichen. Das Wort „Wand“ kommt übrigens von winden, also flechten. Das Ausflechten von Wänden war sehr lange von Bedeutung und wurde in Russland und Rumänien noch bis ins 19. Jahrhundert angewandt. Im Verlaufe der Zeit wurden dann Trag- und Gebrauchskörbe hergestellt. Auch Fischreusen wurden geflochten. Babylonier und Chaldäer sollen für kultische Bräuche wertvolle Geflechte gemacht haben. In Deutschland wurde die erste Korbmacherzunft 1590 in München gegründet. In dieser uralten Tradition bewegt sich Claudia Müller-Grotjan heute. Sie weiß darum und doch: „Für mich ist Korbflechten kein normaler Beruf.“ Sie möchte lieber mit anderen in einem Betrieb arbeiten, ihre festgelegten Pausen und Abläufe haben. Doch dafür bräuchte sie ein sehr geduldiges Umfeld und einen verständigen Chef. Denn wenn die Gedanken morgens beim Frühstück Bingo spielen, kann Müller-Grotjan nicht pünktlich ins Geschäft kommen. So gern sie flicht, so gern die gebürtige Gelsenkirchnerin kreativ ist, das bleibt ihr größter Wunsch: eine klare Diagnose und ein geregelter Beruf. „Dabei ist sie in dem, was sie macht, sehr professionell“, urteilt Britta Lucas, die Leiterin der Werkstatt an der Schanz. Sie muss es wissen, denn sie hat Claudia Müller-­ Grotjan gewinnen können, in der Werkstatt, in der Menschen mit chronisch psychischen, geistigen und körperlichen Behinderungen arbeiten, ihr Flechtwissen an die Menschen mit teils starken spastischen Beeinträchtigungen weiter zu geben. Müller-Grotjan ging mit ihnen sehr einfühlsam um, leitete sie geduldig an und ermöglichte ihnen ganz wunderbare Erfahrungen. „Jemand, der sonst kaum aufgesehen hat, hat angefangen zu flechten und strahlte stolz über seine Weidenblume“, erzählt Britta Lucas. Selbst Menschen, die stark unter motorischen Störungen leiden, konnten flechten und ein Körbchen herstellen. Was für eine Freude! „Sie haben was geschafft“, erklärt Britta Lucas. So durfte jeder eine dekorative Weidenblume herstellen. Im Herbst folgen Körbchen für Windlichter, die dann die Tische im Speisensaal der Werkstatt an der Schanz verschönern. „Das gibt gleich ein ganz anderes Selbstwertgefühl“, urteilt Lucas. Das Projekt „Weide“ habe die ganze Werkstatt begeistert. Flechten gehört zu den arbeitsbegleitenden Maßnahmen der Werkstatt an der Schanz, einer Einrichtung der Samariterstiftung. Für Müller-Grotjan ist das Flechten Therapie geworden. Dass sie je davon leben können soll, kann sie sich nicht vorstellen. Aber sie freut sich über jede Auftragsnachfrage. Es können Einkaufskörbe, übrigens mit einem erhöhten Boden, so dass der Korb nicht nass oder beschädigt wird, bestellt werden. Sie fertigt Kräutersammelkörbchen mit Fächern, Brotkörbe oder Untersetzer, Wandschmuck und Gartendekoration. Außerdem können tageweise Flechtseminare bei ihr gebucht werden. Mit ihrer raschen Auffassungsgabe und dem hohen Einfühlungsvermögen spürt sie in einem ersten Gespräch sofort, was der Kunde wünscht. Wer weiß, wenn sich ihre Kunstfertigkeit weit genug herumspricht, vielleicht, kann sie dann doch eines Tages davon leben … Wie sagt sie selbst: „Die wahren Wunder kann nur Gott vollbringen.“ Sabine von Varendorff INFO: Weidenprodukte und Weidenflechtkurse sind zu bestellen und buchen bei: ALBFLECHTKUNST Mehrstetterstraße 29 • 72525 Münsingen • Telefon: 0175 5057 324 www.albflechtkunst.de • E-Mail: info@albflechtkunst.de 3/2014 MAGAZIN 9

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Schwäbisch Hall Angehörige 10 – 11 Werkstatt an der Schanz 12 – 13 Pfullingen Hohe Straße 14 – 16 HELFEN Das Leben als Achterbahn Beteiligungskultur für Angehörige von Menschen mit chronisch psychischen Erkrankungen Ihr Sohn ist heute 51 Jahre alt und arbeitet ehrenamtlich in der Gemeinde als Gärtner. Sie erinnert sich gut an die ersten Jahre, als sie immer noch versucht war, etwas zum Guten für den Sohn und die Familie zu verändern. Mit zwölf Jahren erlitt der Junge einen Autounfall und kam danach nur immer wieder phasenweise auf die Füße. In den Zeiten dazwischen stellten sich mehr und mehr Psychosen und zwanghaftes Verhalten ein. Einmal ist er auf die eigene Mutter sogar mit einem Küchenhocker losgegangen. „Ich war hilflos, ohnmächtig. Ich wusste einfach nicht mehr, was ich noch machen kann“, sagt Erika Held. Erst als sie in der Angehörigengruppe merkte, dass es anderen Müttern genauso geht wie ihr selbst, nahmen die Schuldgefühle ab. Jeden dritten Mittwoch im Monat treffen sich etwa zehn bis zwölf Mütter, Väter und Geschwister von erkrankten Menschen in Schwäbisch Hall. Eine Fachkraft vom Sozialpsychiatrischen Dienst moderiert die Abende. „Aber wir sprechen nicht nur über die Krankheit“, sagt Ursula Schneider-Eichbaum. Sie ist seit drei Jahren bei der Angehörigengruppe. Ihr Sohn, der demnächst 26 Jahre alt wird, ist mit 16 Jahren in der Berufsschule einfach zusammengebrochen. Dem Zusammenbruch gingen unzählige schlaflose Nächte und ebenso viele Überstunden im Lehrbetrieb voraus. „Schließlich wurde er auf Medikamente eingestellt, die zu einer enormen Gewichtszunahme führten“, erinnert sich seine Mutter. Wenn ein Familienmitglied p ­ sychisch erkrankt, bedeutet dies in den meisten Fällen für alle im Familien­ system eine schwere Belastung. Werden die Menschen mit einer psychischen Krankheit von ihren Angehörigen betreut, geraten Familie und Freunde schnell an eigene Belastungsgrenzen. Hinzu kommt, dass das Thema psychische Erkrankungen immer auch mit den Gefühlen Schuld, Scham und Ausgrenzung konfrontiert. Der Weg der Familien, den Erkrankten in einer entsprechenden Einrichtung ­ unterzubringen, ist oft steinig und fast nie gerade. Sie brauchen für den Weg und auch für die spätere Zeit Unterstützung. In Crailsheim gibt es deshalb seit 25 Jahren und in Schwäbisch Hall sogar seit 35 Jahren eine Angehörigengruppe. Seinerzeit wurden sie von der Caritas eingerichtet und lange Zeit geführt, heute werden sie beider Orts vom Sozialpsychiatrischen Dienst betreut. Der 8. Angehörigentag in Obersontheim hat das Jubiläum beider Angehörigengruppen zum Anlass genommen, sich noch einmal sehr intensiv mit der Situation der Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu befassen. Dabei wurde ganz bewusst auf den Trialog zwischen Angehörigen, Patienten und medizinischem Personal gesetzt. Im Trialog gehen Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige und in der Psychiatrie Tätige jeweils als Experten in eigener Sache aufeinander zu, um voneinander zu lernen. Der Trialog ist keine therapeutische Maßnahme, vielmehr eine Beteiligungskultur, die es allen ermöglicht, auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, sagt Erika Held (Name v.d.R. geändert). 10 Samariterstiftung

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KONTAKT UND INFORMATION: Angehörigengruppe Crailsheim Waltraud Rieker, Sozialpsychiatrischer Dienst Schulstraße 16 74564 Crailsheim Telefon: 07951 469 913 Trotzdem habe er seine Ausbildung zum Koch beenden und noch mehr als ein Jahr in seinem Beruf arbeiten können. Aber bei einer Kur, bei der nach fünf Jahren die Medikamente reduziert werden sollten, ging wieder etwas schief. Ursula SchneiderEichbaum hat es damals als besonders bedrückend erlebt, dass sie bei Themen wie Medikamentierung, Dosisbestimmung oder Unterbringung irgendwie immer außen vor war. „Das haben die Ärzte entschieden. Wenn ich meinte, weniger wäre gut oder gewarnt habe, dann wurde ich nicht gehört.“ Dabei sei es für eine Mutter einfach unerträglich, für ihr Kind nichts zum Guten entscheiden zu können. Genau diese „Mitsprache“ wird mit dem Trialog, wie er beim Angehörigentag geführt wurde, gewollt. Dabei macht Christoph Holl, Pädagogischer Leiter des Samariterstifts Angehörigengruppe Schwäbisch Hall Birgit Kern, Sozialpsychiatrischer Dienst Ringstraße 2 74523 Schwäbisch Hall Telefon: 0791 943 069 206 ich hier Menschen treffe, denen es genauso geht wie mir“, sagt Erika Held. Manche kämen so fix und fertig hier an, dass man Angst um sie haben müsse. „Wenn ich ihnen helfen kann, dann tut mir das auch gut“, sagt sie. Erfahrungen anderer Angehöriger wie Mütter, Partner oder Kinder psychisch Kranker entlasten und zeigen, wie jeder mit wiederkehrenden Problemen und stressigen Situationen besser umgehen kann. So schenkt die Angehörigengruppe letztlich wieder Vertrauen ins Leben. „Mein Leben ist eine Achterbahnfahrt“, beschreibt Ursula Schneider-Eichbaum den Kreislauf zwischen Hochs und Tiefs im Krankheitsverlauf ihres Sohnes, „und ich fahre nicht gern Karussell. Deshalb ist es gut, wenn andere mit in der Achterbahn sitzen und wir uns gegenseitig halten können.“ Sabine von Varendorff Obersontheim, deutlich, dass „vor allem, wenn die Patienten volljährig sind, die Angehörigen formal gar kein Mitspracherecht mehr haben, wenn es um die Belange des Patienten geht“. „Das kann eine Mutter nicht verstehen. Für sie bleibt das Kind, erst recht, wenn es krank ist, immer Kind“, erwidert Ursula Schneider-Eichbaum. Ihr hat es geholfen zu erfahren, dass andere Mütter wie sie selbst fühlen. Gerade der offene Austausch auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten habe es ihr erleichtert, dazu zu stehen, dass ihr Kind psychisch krank ist. In ihrem Fall hat ihr Sohn einen gesetzlichen Betreuer, der dessen finanzielle und gesundheitliche Bedürfnisse regelt. Somit ist sie auch formal nicht für Fragen der Gesundheit zuständig. Damit ist aus der Eltern-Kind-Beziehung viel Zündstoff entfernt. „Ich gehe in die Angehörigengruppe, weil 3/2014 MAGAZIN 11

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Werkstatt an der Schanz 12 – 13 Pfullingen Hohe Straße 14 – 15 Gedenkgottesdienst 16 – 17 HELFEN Arbeit schenkt Würde Beschäftigte der Werkstatt an der Schanz im Dienste für die UNESCO Wer kann schon für ein von der UNESCO ausgezeichnetes Projekt arbeiten? Die Mitarbeitenden der Werkstatt an der Schanz! Sie dürfen für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb arbeiten, genauer gesagt für den Bundesforst Münsingen. Da der sich aber auch um das Biosphärengebiet kümmert, welches die UNESCO ausgezeichnet hat, arbeiten die Beschäftigten eigent­ lich – genau betrachtet – auch für die internationale Organisation. Seit 2009 kann sich das Gebiet rund um Münsingen und im Großen Lautertal offiziell mit der UNESCOAnerkennung schmücken. Die Auszeichnung ist eine Anerkennung dafür, dass in der Region nachhaltig der Fortschritt betrieben wird, ohne dabei heimische Kulturlandschaften und Bräuche aufzugeben. Da jeder Typ Kulturlandschaft von der UNESCO nur ein einziges Mal ausgezeichnet wird, gab es dieses Prädikat einmalig für die vielen charakteristischen Hangbuchenwälder und den typischen Kalkmagerrasen. Dass letzterer meistens von Schafen kurz gehalten wird, macht eine weitere Besonderheit aus. In den Biosphärengebieten wird modellhaft nach Wegen gesucht, um intakte Natur und wirtschaftliche Aktivitäten, letztlich natürlich auch Notwendigkeiten, dauerhaft miteinander in Einklang zu bringen. Die Schwäbische Alb um Münsingen – das sind Naturseh­ enswürdigkeiten wie die bekannte Bärenhöhle, die erst vor 50 Jahren entdeckt wurde, und die mit der seit 1834 bekannten Karlshöhle verbunden ist. Sie ist auf 271 Meter begehbar und gewährt Besuchern einen vielfältigen Einblick in die Ur- und Unterwelt. Auch geologische Attraktionen und historische Stätten beeindrucken und bezaubern die Besucher. Die schwäbische Alb wird oft auch als Schwäbischer Jura bezeichnet, da sie vor Jahrmillionen aus dem Jurameer emporgestiegen ist. Hier finden sich noch heute seltene Fossilien und Versteinerungen. Damit der Wanderer nicht nur genießen sondern auch etwas lernen kann, sind an besonders markanten Punkten Infokästen aufgehängt, in denen Wissenswertes über das Biosphärengebiet in Form eines Flyers steckt. Diese Infokästen aus Multiplex-Holz haben Beschäftigte der Werkstatt an der Schanz gefertigt. Zehn Stück sind es. „Es ist toll, dass wir etwas gemacht haben, was wirklich nötig ist“, sagt Philip Herbrick. Seit etwa zwei Jahren arbeitet er in der Werkstatt an der Schanz. Die Schönheiten der Schwäbischen Alb kennt er selbst weniger, aber dass andere alles darüber erfahren sollten, findet er richtig und wichtig. Was gibt es hier alles zu entdecken und zu bewundern! Sanfte Hügel 12 Samariterstiftung

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wechseln sich mit schroffen Felsen ab, Trockentäler und weite Hochflächen bieten Abwechslung. Aus tiefen Buchenwäldern schlängeln sich Wege heraus und führen über sonnige Wiesen oder Heidelandschaften. Keine dieser Naturschönheiten ist zweckfrei. Die zehn bis 15 Zentimeter hohe Besenheide ist Lebensraum von seltenen Tierarten wie Heidelerche oder Wiedehopf. Waldrodung und Waldumwandlung haben die Buche mancherorts fast verdrängt. Hier auf der Schwäbischen Alb gibt es sie noch. Von all diesen Besonderheiten und wozu seine Arbeit schlussendlich beiträgt, weiß Philip Herbrick wenig, er hat aber inzwischen einige Ausflüge ins Biosphärengebiet genossen. „Ich finde es toll, dass Leute jetzt aus meinen Kästen was rausnehmen“, sagt er sehr stolz und strahlt. Er hat gemeinsam mit Andrea Brändle, Arbeitserzieherin in einer Kleingruppe, an den Info-Kästen gearbeitet. „Solch eine Arbeit schenkt den Beschäftigten gesellschaftliche Anerkennung und et- was wie Würde“, sagt sie. Nach den Vorlagen vom Bundesforst wurde vergangenen Sommer ein Muster angefertigt und ein entsprechendes Angebot abgegeben. Die Werkstatt an der Schanz wollte den Auftrag unbedingt. ­ Einige in der Gruppe lieben es geradezu mit Holz zu arbeiten. Andere sind sehr geschickt im Umgang mit Werkzeug. So auch Philip Herbrick. Er durchläuft noch bis Januar den sogenannten Berufsbildungsbereich. Während dieser Zeit werden die Beschäftigten unter anderem, außer an Bildungseinheiten, auch an Werkstoffkunde herangeführt. Vier Wochen musste in der Werkstatt an der Schanz gewartet werden, dann war der Auftrag im Haus! Sofort ging es an die Umsetzung. Zwischendurch gab es immer wieder Abstimmungen mit dem Bundesforst. Als alle Kästen für Infoprospekte fertig waren, wurden sie ausgeliefert und hängen jetzt mit den Adressaufklebern der Werkstatt an der Schanz im Biosphärengebiet. Sabine von Varendorff INFO: Wer Interesse an diesem oder ähnlichen Produkten hat, bitte Kontakt mit Britta ­Lucas aufnehmen. Telefon: 07381 92930 E-Mail: britta.lucas@samariterstiftung.de 3/2014 MAGAZIN 13

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Pfullingen Hohe Straße 14 – 15 Gedenkgottesdienst 16 – 17 Ruit 18 – 19 HELFEN Ein Platz zum Leben Baugenossenschaft und Samariterstiftung bieten neue Lösungen für ältere Menschen in Pfullingen Die Samariterstiftung setzt auf Kompetenzmarketing. ­Vertrauen durch Kompetenz – das steht in einem engen Zusammenhang. ­ Damit der Vertrauensbildungspro­ zess gut klappt, ist jetzt in Pfullingen eines der ersten Kompetenzzentren innerhalb der Samariter­ stiftung entstanden. Weitere sollen ­ folgen. In Pfullingen hat die örtliche Baugenossenschaft in der Hohe Straße 5 in Kooperation mit der Samariter­ stiftung ein Zentrum mit verschiedenen Wohnkonzepten auf die B ­ eine gestellt, welches verschiedenste Angebote für unterschiedliche Bedürfnisse und variablen Hilfbedarf unter einem Dach und aus einer Hand anbietet. Dieses Kompetenzzentrum ist ein innovativer und zukunftsweisender Ansatz in der Altenpflege. Sozial­ ministerin Katrin Altpeter lobte die Initiative der ­ Samariterstiftung bei der Einweihung. Jeder Mensch zieht ganz eigene Kreise im Leben. Doch am Ende haben alle Menschen einen ge­ meinsamen Wunsch: Sie möchten so lange wie möglich selbstbestimmt und eigenständig leben können. Damit das möglich ist, bietet die Samariterstiftung in Pfullingen, aktuell in enger Kooperation mit der Baugenossenschaft Pfullingen, ein umfassendes Angebot an Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten. Sämtliche Leistungen aus der Hand eines Anbieters, das garantiert gleichbleibende Qualität in Betreuung und Pflege. ­ 13 betreute Wohnungen, im Erd­ geschoss Räumlichkeiten für die 14 Samariterstiftung

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­agespflege der Samariterstiftung T sowie eine sechs-Zimmer-Wohnung für eine ambulant betreute Wohngemeinschaft. Weitere neun seniorengerechte Wohnungen sind im benachbarten Gebäude entstanden. So sieht das Kompetenzzent­ rum aus, das die Samariterstiftung nunmehr in Pfullingen anbieten kann. Lebensqualität bis ins hohe Alter und zugeschnitten auf persönliche Bedürfnisse. Am ­ Standort Pfullingen kann flexibel auf geänderte Lebenssituationen reagiert werden. Tagespflege, Kurzzeitpflege, vollstationäre Pflege nach dem Hausgemeinschaftskonzept, betreutes Wohnen, offener Mittagstisch, Mahlzeitendienste, Treffpunkt Kutscherhaus mit C ­ aféstüble und Holzwerkstatt sowie Hausnotruf und SAMobil Ambulante Pflege sind wichtige Bausteine für das ­ Leben im Alter. Die Samariter­ stiftung bietet zudem in der Hohe Straße auch Tagespflege an. Sie ist das ideale Angebot, wenn pfle­ g­ ende Angehörige qualifizierte Unter­ stützung benötigen oder wenn keine pflegenden Angehörigen zur Verfügung stehen. Die klare Struktur der Tagespflege unterstützt ­ Angehörige bei ihrer Tagesplanung. Die Tagespflege ist täglich von 8 bis 16.30 Uhr geöffnet, auch an Wochenenden und Feiertagen und kann an einzelnen oder mehreren Tagen besucht werden. Außer den bereits bestehenden Angeboten im Samariterstift Pfullin­ gen und im Haus am Stadtgarten können Interessierte noch Plätze in der ambulant betreuten Wohngemeinschaft in der Hohe Straße 5/1 beziehen. Sechs schöne, helle Zimmer gibt es in der Wohngemeinschaft (WG). Mittelpunkt ist ein großer, lichtdurchfluteter Gemeinschaftsbereich mit einer offenen Küche. Rund um die Uhr wird jeweils eine Fachkraft für die künf­ tigen sechs WohngemeinschaftsMitglieder zuständig sein. „Wie in einer kleinen Familie lässt es sich hier leben“, sagt Margrit VollmerHerrmann, Dienstellen-Leiterin. Die Zimmer der WG können individuell eingerichtet werden. Zwischen der ständig anwesenden Präsenzkraft und den Bewohne­ rinnen und Bewohnern wächst ein persönliches Vertrauensverhältnis. Pflegeleistungen können individuell ausgewählt werden. Die gemeinsame Gestaltung des Alltages steht im Mittelpunkt: Es wird gemeinsam gekocht, ein leckerer Kuchen gebacken oder gemeinsam gesungen, Spaziergänge unternommen oder einfach nur aufgeräumt. Die Bewohner sowie auch deren Angehörige entscheiden in allen wichtigen Belangen der Wohngemeinschaft mit. „Die familiäre Gemeinschaft ist insbesondere für demenziell erkrankte Menschen ein ganz besonderes Angebot. Erfahrungen zeigen, dass ­ solche Wohngruppen gerade auf Menschen mit Demenz sehr positiv und ausgleichend wirken“, erklärte Sozialministerin Katrin Altpeter bei ihrem Eröffnungsbesuch. Die Wohngemeinschaft in Pfullingen liegt zentral. Stadtzentrum, Laiblins­ park und Begegnungsstätte im Samariterstift sind bequem zu Fuß erreichbar. „Demenz gehört zum Leben und mitten ins Leben“, erklärte die Sozialministerin und freute sich über den zentralen Standort in Pfullingen. sov/eic/app 3/2014 MAGAZIN 15

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