Mensch und Mund 4_2014

 

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Patientenzeitung

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3. Jahrgang · Ausgabe 4/2014 Mensch & Mund Ganzheitliche ZahnMedizin für interessierte Patienten Gesunde Zähne: keine Frage des Alters! Foto: ProDente e.V. 1

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Gesunde Zähne: keine Frage des Alters! Weil immer mehr Menschen immer älter werden, stellen sich neue Aufgaben für die zahnmedizinische Versorgung. Dabei gibt es vieles, was man selbst für seine Zahngesundheit tun kann – auch im Alter. G 2 anz wichtig, damit die Zähne auch im Alter gesund bleiben, sind richtige Pflege, sinnvolle Ernährung und professionelle Prävention. Dafür können alle viel tun: die älteren Menschen selbst, ihre Angehörigen und Pflegepersonen und natürlich die behandelnden Zahnärztinnen und Zahnärzte. Wenn alle gut zusammenarbeiten, nützt das der Zahngesundheit und damit der Allgemeingesundheit älterer Menschen. Die eigenen Zähne verdienen gute Pflege Älteren Menschen geht es heutzutage in vieler Hinsicht deutlich besser als noch der Generation davor. In Bezug auf die Mundgesundheit sind drei Phänomene besonders auffällig: Immer mehr ältere Menschen haben noch eigene Zähne, was vom Grundsatz her eine gute Sache ist. Aber viele von ihnen leiden unter Parodontitis verschiedener Ausprägung, was ein erstzunehmendes Risiko für die Gesundheit des ganzen Körpers darstellt. Und vielfach sind sich ältere Patienten (und leider auch ihre Pflegepersonen) nicht bewusst, wie wichtig diese Zusammenhänge sind – mit der Folge, dass keine ausreichende Prävention stattfindet. Auf all dies mehr zu achten, bedeutet eine spürbare Verbesserung der gesamten gesundheitlichen Situation im Alter. Systemische Orale Medizin · 3. Jahrgang 4/2014 Foto: ProDente e.V.

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Mensch Mensch & & Mund Mund Beeinträchtigungen der Zahnpflege Mit zunehmendem Alter rückt die Zahngesundheit leider oft in den Hintergrund. Die Gründe dafür sind vielfältig: Wahrnehmung und Feinmotorik lassen nach, man kann nicht mehr so gut sehen und die Zahnbürste nicht mehr so gut führen. Es reichen also ganz normale Alterserscheinungen, um die Zahnpflege und -gesundheit zu beeinträchtigen – es müssen nicht erst schwere Krankheiten wie Parkinson mit Lähmungen und Tremor oder Demenz eintreten. Hinzu kommt, dass viele ältere Menschen ohnehin öfter zum Arzt gehen müssen. Bei abnehmender Beweglichkeit und zunehmender Gebrechlichkeit ist das jedes Mal eine Anstrengung. Die Routineuntersuchung beim Zahnarzt, die eigentlich zweimal pro Jahr stattfinden sollte, wird da oft als weniger dringlich empfunden und bleibt auf der Strecke. Dabei ist gerade die regelmäßige zahnärztliche Untersuchung wichtig, um auftretende Probleme rechtzeitig zu erkennen und zu beheben, bevor sie gravierend werden können. Prophylaxe – was ist das? Überhaupt das Thema Vorsorge. In Europa ist es ganz deutlich: Jede neue Generation hat gesündere Zähne als ihre Eltern. Die Jugendlichen von heute sind von Kindesbeinen an damit vertraut, wie wichtig eine gründliche und regelmäßige Zahnpflege ist. Noch ihren Eltern war das nicht so selbstverständlich, und viele ältere Menschen sind nie so positiv geprägt worden. Das Bewusstsein für vorbeugende Zahnpflege aus eigenem Antrieb ist vielfach unterentwickelt – es muss zuerst Aufklärungsarbeit geleistet werden. Parodontitis als Krankheitsrisiko   Internationale Studien zeigen, dass eine unbehandelte Parodontitis das Risiko für andere Erkrankungen stark erhöht: Diabetes – um das 6-Fache Schlaganfall – auf das 7-Fache  Herzinfarkt – um das 2 bis 3-Fache  Arthritis – um das 6-Fache  Rheuma – um das 6-Fache Parodontitis bei Schwangeren steht sogar im Verdacht, das Risiko von Frühgeburten zu erhöhen. Gut gekaut ist halb verdaut Dabei kann der Mensch nur dann völlig gesund sein, wenn auch Mund und Zähne gesund sind. Das gesündeste Essen kann der Körper nur dann richtig verwerten, wenn es gut gekaut wird – und das heißt schmerzfrei und mit festen eigenen Zähnen oder gut sitzendem, voll funktionsfähigem Zahnersatz. Andernfalls ist die Gefahr groß, dass falsches oder falsch zubereitetes Essen zu sich genommen wird – also püriert statt knackig, oder einseitig statt vielfältig. Verdauungsprobleme, Vitamindefizite, sogar Mangelerscheinungen können die Folge sein. Das schwächt wiederum das Abwehrsystem des Körpers: Der Mensch wird anfälliger für Krankheiten. Ernährungs-Tipps Im Interesse Ihrer Mundgesundheit sollten Sie:  Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes und Lungenentzündung deutlich erhöhen. Gerade bei Diabetes gibt es obendrein Wechselwirkungen: Diabetes lässt Parodontitis schwieriger heilen, die entzündliche Parodontitis macht es schwieriger, den Insulinwert dauerhaft korrekt einzustellen. Hier ist gründliche Pflege und Prophylaxe besonders wichtig, damit es gar nicht erst zur Parodontitis kommt. Rechtzeitig das Richtige tun Zum Glück kann Jede/r selbst viel dafür tun, dass die eigenen Zähne gesund bleiben. Man kann es nicht oft genug wiederholen, und doch wird es noch nicht von jedem verwirklicht: Zweimal täglich gründlich die Zähne putzen, gerne mit einer elektrischen Zahnbürste, regelmäßig die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder einer Interdentalbürste reinigen und in Absprache mit dem Zahnarzt Mundspülung verwenden – damit tut man sich und seiner Gesundheit einen großen Gefallen. Aus dem Ayurveda stammt die Methode des Öl-Ziehens: Morgens nach dem Aufstehen, z. B. bevor oder während man duscht, einen Esslöffel Olivenöl in den Mund nehmen und hin- und herbewegen (anschließend in ein Papiertuch geben und entsorgen). Dann die Zähne     weniger Zucker essen (gilt auch für Limonade, Eis, Marmelade, Kuchen, Ketchup) nicht zwischen den Mahlzeiten naschen weniger Säure an die Zähne lassen (gilt auch für Wein, Orangensaft) viel trinken (Wasser, ungesüßten Tee) bei Mundtrockenheit Pastillen lutschen (zuckerfrei!) oder Zahnpflege-Kaugummi kauen Es gibt nur eine Gesundheit Überhaupt ist vielen Menschen gar nicht bewusst, wie unmittelbar und dicht Zahngesundheit und Allgemeinbefinden zusammenhängen. Bei Krankheiten an Zähnen (Karies), Zahnfleisch (Gingivitis) oder Zahnhälsen (Parodontitis) sind immer Bakterien im Spiel. Gelangen die ins Blut (z. B. über Entzündungen mit Zahnfleischbluten), werden sie im gesamten Körper transportiert – mit potentiell gravierenden Folgen. Es ist wissenschaftlich gut belegt, dass gefährliche Mundbakterien das Risiko für Was viele Menschen nicht wissen: Auch Unverträglichkeiten und Allergien (z. B. gegen Gluten) können sich als Entzündungen im Mund (Aphten) äußern! Systemische Orale Medizin · 3. Jahrgang 4/2014 3

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Mensch & Mund Hinweise für Gebissträger Wenn von Zahnpflege die Rede ist, bedeutet das natürlich immer auch Gebisspflege. Bei herausnehmbaren Prothesen ebenso wie bei Implantaten ist Hygiene unverzichtbar. So sollten Sie Ihre Prothese nach jeder Mahlzeit unter Wasser ausspülen und einmal am Tag mit Zahnbürste und spezieller Creme reinigen. Achtung: Normale Zahnpasta greift die Prothese an! Tipp für sicheres Putzen: Lassen Sie Wasser ins Waschbecken und legen Sie ein Handtuch auf die Wasseroberfläche. Wenn Ihnen jetzt die Prothese aus der Hand fällt, landet sie weich und bleibt heil. putzen und die Zunge reinigen. Ziel: Bakterien werden entfernt, können sich nicht ausbreiten, das Zahnfleisch kann kräftiger werden, der gesamte Mundraum kann davon profitieren. Für alle, deren motorische Fähigkeiten abnehmen, gibt es übrigens viele Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung. Das beginnt ganz früh und ganz einfach: Wer Mühe hat, seine Zahnbürste fest in der Hand zu halten, kann den Griff verstärken, z.B. mit einem weichen Handgriff, wie man ihn von Fahrradlenkern kennt. Fragen Sie gerne dazu Ihren Zahnarzt, er oder sie kennt noch viele einfache Tricks, die Ihnen das Leben leichter machen und Ihre Selbstständigkeit länger erhalten. gefährliche Bakterien. Allerdings können Medikamente, die gegen andere Krankheiten eingenommen werden, zu Mundtrockenheit führen – ein Risikofaktor für Karies. Bei Menschen, die Pflege brauchen, ist es wichtig, dass auch die bewusste, sorgfältige und vorsichtige Zahnpflege Teil des täglichen Pflegeablaufs ist. In Zeiten von Personalmangel und knapper Zeitbudgets leider keine Selbstverständlichkeit – wenn man sich aber vor Augen führt, welche Folgeerkrankungen durch so einfache Maßnahmen vermieden werden können, darf es keinen Zweifel geben, wie wichtig Zahnpflege gerade im Alter ist. Sprechen Sie darüber Auch beim Thema Zahnpflege und Zahngesundheit im Alter gilt: Gehen Sie zweimal pro Jahr zu Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt zur Untersuchung und Zahnreinigung – und lassen Sie sich beraten. In Ihrem eigenen Interesse und natürlich auch für Ihre älteren Angehörigen, denen Sie zur Seite stehen. Ludwig Fiebig Besondere Sorgfalt walten lassen Zur Zahngesundheit gehören auch so natürliche Dinge wie ausreichender Speichelfluss, denn der Speichel unterstützt die Mineralisierung des Zahnschmelzes, reguliert den Säurewert im Mund (zu viel Zucker oder zu viel Säure greifen den Zahnschmelz an) und wirkt gegen GZM – Sicherheit durch gezielte Qualitätsorientierung Die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) fördert die Kooperation zwischen Zahn-Medizin und Medizin und setzt sich stark für die Realisierung regionaler Netzwerke ein. Dazu organisiert und veranstaltet die GZM regelmäßig internationale Symposien und Kongresse. Die GZM fördert intensiv die Erforschung ergänzender Diagnose- und Therapiekonzepte und arbeitet aktiv daran mit. Qualifizierte Mitglieder der GZM haben eine umfangreiche Weiterbildung in verschiedenen Diagnose- und Therapieverfahren absolviert und sich einer Prüfung unterzogen. Eine Liste der Qualifizierten GZM-Mitglieder nach PLZ-Bereichen finden Sie im Internet unter www.gzm.org Wenn Sie 2,80 € in Briefmarken an die Geschäftsstelle schicken, erhalten Sie die Liste gerne auch per Post zugesandt. Dort sind auch weitere Broschüren zu verschiedenen Themen sowie Infopakete erhältlich. Bitte schreiben Sie an: Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin e.V. Kloppenheimer Str. 10 68239 Mannheim Tel.: +49 (0)621 48179730 Fax: +49 (0)621 473949 E-Mail: gzm@gzm.org www.gzm.org 4 Systemische Orale Medizin · 3. Jahrgang 4/2014

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Mensch Mensch & & Mund Mund 3-Punkte-Plan gegen Osteoporose Wie jeder seine Knochen stärken kann Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) gibt einen 3-Punkte-Plan mit hilfreichen Tipps zur Bildung und zum Erhalt starker Knochen heraus. Kalziumreiche Ernährung, Fitness für die Knochen und viel frische Luft zur Anregung der körpereigenen Vitamin-D-Bildung tragen dazu bei, die Stabilität der Knochen zu fördern und zu erhalten und den Abbau der Knochensubstanz im Alter zu verlangsamen. I n Deutschland sind insgesamt 6,3 Millionen Menschen von Osteoporose, im Volksmund „Knochenschwund“, betroffen. Dabei trifft die Erkrankung keineswegs nur Frauen – 1,1 Millionen Betroffene sind Männer. Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, bei der sich die Knochenmasse vermindert, so dass die Knochen schon bei leichten Erschütterungen brechen können. 

 Schon mit relativ einfachen Mitteln kann jeder sein eigenes Osteoporoserisiko senken. Dabei gelten die Tipps nicht nur für ältere Menschen, die zumeist von der Erkrankung betroffen sind – schon in jungen Jahren wird der Grundstein für starke Knochen im Alter gelegt. te zu sich nehmen. Auch kalziumreiche Mineralwasser, Gemüse wie Brokkoli, Fenchel und Grünkohl sowie Nüsse oder Kräuter wie Schnittlauch und Petersilie helfen, den Kalziumhaushalt zu optimieren. Als Kalziumgegner gelten radikale Diäten: Die Kalziumzufuhr ist dabei unzureichend und der Knochenstoffwechsel wird gestört. Zu viel Phosphor, wie es in Cola, Schokolade oder gerösteten Erdnüssen vorhanden ist, greift die Knochen an. Dabei wird der Knochenbaustoff Kalzium durch Phosphat aus den Knochen gelöst. 
 
 2) Frische Luft und Vitamin D
 Vitamin-D-Mangel erhöht das Risiko für Knochenbrüche. Vitamin D wird vom Körper bei einer ausreichenden Lichtzufuhr auf die Haut selbst gebildet und hilft dem Körper, das Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen und für den Körper nutzbar zu machen. Insbesondere in der dunklen Jahreszeit erleiden viele Menschen einen Vitamin-D-Mangel. Menschen mit einer geringen Sonnenlichtexposition sollten den Vitamin-D-Haushalt mit der Einnahme von 800-1.000 Einheiten Vitamin D unterstützen. Generell gilt jedoch, mindestens eine halbe Stunde täglich an der frischen Luft bei Sonneneinstrahlung auf Gesicht und Hände zu verbringen. 

 3) Fitness für die Knochen
 Sportliche Betätigung fördert den Knochenstoffwechsel. Die Muskeln, die am Knochen „ziehen“, regen den Knochenstoffwechsel an, mehr Kalzium in das Skelettsystem zu transportieren und einzulagern. Zusätzlich wird die Muskulatur gestärkt, die zur Entlastung der gefährdeten Knochen dient. Krafttraining, Gymnastik und Schwimmen bauen vor allem in jungen Jahren viel Knochenmasse auf. Bei älteren Menschen empfehlen die Orthopäden und Unfallchirurgen neben Schwimmen und Gymnastik auch Walking und Wandern. Insbesondere Nordic Walking erhöht die Gangsicherheit und vermindert die Sturzgefahr im Alter. 

 Über diesen 3-Punkte-Plan hinaus raten die Orthopäden und Unfallchirurgen, ab einem Lebensalter von 70 Jahren eine jährliche Sturzanamnese durchführen zu lassen. Ziel ist es, gefährliche Stolperfallen im Alter zu vermeiden. Denn schon leichte Erschütterungen des Körpers bei bestehender Osteoporose können im Alter zu einem Knochenbruch führen – oftmals sind Wirbelkörper oder der Oberschenkelhalsknochen betroffen. Quelle: idw 3-Punkte-Plan zur Osteoporose-Prophylaxe 1) Gesunde und Kalziumreiche Ernährung
 Kalzium ist für die Festigkeit und die Stabilität der Knochen verantwortlich. Kalziummangel in jungen Jahren kann die nachhaltige Entwicklung der Knochenfestigkeit im Alter negativ beeinflussen. Deshalb sollten Eltern darauf achten, dass ihre Kinder ausreichend Milchproduk- Systemische Orale Medizin · 3. Jahrgang 4/2014 Grafik: Wikipedia 5

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Mensch & Mund Rudolf Kaiser Indianische Heilkunst Pflanzen, Rituale und Heilungsbilder nordamerikanischer Schamanen Mankau Verlag GmbH, Murnau am Staffelsee 1. Auflage 2014, Taschenbuch, 190 Seiten ISBN: 978-3-86374-167-9, Preis: 9,95 € D er etwas esoterisch anmutende Titel des vorliegenden Buches lockt auf eine falsche Fährte, denn der Inhalt liefert eine aus persönlichen Erfahrungen hervorgegangene Analyse, die reflektiert und strukturiert dargestellt wird. Das nimmt nicht Wunder, ist doch der Autor Rudolf Kaiser Doktor der Philosophie und hat sein achtes Lebensjahrzent schon abgeschlossen. Ausgehend von einer zusammenfassenden Darstellung seiner persönlichen Begegnungen mit der indianischen Heilkunst betreibt er als nächstes eine sorgfältige Begriffsklärung der von ihm verwendeten Bezeichnungen für die unterschiedlichen „Berufsbilder“ indianischer Heiler. Nachdem diese Grundlagen bereitet sind, wendet er sich der entscheidenden Frage zu: Wie unterscheidet sich indianische Medizin von der westlichen, wissenschaftlichen Medizin? Seine mit vielen Zitaten und Beispielen unterlegte Antwort lautet: Der westliche, wissenschaftsorientierte Arzt will vor allem die Krankheit mit ihren Symptomen heilen - der Medizinmann sieht seine Aufgabe darin, den kranken Menschen mit all seinen Beziehungen wieder in Lot zu bringen. Diese ganzheitliche Betrachtung schließt biologische, psychologische, soziologische, kosmologische und religiöse Aspekte im Leben des Patienten ein. Kaiser erläutert dies ausführlich am Beispiel der Navajos im amerikanischen Bundesstaat New Mexico, deren komplexe Heilungsrituale durchaus bis zu vier Tagen dauern können. Besonders hier taucht der Autor tief in die philosophischen Hintergründe des indianischen Weltbildes ein und versteht es, dieses prä- gnant von der westlichen medizinischen und philosphischen Auffassung abzugrenzen. Für jeden, der Ganzheitlichkeit als wichtiges Ziel in allen Bereichen des menschlichen Tuns ansieht, ist dieses Buch eine lohnende Lektüre, die einen authentischen Eindruck der kulturellen Unterschiede zwischen der europäischen Denkart und der der nordamerikanischen Indianer zu vermitteln weiß. Schade nur, dass die im Text auf Seite 123 versprochenen farbigen Abbildungen der rituellen Sandbilder der Navajos in der Taschenbuchausgabe nur in Schwarz-Weiß wiedergegeben werden und damit viel von ihrer ursprünglichen Bedeutungstiefe und Schönheit einbüßen. Klaus Weber Rauchen verursacht Rheuma N 6 Rechtzeitiger Rauchstopp kann die Erkrankung verhindern: Zigarettenrauch verschlimmert eine Rheumaerkrankung nicht nur, er scheint sogar Rheuma auszulösen: Das Risiko, an Rheuma zu erkranken, ist bei Rauchern doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern, zeigt eine schwedische Studie. eben den bei Rauchern häufigen Erkrankungen wie Lungen- und Gefäßschäden steht Zigarettenrauch schon lange im Verdacht, auch verschiedene entzündliche Gelenk- und Bindegewebserkrankungen wie rheumatoide Arthritis, also Gelenkrheuma, auszulösen. Wie bei jeder Autoimmunerkrankung richtet sich auch bei Rheuma die körpereigene Abwehr gegen den Körper selbst, anstatt diesen vor Schäden von außen zu schützen. Diese fehlgeleitete Immunabwehr ruft entzündliche Prozesse hervor – in Gelenken, Organen, Muskeln oder auch Blutgefäßen. Bei rheumatoider Arthritis wenden sich die „Antikörper“ gegen bestimmte Eiweiße in den Geweben, die Systemische Orale Medizin · 3. Jahrgang 4/2014

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Mensch Mensch & & Mund Mund Foto: Wikipedia Probleme beim Pillenschlucken? Die Technik macht´s Zwei Tricks können das Einnehmen großer Tabletten oder Kapseln deutlich erleichtern Der „Kapsel-Nick-Trick“ W er bestimmte Tricks anwendet, tut sich mit dem Tablettenschlucken leichter: Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg haben im Rahmen einer Studie zwei Techniken überprüft, die das Einnehmen von Tabletten und Kapseln erleichtern sollen. Dazu schluckten 151 gesunde Probanden wirkstofffreie Tabletten und Kapseln in verschiedenen Größen zunächst wie sie es gewohnt waren, dann streng nach Anleitung der Wissenschaftler. Rund zwei Drittel von ihnen berichteten anschließend, dass sie so mit den großen Tabletten besser zurechtkamen und auch große Kapseln machten im Durchschnitt neun von zehn Teilnehmern keine Probleme mehr. Der „Tabletten-Flaschen-Trick“ Bei der Einnahme der Tabletten kam der „Tabletten-Flaschentrick“ zum Einsatz. Dabei kommt es darauf an, eine flexible Plastikflasche mit nicht zu enger Öffnung zu verwenden, aus der das Wasser gut eingesaugt werden kann. Die Tablette wird auf die Zunge gelegt, die Lippen dicht um die Flaschenöffnung geschlossen, ein kräftiger Schluck stilles Wasser eingesogen und in einem Zug mitsamt Tablette geschluckt. Der Kopf darf dabei leicht nach hinten geneigt sein. Die Tablette folgt so der Schwerkraft zum Zungengrund und wird beim Schlucken mitgespült. 

 Die zweite eingesetzte Technik ist der „Kapsel-Nick-Trick“: Auch hier wird die Kapsel auf der Zunge positioniert und ein Schluck Wasser aufgenommen, allerdings ohne ihn sofort hinunter zu schlucken. Nun neigt man den Kopf nach vorne, Kinn Richtung Brust. In dieser Position wird geschluckt. Diese Technik eignet sich ausschließlich für Kapseln. Diese sind, anders als Tabletten, leichter als Wasser. Bei geneigtem Kopf steigen sie auf in Richtung des jetzt höher liegenden Rachens und lassen sich so leichter abschlucken. Im Experiment hatte dank dieser Technik keiner der Probanden mehr Probleme mit den sehr großen Kapseln. Quelle: idw sogenannten citrullinierten Peptide. Stoffe im Zigarettenrauch begünstigen die Bildung dieser Eiweiße. Auf diese Weise kann Rauchen die entzündliche Gelenkerkrankung hervorrufen oder sie verschlimmern. „Das ist kein Prozess von Tagen oder Wochen – wir wissen, dass die Menge der Antikörper meistens über mehrere Jahre anwächst“, sagt der Experte Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner. Ein rechtzeiti- ger Rauchstopp könnte eine Erkrankung möglicherweise sogar verhindern. Junge Menschen hätten es daher in Teilen selbst in der Hand, sich vor Rheuma und dessen schwerwiegenden Folgen zu schützen.   Ist Rheuma ausgebrochen, verläuft es bei rauchenden Patienten wesentlich aggressiver. Sie müssen mehr Medikamente einnehmen als Nichtraucher, um die entzündlichen, schmerzhaften Symptome zu lindern.   „Dass Rauchen Rheuma verschlimmert, wissen wir seit längerem“, sagt Müller-Ladner, „dass es die Krankheit nach neuesten Erkenntnissen sogar auszulösen scheint, sollte vor allem Betroffene dazu bringen, sofort auf Zigaretten zu verzichten, auch wenn es sehr schwer fällt.“ Quelle: Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) Systemische Orale Medizin · 3. Jahrgang 4/2014 7

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Mensch & Mund Mögliche Alternative zu Antibiotika entdeckt Ein internationales Forscherteam hat eine neue Substanz entwickelt, um schwere bakterielle Infektionen zu behandeln – ohne den Einsatz von Antibiotika. Damit könnten künftig auch Antibiotika-Resistenzen vermieden werden. Foto: Michael Kranewitter, Wikipedia A ntibiotika sind seit der Erfindung des Penicillins vor fast 90 Jahren aus der Behandlung bakterieller Infektionen nicht mehr wegzudenken. Allerdings warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO vor der Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen, die sich weltweit ausbreiten: In diesen Fällen wirken Antibiotika nicht mehr. Somit können dann auch simple Infektionen wie eine Lungenentzündung tödlich enden. 

Zudem sind der WHO zufolge dringend neue Wirkstoffe nötig, die sich zwar gegen Bakterien richten, aber keine bakterielle Resistenz hervorrufen.

 Ein internationales Forscherteam an der Universität Bern hat nun einen alternativen Ansatz zu bisherigen Antibiotika entwickelt: Die Forschenden haben durch Liposomen, das sind künstlich hergestellte Nanopartikel, die aus Bestandteilen der Fettschicht von Körperzellen gebildet werden, einen «Schutzschild» entwickelt. Dieser fängt die von den Bakterien ausgestossenen Giftstoffe ein und neutralisiert sie. Dadurch werden die Bakterien ungefährlich und können von den Zellen des Immunsystems überwältigt und unschädlich gemacht werden. Der Fleming-Hof in Wien-Ottakring (Josef-Weinheber-Platz 6-10). Wandmosaik von Günther Baszel. Köder für Bakterien-Gifte entwickelt Liposomen werden unter anderem verwendet, um Medikamente in den Körper zu transportieren. Die Berner Wissenschaftler setzten nun Liposomen so zusammen, dass sie bakterielle Giftstoffe anziehen und so die Körperzellen vor diesem gefährlichen «Beschuss» schützen. 

 «Wir haben einen unwiderstehlichen Köder für bakterielle Toxine kreiert. Darum attackieren sie die Liposomen und werden dort gezielt eingefangen und unschädlich gemacht, ohne dass sie Schaden an unseren Körperzellen anrichten können», sagt der Studienleiter Eduard Babiychuk. 

 «Da die Wirkung der Liposomen sich nicht gegen die Bakterien selber richtet, kann sich auch keine Resistenz entwickeln», fügt die Ko-Leiterin Annette Draeger hinzu. Mäuse, die im Tierversuch mit diesen Liposomen behandelt wurden, überlebten eine sonst tödliche Blutvergiftung und wurden ohne Antibiotika wieder gesund.

 Eine erste klinische Studie mit Patienten, die an einer schweren Lungenentzündung durch Streptokokken leiden, ist zur Zeit in Planung.
 Quelle: idw 8 Systemische Orale Medizin · 3. Jahrgang 4/2014

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