Höchstädter Bullenbote III/2014

 

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Höchstädter Bullenbote III/2014

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Besamungsverein Nordschwaben e. V. Höchstädter Bullenbote Ausgabe III/2014 Trächtigkeitsuntersuchung durch Ultraschall

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Höchstädter Bullenbote Besamungsverein Nordschwaben e.V. Gesellschafter oder Mitglied bei: Inhaltsverzeichnis Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Neues aus der Zuchtwertschätzung für Nordschwaben . . . . . . . . . . Günstiger Zuchtfortschritt – der Prüfbulle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Höchstädter RindApp – ein neuer (Über-)Blick auf Ihre Herde . . Trächtigkeitsuntersuchung mittels Ultraschall beim Rind . . . . . . . . . Neues aus der Station . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IMARA Nachzucht auf der Bundesfleckviehschau in Miesbach und dem Herbstfest des Wertinger Zuchtverbandes . . . . . . . . . . . . . „Effizienz aus dem Süden Deutschlands“ bei der EuroTier 2014 . . . Regio Agrar in Augsburg am 10.- 12. Februar 2015 . . . . . . . . . . . . . . . Nach wie vor unterschätzt – die Klauenrehe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auswahl Nachkommen geprüfter Bullen . . . . . . . . . . . . . . . . Auswahl genomisch geprüfter Bullen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auswahl genomisch geprüfter Bullen (Ersteinsatz) . . . . . . . . Neue Gebührenordnung im Besamungsgebiet ab 1.1.2015 . . . . . . . . Vererbungsstärken unserer Nachkommen geprüften Bullen nach Merkmalen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Termine der Kreiszüchterversammlungen 2015 . . . . . . . . . . . . . . . . . Braunvieh-, Holstein-Rot- und Holstein-Schwarz-Bullen . . . . . . . . . . Schnellauswahlliste unserer Fleckvieh-Bullen . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 3 4 6 7 8 9 10 12 12 13 16 21 25 29 30 30 31 32 Höchstädter Klauenpflege GmbH Spermex - Gesellschaft für den Imund Export von TG-Sperma mbH InterGen GmbH Vereinigung zur Förderung der Rinderzucht Verbindungen zur Besamungsstation Bestellung von Samen u. Besamungsscheinen Arbeitsgemeinschaft der Besamungsstationen in Bayern } Frau Grabski Frau Grimminger Frau Hochstädter Frau Macoschek Frau Reitmayer 09074 / 9559 - 15 Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Rinderzucht- und Besamungsorganisationen Zucht und Beratung Herr Köhnlein 0177 39 39 321 Außendienstmitarbeiterin Frau Espert 0170 57 04 712 Samenausfahrten Herr Montessuto 09074 / 9559 - 15 Stationsleiter Dr. Bosselmann 09074 / 9559 - 17 Zentrale Frau Zanggl 09074 / 9559 - 0 Buchhaltung Herr Schnürch 09074 / 9559 - 19 Fax: allgemeine Nachrichten 09074 / 9559 - 25 Fax: Samenbestellung 09074 / 9559 - 16 E-Mail info@bv-hoechstaedt.de Internet www.besamungsverein.de Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter Verbindungen zur Höchstädter Klauenpflege Geschäftsführer Klauenpflege Internet Mag. Reßler Frau Magosch 09074 / 9559 - 13 09074 / 9559 - 20 www.klauenpflege.de Herausgeber: Besamungsverein Nordschwaben e.V., Ensbachstr. 17, 89420 Höchstädt/Donau Erscheinungsweise: nach jeder Zuchtwertschätzung Gestaltung und Druck: Roch Druck, Einsteinstr. 21, 89407 Dillingen/Donau 2 Bild Titelseite: Mittels unseres neuen Service der Ultraschalluntersuchung kann eine Trächtigkeit bzw. nicht-Trächtigkeit früher als herkömmlich festgestellt werden.

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Höchstädter Bullenbote Liebe Mitglieder, für uns Milcherzeuger und Rinderhalter war das Jahr 2014 insgesamt gesehen ein gutes Jahr. Es gab ein trockenes Frühjahr, das ideal für Aussaat und Düngung war. Dank der rechtzeitigen Niederschläge im Sommer konnten ordentliche Grasschnitte heranwachsen. Der Herbst brachte zudem noch Spitzenerträge beim Silomais. Damit ist die Grundfutterversorgung gesichert. Anders sieht es bei den Erzeugerpreisen aus. Monat für Monat bröckeln die Preise bei Schlachtund Zuchtvieh. In den letzten Wochen hat es nun auch noch den für uns Rinderhalter wichtigen Milchpreis voll erwischt. Das Russlandembargo, die damit verbundene Exportschwäche sowie die hohe Milchanlieferung sollen dafür verantwortlich sein. Die deutschen Discounter Aldi, Lidl und Co. nützen es gnadenlos aus und senken die Preise für Milchprodukte fast wöchentlich. Dies ­ ist gut für die Verbraucher, aber schlecht für uns Erzeuger. Durch solche Aktionen wird den Milch­ erzeugern sehr viel Geld vorenthalten, das dringend benötigt wird. Denn Betriebsmittel, Eiweißfutter und hohe Pachtpreise zehren an der Liquidität der Betriebe. Der nächste Risikofaktor ist das Quotenende zum 1. April 2015. Wie wird die Liefermenge an diesem Termin aussehen? Schaffen es die verantwortlichen Personen die Übermilch im Export zukünftig unterzubringen? Noch haben selbst Experten hierfür keine Antworten. Nun zu unserer Station. Auch in diesem Jahr wurde in die Öffentlichkeitsarbeit viel Zeit und Geld investiert. Neben unserer, zur festen Größe gewordenen Bullenparade, wurde auf der deutschen Fleckviehschau in Miesbach sowie bei der Verbandsschau in Wertingen eine Nachzuchtgruppe unseres bekannten Vererbers IMARA vorgestellt. Die sechs ausgestellten Töchter fanden beim Fachpublikum große Anerkennung. Auch bei der Regio Agrar in Augsburg sowie der EuroTier in Hannover war unsere Station vertreten. Weiter haben wir Eigenbestandsbesamerkurse sowie Fachvorträge im Angebot. Nicht wegzudenken ist unser Klauenpflegeservice. Dieser erfreut sich großer Nachfrage. Die züchterische Seite ist geprägt von der genomischen Selektion. Monat für Monat wird auf neue Kandidaten gewartet. Viele fragen sich immer wieder, wie sicher diese Werte sind. Im Laufe des Jahres 2015 werden die ersten Töchter von Bullen wie Morpheus und Everest, die mit hohen genomischen Werten eingekauft wurden, Nachkommen geprüft erwartet. Auf diese Ergebnisse sind wir alle sehr gespannt. Wie viele genomische Jungvererber Sie im Verhältnis zu den Nachkommen geprüften Bullen einsetzen, müssen Sie selbst entscheiden. Der eine möchte etwas mehr Risiko, der andere mehr Sicherheit. Als Besamungsstation werden wir Ihnen weiterhin Spitzenvererber zu ordentlichen Preiskonditionen anbieten. Ich bedanke mich bei Ihnen, liebe Mitglieder, für die vertrauensvolle Zusammenarbeit im vergangenen Jahr und bei allen Angestellten für ihren Einsatz an der Station in Höchstädt. Abschließend wünsche ich Ihnen und Ihren Familien schöne Weihnachtsfeiertage und viel Erfolg im Jahr 2015. Herzliche Grüße, Helmut Schürer 1. Vorsitzender 3

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Höchstädter Bullenbote Neues aus der Zuchtwertschätzung für Nordschwaben Am 2. Dezember 2014 war die dritte und somit letzte Zuchtwertschätzung in diesem Jahr. Allgemein stellt man fest, dass sich überregional nicht viel getan hat, in Sachen neue Nachkommen geprüfte Spitzenvererber. Umso erfreulicher ist die Entwicklung des Polari Sohns POLARBAER 193020 . Neben einer interessanten Linienführung reiht dieser Ausnahmestier sich in die TOP-Liste der Nachkommen geprüften Bullen ganz weit oben ein und gehört aktuell zu den interessan­ testen und ausgeglichensten Fleckviehbullen. Seine ersten Töchter bestätigen seine hervorragenden genomischen Werte. Mit gGZW 131 und MW 123 bei 962 kg Milch vererbt er in Kombination mit einem +  Fitness-ZW von 121 auf höchstem Niveau sehr harmonisch. Mit einem Kalbeverlauf paternal von 119 kann er zudem auch für Jungrinderbesamungen verwendet werden. Seine rahmigen Töchter (R 109) stehen auf einem bestechend guten Fundament (123). Bei der Anpaarung sollte auf die Stichdicke geachtet werden. Ein weiterer Neuzugang ist der frühe Resolut -Sohn IWINN 162970 . Aus der gleichen Kuhfamilie wie der Leistungsgarant Safari stammend, ist seine Mutter die Vollschwester zu Wingolf, der ebenfalls bei uns im Besamungseinsatz war. Er weist neben einem sehr hohen gGZW von 129 und einem guten MW von 116 bei +  913 kg Milch einen hervorragenden FW von 118 auf. Bedingt durch seinen unterdurchschnittlichen Kalbeverlauf (77) darf IWINN nur auf Kühe eingesetzt werden. Seine Töchter sind sehr großrahmig (114), lang und mit einer guten Bemuskelung ausgestattet. Die Euter können mit den kräftigeren Strichen sehr gut gefallen. Anlageträger von TP! Ebenfalls ganz neu in die Empfehlung aufgenommen wurde der frühe Ermut -Sohn EMOTION 189467. Er stammt aus der bekannten Winnipeg -Tochter Solaris, von der bereits mehrere Söhne eingestellt sind. Sein absoluter Glanzpunkt ist die enorm hohe Milchmen4 genvererbung von + 1085 kg bei schwächeren Inhaltsstoffen. Einem sehr guten Eutergesundheitszuchtwert (ZZ 117) steht eine dafür gute Melkbarkeit (101) gegenüber. Mit Fundament 114 lässt er auch in diesem wichtigen Merkmal keine Wünsche offen. Die Euter seiner Töchter sind durchschnittlich (100) bei kräftigerer Strichausprägung. Anlageträger TP! Die imposante Entwicklung von INFORMANT 850773 hält nach wie vor an. Er konnte seinen gGZW nochmal leicht auf nun 121 bei einem MW von 119 steigern. + 712 kg Milch bei einer positiven Eiweißver­ erbung unterstreichen die Qualität des leichtkalbigen Eutergiganten. Mit einem phänomenalen Euterzuchtwert von 126 und einem Rahmen von 115 kann INFORMANT nach wie vor sehr breit eingesetzt werden. Er eignet sich besonders zur Besamung auf Everest -Kalbinnen. Mit OPPALA 189514 schafft es der erste Hupsol -Sohn aus einer exterieurstarken, sehr langlebigen Rochen Tochter in den Zweiteinsatz. Seine Mutter steht aktuell bei 9 Kalbungen. OPPALA liegt mit einem ­ 485 kg Milch gGZW von 119 im mittleren Bereich. +  und eine gute Melkbarkeit (110) stehen einer angestrebten Eutergesundheit (111) gegenüber. OPPALA empfiehlt sich nur für einen Einsatz auf Kühe. Die knapprahmigen Töchter gefallen mit schönen Eutern (113). Unser Shootingstar der letzten Zuchtwertschätzung, von dessen Qualität seiner Töchter sich das interessierte Fachpublikum auf der Bundesfleckviehschau und dem Wertinger Herbstfest überzeugen konnte, musste dieses Mal leider einige Federn lassen. Nichts desto trotz zählt IMARA 179681 immer noch zu den interessanten Bullen in der Fleckviehzucht. Seine Töchter sind sehr einheitlich. Er zählt zu den inhaltsstoffstärksten Bullen und ist zudem im Exterieur sehr ausgeglichen. Der letzte Neuzugang bei den Nachkommen geprüften Bullen ist ein weiterer Ermut-Sohn namens EMPIRE 170640 . Er stammt aus der hervorragenden und bekannten G-Kuhfamilie von Familie Pilz in Oberwahrberg, aus der bereits Spitzenbullen wie Zauber und Retrakt hervorgegangen sind. EMPIRE ist ein Allrounder. Neben einer hohen Milchmengenvererbung von 843 kg überzeugt er neben +  seiner interessanten Linienführung vor allem im Exterieur. Mit einem exzellenten

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Höchstädter Bullenbote Fundament (122) bringt er auch Töchter mit schönen Eutern (108). Auffallend sind die sehr langen Striche (121) bei einer Strichdicke von 107. Bei den genomisch geprüften Bullen gipfelt ganz an der Spitze der Vanadin -Sohn VALEUR 193443 mit einem überragenden gGZW von 143 bei einem MW von 125 und einem beeindruckenden FW von 132. Damit muss er sich in der gesamten Fleckviehwelt im gGZW nur unserem Höchstädter Bullen Wildstern 943 kg Milch sind ein 189938 geschlagen geben. +  weiteres überzeugendes Argument für den Einsatz von VALEUR . Im Exterieur, vor allem im Euter, wird ihm ebenfalls eine gute Qualität zugetraut (E 110). Für eine sehr erfreuliche Überraschung sorgte die Entwicklung vom Wille -Sohn WISCONA 163940, der aus der exterieurstarken und schauerfahrenen Ruap Tochter Jana gezogen ist. Aus dieser Kuh stammt bereits der positiv Nachkommen geprüfte Manuap, der in „gezielte Paarung“ eingesetzt ist. Ein Anstieg um 4 Punkte im gGZW und MW bescheren WISCONA nun einen gGZW von 138 und MW von 129. Somit drängt er in die Zuchtwertlisten ganz weit nach vorne. WISCONA ist in allen Merkmalen sehr ausgeglichen und kann als Allrounder bedenkenlos eingesetzt werden. Neu in der Empfehlung ist HUMOR 851758 . Der frühe Sohn von Humpert stammt aus der ZLF-Siegerkuh von 2012. Nämlich aus der extrem euterstarken Wal Tocher Nixe. Mit gGZW 131 und einem sehr hohen MW von 127 bei einer überzeugenden Milchmengenvererbung von + 1035 kg Milch zählt er zu den Leistungsvererbern. Auf den Eutersitz (EB 87) sollte bei der Anpaarung geachtet werden. Ein absolutes Schmankerl dürfen wir Ihnen mit dem Passion -Sohn PAZIFIK 193450 präsentieren. Er stammt aus einer Huascaran -Tochter, die wiederum von einer mittlerweile 8 kälbrigen Engadin -Tochter abstammt. Diese Engadin Tochter ist zudem die Halbschwester zu Inhof! Somit ist PAZIFIK neben einer absolut seltenen Linienführung aufgrund seines bewährten Kuhstammes sehr interessant. Mit einem gGZW von 130 und einem hervorragendem MW von 127 gehört er zu den begehrtesten und besten Söhnen von Passion. Der vermutlich leichtkalbige (Kvp 109; 63 % Si.), dunkelrot gedeckte Stier bringt neben einer hohen Milchleistung (+ 1027 kg) eine gute Melkbarkeit (110), bei positiver Eutergesundheit (103). Mit einem Euterzuchtwert von 119 wird das exzellente Vererbungsprofil von PAZIFIK abgerundet. In der Riege der natürlich hornlosen Bullen haben wir mit MURILLO Pp 190101 frisches Blut im Angebot. Der Mungo PS -Sohn steht mit einem gGZW von 132 und einem MW von 120 bei + 822 kg Milch sehr weit vorn in der Kategorie der natürlich hornlosen Bullen. In seiner ausgeglichenen Exterieurvererbung sticht das Fundament mit 116 positiv heraus. Er ist Anlageträger von BH2! Ebenfalls neu ist MARONA Pp 177452 , ein Marmor PS -Sohn aus der Safir-Tochter Werona gezogen. Von Werona sind bereits mehrere Söhne, teils schon positiv Nachkommen geprüft, eingestellt. Weiter zurück im Stammbaum geht MARONA Pp auf die gleiche Kuhfamilie wie Weinold zurück. MARONA Pp ist mit gGZW 120 und MW 117 sehr ausgeglichen. Dem vermutlich leichtkalbigen (Kvp 110; 67  % Si.) MARONA Pp wird eine gute Melkbarkeit (112) vorhergesagt. Zudem ist er für einen hornlos-Bullen mit Fundament 106 und Euter 108 auch in diesen Merkmalen im zufriedenstellenden Bereich. Der letzte Neuzugang bei den Hornlosvererbern ist der Irola PS -Sohn IMPERIO PS 856134 , der aus einer Ilion -Tochter gezogen ist. Dieser Ralmesbach PS -Blut freie Hornlosbulle weist einen gGZW von 118 bei +  485 kg Milch auf. Auch er wird möglicherweise leichtkalbig sein (Kvp 111; 65 % Si.). Seine knapp mittelrahmigen Töchter sollen auf einem guten, etwas steileren Fundament stehen und ausgeglichene Euter vorweißen. Unser Angebot wird mit weiblich gesextem Sperma von Everest 179900, Orbit 198700, Wildnis 180078 und Williams 180078 neben den in der Empfehlung befindenden Bullen zusätzlich attraktiv ergänzt. Mit diesem sehr sorgfältig ausgewählten Angebot an Spitzenbullen möchten wir uns für die vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit bedanken und wünschen Ihnen besinnliche und ruhige Tage zwischen den Jahren sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr. Köhnlein Benjamin (Zucht & Beratung) 5

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Höchstädter Bullenbote Günstiger Zuchtfortschritt – der Prüfbulle Der Prüfbulleneinsatz ist seit jeher ein Thema bei der künst­ lichen Besamung. Früher war es Standard, jede Jungkuh mit einem Prüfbullen zu besamen. Ca. 20 % der Besamungen soll­ ten mit Prüfbullen durchgeführt werden. Wurden prozentual weniger Prüfbullen im Betrieb eingesetzt, so wurde eine Strafzahlung erhoben. Im Gegensatz dazu wurde für jede Prüfbullentochter, die eine abgeschlossene erste Lakta­ tionsleistung vorzuweisen hatte eine sog. „Prüfbullen-Toch­ ter-Prämie“ ausbezahlt. Nur durch den Einsatz ganz junger genomischer Bullen als Prüfbulle kann nach wie vor sichergestellt werden, dass jeder Jungbulle ca. 3,5 bis 4 Jahre nach seinem Ankauf Nachkom­ men geprüft aufläuft. Somit können unsere Mitglieder wirklich jeden Prüfbullen (Ersteinsatzbulle) guten Gewissens einsetzen. Unterschied zwischen „Prüfbullen“ und „genomischen“ Bullen in der Empfehlung Der Unterschied bezieht sich in erster Linie auf den Einsatz­ zeitpunkt. Alle Bullen, unabhängig vom Steigerungspreis, machen den sogenannten „Ersteinsatz“ (ehemals Prüfbullen­ einsatz). Von jedem Bullen geht eine bestimmte Anzahl an Portionen für unsere Mitglieder zum Vorzugspreis von nur 5,– € zu den Betrieben, um eine möglichst ungelenkte und sichere Nachkommenschaftsprüfung zu erreichen. Entschei­ dend ist gerade für Eigenbestandsbesamer, diese Prüfbullen­ portionen nach Erhalt zügig zu besa­ men! Wir unterstützen den ungelenkten Prüfeinsatz, indem wir von allen Bullen die ersten Portionen zu einem günstigeren Preis anbieten. Damit Bulle Wanja geht unterscheiden wir uns teilweise von Der in Kürze in den Ersteinsatz. anderen Stationen. Von diesen Bullen wird ein Teil in den darauffolgenden Bullen­ boten als genomischer Jungvererber in unserem Programm aufgenommen. Ab diesem Zeitpunkt sind diese Bullen keine Prüfbullen mehr, sondern nur noch genomische Jungvererber. Ältere genomische Bullen haben bereits einen Nachkommen geprüften Zuchtwert für das Merkmal Kalbeverlauf, da dieser durch die Geburt ihrer Kälber ermittelt werden kann. Ab einer Sicherheit von 85 -  9 0  % in diesem Merkmal können ­ diese genomischen Jungvererber problemlos auf Rinder eingesetzt werden, wenn dieser Zuchtwert entsprechend hoch ist. Genomische Selektion und seine Änderungen Mit der Einführung der „Genomischen Selektion“ wurde im Ausschuss beschlossen, künftig keine Strafzahlungen mehr für das Nichteinhalten der vorgeschriebenen Prüfbullen­quote zu erheben. Als Ausgleich wurde die Prüfbullen-TochterPrämie langsam zurückgefahren. Durch die genomische Selektion erfüllen bereits alle ange­ kauften Bullen die nötige Sicherheit, für einen breiten Besa­ mungseinsatz. Jedoch liegt die Sicherheit der genomisch geprüften Bullen aktuell zwischen 60 % und 68 % und damit deutlich unter den Sicherheiten eines Nachkommen geprüf­ ten Bullen. Ein Bulle zählt als Nachkommen geprüft, wenn er eine Sicherheit von mindestens 75 % im gGZW hat und gleich­ zeitig mindestens 20 Töchter aus 10 verschiedenen Betrieben im Exterieur bewertet sind. Bullen, die bereits seit sehr langer Zeit im „Zweiteinsatz“ sind wie VANADIN oder MADO weisen Sicherheiten im gGZW von 93 % bzw. 98 % beispielsweise auf. Wo finde ich die Prüfbullen im Bullenboten? Die Prüfbullen werden auf den hinteren inneren Seiten unse­ res Heftes halbseitig mit allen relevanten Daten beschrieben und vorgestellt. (Siehe Bullenübersicht mit der Überschrift: Auswahl an genomisch geprüften Bullen (Ersteinsatz)). Jeder Landwirt, der auch künftig sicher Nachkommen geprüfte Vererber im Angebot haben möchte, sollte auch auf das Angebot der Ersteinsatzbullen zurückgreifen. Dies spart Ihnen Geld, weil sie günstiger sind als in der Auswahl der genomsichen Jungvererber und sichert, dass auch künftig genügend Töchterinformationen zur Verfügung stehen, um einen Bullen sicher durch seine Nachkommen zu prüfen. Wir von der Besamungsstation müssen immer wieder fest­ stellen, dass die Betriebsleiter heutzutage beim Einsatz von „genomischen Bullen“, die Sie auf der Rückseite des Bullenboten sehen, denken, dass das ja Jungbullen und dadurch „Prüfbullen“ sind. Dies ist so aber nicht korrekt. Wenn Sie nur die natürlich hornlose Jungbullen von der Empfehlungsliste Der Bulle Mupfel Pp beginnt in besamen (und keine Prüfbullen), dann Kürze seinen Prüfeinsatz. Prüfbulleneinsatz reizvoller denn je – Warum? Der Einsatz der jungen Prüfbullen ist heute so attraktiv für jeden Betrieb wie noch nie zuvor. Früher hatten die Prüfbul­ 3 7  %. len in ihren Zuchtwerten eine Sicherheit von ca. 32 -  Dies war die reine Vorschätzung der Eltern – der PedigreeIndex. Heute hat sich die Sicherheit der Zuchtwerte dieser Jungbullen dank der Genomischen Selektion verdoppelt. Folglich sind die Prüfbullen in ihren Werten doppelt so sicher wie früher. Bullen, die wir ankaufen, werden sehr streng selektiert. Damit wollen wir sicherstellen, Ihnen als unsere Mitglieder, nur beste Genetik anbieten zu können. Beim Ankauf achten wir jedoch nicht nur auf die genomi­ schen Werte, wir prüfen die Linienfüh­ rung und begutachten die Mutter oder Halb­geschwister und natürlich den Bul­ len selbst! Dies unterscheidet den Bul­ Großmutter Uganda des leneinkauf heute, im Vergleich zu frühe­ aktuellen Prüfbullen ren Jahren. Hutelist in der 7. Laktation. 6

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Höchstädter Bullenbote leisten Sie dadurch nur einen indirekten Beitrag zur Bullen­ prüfung. Da jeder Betrieb neben den ganzen guten genomisch geprüften Bullen aber dennoch solide Nachkommen geprüfte Bullen wie RUMBO oder INFORMANT braucht, ist ein Einsatz der Prüfbullen wie HUTELIST, HUMANA oder WANJA zwin­ gend notwendig. Wer heute noch Bullen wie EVEREST, WATT oder VISION einsetzt, trägt keinen entscheidenden Beitrag zur Nachkommenprüfung bei. solcher Bullen und appellieren an Sie, auch aus diesem Seg­ ment regelmäßig junge, starke und attraktive Genetik für Ihre Herde auszuwählen! Besamungsjahr 2006 2008 2010 2012 2014 %-Prüfbullen 16,6 16,8 17,4 10,2 10,7 Anzahl der Prüfbullenbesamungen seit Einführung der genomischen Selektion zurückgegangen Seitdem der Einsatz von Ersteinsatzbullen freiwillig ist und keine Strafzahlung mehr erhoben wird, stellen wir leider fest, dass die Anzahl an Besamungen mit den ehemaligen Prüfbul­ len, heute Ersteinsatzbullen, um 40  % zurückgegangen ist. Wir können in einem Jahr nur so viele Bullen kaufen, wie wir auch prüfen können. Damit hat es jedes Mitglied selbst in der Hand, wie viele Bullen wir künftig einstellen und wie viele Bullen in Folge dessen als Nachkommen geprüfte Bullen in den Zuchtwertlisten auflaufen. Mit dem günstigen Preis für einen Ersteinsatzbullen, unab­ hängig vom Steigerungspreis, fördern wir aktiv den Einsatz Prozentualer Anteil der Erstbesamungen mit Prüfbullen bezogen auf alle ­Erstbesamungen. Fazit Es bleibt jedem Betrieb nur zu empfehlen, neben den geno­ misch geprüften Bullen (Rückseite Bullenboten) auch eine merkliche Anzahl an Prüfbullenbesamungen (Prüfbullen sind unter der Unterschrift: Auswahl an genomisch geprüften Bul­ len (Ersteinsatz) im Inneren des Bullenboten zu finden) durch­ zuführen. Dadurch können Spitzenbullen sehr kostengünstig eingesetzt werden. Zusätzlich leisten Sie einen extrem wich­ tigen Beitrag zur Nachkommenprüfung! Benjamin Köhnlein Die Höchstädter RindApp – ein neuer (Über-)Blick auf Ihre Herde sant, die ihre Besamungs­ meldung bequem an Ort und Stelle von ihrem Handy aus durchführen möchten. Auch für Servicebetriebe bietet unsere App eine Erleichterung, da die Besamungsmeldungen automatisch aktualisiert werden. Dies geht besonders zeitnah, wenn die Besamung, wie bei unseren Technikern und einigen Tierärzten elektronisch erfasst wird. Mit dem Bullenbrowser finden Sie stets ein aktuelles Angebot unserer Bullen und können sich hier vorab und sehr zeitnah über das aktuelle Angebot von der Besamungsstation Höchstädt informieren. Um die Aktualisierung zu ermöglichen, ist es notwendig, uns eine Lesevollmacht für Ihre HIT Daten zu erteilen. Nur so ist es möglich, dass wir Ihre Daten auf Ihrem Handy anzeigen können. (Diese können Sie auf unserer Home­ page unter Downloads, Lesevollmacht, herunterladen). Die App steht exklusiv unseren Mitgliedern kostenlos zur Verfü­ gung. Sie können Sie im AppStore von Apple oder bei Google­ Play herunterladen. Wenn Sie das Portal über Ihren PC nutzen möchten, schicken Sie uns eine Mail an: service@bv-hoechstaedt.de. Sie erhalten eine Anleitung, wie sie das Programm nutzen können. Die Zugangsdaten für die App erhalten Sie von uns per E-Mail, sobald die Lesevollmacht bei uns eingegangen ist. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Nutzen der App und sind sicher, dass Sie so Ihre Herde noch nie gesehen haben! 7 Mit der Höchstädter RindApp bieten wir unseren Mit­gliedern ein Programm, das sie bequem von ihrem Smartphone (Android oder iOS basiert) verwenden können oder von ihrem heimischen PC aus nutzbar ist. In der Liste „Rinder“ werden die Tiere des eigenen Betriebes übersichtlich nach unterschiedlichen Kategorien aufgeführt. Schnell sieht man, welche Tiere zum Besamen anstehen, wel­ che zum Trockenstellen oder welche beobachtet werden müs­ sen, weil eine Brunst anstehen könnte. Unter der Liste Besa­ mungen wird angezeigt, welches Rind mit welchem Bullen besamt wurde und ob es sich um eine Erst- oder Wiederho­ lungsbesamung handelt. Ruft man sich die Details zu einem Tier auf, so kann man aus der App heraus direkt eine Ohrmarke bestellen, wenn man im Stall sieht, dass eine fehlen sollte. Weiterhin können Abgangs- und Geburtsmeldungen direkt aus der App durchgeführt werden. Dabei ist die App nicht nur für Eigenbestandsbesamer interes­

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Höchstädter Bullenbote Trächtigkeitsuntersuchung mittels Ultraschall beim Rind Seit geraumer Zeit hat die Trächtigkeitsuntersuchung mittels Ultraschall in einigen Betrieben Einzug gehalten und die Tiere werden auf diese Weise regelmäßig kontrolliert. 10 Tage gewonnen. Werden diese 30 Tiere durch eine konsequente Behandlung früher wieder tragend, so sparen wir also in dieser Herde rund 300 unfreiwillige Güsttage, oder sog. Verzögerungstage. Gehen wir nun davon aus, dass ein Tag unfreiwillig verlängerte Zwischenkalbezeit mit 4,– € anzusetzen ist, so lassen sich in diesem Beispielbetrieb ein Mehrerlös von ca. 1200,– € jährlich realisieren, wenn die nicht-tragenden Tiere früher als bisher erkannt und behandelt werden. Bei der Ultraschall gestützten Trächtigkeitsuntersuchung geht es also vor allem darum, die nichttragenden Tiere möglichst frühzeitig zu erkennen und diese zur Behandlung dem Tierarzt vorzustellen. Worin liegt der Vorteil einer Ultraschalluntersuchung? Wir werden immer wieder von Landwirten gefragt, was die Vorteile dieser Art der Untersuchung sind. Die Vorteile liegen in der früheren Feststellung der Nicht-Trächtigkeit. Eine Trächtigkeitsuntersuchung mit Ultraschall liefert ab dem 28. bis 30. Tag nach einer Besamung schon sichere Ergebnisse, ob ein Rind trägt. Zwischen dem 30. und 40. Trächtigkeitstag kann man bereits den Herzschlag des ungeborenen Kalbes darstellen. Eine manuelle Trächtigkeitsuntersuchung wird in aller Regel erst ab dem 35. bis 45. Trächtigkeitstag durchgeführt. Diesen Zeitvorsprung kann man nutzen, um ein nicht-tragendes Tier dem Tierarzt früher zur Behandlung vorzustellen und dadurch die Zwischenbesamungszeit und die Güstzeit zu verkürzen. Wir gewinnen bei der Ultraschall gestützten Trächtigkeitsuntersuchung einen Wissensvorsprung von ca. 10 Tagen, wenn eine Kuh oder ein Rind nach der Besamung nicht aufgenommen hat und wir sie nicht haben umrindern sehen. Neuer Service läuft an Als Besamungsverein stellen wir immer wieder fest, dass die routinemäßig durchgeführte Fruchtbarkeitsüberwachung bei den größer werdenden Betrieben aber auch bei vielen Eigenbestandsbesamerbetrieben ein immer wichtigerer Faktor für ein erfolgreiches Wirtschaften ist. Aus diesem Grund bieten wir ab dem Kalenderjahr 2015 für unsere Mitglieder den Service der ultraschallgestützten Trächtigkeitsuntersuchung an. Die Fruchtbarkeitsüberwachung der eigenen Herde ist auch immer eine Frage des Vertrauens. Aus diesem Grund sind wir besonders froh, Ihnen diesen Service ab jetzt direkt aus unserem Hause anbieten zu können. Und dies mit erfahrenen und routinierten Technikerkollegen, die Sie bereits von unseren Besamungstouren kennen. Die Kosten für diesen Service entnehmen Sie bitte der Gebührenordnung auf Seite 29. Als Schnupperangebot bieten wir unseren Mitgliedern einen Sonderrabatt von 25 % auf die ersten beiden Besuche an. Wenn Sie unseren neuen Service zum Vorzugspreis ausprobieren möchten, freuen wir uns auf Ihren Anruf unter 09074 - 95 59 0, um einen Termin zu vereinbaren. Kostenvorteil anhand eines Beispielbetriebes Wenn wir davon ausgehen, dass bei 100 Erstbesamungen pro Jahr (ca. 70 Kühe und 30 Rinder) 50 Tiere tragend bleiben und von den 50 nichttragenden Tieren ca. 20 Tiere beim umrindern gesehen werden, so haben wir bei 30 Tieren jeweils 8

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Höchstädter Bullenbote Neues aus der Station Der Besamungsverein Nordschwaben e.V. freut sich Ihnen einen neuen Besamungstechniker vorzustellen. Der neueste Zugang in der Riege der Besamungsbeauftragten ist Herr Otayor Sattarov. Er stammt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb in Usbekistan. Herr Sattarov hat an der Hochschule in Triesdorf ein Masterstudium im Studiengang Agrarmanagement absolviert. Seit Juni ist er beim Besamungsverein Nordschwaben beschäftigt und hat ebenfalls vor kurzem den Lehrgang für Besamungsbeauftrage mit Erfolg absolviert. Herr Sattarov wird in der Anfangszeit seiner Tätigkeit als Vertretungstechniker eingesetzt. Dadurch lernt er das gesamte Gebiet kennen und kann sich einen breiten Erfahrungsschatz aufbauen. Durch seine Ausbildung und interne Schulungen ist er bestens auf diese neue He­ rausforderung, die Fruchtbarkeit Ihrer Kühe, vorbereitet. Wir hoffen, dass sich eine genauso gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihnen entwickelt, wie dies bei den bereits erfahreneren Kollegen der Fall ist. Wir wünschen Herrn Sattarov einen erfolgreichen Start und Ihnen eine „fruchtbare“ Zusammenarbeit mit dem neuen Kollegen. Besamungstechniker Gerhard Urmann in den Ruhestand verabschiedet Herr Gerhard Urmann hat im April 1981 beim Besamungsverein Nordschwaben e.V. als Besamungstechniker begonnen. Zuerst war er als Urlaubs- und Krankheitsvertreter eingesetzt. Die letzten Jahre hatte er sein eigenes Besamungsgebiet zu betreuen. Nun, nach über 30 Jahren unermüdlichem Einsatz, hat Herr Urmann seine aktive Zeit beim Besamungsverein beendet. Gerhard Urmann besitzt ein ausgezeichnetes Fachwissen, das er zum Wohl seiner Landwirte sehr erfolgreich eingesetzt hat. Mit weit über 100.000 Besamungen hat er somit für zahlreiche Kälber auf ihren Höfen gesorgt. Im November 2014 wurde Herr Urmann im Rahmen einer kleinen Feier im Kreise „seiner Landwirte“ gebührend verabschiedet. Vorstandschaft, Belegschaft und „die Landwirte aus seinem Besamungsgebiet“ wünschten Herrn Urmann alles Gute für seine Zukunft und bedankten sich für die vielen Jahre, die er im Dienst einer guten Fruchtbarkeit für den Besamungsverein Nordschwaben e.V. unterwegs war. Der Nachfolger auf dieser Besamungstour wird Herr Herbert Becke. Er ist ebenfalls ein ausgezeichneter Fachmann in der Besamung. Herbert Becke ist seit April 2008 beim Besamungsverein Nordschwaben tätig. Er lässt seine Erfahrung, die er in seiner 6-jährigen Betriebszugehörigkeit beim Besamungsverein gesammelt hat, mit in seine neue Aufgabe als Gebietstechniker einfließen und freut sich auf Ihr Vertrauen! Jubiläum Herbert Stöger Herr Herbert Stöger ist seit 10 Jahren beim Besamungsverein Nordschwaben als Besamungstechniker tätig. Er beweist großes Engagement und einen herausragenden Einsatz. Durch seine freundliche und aufmerksame Art hat Herr Stöger stets Gehör bei Landwirten, Kollegen und der Vorstandschaft. Der Besamungsverein Nordschwaben dankt Herrn Herbert Stöger für seinen unermüdlichen Einsatz für den Verein und seine Landwirte und wünscht Ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner verantwortungsvollen Tätigkeit. 9 v.l. Dr. Frank Bosselmann (Stationsleiter), Helmut Schürer (Vorsitzender), Frau Urmann, Herr Urmann

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Höchstädter Bullenbote IMARA Nachzucht auf der Bundesfleckviehschau in Miesbach und dem Herbstfest des Wertinger Zuchtverbandes Die Bundesfleckviehschau 2014 Alle fünf Jahre ist es soweit, die Bundesfleckviehschau steht vor der Tür. Am Wochenende des 24. und 25. Oktober fand in der Oberlandhalle in Miesbach die siebte Auflage dieses Züchter-Events statt. Insgesamt buhlten mehr als 120 Spit­ zentiere aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen um die begehrten Siegerpreise. Die Gesamt­ qualität war sehr beeindruckend und zeigte deutlich die positive Entwicklung der Rasse Fleckvieh. Leistungsstarke, kalibrige Kühe mit besten Eutern auf sehr korrekten Fundamenten hinterließen einen faszinierenden Gesamteindruck. Die Bundesfleckviehschau war allerdings nicht nur für die Landwirte mit Schaukühen oder für die Jungzüchter mit ihren lender, Rindern ein ganz besonderes Highlight im Jahreska­ auch die Besamungsstationen konnten das Fachpu­ blikum mit ihren Nachzuchtgruppen von der Qualität ihrer Vererber überzeugen. Gleich zweimal erhielten die Stationen die Mög­ lichkeit ihre Spitzengenetik dem Fach­ publikum vor beeindruckender Kulisse näherzubringen. IMARA’s Werdegang Die Besamungsstation Höchstädt stellte Aus dem Wertinger Zuchtgebiet waren eine Nachzuchtgruppe des Bullen IMARA sieben Kühe beim Preisrichten der 179681 vor. Der Imposium Sohn aus der Schaukühe am Samstag vertreten. Die Als „Wertinger Überflieger“ erhielten die JungVanstein-Tochter Dorste (MMV: Repuls) züchter in Fliegerkluft viel Beifall. Sie versäumten Romario-Tochter Dasty vom Betrieb mit einer bravourösen Vorführleistung nur gezogen, stammt aus dem Stall von Xaver Kanefzky aus Roggden erzielte in ihrer knapp den Gesamtsieg. (v.l.n.r. Matthias Hofmayr, Burghardt aus Höchstädt/Deisenhofen, oggenburg, Michael Landwehr, Gurrenhof, Klasse der Jungkühe den 1b-Preis. In der ­R das nur einen Steinwurf weit von unse­ und Monja Dreger, Egermühle, begleitet vom Gruppe „Kühe mit drei Kalbungen“ konn­ „Nummerngirl“ Stefanie Kraus, Deubach). rem Stationsgelände entfernt liegt. Die te die Harpex-Tochter Roxana von der Aufzucht wurde von Hubert Kapfer aus Böhm GbR, Oppertshofen, ebenfalls den 1b-Preis gewinnen. Blindheim übernommen. Dorste ist eine großrahmige, extrem Lie, eine Engadin-Tochter vom Betrieb Landwehr, Gurrenhof, leis­ tungsstarke Kuh mit inzwischen fünf Kalbungen und einer konnte in ihrer Gruppe der Lebens­leistungskühe den 1b-Preis Durchschnittsleistung von über 11.500 kg Milch und 3,74  % für sich verbuchen. In der Sondergruppe der hornlosen Tiere Eiweiß. Ihr korrektes Exterieur wurde mit den Noten 9-7-7-8 wurde die Ruzarlo PS-Tochter Tanja PS von der Schneid GbR bewertet und sie konnte es trotz der hohen Leistung sehr gut aus Amerbach Reservesiegerin. Bereits halten. Die Kuh stammt aus einem lang­ am Vorabend traten die Jungzüchter in lebigen Kuhstamm. Schon die Urgroß­ den Wettstreit. Dabei wurde zunächst mutter von IMARA war Bullenmutter mit die beste Präsentation der mitgebrach­ 7 Kalbungen und guten Eiweißwerten. ten Jungrinder bewertet. Die drei Vertre­ IMARA wurde Ende April 2009 geboren ter des Wertinger Jungzüchter-Teams, und auf dem Junimarkt 2010 in Wertin­ Monja Dreger, Eger­ ­ mühle; Michael Land­ gen versteigert. Der damals unauffällige wehr, Gurrenhof und Matthias Hofmayr, Stier wurde von der Besamungsstation Roggenburg platzierten sich in den Vor­ Die Präsentation der Nachzucht vor beeindruHöchstädt ersteigert und in den Prüfein­ entscheidungen unter den Gruppenbe­ ckender Kulisse auf der Bundesfleckviehschau satz genommen. Im August 2014 schaffte in Miesbach. sten. Besonders spannend und vor allem er durch seine guten Töchterleistungen sehr amüsant war der Gruppenwettbe­ den Sprung von den genomischen Jung­ werb, bei dem die drei einen sehr guten vererbern hin zu den Nachkommen gedritten Rang für sich verbuchen konnten. prüften Bullen. In der Zwischenzeit hat Verkleidet als „Wertinger Überflieger“ er sich zu einem sehr typvollen und kalib­ führten sie ihre Rinder in perfekter Über­ rigen Stier entwickelt. Die Vererbungs­ einstimmung vor. Das Jungrind aus dem leistungen von IMARA sind breit ange­ Betrieb Böhm, Oppertshofen (Halb­ legt, sein gGZW liegt bei 116 und der MW schwester zu WITAM PS) wurde zudem bei 117 Punkten. Nach der Zuchtwert­ Gruppenbild der IMARA Töchter in Miesbach als Zweitschönstes des ganzen Wettbe­ Das schätzung im August 2014 schaffte er es spiegelt sehr gut, die einheitliche Vererbungs­ werbes gekürt. sogar in die „gezielte Paarung“ und wur­ leistung des Bullen wider. 10

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Höchstädter Bullenbote de somit bayernweit gezielt auf Spitzen­ tiere empfohlen. Besonders hervorzuhe­ ben sind seine ausgezeichneten Inhaltsstoffe mit +  0.21 Fett-% und +  0.12 Eiweiß-% sowie die ordentliche Persistenz (ZW 109) seiner Töchter. Sein Durchhal­ tevermögen und die positive Zellzahl von 107 sind ein Hinweis für zufriedenstellen­ de und unkomplizierte Töchter im Stall. tingen Neuland. Gerichtet wurde nach dem sogenannten „offenen“ Richtsys­ tem. Anstatt alle Kühe von einem Preis­ richter einstufen zu lassen, konnten vier ausgewie­sene Fleckviehzucht-Experten, die alle selbst praktizierende Landwirte sind, aus Bayern und Baden Württem­ Mit viel Ideenreichtum hatten die Kinder die Stalltafeln zu ihren Vorführkälbern gestaltet. Links im berg Noten von 5 bis 10 vergeben. Die Hintergrund die beiden Preisrichterinnen des Summe dieser Noten ergab die Punktzahl Bambini-Cup, Eva Espert, Zuchtverband und Besamungsstation (links) und Anja Schäble vom LKV. für eine Kuh, je nach erreichter Gesamt­ Beide arbeiten als Anpaarungsberaterinnen im punktzahl wurden die Kühe in der Gruppe Wertinger Herbstfest Außendienst. gereiht. Anschließend konnte sich die mit 10jährigem Jubiläum IMARA Nachzucht im Ring präsentieren der Schwabenhalle und erhielt kräftigen Applaus. Der Sonn­ Schon zwei Wochen nach der sehr tag war den Familien gewidmet und beerfolgreichen Bundesfleckviehschau in gann dementsprechend mit einem Bam­ Miesbach konnte sich das Fachpublikum bini-Cup. Mit Begeisterung gingen die erneut von den IMARA Töchtern über­ 16 Kinder im Alter von 3 -  13 Jahren an zeugen. Am Wochenende des 8. und den Start, dabei ­ wurde ihr Können in drei 9. November wurde das Wertinger Altersgruppen bewertet. Bei den JüngsBeim Vorführwettbewerb der Jungzüchter erranHerbstfest mit 10jährigem Jubiläum der gen Stefanie Kraus, Deubach (Champion) und ten siegte Gregor Aumiller, Merching mit Schwabenhalle gefeiert. Es war ein tol­ ­Johannes Schwarz, Langenaltheim (Vizechampion) „Ribery“; In der mittleren Altersgruppe Bravour die Siegertitel. Dazu gratulierten: les Fest für alle schwäbischen Fleckvieh­ mit wurde Katharina Schneid, Amerbach zur Preisrichter Florian Götz, MdL Georg Winter, LMR züchter. Die Schwabenhalle hat sich in Maximilian Putz vom Ministerium, stellv. Landrat besten Vorführerin gekürt. Die Erstplat­ Hans-Jürgen Waigel, Vorsitzender Georg Kraus den letzten Jahren zu einer festen Hei­ zierte bei den ältesten Kindern war Lena und Zuchtleiter Friedrich Wiedenmann. mat für die Züchter entwickelt. Auch Schuster aus Jettingen-Ried. durch die Bayerische Jungzüchtertier­ Ging man nach der Begeisterung der schau – nun schon zum vierten Mal in K inder, so hätte eigentlich jedes den ­ Wertingen – hat dazu beigetragen, dass Sieg verdient! Danach konnten sich die der Standort Wertingen weit über die Wertinger Jungzüchter in einem Vorführ­ Grenzen Bayerns hinaus bekannt wurde wettbewerb messen. Insgesamt 17 Vor­ und hohe Wertschätzung erfährt. Das führer(innen) beteiligten sich mit ihrer umfangreiche Programm begann Sams­ Ausstellungskuh oder einem Jungrind tagabend mit dem Richten der Schau­ Die Imara-Töchtergruppe auf dem Wertinger am Wettbewerb. Florian Götz, Vorsitzen­ kühe. Hier betrat der Zuchtverband Wer­ Herbstfest. der des Landesverbandes der Bayeri­ schen Jungzüchter, fungierte als Preisrichter und Andreas Böhm moderierte die Grup­ pen und gab dem interessier­ ten Publikum Erläuterungen zum korrekten Vorführen. Stefanie Kraus aus Deubach gewann souverän vor Johan­ Tochter „Eule“, 1. Lak. Tochter „562“, 1. Lak. Tochter „109“, 1. Lak. alt­ nes Schwarz aus Langen­ Züchter: Huggenberger Michael, Züchter: Jäckle Heinrich, Züchter: Kastner Bernhard, Ustersheim. Hohenaltheim Heretsried bach / Besitzer: Riel Josef, Burgheim Tochter „Kati“, 1. Lak. Züchter: Vogele Thomas, Dinkelscherben Tochter „Gundi“, 1. Lak. Züchter: Wiest P. u. R. GbR, Osterberg Tochter „Melina“, 1. Lak. Züchter: Both Martin, Zusmarshausen Tochter „Marlo“, 1. Lak. Züchter: Sturm Stefan & Helga, Aindling 11

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Höchstädter Bullenbote Vererbungsleistungen von IMARA Vanstein aus Repuls solide und bewährt. Wie IMARA konn­ ­ ten seine Ahnen im Pedigree sich bereits durch zahlreiche Töchter positiv beweisen. Anhand der Nachzuchttiere in Miesbach und Wertingen konnte man erkennen, dass IMARA sehr gleichmäßige und einheitliche Tiere bringt. Auch sein Charakter kann als umgänglich und ruhig beschrieben werden. Seine Töchter sind meist dunkel gedeckte mittelrahmige Kühe mit tiefer Rippe. Die Euter zeichnet ein langes Voreuter bei besonders fester Voreu­ teraufhängung aus. Der Euterboden liegt im Durchschnitt, lediglich auf das Zentralband sollte etwas geachtet werden. Die Striche sind in Länge und Dicke im erwünschten Bereich und gefallen sehr gut. Das Fundament ist durchschnittlich bei leichter Winkelung und etwas volleren Sprunggelenken. Wir emp­ zusetzen, da der fehlen IMARA auf Kühe ein­ paternale Kalbeverlauf mit 102 (93  % Sicher­ heit) im durchschnittlichen Bereich liegt. Herr Dr. Bosselmann vom BesaSeine Vererbungsleistungen versprechen mungsverein Nordschwaben ­ überreichte dem IMARA Züchter funktionale und leistungsbereite Kühe. Die ­Xaver Burghardt aus Deisenhofen Blutlinienführung ist mit Imposium aus eine kleine Aufmerksamkeit. Dankeschön! Mit den Bildern möchten wir Ihnen einen umfassenden Eindruck dieser harmonischen Nachzuchtgruppe zeigen. Um diese so hervor­ ragend vorzubereiten und zu präsentieren, war viel Zeit und Arbeitsaufwand nötig. Für die Unterstützung bei den Nachzuchtpräsen­ tationen möchten wir uns ganz herzlich bei den Jungzüchtern bedanken, die uns hierbei so tatkräftig unterstützt haben! Unser ganz besonderer Dank gilt aber natür­ lich auch den Züchtern dieser schönen IMA­ RA Töchter. Ohne deren Mitwirken bzw. die Bereitstellung der Kühe wäre eine solche Nachzuchtgruppe nicht möglich gewesen – vielen herzlichen Dank!! „Effizienz aus dem Süden Deutschlands“ bei der EuroTier 2014 Der Besamungsverein Nordschwaben e.V. war, wie auch im hungsmagnet für alle Fleck- und Braunviehinteressierten. Jahr 2012, dieses Jahr wieder auf der größten internationa­ Es wurden Kontakte mit in- und ausländischen Landwirten len Messe rund um die Tierzucht und -produktion vertreten. und Geschäftspartner geknüpft, gepflegt und weiter ver­ Mit einem neuen und modernen Standkonzept und dem Slo­ tieft. gan „Effizienz aus dem Süden Deutschlands“ vereinigten Natürlich freuten wir uns sehr, auch Mitglieder aus dem sich unter Federführung der SPERMEX GmbH ihre Gesell­ heimischen Gebiet auf dem Stand begrüßen zu dürfen. schafter Besamungsverein Nordschwa­ ben e.V., Zweckverband II für künstliche Besamung der Haustiere in Greifenberg, die Rinderbesamungsgenossenschaft Memmingen e.G. und die Alpengenetik eG. Dazu gesellten sich die Allgäuer Herdbuchgesellschaft (AHG) und die Zuchtverbände Oberbayern. Das Beratungsteam aus Höchstädt v. l. Eva Espert, In Halle 27 direkt neben dem TOP Tier­ Dr. Frank Bosselmann (Geschäftsführer), Benjamin treff war dieser neue Stand der Anzie­ Köhnlein, Brigitte Reitmayer Regio Agrar in Augsburg am 10.- 12. Februar 2015 Die Landwirtschaftsmesse „Regio Agrar“ in Augsburg ist inzwischen ein fester Termin in unserem Veranstaltungskalender und ein fester Anlaufpunkt für alle Freunde und Mitglieder des Besamungsvereins. Vom 10.  -  12. Februar 2015 findet diese Messe wieder auf dem Messegelände in Augsburg statt. Wir freuen uns heute schon, Sie am Gemeinschaftsstand der Besamungsstation Höchstädt und der Höchstädter Klauenpflege in geselliger Atmosphäre begrüßen zu dürfen. 12

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Höchstädter Bullenbote – Klauenpflege Nach wie vor unterschätzt – die Klauenrehe Eine viel zu oft nicht erkannte Erkrankung, die sich an den Klauen manifestiert ist die sogenannte Klauenrehe. Sie ist die Ursache einer Vielzahl von Folgeerkrankungen an den Klauen, die nicht selten zu hochgradigen Lahmheiten führen. Um die Klauenrehe und deren Auswirkungen zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, wie die Kuh ihr Gewicht im Hornschuh trägt. Die Funktion der Aufhängung des Klauenbeins (siehe Abbildung 1 und 1a) in Zusammenhang mit dem stoßbre­ chend wirkenden Ballenfettpolster (siehe Abbildung 2 roter Pfeil) ist entscheidend, um Spitzenbelastungen vor allem im Bereich der Außenklaue abzufedern. Wird der Aufhängeapparat durch wiederkehrende Reheschübe in Mitleidenschaft gezogen, sinkt das Klauenbein ab bzw. rotiert und nähert sich gefährlich nah der Lederhaut an. Dies wiederum führt zur punktuellen Belastung der Klau­ enlederhaut die dann an diesem spezifischen Punkt, auf Grund des Druckes, nicht mehr durchblutet wird. Dadurch werden der hornbildenden Oberhaut keine Nährstoffe zugeführt. Ohne Nährstoffe – keine Hornproduktion! Ge­ nau an diesem Punkt entsteht ein Geschwür. Bei Rotation des Klauenbeins nach innen entsteht ein Sohlengeschwür (Abbildung 7, 7a) bzw. eine Wandläsion bei Rotation des Klauenbeins nach außen (Abbildung 5 und 5a). Werden ganze Teile der Sohlenlederhaut zeitlich begrenzt nicht durchblutet, stagniert die Hornproduktion großflächig und eine Doppelsohle entsteht (Abbildung 6, 6a). Damit der Wichtigkeit der Klauenrehe genügend Beachtung geschenkt wird, ist es entscheidend zu wissen, wie viele Klauenerkrankungen reheassoziiert sind, also Folgen einer Klauenrehe. Am Schema des DLG Diagnoseschlüssels der nicht infek­ tiösen Klauenerkrankungen soll dies veranschaulicht werden. Alle reheassozierten Klauenerkrankungen sind mit einem roten Pfeil gekennzeichnet. Nicht-infektiöse Klauenerkrankungen DLG Diagnoseschlüssel Rehe assozierte Erkrankungen RE Klauenrehe ‘ ‘ ‘ ‘ ‘ ‘ ‘ ‘ WLD Weiße Linie Defekt (Zusammen­ hangstrennung der weißen Linie) WL DS SG Wandläsion (Sohlen­Wandgeschwür) Doppelte Sohle Sohlengeschwür STG Steingalle (Druckstelle) RSG Rusterholz’sches Sohlengeschwür (SG in typischer Lokalisation) SSG Sohlenspitzengeschwür KSG Klauensohlengeschwür in untypischer Lokalisation LI HS Limax (Tylom, Zwischenklauenwulst) Hornspalt (sandcrack) Die Klauenrehe gilt unter den heutigen intensiven Produk­ tionsbedingungen als dominierende Klauenerkrankung. Die Kosten pro Fall von Klauenrehe werden auf 300 Euro geschätzt (direkte und indirekte Verluste). Wissenschaftliche Untersuchungen sowie die Erfahrung durch die tägliche Arbeit an der Klaue bringen zum Vor­ schein, dass die Klauenrehe dramatisch oft auftritt. Lei­ der auch beim Fleckvieh (zirka 35 % im Laufstall)! • • • • Pijl Van der Linde et al. Swalve et al. Schöpke et al. 2007 2010 2011 2013 31,29 % 38 % 36,4 % 57,3 % Abbildung: Christoph Lischer ←⎯ Abbildung 1a Abbildung 1 Klauenbein ist im Hornschuh „auf gehangen“, damit die Lederhaut vom Knochen nicht gequetscht wird. Abbildung 2: Ballenfettpolster Abbildung 3: typisches Bild einer subklinischen Klauenrehe, beginnende „weiße Linie Defekte“ Abbildung 4: typisches Bild einer subklinischen Klauenrehe mit Sohleneinblutungen Abbildung 5: Wandläsion, typische Folge einer Klauenrehe 13

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Höchstädter Bullenbote – Klauenpflege Abbildung: E. Toussaint Raven Abbildung: Christoph Lischer Abbildung 5a: Entstehung einer Sohlenwandläsion Abbildung 6: Doppelsohe, typische Folge einer Klauenrehe Abbildung 6a: Entstehung einer Doppelsohle; Hornproduktion stagniert auf Grund einer Durchblutungsstörung der Klauenlederhaut Abbildung 7: Sohlengeschwür, oft die Folge einer Klauenrehe Abbildung: Christoph Lischer Abbildung 7a: Entstehung eines Sohlengeschwürs Abbildung 8: Chronische Klauenrehe, mit dem klassischen konkaven Knick an der Vorderwand der Außenklaue Definition, Ursachen und Entstehung Die Klauenrehe (Laminitis) ist definiert als eine diffuse, nichteitrige Entzün­ dung der Klauenlederhaut des Wand­ und Sohlensegments und betrifft meist mehrere Klauen gleichzeitig. Es liegt grundsätzlich eine Allgemeinerkrankung vor! Je nach der Ursache werden Fütte­ rungs­, Belastungs­, Geburts­ und metablische Rehe unterschieden. Die Klauenrehe ist eine multifaktorielle Erkrankung mit einer Vielzahl von begünstigenden Faktoren. Als wichtigste Faktoren gelten die Fütterung, Pansenfermentationsstö­ rungen, Ketose, Nachgeburtsverhal­ ten, Gebärmutter­ und Euterentzün­ dungen, Labmagenverlagerung und Leberverfettung. Aber auch das Management, vor allem in den Wochen vor und nach der Geburt, Stress und genetische Disposition, die immer in Zusammenhang mit Überbelastung der Klauen zu sehen sind, führen zu dieser Erkrankung. Alle Rehearten führen zu einer Störung der Mikrozirkulation in der Klauenlederhaut, was mit einer Störung der Hornbildung und degenerativen Veränderungen am Aufhängeapparat des Klauenbeins im Hornschuh einhergeht. Sie tritt in akuter, subakuter, subklini­ scher und chronischer Form auf, wobei unter den heutigen Betriebsbe­ dingungen die subklinische Rehe die größte Bedeutung hat. Während die Kuh bei der akuten und subakuten 14 Fütterungsrehe ● Pansenfermentationsstörungen ● zu wenig Rohfaser ● zu hohe Kraftfuttergaben ● zu hohe Proteingaben (RNB > 50; Milchharnstoff > 35 mg/dl ● zu fein gehächselte TMR ● zu rasche Konzentratsteigerung nach der Geburt ● über 2 kg Weizen/Tier/Tag ● Ketose ● Lipomobilitsationssyndrom ● Hitzestress!!! ● Mykotoxine ● Zuckergehalt > 10 % (Fructane z.B. Weidelgräser bei trockner + kalter Frühjahrswitterung) Belastungsrehe ● Überbelegung ● sozialer Status ● zu geringe Liegezeiten (unter 12 ­ 14 h) ● zu lange Stehzeiten (z.B. im Vorwartehof, zu lange Wege zur Tränke ...) ● unebene, rutschige Lauffflächen ● Blindgänge Metablische Rehe ● jede Entzündung (z.B. Euter­ entzündung, Gebärmutterent­ zündung) kann zu Rehen führen Geburtsrehe ● hormonelle Umbauvorgänge führen zur Lockerung des Auf­ hängeapparetes ● Zeit größter Umstellung für das Tier (Aufstallung, Fütterung, sozialer Rang ...) Freisetzung von biologisch aktiven Botenstoffen Stoffwechsel und Durchblutungs­ störung der Klauenlederhaut Bildung von Horn minderer Qualität + Lockerung des Aufhänge­ apparates des Klauenbeins Absinken und oder Rotation des Klauenbeins mit irreversiblen Folgen (chronische Form) Ķ Ķ Ķ Weiße Linie Defekte Wandläsionen Sohlengeschwüre Klauenpflege alle 3 ­ 4 Monate um Lahmheiten zu vermeiden

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Höchstädter Bullenbote – Klauenpflege Klauenrehe ein gestörtes Wohlbefinden und eine Lahm­ heit zeigt, ist die subklinische Klauenrehe nur im Zuge der Klauenpflege an der minderwertigen Hornqualität (brü­ chig, gelbliches, wachsartiges Horn) und Bluteinlagerun­ gen zu erkennen (siehe Abbildung 3 und 4). Die chronische Klauenrehe ist dadurch charakterisiert, dass sich durch die Beeinträchtigung des Aufhängeapparates das Klau­ enbein gesenkt hat und oder rotiert ist. Die chronische Klauenrehe ist ein irreversibler Zustand und an Verfor­ mungen des Hornschuhs zu erkennen (Abbildung 8). Die chronische Klauenrehe entwickelt sich meist aus mehre­ ren subklinischen Klauenreheschüben und ist hauptsäch­ lich an der meist belasteten Klaue, also an der Außen­ klaue der Hinterextremität zu erkennen (Abbildung 8). Tiere mit chronischer Klauenrehe müssen alle drei bis vier Monate beschnitten werden, damit der Druck bei der Fußung auf die Außenklaue nicht zu groß wird! ● keine Blindgänge ● ausreichend dimensionierte Laufgänge ● Vorwartehof und Futtergang mit Gummimatten aus­ legen ● wenn Übergänge zwischen Liegeboxenreihen zu sel­ ten sind, Abhilfe schaffen ● zu lange Wege zur Tränke vermeiden! ● Treibwege ohne Steine! ● trächtige Rinder bereits einige Wochen vor der Abkalbung in den neuen Stall bringen ● keine zu lange Wartezeiten im Vorwartehof des Melkstandes ● ausreichend Fressplätze ● keine Überbelegung Klauenpflege ● Eine wirkungsvolle prophylaktische Maßnahme ist die regelmäßig durchgeführte funktionelle Klauenpflege. Nur so lassen sich Folgeerkrankungen an den durch Rehe vorgeschädigten Klauen frühzeitig erkennen und die Lederhaut wird fachgerecht entlastet, damit die Klauenrehe zu keiner Lahmheit führt. ● Wegen der Verstärkung der auslösenden Faktoren um den Geburtszeitraum ist es sehr zu empfehlen, die trächtigen Tiere zum Trockenstellen und etwa zwei bis drei Monate nach der Geburt einer korrekten funktionellen Klauenpflege zu unterziehen. Durch die Ver­ meidung von Belastungsspitzen an der Außenklaue kann oft das Absinken bzw. die Rotation des Klauen­ beins verhindert werden. ● Es gilt der Spruch: „Zuchtreife ist Pflegereife! Was man beim Jungtier versäumt bekommt man beim aus­ gewachsenen Tier nicht mehr hin!“. Gerade um die Geburtsrehe bei Erstlingskühen zu verhindern ist es wichtig, diese zwei Monate vor der ersten Kalbung zu beschneiden. Nur wenn Innen­ und Außenklauen annähernd dasselbe Gewicht zu tragen haben, bekommt das Tier in der ersten Laktation keine Klauenprobleme! Ist die Außenklaue „verwachsen“ kann man mit großer Wahrscheinlichkeit mit Lahmhei­ ten nach der Geburt rechnen. Prophylaxe der Klauenrehe: Fütterung ● leistungsgerechte Fütterung ist wiederkäuergerechte Fütterung!!!! > 320 g strukturwirksame Rohfaser/Kuh/Tag; Rfa der TM 15 ­ 18 %; Kraftfutterantiel der Ration maximal 60 %; Futtermittel mit hoher Pansenstabilität einsetzen; nicht mehr als 2 kg Weizen pro Tier und Tag ● Hochwertiges, schmackhaftes Futter mit geringer Mykotoxin- und Endotoxinbelastung ● Keine schnellen Futterwechsel vor allem im periparta­ len Zeitraum ● langsame Steigerung des Kraftfutters nach der Geburt ● eventuell Heu post partum ad libidum anbieten ● auch während der Trockenstehphase das Kraftfutter nicht ganz aus der Ration streichen ● TMR ohne Selektionsmöglichkeit (Stroh nicht länger als 5 cm, sonst wird es nicht gefressen) ● das Futter mehrmals täglich frisch vorlegen ● ausreichendes Wasserangebot (mindestens 7 cm Troglänge pro Tier) ● Zuckergehalt < 10 % Aufstallung ● Ausreichend dimensionierte, weiche, trockene Liegeboxen anbieten, die Liegezeit bestimmt der Mensch! Die Kuh muss mindestens 12 besser 14 Stunden pro Tag liegen ● unebene Laufflächen sanieren ● rutschige Laufflächen aufrauen um Trittsicherheit zu gewährleisten Verfasser: TA Mag. Hubert Reßler Geschäftsführer Höchstädter Klauenpflege GmbH www.klauenpflege.de • info@klauenpflege.de Telefon 09074 9559 13 15

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