IDV Magazin 86

 
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VIDEOKONFERENZ ROSTOV Deutsch weltweit: Spanien, Slowenien, Chabarowsk, Indien, Vietnam FIPLV - DaFWEBKON

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband [ Nr. 86 • November 2014 ] VIDEOKONFERENZ ROSTOV Deutsch weltweit: Spanien, Slowenien, Chabarowsk, Indien, Vietnam FIPLV - DaFWEBKON [ [

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Nr. 86 | November 2014 | www.idvnetz.org An die Leserinnen und Leser ir freuen uns sehr, Ihnen die gegenwärtige Ausgabe des IDV-Magazins in einem neuen Layout vorstellen zu dürfen. Wir hoffen, dass dieses leserfreundlichere Format, Ergebnis einer monatelangen Arbeit, bei Ihnen Gefallen finden kann. Die vorliegende Ausgabe 2014 widmet sich in erster Linie der Verbandsarbeit unserer Mitgliedsverbände. Hier finden Sie Berichte über erfolgreich durchgeführte Tagungen und Konferenzen von den Deutschlehrerverbänden in Rostov, Slowenien und Indien sowie über die Regionaltagung der Region Westliches Mittelmeer in Sevilla. In der Reihe „Verbände stellen sich vor“ berichtet der Präsident des FIPLV über den Dachverband für Moderne Fremdsprachen und über den bevorstehenden Weltkongress 2015 in Kanada. Zwei neu in den IDV aufgenommene Mitgliedsverbände – der DLV Vietnam und der DLV Chabarowsk – stellen sich ebenfalls vor. Der Beitrag über die 3. DaFWEBKON 2014 schildert die Online-Konferenz aus der interessanten Perspektive einer „rasenden Reporterin“ und regt hoffentlich den medialen Appetit auf die nächste Konferenz 2015 an. Darüber hinaus verschafft ein erster Bericht über den Stand der Vorbereitungen auf die nächste IDT 2017 einen kurzen Überblick über die größte, wichtigste Veranstaltung des IDV. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre! IDV - Der Internationale Deutschlehrerverband Präsidentin: Vizepräsidentin: Generalsekretärin: Schatzmeister: Schriftleiter: Experte Deutschland: Expertin Österreich: Experte Schweiz: Grafikdesign: Marianne Hepp Alina Dorota Jarzabek Puneet Kaur Benjamin Hedzic Geraldo de Carvalho Sebastian Vötter Sonja Winklbauer Joachim Hoefele Andréa Vichi hepp@idvnetz.org jarzabek@idvnetz.org kaur@idvnetz.org hedzic@idvnetz.org carvalho@idvnetz.org voetter@idvnetz.org winklbauer@idvnetz.org hoefele@idvnetz.org andreavichi@ig.com.br Herausgeber: Schriftleitung des Internationalen Deutschlehrerverbands. Zuschriften, Beiträge und Anzeigewünsche bitte an die Schriftleitung senden. 2

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband In dieser Ausgabe Aus meiner Sicht Geraldo de Carvalho 4 Ein Projekt und eine Videokonferenz: Eine Erfolgsgeschichte des Deutschlehrerverbands in Rostow-am-Don (Russland) Rolf-Rainer Lamprecht | Geraldo de Carvalho | Amir izmaylov 7 Die Unterstützung von Sprachlehrenden weltweit: ein Überblick über die Aktivitäten des FIPLV Terry Lamb 11 IDV-Delegiertenseminar bei der FAGE-Regionaltagung in Sevilla Marianne Hepp | Simone Auf der Maur-Tomé 14 Die XX. internationale Deutschlehrertagung des Slowenischen Deutschlehrerverbands: Mehrsprachigkeit und Motivation im institutionellen DaF-Lernen und Lehren Veronika Zibret | Tatjana Lubej | Brigita Kacjan 17 100 Jahre Deutsch in Indien: InDaF feiert mit einer Konferenz in Jaipur Puneet Kaur 20 Höhepunkte der 3. DaFWEBKON: Bericht einer rasenden Reporterin Monika Wisła 22 XVI. Internationale Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer (IDT) – Ein erster Zwischenbericht Cornelia Gick 25 Der Vietnamesische Deutschlehrerverband (VDLV) stellt sich vor Le Tuyet Nga 28 Deutsch mit Engagement und Freude: Der DLV Chabarowsk (Russland) stellt sich vor Larissa Kulpina 30 Das neue Logo des IDV Benjamin Hedžić 33 3

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Aus meiner Sicht GERALDO DE CARVALHO | SCHRIFTLEITER DES IDV ls ich Anfang 2006 zum Vizepräsidenten des Regionalverbands im Bundesstaat Minas Gerais (AMPA) gewählt wurde – damals war man im Verband der Auffassung, dass der Präsident seinen Wohnsitz in der Hauptstadt Belo Horizonte haben sollte, ich wohnte aber 280 km entfernt in Richtung Rio de Janeiro – konnte ich keineswegs ahnen, dass ich sieben Jahre später für einen Posten im IDV-Vorstand kandidieren würde. Ich habe an der Bundesuniversität von Juiz de Fora Rechtswissenschaft studiert, gleichzeitig aber immer nebenbei Französisch und Deutsch unterrichtet, bis ich 1994 eine viermonatige Ausbildung als DaF-Lehrer in der Zentrale des Goethe-Instituts in München absolvieren durfte. Meine Ausbildung im Bereich Linguistik erfolgte dann später mit einem Masterstudium mit anschließender Promotion an der Bundesuniversität von Minas Gerais in Belo Horizonte. Schwerpunkt meiner akademischen Tätigkeit war die Übersetzungswissenschaft, die ich der Analyse der Übersetzung heiliger Texte (HebräischDeutsch-Portugiesisch) widmete. Die glückliche Kombination von Rechts- und Übersetzungswissenschaft ermöglichte es dann, dass ich 2009 die staatliche Prüfung zum vereidigten Übersetzer und Dolmetscher bestehen konnte. Hauptberuflich bin ich seitdem Übersetzer, DaF-Lehrer und Leiter der Spracharbeit am Werther Institut Juiz de Fora. Was die Verbandsarbeit anbetrifft, bin ich Gründungsmitglied der AMPA. AMPA ist einer der sieben brasilianischen Regionalverbände, die unter der Schirmherrschaft der ABraPA, des Dachverbands der brasilianischen Deutschlehrer/-innen, Deutschlehrende brasilienweit u.a. fördern und vertreten. Als dann Ende 2006 die damalige AMPA-Präsidentin ihren 4 Rücktritt erklärte, übernahm ich Anfang 2007 die Präsidentschaft und hatte nun die Möglichkeit, einerseits trotz der anfänglich erwähnten Entfernung zur Hauptstadt die Verbandsarbeit zu optimieren, andererseits auch die Deutschlehrer/innen im Inland zu fördern, indem zahlreiche Ausund Fortbildungsseminare vor Ort angeboten wurden. Ende 2007 wurde ich für eine 2-jährige Amtszeit wiedergewählt und konnte die Zusammenarbeit mit den anderen Regionalverbänden verstärken, insbesondere mit dem Nachbarverband APA-Rio, in dessen Bundesstaat Rio de Janeiro der Dachverband seinen Sitz von 2006-2009 innehatte. AMPA ist ein eher kleiner Verband. In den drei Jahren meiner Amtszeit konnte unser 4-köpfiges Vorstandsteam die Anzahl der Mitglieder von anfänglichen kaum mehr als 20 auf 70 erhöhen, was für unseren Verband von großer Bedeutung war. Die Mehrzahl der AMPA-Mitglieder konzentrierte sich nach wie vor in der Hauptstadt Belo Horizonte – vor allem aufgrund der dortigen Universität, die ein Germanistikstudium bietet – aber auch in vielen „Provinz“-Städten (Juiz de Fora, São João del Rey, Viçosa, Ouro Preto u.a.)

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband 8. Brasilianischer Deutschlehrerkongress 2011 in Belo Horizonte nahm die Zahl der Mitglieder zu. Die Vernetzung durch E-Mail und die Kommunikation via Internet zählen zu den erfolgreichsten Mitteln der Fortentwicklung und Professionalisierung unseres Verbands. Leider konnten wir in Minas Gerais, das so groß ist wie Deutschland, noch nicht flächendeckend vertreten sein. Deutschlehrende sind in weiten Teilen des Ostens und Nordens so gut wie unbekannt, ein Problem übrigens, das andere Regionalverbände auch gut kennen und das oft nicht zuletzt auch auf die großen Entfernungen hierzulande zurückgeführt wird. Eine produktive, nachhaltige Zusammenarbeit mit Kolleg(inn)en aus den Regionalverbänden Brasiliens ist immer ein Anliegen des damaligen AMPA-Vorstands gewesen. Das jährlich stattfindende ABraPA-Arbeitstreffen, während dessen sich die jeweiligen Regionalpräsidenten versammeln, bot immer erneut eine gute Gelegenheit dazu. Anlässlich eines dieser Treffen wurde ich 2008 von meinen Kolleg(inn)en Verbandspräsidentinnen und –präsidenten darum gebeten, zu überlegen, für den Posten des ABraPA-Präsidenten mit einem Vorstandsteam aus Minas Gerais zu kandidieren. In seiner 20-jährigen Existenz könnte 5 dann der Dachverband zum ersten Mal seinen Sitz in Minas Gerais haben. Ich war noch sehr unsicher und hätte viel lieber noch drei Jahre gewartet, als im April 2009 – im Vorfeld der Wahlen im August – die damalige ABraPA-Vizepräsidentin, Izabela Kestler, mit der ich seit 2007 im Redaktionsausschuss der brasilianischen Zeitschrift der Deutschlehrer/-innen Projekt eng zusammenarbeitete, mir sagte, dass sie sich sehr darüber freuen würde, wenn ich der nächste Präsident wäre, und dabei zu erklären versuchte, wie wichtig dies für unsere Region wäre. Sehr erfreut, dennoch voller Fragen, versprach ich zu überlegen. Etwa einen Monat nach dieser Unterredung verlor Izabela bei einem dramatischen Flugzeugunglück auf dem Weg zu einer Konferenz nach Europa ihr Leben. Der Schmerz war groß, doch meine Entscheidung konnte nicht mehr anders ausfallen. Wir bildeten ein 5-köpfiges Team in Minas Gerais und im August 2009 wurde ich für eine 3-jährige Amtszeit zum ABraPA-Präsidenten gewählt. Als ABraPA-Präsident war ich viel unterwegs in

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Brasilien, sei es bei Tagungen der Regionalverbände, bei den Sitzungen im Netzwerk-Deutsch oder bei Gesprächen mit Regionalvorständen. Eine wichtige Maßnahme, die von uns damals ergriffen wurde, betraf eine Unterschriftenaktion für die Einführung des Deutschen als Wahlsprache neben Englisch und Spanisch ins ENEM, eine nationale Vergleichsprüfung für die brasilianische Oberstufe, die den Zugang zu einem Universitätsstudium ermöglicht. Gut 3000 Unterschriften wurden brasilienweit gesammelt und an das brasilianische Bildungsministerium geschickt. Die Aktion wurde – zumindest noch theoretisch – erfolgreich, denn die Gemeinschaft der brasilianischen Deutschlehrenden wurde wahrgenommen und der Prozess zur Einbeziehung anderer Fremdsprachen neben Deutsch ist im Gang. Die größte Herausforderung aber bildete für mich die Organisation des 8. Brasilianischen Deutschlehrerkongresses, der im Juli 2011 in Belo Horizonte stattfand. Die Vorbereitungen und Sitzungen fingen schon eineinhalb Jahre vor Kongressbeginn an und führten dank der unentbehrlichen Unterstützung der Mittlerorganisationen hierzulande, allen voran des GoetheInstituts, und des persönlichen Engagements meines Vorgängers im ABraPA-Vorstand, Fernando Gil de Andrade, zur erfolgreichen Durchführung des Kongresses mit knapp 500 Teilnehmern aus dem In- und Ausland. Als ABraPA-Präsident hatte ich auch direkten Kontakt zum IDV und dessen Aktivitäten. 2005 war ich zum ersten Mal in Graz auf einer IDT gewesen, doch meine Teilnahme beschränkte sich auf die Arbeit in der Sektion, die ich besuchte. Von der Größe der Veranstaltung her konnte ich allerdings bereits erkennen, was der IDV in diesem Bereich leisten kann. 2009 habe ich an einem DACH-Seminar teilgenommen und anschließend an der IDT in Jena, wo ich das erste Mal als 2. Vertreter meines Landes eine Vertreterversammlung miterleben und die Mitglieder des neu gewählten IDV-Vorstands kennen lernen durfte. Gleich danach begann ebenfalls meine Amtszeit im ABraPA-Vorstand. Als dann im September 2011 der damalige Schrift6 leiter des IDV, Marco Aurelio Schaumloeffel, anlässlich eines Delegiertenseminars im Rahmen der 1. Andiner Deutschlehrertagung in Quito ankündigte, dass er nicht mehr für diesen Posten im IDV kandidieren könnte, haben wir, Präsidentinnen und Präsidenten von dort anwesenden lateinamerikanischen Verbänden, die Möglichkeit in Betracht gezogen, uns auf einen Namen für den vakanten Posten des Schriftleiters zu einigen. Für unsere Region war dies von großer Bedeutung. Im Februar 2012 las ich in der Ausgabe 44 von IDV-Aktuell, dass der IDV-Vorstand nach einer Person suchte, „die bereit wäre, die IDV-Leitseite kritisch zu sichten und gemeinsam mit dem Vorstand kritisch zu bearbeiten“. Ich erklärte mich bereit, dies zu tun und in der Folge prüfte ich quasi alles, was auf der IDV-Leitseite stand und lieferte einen entsprechenden Bericht. Diese Aufgabe gewährte mir einen genaueren Einblick in die Arbeit des IDV und ermutigte mich innerlich, meinen Kolleginnen und Kollegen in Lateinamerika meinen Namen als möglichen Kandidaten für die bevorstehenden IDV-Wahlen zur Verfügung zu stellen, was einstimmig gutgeheißen wurde. Die erfolgte gelungene Wahl 2013 in Bozen war für mich dann die Krönung meines langjährigen Engagements im Verband. Nach gut einem Jahr im IDV-Vorstand kann ich behaupten, dass das Amt des Schriftleiters nicht das einfachste ist. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht am Computer sitze und für den IDV etwas erledige, kein Wochenende, das ich nicht intensiv der Arbeit im IDV widme. Trotzdem – oder gerade deswegen – freue ich mich immer wieder darüber, dass ich diesen Weg gegangen bin und einen kleinen Beitrag zur Optimierung der Zusammenarbeit mit den DL-Verbänden weltweit leisten kann. Vor allem aber bin ich allen sehr dankbar, die mich auf diesem Weg unterstützend begleiten und meine Arbeit mit Lobesworten, Kritiken, Kommentaren und der Bereitschaft, mir weiterzuhelfen, sehr bereichern.

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Ein Projekt und eine Videokonferenz: Eine Erfolgsgeschichte des Deutschlehrerverbands in Rostow-am-Don (Russland) ROLF-RAINER LAMPRECHT | Potsdam GERALDO DE CARVALHO | IDV AMIR IZMAYLOV | Inguschetien as Projekt „Mit Deutsch durch die Welt“, das von der Regionalen Assoziation der Deutschlehrer „LORELEY“ anlässlich des Deutschlandjahres in Russland 2012-2013 initiiert worden ist, ist eine hervorragende Iniative nicht nur für die Studierenden der beteiligten Universitäten – der Südlichen Föderalen Universität Rostow-am-Don, der Staatlichen Inguschischen Universität in Magas, der Staatlichen Nordossetischen Universität in Vladikavkaz – sondern auch für Dozenten und Studierende weltweit, u.a. der Belarussischen Staatlichen Universität, deren Studentinnen unter der Leitung von Dr. Ekaterina Kasankowa Aufsätze gepostet haben. Mit dem Motto „Mit Deutsch durch die Welt“ hat das Projekt als Hauptziel, die linguistische sowie interkulturelle Kompetenz zu fördern und damit einen Austausch zwischen den am Projekt teilnehmenden Studierenden einerseits und Studierenden und Lehrenden anderer Länder und Regionen andererseits anzuregen. Als Ausgangspunkt für die interaktive, interkulturelle Kommunikation dienen u.a. Essays, Aufsätze, Gedichte, wissenschaftliche Arbeiten, Gedicht- und Prosaübersetzungen ins Deutsche, die von den am Projekt Teilnehmenden verfasst werden. Das Projekt, das im April 2013 angelaufen ist, schloss seine zweite Etappe mit einer erfolgreichen Videokonferenz am 31. März 2014 ab. Mit einer ursprünglichen Dauer bis Mai 2014 geplant, wird das Projekt bis Dezember 2014 fortgesetzt. Die auf der Webseite des Projekts dargebotenen Arbeiten zeugen von großer kultureller Vielfalt. Diese Tatsache bildet gerade die Grundlage für 7 das Interesse an einer Teilnahme am Projekt. Der Dialog mit den Autor(inn)en wird vom Expertenteam angeregt, das inhaltsreiche Kommentare liefert und interessante Fragen zum Inhalt der Arbeiten aufwirft. Die interkulturellen Besonderheiten, die in den Arbeiten zum Ausdruck kommen und mittels der deutschen Sprache vermittelt werden, tragen zum großen Erfolg der Projektziele bei. Die Studentinnen und Studenten der beteiligten Universitäten lieferten zahlreiche Beiträge, unter denen die dichterische Kunst der inguschischen Studentin Tanzila Dolgieva hervorzuheben ist. Tanzila schreibt ihre Gedichte sowohl auf Deutsch als auch auf Russisch oder Inguschisch. Ihre literarische Begabung und Feinfühligkeit in der Fremdsprache kann auf der Webseite des Projekts unter http://interkultur2013.sfedu.ru/ bewundert werden. Ein besonderes Augenmerk soll in zweierlei Hinsicht ebenfalls auf die Übersetzungsarbeiten gerichtet werden. Anhand der qualitativ hervorragenden Leistungen der Studierenden wird ein schwieriger, schmerzhafter Lebensabschnitt des tschetschenischen und inguschischen Volkes dargestellt, der nun dank des Projekts viele Personen weltweit erreicht und tief berührt. Zugleich wird der ganzen Welt der Name von Isa Kodzoev, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten im gesellschaftlichen Leben Inguschetiens, bekannt gemacht sowie das Interesse für seine Werke geweckt. Dazu ausführlicher Amir Izmaylov, Student im 4. Studienjahr an der Inguschischen Staatlichen Universität:

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Von oben links im Uhrzeigersinn: Inguschetien — Geraldo de Carvalho — Rostow — Swetlana Kolosskova — Nordossetien — Rolf Lamprecht „Der Hauptgrund für uns, am Projekt ‚Mit deutsch durch die Welt‘ teilzunehmen, war es, zu zeigen, dass es auch in Inguschetien, der kleinsten und jüngsten Republik der russischen Föderation, Studenten gibt, die die deutsche Sprache auf einem relativ hohem Niveau beherrschen, gleichzeitig aber auch unsere Geschichte, Kultur und Traditionen anderen näher zu bringen. Für unsere Übersetzungen haben wir uns für den inguschischen Schriftsteller Isa Kodzoev entschieden, weil alles oben Erwähnte in seinen Texten wiederzufinden ist und das in verhältnismäßig kurzen Texten. Meiner Meinung nach ist das Wichtigste bei einer Übersetzung, das Gefühl und die Absichten des Autors in einer anderen Sprache wiederzugeben. Und nach der Reaktion der Experten zu urteilen, ist es uns gelungen. Was mich angeht, bin ich froh, dass wir die Möglichkeit haben, an solchen Projekten mitzuarbeiten. Das Übersetzen hat mir großen Spaß gemacht, ich werde auch in Zukunft weiterhin übersetzen. Wir haben noch viele andere Autoren, deren Werke ich mit Freude übersetzen werde“. 8 Aus all den erwähnten Gründen begrüßt der IDV diese tatkräftige Initiative und unterstützt das Projekt durch den persönlichen Einsatz seines Schriftleiters als Außenexperten für eine erfolgreiche Realisierung der Projektziele, die bereits konsequent umgesetzt worden sind und Anerkennung finden. Vorbildfunktion hat die bereits erwähnte Videokonferenz, die am 31.03.2014 als simultanes Multipoint-Treffen durchgeführt wurde. Sie vereinigte unter Leitung von Frau Prof. KolosskovaBiyatenko, die von ihrem häuslichen Arbeitszimmer in Rostow-am-Don zugeschaltet war, Studierende der Universitäten in Rostow-am-Don (unter der Leitung von Prof. Anna Lenetz, Prof. Alexander Noranovitsch, und Dr. Ludmila Vinitschenko), Magas (unter der Leitung von Dr. Aza Ljanova) und Vladikavkaz (unter der Leitung von Prof. Dr. Dshanetta Mursabekowna Drejewa) in den entsprechenden Videokonferenz-Räumen

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Kulturprogramm — Die Rostower Studentin singt. ihrer Einrichtung, sowie die externen Experten Dr. Geraldo de Carvalho in Juiz de Fora (Brasilien) und Dr. Rolf-Rainer Lamprecht in Potsdam (Deutschland) an ihren Dienst- bzw. Wohnorten. Schon allein das Erlebnis während des Studiums an einer Videokonferenz teilzunehmen, war für viele Beteiligte von hoher emotionaler Wirkung, zumal eine solche Konferenzteilnahme für sie das erste Mal war. Prägende Eindrücke waren dabei sicherlich, dass - Personen, die sich an weit voneinander entfernten Orten der Welt mit entsprechenden Zeitverschiebungen befanden, sich "live" treffen, einander kennen lernen und sich miteinander verständigen konnten; - ein Einblick in die künstlerische und wissenschaftliche Betätigung an den jeweils anderen Einrichtungen gewährt wurde; - die Einschätzungen der Außenexperten zu den Projektergebnissen und zum Projektverlauf alle Teilnehmer gleichzeitig erreichten; - das Medium direkte Diskussionen sowohl der Studierenden als auch der Lehrenden erlaubte, die u.a. zur Fortführung des Projekts dienen können. Immanent war diesem Treffen auch, dass die Beteiligten vielfältige Vergleiche anstellen 9 konnten, ohne dass diese offen ausgesprochen oder weiter thematisiert wurden. Sie betreffen erfahrungsgemäß die Einschätzung des sprachlichen Könnens der Studierenden an anderen Universitäten, ihr sprachliches Verhalten, ihr Auftreten vor vielen Menschen, dazu noch vor der Kamera, ihre Sicherheit oder auch Unsicherheit, sich in der Fremdsprache zu äußern, die Originalität von Antworten, initiierten Themen sowie scheinbar fachfremde Dinge, wie die Art zu kleiden, zu sprechen, Meinungen zu äußern u.a.m. Nicht vergessen sollte man auch, dass nicht nur Studierende, sondern auch die anderen Personen, die an der Videokonferenz beteiligt waren, Vergleiche angestellt haben und Gegenstand von Vergleichen waren. Bezogen auf Studierende und Lehrende, sollte man sie nicht gering schätzen, sind sie doch wesentlich an der Generierung und Präzisierung der Motivation bei den Studierenden beteiligt, sie können darüber hinaus aber auch zur Aktualisierung der Lehre sowie zur Entwicklung didaktischer Konzepte im universitären Lern-Lehr -Prozess genutzt werden. Schließlich sollte man bei der Würdigung der Vorbildwirkung der durchgeführten Videokonferenz hervorheben, dass ihre Durchführung

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband und technische wie auch inhaltliche Dokumentation für die Universitäten in Rostow-am-Don, Magas und Vladikavkaz insgesamt ein Referenzobjekt bildet, d.h. zum einen anderen Fakultäten und Zentren Erfahrungen zur inhaltlichen Gestaltung und zu technisch-organisatorischen Rahmenbedingungen vermittelt. Zum anderen hat die Bereitstellung der technischen Basis, die Sicherung ihrer Funktionsfähigkeit, insbesondere der störungsfreien Verbindungen zu den insgesamt sieben (!) in- und ausländischen Konferenzpartnern für die IT-Spezialisten an der Südlichen Föderalen Universität Erfahrungen erbracht, die in weiteren Projekten genutzt werden können. Dies betrifft nicht nur die Vorbereitungsphase solcher Konferenzen, in der eine Reihe von Tests durchzuführen sind, sondern auch die Realisierung: im vorliegenden Fall der Konferenz am 31.03.14, bei der über zwei Stunden hinweg eine optimale Bild-Ton -Qualität gewährleistet wurde. Es ist zu wünschen, dass sich die vorliegenden Projektergebnisse in anderer Form verstetigen lassen, z.B. durch die Einrichtung von geschlossenen oder offenen Foren, in denen Übersetzungsvarianten besprochen oder aktuelle politische, wirtschaftliche und weitere gesellschaftlich interessierende Fragen diskutiert werden können. Zu überlegen wäre aus unserer Sicht auch, ob die an den beteiligten Universitäten eingeführten akademischen Lern-Lehr-Formen (Vorlesung, Seminar, Übung u.a.) "virtualisiert" werden können, d.h. auf der Grundlage von eLearningSzenarien videogestützte Kollaborationsformen erarbeitet und realisiert werden sollten. Denkbar ist auch, unter Nutzung eines Lernmanagementsystems gemeinsame Lehrveranstaltungen und Projekte der russischen Deutschlerner/innen oder auch mit deutschen DaF/DaZ-Studierenden durchzuführen. Schließlich ist zu prüfen, ob für die Germanistik der beteiligten Universitäten die Ausarbeitung und Durchführung von MOOCs (Massive Open Online Courses), die Teilnehmer auf der ganzen Welt erreichen, nicht nur von Interesse, sondern auch von Nutzen sein kann. Mit großem Bedauern haben wir am 06. Juli 2014 vom Ableben der Leiterin des Projekts Frau Prof. Swetlana Kolosskova-Biyatenko Kenntnis genommen. Sie beschäftigte sich gerade mit dem Beitrag für das IDV-Magazin, als ihre hervorragende Tatkraft und ihr unermüdliches Engagement im Deutschlehrerverband Loreley unterbrochen wurden. In memoriam ihrer letzten Leistung, der Videokonferenz vom 31.03.2014, die im Bereich Verbandsarbeit einen wichtigen Meilenstein setzte, entschlossen wir uns zum Verfassen des vorliegenden Beitrags, den wir ihr nun in Würdigung ihrer Arbeit widmen. Swetlana Kolosskova 10

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Die Unterstützung von Sprachlehrenden weltweit: ein Überblick über die Aktivitäten des FIPLV TERRY LAMB | PRÄSIDENT DES FIPLV ie Beziehungen zwischen dem IDV und dem FIPLV (Fédération Internationale des Professeurs de Langues Vivantes – so genannt, weil der Verband 1931 in Paris gegründet wurde) entwickeln sich immer weiter und stärker. Persönlich freue ich mich sehr darüber, nicht nur weil meine Tochter Halb-Österreicherin und also zweisprachig ist, sondern auch weil ich selbst Deutsch (neben Französisch) an der Universität studierte und knapp zwei Jahrzehnte lang Deutsch an Sekundarschulen unterrichtete, bevor ich eine Stelle für Aus- und Weiterbildung von Sprachenlehrkräften an der University of Sheffield übernahm. Daher würde ich gern diese Gelegenheit wahrnehmen, Ihnen einen kurzen Überblick über die Aktivitäten des FIPLV und die Partnerschaft mit dem IDV zu verschaffen. Weitere, ausführlichere Informationen können Sie auf unserer neu entwickelten Webseite www.fiplv.com erhalten. Der FIPLV bildet die einzige globale multilinguale Organisation, die die Interessen von Fremdsprachenlehrenden weltweit vertritt. Unsere Mitglieder sind meist nationale mehrsprachige Fremdsprachenlehrerverbände und internationale Verbände für monolinguale Fremdsprachenlehrerverbände (am Beispiel des IDV) in der ganzen Welt. Der FIPLV wurde vor mehr als 80 Jahren mit dem Ziel gegründet, eine positive Einstellung gegenüber allen Sprachen sowie die Mehrsprachigkeit und positive interkulturelle Beziehungen zu fördern. Somit erlangte der FIPLV zusammen mit UNESCO und dem Europarat NRO-Status. Im Mittelpunkt steht unsere Überzeugung, dass Mehrsprachigkeit und Sprachenlernen von der Zusammenarbeit zwischen Lehrenden verschiedener Sprachen profitiert und wir tun unser Bestes, um den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit unter unseren 11 Mitgliedsverbänden und deren Mitgliedern zu erleichtern. Deutschlehrer/innen, die einem Mitgliedsverband des IDV angehören, sind automatisch auch Mitglied beim FIPLV. Auf diese Weise können sie von Kontakten mit anderen Fremdsprachenlehrenden weltweit profitieren und so die Möglichkeit nutzen, sich über das Lehren von Fremdsprachen auszutauschen. Weitere Vorteile für unsere Mitglieder sind reduzierte Gebühren bei Veranstaltungen wie unseren Weltkongressen und freier Eintritt zu Aktivitäten, die von unseren strategischen Partnern wie EXPOLINGUA Berlin (21.-22. November 2014) organisiert werden. Der Wunsch, auf globaler Ebene zusammenzuarbeiten, lässt die Zahl unserer Mitglieder steigen; jüngste Mitglieder sind ACTFL (USA), BETA (Bulgarien) und ASOCOPI (Kolumbien). Wir freuen uns sehr auf unseren nächsten Weltkongress für Moderne Sprachen (Collaborating across Languages and Borders), der vom 26. bis zum 28. März 2015 in Niagara Falls/Kanada stattfinden wird und sind unseren Mitgliedsverbänden CASLT (The Canadian Association of Second Language Teachers) und OMLTA (The Ontario Modern Language Teachers‘ Association) für ihre Bereitschaft dankbar, den World Congress in Kanada auszurichten. Die Veranstaltung an einem Ort mit Blick auf die Wasserfälle verspricht viel Erfolg. Die Themen sind: Lehren und Bewertung; Technologie und Soziale Medien; Autonomie und Motivation; Indigene Sprachen; Curricula und Kulturen. Der IDV spielt eine aktive Rolle bei dieser Veranstaltung, indem er eine deutschsprachige Sektion während der gesamten Konferenz betreut. Ich hoffe, einige IDVMitglieder beim Kongress begrüßen zu dürfen!

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband deren Verbänden zu entwickeln (siehe lacs.ecml.at). Dieses Projekt wurde zunächst mit dem IDV (im Organisationsteam durch seine Präsidentin Marianne Hepp vertreten) entwickelt, in der ersten Phase wurde das Handbuch für Sprachlehrerverbände herausgegeben, zu dem mehrere IDV-Mitglieder beigetragen haben. Wir arbeiten gegenwärtig an einem internationalen Verzeichnis der Sprachorganisationen, beginnend mit Europa und Nordamerika, das sich hoffentlich durch die Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern über andere Länder erstrecken wird. Wir arbeiten auch gerade an Leitlinien, die ECML-Projekte an lokale Begebenheiten als Teil des Projekts anpassen können. Abschließend möchte ich Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen dazu einladen, unsere Webseite (www.fiplv.com) zu besuchen und ggf. uns auf Twitter zu folgen (@FIPLV). Wir wollen weiterhin den Gebrauch von neuen Technologien entwickeln, um die Kommunikation über Sprachen und Länder hinweg zu fördern und in diesem Sinne OnlineForen und Webinars zu planen. Sollten Sie den Wunsch haben, sich daran zu beteiligen, oder weitere Ideen für eine produktive Zusammenarbeit haben, können Sie sich an mich wenden (T.Lamb@sheffield.ac.uk). Zudem möchte ich hin zufügen, dass der gesamte FIPLV-Vorstand eine ehrenamtliche Tätigkeit ausübt; wir sind alle freiwillig Engagierte, die voll berufstätig sind, aber mit dem Kompromiss, unsere Mitgliedsverbände und deren Mitglieder tatkräftig zu unterstützen. Wir wissen, dass Sprachlehrerverbände durch die Unterstützung von Freiwilligen, die das Sprachenlernen fördern, weltweit gedeihen, weil wir die Sprachvermittlung lieben und Wert darauf legen. Aus diesem Grund bedankt sich der FIPLV bei Ihnen allen. Der FIPLV ist in zahlreichen weiteren Projekten aktiv. Letztes Jahr haben wir das Projekt namens „Why Languages Matter!“ in Sheffield (whylanguagesmatter.org) initiiert und planen seine Erweiterung hin zu unseren Mitgliedsverbänden als eine Möglichkeit der Förderung des Sprachenlernens und des Verständnisses der Beweggründe dafür in verschiedenen Ländern. Wir führen auch ein Projekt des Europäischen Fremdsprachenzentrums (European Centre for Modern Languages/ECML), Teil des Europarats, mit dem Titel LACS (Language Associations and Collaborative Support) durch, dessen Aufgabe es ist, Instrumente für die Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen Sprachlehrenden und 12

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband 13

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband IDV-Delegiertenseminar bei der FAGE-Regionaltagung in Sevilla MARIANNE HEPP | PRÄSIDENTIN DES IDV SIMONE AUF DER MAUR-TOMÉ | PORTUGAL m 11. September 2013 fand in Sevilla ein IDV-gefördertes Delegiertenseminar statt. Es handelte sich dabei um eine Zusammenkunft von Vertretern und Vertreterinnen der Deutschlehrerverbände aus der Region Westliches Mittelmeer. Das Delegiertenseminar wurde im Rahmen der VIII. Internationalen FAGE-Tagung abgehalten, die vom 12.-14. Sept. 2013 in den Räumlichkeiten der Philologischen Fakultät der Universität Sevilla, bekannt als die historische Tabakfabrik in der Altstadt, und der Fakultät der Universität Pablo de Olavide durchgeführt wurde. Die FAGE (Federación de Asociaciones de Germanistas y Profesores de Alemán en España) ist der Dachverband der Germanisten- und Deutschlehrerverbände in Spanien und einer der gegenwärtig 104 Mitgliedsverbände des IDV. Das Leitmotiv der Tagung „Krise und Kreation“ vermochte fast vierhundert Kolleginnen und Kollegen aus Spanien, Portugal, Nordafrika und Mitteleuropa anzuziehen. Die wissenschaftliche und pädagogische Reflexion kreiste dabei um die in Spanien und überhaupt im Mittelmeerraum zunehmend wahrgenommene ‚Neo-Migrations-welle‘ mit einer sprunghaft angest iegenen Nachfrage nach Deutsch als Fremdsprache. Christoph Ehlers, langjähriger Vorsitzender der FAGE und Mitglied im wissenschaftlichen Komitee der Tagung, organisierte und beantragte das begleitende IDV-Delegiertenseminar, dessen Leitung vor Ort von der IDVPräsidentin wahrgenommen wurde. Das Ziel des Delegiertenseminars lag vor allem darin, gemeinsam über die aktuelle Lage des Deutschen in den ver14 schiedenen beteiligten Ländern zu reflektieren, die derzeitige Ausgangssituation und damit verbundene wesentliche Anliegen zu identifizieren, um daraus mögliche Handlungsschritte für die Deutschlehrerverbände und für die Gruppe des Delegiertenseminars abzuleiten. Es nahmen sechs Verbandsvertreter/innen aus der Region Westliches Mittelmeer am Seminar teil: Christoph Ehlers (Dachverband der Germanistenverbände in Spanien – FAGE), Fatma Dahias (Oraner Deutschlehrerverband – ODV), Larbi A. Ben Brahim (Marokkanischer Deutschlehrerverband – AMPA), Maike Bouassida (Tunesischer Germanisten- und Deutschlehrerverband – TGDV), Simone Auf der Maur Tomé (in Vertretung von Carolina Machado,

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Portugiesischer Deutschlehrerverband – APPA), Marianne Hepp (IDV und Associazione Italiana di Germanistica/AIG). Die inhaltlichen Schwerpunkte des Seminars waren a) eine Bestandsaufnahme der Situation der Deutschvermittlung in den jeweiligen Ländern der teilnehmenden Verbände, b) eine Reflexion über die Konsequenzen der steigenden Anfrage nach fachsprachlichen Inhalten für die Deutschvermittlung und c) eine konkrete Planung der Fortsetzung der Arbeit durch eine Präsentation der Ergebnisse und Reflexion in größerem Rahmen auf den Tagungen der Verbände. Zu a) wurde übereinstimmend festgestellt, dass die Deutschlernendenzahlen seit einigen Jahren überall kontinuierlich ansteigen, was jedoch vor allem für den Erwachsenenbereich und den sogenannten freien Unterrichtsmarkt gilt. Hier lässt derzeit in erster Linie die neue Auswanderungswelle in die deutschsprachigen Länder, verursacht durch wirtschaftliche Faktoren, eine Nachfrage nach fachsprachlichen Deutschkursen in die Höhe schnellen. Gleichzeitig wurde übereinstimmend beklagt, dass es zu wenige Möglichkeiten gibt, Deutsch von früh 15 auf zu lernen. Als großes Problem in allen beteiligten Ländern wurde vermerkt, dass die institutionell-schulische Ebene die wachsende Nachfrage nach Deutschunterricht nicht gebührend wahrnimmt. Oft wird aus falschen Sparmaßnahmen nur eine Fremdsprache gefördert, statt nach den europäischen Empfehlungen eine zweite, besser noch eine dritte Fremdsprache in den Schullehrplänen zu verankern. Zu b) Die steigende Anfrage nach fachsprachlichen Inhalten im Deutschunterricht hat maßgeblich mit dem gegenwärtigen Trend zu tun, dass sich viele Jungakademiker, besonders aus den Bereichen Medizin, Krankenpflege, Wirtschaft und Technologie, gezwungen sehen, als Ausweg aus der Krise in einem deutschsprachigen Land nach neuen beruflichen Perspektiven zu suchen und dazu über solide Kenntnisse in der jeweiligen Fachsprache verfügen müssen. Mit einer Reflexion über diese Ausgangslage und die entsprechend bildungspolitisch notwendigen Maßnahmen ging das Delegiertenseminar zudem auf das Thema der FAGE-Tagung „Krise und Kreation“ ein, insbe sondere in Vorbereitung auf die abschließende Podiumsdiskussion zum Thema.

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