Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten Ausgabe 04/2014

 

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Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten Ausgabe 04/2014

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Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten August 2014 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten • 4/14 Neues EU-Gesetz für Hubschrauber­ landeplätze Operieren in der ­Schwangerschaft Workshop: ­Wieviel O & U brauchen wir?

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Editorial Wertschätzung im Gesundheitswesen – von der Ökonomisierung verweht? Seit Jahren hören und lesen wir umfang­ reiche Klagen aus allen Bereichen des Ge­ sundheitswesens. „Jammern auf hohem Niveau“ im „besten Gesundheitswesen der Welt“ – oder doch Ausdruck realer Probleme, deren Komplexizität sich nur kaum öffentlich darstellen lassen? Wer diesen Fragen auf den Grund gehen will, braucht umfangreiche Kenntnisse, einen unbestechlichen Geist, aber eben auch „Ressourcen von nicht eigeninteres­ sierter Seite“. Vielleicht liegt genau hier das größte Dilemma. Alle Äußerungen zu Fragen der Qualität und Quantität medizi­ nischer Leistungen in Deutschland schei­ nen interessengetrieben zu sein. Aber wo wächst die Wurzel des Übels? Und gelan­ gen nicht alle gesellschaftlichen Themen interessengetrieben in die Medien? Nach sorgfältiger Betrachtung zeigt sich im Gesundheitswesen noch etwas ande­ res. Wurde die Gesundheit des Menschen über lange Zeit als höchstes Gut wahrge­ nommen, so ist sie seit den 90er Jahren zunehmend zum Wirtschaftsfaktor um­ firmiert worden. Nicht mehr die christ­ liche Nächstenliebe und die selbstaufop­ fernde Betreuung der Kranken prägen das Bild, sondern Vokabeln wie Gesundheits­ wirtschaft, Standortfaktor Gesundheit, Patienten als Kunden, Ärzte als Dienst­ leister, Deckungsbeiträge und Renditen dominieren in vielen Diskussionen. Darin könnte auch ein paralleler Prozess begründet sein, nämlich der Verlust der Wertschätzung gegenüber all denen, die im Gesundheitswesen früher allerhöchs­ te gesellschaftliche Anerkennung genos­ sen. Die „Leistungserbringer“ – noch so ein despektierlicher neuer Begriff – emp­ finden ihren Alltag extrem negativ. Nur noch sparen, dokumentieren und het­ zen. Egal, wie sehr sich jeder verausgabt, es reicht nie aus. Das nächste Budget ist noch knapper! Lob und Dank werden kaum mehr erlebt. Also was ist passiert? Gefühlt sind wir aus den lieblichen Klos­ teranlagen früher Hospitäler in die rat­ ternde, menschenfeindliche Umgebung einer Industrieanlage des Manchester Ka­ pitalismus versetzt worden. Sind die Pati­ enten zu Stücken und in ihrer Gesamtheit dann zu Stückzahlen einer Akkordpro­ duktionsstätte mutiert (worden)? Tatsache ist, dass die Diskussion über die tarifliche Bezahlung von Mitarbeitern in Pflege und Ärzteschaft erst nach dem 2. Weltkrieg begann. Ich habe in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts noch die auf der Station wohnende, immer präsen­ te Ordensschwester erlebt. Ihre religiöse Bindung bestimmte ihr Tun. Leben und Sterben waren in ihren Augen in den fes­ ten Hierarchien von Gott, Chefarzt, Ober­ arzt und den „Anderen“ verankert. Krank­ heit war Schicksal, nicht Wertschöp­ fungsfaktor einer Gesundheitsindustrie. Spagat zwischen Anspruch und ­Wirklichkeit Derart verklärte Erinnerungen prägen bis heute viele Menschen und bedingen einen Teil der unüberwindbaren Gräben in den Diskussionen zum Gesundheits­ wesen. ■■ Patienten wollen höchste Aufmerk­ samkeit, Betreuung, Zuwendung und im besten Fall: Heilung. ■■ Steuerzahler, Arbeitgeber und Fi­ nanzpolitiker fordern niedrige Kos­ ten und sehen das Allheilmittel in der Transparenz, dem Controlling, der Privatisierung und Ökonomisie­ rung von Kliniken und Praxen. ■■ Arbeitskräfte im Gesundheitswesen fordern menschenwürdige, familien­ gerechte, gut bezahlte Arbeitsplätze. Egal, welche Berufsgruppe in Umfragen betrachtet wird, sie fordert Freizeit, sinn­ volle Arbeitsinhalte und gute Bezahlung. Wir Orthopäden und Unfallchirurgen er­ leben einen täglichen Spagat – einerseits die Anforderungen der Notfallpatienten, immer unplanbar, selten frisch geduscht, aber freundlich zugewandt, und das zu ungeliebten Zeiten; andererseits die an­ spruchsvolle, im Wettbewerb zu attrak­ tiven Kliniken zu erbringende Elektivchi­ rurgie. Prof. Dr. Almut Tempka, Leiterin des DGOU-­ Ausschusses für Bildung und Nachwuchs Nicht nur sind die Patienten in ihren rea­ len Bedürfnissen und ihrem Anspruchs­ verhalten sehr unterschiedlich, auch die daran interessierten Mitarbeitertypen sind sehr verschieden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Arbeit zu unge­ liebter Zeit derzeit für niemanden ad­ äquat vergütet wird, also in jeder Hin­ sicht unattraktiv ist. Schlimmer noch, für die Kliniken finden sich die „cash cows“ vorrangig in der gut plan- und steuerba­ ren Chirurgie. Diese tägliche Zerreißpro­ be ließe sich nur durch ein konsequentes Umsteuern in der Entgeltsystematik ab­ mildern. Die Vorhaltung und Durchfüh­ rung der Notfallmedizin sowie die Ver­ sorgung komplex erkrankter Menschen mit all ihren Facetten muss wesentlich besser bezahlt werden. Erst dann wird die Daseinsfürsorge im besten Sinne für Klinikträger interessant. Investitionen in Personal und Vorhaltung von interdiszip­ linären Spezialbereichen auch außerhalb der regulären Dienstzeiten ergäben wie­ der Sinn. Nicht nur die Bundeswehr braucht at­ traktive Arbeitsplätze, um konkurrenz­ fähig zu bleiben. Auch die Kliniken und Praxen sind dieser Konkurrenz ausge­ setzt. Aus- und Weiterbildung von Nach­ wuchs können nur gelingen, wenn die angebotenen Berufe auch als attraktiv wahrgenommen werden. Sonst wendet Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014 357

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Editorial sich die Jugend den Start-ups mit flexi­ blen Arbeitszeiten sowie Obst, Wasser, Kaffee und Billard im Aufenthaltsraum und sicher nicht der Notaufnahme, dem Schockraum oder den multimodalen Therapien der konservativen Orthopädie und Unfallchirurgie zu. Was muss geschehen? Notwendig ist eine öffentliche Diskussion über gesamtgesellschaftlich gewünschte und dann auch zu finanzierende Aufgaben des Gesundheitswesens. Wenn Patienten wieder vorrangig als kranke Menschen wahrgenommen und behandelt werden sollen, dann dürfen Vergütungssysteme nicht sektoral um die höchsten Einspar­ potenziale konkurrieren müssen und nahezu ausschließlich Anreize zur „Pro­ zedurenerbringung“ setzen. Stattdessen müssen sie Zeiten und Aufwände hono­ rieren, in denen die Mitarbeiter sich mit den Kranken befassen, ihnen zuhören, sie wiederholt körperlich untersuchen oder behandeln, Wirkungen von Medikamen­ ten, Physiotherapien und allen anderen getroffenen Maßnahmen auf die geklagte Symptomatik beurteilen und dies auch interdisziplinär und interprofessionell beraten und evaluieren – natürlich auch mit dem Ergebnis, dass eine geplante Pro­ zedur, egal ob Herzkatheder oder Wirbel­ säulenoperation, eben nicht durchgeführt wird! Daraus kann für alle Beteiligten ein neues Maß an Berufszufriedenheit resul­ tieren und für die Patienten endlich wie­ der das Gefühl, „angenommen“ und nicht „abgefertigt“ zu werden. Natürlich würde dies mehr Zeit und Per­ sonal kosten. Ob diese Form der Medi­ zin unter dem Strich volkswirtschaftlich teurer wäre, bliebe abzuwarten. Sicher bewiesen ist nur, dass die bisherige Ver­ dichtung und Industrialisierung im Ge­ sundheitswesen allenthalben hör- und lesbar nicht zu Kosteneinsparungen, ge­ schweige denn zu subjektiv empfunde­ nen oder objektiv messbaren Verbesse­ rungen in der Medizin geführt hat. Wie im Streit um die Atomkraft bedarf es hier eines Neuanfanges – der sicher nicht we­ niger konfliktträchtig ist –, aber sollten wir alle uns den Versuch nicht wert sein? Nicht weniger als genau dies bedeu­ tet WERTSCHÄTZUNG! Wir sind es uns wert, nach dem besten möglichen Um­ gang mit den Bürgern zu streben – egal ob als Steuer-/Beitragszahler, Mitarbeiter oder Patient! Prof. Dr. Almut Tempka 358 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014

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Editorial Wertschätzung im Gesundheits­ wesen – von der Ökonomisierung ­verweht? 357 E F O R T- Kon g re s s Europäischer Kongress in London EC TE S 388 Neues in der Traumaversorgung O T W or l d 2 0 1 4 390 Impressum Nachrichten 362 Erfolgreiche Kooperation von Medizin und Handwerk G O T S J a h re s kon g re s s 392 Wissenschaft und Profifußball 394 374 Operieren in der Schwanger­ schaft: Das Positionspapier, an dem das Junge Forum OU derzeit arbeitet, soll Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber enthalten, damit sie sich nicht länger gezwungen sehen, schwangeren Chirurginnen den Zutritt zum OP zu verwehren. Kurz und bündig So fördert die deutsche ­Hochschul­medizin ihren ­wissenschaftlichen Nachwuchs Operieren während der Schwangerschaft: Chirurginnen gewinnen Preis 364 Recht Wa h l ä r z t l i c h e Le i s tun g en 364 Chefarztbehandlung bei bewusstlosen und Notfallpatienten 396 Durc h s uc h un g d er Ar z t p r a x i s 365 Wenn der Staatsanwalt klingelt … 400 M i n d erun g d er E rwer b s tät i g ke i t Symposium in Kassel: Gestern, Heute und Morgen in O & U 366 Exklusiv für DGOU-Mitglieder: e.Med Abo abschließen und 100 Euro sparen Reform der MdE-Tabellen der GUV 401 366 Namen Personalia Wir gratulieren . . . He i ne - He s s i n g - M e d a i l l en Aus unserem Fach 408 409 378 Wieviel O & U brauchen wir: Dieser Frage gingen Vertreter der Fachgesellschaften und des Berufsverbandes bei einem Workshop nach, der Ende Juni im Tiergarten-Tower stattfand. E uro pa O & U in Europa: EFORT, ESTES, UEMS und andere…. Inter v i ew 368 „Fast wie bei der Grammy-Verleihung“ 410 Die Zukunft der Chirurgie in Europa Po s i t i on s pa p i er S p orta r z t d e s J a h re s 2 0 1 4 370 Im Einsatz für die Leichtathleten 411 Operieren in der Schwangerschaft 374 Inter v i ew Für Sie gelesen Für unsere Mitglieder Kursangebote OU Medizin und Markt 448 Mit Babybauch im OP W ork s h o p Be d a rf s a n a ly s e 376 Wieviel O & U brauchen wir? Inter v i ew 378 450 458 Qualität statt Quantität 381 384 360 Hu b s c h r a u b er l a n d e p l ät z e Neue EU-Regeln für Hubschrauberlandeplätze: Nicht wenige Krankenhäuser befürchten, dass sie deswegen nicht mehr länger von Rettungshubschraubern angeflogen werden dürfen. EU regelt Luftverkehrsgesetz neu E n d o C ert 384 Abstimmung zwischen DGOOC und DGU erfolgreich 387 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014

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BVOU Notwendigkeit einer Unfall-Versicherung für Ärzte ­ Zeigt her Eure Füße Neue Mitglieder 413 414 416 DGOU Einladung zur Mitglieder­ versammlung 2014 der DGOU Zukunft von Orthopädie und Unfallchirurgie: Geschäftsführer ­verstärkt Fachgesellschaft Bericht 2014 der Gesellschaft für Extremitätenverlängerung und ­-rekonstruktion e.  V. Bericht 2014 der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie Bericht 2013 der IGOST Bericht 2013 / 2014 der Sektion Rehabilitation – Physikalische Therapie Bericht der Sektion für Grundlagenforschung Neue Mitglieder 418 DGOOC Einladung zur Mitglieder­ versammlung 2014 der DGOOC 430 419 DGOOC-Studentenstipendien 2014 sind vergeben 431 Kurse für Spezielle Orthopädische Chirurgie – Echo der Absolventen 435 Bericht der Vereinigung für Kinderorthopädie Neue Mitglieder 420 438 440 422 423 DGU Einladung zur Mitglieder­ versammlung der DG DGU fördert 2014 Forschung mit 200.000 Euro Bericht der Sektion Notfall-, Intensiv und Schwerstverletzten­ versorgung (NIS) Neue Mitglieder Die DGU trauert um ihre verstorbenen Mitglieder 442 425 427 428 444 445 447 447 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014 361

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Impressum Herausgeber Für den Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Präsident Dr. med. Andreas Gassen Für die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard Für die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann Schriftleitung DGOOC Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle DGOOC Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: funiethard@dgooc.de Schriftleitung BVOU Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle BVOU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 30 02 40 92 12 Fax: (0 30) 30 02 40 92 19 E-Mail: dreinhoefer@bvou.net Schriftleitung DGU Prof. Dr. Reinhard Hoffmann Joachim Arndt Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de Redaktion Jana Ehrhardt-Joswig Tel.: (0 30) 340 60 36 30 E-Mail: jana.ehrhardt@gmx.de Verlag Georg Thieme Verlag KG Dr. Grit Vollmer Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 630 Fax: (07 11) 89 31 408 E-Mail: grit.vollmer@thieme.de www.thieme.de/oumn www.thieme-connect.de/products/oumn Verantwortlich für den Anzeigenteil Christine Volpp, Thieme Media, Pharmedia Anzeigen- und Verlagsservice GmbH Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 603 Fax: (07 11) 89 31 470 E-Mail: christine.volpp@thieme.de Erscheinungsweise 6 x jährlich: Februar/April/Juni/August/ Oktober/Dezember Zur Zeit gültiger Anzeigentarif Nr. 18 vom 1. Oktober 2013 ISSN 2193-5254 Satz L42 Media Solutions Druck Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG Gewerbering West 27 39240 Calbe Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Vorstand Präsident Dr. med. Andreas Gassen, Düsseldorf Vizepräsident Helmut Mälzer, Berlin Vizepräsident Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer, Berlin Vizepräsident Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Schatzmeister Dr. med. Helmut Weinhart, Starnberg Vorstandsmitglied Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz, Brandenburg Vorstandsmitglied Dr. med. Angela Moewes, Bochum Vorstandsmitglied Prof. Dr. med. Alexander Beck Generalsekretär der DGOU Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Aachen Geschäftsstelle des BVOU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 79 74 44 44 Fax: (0 30) 79 74 44 45 E-Mail: bvou@bvou.net www.bvou.net Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Bertil Bouillon, Köln Erster Vizepräsident Prof. Dr. Christoph Josten, Leipzig Zweiter Vizepräsident Prof. Dr. med. Michael Nerlich, Regensburg Dritter Vizepräsident Prof. Dr. med. Florian Gebhard, Ulm Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/ Main Schatzmeister Prof. Dr. Joachim Windolf, Düsseldorf Schriftführer Prof. Dr. Andreas Seekamp, Kiel Geschäftsführer der AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH Prof. Dr. Johannes Sturm, München/Münster Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de www.dgu-online.de Jährlicher Bezugspreis* Versandkosten Persönliches Abonnement (Gesamtpreis inkl. Versandkosten) Institutionelles Abonnement** (Gesamtpreis inkl. Versandkosten) Inland 32,80 219,(251,80 €) 375,(407,80 €) Ausland 34,90 219,(253,90 €) 375,(409,90 €) Übersee 42,80 219,(261,80 €) 375,(417,80 €)  unverbindlich empfohlene Preise (gültig bis 31.12.2014) * ** Weitere Informationen finden Sie unter http://www.thieme.de/connect/de/services/productlicensing.html 362 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014

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Impressum Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident (und Präsident der DGOOC) Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Düsseldorf Stellv. Präsident (und Präsident der DGU) Prof. Dr. med. Bertil Bouillon, Köln 2. Vizepräsidenten von DGU und DGOOC Prof. Dr. med. Michael Nerlich, Regensburg Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf Generalsekretär (und Generalsekretär der DGOOC) Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Aachen Stellv. Generalsekretär (und Generalsekretär der DGU) Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/Main Schatzmeister (und Schatzmeister der DGU) Prof. Dr. med. Joachim Windolf, Düsseldorf Schatzmeister der DGOOC Prof. Dr. med. Werner E. Siebert, Kassel Vertreter der nichtselbständigen Ärzte aus dem nichtständigen Beirat Dr. Richard Stange, Münster Leiter des Ausschusses Versorgung, Qualität und Sicherheit Dr. Daniel Frank, Düsseldorf Leiterin des Ausschusses Bildung und Nachwuchs Prof. h.c. Dr. Almut Tempka, Berlin Leiter des Ausschusses Wissenschaft und Forschung Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim Grifka, Bad Abbach Vertreter des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) Dr. med. Andreas Gassen, Düsseldorf Vertreter des Berufsverbandes Deutscher Chirurgen (BDC) Dr. Jörg-A. Rüggeberg, Bremen Vertreter des Jungen Forums der DGOU Dr. Matthias Münzberg, Ludwigshafen DGOU-Geschäftsstelle Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 00 Fax: (0 30) 340 60 36 01 office@dgou.de www.dgou.de Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Hannover 1. Vizepräsident Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Herzogenaurach 2. Vizepräsident Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf Generalsekretär Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Berlin Schatzmeister Prof. Dr. med. Werner E. Siebert, Kassel Präsident des Berufsverbandes BVOU Dr. med. Andreas Gassen, Berlin Leiter Konvent der Lehrstuhlinhaber für Orthopädie Prof. Dr. h. c. Joachim Grifka, Bad Abbach Vorsitzender VLOU Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Österreichische Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Vorstand Präsident Prim. Dr. Peter Zenz, Wien/Österreich 1. Vizepräsident Univ. Prof. Dr. Stefan Nehrer, Krems/Österreich 2. Vizepräsident Prim. Univ. Prof. Dr. Mag. Bernd Stöckl, Österreich Generalsekretär Univ. Prof. Dr. Alexander Giurea, Wien/Österreich Kassierer Prim. Univ. Prof. Dr. Martin Dominkus, Österreich Schriftführer Univ. Prof. Dr. Catharina Chiari, Wien/Österreich Fachgruppenobermann Dr. Rudolf Sigmund, Oberwart/Österreich Sekretariat der ÖGO c/o Medizinische Akademie Alserstraße 4 A-1090 Wien Kontakt: Dagmar Serfezi Tel.: +43-1 - 405 13 83 21 Fax: +43-1 - 407 13 82 74 E-Mail:ds@medacad.org Geschäftsstelle der DGOOC Straße des 17. Juni 106–108 (Eingang Bachstraße) 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: info@dgooc.de www.dgooc.de Mitglieder der oben genannten Verbänden und Gesellschaften erhalten die ­ Zeitschrift im Rahmen der Mitgliedschaft. JHSUIW)DFKDU]W6WXGLH Mitglied der Arbeitsgemeinschaft LA-MED Kom­munikationsforschung im Gesundheitswesen e. V. Mitglied der Informationsgesellschaft zur Fest­ stellung der Verbreitung von ­Werbeträgern e.  V. Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014 363

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Kurz und bündig Deutscher Journalistenpreis für O & U ­ausgeschrieben Der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) und die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU) loben im Jahr 2014 zum 5. Mal den „Journalistenpreis Orthopädie / Unfallchirurgie“ aus. Damit möchten die Gesellschaften die Qualität der Berichterstattung über orthopädisch-unfallchirurgische Themen fördern und die wachsende Bedeutung dieses Faches in der Öffentlichkeit sichtbar machen. Der Preis ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert und wird im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) am 28. Oktober 2014 in Berlin verliehen. Im vergangenen Jahr ging er an Max Rauner für seine Reportage „Die Auferstehung“ in der „Zeit“ und an Sigrun Damas für ihren Fernseh-Beitrag „Kniegelenk-OP – Mehr Sicherheit durch Zertifikat“, der in der NDR-„Visite“ ausgestrahlt wurde. (red) Wissenschaftliche Fachgesellschaften nutzen verschiedene Instrumente, um den akademischen Nachwuchs für sich zu begeistern. Allerdings besteht laut einer AWMF-Studie noch Nachholbedarf, AWMF fordert Alternativen zum Journal Impact Factor „Der Impaktfaktor ist kein geeignetes Instrument für die Bewertung einer Forschungsleistung und sollte schnellstmöglich durch geeignete Indikatoren ersetzt werden“, sagt Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen. Im Oktober 2013 hatte eine Gruppe von Wissenschaftlern auf dem von der AWMF veranstalteten „Berliner Forum“ die „Methoden zur Evaluation der medizinischen Forschungsleistung“ auf den Prüfstand gestellt. Ein sinnvolleres In­ strument zur Evaluation medizinischer Forschungsleistung sei das sogenannte „informierte peer-review“-Verfahren, bei dem unabhängige Fachexperten die Leistungen der Wissenschaftler begutachten. Daneben müsse es noch zusätzliche Instrumente geben. Das Positionspapier der AWMF ist in „German Medical Science“ erschienen. (red) So fördert die deutsche Hochschulmedizin ihren ­wissenschaftlichen Nachwuchs Immer weniger junge Mediziner entscheiden sich für eine akademische Laufbahn. Die Deutsche Forschungsgesellschaft warnte deshalb 2010 vor Versorgungslücken in der medizinischen Wissenschaft und veröffentlichte Empfehlungen zur Verbesserung der wissenschaftlichen Qualifizierung. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) führte nun unter ihren Mitgliedsgesellschaften – so auch bei der DGOU – eine Umfrage durch, um einen Überblick über die Fördermaßnahmen für junge Akademiker zu erhalten. 31 von 147 Fachgesellschaften hatten den Fragebogen der AWMF komplett ausgefüllt. Ein Großteil der Fachgesellschaften, die sich an der Umfrage beteiligten, bietet Förderungsprojekte für ihren wissenschaftlichen Nachwuchs an. 29 Gesellschaften loben Poster- oder Vortragspreise aus. 16 Gesellschaften er­ möglichen der nachrückenden Generation eine kostenlose Teil­ nahme an Kongressen. Eine Finanzspritze für Forschungspro­ jekte verabreichen 20 Fachgesellschaften, elf bieten Beratung bei Drittmittelanträgen an, und neun Gesellschaften haben Mentoring-Programme aufgelegt. 30 Gesellschaften fördern Promotionen, 17 unterstützen bei Auslandsaufenthalten. 15 Gesellschaften bieten Trainingskurse in Sachen Statistik, La­ bormethoden und Soft Skills an, 22 leisten Unterstützung bei klinischen Studien. Breitere Unterstützung für den Nachwuchs notwendig Dies macht ersichtlich, dass sich in der deutschen Hochschul­ medizin verschiedene Nachwuchsförderinstrumente etabliert haben. Dennoch heißt es in der Ergebnis-Diskussion der AWMF: „Um Nachwuchswissenschaftlern aber längerfristige Perspek­ tiven im wissenschaftlichen Bereich zu ermöglichen, sind zu­ künftig eine noch breitere Unterstützung für den Nachwuchs und ein interdisziplinärer Austausch über etablierte Instrumen­ te notwendig.“ (je) Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014 Ärzte starten neues Portal für Selbstzahlerleistungen Die in der Hauptstadt ansässige Ärztliche Gesellschaft für Gesundheit und Prävention e. V. (ÄGGP) hat mit free-med ein neues Informationsportal ins Leben gerufen. Patienten und Ärzte finden hier kostenlose, transparente und aktuelle Informationen zum Thema Selbstzahlermedizin sowie deren Anbieter. Die Informationen stammen von Ärzten, die diese Leistungen tatsächlich anbieten. Außerdem werden die Leistungen nicht mehr „Individuelle“, sondern „Freie Gesundheitsleistungen“ (FGL) genannt. (red) Besuchen Sie die DGOU auf Facebook! www.facebook.de/dgou.ev 364 Foto: Syda Productions/Fotolia

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Nachrichten Operieren während der Schwangerschaft: Chirurginnen gewinnen Preis Das Projekt zur Erstellung eines Positionspapiers „Operative Tätigkeit während der Schwangerschaft“ des Jungen Forums der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU) hat den FamSurg-Sonderpreis 2014 gewonnen. Vor dem Erfahrungshintergrund ihrer eigenen Schwangerschaft erarbeiten Dr. Maya Niethard und Dr. Stefanie Donner, beide Fachärztinnen für Orthopädie und Unfallchirurgie, Handlungsempfehlungen für Kliniken zum rechtlichen Umgang mit Chi­ rurginnen, die während der Schwangerschaft das Skalpell nicht aus der Hand legen wollen. Bisher werden junge Ärztinnen unmittelbar nach Bekanntgabe einer Schwangerschaft aus dem OP verbannt, oder sie verheim­ lichen ihre Schwangerschaft, so lange es geht, und verzichten so auf einen sinnvollen, gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutz. Ziel des Projektes ist es, Arbeitgebern bis 2015 eine Handlungs­ empfehlung zur Verfügung zu stellen, in der die aktuelle Rechtsund Datenlage aufgeführt ist und die Möglichkeit einer indivi­ duellen Gefährdungsbeurteilung vorgestellt wird. Schwangere Chirurginnen sollen so die Chance bekommen, während ihrer Schwangerschaft unter bestimmten Voraussetzungen und Schutzmaßnahmen weiter operieren zu können. Auf diese Wei­ se lässt sich vermeiden, dass jungen Ärztinnen wertvolle Zeit für ihre Aus- und Weiterbildung verloren geht. Meilenstein für zukünftige Chirurginnen „Das Positionspapier stellt einen Meilenstein für alle zukünf­ tigen Chirurginnen dar, die mit viel Ehrgeiz und persönlichem Engagement den Weg der Chirurgie beschritten haben. Es führt zu einem offeneren Umgang mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ermöglicht es, einen Knick in der beruf­ lichen Karriere von Chirurginnen zu vermeiden“, sagt Projekt­ leiterin Maya Niethard, die auch die Sektion Familie und Beruf des Jungen Forums der DGOU leitet. Im Rahmen des „Perspek­ tivforums Junge Chirurgie der Deutschen Gesellschaft für Chi­ rurgie (DGCH)“ werden bereits jetzt in enger Zusammenarbeit mit anderen chirurgischen Fachgesellschaften gemeinsame In­ teressen gebündelt und Erfahrungen ausgetauscht, um das The­ ma „Operative Tätigkeit in der Schwangerschaft“ auf eine breite Basis zu stellen. Mehr als 50 Prozent der aktiv chirurgisch tätigen Weiterbil­ dungsassistenten sind laut einer Umfrage des Berufsverbandes der Chirurgen (BDC) 2013 Frauen. Allerdings bestehen beim Ar­ beitgeber gerade bezüglich des Einsatzes schwangerer Ärztin­ nen große Unsicherheiten. Viele Ärztinnen wollen auch wäh­ rend der Schwangerschaft operieren, scheitern aber an der ver­ alteten Auslegung des Mutterschutzgesetzes von 1952 durch den Arbeitgeber, Betriebsarzt oder das Gewerbeaufsichtsamt. Dementsprechend verbieten die Kliniken den Umgang mit Dr. Maya Niethard nimmt in Lübeck den FamSurg-Sonderpreis für das Positionspapier „Operieren in der Schwangerschaft“ entgegen. schneidenden und stechenden Instrumenten für Schwangere. Eine schriftliche Fixierung dieses Verbotes gibt es im Mutter­ schutzgesetz jedoch nicht. „Family and Surgery“ – für Frauen und familienfreundliche Strukturen im Krankenhaus Der FamSurg-Sonderpreis wurde mit 500 Euro dotiert. FamSurg steht für „Family und Surgery“ bzw. „Female Surgeon“ und ist ein Projekt zur Förderung von Frauen und familienfreundlichen Strukturen in der Chirurgie. FamSurg wird gefördert vom Bun­ desministerium für Bildung und Forschung und aus dem Euro­ päischen Sozialfonds der Europäischen Union (ESF), Projektträ­ ger ist die Klinik für Allgemeine Chirurgie (Campus Lübeck) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Susanne Herda Zum Weiterlesen Einen ausführlichen Bericht zum Status quo des Positionspapiers „Operieren in der Schwangerschaft“ des Jungen Forums der DGOU finden Sie in dieser Ausgabe der „Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten“ auf Seite 374. Gleich im Anschluss schildert Dr. Susanne Donner im Interview ihre persönlichen Erfahrungen bei der Durchsetzung der Erlaubnis, während der Schwangerschaft zu operieren („Mit Babybauch im OP“, Seite 376). Ein Porträt von Dr.  Maya Niethard finden Sie auf der DGOU-Website in der Rubrik „Gesichter in O & U“. Foto: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014 365

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Nachrichten Symposium in Kassel: Gestern, Heute und Morgen in O & U Am 4. und 5. Juli 2014 fand in Kassel, veranstaltet von der V ­ itos Orthopädischen Klinik Kassel und ihrem Ärztlichen Direktor, Prof. Dr. Werner Siebert, ein Symposium zum Thema „Blick zurück nach vorn – Orthopädie und Unfallchirurgie zwischen Erfahrung und Innovation“ statt. thopädischen Klinik in Kassel, Prof. Werner Siebert. Alle Referen­ ten, darunter die Generalsekretäre, Ex-Präsidenten, jetzigen und kommenden Präsidenten der DGOOC und DGOU, fanden dieses neue Format außerordentlich interessant und fruchtbar. Erfah­ rene Experten diskutierten mit sehr erfahrenen Teilnehmern des Symposiums wichtige Punkte des Gestern, Heute und Mor­ gen in Orthopädie und Unfallchirurgie. Basierend auf Daten der Versorgungsforschung und der Register in Europa und Übersee wurde die Bedarfslage für Mitteleuropa analysiert und bespro­ chen, welche und wie viele Operationen wir für die Zukunft pla­ nen müssen, welchen Arztbedarf wir haben, welchen Stellenwert die konservative Therapie im Vergleich zur operativen Therapie hat und dies über alle Schwerpunkte von der Kinderorthopädie, über Endoprothetik, Unfallchirurgie bis hin zur Wirbelsäule. Ein rundum gelungenes Symposium, das auch ein interessantes Rahmenprogramm bieten konnte. Die documenta-Stadt Kassel hat viel zu bieten und ist vielleicht eine der meistunterschätz­ ten kleinen Großstädte in Deutschland. Nicht nur das Welt­ kulturerbe Bergpark und das Schloss Wilhelmshöhe mit den ausgezeichneten Sammlungen beeindruckten die Teilnehmer, die teilweise von weit her angereist waren. Ergänzt wurde das Symposium von vielen Workshops, in denen die Teilnehmer sich mit verschiedensten Therapieformen in O  &  U auseinan­ dersetzen und auch konservativen Behandlungsverfahren an­ nähern konnten. Prof. Dr. Werner Siebert Über 300 Teilnehmer des überregionalen Symposiums mit Refe­ renten aus Österreich, Schweiz und Deutschland diskutierten im Kasseler Ständehaus aktuelle Themen aus O & U. Anlass war auch das 20jährige Dienstjubiläum des Ärztlichen Direktors der Or­ Exklusiv für DGOU-Mitglieder: e.Med Abo abschließen und 100 Euro sparen Springer Medizin unterbreitet den Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie ein exklusives Angebot: Sie können den Online-Zugang e.Med zum Sonderpreis von 299 Euro – statt 399 Euro – abonnieren. e.Med ist der Online-Zugang zu allen digitalen Inhalten von Springer Medizin. Als Abonnent von e.Med können Sie in der sogenannten e.Bibliothek in rund 500 nationalen und inter­ nationalen medizinischen Springer-Zeitschriften im Volltext recherchieren und sich so immer über die neuesten Publikatio­ nen, Studien und Therapieverfahren informieren. Zusätzlich können Sie sich als e.Med-Abonnent eine deutsch­ sprachige gedruckte Fachzeitschrift Ihrer Wahl, zum Beispiel „Der Orthopäde“ oder „Der Unfallchirurg“, als sogenanntes e.Xtra dazu bestellen (dafür fallen lediglich Versandkosten an). Aus dem Fachgebiet der Orthopädie und Unfallchirurgie stehen Ihnen beispielsweise diese Fachzeitschriften zur Verfügung: Der Orthopäde, Der Unfallchirurg, Der Chirurg, Operative Or­ thopädie und Traumatologie, Zeitschrift für Rheumatologie, Obere Extremität, Trauma und Berufskrankheit, Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery, Knee Surgery, Sports Trau­ matology, Arthroscopy, European Spine Journal, European Journal of Orthopaedic Surgery  &  Traumatology, Osteoporosis International, Clinical Orthopaedics and Related Research, In­ ternational Orthopaedics, Calcified Tissue International, Eu­ ropean Journal of Trauma and Emergency Surgery, European Orthopaedics and Traumatology, Journal of Children‘s Ortho­ paedics, Journal of Orthopaedic Science, Langenbeck‘s Archives of Surgery. Auf der Fortbildungsplattform von Springer Medizin, der so­ genannten e.Akademie, stehen jährlich rund 500 neue zerti­ fizierte, deutschsprachige CME-Fortbildungskurse im neuen eLearning-Format mit multimedialen und interaktiven Ele­ menten zur Auswahl – davon ca. 100 im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie. Diese Fortbildungen können Sie als e.MedAbonnent im Rahmen Ihres Abonnements nutzen. Praktische Tools wie Kursplaner mit Merkliste und das Kursarchiv helfen Ihnen beim Strukturieren Ihrer Fortbildungen. Zur Bestellung Hier können Sie e.Med testen und zum Gesellschafts-Sonderpreis ­bestellen: springermedizin.de/emed-dgou/?code=dgou14 366 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014

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Aus unserem Fach E uro pa O & U in Europa: EFORT, ESTES, UEMS und andere … Europa wird nicht nur in der Gesetzgebung der Länder immer wichtiger. Auch die Gesundheitssysteme und damit die berufsverbandlichen und fachgesellschaftlichen Interessen der Mediziner werden in zunehmendem Umfang von europäischen Regelungen tangiert. Die europäische Rechtsprechung zu den Arbeitszeitgesetzen, die Regelungen zu Migrationsfreiheit und die gerade abgelaufene Diskussion zum Berufsausweis für „Gesundheitsdienstleister“ zeigen, dass sich die medizinischen Fachgesellschaften und Berufsverbände auch in Europa wiederfinden und dafür neu ordnen müssen. Das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie, wie es in Deutschland seit der neuen Wei­ terbildungsordnung von 2003 besteht, ist in seiner Art in Europa einmalig. Dies ist auf die unterschiedlichen Wege von Or­ thopädie und Unfallchirurgie in der Ver­ gangenheit zurückzuführen. Die Ortho­ pädie hatte sich bereits im Jahr 1901 als Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie von der „Mutter Chirurgie“ abgespalten und war seitdem stets ein eigenes Gebiet. Die Unfallchirur­ gie wiederum war bis zur neuen Weiter­ bildungsordnung Schwerpunkt der Chi­ rurgie und daher mit den chirurgischen Fachgesellschaften und Berufsverbänden eng verknüpft. Diese unterschiedliche Historie findet sich auch noch in den Re­ 368 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014 Bild: fotomek/Fotolia

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Aus unserem Fach präsentationen auf der europäischen Ebe­ ne wieder. Die Orthopädie und Unfallchi­ rurgie in Deutschland ist daher mehr als die angloamerikanische Orthopädische Chirurgie (Orthopaedic Surgery) mit Ver­ sorgung des muskuloskeletalen Traumas. Die Fachgesellschaften haben in Europa eine eigene Vertretung, ebenso die Be­ rufsverbände (▶ Abb. 1). ■■ Die EFORT (European Federation of National Associations of Ortho­ paedics and Traumatology) ist die Dachgesellschaft für die Fachgesell­ schaften für Orthopädie und Trau­ matologie in Europa. Die DGOOC ist seit über 20 Jahren in der General Assembly – wie alle europäischen Länder – mit zwei Delegierten (einer davon für die DGOOC und einer für den BVOU) vertreten. Seit einem Jahr steht auch der DGU in der EFORT ein Sitz zur Verfügung, allerdings ohne Stimmrecht. DGOOC und DGU und auch der Geschäftsführende Vorstand der DGOU vertreten die Auffassung, dass die Statuten der EFORT geändert werden müssen. Es kann nicht sein, dass ein Land mit circa 15.000 berufstätigen Orthopä­ den und Unfallchirurgen gleich viele Stimmen in der General Assembly hat wie Länder mit etwa 300 Ärzten. Dies führt zu einer Verwerfung von Strukturen, zum Beispiel im Bereich der Weiterbildung oder Versorgung. In der UEMS existiert eine Sektion Orthopädie, in die zwei Vertreter aus dem ehemaligen Bereich der Orthopädie entsandt werden. Be­ reits in den 90er Jahren hatten sich DGOT und BVO darauf geeinigt, ihre Interessensvertretung in EFORT und UEMS gemeinsam zu gestalten. So sitzt in beiden Verbänden jeweils ein Repräsentant der Fachgesellschaft und einer des Berufsverbandes. Die Unfallchirurgie wiederum entsendet einen Vertreter in die Division Trau­ matologie der Sektion Chirurgie. Große Unterschiede in den Berufs­ ordnungen der einzelnen Länder Warum ist die orthopädisch-unfallchi­ rurgische Interessensvertretung auf eu­ ropäischer Ebene zunehmend wichtig? Die UEMS ist eine private Institution, die mit einem entsprechenden Eigenin­ teresse die Anliegen der verschiedenen Berufsverbände vertritt. Darin spielen natürlich Mehrheitsverhältnisse in Euro­ pa eine große Rolle. Die UEMS hat zum Beispiel als erste europäische Institution Vorgaben für eine europäische Weiterbil­ dungsordnung und für ein europäisches Facharztexamen auf den Weg gebracht. Die dabei zugrunde liegende Berufsord­ nung ist in vielen Bereichen unschlüssig und von überlappenden Bereichen ge­ kennzeichnet, wie sie nun einmal in Eu­ ropa existieren. Ein besonderes Problem ist zum Beispiel die Existenz des General Surgeon, der in Europa zum Teil die Trau­ matologie und damit die unfallchirurgi­ schen Inhalte des deutschen Facharztes für Orthopädie und Unfallchirurgie mit vertritt (siehe nachfolgendes Interview). Neuerdings ist umstritten, wer denn die Fachärzte in der UEMS vertreten dürfe. Ursprünglich war die Gemeinschaft der Fachärztlichen Berufsverbände (GFB) mit ihren Mitgliedern in der UEMS or­ ganisiert. Dem GFB gehört auch der BDC an. Aus verschiedenen Gründen hat sich neben der GFB der Spitzenverband der Fachärzte (SpiFA) organisiert, der zahl­ reiche Organfachärzte und so auch den BVOU in sich vereinigt. Dieser ist bisher nicht für die UEMS akkreditiert. EFORT hat Curriculum für Europa ­vorgelegt Die EFORT hat sich nun als ein in der Schweiz angesiedelter Verein mit europä­ ischer Interessensvertretung für Orthopä­ die und Traumatologie erstmals ebenfalls mit der Weiterbildungsordnung beschäf­ tigt und ein Curriculum für Europa vor­ gelegt. Dies ist begrüßenswert, weil auf dem Weg nach Europa zunächst einmal Gemeinsamkeiten in der Weiterbildungs­ ordnung und in den Fächern gesucht wer­ den müssen, um dann einen über mehrere Jahre gehenden Entwicklungsprozess auf den Weg zu bringen. Dies wird bei der Un­ terschiedlichkeit der Gesundheitssysteme ohnehin schwierig genug. Erschwerend kommt hinzu, dass nun auch europäische Normierungsbehörden die Gesundheits­ berufe als Betätigungsfeld entdeckt ha­ ben. So wurde vor kurzem der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie durch das CEN in Brüssel normiert (siehe OUMN, Heft 1, S. 29f.: „Europa auf dem Vormarsch“). Es gilt also für Orthopädie und Unfallchirurgie, die europäischen Entwicklungen im Auge zu behalten und sich unter Berücksichtigung strategischer Gesichtspunkte neu aufzustellen. Prof. Dr. Fritz Uwe Niethard Prof. Dr. Reinhard Hoffmann ■■ Die ESTES (European Society for Trauma and Emergency Surgery) wiederum vertritt Einzelpersonen und Fachgesellschaften, die sich schwerpunktmäßig mit der Unfallund Notfallchirurgie beschäftigen. Die Fachgesellschaften sind dabei nur mit einer Stimme vertreten, so dass dem Votum der Einzelpersonen gro­ ße Bedeutung zukommt. Die ESTES wird naturgemäß von zahlreichen Personen aus dem Bereich der Gene­ ral Surgery repräsentiert. Prof. Dr. Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär DGOOC / DGOU ■■ Die UEMS (European Union of Medi­ cal Specialists) ist ein privat organi­ sierter Dachverband aller fachärzt­ lichen Berufsverbände in Europa. Prof. Dr. Reinhard ­ Hoffmann, DGU-Generalsekretär, stellv. DGOU-Generalsekretär Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014 369

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Aus unserem Fach Prof. Dr. Stefan Post Prof. Dr. Hans-Jörg Oestern Inter v i ew Die Zukunft der Chirurgie in Europa Die Europäische Union schreibt vor, dass Facharztqualifikationen über nationale Grenzen hinweg anerkannt werden. Doch die fachlichen Standards sind in den einzelnen Mitgliedstaaten nach wie vor sehr unterschiedlich. Die Union Européenne des Médecins Specialisés (UEMS) bietet deshalb eine europaweite Facharztprüfung an: das EBSQ-Examen (EBSQ – European Board of Surgery Qualification). Über dessen chirurgische Inhalte scheiden sich in manchen Punkten die Geister. Wir sprachen darüber mit Prof. Stefan Post und Prof. Hans-Jörg Oestern, die der UEMS Section of Surgery angehören. Die UEMS strebt eine Harmonisierung der Ärzteausbildung in Europa an. Angesichts der offenen Grenzen in Europa und der Ärztewanderung erscheint das auch sinnvoll. Aber ist es auch möglich? – schließlich sind die Fachrichtungen in den einzelnen Ländern doch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Prof. Post: Die gegenseitige Anerkennung von Titeln in den einzelnen Ländern ist einer echten Harmonisierung vorausge­ gangen. Das bedeutet, dass Facharztquali­ fikationen theoretisch anerkannt werden müssen. Praktisch gibt es aber sehr große Unterschiede in den Weiterbildungsord­ nungen der einzelnen Länder. Zu gewis­ sen Verwerfungen kann es deshalb mög­ licherweise noch immer kommen. Zum Beispiel hinsichtlich des General Surgeon? Prof. Post: Das, was der General Surge­ on in Europa bedeutet, ist tatsächlich einer der Punkte, die sich von Land zu Land nicht unerheblich unterscheiden. So mahnen die deutschen Orthopäden und Unfallchirurgen an, dass in manchen Ländern die Basiskenntnisse in muskulo­ skeletaler Chirurgie in manchen Ländern noch immer im General Surgeon enthal­ ten sind. Hinsichtlich der Kompetenz, Knochenbrüche akut operativ zu behan­ deln, gibt es also sehr große Divergenzen. Welches Modell hält denn die UEMS für sinnvoll? Eher das deutsche Modell, in dem das gemeinsame Fach Orthopädie und Unfallchirurgie für die muskuloske­ letale Chirurgie zuständig ist? Oder den General Surgeon, der als Generalist die unfallchirurgischen Aufgaben mit übernimmt? Post: In meiner Wahrnehmung hat die UEMS keine eigenständige Meinung zum operativen Spektrum der einzelnen Fach­ 370 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014

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Aus unserem Fach richtungen. Dieses Spektrum in Europa wird zum einen durch die historisch ge­ wachsenen Unterschiede vorgegeben, zum anderen durch Unterschiede in der Bevölkerungsdichte. Das heißt, der Ge­ neral Surgeon, der in Nordfinnland einen riesengroßen Einzugsbereich hat, muss andere Notfallkompetenzen aufweisen als derjenige im Zentrum von London. Trotzdem ist der Trend erkennbar, dass der General Surgeon nicht mehr die Kom­ petenz hat, notfallmäßig Knochenbrüche operativ zu versorgen. Die UEMS bietet für die Allgemeinchirurgie über die eu­ ropäischen EBSQ-Examina einen eigenen Facharzttitel an. Dieser ist jedoch sehr variabel definiert – man kann ihn mit und ohne Kenntnisse in der operativen Versorgung von Knochenbrüchen able­ gen. Im jeweiligen Titel sind dann die tat­ sächlichen Kompetenzen beschrieben. In jedem Fall kann man sich aber EBSQ-ge­ prüfter General Surgeon nennen. Nach­ gefragt wird dieser Titel in der Regel nur von außereuropäischen Interessenten, die damit in der EU praktizieren wollen. Prof. Oestern: Was – wie man betonen muss – nicht möglich ist. Das ist immer noch ein Irrglaube von Teilnehmern aus außereuropäischen Ländern, dass sie mei­ nen, mit dem bestandenen Examen auch die Berechtigung zu erhalten, hier ärztlich tätig zu sein. Das ist nicht möglich. Wird es den General Surgeon denn überhaupt noch lange geben? Die Spezialisierung in der Chirurgie scheint unaufhaltbar. Prof. Oestern: In Deutschland haben sich praktisch alle chirurgischen Fächer da­ rauf geeinigt, dass die Allgemeinchirur­ gie mit der Viszeralchirurgie zusammen geht – eben ohne orthopädische und unfallchirurgische Inhalte. Diese Über­ einkunft hat die gemeinsame Weiter­ bildungskommission getroffen, die Bun­ desärztekammer wird hoffentlich diese Übereinkunft bei der Novelle der MusterWeiterbildungsordnung berücksichtigen. Für Deutschland ist also alles klar. Der europäische Facharzt ist, wie Herr Prof. Post schon gesagt hat, sehr breit aufge­ stellt. Da gibt es einen 26 Seiten umfas­ senden Katalog, in dem alle möglichen Prozeduren aufgelistet sind, die bis in die Neurochirurgie, Gynäkologie oder Urolo­ gie hineinreichen. Man kann von einem Kandidaten nicht erwarten, dass er über alles Bescheid weiß. Wenn wir uns wie­ derum die unfallchirurgischen Inhalte beim General Surgeon ansehen, sind dort nur 25 muskuloskeletale Eingriffe vor­ gesehen. Davon beziehen sich zehn auf Amputationen, Diabetische Füße, sekun­ däre Hautverschlüsse. Von den insgesamt 750 Eingriffen, die der General Surgeon beherrschen muss, entfallen also gerade mal 15 auf die Unfallchirurgie im Sinne der Versorgung von Weichteilverletzun­ gen und Osteosynthesen. Damit kommt man nicht weit. Prof. Post: Um das noch zu ergänzen: Die Wunschvorstellung der chirurgischen Fachgesellschaften, nämlich die künftige Weiterbildungsordnung in Deutschland dahingehend zu modifizieren, dass der Allgemeinchirurg zwar noch existent ist, aber letztlich allgemeine und kleine Vis­ zeralchirurgie macht und nicht die Kom­ petenz erwirbt, im Notfall Eingriffe am Knochen zu machen, wäre durchaus im Sinne der UEMS und würde dem Trend in vielen anderen europäischen Ländern entsprechen. In anderen Worten: Die UEMS favorisiert ein Modell, in dem es einerseits einen Allgemein- und Viszeralchirurgen und andererseits den Orthopäden und Unfallchirurgen für die muskuloskeletale Chirurgie gibt? Prof. Post: Das kann man so nicht sagen. Das Weiterbildungsrecht mit den auf ei­ nem Facharzt aufgesattelten Spezialqua­ lifikationen ist eine deutsche Besonder­ heit. Die UEMS bezieht sich immer auf Facharztbezeichnungen, die in möglichst vielen Ländern angeboten werden. So et­ was wie den Speziellen Viszeralchirurgen oder den Speziellen Unfallchirurgen gibt es in den meisten anderen europäischen Ländern gar nicht. Deswegen ist diese über den Facharzt hinausgehende Spezia­ lisierung für die UEMS auch kein Thema. Die UEMS beschäftigt sich mit dem Ge­ neral Surgeon und anderen Titeln, die in vielen Ländern angeboten werden. Wäre es umsetzbar, auf den General Surgeon noch eine Spezialisierung, etwa die Polytrauma-Versorgung, aufzusatteln? Prof. Oestern: Nein, das würde nicht ge­ hen. Wie gesagt: Die UEMS muss einen Facharzttitel General Surgeon anbieten, weil es ihn in allen europäischen Ländern gibt. Einen General Surgeon mit einer Spezialisierung wie Polytrauma oder Os­ teosynthese halte ich ehrlich gesagt für undenkbar. Prof. Post: Da kommen wir jetzt in die Tiefen dessen, was im Zuge der Weiter­ bildungsordnungsreform in Deutschland diskutiert wird. Nach der zur Zeit gültigen Weiterbildungsordnung gibt es den Allge­ meinchirurgen und zusätzlich denjenigen, der die kleine Viszeralchirurgie macht, also den sogenannten kleinen Viszeralchirur­ gen. Der ist eigentlich das, was mittelfristig der Allgemeinchirurg sein soll. Daneben gibt es den Allgemeinchirurgen, der min­ destens ein Jahr Unfallchirurgie gemacht haben muss. Der steckt momentan weiter­ bildungstechnisch in einer Sackgasse. Eine spezielle chirurgische Weiterqualifikation kann er nicht aufsatteln. Dieser Punkt wird heftig kritisiert und soll geändert werden. Über die Konditionen wird derzeit noch gestritten. So soll der Allgemeinchirurg die spezielle Viszeralchirurgie aufsatteln können. Aber wenn das möglich sein soll, muss man auch darüber diskutieren, ob er – unter welchen Konditionen auch immer – die spezielle Unfallchirurgie aufsatteln kann. Um diesen Punkt wird aufs Heftigste gerungen. Würde diese Spezialisierung nicht viel zu lange dauern? Prof. Oestern: Mit einem Modell, bei dem ein Allgemeinchirurg mit einem Jahr Un­ fallchirurgie, in dem sechs Jahre Weiterbil­ dung in O  &  U versenkt sind, die spezielle Unfallchirurgie aufsattelt, wäre ich über­ haupt nicht einverstanden. Dieser Allge­ meinchirurg hat ja in den ersten sechs Jah­ ren schon eine ganz andere Ausbildung be­ kommen als jemand, der sechs Jahre in der Orthopädie und Unfallchirurgie verbracht hat und nach drei weiteren Jahren entwe­ der die spezielle operative Orthopädie oder die spezielle Unfallchirurgie erwerben kann. Wer sechs Jahre lang eine Weiterbil­ dung in Allgemeinchirurgie (und davon ein Jahr in der Unfallchirurgie) absolviert hat, war fünf Jahre letztlich in einer anderen Disziplin tätig. Es ist unvorstellbar, dass er dann in drei weiteren Jahren die Kenntnis­ se, das Wissen und die Fertigkeiten erwer­ ben kann wie ein Spezieller Unfallchirurg mit einer neunjährigen Weiterbildung. Sie sagten vorhin, die EBSQ-Prüfung zum General Surgeon befähige nicht dazu, in jedem beliebigen Land Europas chirurgisch tätig zu sein – wofür sollte man sie dann überhaupt absolvieren? Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014 371

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Aus unserem Fach Prof. Oestern: Die EBSQ-Prüfung dient als Sign of Excellence. Wer dieses Examen gemacht hat, hat ein Examen bestanden, das sicherlich hochwertiger anzusehen ist als die deutsche Facharztprüfung. Es setzt sich aus drei Teilen zusammen, fordert ein sehr fundiertes Wissen und entsprechende praktische Erfahrung und wird deshalb auch in den USA anerkannt. Wir haben einen Kollegen, der nur auf­ grund dieses Examens dort leitend tätig werden konnte. Sein deutscher Abschluss wurde nicht anerkannt – weil eben noch qualitative Unterschiede bestehen. Prof. Post: Die EBSQ-Examen haben au­ ßerdem den Vorteil, dass es Spezialtitel für Subspezialitäten gibt, die man sonst gar nicht erwerben kann. Es gibt zum Beispiel einen eigenen Facharzt für Koloproktolo­ gie oder einen für endokrine Chirurgie. Diese Facharzttitel sind in Deutschland und in den meisten anderen europäischen Ländern national nicht erwerbbar. Die EBSQ bietet auch eine Spezialqualifikation Transplantationschirurgie an – der einzi­ ge Weg, um diese spezielle Qualifikation mit einer Prüfung und einem Zertifikat zu belegen. Diese Spezialzertifikate werden am ehesten auf nationaler Ebene anstelle eines gleichwertigen Examens für einen Spezialfacharzt anerkannt. Sehen Sie die Harmonisierung von Gesundheitsberufen in Europa kritisch? Das CEN-Institut in Brüssel hat kürzlich eine Norm für die plastische Chirurgie verabschiedet. Könnte die Qualität der Gesundheitsversorgung darunter leiden? Oder – ganz im Gegenteil – könnte sie europaweit einheitlich und dadurch insgesamt besser werden? Prof. Oestern: Nicht Normen aus Brüssel dürfen die ärztliche Berufsausübung und die Qualität der Versorgung beeinflus­ sen, sondern in breitem Konsens ent­ wickelte wissenschaftliche Leitlinien. Es gibt in den Fachgesellschaften konkrete Entwicklungen, europäische Leitlinien zu gestalten und zu vereinheitlichen. Doch auch Leitlinien geben nicht zwin­ gend einen Beweis für richtiges oder falsches ärztliches Handeln ab, da es in der Medizin immer auf den Einzelfall an­ kommt. Prof. Post: Das Thema Normierung, das Sie ansprechen, hat mit der UEMS ei­ gentlich gar nichts zu tun. Uns geht es um die Harmonisierung von Qualifika­ tionen. Dennoch erachtet die UEMS wie die meisten deutschen Fachgesellschaf­ ten die Normierungsbestrebungen aus Brüssel als hoch gefährliche Entwick­ lung. Denn da werden nicht Leitlinien gemacht, sondern Prozeduren normiert. Und das widerspricht jedem Verständ­ nis dessen, wie man sinnvolle Medizin macht. Könnte eine abgestimmte europäische Facharztprüfung nicht als hinlänglicher Beweis dafür gelten, dass es keine Normen braucht? Prof. Oestern: Das in jedem Falle. Die EBSQ-Examina sind sehr hilfreich, weil sie zeigen, dass wir die Qualität hoch hal­ ten. Prof. Post: Sehr hoch. Nicht umsonst ist die Durchfallquote wesentlich höher als bei der Facharztprüfung in Deutschland. Prof. Oestern: Stimmt genau, daran kann man den Wert des Examens messen. Kandidaten aus unserem Fach, die sich für diese Prüfung anmelden, sind meist sehr erfahrene Chirurgen, die über ein breites Wissen verfügen. Ich glaube, da sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg. Vielen Dank für das Gespräch! Interview: Jana Ehrhardt-Joswig Jana Ehrhardt-Joswig ist freie Journalistin und Redakteurin der OUMN. 372 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | August 2014

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